Der emotionale Charakter einer musikalischen Verführung durch den Rattenfänger von Hameln

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1 Medien Sebastian Posse Der emotionale Charakter einer musikalischen Verführung durch den Rattenfänger von Hameln Eine quellenhistorische Analyse Studienarbeit

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3 Sebastian Posse Musikwissenschaftliches Seminar Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Kollegiengebäude I Platz der Universität Freiburg im Breisgau Hausarbeit im Hauptseminar Antike Musikmythen im Spiegel neuerer Theorien der Emotionalität Seminar für Musikwissenschaft der Universität Freiburg im Breisgau Thema: Der Rattenfänger von Hameln in einer quellenhistorischen Analyse zu der Frage nach dem emotionalen Charakter einer musikalischen Verführung Studiengang: Bachelor of Arts, 5. Fachsemester Zeitraum: Sommersemester 2012

4 Inhaltsverzeichnis Einleitung und These...2 Kapitel 1 - Vorstellung der Sage und der Methodik...4 a.) Darstellung der Sage und der Theorien zum historischen Ereignis...4 b.) Die Rezeptionsgeschichte des Stoffes im Überblick...7 c.) Analytische Werkzeuge: Die Emotionstheorien und ihre Anwendung Kapitel 2 - Die Quellen der Sage a.) Heinrich von Herford (u.a.), Cantena aurea, Nachtrag (1430/50) b.) Athanasius Kircher, Musurgia unversalis (1650) c.) Jakob und Wilhelm Grimm, Deutsche Sagen (1816) Kapitel 3 - Musik als Verführung a.) Literarische Bearbeitungen der Rattenfängersage b.) Das Motiv einer Entführung durch Musik im europäischen Märchen c.) Eine systematisch-vergleichende Analyse aller Quellen Zusammenfassung Literaturverzeichnis Anhang

5 Einleitung und These Der Rattenfänger von Hameln ist als Sagenstoff wahrscheinlich nahezu jedem kulturhistorisch interessierten Menschen in Europa und Amerika vertraut. Die ungeheure Bekanntheit dieser Sage auch außerhalb des deutschsprachigen Raumes lässt sich auf eine Rezeptionsgeschichte von über 500 Jahren zurückführen, die einzigartig für das Genre der Sage ist. In den letzten hundert Jahren hat die Forschung durch die vielschichtige Quellenlage entscheidende Fortschritte bei der Feststellung des historischen Kerns der Sage gemacht, im besonderen sind Heinrich Spanuth, Wolfgang Wann, Hans Dobbertin und Norbert Humburg zu nennen. So gilt der Kinderauszug von Hameln 1284 heute als historisches Faktum, auch wenn die genauen Umstände weiterhin im Dunkeln liegen. Bereits im 16. und besonders 17. Jahrhundert begann man nach den Hintergründen dieser Geschichte zu fragen, jedoch weniger zur Feststellung des historischen Gehalts als zum Herausstellen von christlich-moralischen Fragen, so z.b. in der barocken Predigt- und Traktatliteratur. Die zweite große Epoche der Rezeption ist die Romantik im 19. Jahrhundert, geprägt von der nunmehr definitiven Fassung der Brüder Grimm. Hier entstanden die ersten literarischen Bearbeitungen der Sage, nach Anlegen der Definition eines primär unterhaltenden Textes. Die bekanntesten davon sind die Gedichte von Goethe, Brentano/von Arnim und Robert Browning im englischsprachigen Raum. Damals begeistert aufgenommen, jedoch heute fast vergessen ist das als Aventiure bezeichnete epische Gedicht von Julius Wolff. Bis heute fasziniert die Sage die Literatur mehr als die Musik, so entstanden im 20. Jahrhundert u.a. Dramen von Carl Zuckmayer und Michael Ende und eine Vielzahl populärer Romane. Die musikalische Rezeption scheint jedoch aus heutiger Sicht auf das Gedicht von Goethe beschränkt, so z.b. in Vertonungen von Franz Liszt und Hugo Wolf. Andere Kompositionen des 19. Jahrhunderts wie z.b. eine Oper von Victor Neßler nach J. Wolff oder eine symphonische Dichtung von Paul Geisler sind heute komplett vergessen oder sogar verschollen. Die Forschung bewegte sich in jüngerer Zeit weg von dem historischen Ereignis, das als nicht weiter beleg- und überprüfbar gilt. Stattdessen wurden in der Betrachtung der Rezeptionsgeschichte wertvolle Erkenntnisse zur literarischen Gattung der Sage gewonnen. Am Rattenfänger von Hameln lässt sich wie an keiner anderen Sage zeigen, wie sich der Blickwinkel auf eine Geschichte mit der Zeit veränderte. Bisher weitgehend unbeachtet ist jedoch die Sage als Träger von emotionalem Gehalt, was umso mehr erstaunt wenn man bedenkt, dass letztlich Emotionen für die Überlieferung eines Geschehnisses in Geschichten-, sprich Sagenform verantwortlich sind. Die hier vorliegende Arbeit hat zum Ziel, diese Lücke zu schließen und eine emotionstheoretische Analyse in verschiedenen Stadien der Rezeption vorzunehmen. 2

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