PRODUKTIONSTECHNISCHES ZENTRUM BERLIN

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1 acatech Konvent für Technikwissenschaften der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften e. V. GRUßWORT BERND HILLEMEIER KONFERENZ TECHNISCHES WISSEN PRODUKTIONSTECHNISCHES ZENTRUM BERLIN 27. JUNI 2008 Seite 0 / 7

2 Grußwort Es gilt das gesprochene Wort Meine sehr geehrten Damen und Herren, lieber Herr Professor Spur, als Mitglied des Vorstands und Vizepräsident von acatech freue ich mich, Sie zu unserer Konferenz Technisches Wissen begrüßen zu dürfen. Bevor Sie durch Herrn Spur und durch ein Grußwort von Herrn Kornwachs, sachkundiger als ich es könnte, in das Thema der Konferenz eingeführt werden, gestatten Sie mir einige Worte zur Entwicklung von acatech in der letzten Zeit. Seit Anfang des Jahres 2008 trägt acatech den Titel Deutsche Akademie der Technikwissenschaften. Uns freut das zum einen, weil unsere Bemühungen um die Gründung einer Akademie seit dem Bestehen des sogenannten Konvents im Jahr 2002 Wirklichkeit geworden sind. Seite an Seite mit den Länderakademien, vor allem aber im Verbund mit der Leopoldina und der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, mit denen wir die nationale Wissenschaftsakademie bilden, wird acatech Politik und Öffentlichkeit in Zukunft verstärkt zu wichtigen technikbasierten Fragen beraten. Weshalb es dieser Beratung bedarf, liegt auf der Hand und war unlängst auch Gegenstand der Leitlinien Politikberatung, die an der BBAW erarbeitet wurden: Die Welt ist auf technisch-wissenschaftlichem Gebiet komplexer geworden und wird an Komplexität weiter zunehmen. Gerade Wissenschaft und Technik sind es jedoch, die Antworten auf die drängenden Fragen unserer Zeit liefern können, ja müssen. Von den Strategien zur Anpassung an Seite 1 von 6

3 den Klimawandel bis zu den Herausforderungen einer älter werdenden Gesellschaft wird die Lösung der Probleme nicht im Verzicht liegen, wie mancher meint. Unser Ziel muss es vielmehr sein, Antworten mit Hilfe der Technik zu finden, die von den Menschen akzeptiert werden und sie mitnehmen. Genau hierin sehen wir unsere Aufgabe. Wir wollen die Bedeutung von Wissenschaft und Technik im öffentlichen Bewusstsein schärfen und ausgewogene, unabhängige Empfehlungen zu einzelnen Themenfeldern geben. Durch die Gründung von acatech als Deutsche Akademie der Technikwissenschaften haben die Technikwissenschaften in Deutschland eine Interessenvertretung in Form einer nationalen Akademie bekommen, wie sie in den meisten Industrienationen bereits verwirklicht worden ist. Auch das ist ein Stück Normalität, über das wir uns freuen, zumal das gesellschaftliche Klima heute deutlich weniger technikfeindlich ist, als dies in früheren Zeiten der Fall war. acatech wird sich dafür einsetzen, dass technologiepolitische Themen in Deutschland nicht nur in die Öffentlichkeit getragen werden. Sie sollen auch unvoreingenommen und auf Grundlage des besten Wissens diskutiert und bewertet werden können. Den neuen Status als Deutsche Akademie der Technikwissenschaften verstehen wir dabei als Mandat und Ansporn, den Dialog zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu intensivieren und alle drei Seiten gleichermaßen zu beraten. Ein sichtbares Ergebnis dieses Ansatzes sind nicht nur die Konferenzen, die wir in den letzten Monaten veranstaltet haben ich denke etwa an den Klimaforschungsgipfel im Oktober 2007 oder die Kooperationen mit der Hannover Messe oder dem IdeenPark von ThyssenKrupp in diesem Jahr. Auch an der Neugestaltung der Innova- Seite 2 von 6

4 tionsberatung der Bundesregierung ist acatech über seinen Präsidenten Joachim Milberg ganz aktuell beteiligt, was eine große Ehre für uns ist. In Abstimmung mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie wird acatech bis zum Herbst dieses Jahres ein Beratungskonzept entwickeln, dass die besten Kräfte aus Wissenschaft und Wirtschaft einbeziehen soll. -- Meine Damen und Herren, uns freut die Gründung von acatech als Deutsche Akademie der Technikwissenschaften aber auch noch aus einem zweiten Grund. Zwischen den ersten Versuchen der Etablierung einer technikwissenschaftlichen Akademie und heute liegen nämlich mehr als 100 Jahre. Gemessen daran, waren wir mit unseren 6 Jahren seit der Gründung des Konvents im Jahr 2002 richtig schnell! So gab es bereits am Ende des 19. Jahrhunderts verschiedene Ansätze, die Technikwissenschaften akademisch als gleichberechtigt zu behandeln. Doch die damalige Initiative des Maschinenbau-Professors Alois Riedler zur Gründung einer Akademie der technischen Wissenschaften in Preußen blieb erfolglos. Der Grund dafür war nicht etwa, dass es anderswo schon eine Akademie gegeben oder man Akademien keinerlei Bedeutung beigemessen hätte ganz im Gegenteil! Die preußische Ministerialbürokratie verhinderte dieses Vorhaben nicht zuletzt mit dem Argument, dass den Technikwissenschaften die Wissenschaftlichkeit fehle. Sie seien keine echten, theoretisch fundierten Wissenschaften wie die Naturwissenschaften, sondern eben nicht mehr als angewandte Naturwissenschaften. (Wenn man die Ohren spitzt, kann man dieses Urteil übrigens auch heute noch auf den Fluren so mancher Universität oder Wissenschaftsinstitution hören!) Seite 3 von 6

5 -- Damit bin ich beim Kern dessen angelangt, was uns im Rahmen eines acatech Projekts unter der Leitung von Prof. Spur beschäftigt und uns auch heute und morgen beschäftigen wird. Mit großer Selbstverständlichkeit führen wir den Begriff Technikwissenschaft in unserem Namen, obwohl sich mancher fragen mag, was es damit auf sich hat. Wie die Technik in die Welt kommt und wie aus naturwissenschaftlicher Grundlagenforschung neue Produkte und Verfahren entstehen, leuchtet ein. Was aber ist technisches Wissen? Gibt es neben dem naturwissenschaftlichen Wissen so etwas überhaupt? Oder ist es eine Erfindung der Ingenieure und Techniker, die ihr Tun legitimieren wollen? Das Nachdenken über Fragen wie diese führt uns in Bereiche, mit denen sich viele von uns wohl nicht täglich auseinandersetzen. Es geht dabei um das alte Rätsel von Henne und Ei wenn ich es einmal so salopp formulieren darf, ob die Technikwissenschaften ein eigenes Wissen in die Welt bringen und damit auch zum Entstehen von Physik und Chemie beigetragen haben oder lediglich das anwenden, was Physiker und Chemiker erdacht haben. Haben wir es aber wirklich mit eindeutigen Verhältnissen zu tun? Wären die Naturwissenschaften ohne die Technik überhaupt in der Lage, ihr Wissen in Form von Gesetzen zu behaupten? Im Bereich der Geoforschung, der Kernforschung mit Teilchenbeschleunigern und in vielen anderen Bereichen ist dies ganz offensichtlich nicht möglich. Ohne den anderen Rednern vorgreifen zu wollen, gestatten Sie mir dazu noch eine Anmerkung, die in diese Richtung geht. Jürgen Mittelstraß hat auf unserer Festveran- Seite 4 von 6

6 staltung zur Gründung der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften davon gesprochen, dass Wissenschaft und Technik immer enger miteinander verknüpft seien und man das eine kaum noch gegen das andere abgrenzen könne. Vor allem gehe die alte Unterteilung zwischen Geist oder Denken und Technik nicht mehr auf, sagte er. Das heißt mit anderen Worten, dass die Wissenschaft längst aufgehört hat, etwas ausschließlich Theoretisches zu sein, das im Elfenbeinturm der reinen Lehre existiert, sondern eine aktive, praktische verändernde Gestaltung der Welt ist. Was, kann man nun fragen, unterscheidet sie darin von der Technik und dem Handeln der Ingenieure? Wenig bis nichts, möchte man antworten. Die Technisierung der Welt, so meine ich, ist zumindest kein geringer Beleg dafür, dass Wissenschaft und Technik nicht mehr scharf voneinander getrennt werden können, wie dies noch in vielen Köpfen verankert ist. -- Meine Damen und Herren, mit diesem Gedanken möchte ich es bewenden lassen. Ich danke den Referenten für ihre Bereitschaft, sich an unserer Konferenz trotz der großen sportlichen Ereignisse dieser Tage aktiv zu beteiligen. Ich wünsche Ihnen viele anregende Vorträge und Gespräche, bevor Sie übermorgen vielleicht weniger über Technikphilosophie nachdenken werden und das Finale der Fußball-Europameisterschaft verfolgen! Ganz besonders möchte ich für die Vorbereitung der Veranstaltung jedoch Herrn Prof. Spur und Herrn Prof. Kornwachs danken, der krankheitsbedingt leider nicht mit an Bord sein kann. Von ihm stammt auch die Idee zu dieser Konferenz. Seite 5 von 6

7 Der Ort, den Sie, lieber Herr Spur, für diese Konferenz ausgesucht haben, könnte kaum passender sein: Genau wie acatech, dessen geistiger Vater Sie sind, geht das Produktionstechnische Zentrum Berlin auf Sie zurück. Damit übergebe ich das Wort an Sie und hoffe, dass es durch die Technik hier im Raum optimal unterstützt wird! Seite 6 von 6

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