Den Aufbau einer -Nachricht kennen. Den Aufbau von -Adressen kennen.

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1 3 Grundlagen In diesem Kapitel lernen Sie: Die Grundlagen der -Übertragung kennen. Das SMTP-Protokoll kennen. Den Aufbau einer -Nachricht kennen. Den Aufbau von -Adressen kennen. Das Zusammenspiel von -Übertragung und DNS kennen. Das Versenden und Empfangen von Nachrichten ist (neben dem Dateitransfer) die älteste Anwendung in allen Computer-Netzwerken, insbesondere auch im Internet und damit unter TCP/IP. Bis heute hat nichts von seinem Stellenwert verloren und gehört zu den wichtigsten und beliebtesten Netzwerkanwendungen. Dementsprechend wichtig ist das Wissen über die Konfiguration und den Betrieb der unter Linux verfügbaren Mailserver-Programme. 3.1 Übertragung von s Im Gegensatz zu den meisten anderen Netzwerkanwendungen findet bei der Übertragung von s keine direkte Kommunikation zwischen Sender und Empfänger (wie bei der üblichen Client-Server-Kommunikation) statt. Vielmehr wird eine , über mehrere Zwischenstationen, Schritt für Schritt zum Empfänger weitergereicht. Man spricht dabei von Store-and-Forward-Kommunikation. Die dabei beteiligten Programme fallen in eine der folgenden drei Kategorien: 82

2 3.1 Übertragung von s Mail Zustellung übers Internet MUA Mail User Agent (MUA) mail Netscape pine sendmail Internet sendmail Mail Transport Agent (MTA) Mail Delivery Agent (MDA) POP IMAP procmail Mail User Agents Programme zum Verfassen und Versenden von s, die sogenannten Mail User Agents (MUA s). Diese Programme unterscheiden sich beträchtlich in Komfort und Funktionsumfang und reichen vom archaischen Kommandozeilen-MUA mail über den menügesteuerten, textbasierten pine bis hin zu graphischen MUAs, wie beispielsweise dem Mailclient im Netscape Browser. Allen gemeinsam ist, daß sich damit eine (Angabe zu Empfängern, Betreff, Inhalt, etc.) verfassen und auf die Reise schicken läßt. Mail Transfer Agents Diese Reise beginnt mit der Übertragung der Nachricht zum ersten Mail Transfer Agent (MTA). Diese Programme sind die Mailserver im engeren Sinne und erfüllen quasi die Aufgabe eines Postamts. D.h. sie nehmen Nachrichten (von MUAs oder anderen MTAs) an und entscheiden anhand der Empfänger-Adressen, was mit diesen Nachrichten weiter geschehen soll. Entweder sie werden an den nächsten MTA weitergeleitet oder sie sind am Zielort angelangt. Im zweiten Fall erfolgt die lokale Zustellung. Ein wichtiges Merkmal aller MTAs ist, daß diese auch in der Lage sind, Nachrichten zwischenzuspeichern, falls die Übermittlung an einen anderen MTA nicht sofort erfolgen kann. Deshalb verfügt jeder MTA auch über einen Nachrichtenspeicher (message store), in dem die Nachrichten in einer Warteschlange (queue) eingereiht werden. In bestimmten Zeitabständen wird die Übermittlung erneut versucht. Erst nach einer längeren Zeit der Zwischenspeicherung (üblicherweise 3 bis 5 Tage) gibt ein MTA auf und schickt eine Fehlermeldung an den Sender der Nachricht zurück. Eine weitere wichtige Aufgabe vieler MTAs ist das Vermitteln zwischen verschiedenen Mail-Systemen (Gateway-Funktionalität). Dies umfaßt das Konver- 83

3 tieren der Nachrichten (insbesondere von Adressen) und den Rückgriff auf sogenannte Mailer, d.h. Programme, die ein spezielles Übertragungs-Protokoll beherrschen. Auf diesen Aspekt wird im Folgenden aber nicht näher eingegangen. Der in der UNIX-Welt bekannteste und am weitesten verbreitete MTA ist das Programm sendmail, das im folgenden Abschnitt näher beschrieben wird. Hauptsächlich aus Gründen der einfacheren Konfigurierbarkeit und höheren Sicherheit gibt es aber seit einigen Jahren ernstzunehmende Alternativen, wie qmail,smail oderpostfix. Mail Delivery Agents Für die lokale Zustellung sind die Mail Delivery Agents (MDA s) zuständig. Diese bekommen die Nachrichten von einem MTA und legen sie je nach vorhandener Mail-Infrastruktur in einem Nachrichtenspeicher (message store) ab. Am häufigsten ist hier das Programm procmail zu finden, das die Nachrichten in gewöhnlichen Textdateien abspeichert. Für jeden lokalen Benutzer existiert eine solche Datei (unter Linux im Verzeichnis /var/spool/mail). Sie stellt quasi den Briefkasten dieses Benutzers dar. Daneben gibt es aber auch andere MDAs, wie beispielsweise den IMAP-Server cyrus. 3.2 Das Simple Mail Transfer Protocol (SMTP) Im Zusammenhang mit der Übertragung von bzw. dem Zugriff auf Nachrichten gibt es eine Vielzahl von (z. T. proprietären) Protokollen. In der weltweiten - Kommunikation über das Internet hat sich aber SMTP (Simple Mail Transfer Protocol), wie es in RFC 821 und einigen Nachfolge-RFCs festgelegt ist, als De-Facto- Standard durchgesetzt. Dieses Protokoll wird zur Übertragung der Nachrichten von einem MTA zum anderen (und häufig auch von einem MUA zum MTA) eingesetzt. Wie der Name schon sagt, handelt es sich im Grunde um ein einfaches Protokoll. Eine typische Verbindung ist im Folgenden abgedruckt: 220 mailserver.widgets.com ESMTP Sendmail 8.9.3/8.9.3; Fri, 7 Jan :39: EHLO aldebaran.gadgets.com 250-mailserver.widgets.com Hello [ ], pleased to meet you 250-EXPN 250-VERB 250-8BITMIME 250-SIZE 250-DSN 84

4 3.3 Aufbau einer Nachricht 250-ONEX 250-ETRN 250-XUSR 250 HELP MAIL SIZE= Sender ok RCPT 250 Recipient ok RCPT 250 Recipient ok DATA 354 Enter mail, end with. on a line by itself From: Alice To: Bob Cc: Charly Subject: Dies ist ein Test! Date: Fri, 7 Jan :39: Dies ist ein Test!. 250 UAA01305 Message accepted for delivery QUIT 221 mailserver.widgets.com closing connection Alle mit einem dreistelligen Zahlencode beginnenden Zeilen sind Antworten vom empfangenden Mailserver; alle anderen Zeilen sind Eingaben der sendenden Seite. Die Antworten des Mailservers beginnen stets mit einer dreistelligen Zahl, den sog. Reply-Codes. Reply-Codes 2XX und 3XX sind positive Rückmeldungen, 4XX zeigen ein temporäres Problem an (die Zustellung wird zu einem späteren Zeitpunkt nochmal versucht) und 5XX sind Fehlermeldungen, die auf ein prinzipielles oder permanentes Problem hinweisen. Nach einem Intro (EHLO), in dem sich die Kommunikationspartner vorstellen und sich über die unterstützten Merkmale unterrichten, folgt zuerst die Angabe des Senders (MAIL From:) und dann des oder der Empfänger (RCPT To:). Anschließend wird der eigentliche Inhalt der Nachricht übertragen (DATA) und zum Schluss die Verbindung beendet (QUIT). 3.3 Aufbau einer Nachricht Der Inhalt der Nachricht selbst (also im Beispiel jener Teil zwischen 354 Enter mail... und250 UAA ) hat auch einen festgelegten Aufbau (siehe RFC 822 und seine Nachfolge-RFCs). Am wichtigsten ist die Unterteilung in Nachrichtenkopf 85

5 (header part) und Rumpf (body part). Beide sind durch die erste Leerzeile in der Nachricht von einander getrennt. 3.4 Adressen Wichtig ist die Unterscheidung zwischen jenen Adressen, die mit SMTP-Kommandos (MAIL From: und RCPT To:) übertragen werden und jenen, die im Kopf einer Nachricht (From:, To:, Cc:, Reply-To:, u.a.) zu finden sind. Erstere werden Umschlag- Adressen (envelope addresses) genannt und dienen ausschließlich zur Adressierung der Empfänger bzw. der Benachrichtigung des Senders im Fehlerfall. D.h. die Umschlag-Adressen werden für die Wahl des Übertragungsweges vom MUA über diverse MTAs bis zum MDA verwendet. Die Umschlag-Adressen gelangen nicht bis zum Empfänger, sondern werden bei der finalen Zustellung verworfen. Demgegenüber haben die Adressen im Nachrichtenkopf (header addresses) keine Bedeutung für die Übermittlung, gelangen aber bis zum Empfänger und können dort für die weitere Verarbeitung der Nachricht (Beantworten, Sortieren, Archivieren, etc.) verwendet werden. Diese Unterscheidung wird besonders deutlich im Falle der Bcc-Empfänger (blind carbon copy). Diese Empfänger sollen die Nachricht erhalten, ohne daß dies für andere Empfänger der Nachricht ersichtlich ist. D.h. diese Empfänger werden nur mittels des SMTP-Kommandos RCPT To: genannt, tauchen jedoch nicht im Kopf der Nachricht auf. 6 Das heutzutage im Zusammenhang mit Internet-Mail nahezu ausschließlich verwendete Adressformat ist user steht für den Namen des -Kontos des Empfängers oder Senders (muß aber nicht notwendigerweise mit einem Login- Namen übereinstimmen, siehe Aliases); fqdn steht für Fully Qualified Domain Name und identifiziert weltweit eindeutig das Mailsystem des Empfängers bzw. Senders, d.h. mit vollständiger Angabe der DNS-Domäne, in der sich dieses System befindet. fqdn kann einen tatsächlichen (voll qualifizierten) Rechnernamen bezeichnen oder einen Domänen-Namen. Letzteres ist beim Einsatz eines zentralisierten Mailsystems oft die bessere Lösung. Außerdem ist es oft erwünscht, daß es der Außenwelt verborgen bleibt, an welchem Rechner ein -Empfänger tatsächlich arbeitet. Beispiele: Benutzer alice auf dem Rechner aldebaran in der Domänegadgets.com 6 Obwohl für die Übermittlung der Nachrichten nur die Umschlag-Adressen von Bedeutung sind, greifen die MTAs im begrenzten Umfang auch in die Information in den Nachrichtenköpfen ein. Dies betrifft das evtl. Ändern von Sender-Adressen (From:, Reply-To:, Receipt-To:, etc.), Einsetzen von fehlenden Kopfzeilen (Date:, Message-ID:, From:) und Rückverfolgungs-Information (Received:). 86

6 3.5 Zusammenspiel von Mail-Übertragung und DNS Benutzer alice in der Domänegadgets.com sehr wahrscheinlich kein Benutzer, sondern ein Alias der Finanz-Abteilung nicht voll qualifizierter Rechnername. Eine solche Adresse darf den Geltungsbereich des lokalen Mailsystems nicht verlassen, weil sie außerhalb wertlos ist. alice Nicht qualifizierte Adresse. Noch problematischer! 3.5 Zusammenspiel von Mail-Übertragung und DNS Für die Übermittlung von s von einem MTA zum anderen ist der Zugriff auf das Domain Name System (DNS) unerläßlich. Sofern nicht spezielle Konfigurationen für bestimmte Empfänger einen ganz bestimmten nächsten MTA vorschreiben, wird durch die MX-Einträge (mail exchanger) im DNS festgelegt, welcher Rechner für den Empfang welcher s zuständig ist. Ggf. greift ein MTA auch auf die Informationen aus A-Einträgen zurück, falls kein passender MX-Eintrag gefunden wird. 7 Beispiel: Es existieren folgende Einträge für die Domänewidgets.com. widgets.com. 1D IN MX 20 mailserver.widgets.com. mailserver.widgets.com. 1D IN A polaris.widgets.com. 1D IN A Damit werden s wie folgt übermittelt: Gemäß MX-Eintrag wird dieser Empfänger über mailserver.widgets.com erreicht. Hierzu gibt es keinen MX-Eintrag. Aber der A-Eintrag zu mailserver.widgets.com liefert die Information, wohin mit dieser . Auch hier existiert kein MX-Eintrag, jedoch ein passender A-Eintrag zupolaris.widgets.com. Die Zustellung dieser scheitert, weil weder ein MX-Eintrag, noch ein A-Eintrag zuantares.widgets.com im DNS existiert. 7 Es gibt auch sogenannte Wildcard-MX-Records, mit denen ein Mailserver für eine Domäne samt aller Unterdomänen angegeben werden kann. Diese sind aber, wenn irgendwie möglich zu vermeiden, weil dadurch das Risiko von Fehlkonfigurationen steigt. Im Fehlerfall ist das Verhalten der Mailserver dann oft sehr schwer nachvollziehbar. 87

7 3.6 Postfächer zentral verwalten Gibt es Benutzer, die auf mehreren Rechnern einen Benutzerzugang besitzen, ist es zweckmäßig, allen Benutzern zentral Postfächer zuzuweisen. Dazu wird einer unserer Rechner zum POP-Server oder IMAP-Server auserkoren. Dieser sollte nicht vom Internet aus erreichbar sein, da die Paßwortübertragung abgehört werden könnte. POP und IMAP sind in folgenden Situationen geeignet: POP Das Post Office Protocol ist ein sehr einfaches Protokoll, das sich am besten mit einem Postfachsystem vergleichen läßt. Die Post geht an einen zentralen Mailserver (das Postamt), vom dem aus sich die einzelnen Clients ihre Briefe abholen. Ein POP-Server läßt sich sehr einfach betreiben (siehe unten) und ist auch schnell, jedoch will man POP nur einsetzen, wenn die Benutzer einen festen Arbeitsplatz haben, auf den Sie ihre Mail übertragen. IMAP Das Internet Message Access Protocol gestattet es dagegen den Benutzern Ihre Mails komplett auf dem Server zu verwalten. Damit ist es egal, von welchem Client aus die Mails gelesen werden. Der von den meisten Linux-Distributionen mitgelieferte IMAP-Server ist so gut wie gar nicht dokumentiert, deswegen hat sich als de-facto-standard im Unternehmenseinsatz der ebenfalls freie und performante Cyrus-Mail-Server bewährt. Dieser beherrscht ebenfalls POP3. Installation eines POP-Servers: 1. Zuerst muß man die Software installieren, das ist bei SuSE und Fedora/RedHat imap-version.rpm 2. Dann muß für jeden Benutzer ein Benutzerkonto angelegt werden: for USER in fred axel udo do useradd -m -d /home/$user -G popusers -p $USER -s /bin/false $USER chmod 700 /home/$user done (Gegebenenfalls ist die Gruppe popusers vorher anzulegen, prinzipiell kann man jedoch auch auf die Gruppenzugehörigkeit verzichten) Diese Benutzernamen sollten nicht schon anderweitig vergeben sein. 3. POP-Dienst aktivieren in den Konfigurationsdateien desinetd bzw.xinetd. 4. inetd bzw. xinetd neu starten 88

8 3.7 Wissensfragen 3.7 Wissensfragen 1. Was versteht man unter Store-and-Forward-Kommunikation? 2. Was sind die Unterschiede zwischen Umschlag-Adressen und Adressen im Kopf einer ? 3. Welche Information liefern die MX-Einträge im DNS? 4. Was geschieht, wenn zu einer Empfänger-Adresse (streng genommen zu dem Teil rechts kein MX-Eintrag im DNS gefunden wird? 89

9 3.8 Lösungen 1. Store-and-Forward-Kommunikation ist die Art, in der s transportiert werden. s werden praktisch nie direkt vom Sender zum Empfänger übertragen, sondern über viele Zwischenstationen (Mailserver), die die s vollständig annehmen, zwischenspeichern (store) und geeignet weiterleiten (forward). 2. Umschlag-Adressen werden in SMTP mit den Kommandos MAIL From: und RCPT To: übertragen, während Adressen im Kopf einer bereits Bestandteil der übertragenen Nachricht sind, die nach dem SMTP- Kommando DATA übertragen wird. Umschlag-Adressen dienen der eigentlichen Übertragung der vom Sender zum Empfänger und im Fehlerfall der Benachrichtigung des Senders. Die Adressen im Kopf der haben darauf keinen Einfluß. Sie werden für die Weiterverarbeitung der beim Empfänger (Beantworten, Sortieren, Archivieren) verwendet. Umschlag-Adressen gehen nach erfolgter Zustellung verloren. Die Adressen im Kopf der bleiben (weil Bestandteil der ) erhalten. 3. MX-Einträge im DNS nennen die für eine Domäne oder für alle Subdomänen einer Domäne zuständigen Mailserver. 4. In diesem Fall wird angenommen, daß es sich bei dem Teil rechts um einen vollqualifizierten Rechnernamen handelt und es wird eine Übermittelung direkt an diesen Rechner versucht. Dazu wird ein A-Eintrag zu diesem Rechnernamen im DNS gesucht, der Auskunft über die IP-Adresse des Rechners gibt. 90

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