Das Tapfere Schneiderlein - Märchenforschung und ihre Didaktik

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1 Germanistik Jochen Bender Das Tapfere Schneiderlein - Märchenforschung und ihre Didaktik Studienarbeit

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3 Inhaltsverzeichnis 1. Einleitung Schwankmärchen kurze Charakterisierung der Zwischengattung Überlieferung Analyse und Interpretation Verschiedene Ebenen der Interpretation Literaturwissenschaftliche Interpretation Didaktische Konzeptionen Lehrplanbezug Märchen in der Grundschule Der kognitive Entwicklungsstand nach Piaget Methodische Überlegungen Literaturverzeichnis

4 1. Einleitung Volksmärchen ist ein problematischer Begriff, da das Volk als kollektiver Erzähler nicht greifbar ist und jeder als Volksmärchen ausgegebener Text deutliche Spuren individueller Bearbeitung trägt. Als Prototyp können die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm gelten (Freund 1996, S. 182). Jolles (1982, S. 219) spricht sogar von der Gattung Grimm und stellt die These auf, dass man ein literarisches Gebilde dann als Märchen anzuerkennen pflege, wenn es mehr oder weniger mit dem übereinstimmt, was in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm zu finden ist. Inwieweit das Volk als Märchenschöpfer bezeichnet werden kann ist in der einschlägigen Literatur umstritten. Aufgrund seiner Formuntersuchung, die den sehr bestimmten Stilwillen des Märchens aufzuzeigen bemüht war, vermutet Lüthi (1992, S. 93), das Märchen als reine Dichtung sei das Werk hoher Künstler, von denen es zum Volk herabkommt. Dieses selbst sei Märchenträger und Märchenpfleger, nicht jedoch Märchenschöpfer. Diese Frage wurde bereits, wie aus einem von Jolles (1982, S. 221ff) dargelegten Briefwechsel zwischen Jacob Grimm und Achim von Arnim hervorgeht, heiß diskutiert. In diesem Briefwechsel geht es um die Streitfrage, ob ein Gegensatz zwischen Naturpoesie und Kunstpoesie existiert, oder nicht. Grimm ist der Auffassung die Volkspoesie, zu der Märchen zählen, trete aus dem Gemüt des Ganzen hervor, die Kunstpoesie hingegen sei von einzelnen Dichtern geschaffen. Für ihn ist Kunstpoesie eine Zubereitung und Naturpoesie ein Sichvonselbermachen. Arnim leugnet diesen Gegensatz gänzlich und behauptet, Volksdichtung im Sinne der Grimms gebe es nicht, es gebe nur Dichter und jeder Dichter, der als solcher anerkannt wird, sei zugleich ein Volksdichter. Es scheint auch wichtig in der Einleitung zu erwähnen, dass die Grimms ihre Märchen keineswegs direkt aus dem Volk bezogen, wie lange Zeit geglaubt und von den Brüdern Grimm auch suggeriert wurde. Sie griffen vielmehr auf bereits in Literaturform vorliegende Fassungen (z.b. Basile, Perrault) zurück. Die mündlichen Überlieferungen, die sie für ihre Kinder- und Hausmärchen nutzten, bezogen sie auch nicht direkt aus dem einfachen Volk, sondern von gebildeten Personen (z.b. Hasselpflug, Wild) (vgl. Freund 1996, S. 187 ff). 2

5 Jacob Grimm ging es darum, die Kinder- und Hausmärchen so aufzuschreiben, wie er sie empfangen hat, obwohl er sich bewusst war, dass er dies nicht wirklich tat. Er behauptet, es sei nicht möglich etwas völlig angemessen zu erzählen, charakterisiert aber Märchen als eine Sache die vollkommen sich selbst bleiben kann, auch wenn sie in anderen Worten erzählt wird (vgl. Jolles 1982, S. 15ff). Willhelm Grimm hingegen nahm noch bewusstere Stilisierungen vor, indem er Anstößiges ausmerzte und im Sinne bürgerlichen Wohlverhaltens moralisierte (Wiederspruch zu Lüthi), so dass die Märchen besser in die Kinderstuben, den hauptsächlichen Leserkreis, passten (vgl. Freund 1996, S. 189). An dieser Stelle scheint es jedoch wichtig zu erwähnen, dass die Grimms Märchen ursprünglich (1. Ausgabe 1812) nicht an Kinder adressiert waren. Aarne und Thompson (1928, zit. nach Freund 1996, S. 182) erstellten ein Verzeichnis aller in den Kinder- und Hausmärchen vorkommender Märchentypen. Die erste Hauptgruppe bilden die Tiermärchen, in denen Tiere die Handlungsträger sind. Ihnen folgen in der zweiten Hauptgruppe die eigentlichen Märchen, aufgeteilt in Zauber- und Wundermärchen, in denen der übernatürliche Faktor eine entscheidende Rolle spielt, die legendenartigen Märchen, in denen Gott lohnt und bestraft, novellenartige Märchen um Liebe, Treue, Schicksalsmächte und Verbrechen und schließlich die Märchen vom dummen Teufel, womit Riesen gemeint sind. In diesen steht der Wettstreit zwischen Mensch und Unhold im Mittelpunkt. In der dritten und abschließenden Hauptgruppe sind die Schwankmärchen zusammengefasst, in denen der Einfallsreiche und listige die Oberhand behält. Diese Hauptgruppe soll im Folgenden näher charakterisiert werden. 2. Schwankmärchen kurze Charakterisierung der Zwischengattung Das Schwankmärchen wird von Solms (1999, S. 98) als Zwischengattung bezeichnet, die Zaubermärchen und Schwank miteinander verbindet. Das Märchenwunder wird hier durch betrügerische Kniffe des Helden ersetzt. Bloch, ein sozialkritischer und materialistischer Märchenforscher sowie Fetscher, ein Frankfurter Politologe, bezeichnen das Schwankmärchen sogar als eine Parodie des Märchenwunders. Diese Märchengattung setzt, im Gegensatz zum Zaubermärchen, den Glauben an das Wunder 3

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