Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs aber Unternehmen halten sich bei Kreditnachfrage zurück

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1 Zur Lage der Unternehmensfinanzierung 29. August 2013 Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs aber Unternehmen halten sich bei Kreditnachfrage zurück Im 2. Quartal 2013 wuchs die deutsche Wirtschaft deutlich um 0,7 % gegenüber dem Vorquartal, getragen von allen drei Komponenten Konsum, Investition und Export. Die Kreditnachfrage blieb allerdings angesichts starker Innenfinanzierung der Unternehmen weiterhin zurückhaltend; das Gesamtvolumen ausstehender Kredite an Unternehmen lag 1,3 % unter dem Vorjahreswert. Die Finanzierungssituation der Unternehmen war weiterhin entspannt. Die Zinsen verharrten auf sehr niedrigem Niveau. Die Zinsaufwandsquote der kleinen und mittelständischen Unternehmen ist in den vergangenen zehn Jahren gesunken. Kräftige Frühjahrsbelebung Die deutsche Wirtschaft ist im 2. Quartal 2013 wieder auf einen Wachstumskurs zurückgehrt. Das reale Bruttoinlandsprodukt stieg um 0,7 % (saison- und kalenderbereinigt gegenüber dem Vorquartal), nachdem es in den ersten drei Monaten dieses Jahres nur stagnierte und im 4. Quartal 2012 sogar merklich gesunken war (-0,5 % gegenüber dem Vorquartal). Die im Frühjahr 2012 eingesetzte Schwächephase wurde somit überwunden; sie fiel im Rückblick allerdings länger und akzentuierter aus als zunächst erwartet wurde. Der vergleichsweise kräftige Wachstumsschub im 2. Vierteljahr nach amerikanischer Lesart, also auf das Jahr hochgerechnet, ergibt sich eine Wachstumsrate von fast 3 % ist zum Teil allerdings auf Nachholeffekte aus der schwachen Wirtschaftsentwicklung zum Jahresbeginn zurückzuführen. Wegen des außergewöhnlich kalten und langen Winters kam es vor allem in der Bauwirtschaft zu Produktionsverschiebungen vom 1. in das 2. Vierteljahr. Doch auch wenn man diesen Sondereffekt berücksichtigt, lässt sich von April bis Juni dieses Jahres eine merkliche Konjunkturbelebung feststellen, die zudem breit unterfüttert war, also vom Konsum (privat und staatlich), den Investitionen und den Exporten getragen wurde. Seite 1 / 7

2 Für den weiteren Jahresverlauf signalisieren sämtliche konjunkturelle Frühindikatoren eine Fortsetzung der wirtschaftlichen Erholung. Das Tempo der Belebung wird allerdings vergleichsweise moderat ausfallen und hinter der durch Nachholeffekte überzeichneten Wachstumsrate aus dem 2. Quartal zurückbleiben. Dies liegt auch daran, dass die Konjunkturrisiken weiterhin hoch sind: Die europäische Staatsschuldenkrise ist längst noch nicht überwunden, die Wirtschaft im gesamten Euro-Raum wird sich nur sehr langsam aus der Rezession herausarbeiten, und in vielen Schwellenländern wurden die Wachstumsperspektiven zuletzt etwas nach unten korrigiert. Hinzu kommt eine gewisse Verunsicherung im Hinblick auf die Bundestagswahl, denn je nachdem, welche Parteien die künftige Regierung in Deutschland bilden werden, könnte es zu empfindlichen Abgabenerhöhungen kommen. Nicht zuletzt dürfte sich die aktuelle Syrienkrise auch auf den Ölpreis auswirken und die globale Unsicherheit verstärken. Wegen des schwachen Starts in das Jahr 2013 ist daher für den Jahresdurchschnitt weiterhin nur mit einer Wachstumsrate von etwa 0,5 % zu rechnen. Kreditvergabe im 2. Quartal 2013 Die Kreditnachfrage war auch im 2. Quartal 2013 gering. Das Volumen der Kredite an Unternehmen und Selbständige lag nach Angaben der Deutschen Bundesbank mit 868,1 Mrd. rund 1,3 % unter dem Vorjahreswert und rund 0,6 % unter dem Wert des 1. Quartals Die Kreditdynamik fiel dabei in allen Bankengruppen schwächer aus als noch im 1. Quartal des laufenden Jahres. Das Volumen umlaufender Unternehmensanleihen stieg unterdessen weiter an und lag im Juni 2013 mit 107,5 Mrd. gut 25 % höher als ein Jahr zuvor. Seite 2 / 7

3 Kredite an inländische Unternehmen und wirtschaftlich Selbständige (ohne Wohnungsbau und Finanzierungsinstitutionen) Jahr Insgesamt* Kreditbanken Sparkassen und Landesbanken Genossenschaftssektor Stand am Jahres- bzw. Quartalsende in Mrd ,61 220,98 387,56 141, ,36 215,77 384,01 148, ,65 222,23 384,34 151, ,00 222,31 384,51 162,61 1. Q ,39 224,84 383,82 164,88 2. Q ,10 222,51 380,46 166,19 Veränderung gegenüber Vorjahr (in %) ,6-8,4-3,6 +4, ,0-2,5-0,5 +4, ,6 +0,9 +0,1 +3, ,3-2,3 +0,6 +5,3 1. Q ,0-1,7 +0,2 +5,0 2. Q ,3-3,0-1,7 +3,8 * Zum Berichtskreis gehören zusätzlich: Realkreditinstitute, Bausparkassen und Banken mit Sonderaufgaben. Quelle: Deutsche Bundesbank, Finanzierungssituation für Kunden entspannt Auch nach Angaben der Vertreter der kreditnehmenden Wirtschaft (DIHK-Umfrage Frühsommer 2013 und BDI-Mittelstandspanel 2013) war die Finanzierungssituation für die Unternehmenskunden im 2. Quartal 2013 weiterhin entspannt und günstig. Die Eigenkapitalquoten der Unternehmen entwickelten sich positiv, die starke Ertragskraft ermöglichte eine entsprechend hohe Eigenfinanzierung. Dies reduzierte den Kreditbedarf und stärkte zugleich die Position der Kreditnehmer. Weiterhin herrscht ein sehr intensiver Wettbewerb unter den Banken um die mittelständischen Firmenkunden. Auch dies wirkt sich entsprechend auf die Kreditkonditionen sowie teilweise auf die angebotenen Laufzeiten aus. Perspektiven der langfristigen Finanzierung In Deutschland und vielen anderen Ländern Europas wird der größere Teil der Unternehmenskredite mit langen Laufzeiten fünf Jahre und mehr vergeben. In Deutschland beträgt der Anteil der langfristigen Kredite rund 66 %, im Euroraum etwa 57 % des jeweiligen Gesamtvolumens. Durch die verschärften Liquiditätsvorgaben für Banken im Zusammenhang mit der Seite 3 / 7

4 CRD-IV/CRR-Regulierung (Erfordernis einer stärker fristenkongruenten Refinanzierung von Risikoaktiva) dürfte es in Zukunft zu Verteuerungen und auch Einschränkungen bei der Vergabe langfristiger Kredite kommen. Vor diesem Hintergrund gewinnen langfristige Finanzierungen über den Kapitalmarkt insbesondere Unternehmensanleihen als ergänzendes Finanzierungsinstrument zusätzlich an Attraktivität für größere Unternehmen. Auch von einer Weiterentwicklung der Mittelstandsverbriefungen, die aus Bankensicht eine Steigerung der Kreditvergabe ermöglichen, können Unternehmen profitieren. Eine strukturelle Umstellung der Mittelstandsfinanzierung auf den Kapitalmarkt, wie sie im Grünbuch der Europäischen Kommission zur Langfristfinanzierung der Europäischen Wirtschaft von Juni 2013 skizziert wird, dürfte allerdings an den Bedürfnissen insbesondere der zahlreichen kleinen und mittelständischen Unternehmen in Deutschland vorbei gehen. Auch die sogenannten Mittelstandsanleihen sind nur für wenige Unternehmen ein sinnvolles Instrument. Für diese bleibt die Kontinuität und Flexibilität einer Finanzierung durch die Hausbank zentral, der direkte Zugang zum Kapitalmarkt ist in vielen Fällen gar nicht möglich. Unternehmensinsolvenzen Nach Einschätzung der Banken macht sich die schwache Konjunktur in Teilen Europas inzwischen auch geringfügig in der Risikovorsorge für Unternehmenskunden bemerkbar. Korrespondierend dazu normalisierte sich die Risikovorsorge der Banken im ersten Halbjahr, bedingt auch durch Sondereffekte. Das Statistische Bundesamt registrierte im 1. Quartal 6608 Insolvenzen. Das sind 11,7 % weniger als ein Jahr zuvor. Dagegen schätzt Creditreform für das 1. Halbjahr Insolvenzen, das sind 3,4 % mehr als die entsprechende Schätzung im Vorjahr. Seite 4 / 7

5 Bank Lending Survey in Deutschland Die vierteljährliche Umfrage der Europäischen Zentralbank unter Banken (Bank Lending Survey, Juli 2013) zeigt auch für das 2. Quartal 2013 wie in den Jahren zuvor erhebliche Differenzen zwischen den einzelnen Euroraum-Staaten. In Deutschland blieben die Kreditrichtlinien im Durchschnitt und im Vergleich zum Vorquartal unverändert. Erhöht haben sich allerdings die Bruttomargen für risikoreiche Kredite. Für das 3. Quartal erwarten die Banken kaum Veränderungen und eine leichte Zunahme der Nachfrage. und im Euroraum Im gesamten Euroraum berichten die Banken von einer leichten Verschärfung der Kreditrichtlinien, vor allem bei langfristigen Krediten. Als Hauptgrund wird neben den erhöhten regulativen Eigenkapitalanforderungen für Banken die jeweils firmenspezifische Perspektive des Kunden genannt. Auch hier sind insbesondere die Bruttomargen für risikoreiche Kredite gestiegen. Die Nachfrage nach Krediten war derweil rückläufig, insbesondere weil die Unternehmen sich mit Investitionen zurückhielten. Für das kommende Quartal erwarten die Banken wenig Veränderung. Eine Untersuchung von Ernst&Young (Ernst & Young Eurozone Financial Services Forecast, Februar 2013) gelangte zum Ergebnis, dass im Jahr 2013 mit 7,6 % ein ungewöhnlich hoher Anteil der Kredite an Unternehmen und Privatpersonen im Euroraum nicht oder nicht vollständig zurückgezahlt werden kann. Das entspricht einem Volumen von 918 Mrd.. Besonders betroffen sind Banken in Spanien und Italien, deren Kredite mit 15,5 % bzw. 10,2 % ausfallgefährdet sind. Die deutschen Banken stehen dagegen mit einem Anteil notleidender Kredite von 2,7 % relativ gut da. Seite 5 / 7

6 Zinsen verharren auf niedrigem Niveau Im 2. Quartal 2013 blieben die effektiven Zinssätze für neu vergebene Kredite an Unternehmen in Deutschland auf ihrem zuletzt sehr niedrigen Niveau. Im Durchschnitt zahlten Kreditnehmer für kleinvolumige Darlehen (unter 1 Mio. ) zwischen 2,7 % und 3,5 % Zinsen. Die höheren Zinsen für mittlere Laufzeiten liegen darin begründet, dass der Fundingspread bei der Refinanzierung kurzer und langer Laufzeiten geringer ist. Zudem sind mittelfristige Kredite i. d. R. seltener besichert als langfristige. Großvolumige Kredite (über 1 Mio. ) wurden bei kurzfristiger Laufzeit für deutlich unter 2,0 % Zinsen vergeben, mittel- und langfristige Laufzeiten lagen zwischen 2,5 % und 3,0 %. Anteil der Zinsen am Gesamtaufwand der Unternehmen Der Aufwand der Unternehmen in Deutschland für die Zinsen ist im Vergleich zu anderen Posten gering. Im Jahr 2011 lag der Zinsaufwand bei kleinen und mittelständischen Unternehmen mit Umsätzen unter 10 bzw. unter 50 Mio. Umsatz bei 2,14 % bzw. 2.0 %, bei größeren Unternehmen bei 2,5 %. Seite 6 / 7

7 Quelle: BACH-Datenbank In den 10 Jahren zuvor haben sich die Anteile geringfügig verändert, bei kleinen und mittelständischen Unternehmen hat sich dabei der Aufwand für die Zinszahlungen verringert. Quelle: BACH-Datenbank Herausgeber: Bundesverband deutscher Banken e.v., Postfach , Berlin, Telefon , Telefax , Bundesverband deutscher Banken e.v. Der Bankenverband ist die Interessenvertretung der privaten Banken in Deutschland. Seite 7 / 7

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