Das Neuangebot an IKT-Fachkräften in Österreich (Teil 1)

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1 IKT-Ausbildungen SUSANNE KLIMMER Das Neuangebot an IKT-Fachkräften in Österreich (Teil 1) Bis Ende der 90er Jahre passierte die Ausbildung in neuen Informations- und Kommunikationstechnologien in Österreich nahezu ausschließlich in höheren technischen Lehranstalten für Elektronik, elektronische Datenverarbeitung und Information sowie Elektrotechnik, in technischen und gewerblichen Fachschulen der selben Ausbildungsbereiche sowie an Universitäten in den Studienrichtungen Informatik, Wirtschaftsinformatik, Technische Mathematik, Telematik und Elektrotechnik. Die IKT-Ausbildung war also vorrangig technisch orientiert. Seit dem Jahr 1997 wurden laufend neue Lehrberufe eingeführt, von denen 11 1 zum Kern der IKT-Ausbildung gezählt werden können. Darüber hinaus wurden ab Mitte der 90er Jahre Fachhochschulstudiengänge eingerichtet, die eine spezialisierte IKT-Ausbildung auf postsekundärer Ebene anbieten. Seit 1999 beginnt auch die Zahl der AbsolventInnen in diesen beiden Ausbildungsschienen als Fachkräfteneuangebot relevant zu werden. Im Bereich der Handelsakademien und Handelsschulen wurde in den letzten Jahren ebenfalls eine Fachrichtung Informationsmanagement und Informationstechnologie als Schulversuch eingerichtet, die Zahl der Schulstandorte mit dieser Fachrichtung nimmt seither jährlich zu. Ähnliches gilt für mittlere und höhere Schulen für wirtschaftliche Berufe, in denen die Ausbildungsschwerpunkte IT-Support bzw. Medieninformatik im Schuljahr 2000/01 begannen, zusätzliche sind geplant. Weiters werden in allgemeinbildenden höheren Schulen Schulversuche unter besonderer Berücksichtigung der Informatik angeboten. IKT-Kollegs hatten in Österreich zahlenmäßig bisher eine untergeordnete Rolle. Seit dem Studienjahr 1994/95 können darüber hinaus Fachhochschul-Studiengänge des IKT-Bereichs besucht werden. Der Sekundarbereich Die Zahl der Lehrlinge in IKT-Berufen ist seit deren Einführung stark gestiegen: Im Jahr 2000 wurden Lehrverhältnisse (inklusive Doppellehren) in einem IKT-Beruf verzeichnet, was einen Zuwachs gegenüber dem Jahr davor um mehr als 50 % bedeutet. Im Jahr 2000 begannen Jugendliche in Österreich eine IKT-Lehre. Die Zahl der SchulanfängerInnen in mittleren und höheren Schulen mit IKT-Schwerpunkten ist in den letzten Jahren ebenfalls angestiegen: Während im Schuljahr 1996/ Jugendliche in der 9. Schulstufe einer technischen und gewerblichen mittleren oder höheren Schule bzw. einer allgemeinbildenden höheren Schule mit IKT-Schwerpunkt verzeichnet wurden, waren es im Schuljahr 1999/2000 bereits Diese Steigerung konnte vor allem durch eine steigende Zahl an SchülerInnen in allgemeinbildenden höheren IKT-Schulen erreicht werden. 1999/2000 wurden aber auch in IKT-HTLs um knapp 600 SchulanfängerInnen mehr als im Schuljahr 1998/99 verzeichnet. 1 2 Lehrberufe des IKT-Bereichs: - KommunikationstechnikerIn, Fachrichtungen Audio- und Videoelektronik, Bürokommunikation, Elektronische Datenverarbeitung und Telekommunikation, Nachrichtenelektronik - EDV-Kaufmann/-frau - EDV-TechnikerIn - Medienfachmann/-frau, Fachrichtungen Medientechnik, Mediendesign - IT-Elektronik - IT-Kaufmann/-frau - Informatik = Zahl der Lehrlinge im ersten Lehrjahr

2 Die Dropout-Quoten zwischen der 9. und 10. Schulstufe und dabei insbesondere in berufsbildenden Schulen sind in Österreich traditionellerweise hoch, da ein großer Anteil an SchülerInnen, die eine Ausbildung in einer berufsbildenden mittleren oder höheren Schule beginnen, in dieser Schule die Schulpflicht absolviert und sie danach abbricht. Aber auch zwischen der 10. und der letzten Schulstufe bricht ein beachtlicher Teil der SchülerInnen die IKT-Ausbildung ab: rund 25 % in IKT-HTLs, 17 % in IKT-AHS und 10 % in technischen und gewerblichen IKT-Fachschulen. Die IKT-Ausbildung in Österreich ist sowohl im Bereich der Lehrausbildung als auch in schulischen Ausbildungen stark männlich dominiert: Nur rund 15 % der IKT-Lehrlinge im Jahr 2000 waren weiblich, unter den MaturantInnen in IKT-Schulen lag der Anteil der Frauen im 1999 bei 8 %, die AbsolventInnen technischer und gewerblicher IKT-Fachschulen sind sogar nur zu rund 1,5 % weiblich. Mit der Einführung von IKT-Ausbildungen in kaufmännischen und wirtschaftsberuflichen Schulen ist jedoch mit einer zumindest geringfügigen Steigerung der Frauenquote in IKT-Ausbildungen in den nächsten Jahren zu rechnen. Zwischen 1996 und 2000 haben knapp Personen die Reifeprüfung an einer höheren IKT-Schule in Österreich abgelegt, mehr als drei Viertel davon in einer höheren technischen Lehranstalt (Tagesformen und Formen für Berufstätige zusammen), rund 10 % an einer allgemeinbildenden höheren Schule, der Rest an technischen und gewerblichen sowie wirtschaftsberuflichen Kollegs und technischen und gewerblichen Aufbaulehrgängen. Im Durchschnitt über die 5 Vergleichsjahre waren 8 % davon weiblich. TABELLE 1: Abgelegte Reifeprüfungen in IKT-Schulen in Österreich, 1996 bis AHS davon weiblich 31,4 % 25,2 % 32,0 % 33,7 % 31,7 % HTL Tagesform davon weiblich 3,9 % 3,3 % 2,9 % 3,2 % 2,6 % HTL für Berufstätige davon weiblich 0,7 % 1,3 % 2,9 % 3,2 % 0,6 % technische/gewerbliche Kollegs davon weiblich 19,3 % 28, 2 % 36,0 % 42,3 % 51,3 % wirtschaftsberufliche Kollegs davon weiblich ,9% 51,9 % 74,1 % t/g Aufbaulehrgänge davon weiblich 5,2 % 1,4 % 4,5 % 2,3 % 3,4 % IKT gesamt davon weiblich 7,5 % 6,2 % 7,9 % 8,2 % 9,2 % Quelle: BMBWK, Österreichische Schul- und Reifeprüfungsstatistiken; eigene Berechnungen 3 Prognosen auf Basis von SchulanfängerInnen, SchülerInnen in der letzten Schulstufe und Dropout-Quoten in den einzelnen Schulformen

3 Potenzieller Neuzugang an IKT-Fachkräften aus dem Sekundarbereich Diese AbsolventInnenzahlen dürfen jedoch nicht mit dem Neuzugang am Arbeitsmarkt gleichgesetzt werden, sondern es müssen entsprechend den Übertrittsquoten von MaturantInnen in postsekundäre Ausbildungen (vgl. Hochschulbericht 1999) jene Personen abgezogen werden, die nach Abschluss ihrer schulischen Ausbildung ein Studium an einer Fachhochschule oder Universität beginnen und dem Arbeitsmarkt daher (noch) nicht zur Verfügung stehen. Jene davon, die ein IKT-einschlägiges Studium beginnen, werden später als AbsolventInnen der jeweiligen postsekundären IKT-Ausbildung ausgewiesen. Zwischen 1996 und 2000 haben daher etwa Personen in Österreich eine IKT-Ausbildung mit Reifeprüfung abgeschlossen und stehen als solche derzeit dem Arbeitsmarkt zur Verfügung. Nur etwa 6 % dieser IKT-Fachkräfte mit Reifeprüfung sind weiblich. Der überwiegende Anteil davon (rund 94 %) hat die Reifeprüfung an einer IKT-HTL (HTL-Sonderformen inkludiert) abgelegt, rund 5 % haben eine AHS mit Informatik-Schwerpunkt abgeschlossen. Neben IKT-Fachkräften mit Reifeprüfung stehen dem Arbeitsmarkt auch AbsolventInnen von IKT-Fachschulen zur Verfügung. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind dies nur AbsolventInnen technischer und gewerblicher Fachschulen, da erste SchülerInnen in kaufmännischen IKT-Fachschulen 2001, SchülerInnen in wirtschaftsberuflichen IKT-Fachschulen 2002 die Abschlussprüfung ablegen werden. Seit 1996 stehen daher etwa weitere Personen, die eine technische und gewerbliche IKT-Fachschule abgeschlossen haben, dem Arbeitsmarkt zur Verfügung. Nur 1,5 % davon sind weiblich. Weiters können knapp Personen, die zwischen 1996 und 2000 eine IKT-Werkmeisterschule abgeschlossen haben, als IKT-Fachkräfte, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, angesehen werden. Von diesen AbsolventInnen sind 2 weiblich. Gesamt betrug das Neuangebot an IKT-Fachkräften, die zwischen 1996 und 2000 eine schulische IKT-Ausbildung durchlaufen haben und dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen (also kein Studium im Anschluss an ihre schulische Ausbildung begonnen haben), etwa Personen, von denen etwa 650 (d.s. knapp 4,5 %) weiblich sind. SpätabbrecherInnen von IKT-HTLs, die ebenfalls über ein gewisses Maß an IKT-Kenntnissen verfügen, müssen zu dieser Zahl noch addiert werden. IKT-Ausbildungen auf postsekundärer Ebene Seit dem Studienjahr 1994/95 können auch IKT-Fachhochschul-Studiengänge besucht werden. Die Zahl der Studiengänge nimmt seither jährlich zu. Im Studienjahr 1999/2000 wurden österreichweit 17 FH-Studiengänge des IKT-Bereichs an verschiedenen Standorten in Österreich angeboten, mit Beginn des Studienjahrs 2000/01 kamen weitere 8 mit rund 230 zusätzlichen Studienplätzen hinzu. Mit der Zahl der IKT-Studiengänge stieg auch die Zahl der StudienanfängerInnen in diesen: Während 1994/ Personen ihr Studium an einem der damals 3 IKT-Studiengänge begonnen haben, stieg die Zahl der AnfängerInnen bis zum Studienjahr 1999/2000 auf 1.189, was einem Anteil von 33 % an allen Fachhochschul- StudienanfängerInnen des selben Jahres entspricht. Für das Studienjahr 2000/01 sind derzeit noch keine Daten über die StudienanfängerInnen verfügbar, jedoch kann davon ausgegangen werden, dass die 8 neu geschaffenen Studiengänge des IKT-Bereichs (230 Studienplätze) voll ausgelastet sind. Erste AbsolventInnen von IKT-Fachhochschul-Studiengängen traten mit Ende des Sommersemesters 1998 in den Arbeitsmarkt ein. Seither haben 807 Personen ein IKT-Studium an einem FH-Studiengang abgeschlossen und stehen als solche dem Arbeitsmarkt zur Verfügung. An österreichischen Universitäten können die Studienrichtungen Informatik, technische Mathematik, Telematik, Elektrotechnik (technische Studien) sowie Wirtschaftsinformatik (Sozial- und Wirtschaftswissenschaften) als IKT- Studien bezeichnet werden. Hier wurden bis zum Studienjahr 1997/98 starke Rückgänge in den Zahlen der erstmalig Immatrikulierten verzeichnet. Erst seit dem Studienjahr 1998/99 ist die Zahl der erstmalig Immatrikulierten in IKT-Studienrichtungen wieder stark steigend.

4 Die Studiendauer in IKT-Studienrichtungen im Vergleich mit allen technischen bzw. sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Studienrichtungen gesamt ist überdurchschnittlich hoch: Spitzenreiter sind die Studienrichtungen Elektrotechnik und Telematik, in denen die Studiendauer im Median bei 16 bzw. 15 Semestern liegt. ExpertInnen zur Folge liegt die Dropout-Quote in den IKT-Studienrichtungen und dabei insbesondere in der Studienrichtung Informatik bei 70 bis 80 %. Dabei handle es sich allerdings nicht um ein Drop-out-Problem, sondern um ein Job-out-Problem : 50 bis 60 % der Informatik-Dropouts würden bereits vor dem Studienabschluss von Wirtschaftsunternehmen abgeworben. 4 Die hohe Berufstätigenquote der InformatikstudentInnen ist auch eine Erklärung für die relativ lange Studiendauer. Bis zum Studienjahr 1996/97 war die Zahl der AbsolventInnen in IKT-Studienrichtungen tendenziell steigend, seither ist sie wieder fallend. Dies ist einerseits auf hohe Dropout-Quoten bzw. Job-out-Quoten in den IKT- Studienrichtungen, andererseits auch auf rückläufige Zahlen erstmalig Immatrikulierter in IKT-Studienrichtungen zu Beginn der 90er Jahre zurückzuführen. In den letzten 10 Jahren 5 haben Personen ihr IKT-Studium an einer österreichischen Universität abgeschlossen. TABELLE 2: AbsolventInnen postsekundärer IKT-Ausbildungen (Fachhochschul-Studiengänge und Universitäten) und Anteil weiblich, 1995/96 bis 1999/ / / / /99* 1999/2000** IKT-Fachhochschulen davon weiblich ,5 % 3,4 % 17,9 % IKT-Universitäten * ** davon weiblich 13,3 % 10,7 % 11,3 % 10,2 %* ** IKT postsekundär ges davon weiblich 13,3 % 10,7 % 10,3 % 8,8 % * IKT-UniversitätsabsolventInnen 1998/99: vorläufige Zahlen ** IKT-UniversitätsabsolventInnen 1999/2000: derzeit noch nicht verfügbar Quelle: Österreichische Hochschulstatistiken, Fachhochschulrat; eigene Berechnungen Auch im postsekundären Bereich sind Frauen in IKT-Ausbildungen stark unterrepräsentiert: Der Anteil der Frauen an den IKT-Fachhochschul-AbsolventInnen ist zwar seit dem Studienjahr 1997/98 stark gestiegen, im Sommer 2000 waren dennoch nur 18 % der IKT-FH-AbsolventInnen weiblich. Für die nächsten Jahre sind weitere Steigerungen zu erwarten, da der Anteil der Frauen an den AnfängerInnen in IKT-Studiengängen in den letzten Jahren ebenfalls stark zugenommen hat und sich die Abschlussquoten zwischen Frauen und Männern nicht wesentlich voneinander unterscheiden. Unter den IKT-StudienanfängerInnen an österreichischen Universitäten erreichte der Anteil der Frauen an den erstmalig Immatrikulierten im Studienjahr 1994/95 mit 11,2 % seinen bisherigen Tiefststand, bis zum Studienjahr 1998/99 stieg er wieder auf knapp 16 %. An Universitäten brechen Frauen ihr IKT-Studium auch häufiger ab als ihre männlichen Kollegen: Werden die Zahlen der IKT-AnfängerInnen mit jenen der AbsolventInnen 7 Jahre später verglichen, so zeigt sich in einer 4 5 vgl. Rudolf Freund, Vorsitzender der Studienkommission Informatik, am in Der Standard/Beilage Unistandard bzw. Der Standard am bis inklusive Studienjahr 1998/99, Daten für 1999/2000 sind derzeit noch nicht verfügbar;

5 Juli/August 2001 groben Schätzung, dass die Dropout-Quote der weiblichen IKT-Studierenden um knapp die Hälfte höher ist als jene der Männer. 1998/99 waren 10 % der IKT-UniversitätsabsolventInnen weiblich. IKT-Fachkräfteneuangebot seit 1996 Seit dem Jahr 1996 haben etwa Personen, die sich in keiner weiterführenden Ausbildung befinden und demnach dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, eine IKT-Ausbildung in Form einer Lehre, in einer Schule oder an einer Fachhochschule oder Universität in Österreich abgeschlossen. Davon sind nur rund weiblich. Etwa die Hälfte dieser IKT-Fachkräfte hat eine höhere technische Lehranstalt des IKT-Bereichs absolviert, weitere rund 20 % eine Universität. AbsolventInnen von Werkmeisterschulen sowie technischen und gewerblichen Fachschulen nehmen jeweils rund 13 % unter den IKT-Fachkräften ein. Im Durchschnitt über diese 5 Jahre liegt der Anteil der Fachhochschul-AbsolventInnen zwar nur bei 3,7 %, diese gewinnen jedoch an Bedeutung: Unter dem IKT-Fachkräfteneuangebot des Jahres 2000 lag der Anteil der Fachhochschul-AbsolventInnen bereits bei rund 10 %. Der zweite Teil des Artikels in der nächsten Ausgabe der ibw-mitteilungen hat die Darstellung der wesentlichen Ergebnisse des ibw-prognosemodells zum jährlichen IKT-Fachkräfteneuangebot in Österreich für den Zeitraum zum Inhalt.

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