Soziale Marktwirtschaft Entstehungsgeschichte und historische Entwicklung

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1 Werner Abelshauser Soziale Marktwirtschaft Entstehungsgeschichte und historische Entwicklung Zukunftsfähigkeit der Sozialen Marktwirtschaft Akademie Franz Hitze Haus Münster, 17. Oktober

2 Gliederung Das Original: Entstehungsgeschichte Erhards Neue Kleider Wandlungen: - Soziale Marktwirtschaft à la Hegel - Soziale Marktwirtschaft à la Bismarck - Soziale Marktwirtschaft à la Keynes Kontinuität: Produktive Ordnungspolitik Europäische Perspektive? 2

3 Entstehungsgeschichte Marktversagen ist möglich: Börsencrash, Bankenkrise, Ende der Globalisierung Visible versus invisible hand: Liberaler Interventionismus Starker Staat: Zähmung der Interessenten Staatlich garantierter Wettbewerb statt Sozialstaat Produktive Ordnungspolitik statt Keynes 3

4 Erhards Neue Kleider Weder Marktwettbewerb noch Sozialstaat Kartellrecht erst 1958 Regulierte Märkte: Agrarmarkt, Kredit- und Kapitalmarkt, Wohnungsmarkt, Außenwirtschaft, Produktionsgüter, Verkehrswesen, Energieversorgung 4

5 Leitmotiv Die Kunst der Wirtschaftspolitik im BMWi liegt in der Entschlossenheit, und gleichzeitig der Fähigkeit, zur Abstinenz von wirtschaftspolitischem Handeln. A. Müller-Armack am 15. März 1975

6 Produktive Ordnungspolitik Strategien staatlicher Rahmen- und Regelsetzung zur Gestaltung des sozialen Systems der Produktion mit dem Ziel, komparative institutionelle Vorteile in der Wirtschaft zu fördern. 6

7 Wandlungen à la Hegel: Korporative Marktwirtschaft (seit 1951) à la Bismarck: Renaissance des Sozialstaats (seit 1958) à la Keynes: Globalsteuerung (seit 1966/68) 7

8 Soziales System der Produktion Bankensystem Corporate Governance Arbeitsbeziehungen Interessenpolitik Branchensystem Ausbildungssystem

9 Marktwirtschaft à la Hegel Herrschaft der Verbände Deutschland AG Korporative Marktwirtschaft 9

10 Korporative Marktwirtschaft Akteure zwischen Individuum und Staat Dichte Landschaft von Institutionen und Organisationen Business coordinated market economy 10

11 Deutschland AG Universalbanken Spitzenverbände Unternehmerische Netzwerke Regionale Cluster Flächentarifvertrag Einheitsgewerkschaft Duales Ausbildungssystem Kooperative Interessenpolitik 11

12 Marktwirtschaft à la Bismarck Die Rentenreform von 1957 Sozialstaat versus Marktstaat Volkskapitalismus? 12

13 Marktwirtschaft à la Keynes Marktregulierung am runden Tisch Konzertierte Aktion statt Wettbewerb Soziale Gerechtigkeit durch soziale Symmetrie Vom starken zum lenkenden Staat 13

14 Keynesianische Wende Karl Schiller (1966): Synthese von Freiburger Imperativ und Keynesianischer Botschaft Otto Schlecht (1968): zweites Grundgesetz der Sozialen Marktwirtschaft

15 Soziale Marktwirtschaft heute? Sichtbare oder unsichtbare Hand: Liberaler Interventionismus? Sozialstaat oder Marktstaat? Produktive Regulierung oder Deregulierung aus Prinzip? Produktive Ordnungspolitik 15

16 Sozialstaat oder Marktstaat? Marktstaat: Träger: Multis & Kapitalmarkt in der Weltgesellschaft Ziel: Chancengleichheit für alle Sozialstaat: Träger: Soziale Gruppen im Nationalstaat Ziel: Wohlstand für alle 16

17 Produktive Ordnungspolitik Strategien staatlicher Rahmen- und Regelsetzung zur Gestaltung des sozialen Systems der Produktion mit dem Ziel, komparative institutionelle Vorteile in der Wirtschaft zu fördern. 17

18 Soziale Marktwirtschaft Rettung in der Krise? Starker Staat korrigiert Marktversagen Sozialstaat schützt Altersversorgung Produktive Ordnungspolitik entscheidet Kulturkampf 18

19 Europäische Perspektive? Harmonisierung kollektiver Mentalitäten Einheit in der Vielfalt statt Harmonisierung Stärkung komparativer institutioneller Vorteile unterschiedlicher Wirtschaftskulturen verlangt nach Strategien staatlicher Rahmen- und Regelsetzung zur Gestaltung der jeweiligen sozialen Systeme der Produktion

20

21 Europäische Wirtschaftskulturen Rheinischer Kapitalismus Angelsächsischer Kulturkreis Osteuropäischer Transformationsraum Südeuropäischer Kulturkreis Ferner laufen: Griechenland / Balkan 21

22 Ergebnis Soziale Marktwirtschaft ist in der Wirtschaftsgeschichte der BRD kein fester Begriff. Sie diente und dient jeder herrschenden wirtschaftspolitischen Strömung als Modebegriff. Aber: Soziale Marktwirtschaft hat einen harten Kern, der sich mit Gewinn nutzen läßt. 22

23 Schlussfolgerungen Akteure müssen sich bewusst sein, wie ihre Wirtschaftskultur funktioniert, um ihre Stärken in komparative institutionelle Vorteile umsetzen zu können Wirtschaftspolitik, die Wirtschaftskultur gestalten will, muss komparative institutionelle Vorteile erkennen und Institutionen ebenso unterstützen wie erfolgreiche Organisationsweisen der Wirtschaft: produktive Ordnungspolitik 23

24 Danke 24

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