Kreisel mit drei Achsen

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Transkript:

M42 Name: Kreisel mit drei Achsen Matrikelnummer: Fachrichtung: Mitarbeiter/in: Assistent/in: Versuchsdatum: Gruppennummer: Endtestat: Dieser Fragebogen muss von jedem Teilnehmer eigenständig (keine Gruppenlösung!) handschriftlich beantwortet und vor Beginn des Versuchs abgegeben werden. Die Vorbereitung wird zusätzlich durch einen Test bzw. eine mündliche Prüfung über die physikalischen Grundlagen des Versuchs kontrolliert. (Version: 13. September 2017) Versuchsziel und Versuchsmethode: 1.) Stellen Sie die physikalisch relevanten Größen für die Beschreibung einer linearen Bewegung und einer Drehbewegung einander gegenüber. 2.) Wie ist der Bahndrehimpuls, wie der Eigendrehimpuls definiert? 3.) Worin unterscheiden sich Nutation und Präzession?

4.) Berechnen Sie das Trägheitsmoment für die im Versuch verwendete dicke Scheibe (Masse m = 1330 g, Durchmesser d = 245 mm, Dicke h = 28 mm) bezüglich der gewählten Drehachse (siehe Foto des Versuchsaufbaus)! 5.) Wie steuert man ein Fahrrad beim freihändigen Fahren? 6.) Wie reagiert ein Kreisel auf einen Kraftstoß auf die Drehachse?

Version: 13. September 2017 M Mechanik M42 Kreisel mit drei Achsen Literatur [1] Demtröder, W.: Experimentalphysik 1: Mechanik und Wärme. Springer (2015). E-Book [2] Hering, E.: Physik für Ingenieure. Springer (2016). E-Book [3] Lüders, K. ; Oppen, G. v.: Bergmann-Schäfer Klassische Physik - Mechanik und Wärme. de Gruyter (2012). E-Book [4] Meschede, D.: Gerthsen Physik. Springer (2006). E-Book [5] Paus, H. J.: Physik in Experimenten und Beispielen. Hanser (2007) Stichworte Rotation, Drehimpuls, Drehmoment, Trägheitsmoment, Trägheitsellipsoid, Kreisel, Präzession, Nutation. Grundlagen Drehbewegungen lassen sich formal analog zu Translationsbewegungen beschreiben, wenn man deren Größen durch die entsprechenden Größen für Drehbewegungen ersetzt. So wird z. B. aus der Strecke s der Winkel ϕ, aus der Geschwindigkeit v die Winkelgeschwindigkeit ω, aus der Masse m der Trägheitstensor J und aus dem Impuls p der Drehimpuls L. Bei der Drehbewegung eines starren Körpers bewegen sich alle Punkte in einer Ebene senkrecht zur Drehachse um den gleichen Winkel ϕ, wobei eine Drehung entgegen dem Uhrzeigersinn als positiv definiert ist. Zur Beschreibung werden vor allem folgende Größen benötigt: Das Trägheitsmoment J eines Körpers bezüglich einer Achse A ist definiert als J = r 2 dm, (M42-1) wobei r der (senkrechte) Abstand des Massenelements dm von der Drehachse A ist. Der Drehimpuls L ergibt sich zu: L = Jω (M42-2)

Mechanik Version: 13. September 2017 Wirkt ein äußeres Drehmoment M so ändert sich der Drehimpuls: M = r F = L (M42-3) Daraus folgt sofort, dass der Drehimpuls beim Verschwinden von äußeren Drehmomenten erhalten bleibt, was technisch beim Gyroskop (Kreiselkompass) ausgenutzt wird. Ein Kreisel ist ein starrer Körper, der eine Drehbewegung ausführt und wird symmetrisch genannt, wenn zwei der Hauptträgheitsmomente gleich sind. Verschwinden die äußeren Drehmomente (oder heben sich auf), so ist der Kreisel kräftefrei. Wirkt auf den symmetrischen Kreisel ein konstantes Drehmoment parallel zur Drehimpulsrichtung, so kann man aus der Messung der Winkelbeschleunigung α das Trägheitsmoment des Kreisels bestimmen: J = M α (M42-4) Wirkt auf den Kreisel ein resultierendes Drehmoment mit einer Komponente senkrecht zum Drehimpuls, so kommt es entweder zur Nutation (kurze Einwirkung) oder zur Präzession (konstantes Drehmoment). Unter Präzession versteht man das senkrechte Ausweichen eines Kreisels bezüglich einer auf ihn wirkenden Kraft. Dies wird durch das Vektorprodukt Drehmoment M verursacht, denn natürlich ändert sich der Drehimpuls nach dem Newtonschen Aktionsprinzip in Richtung des auf ihn einwirkenden Drehmoments, das jedoch senktrecht auf der wirkenden Kraft steht! Greift die Kraft immer senkrecht zum Drehimpuls an, so ändert der Drehimpuls nur seine Richtung aber nicht seinen Betrag. Dadurch beschreibt die Spitze des Drehimpulsvektors eine Kreisbewegung, der die Präzessionsfrequenz ω p zugeordnet wird: ω p = M L = r F Jω J = Trägheitsmoment, ω = Drehfrequenz des Kreisels (M42-5) Wie man sieht, kann im Fall des hier behandelten symmetrischen Kreisels auch aus der Präzessionsfrequenz das Trägheitsmoment J bestimmt werden. Die Nutation wird durch einen kurzen seitlichen Stoß auf die Drehachse des Kreisels ausgelöst. In dessen Folge kommt es zu einer Taumel- und Nickbewegung, bei der Figurenachse, momentane Drehachse und Drehimpulsvektor L nicht mehr zusammenfallen. Da der Drehimpulsvektor nach Ende des Kraftstoßes seine Richtung nicht mehr ändert, führen Figurenachse und momentane Drehachse eine Rotation um die Richtung des Drehimpulses durch. Anschaulich machen kann man sich die Bewegung mit dem Abrollen von zwei im Kreiselschwerpunkt befestigten Kegeln aufeinander. Der mit dem Kreisel fest verbundene Gangpolkegel wälzt sich auf dem raumfesten Rastpolkegel ab und die Kreiselachse als Achse des Gangpolkegels läuft auf dem Nutationskegel um die Drehimpulsrichtung. 2

Version: 13. September 2017 M42 Gangpolkegel Drehachse ω Rastpolkegel Drehimpuls L Figurenachse Abb. M42-1: Erklärung der Nutationsbewegung. Die Figurenachse beschreibt den im Experiment beobachtbaren Nutationskegel Messprogramm Hinweis: Wir verwenden die Bezeichnung Gewicht für ein Massestück m, das im Schwerefeld der Erde eine Gewichtskraft F ausübt. 1. Direkte Messung des Trägheitsmoments der Kreiselscheibe aus der Winkelbeschleunigung bei bekanntem Drehmoment. Die Kreiselachse wird horizontal ausgerichtet und mit Hilfe der Arretierstange fest eingespannt. An den aufgewickelten Faden wird bei festgehaltener Scheibe das Gewicht angehängt, so dass dessen Unterkante auf dem Niveau der Tischplatte ist. Nach der Freigabe der Scheibe wird die Zeit zwischen dem Loslassen und dem Auftreffen des Gewichts auf dem Boden gestoppt und direkt die Drehzahl der Scheibe gemessen. Diese Messung wird je 5 mal mit Gewichten von 110 g und 160 g (2 und 3 Schlitzgewichte) durchgeführt und der Mittelwert gebildet. Der Radius der Fadentrommel beträgt 22,5 mm. Aus den gemessenen Werten wird das Trägheitsmoment berechnet und der Fehler abgeschätzt. 2. Messung der Abbremsung des Kreisels durch die Reibung. Zur Vorbereitung der folgenden Messungen bestimmen Sie, wie die Drehzahl des Kreisels mit der Zeit abnimmt. Dazu wird der eingespannte Kreisel aufgezogen und auf etwa 400 bis 500 U/min gebracht. Anschließend wird für 60 s alle 5 s die Drehzahl 3

Mechanik Version: 13. September 2017 gemessen und protokolliert. Diese Messung ist 3 mal zu wiederholen. Tragen Sie die Drehzahl über der Zeit auf halb-logarithmischen Papier auf. Bestimmen Sie die Dämpfungskonstante. 3. Messung der Präzessionsfrequenz in Abhängigkeit von der Rotationsfrequenz für zwei unterschiedliche Drehmomente. Die Arretierung wird entfernt und die Kreiselachse mit Hilfe des Gegengewichts ins Gleichgewicht gebracht. Prüfen Sie, dass die Kreiselachse bei beliebiger Neigung stabil ist. Der freie Kreisel wird bei horizontaler Kreiselachse aufgezogen. Dann wird in die Nut hinter dem Gegengewicht das Gewicht eingehängt und der Kreisel freigegeben. Die Zeit für eine halbe Präzession wird gestoppt und am Anfang und Ende jeweils die Rotationsfrequenz gemessen und gemittelt. Dieser Wert wird für 10 verschiedene Rotationsfrequenzen im Bereich von 300 bis 800 U/min und Gewichte von 10 g und 60 g gegen die Präzessionsdauer aufgetragen. Aus den Steigungen der beiden Geraden wird das Trägheitsmoment berechnet und der Fehler abgeschätzt. Der Abstand der Nut vom Lagerpunkt der Kreiselachse beträgt 270 mm. 4. Messung der Nutationsfrequenz in Abhängigkeit von der Rotationsfrequenz. Der freie Kreisel wird aufgezogen. Dann wird durch einen leichten seitlichen Schlag gegen die Kreiselachse die Nutation erzeugt. Die Zeit für 5 Nutationsumläufe wird gestoppt und am Anfang und Ende jeweils die Rotationsfrequenz gemessen und gemittelt. Diese Messung wird für 10 verschiedene Rotationsfrequenzen im Bereich von 150 bis 500 U/min durchgeführt und die Nutationsfrequenz als Funktion der Rotationsfrequenz des Kreisels aufgetragen. Achtung: Das Drehzahlmessgerät ist mit einem Laser der Laserklasse 2 nach EN 60 825-1: 1994 ausgerüstet. Die Laseraustrittsöffnung ist mit dem dreieckigen Laserwarnschild gekennzeichnet. Blicken Sie nie in den Laserstrahl und richten Sie ihn niemals auf Personen oder Tiere. Laserstrahlung kann zu Augen- oder Hautverletzungen führen. Richten Sie den Laserstrahl niemals auf Spiegel oder andere stark reflektierende Flächen. Der unkontrolliert abgelenkte Strahl könnte Personen oder Tiere treffen. Zur Messung sind bereits Reflektionsmarken am Kreisel angebracht. 4