Ergebnisse der Sonderbefragung zur Kreditversorgung im Rahmen der Handelskammer Konjunkturumfrage, 1. Quartal 2010 Der Aufwärtstrend in der Hamburger Wirtschaft hält insgesamt an, so das Ergebnis der Handelskammer Konjunkturumfrage für das 1. Quartal 2010. Was Investitionsplanungen und gegenwärtige Geschäftslage anbelangt, halten sich nun zumindest positive und negative Einschätzungen annähernd die Waage. Bei den Personalplanungen überwiegen allerdings noch leicht die pessimistischen Stimmen. Hingegen blicken die befragten Unternehmen mehrheitlich optimistischer als noch zum Jahreswechsel 2009/2010 dem Verlauf des Geschäftsjahres 2010 entgegen. Vor dem Hintergrund der konjunkturellen Erholung stellt sich die Frage, inwieweit die Kreditversorgung der Hamburger Wirtschaft gewährleistet ist. Um festzustellen, ob und in welcher Form in Hamburg Handlungsbedarf besteht und um entsprechend reagieren zu können, hat unsere Handelskammer im Rahmen der Konjunkturumfragen nun zum fünften Mal im Rahmen einer Sonderbefragung Unternehmen der Real- und der Kreditwirtschaft zur Entwicklung der Finanzierungskonditionen bzw. des Umfangs der Kreditvergabe befragt. Die Ergebnisse des Kreditbarometers im Überblick: Anhaltende Verbesserung bei Finanzierungskonditionen Anforderungen an eigenen Finanzierungsanteil der Betriebe steigen Finanzierung von Betriebsmitteln bleibt mühsam Klagen über Finanzierung im Verkehrsgewerbe besonders auffällig Kleinen Unternehmen macht Finanzierung nach wie vor besonders zu schaffen Kreditinstitute verzeichnen Anstieg der Kreditvergabe an Unternehmen
Die Ergebnisse des Kreditbarometers im Einzelnen: Anhaltende Verbesserung bei Finanzierungskonditionen Keine Veränderung bei den Finanzierungskonditionen gegenüber dem Vorjahr sieht zum Ende des 1. Quartals 2010 die Mehrheit der 671 Unternehmen, die sich an der Erstellung des aktuellen Kreditbarometers beteiligt haben: Drei von vier Unternehmen (74,4 Prozent) geben an, dass die Bedingungen im Vergleich zum Vorjahr gleich geblieben seien. Dabei ist zu berücksichtigen ist, dass sich die Hamburger Wirtschaft vor einem Jahr im konjunkturellen Tief infolge der Weltwirtschaftskrise befand. Dies schlug sich im weiteren Verlauf des Jahres 2009 auch auf die Erfahrungen der Unternehmen mit den Finanzierungskonditionen nieder (vgl. die Ergebnisse des Hamburger Kreditbarometers für das 3. und 4. Quartal 2009). In der aktuellen Umfrage geben 17,1 Prozent der befragten Unternehmen an, dass sich die Finanzierungskonditionen im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert hätten. Der Anteil dieser negativen Stimmen ist im Vergleich zu den Befragungen in den beiden Vorquartalen (26,8 Prozent bzw. 33 Prozent) allerdings merklich zurückgegangen. Die Verfügbarkeit von Krediten scheint zumindest in der Breite nach wie vor gegeben zu sein. Lediglich 2,7 Prozent der befragten Unternehmen klagen aktuell darüber, dass eine Finanzierung abgelehnt oder nicht verlängert worden sei. 5,8 Prozent geben an, dass sich die Finanzierungskonditionen im Vergleich zum Vorjahr verbessert hätten 8,9 Prozent waren es allerdings noch bei der Befragung im 4. Quartal 2009. Grafik 1: Stellt man die verbessert -Meldungen der Unternehmen zum einen und die Antworten verschlechtert und nicht verlängert/abgelehnt zum anderen gegenüber, ergibt sich zum Ende des 1. Quartals 2010 ein Saldo von -14,0. Insgesamt weist die Befragung damit nach wie vor einen negativen Wert auf, aber im Vergleich zu den Befragungen im 4. Quartal 2009 (-20,9) und im 3. Quartal 2009 (-27,5) verbessern sich die Erfahrungen der Unternehmen zumindest die Finanzierungskonditionen weiter. HK Hamburg 2
Die Gesamteinschätzung der Finanzierungssituation durch Hamburger Unternehmen liegt in etwa im bundesweiten Trend. Die letzte DIHK-Umfrage zu den Kreditkonditionen in Deutschland erfolgte zum Jahreswechsel 2009/2010. Vergleicht man die Hamburger Ergebnisse mit den bundesweiten Zahlen für diesen Zeitraum, so geben deutschlandweit 9 Prozent der befragten Unternehmen eine Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr an (Hamburg: 8,9 Prozent), 63 Prozent sehen keine Veränderungen (Hamburg: 61,3 Prozent), 25 Prozent berichten von Verschlechterungen im Vergleich zum Vorjahr (Hamburg: 26,8 Prozent) und 3 Prozent gaben an, dass Kredite verweigert oder nicht verlängert worden seien. (Hamburg: 3 Prozent) verspürt haben. Anforderungen an eigenen Finanzierungsanteil der Betriebe steigen Höhere Zinsen und strengere Anforderungen an Sicherheiten sind nach wie vor die meistgenannten Bereiche, in denen die Unternehmen eine Verschlechterung gegenüber dem Vorjahr sehen. Von den Befragten mit ungünstigeren Kreditkonditionen klagt zum Ende des 1. Quartals 2010 mehr als die Hälfte (59,7 Prozent) über höhere Zinsen bei der Vorquartalsbefragung war es ein ähnlich hoher Anteil von 61,8 Prozent. Nahezu ebenso viele Unternehmen, die mit schlechteren Kreditkonditionen konfrontiert sind, gaben im aktuellen (58,9 Prozent) und vorherigen Quartal an (59,7 Prozent) an, dass sich die Anforderungen an Sicherheiten im Vergleich zum jeweiligen Vorjahr erhöht hätten. Grafik 2: Auffällig ist die Einschätzung der Unternehmen bei der gestiegenen Bedeutung des eigenen Finanzierungsanteils. 40,6 Prozent der Unternehmen, die eine Verschlechterung der Finanzierungskonditionen angegeben haben, sind hiervon betroffen. Gegenüber der Befragung im Vorquartal (28,7 Prozent) bedeutet dies einen spürbaren Anstieg um 11,9 Prozentpunkte. Wenn auch nicht so deutlich wie beim eigenen Finanzierungsanteil, werden auch Kreditversicherungen und Bearbeitungszeiten von den Befragten ungünstiger beurteilt als noch bei der Befragung im vorherigen Quartal. HK Hamburg 3
Finanzierung von Betriebsmitteln bleibt mühsam Bei der Finanzierung von Investitionskrediten scheint sich anders als bei Betriebsmittelkrediten zumindest eine leichte Entspannung anzudeuten. Während fast zwei von drei Unternehmen (63,9 Prozent) gegenwärtig eine Verschlechterung bei der Finanzierung von Betriebsmitteln im Vergleich zum Vorjahr sehen 60,5 Prozent waren es noch im 4. Quartal 2009, ist der Anteil der Klagen bei Investitionskrediten von 52,1 Prozent bei der Befragung im 4. Quartal 2009 auf aktuell 44,1 Prozent zurückgegangen. Grafik 3: Eine deutlich negative Entwicklung ergeben die Unternehmensantworten für den Bereich der Exportfinanzierung. Bei der Befragung im 4. Quartal 2009 hatten 4,5 Prozent der Unternehmen, die eine Verschlechterung der Finanzierungskonditionen angegeben hatten, insbesondere über schlechtere Konditionen bei der Exportfinanzierung im Vergleich zum Vorjahresquartal geklagt. Bei der Befragung im aktuellen Quartal sind es 12 Prozent damit hat sich der Anteil fast verdreifacht. Generell haben sich die Exporterwartungen der Hamburger Wirtschaft aktuell im Vergleich zum 4. Quartal 2009 auffallend abgekühlt, bleiben aber insgesamt positiv, so das Ergebnis des Hamburger Konjunkturbarometers. HK Hamburg 4
Klagen über Finanzierung im Verkehrsgewerbe besonders auffällig Der Anteil an Negativ-Rückmeldungen aus dem Verkehrsgewerbe ist gegenüber der Befragung im 4. Quartal 2009 leicht zurückgegangen ist damals waren es 40,5 Prozent der Unternehmen, die angegeben haben, dass sich die Finanzierungskonditionen im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert hätten oder Kredite nicht verlängert oder abgelehnt worden seien. Aktuell klagen aber mit 30,5 Prozent nach wie vor überdurchschnittlich viele Unternehmen aus dieser Branche über verschlechterte Finanzierungskonditionen im Vergleich zur Situation im Vorjahr. Grafik 4: Ebenfalls überdurchschnittlich viele Negativmeldungen kommen aus dem Gastgewerbe. Insgesamt 24,9 Prozent der Unternehmen geben derzeit an, dass sich die Konditionen im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert hätten (14,4 Prozent) oder eine Finanzierung nicht verlängert oder abgelehnt (10,5 Prozent) worden sei. Ähnlich sieht es bei der heterogenen Gruppe der Unternehmen aus dem Bereich der sonstigen Dienstleistungen aus: 20,3 Prozent verzeichnen eine Verschlechterung der Konditionen und 4,8 Prozent geben an, dass die Finanzierung nicht verlängert oder abgelehnt worden sei. Die Gegenüberstellung der verbessert -Antworten zum einen und der Stimmen verschlechtert und nicht verlängert/abgelehnt zum anderen ergeben in einzelnen Branchen das folgende Bild: Eher entspannt scheint die Finanzierungssituation im Handel (Saldo -6,6) und im Verarbeitenden Gewerbe (-12) zu sein. Deutlich ungünstiger sieht es im Gastgewerbe (-17,7), Medien- und IT-Bereich (-18,6), bei Sonstigen Dienstleistern (-20,1) sowie insbesondere im Verkehrsgewerbe (-28,4) aus. HK Hamburg 5
Kleinen Unternehmen macht Finanzierung nach wie vor besonders zu schaffen Auffällig ist, dass die Beurteilung der Finanzierungskonditionen durchaus auch von der Größe der Unternehmen abzuhängen scheint. Wie bereits bei der Befragung im letzten Quartal 2009 geben auch im 1. Quartal 2010 insbesondere kleine Unternehmen mit bis zu 49 Beschäftigten an, dass sich die Finanzierungskonditionen im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert hätten. Jedes vierte Unternehmen (25,4 Prozent) klagt aktuell über schlechte Finanzierungskonditionen oder abgelehnte/nicht verlängerte Kredite im 4. Quartal 2009 war es allerdings noch mehr als jedes dritte Unternehmen (36,6 Prozent). Grafik 5: Die Einschätzungen zu den Finanzierungskonditionen fallen bei mittelgroßen Unternehmen (50 bis 299 Beschäftigte) und insbesondere bei großen Unternehmen (ab 300 Beschäftigten) weniger negativ als bei kleinen Unternehmen aus. Im Durchschnitt bemängelt gegenwärtig jedes sechste mittelgroße Unternehmen (17,2 Prozent) und nur fast jedes neunte große Unternehmen verschlechterte Finanzierungskonditionen gegenüber dem Vorjahr oder abgelehnte bzw. nicht verlängerte Kredite. HK Hamburg 6
Kreditinstitute verzeichnen Anstieg der Kreditvergabe an Unternehmen Insgesamt ist der Umfang der Kreditvergabe nach Auskunft der in Hamburg befragten Kreditinstitute im 1. Quartal 2010 gegenüber dem Vorquartal gestiegen. Jedes dritte Kreditinstitut (33,1 Prozent) verzeichnete eine erhöhte Kreditvergabe an Unternehmen für Betriebsmittel gegenüber dem 4. Quartal 2009 nur jedes fünfte (20,4 Prozent) einen Rückgang (Saldo: +12,7). Bei der Befragung im 4. Quartal 2009 dominierten noch deutlich die negativen Stimmen der Kreditinstitute (Saldo: -10,5). Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der Kreditvergabe für Investitionen (Salden: +14,8 im 1. Quartal 2010; -29,1 im 4. Quartal 2009). Grafik 6: Grafik 7: HK Hamburg 7
Hinweise zur Systematik: Von den 807 Teilnehmern an der Konjunkturumfrage unserer Handelskammer ( Hamburger Konjunkturbarometer ) im 1. Quartal 2010 haben sich 671 Unternehmen (83,1 Prozent) im Rahmen der Sonderbefragung auch zu Finanzierungskonditionen geäußert. Das dargestellte Gesamtbild der Finanzierungskonditionen für die Hamburger Wirtschaft ergibt sich aus den nach Unternehmensgrößen gewichteten Stimmen der von unserer Handelskammer befragten Unternehmen der Real- und der Kreditwirtschaft. Die Fragen zu den Finanzierungskonditionen werden bundesweit einheitlich von den deutschen Industrie- und Handelskammern gestellt, abgestimmt über den Deutschen Industrieund Handelskammertag in Berlin. Die Unternehmen werden dazu befragt, welche Erfahrungen sie mit ihren Finanzierungskonditionen im Vergleich zum Vorjahr gemacht haben. Die Kreditinstitute werden zur Entwicklung der Kreditvergabe gegenüber dem Vorquartal befragt. Ergebnisse für das Hamburger Kreditbarometer liegen bislang für die Befragungszeiträume 3. und 4. Quartal 2008, 3. und 4. Quartal 2009 und aktuell für das 1. Quartal 2010 vor. Weitere Informationen: Die aktuellen Ergebnisse des Hamburger Kreditbarometers und die Resultate der vorangegangenen Erhebungen stehen unter www.hk24.de Dok. Nr. 54933 als Download bereit. Zusätzliche Information zur Entwicklung der Hamburger Konjunktur finden Sie unter www.hk24.de/konjunktur. Herausgeber: Handelskammer Hamburg Adolphsplatz 1 20457 Hamburg Tel. 040 / 36138-138 E-Mail: service@hk24.de Bearbeitung: Dr. Gabriele Rose und Dr. Torsten König HK Hamburg 8