«PFLEGE 2030» Berner Bildungszentrum Pflege und OdA Gesundheit Bern. Bericht zur Expertentagung mit Zukunftswerkstatt vom 10.

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1 «PFLEGE 2030» Berner Bildungszentrum Pflege und OdA Gesundheit Bern Bericht zur Expertentagung mit Zukunftswerkstatt vom 10. November 2014 Bern, Mai 2015 OdA Gesundheit Bern Berner Bildungszentrum Pflege

2 1. Der Anlass Am 10. November 2014 fand im Berner Bildungszentrum Pflege eine Expertentagung mit Zukunftswerkstatt zum «Pflege 2030» statt. Die Tagung wurde organisiert durch das Berner Bildungszentrum Pflege und die OdA Gesundheit Bern. Rund 40 geladene Expertinnen und Experten aus dem Gesundheitswesen setzten sich anlässlich der Zukunftswerkstatt mit folgenden Grundsatzfragen auseinander: Welche Herausforderungen erwarten die verschiedenen Akteure im Gesundheitswesen der Zukunft? Wie sind Bildungs- und Praxisverantwortliche, Krankenversicherungen und die Politik auf die Veränderungen vorbereitet? Als Diskussionsgrundlage dienten fünf -Referate zum «Pflege 2030» sowie der Bericht «Panorama Gesundheitsberufe 2030» der Berner Fachhochschule Gesundheit. Zentrale Inhalte wurden von den Teilnehmenden in Workshops ausgearbeitet und aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Moderiert wurde der Anlass von Cornelia Kazis, Redaktorin bei SRF 2 Kultur. Aus den Ergebnissen der Workshops hat die «Steuergruppe Expertentagung» nun künftige Herausforderungen im Bildungsbereich der Gesundheitsberufe definiert und mögliche Handlungsfelder abgeleitet. Diese dienen in kommenden Arbeitsprojekten als Grundlage, aktuelle Problemstellungen zu bearbeiten und Lösungsstrategien zu initiieren. 2

3 2. Die referate Als Einstieg in die Expertentagung stimmten fünf Exponentinnen und Exponenten aus verschiedenen Bereichen des Gesundheitswesens auf das «Pflege 2030» ein. Sie vermittelten den Teilnehmenden unterschiedliche Sichtweisen und Perspektiven. Referat 1 Referentin Prof. Dr. Sabine Hahn, Berner Fachhochschule Gesundheit «Gesundheitsfachpersonen für die Herausforderungen von morgen: Langfristig gestalten, statt kurzfristig reagieren» Die Forscherin zeigte auf, was sich bereits in der Gegenwart abzeichnet: Die Menschen werden älter, chronische Krankheiten werden zur Norm. Der familiale Zusammenhalt wird schwächer, die Individualisierung akzentuierter. Damit werde der Patient immer mehr zum Kunden. Ein Kunde, der institutionskritisch sei und am liebsten zu Hause gepflegt werden möchte. Dies bringe Verschiebungen in der Berufswelt mit sich: Generalistinnen und Spezialistinnen müssten den interdisziplinären Dialog noch mehr pflegen. Bund und Kantone seien gefordert, in der Berufsbildung koordinierter vorzugehen. Referat 2 Referentin PD Dr. Sophie Pautex, Universitätsspital Genf «The Demographic Challenge: Care of aged patients with multiple chronic medical conditions» Die Palliativmedizinerin erläuterte, was ein Ausbau der Palliative Care im ambulanten und stationären Bereich in Zukunft bringen kann: Ein Gewinn an Lebensqualität für die Kranken und ihre Angehörigen sowie eine Kostenersparnis für das Gesundheitswesen. Sophie Pautex zeigte sich überzeugt, dass die Weichen heute gestellt werden müssen, damit die Pflege im Jahr 2030 entsprechend ausgerichtet sein wird. Referat 3 Referentin Heidi Hanselmann, Regierungsrätin, Vorsteherin des Gesundheitsdepartements des Kantons St. Gallen «Pflege 2030 Aufgabe und Verantwortung der Politik» Heidi Hanselmann wies darauf hin, dass in Zukunft die Pflege in der Politik eine gut hörbare Stimme brauche. In ihrem Kanton sei dieser Wunsch bereits Wirklichkeit: Im Gesundheitsdepartement des Kantons St. Gallen ist der Fachbereich Pflege und Entwicklung mit einer eigenen Stelle abgedeckt. Die Regierungsrätin wünscht sich, dass diese zukunftsweisende Lösung schweizweit Schule macht. 3

4 Referat 4 Referent Michael Jordi, Zentralsekretär der Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK) «Akteure im Gesundheitswesen: Gestaltung eines optimalen Versorgungsnetzes» Das Anliegen von Michael Jordi war die Machbarkeit: Ist alles, was schön und gut wäre, in Zukunft auch mach- und bezahlbar? Was ist wesentlich und worauf müssen wir verzichten? Die Fachkompetenz der Gesundheitsfachleute werde auch in Zukunft zentral sein. Die Frage stelle sich jedoch, ob langfristig genügend Fachkräfte vorhanden seien. Michael Jordi zeigte auf, dass sich die Versorgung den vorhandenen Ressourcen anpassen muss und dass alle Akteure bei der Sicherung des Gesundheitspersonals gefordert sind. Referat 5 Referentin Annette Jamieson, Fachspezialistin Politik und Ökonomie, Helsana «Akteure im Gesundheitswesen: Gestaltung eines optimalen Versorgungsnetzes» Annette Jamieson plädierte für ein altersfreundliches Gesundheitswesen, in dem es um Gesundheitsförderung und Prävention ebenso gehen müsse wie um neue Wohn- und Lebensformen. Sie wies darauf hin, dass die Vermeidung von Spitalaufenthalten gleich wichtig sei wie eine verbesserte Koordination des Gesundheitssystems und der sozialen Dienste. Anhand verschiedener Forschungsprojekte zeigte sie auf, wie Helsana Wissen für die Gesundheitsversorgung schafft. 3. Die Workshops Nach den referaten standen die Workshops auf dem Programm. In moderierten Gruppen widmeten sich die Expertinnen und Experten jeweils fünf zentralen Fragen zum «Pflege 2030». Die Resultate wurden festgehalten und nach jeder Workshoprunde im Plenum präsentiert. Nach der Expertentagung wurden die s zusammengefasst und nach Anzahl der Nennungen gewichtet. Die «Steuergruppe Expertentagung» hat in ihren Sitzungen vom 10. Dezember 2014 und 22. Januar 2015 aus den erfolgten s der Expertinnen und Experten n abgeleitet. Diese sind nachfolgend unter «Output» aufgeführt. Frage 1: Welche Entwicklungen sind erforderlich, um die Gesundheitsfachpersonen im Berufsfeld halten zu können? Wichtig sind neue, flexible Arbeitszeitmodelle, die dem Lebenszyklus Rechnung tragen. Die berufsbegleitende Weiterbildung muss praxistauglich sein. Wesentlich sind die Entwicklungsperspektiven im Beruf. Vorbilder spielen eine wichtige Rolle. Die Laufbahnberatung muss ausgebaut werden. Die Verweildauer im Beruf kann konkret 4

5 angegangen werden: Zum Beispiel mit einem Monitoring-Systemen für die Praxis, mit Skillund Grademixmodellen, mit Best Practice Wissen und einer starken mittleren Führungsebene. Arbeitszeitmodelle, Finanzierung/Lohn, Skill- und Grademix, Leadership, Entwicklungsmöglichkeiten, Rolle, Berufsimage Output 01 Weiterbildung «Best Practice Beispiele zu Grade-Skillsmix und die Auswirkungen auf die Rolle der Pflegenden» Dauer: ca. ½ Tag 02 Weiterbildung «Welche Auswirkungen hat die Umsetzung des Grade-Skillsmix auf die Leadership-Funktion?» Dauer: 1 Tag 03 Veranstaltungsreihe «Aktuelle Themen zur Finanzierung im Gesundheitswesen und Gesundheitspolitik» Form: wiederkehrende Anlässe (z.b. Spätnachmittag bis früher Abend) Frage 2: Die sich verändernde Nachfrage an Gesundheitsleistungen verlangt nach neuen Pflege- und Versorgungsmodellen. Wie könnte ein solches Modell konkret aussehen? Wichtig werden in Zukunft sein: Patientenzentriertheit und Wohnortsnähe, Multiprofessionalität und Case Management. Bei der Betonung von «Ambulant vor stationär» spielen Hausärztinnen und Pflegende künftig eine noch wichtigere Rolle. Gesundheitsförderung und Prävention müssen in den Vordergrund rücken, auch aus Kostengründen. Wichtig sind eine bessere Koordination und eine gemeinsame Sprache. Integrierte Versorgung, neue Wohnformen, Leadership/Verantwortung/Rolle, Finanzierung, Behandlungspfad 5

6 Output 04 Fachtagung «Integrierte Versorgung Auswirkungen auf die Behandlungspfade erste Erkenntnisse» Dauer: ca. ½ Tag Umsetzung: OdA Gesundheit Bern Frage 3: Neue Versorgungsmodelle Zukunftsszenarien verlangen nach neuen strukturellen Rahmenbedingungen. Was für Neuerungen sind aus Ihrer Sicht zwingend notwendig? Es braucht informationstechnische Anpassungen, interdisziplinäre Konferenzen und gemeinsame Ausbildungsanlässe. An die Hand zu nehmen sind berufsübergreifende Curricula und institutionelle Leitbilder, welche die Kooperation gross schreiben. Angesprochene Fragen: Wie artikulieren wir unsere «technischen Anpassungsbedürfnisse» nachhaltig und wirkungsvoll? Wie können die diversen Finanzierungssysteme vereinheitlicht werden? Wie steht es mit der Kompatibilität mit dem KVG? Gemeinsame Aus- und Weiterbildung, partnerschaftliche Zusammenarbeit/Interdisziplinarität, Technik und Technologie Output 05 «Sensibilisierung auf Technologisierung, e-health, Robotik» Vorgehen: Analyse der Ist-Situation und Entwicklung. Darauf aufbauend Planung von Angeboten Frage 4: Was ist Ihr prioritäres Anliegen, die Zusammenarbeit zwischen den involvierten Institutionen und Fachpersonen gut zu gestalten, damit die Grundversorgung zukünftig gestärkt wird? Wichtig sind hier die Kommunikation, der Wissenstransfer und das Wissensmanagement. Gewünscht werden bessere Absprachen unter den Profis und der Einbezug elektronischer 6

7 Netzwerke. Interinstitutionelle Diskussionen sollen verstärkt gepflegt und gelungene Teamarbeit soll systematisch analysiert werden. Die Basics müssen sitzen: Das 1 x 1 der Grundversorgung muss allen bekannt sein und von allen gelebt werden. Gemeinsame Guidelines/Wissensmanagement, Zusammenarbeit über die Institutionen hinaus, Netzwerke, Technologie Output 06 «Aufbau einer vernetzten Wissensplattform» Vorgehen: Es wird ein Grundsatzpapier erarbeitet und wichtigen Akteuren vorgestellt. Anschliessend erfolgt die Planung der weiteren Schritte. Umsetzung: OdA Gesundheit Bern Frage 5: Es wird eine konzentrierte und patientenzentrierte Versorgung angestrebt. Welche fachlichen Kompetenzen sind nötig, damit Sie diese Forderung erfolgreich umsetzen können? Die Fall- und Prozessführung werden in diesem Themenbereich als wichtig eingestuft. Zwingend ist eine klare Trennung zwischen Generalisten- und Spezialistenwissen. Zu klären ist, welche Themen in die Ausbildung und welche in die Weiterbildung gehören. Es braucht in Zukunft mehr Assessment-Instrumente und Zeiträume für Selbst- und Teamreflexion. In die Diskussion einbezogen wurde auch die Frage nach den erforderlichen Ressourcen. Patienten- und Angehörigenedukation, Kommunikationskompetenz, Netzwerkfähigkeit, Wissen, Inhalte Aus- und Weiterbildung, konkrete Angebote Output 07 «Weiterbildung zur Patienten- und Angehörigenedukation» 7

8 4. Ausblick und Dank Die definierten n werden 2015/2016 Schritt für Schritt umgesetzt. Das Berner Bildungszentrum Pflege und die OdA Gesundheit Bern halten die Teilnehmenden der Zukunftswerkstatt dazu auf dem Laufenden. Ein herzliches Dankeschön der beiden Veranstalter gilt den Referierenden für ihre wertvollen Beiträge zum «Pflege 2030» sowie allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für ihr engagiertes Mitdenken und das aktive Mitgestalten der Zukunftswerkstatt. Ein grosses Merci geht an Cornelia Kazis für die umsichtige Moderation. Bern, Mai

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