INFORM. Magazin für die Hessische Landesverwaltung. HAUSMESSE2013 HZD informiert. Verkehrsdrehscheibe im Herzen Europas

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1 Hessische Zentrale für Datenverarbeitung INFORM Magazin für die Hessische Landesverwaltung HAUSMESSE2013 HZD informiert Produkte und Lösungen von Cloud bis Videokonferenz Verkehrsdrehscheibe im Herzen Europas Interview mit Burkhard Vieth, Präsident von Hessen Mobil 4/ Jahrgang Dezember 2013

2 Impressum INFORM erscheint viermal jährlich (40. Jahrgang) HERAUSGEBER Hessische Zentrale für Datenverarbeitung Mainzer Straße 29, Wiesbaden Telefon: , CHEFREDAKTION Manuel Milani REDAKTION Birgit Lehr, Friederike van Roye BEIRAT Markus Brückner, Hans-Otto Ermuth, Herbert Guder, Dr. Alberto Kohl, Wolfgang Lehmann, Susanne Mehl, Dietmar Mittwich, Manfred Pospich, Eckart Ruß, Dr. Peter Triller GRAFISCHES KONZEPT ansicht kommunikationsagentur, LAYOUT Agentur 42 Konzept & Design, FOTOS Titel: Foyer des HZD-Neubaus; S. 5, 35 FM2 Fotolia; S. 33 Maksym Yemelyanov Fotolia; S. 39 msk.nina Fotolia; S. 40, 41 Natalia Merzlyakova fotolia; S. 45, 46, 48 Hessische Landesvertretung, Brüssel; S. 49, 51 Heinz Nixdorf MuseumsForum Alle nicht namentlich genannten Bilder: Andreas Stampp, HZD DRUCK mww.druck und so... GmbH, Anton-Zeeh Straße 8, Mainz-Kastel Beiträge mit Namenszeichnung stellen die persönliche Meinung der Autoren dar. Die in dieser Zeitschrift veröffentlichten Beiträge sind urheber rechtlich geschützt. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung der HZD. Für unverlangt eingereichte Manuskripte, Fotos und Illustrationen wird keine Gewähr übernommen. Die Bezieher der INFORM sind in einer Adressdatei gespeichert. INFORM wird gedruckt auf Ökoart Matt, FSC-recycelt. Wenn Sie die INFORM regelmäßig erhalten möchten, schreiben Sie uns: oder rufen Sie uns an: Tel

3 EDITORIAL LIEBE LESERIN, LIEBER LESER, als IT-Dienstleister für das Land Hessen bieten wir zum Teil hochspezifische, kom - plexe Produkte und Services an, die durch die fortschreitende Virtualisierungstechnologie immer abstrakter werden. Trotz aller Komplexität und Abstraktion stehen am Ende praktische, möglichst einfach anwendbare IT-Lösungen, die Sie im Arbeitsalltag entlasten. Bei unserer HAUSMESSE2013 Anfang November haben Sie die Gelegenheit genutzt, mit uns über aktuelle Entwicklungen, Produkte und Leistungen der HZD in Dialog zu treten. Mit HessenVoice und Mobile Access, Videokonferenz und Portal-Migrationen, FISBOX und File-Service präsentiert sich die HZD als modernes Produkthaus eine Entwicklung, die wir in den vergangenen Jahren forciert haben und weiter forcieren werden. Ebenso gilt unser Augenmerk der Cloud. Trotz aller öffentlichen Debatten werden wir konsequent weiter daran arbeiten, professionelle und sichere Cloud-Services anzubieten. Auch das haben wir bei - spielhaft bei der HAUSMESSE2013 anhand unserer ersten Cloud-Lösung der Test- und Entwicklungsplattform gezeigt. Lesen Sie mehr zur HAUSMESSE2013 in unserem Schwerpunkt dieser INFORM-Ausgabe. Mein Dank gilt unseren Gästen, die so zahlreich erschienen sind und großes Interesse bekundet haben, natürlich aber auch allen Beteiligten der HZD. Hessen Mobil ist wie die HZD eine technische Dienststelle. Burkhard Vieth, Präsident von Hessen Mobil, sagt: Der Verkehr in Hessen wird durch die einge - setzte IT immer intelligenter. Wie, lesen Sie im Interview ab Seite 8. Außerdem in dieser Ausgabe: Die HZD wurde damit beauftragt, ein IPv6-Rahmenkonzept für Hessen zu erstellen. Es galt, 79 Quadrilliarden IPv6-Adressen struk - tu riert aufzuteilen. Als zentrale IT-Beschaffungsstelle des Landes klären unsere Vergabe- und Beschaffungsbereiche über die Herausforderungen des neuen Hessischen Vergabegesetzes auf. Ein Abstecher führt nach Brüssel, ins neue Mehr-Regionen-Haus der Hessischen Landesvertretung. Ihnen allen wünsche ich besinnliche Feiertage und einen guten Start ins neue Jahr. Dr. Ulrich Schmidtberg Direktor der HZD 3

4 INHALT Burkhard Vieth, Präsident Hessen Mobil, im Interview, Seite 8 HAUSMESSE2013 der HZD, Seite 14 IM GESPRÄCH Verkehrsdrehscheibe im Herzen Europas 8 Interview mit Burkhard Vieth, Präsident Hessen Mobil KOLUMNE HZD Web-Lounge 13 Wischen, wedeln, hüpfen Computer bedienung ohne Maus HAUSMESSE2013 HAUSMESSE HZD informiert über aktuelle Produkte und Entwicklungen Round Table 16 Manufaktur, Cloud, IT-Fabrik Visionen eines öffentlichen Rechenzentrums HessenDrive 18 Dateien austauschen, bereitstellen, synchronisieren Neue Wege zur Dateiablage 21 File-Service löst Zentrale Dateiablage ab höhere Flexibilität, geringere Kosten, mehr Sicherheit»Technisches Rückgrat«24 HessenPC: Migration auf die Zentrale Betreiberplattform Weitere Themen 27 Moderne Telekommunikation, Bildübertragung und Portal-Migration 4

5 INHALT IT-Architekturmanagement, was ist das? Seite 40 Heinz Nixdorf, Pionier, Seite 49 HZD-MAGAZIN Malen nach Zahlen oder die Herausforderung, ein IPv6-Rahmenkonzept zu erstellen IT-Architekturmanagement, was ist das eigentlich? 34 Die Quadratur des Kreises 36 HZD informiert professionelle IT-Einkäufer über Neuerungen des Hessischen Vergabegesetzes IT IN BUND UND LAND IT-Sicherheit in der Verwaltung 39 Leitlinie des IT-Planungsrats fordert Bund und Länder zum Handeln auf SERVICE Outlook Kontakte erfolgreich aus Excel in Outlook importieren INS LAND GESCHAUT Mehr-Regionen-Haus im Europaviertel 44 Vertretung des Landes Hessen bei Europäischer Union in Brüssel PORTRÄT Heinz Nixdorf 49 Pioniere der Informationstechnologie 5

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7 VERKEHRSDREHSCHEIBE IM HERZEN EUROPAS Mobilität beeinflusst die persönliche Entfaltungsfreiheit und ist gleichzeitig ein wichtiger Faktor für einen Wirtschaftsstandort. Hessen Mobil erhält und sichert die Mobilität in Hessen. Rund Beschäftigte in zwölf regionalen Standorten und 60 Straßen- und Autobahnmeistereien planen, bauen und unterhalten das gesamte hessische außerörtliche Straßennetz. INFORM sprach mit Burkhard Vieth, Präsident von Hessen Mobil, über die zentrale Verkehrsdrehscheibe Hessen und das Vorzeigeprojekt Staufreies Hessen, über die größten Baustellen im Land und deren Steuerung über ein Slotmanagement, über Car-to-X-Technologie und die Unverzichtbarkeit von IT. Das Interview lesen Sie auf den folgenden Seiten. Weitere Informationen zu Hessen Mobil: 7

8 IM GESPRÄCH VERKEHRSDREHSCHEIBE IM HERZEN EUROPAS Burkhard Vieth, Präsident Hessen Mobil, im Interview INFORM: Herr Vieth, zum Start: Wie sind Sie heute Morgen zur Arbeit gekommen? Vieth: Nachdem ich gesehen habe, dass es regnet, habe ich heute den Bus genommen. Im Allgemeinen komme ich zu Fuß, ich wohne nur 20 Minuten von meinem Arbeitsplatz in der Wiesbadener Innenstadt entfernt. INFORM: Hessen Mobil ist für alle außerörtlichen Straßen in Hessen zuständig: die Kreis- und Landesstraßen, die Bundesstraßen und die Autobahnen, insgesamt rund Straßenkilometer. Wie zufrieden sind Sie mit dem Zustand, in dem sich Hessens Straßen befinden? Vieth: Vor kurzem hat das Hessische Wirtschaftsministerium den Mobilitätsbericht vorgelegt, aus dem ersichtlich wird, dass wir in den vergangenen Jahren sehr viel Geld investiert haben. Das Budget, das uns der Bund, aber auch das Land zur Verfügung stellt, ist deutlich angestiegen. Damit konnten wir insbesondere den Zustand der Fahrbahndecken der Bundesstraßen deutlich verbessern. Unsere größten Baustellen sind die Brücken in Hessen. Bekannte Beispiele sind die Schiersteiner Brücke hier vor unserer Haustür in Wiesbaden, die Talbrücke bei Limburg, die Sauerlandlinie* mit über 20 Bauwerken, aber auch die A4 von Bad Hersfeld Richtung Osten und die A7 bei Fulda. Nach dem Straßenbauboom in den 1960er und 1970er Jahren sind die Brücken heute nahezu flächendeckend in die Jahre gekommen und müssen deutlich vor der geplanten Zeit erneuert werden. Das hängt mit der steigenden Verkehrsbelastung zusammen, mit der Belastung durch Schwerverkehr, aber auch mit der Belastung durch Salz, mit dem wir die Straßen von Eis und Schnee befreien. Diese Herkulesaufga be haben wir in Angriff genommen und werden sie mit viel Aufwand und mit viel Geld in den nächsten zehn bis 15 Jahren fortführen. INFORM: An Hessen führt fast kein Weg vorbei. Hessen, im Herzen Deutschlands und damit auch Europas gelegen, ist eine zentrale Verkehrsdrehscheibe. Der Verkehr ist überdurchschnittlich hoch, vor allem am Verkehrsknotenpunkt Rhein-Main-Gebiet Fahrzeuge passieren im Schnitt * A 45 von Dortmund nach Aschaffenburg jeden Tag das Frankfurter Kreuz. Wie beugen Sie einem Verkehrskollaps in Hessen vor? Vieth: Es gibt viele parallele Entwicklungen, mit denen wir den Anforderungen an die Verkehrsdrehscheibe Hessen täglich begegnen. Wir fassen sie unter dem Begriff Staufreies Hessen zusammen. Dabei handelt es sich primär um technische, vor allem IT-gestützte Maßnahmen. Bauliche Maßnahmen in Ballungszentren sind heute aus planerischen, aber oft auch aus finanziellen Gründen kaum noch möglich. Dass Staufreies Hessen Wirkung zeigt, belegen die Statistiken: Heute verbringen Autofahrer in Hessen trotz des stetig steigenden Verkehrsaufkommens 80 Prozent weniger Zeit im Stau als noch vor zehn Jahren. INFORM: Können Sie diese Zahl anhand konkreter Beispiele belegen? Vieth: Hessen war schon in den 1970er Jahren bei verkehrssteuernden Entwicklungen führend. Die ersten Wechselwegweiser überhaupt standen auf hessischen Autobahnen rund um Frankfurt. An dieser Stelle haben wir die Entwicklung weiter vorangetrieben. Denken Sie nur an die sogenannten dwista-tafeln, Dynamische Wegweiser mit integrierter Stauinformation. Ein weiterer wesentlicher Punkt ist die temporäre Seitenstreifenfreigabe, wie wir sie ebenfalls auf der A3 und der A5 rund um Frankfurt nutzen. Damit erhöhen wir die Leistungsfähigkeit unserer Straßen um rund 20 Prozent. Aber auch das Baustellen- und das Slotmanagement haben bei uns eine hohe Bedeutung. Hier gab es einen kompletten Sinneswandel: Während früher der Straßenbau als solcher Vorrang hatte, steht heute die Mobilität der Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer im Vordergrund. Unser Ziel ist es, durch die Steue rung der Baustellen die Behinderung möglichst gering zu halten. INFORM: Die Unfallstatistiken für Hessen belegen einen deutlichen Rückgang: Die Zahl der Unfälle mit schwerem Personenschaden ist seit 2003 um 15 Prozent gesunken, die der tödlichen Unfälle sogar um 42 Prozent. Welche Maßnahmen haben hier gegriffen? Vieth: Gott sei Dank sinken seit vielen Jahren die Unfallzahlen, insbesondere bei den Unfällen mit tödlichem Aus- 8

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10 IM GESPRÄCH»Das Slotmangement hat den Anspruch, die Baustellenplanung so einfach zu gestalten wie die Online-Buchung eines Flug- oder Bahntickets.«DIPL.-ING. BURKHARD VIETH PRÄSIDENT HESSEN MOBIL BERUFLICHER WERDEGANG 1979 Studienabschluss Bauingenieurwesen an der Technischen Hochschule Darmstadt wissenschaftliche Tätigkeit im Fachgebiet Straßenentwurf und Straßenbetrieb Hessische Straßen- und Verkehrsverwaltung (damals noch Straßenbauverwaltung) in Darmstadt, Frankfurt und Wiesbaden Leiter der Dezernate Verkehrsuntersuchungen und Projektplanungen, Grundlagen und Netzplanung Gesamtverkehr und der Abteilung Zentrale Dienste Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung und Hessische Staatskanzlei, unter anderem im Bereich Verwaltungsmodernisierung Seit 2009 Präsident der Hessischen Straßen- und Verkehrsverwaltung (seit 2012 Hessen Mobil Straßen- und Verkehrsmanagement) gang. Anfang der 1970er Jahre hatten wir Rekordwerte auf Deutschlands Straßen. Über Unfalltote waren jähr - lich zu beklagen. Heute sind es um die 4.000, und das obwohl die neuen Bundesländer dazugekommen sind und das Verkehrsaufkommen weit höher ist. Zu diesem Erfolg tragen natürlich alle bei, die am Verkehr beteiligt sind, angefangen beim Bau sichererer Autos bis hin zu den Notdiensten, die heute schneller am Unfallort sind. Unsere vorrangige Aufgabe besteht darin, die Verkehrssicherheit bereits bei der Planung der Straßen zu berücksichtigen. Das Regelwerk ist darauf aufgebaut, Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Und auch hier: Staufreies Hessen zielt auf Verkehrssicherheit ab. Wir werten das Unfallgeschehen aus. Daraus ent wickeln wir Maßnahmen wie Kurvenausbau oder Begradigungen. Die Straßenlage als solche ist ständig zu verbessern. INFORM: Sie hatten bereits erwähnt, dass IT bei dem Vorzeigeprojekt Staufreies Hessen eine wichtige Rolle spielt. Wo ist IT für Sie heute unverzichtbar geworden und wie setzt Hessen Mobil sie ein? Vieth: Die IT ist seit vielen Jahren einer der wichtigsten Bausteine im Verkehrsmanagement. Die VZH, die Ver kehrszen tra le Hessen, ist eine der leistungsstärksten Verkehrs - leit zen tra len Europas. Hier entwickeln wir zukunftsfähige Ver kehrs lösun gen und setzen sie um, mit dem Ziel, die Ver - kehrs sicherheit zu erhöhen und den Verkehrsablauf zu optimieren. Die VZH erfasst, analysiert und steuert mit einer großen Anzahl tele matischer Anlagen zentral den Verkehr auf Hessens Autobahnen und wichtigen Bundesstraßen. Das effiziente Betreiben dieser Anlagen und die optimale Nut zung der erfassten Daten im Verkehrsmanagement ist nur durch den Einsatz innovativer IT-Systeme möglich. So beispielsweise im Planungsprozess von Baustellen, wo um fassende organisatorische und verkehrstechnische Re gu larien zu beachten sind. Daher werden im hessischen Baustellenmanagement die relevanten Planungs prozesse in einem nutzerfreundlichen und innovativen IT-System dem bereits erwähnten Slot - ma na gement abgebildet. Das Slot management hat den Anspruch, die Bau stellenplanung so einfach zu gestalten wie die Online-Buchung eines Flug- oder Bahntickets. Es werden zeitliche Slots vom IT-System vorgeschlagen, in denen 10

11 IM GESPRÄCH HESSEN MOBIL KENNZAHLEN STRECKENNETZ rund km Streckennetz die geplanten Baustellen durchgeführt werden können. Dabei werden die Auswirkungen der Baustellen auf den Ver kehr von unserem IT-System berücksichtigt. Bearbeitungs- und Genehmigungsprozesse werden durch die Software automatisch unterstützt. Darüber hinaus ist Hessen Mobil im Bereich der Forschung und Entwicklung seit vielen Jahren Partner von Industrie und Wissenschaft. Insbesondere werden kooperative Verkehrssysteme und damit intelligente IT-Lösungen entwickelt und erprobt. Schließlich ermöglicht die sogenannte Car-to-X- Tech nologie eine direkte Kommunikation zwischen Fahrzeugen, straßenseitiger Verkehrsleittechnik und Verkehrsleitzentrale. Der Verkehr in Hessen wird durch die eingesetzte IT immer intelligenter und IT damit mehr denn je unverzichtbar. INFORM: Hessen Mobil kooperiert mit der HZD unter anderem bei geobasierten Fachverfahren. Worin sehen Sie die Vorteile eines landeseigenen IT-Dienstleisters? Vieth: Mit der HZD verbindet uns eine langjährige Beziehung. Hessen Mobil nutzt landesweite, durch die HZD betriebene Infrastrukturen und bezieht Dienstleistungen in unterschiedlichen Bereichen der Informationsverarbeitung. Als wichtiger Vorteil hat sich dabei erwiesen, dass ein landeseigener IT-Dienstleister die Rahmenbedingungen und Anforderungen von Verwaltungen in Hessen ganz genau kennt. Dementsprechend kann das Dienstleistungsportfolio maßgeschneidert auf die Anforderungen der Kunden ausgerichtet werden. Das betrifft die Leistungserbringung als solche, aber auch flankierende Prozesse, zum Beispiel das Vertragswesen. Durch das Zusammenfassen von Bedarfen beispielsweise bei der Beschaffung oder dem Betrieb von Infrastrukturen ergeben sich Potenziale, die letztlich einen Beitrag für den effizienten Betrieb von IT in allen Verwaltun gen liefern, die diese Leistungen nutzen. Natürlich ist es ein nicht zu vernachlässigender Vorteil, wenn es einen kompetenten Partner in der Landesverwaltung gibt, der bei allen Fragen rund um IT als Ansprechpartner zur Verfügung steht und sämtliche IT-Themen von der Idee bis zum Betrieb abdecken kann. INFORM: Wo sehen Sie weiteres Potenzial für die Zusammenarbeit mit der HZD? davon km Landesstraße km Kreisstraße km Bundesstraße km Autobahn Brücken Stützwände Lichtsignal- und Fußgängerschutzanlagen Notrufsäulen Rastanlagen 500 Lärmschutzwände (insgesamt ca. 130 km) 14 Tunnel (insgesamt ca m) Vieth: Immer mehr Prozesse in Hessen werden standardisiert. Gerade in der IT gibt es große Anstrengungen zur Schaffung einheitlicher Strukturen. Das ist einerseits der Notwendigkeit der Einsparung von Haushaltsmitteln, aber auch der Umsetzung eines einheitlichen Qualitätsniveaus für IT in Hessen geschuldet. Hier ergibt sich künftig zwangsläufig eine engere Zusammenarbeit. Hessen Mobil als technische Dienstleistungsverwaltung hat besondere Anforderungen an IT, zum Beispiel was die Ausstattung von Arbeitsplätzen oder die Leistungsfähigkeit und Verfügbarkeit des Datennetzwerks, die zu speichernden Datenmengen, die Kommunikation mit Kunden und externen Dienstleistungspartnern betrifft. In der adäquaten Abbildung dieser Anforderungen sehe ich eine Voraussetzung für den Erfolg von Standardisierungsprojekten. INFORM: Was erwarten Sie konkret von der HZD? Vieth: Konkret erwarte ich, dass die HZD als kompetenter Partner aktiv an der Umsetzung mitwirkt und Lösungswege aufzeigt, insbesondere wenn die allgemeinen Standardvorgaben nicht gänzlich passen. Die Leistungserbringung 11

12 IM GESPRÄCH HESSEN MOBIL KENNZAHLEN VERKEHRSBEEINFLUSSUNG 240 km Streckenbeeinflussung 135 substitutive Wechselwegweiser 80 km Temporäre Seitenstreifenfreigabe 23 dynamische Wegweiser mit integrierter Stauinformation (dwista) 2 dynamische Informationstafeln zur Reisezeitanzeige (dira) gegenüber den Kunden steht bei Hessen Mobil an erster Stelle. Diesen Anspruch stelle ich auch an den Landesdienstleister für IT. Auch auf der Ebene der Fachverfahren ist künftig eine intensivere Zusammenarbeit denkbar. In diesem Sinne kann das beginnende Software-Redesignprojekt für das Zuwendungsmanagement der Verkehrsinfrastrukturförderung auch als Bewährungsprobe verstanden werden. Die Fachmaterie ist komplex und der Zeitplan ambitioniert. Ich bin gespannt, wie sich die HZD präsentiert und wünsche uns gemeinsam einen erfolgreichen Projektverlauf. INFORM: Hessen Mobil hat 80 Standorte. Was bedeutet das für Ihre IT-Struktur? Vieth: Die Präsenz von Hessen Mobil in der Fläche bringt natürlich andere Notwendigkeiten mit sich, als das bei einer Verwaltung mit einem oder wenigen Standorten der Fall ist. Heute werden nahezu alle Prozesse im Arbeitsalltag mit zielgerichtetem Einsatz von Informationstechnologie unterstützt. Insbesondere die Anforderungen einer technisch orientierten Verwaltung mit unterschiedlichsten anspruchsvollen Ingenieurarbeitsplätzen sind mehr denn je auf eine funktionstüchtige und leistungsfähige IT-Ausstattung angewiesen. Das bedeutet, dass Informationstechnik überall in einer bestimmten Qualität verfügbar sein muss. In der vernetzten Welt von heute kommt der schnellen Kommunikation und dem gemeinsamen Arbeiten eine immer größere Bedeutung zu. Die IT-Infrastrukturen müssen diesen Anforderungen gewachsen sein. Mit der Zahl der Standorte vergrößert sich die Herausforderung, die notwendige Durchdringung und Betreuungsstruktur sicherzustellen. INFORM: Welche Auswirkungen hat diese Entwicklung auf die Geschäftsbeziehung zwischen Hessen Mobil und HZD? Vieth: Die entstehende Dynamik muss aufgefangen werden und möglichst ihren Niederschlag in konkreten vertraglichen Vereinbarungen finden. Hier fallen mir spontan unsere standortübergreifenden Datenverbindungen ein, die von der HZD über das Landesnetz zur Verfügung gestellt werden. Diese Datenleitungen werden getrieben durch verstärkte Zentralisierung und Umsetzung sogenannter cloudbasierter Infrastrukturkonzepte immer stärker belastet. Zukünftig muss hier eine ausreichende und vor allem bezahlbare Bandbreite zur Verfügung gestellt werden. Insofern sehe ich uns im selben Boot, denn die Anpassung von Infrastrukturen und Dienstleistungen an veränderte Anforderungen geht nur gemeinsam. INFORM: Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Probleme auf Straßen verärgern die Menschen ähnlich schnell wie Probleme mit der IT. Was ärgert Sie persönlich am meisten auf deutschen Straßen? Vieth: Aggressives Fahren und das zum Teil unverschämte Verhalten gegenüber den Kolleginnen und Kollegen auf den Baustellen oder des Winterdienstes. INFORM: Herr Vieth, danke für das Gespräch. Das Interview führte Birgit Lehr, HZD HESSEN MOBIL KENNZAHLEN VERKEHRSAUF KOMMEN AUF AUTOBAHNEN* Frankfurter Kreuz ca Kfz/24 h Rhein-Main ca Kfz/24 h Bund ca Kfz/24 h * Stand

13 KOLUMNE HZD WEB-LOUNGE Von leeren Kaffeekannen und Wischen, wedeln, hüpfen Computer bedienung ohne Maus geschwätzigen Bäumen Schon lange bevor sich die klassischen PCs verbreiteten, Die Geschichte der ersten Webcam, die die Kaffeemaschine des alten Rechenlabors an der University of wurde die Computermaus erfunden. Bereits 1968 präsentierte Douglas C. Engelbart mit seinem rollengelagerten Cambridge im sog. Trojan-Room überwachte, wurde X-Y-Positions-Anzeiger für ein Bildschirmsystem ein schon oft erzählt. Ging es zunächst darum, den Kolleginnen und Kollegen im Labor über das Hausnetz anzuzei- erstes Modell. Aber erst 15 Jahre später hielt die Maus Einzug in viele Büros und Heimarbeitsplätze. Auch heute gen, ob noch Kaffee in der Maschine ist, konnte schon noch ist sie für viele Computeranwender neben der Tastatur das Standardinstrument zur Bedienung des Geräts. bald die ganze Welt über das Internet einen Blick auf die Kanne werfen. Während die Kaffeemaschine heute noch Dabei wurden bereits zahlreiche Alternativen entwickelt immer ihren Dienst tut und beobachtet werden kann, vom Joystick für Spiele über Stift und Präzisionszeiger am wurde die Webcam 2001 endgültig abgeschaltet. Ihr Grafiktablet bis hin zu Lichtgriffeln. Viele dieser Geräte folgten seither unzählige Anwendungen, die vom höchsten Berg der Erde, über Urlaubsorte bis in den Mikro- wurden für Spezialanwendungen geschaffen und haben den Schritt zum Universalwerkzeug nie geschafft. kosmos rund um die Uhr Einblick in eine faszinierende Welt Die Miniaturisierung geben. Neben der und erstmaligen Mobilisierung Liveübertragung von IT auf Smartphones und Bildern Tabletcomputern in das Internet mit kann vielfältigen das Projekt Anwen- um die von bewegten Trojan-Room-Kaffeemaschine dun gen haben aber inzwischen auch dazu als beigetragen, ein früher, weithin dass bekannter Alter nativen Anwendungsfall zu Tastatur und für Maus eine eine allgemeinere, massenhafte sich immer Verbreitung weiter entwickelnde gefunden haben. Technik Dank betrachtet Touchscreen werden: lassen die Wahrnehmung sich sowohl die der Tastatur Umwelt als auch durch der verschiedenste X-Y-Zeiger virtualisieren und und die Weitergabe ermöglichen der somit resultierenden hohen Bedienkomfort Informationen bei Senso- mit kompakter einfachen Bauweise. Netztechniken. Eine Mit den populäre Touchscreens Anwendung hält auch dürfte eine der neue sprechende Art der Bedie- Baum sein: nung Unter Einzug dem in die Projektnamen Alltags-IT die Talking Gestensteuerung. Tree nimmt Ges eine - Eiche ten sind im allgemein botanischen Bewegungen Garten in Erlangen mit Bedeutung, eine Reihe z. B. von Messwerten das Deuten in auf. eine Neben Richtung Feuchtigkeit, oder das Temperatur Heben der Hand oder Ozonwerten zur Abgrenzung: sind Stopp! das so spezifische Nicht weiter! Größen Eine wie sehr das einfache Geste zur Bedienung oder der Saftfluss von Computern im Inneren ist das des Weiter- Baums. Baumwachstum Diese blättern Daten in Dokumenten werden zu Kurznachrichten durch eine Wischbewegung in natürlicher auf Sprache dem Bildschirm. verdichtet Im und Gegensatz über Twitter zur Bedienung oder Facebook mit der verbreitet. Maus benötigt Natürlich die Gestensteuerung darf auch hier eine kein Webcam Bedienelement nicht fehlen. in der Benutzeroberfläche Geschlossene Systeme z. B. mit einen spezifischen Scroll-Balken Messeinrichtungen über dessen gibt Auswahl es seit die Langem gewünschte bei Forschungsprojek- Aktion, eingeleitet ten, in Labors, Großbetrieben oder sicherheitskritischen Einrichtungen. Aber auch im privaten Umfeld hat der Einsatz solcher Techniken längst das Stadium der Experimentierkästen verlassen. Das private Gebäudemanagement per Smartphone vom Urlaubsort aus wie auch die wird. Überwachung Die Geste wirkt des unmittelbar. Wohlbefindens Besonders heimischen deutlich Zimmerpflanzen werden die Unterschiede werden heute zwischen von Gestensteuerung Sensoren unterstützt, und Mausbedienung, als Consumerprodukte wenn das erhältlich bediente sind. Gerät Dank berührungslose Gesten erkennt. müssen Hierbei dazu muss die der Blumentöpfe Bildschirm nicht einmal mehr berührt mit dem werden, heimischen so dass PC etwa verkabelt eine Bewegung werden. über einfacher WLAN-Anbindung dem Gerät bereits ausreicht. Voraussetzung für die berüh - Und schließlich gewinnen Allerweltssensoren auch in rungslose Bedienung sind entsprechende Sensoren, die der Wirtschaft an Bedeutung. Intelligente Strommessgeräte sogenannte smart meter sollen nicht nur helfen, die Bewegung erkennen. Indem man die zur Gestenerkennung benötigten Sensoren von dem zu bedienenden den jährlichen Besuch des Geräteablesers einzusparen, Gerät trennt, können auch Arbeitsplatzcomputer entsprechend bedient werden. So hat ein Hersteller eine kleine indem sie die Verbrauchswerte automatisch an den Lieferanten übermitteln. Sie sollen auch dazu beitragen, die Sensorbox entwickelt, die auf dem Arbeitsplatz vor dem Energieversorgung über die Stromnetze intelligent, das Bildschirm platziert wird. Darin untergebracht sind LEDs, heißt am zu erwartenden Verbrauch orientiert, zu steuern. die ein fast infrarotes Licht aussenden, und Sensoren, die Unabhängig von den Fragen des Datenschutzes, die in dieses Licht erfassen, wenn es von Gegenständen reflek - diesem Zusammenhang diskutiert werden, macht das tiert wird. Bewegt sich die Hand des Nutzers im Bereich Beispiel deutlich, wie auf Basis vieler einzelner Werte, die der Box, wird dies erkannt und Gesten lassen sich inter - über vergleichsweise einfache Technik ermittelt und übertragen werden, komplexe Steuerungsaufgaben unterstützt pretieren. Doch die neuen Formen der Bedienung stecken zum Teil noch in den Kinderschuhen. Für die mobile IT werden können. Im kleineren Maßstab findet sich solche jedoch kristallisiert sich derzeit die Gestensteuerung als Technik auch im neuen Ausweichrechenzentrum der HZD das Mittel der Wahl heraus. Für die täglichen Büroarbeiten, bei denen es häufig auf Ergonomie und Genauigkeit (siehe S. 22): Neben allgemeinen Umwelt -Werten zur Raumsituation werden hier gerätespezifische Werte für ankommt, ist der Touchscreen dagegen weniger geeignet. Und so wird weiterhin gelten, dass viele Aufgaben Temperatur und Stromverbrauch erfasst. Dies erlaubt eine weitreichende Optimierung von Energieverbrauch und von speziellen Eingabegeräten profitieren, aber längst Geräteauslastung. nicht jede von jedem. Dr. Markus Beckmann, HZD Dr. Markus Beckmann Produkte und Standards Architektur, Produkte und Standards Verfasser des HZD-Trendberichts Verfasser des Trendberichts der HZD 13

14 HAUSMESSE 2013 HAUSMESSE2013 HZD informiert über aktuelle Produkte und Entwicklungen Rund 100 Vertreterinnen und Vertreter aus der Verwaltung und der Wirtschaft folgten der Einladung zur HAUSMESSE2013 am 6. November 2013, in der die HZD in einem breit gefächerten Angebot über aktuelle Entwicklungen, Produkte und Lösungen informierte. Eingangs hielten Hessens CIO Horst Westerfeld und Saarlands CIO Dr. Hanno Thewes Ansprachen. Die Teilnehmer des Round Table (siehe Seite 16ff) diskutierten unter anderem über Sicherheit und Vertrauen in die IT vor dem Hintergrund der NSA-Spionageaffäre, Koope rationsmöglichkeiten, aber auch über die Entwicklung des HZD-Rechenzentrums zur IT-Fabrik und deren Bedeutung für die Verwaltung. Am Nachmittag fanden Workshops zu den übergeordneten Themen Cloud, moderne Telekommunikation/Bildübertragung und Storage statt. XX Nachdem die HZD fünf Jahre lang keine Hausmesse mehr ausgerichtet hatte, war es an der Zeit, sich zu präsentieren. Vor allem in den vergangenen zwei Jahren vollzog der zentrale IT-Dienstleister des Landes einen Umbruch, der sich nicht nur organisatorisch widerspiegelt. Die HZD entwickelt sich in Richtung Produkthaus, betonte Dr. Peter Triller, Abteilungsleiter Rechenzentrum und stellvertretender Direktor der HZD, in seiner Begrüßung. Beste Beispiele dafür seien Produkte wie der HessenPC, mit dem die HZD ein neues Kapitel der Leistungserbringung aufschlage, aber auch Dienste wie Videokonferenz oder HessenVoice, das der Hauptpersonalrat wenige Tage vor der Hausmesse freigegeben hat. Ferner finde eine Entwicklung der HZD hin zum Anbieter professioneller Cloud-Services statt mit der Perspektive, geräteunabhängiges Arbeiten an jedem Ort mit den Daten und Anwendungen, die benötigt werden, in der Landesverwaltung anzubieten. Angesichts der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Diskussionen zum Thema Cloud sei zwar zurzeit ein Vertrauenseinbruch in der Öffentlichkeit wahrzunehmen, dennoch, so Dr. Triller, bleibe Cloud das bestimmende Thema der kommenden Jahre. Allerdings müsse man auf die Fragen der IT-Sicherheit neue Antworten finden. Dass die Leistungen der HZD nicht nur erstklassig, sondern auch preiswert sind, bescheinigt eine Benchmark-Studie, deren Ergebnisse kürzlich vorgelegt wurden, fuhr Dr. Triller fort. 53 der marktgängigen Services hat das internationale Beratungsunternehmen für IT-Benchmarking, Maturity, untersucht und auf den Prüfstand gestellt. Die HZD liegt preislich im Mittelwert fünf Prozent unter der Vergleichsgruppe. Das bedeutet einen Preisvorteil von rund 3,2 Millionen Euro im Jahr für das Land Hessen. Um die Transparenz weiter zu erhöhen, werde die HZD unter anderem ihr Leistungs- und Entgeltverzeichnis neu strukturieren (Menge x Preis). Hessens CIO Horst Westerfeld widmete sich anschließend dem Thema IT-Governance und Strategie. Vier aktuelle Megatrends (Gartner) in der IT hob er besonders hervor: Mobility, Collaboration, Big Data und Cloud Computing. Westerfeld betonte, dass die Verwaltung jene Trends, die im privaten Bereich selbstverständlich genutzt werden, in ihrer 14

15 HAUSMESSE 2013 IT-Strategie nicht ignorieren könne. Man müsse am Markt sein und die Anforderungen der Nutzerinnen und Nutzer stets im Visier haben. Kooperationen, so waren sich sowohl der hessische als auch der saarländische CIO einig, seien heute unverzichtbar. Sie helfen Kosten zu sparen und Synergien zu schaffen. Beispielhaft seien das gemeinsam betriebene Rechenzentrum von Hessen und Rheinland-Pfalz, aber auch die am 30. Oktober 2013 unterzeichnete Kooperationsvereinbarung zwischen der HZD und der ekom 21 für das Back-up ihrer Druckzentren. Das Saarland, so Dr. Hanno Thewes, stehe in einem regen Austausch mit der HZD, es setze ebenfalls auf Kooperationen. Konkrete Beispiele seien die Fusion der Rechenzentren der Uni und der FH, die gemeinsame Netzausschreibung für Landesverwaltung, Polizei und Kommunen im Saarland, die gemeinsame IT-Beschaffung mit Rheinland-Pfalz oder der Vertrag zwischen Land und Landeshauptstadt über das Glasfasernetz in Saarbrücken. Anschaulich erläuterte Dr. Thewes die Herausforderungen, vor denen die IT im Saarland steht: Der Nachholbedarf beim Aufbau einer zukunftsfähigen IT-Struktur ist groß. Die Bündelung der IT-Kompetenz, die Schaffung einheitlicher Standards und die Zentralisierung der IT-Infrastruktur müssten in einem service-, kunden- und kostenorientierten IT-Dienstleistungszentrum gebündelt werden. Die Saarland- Cloud und der Saarland-Client, das Äquivalent zum Hessen- PC, seien in Arbeit. Vorrangige Ziele seien die Wirtschaftlichkeit, Qualität und Sicherheit. Der Fahrplan sei im Kabinett verabschiedet. Rückenwind gebe auch das E-Government- Gesetz des Bundes. Im Weiteren stellen wir Ihnen den Round Table und die Themen der HAUSMESSE2013 vor. 15

16 HAUSMESSE 2013 ROUND TABLE Manufaktur, Cloud, IT-Fabrik Visionen eines öffentlichen Rechenzentrums 58 Prozent der Internetnutzer vertrauen derzeit Staat und Behörden wenig bis überhaupt nicht, wenn es um den Umgang mit persönlichen Daten im Netz geht. Das Vertrauen in die Wirtschaft ist noch geringer. XX Vor dem Hintergrund der NSA-Datenaffäre steht gerade die öffentliche Verwaltung bei der Nutzung von Informationstechnologie vor der Herausforderung, verlorengegangenes Vertrauen wiederzugewinnen, sich zu modernisieren und gleichzeitig die Kosten im Blick zu behalten. Grund genug für die HZD, in einem Round Table während der HAUS- MESSE2013 diese Themen aufzugreifen. Manuel Milani, Leiter der HZD-Öffentlichkeitsarbeit, befragte dazu den CIO des Saarlandes, Dr. Hanno Thewes, den Abteilungsleiter des HZD-Rechenzentrums, Dr. Peter Triller, und den Abteilungsleiter des HZD-Kundenmanagements, Dr. Alberto Kohl. Milani: Dr. Thewes, Sie sind seit zweieinhalb Jahren CIO des Saarlandes und damit derjenige unter uns, der am nächsten an der Politik dran ist. Wie gedenkt die Politik das verlorengegangene Vertrauen wieder zu gewinnen? Dr. Thewes: Das Thema IT-Sicherheit ist jetzt ganz vorne, ge - ra dezu ein Hype. Im Landtag im Saarland müssen wir uns dazu ständig mit den Piraten auseinandersetzen. Aber un abhängig von der Tagesaktualität: Wir müssen für die Sicherheit die nötige Infrastruktur bereitstellen. Und wir stellen sie auch bereit. Zur Sicherheit wird aus meiner Sicht der neue Personalausweis beitragen und da, wo man wirklich Sicherheit braucht, ein Zwei-Komponenten-System, wie ein Passwort plus ein Token. Aber das Thema Sicherheit ist auch viel Psychologie und die Zeit wird zeigen, wohin die Reise geht. Milani: Dr. Triller, in unserem letzten Kundenmagazin INFORM hatten Sie über Ihre Vision zur Umwandlung des HZD-Rechenzentrums zur IT-Fabrik gesprochen. Geht es hier nur um die Cloud oder steckt da mehr dahinter? Dr. Triller: Zunächst einmal möchte ich kurz auf den Begriff IT-Fabrik eingehen und erläutern, wo er herkommt. Wir orientieren uns hier ein Stück weit an industriellen Vorbildern. Ich hatte ursprünglich mal den Eindruck, dass wir diesen Begriff selbst kreiert haben, aber man findet ihn mittlerweile überall in der Fachliteratur. Er scheint sich rumzusprechen. Im Prinzip geht es darum, bestimmte Leistungen, die für viele Verfahren dieselben sind, vor die Klammer zu stellen. Wir nutzen dafür die Cloud, aber es ist mehr als nur die Cloud. Es handelt sich dabei um ein neues Produktionskonzept, um einen Paradigmenwechsel. Milani: Können Sie uns kurz erläutern wo die Vorteile für die Kunden sind? Dr. Triller: Ich vergleiche das mal mit dem App Store. Dort kann man sich eine App oder eine Anwendung manchmal schon für 2,99 Euro runterladen. Für 2,99 Euro können wir zwar keine Anwendung zur Verfügung stellen, aber das Prinzip ist dasselbe. Wir bieten in der IT-Fabrik standardisierte Leistungen an und machen sie somit deutlich preiswerter. Weitere Vorteile sind, dass die Dienste viel schneller zur Verfügung stehen und die Kunden sich flexibler aus dem Angebot bedienen können. Dazu kommt, dass wir ein Sicherheitsniveau bieten, das dem jeweiligen Dienst angemessen ist. Ich rechne derzeit damit, dass wir in drei bis fünf Jahren diesen Plan umgesetzt haben. Danach wird die HZD anders aussehen. Milani: Dr. Kohl, Sie waren in der freien Wirtschaft tätig bevor Sie zur HZD kamen. Ist die Wirtschaft der Verwaltung bei der IT voraus? 16

17 HAUSMESSE 2013 Dr. Kohl: Die Wirtschaft ist schon sehr weit. Auch dort spielt IT-Sicherheit eine wichtige Rolle immer vor dem Hintergrund einer Risikoanalyse von Kosten und Nutzen. Aber wir in der Verwaltung sind nicht abgehängt. Einige Dinge haben wir noch nicht, aber vielleicht brauchen wir sie auch gar nicht. Einen wichtigen Aspekt sehe ich in dem Thema Vertrauen. Das ist für die Verwaltung immens wichtig und ein Alleinstellungsmerkmal. Hier sind wir der Wirtschaft voraus. Milani: Dr. Thewes, das Saarland ist im Vergleich zu Hessen überschaubarer. Wo geht bei Ihnen die Entwicklung in der IT hin? Dr. Thewes: Für uns ist die Zusammenarbeit mit den Kommunen zukunftsweisend. Wir möchten, dass die Kommunen die Services, die wir bereitstellen, gemeinsam mit uns nutzen. Am Anfang haben wir uns gefragt, ob die Kommunen dazu bereit sind. Aber es ist umgekehrt. Einige Kommunen kommen auf uns zu und fragen Wann kann ich in die Cloud?. Dienstleistungen wie E-Payment werden von der kommunalen Seite gepusht. Milani: Dr. Triller, wo sehen Sie Kooperationsmöglichkeiten für das Land Hessen? Was sind aus Ihrer Sicht die Risiken bzw. die Vorteile? Dr. Triller: Die Bedingungen für Kooperationen sind besser geworden. Die Cloud stellt dafür die technischen Möglichkeiten bereit. Wir warten eigentlich nur noch auf den Startschuss durch die Politik. Zum Teil gibt es aber noch mentale Hemmnisse, die es zu beseitigen gilt. Der Herr Staatssekretär hat in seinem Redebeitrag ganz konkret ein Genossenschaftsmodell für Hessen vorgestellt, bei dem auch die Kommunen dabei sind. Wichtig ist, dass Strukturen geschaffen werden, bei denen keiner das Gefühl hat, zu verlieren. Der Gewinn wäre die Kostenersparnis, die allen zugute kommt. Milani: Dr. Kohl, wie sinnvoll wären aus Ihrer Sicht mehr Kooperationen mit der Wirtschaft? Dr. Kohl: In einer strategischen Partnerschaft mit der Wirtschaft sehe ich viele Vorteile. In Hessen tun wir das auch schon beispielsweise in einer CCoE* mit SAP. Als Gegenargument wird oft genannt, dass man sich damit abhängig macht. Aber mit SAP hat es für Hessen geklappt. Außerdem haben wir erfolgreiche Kooperationen mit Berufsgenossenschaften und der Universität. Milani: Zum Abschluss an alle die Frage: Wo sehen Sie die IT in der Verwaltung in drei bis fünf Jahren? Dr. Thewes: Die IT-Fabrik wird Standard sein. Damit einher geht gleichzeitig der Abbau von Überkapazitäten. Dr. Kohl: Wir stehen im Moment vor einer Trendwende. In drei bis vier Jahren spricht niemand mehr über die Cloud. Sie wird dann einfach state of the art sein. Ich denke, dass es nicht ein Zukunftsthema geben wird. Es werden immer mehrere gleichzeitig sein. Dr. Triller: Den Ausführungen meiner Vorredner kann ich mich nur anschließen. Manche der Zukunftstrends sind heute noch im Embryonalstadium, manche sind gerade neu geboren. Einiges davon stellen wir auf unserer Hausmesse heute schon vor. Schauen Sie es sich an. * Customer Center of Expertise 17

18 HAUSMESSE 2013 HessenDRIVE Dateien austauschen, bereitstellen, synchronisieren Wollten Sie schon mal eine größere Datei per Mail verschicken? Dann kennen Sie wahrscheinlich das Problem: Ab einer bestimmten Größe geht das nicht mehr. Entweder bekommt man die Datei erst gar nicht versandt, oder der Empfänger sieht zwar die Mail, aber leider keinen Anhang mehr. XX Sollen Dateien nicht nur einmalig ausgetauscht, sondern von mehreren Parteien überarbeitet werden, ist nicht nur das Transportmedium ungeeignet, sondern häufig auch kein gemeinsamer Ablageort, auf den alle Partner zugreifen können, vorhanden. Ressortintern ist die Bereitstellung eines gemeinsamen File-Shares noch relativ einfach, ressortübergreifend wird es schwieriger und wenn externe und interne Partner beteiligt sind, gewinnt das Vorhaben langsam Projektcharakter. Wohin mit den Dateien? Synchronisation per ? Alles in die Runde schicken? Anwender mit mehreren Endgeräten haben in der Regel dann auch mehrere Probleme: verschiedene Versionen einund derselben Datei auf den Endgeräten. Die sportliche Aufgabe lautet: synchron halten! Welche ist aktuell? Habe ich die richtige dabei? Das manuelle Aktualisieren ist mühsam, zeitintensiv und selten dauerhaft erfolgreich. Für alle genannten Probleme gibt es seit längerem auch Lösungen: DropBox, Google Drive, SkyDrive, icloud und viele weitere. Jeder Internetzugangsprovider hat heute ein oder mehrere Produkte dieser Art im Angebot. Im privaten Leben nutzen wir diese auch gerne und eher bedenkenlos. Die Nutzung dieser Angebote in der Landesverwaltung ver - bietet sich, aufgrund von Sicherheits- und Datenschutzproblemen. Der zentrale Speicherort der Dateien ist bei kommerziellen Anbietern oft nicht genau bestimmbar, ob jemand beim Transport der Daten mitlesen kann, ist ebenso ungeklärt. Von deutschen Providern ist noch die Zusicherung zu bekommen, die Daten blieben in Deutschland. Ob das Rechenzentrum in Nordrhein-Westfalen, Hessen oder Bayern liegt, bleibt dabei in der Regel ebenso unklar wie die Konformität mit Anforderungen des hessischen Datenschutzbeauftragten. Die HZD als innovativer Dienstleister stellt mit dem Hessen- Drive ein kostengünstiges Werkzeug zum sicheren Austauschen, Bereitstellen und Synchronisieren von Dateien zur Verfügung. Zu den Vorteilen gehören: Kommunikationspartner können dabei sowohl landesinterne, als auch beliebige externe Nutzer sein. Der zentrale Speicherort der Dateien (Cloudspeicher) befindet sich in einem Rechenzentrum des Landes Hessen. Die Übertragung erfolgt immer verschlüsselt und direkt zwischen dem jeweiligen Endgerät und dem Rechenzentrum. Der Zugriff auf die Dateien kann durch Benutzernamen/ Kennwort abgesichert werden. Jeder Besitzer eines HessenDrive kann die internen und externen Benutzer selbst verwalten. HessenDrive bietet die drei Funktionsbereiche: Austauschen, Bereitstellen und Synchronisieren : 18

19 HAUSMESSE 2013 Austauschen Der Funktionsbereich Austauschen bietet einen alternativen Transportweg zu , USB Stick oder DVD an. Dateien können mit beliebigen Partnern ausgetauscht werden, die Dateien können dabei beliebig groß sein. Neben dem Verschicken von Dateien ist auch die Lieferung von Dateien (Versenden eines Rücksendekartons ) durch externe Partner möglich. Zum Transport von Dateien steht eine komfortable Integration in Outlook zur Verfügung. Die Information der Partner kann also weiterhin per erfolgen, in diese wird jedoch nur ein Verweis (Link) auf die Dateien im HessenDrive eingefügt. Der Transport der Nutzdaten erfolgt so nicht per und unterliegt damit auch nicht deren Größenbeschränkungen. Bereitstellen Für die Zusammenarbeit mit externen Partnern können einzelne Verzeichnisse des HessenDrive anderen Nutzern dauerhaft verfügbar gemacht werden ( Online-Speicher ). Die Art des Zugriffs auf diesen Online- oder Cloud-Speicher ist abhängig von den vergebenen Berechtigungen. Der Besitzer des HessenDrive kann Nutzern unter anderem die Rechte Lesen, Schreiben und Löschen auf Verzeichnissen einräumen. Die Verwaltung der Nutzer und deren Berechtigungen kann ad hoc durch den Besitzer eines HessenDrive erfolgen, oder auch an Dritte delegiert werden. Synchronisieren Auf alle Dateien, die ein Besitzer in seinem HessenDrive ablegt, kann er von seinen Endgeräten aus zugreifen, d. h. auch von mobilen Endgeräten. Änderungen werden automatisch über alle Endgeräte abgeglichen. Für nahezu alle Endgeräte sind spezielle Clients verfügbar. Diese machen das Arbeiten mit den Dateien auf dem Endgerät komfortabler und stellen wahlweise Teile oder den gesamten Inhalt des HessenDrive auf dem Endgerät bereit. Dies ermöglicht das Bearbeiten der Dateien ohne Internetverbindung ( Offline Arbeiten ). Mit dieser Option ist es z. B. möglich, Dateien auf einen Laptop zu synchronisieren und an einem anderen Ort ohne Internetverbindung zu bearbeiten. Der Abgleich der Dateien mit dem zentralen Cloud-Speicher erfolgt dann automatisch, wenn wieder eine Verbindung mit dem Netz besteht. 19

20 HAUSMESSE 2013 Weitere Möglichkeiten Neben den beschriebenen Funktionsbereichen gibt es eine Menge weiterer Features, die hier nur kurz genannt werden können: Protokollierung: Jede Ausübung von Rechten auf eine Datei im HessenDrive wird protokolliert und ist für den Besitzer nachvollziehbar. Verfallsdatum für Dateien: Für Verzeichnisse im HessenDrive kann ein Verfallszeitraum für die darin enthaltenen Dateien festgelegt werden, d.h. ein manuelles Aufräumen entfällt. Gültigkeitsdauer von Links: Über die Outlook Integration verschickte Links können ebenfalls mit einer Gültigkeitsdauer und einer maximalen Downloadanzahl versehen werden. einmalig durch die HZD. Die Verwaltung der externen Nutzer erfolgt dann durch den Besitzer. Dieser wird bei der Nutzerverwaltung durch eine Selfservice-Komponente des HessenDrive unterstützt: Nach der Ersteinrichtung des Nutzers muss er sich z. B. nicht mehr um das Zurücksetzten oder Ändern von Kennwörtern kümmern. Zum Beispiel erhält der neue Nutzer automatisch per Mail einen Aktivierungslink und muss sein generiertes Initialkennwort ändern. Der HessenDrive beinhaltet alle Vorteile der frei verfügba - ren Lösungen und stellt mit der Speicherung der Dateien in einem landeseigenen Rechenzentrum und der verschlüsselten Übertragung gleichzeitig die größten Nachteile ab. Wenn Sie Interesse an einer Nutzung des HessenDrive haben, können Sie sich gerne an Ihre Kundenberater bzw. die Kundenberatung der HZD, Telefon wenden. Benachrichtigungen: Der Besitzer kann sich über Aktivitäten auf seinem Hessen- Drive per benachrichtigen lassen ( Benutzer XYZ hat die Datei abcd.doc hochgeladen ). Benutzerverwaltung im Selfservice: Die Einrichtung des Besitzers eines HessenDrive erfolgt 20

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