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Transkript:

1 MULTIMOMENTAUFNAHME 1.1 DEFINITION Die Multimomentaufnahme besteht in dem erfassen der Häufigkeit zufor festgelegter Ablaufarten an einem oder mehreren gleichartigen Arbeitssysthemen mit Hilfe stichprobenmäßig durchgeführter Kurzzeitbeobachtungen. 1.2 VERGLEICH VON ZEITAUFNAHME UND MULTIMOMENTAUFNAHME Bei der Zeitaufnahme wird ein Ablauf in Abschnitte gegliedert und die Zeiten zu diesen Abschnitten werden fortlaufend gemessen. Anders bei der MMA: hier wird der Ablauf in Ablaufarten gegliedert und stichprobenmäßig erfaßt welche Ablaufart zu einer bestimmten Zeit vorliegt. Beide Verfahren werden statistisch Ausgewertet, jedoch liefert die Zeiterfassung Soll-Werte (Zeiten) für die Ablaufabschnitte und die MMA lifert Ist-Werte über die Häufigkeit des Auftretens eines Zustandes. Man unterscheidet bei der MMA zwischen MM Einzelaufnahmen : Diese liegen vor wenn bei einem Rundgang die Ablaufarten eines jeden beobachteten Objektes einzeln erfaßt wird. MM Gruppenaufnahmen: Diese liegen vor wenn eine gewisse Zahl an Objekten summarisch erfaßt wird. Hier kann man z.b. aussagen, daß in einer Versandabteilung pro Arbeiter durchschnittlich 20% an ablaufbedingten Unterbrechungen anfallen, aber man kann nicht spezifische Werte für jeden Arbeiter ermitteln. Der Vorteil der Gruppenaufnahmen besteht darin, daß weniger Beobachtungen nötig sind. 2 PLANUNG VON MMA (Bild 1) 2.1 ZIEL FESTLEGEN Als erstes muß man das Ziel und die zu beobachtenden Arbeitssystheme festlegen. Die MMA läßt sich anwenden: -zur Ermittlung betrieblicher Kennzahlen (Mechanisierungsgrad, Auslastung,...) Seite 1

-zur Untersuchung von Arbeitsabläufen in Verbindung mit Fertigungsplanung und -steuerung. -zur Ermittlung von Verteilzeitzuschlägen im Rahmen der Vorgabezeitermittlung. Nach möglichkeit soll man prüfen ob es nicht möglich ist mehrere Arbeitssysteme oder Zielsetzungen in die MMA einbeziehen kann um den Gesamtaufwand gering zu halten. 2.2 ABLAUFARTEN FESTLEGEN UND BESCHREIBEN Weiters muß festgelegt werden, welche Ablaufarten man unterscheiden will um die gewünschten schlüsse ziehen zu können. Es ist wichtig das man berücksichtigt ob diese Tätigkeiten durch Kurzzeitbeobachtung unterschieden werden können. Beispiele für Ablaufarten: Fertigungszeit -Hauptnutzung -Nebennutzung -ablaufbedingtes Hilfszeit -zusätzliche Nutzung -störungsbedingtes -erholungsbedingtes -persönlich bedingtes Ausfallzeit -außer Einsatz 2.3 RUNDGANGSPLAN FESTLEGEN (Bild 2) Der Rundgangsplan ist eine skizzenmäßige Darstellung der Beobachtungsstandpunkte und -folgen. Vom Beobachtungsstandpunkt aus soll die Beobachtung eines Arbeitssystems erfolgen. Die Beobachtungsfolge gibt an welchen Weg der Beobachter nehmen soll. Hier sollen wenn möglich auch Variationen der Folge angegeben werden um das Zufallsprinzip zu wahren. 2.4 ERFORDERLICHEN BEOBACHTUNGSUMFANG N BESTIMMEN Die Anzahl der nötigen Beobachtungen kann durch statistische Methoden ermittelt werden. Seite 2

Zuallererst muß der Prozentanteil p der Ablaufart die am meisten interessiert bestimmt werden (z.b. der Anteil der Hilfszeiten bei den Papierschneidemaschinen p 30%). Weiters ist der absolute Vertrauensbereich f zu wählen. Je kleiner dieser Wert desto genauer die ermittelten Daten aber auch desto mehr Beobachtungen. Für p-werte um 25 reicht meist ein Vertrauensbereich von f =2,5%. Fur die entgültige Ermittlung von n dient das Nomogramm (Bild 3). 1.)Anteil p auf der linken Leiter einzeichnen. 2.)Vertrauensbereich f auf der Mittelleiter einzeichnen. 3.)durch diese Punkte eine Gerade legen, die die rechte Leiter schneidet. 4.)erforderliche Beobachtungen n ablesen. 2.5 RUNDGANGSZEITPUNKTE BESTIMMEN Mit Hilfe von n und der Zeit die zur durchführung der MMA zur Verfügung steht errechnet man die Anzahl der täglichen Rundgänge, und diese werden dann mittels Zufallsprinzips gleichmäßig auf den Arbeitstag verteilt. 2.6 INFORMATION DER BEOBACHTETEN Es hat sich als Vorteilhaft erwiesen die Beob. über das Ziel der Untersuchung zu Informieren, um unbeeinflußte Ergebnisse zu erhalten. 3 DURCHFÜHRUNG UND AUSWERTUNG VON MMA 3.1 LEITFRAGEN (N 500 BEOBACHTUNGEN DURCHFÜHREN) Es müssen regelmäßig Leitfragen gestellt werden um einen korrekten ablauf der MMA zu gewährleisten. 1.) Sind alle Ablaufarten eindeutig definiert? 2.) Lagen immer die gleichen Arbeitsbedingungen vor? 3.) Sind wesentliche Störungen festgestellt worden, die einfluß auf das Ergebnis haben könnten? Werden gravierende Mängel festgestellt, so kann die MMA unterbrochen werden bis diese behoben sind. 3.2 ZWISCHENAUSWERTEN Seite 3

Nach ca. 500 Beobachtungen wird meist eine Zwischenauswertung durchgeführt um zu ermitteln ob die Zahl n korrekt ist, oder ob ein Schätzfehler vorliegt. Dies geschieht wieder mit dem Nomogramm (Es gibt natürlich auch eine rechnerische Möglichkeit.). 1.) Summe x der Beobachtungen ermitteln. 2.) Anteil p je Ablaufart ermittlen. 3.) f im Nomogramm ablesen (f sollte kleiner als f sein). Beispiel mit p = 25% -> f = 3,8% Sollte f kleiner als f sein kann man die MMA bereits als beendet betrachten. 3.3 ENDAUSWERTUNG (Bild 5)...besteht aus: 1.) Anzahl der Beobachtungen pro Ablaufart (x). 2.) Anteil p jeder Ablaufart. 3.) Feststellen des erzielten Absoluten Vertrauensbereichs f. 4.) Zusammenfassen der Ergebnisse in brauchbarer Form. 3.4 KONTROLLKARTEN Stellt man Mindest- und Höchstanteile uber der Anzahl n dar, so entsteht eine Trichterkurve. Trägt man Tag für Tag die errechneten Anteilwerte ein, so entsteht wegen der zunehmenden Genauigkeit eine Punktfolge deren Schwankungen kleiner werden. Diese Darstellung wird Kontrollkarte genannt, da siehinweise auf gestörte MMA gibt wenn ein Wert den Trichter verlässt. 4 ANWENDUNG VON MMA MMA sind dort wirtschaftlich wo man Daten uber Ablaufarten in Zeitbändern benötigt, und dabei mehr als 5 Beobachtungen je Rundgang anfallen. 4.1 VORTEILE Seite 4

1.) Es werden keine Meßgeräte benötigt. 2.) Relativ kurze Bindung des Studienmannes im gegensatz zur Zeitstudie. 3.) Sehr große Anzahl von Arbeitsplätzen kann beobachtet werden. 4.) Für die Datenerfassung ist keine qualifikation nötig. 5.) Schnelles Vorliegen grober Ergebnisse. 4.2 NACHTEILE 1.) Anfällig gegen Störversuche 2.) Nicht besonders Beweiskräftig 3.) Keine Möglichkeit Details über den Arbeitsplatz zu erfahren. Seite 5