Palliative Care und psychische Erkrankungen aus der Nutzerperspektive

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1 Palliative Care und psychische Erkrankungen aus der Nutzerperspektive Befragung und Online-Erhebung bei Betroffenen, Angehörigen, Patienten- und Angehörigenvertretern im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit Sarah Brügger

2 Die Studie Thema: Handlungsbedarf im Kontext von Palliative Care und psychischer Erkrankungen aus Sicht der psychisch kranken Menschen selbst, der Angehörigen und Patienten- und Angehörigenvertretern Die Studie bestand aus: 1. Befragungen und einem Fokus-Gruppen-Gespräch - mit Patienten- und Angehörigenvertretern, - Angehörigen von psychisch kranken Menschen und - Direktbetroffenen 2. einer Online-Erhebung, an der 72 Personen teilnahmen 1

3 Psychisch kranke Menschen am Lebensende Hauptaussage: Es braucht ein Angebot, das Psyche und Körper berücksichtigt solche Angebote fehlen grösstenteils Psychiatrie: Akutsomatik: Palliative Care: es fehlen Infrastruktur und Kompetenzen zur Behandlung somatischer Leiden (insb. Schmerzen) es fehlt das Wissen, um richtig mit der psychischen Erkrankung umzugehen nicht auf diese Zielgruppe ausgerichtet Die Zahl psychisch kranker Menschen am Lebensende nimmt zu. kombinierte Angebote, die psychische und somatische Leiden angehen Einbezug der Palliative Care insb. in der Alterspsychiatrie 2

4 Psychisch kranke Menschen, die somatisch erkranken Hauptproblem sind auch hier fehlende psychiatrische Kompetenzen in der Akutsomatik und fehlende Zusammenarbeit von Somatik und Psychiatrie Den spez. Bedürfnissen kann in Palliative Care Strukturen besser begegnet werden als in der Akutsomatik, aber es braucht Fachwissen. Man müsste im Palliative-Bereich die Aufmerksamkeit vermehrt auch auf die psychisch Kranken richten. Wenn jemand schwer krank ist und gleichzeitig auch noch eine wahnhafte Symptomatik hat, muss anders mit ihm gearbeitet werden als in einer klassischen palliativen Situation. Sensibilisierung in Bezug auf psychische Krankheiten innerhalb der Palliative Care (psychiatrisches Grundwissen + Möglichkeit, bei Bedarf Fachpersonal beizuziehen) 3

5 Wenig Austausch und Vernetzung Weil es wenig Berührungspunkte gibt zwischen Psychiatrie, Somatik (und Palliative Care) fallen betroffene Menschen zwischen Stuhl und Bank. Ich beobachte, dass Spitäler versuchen, Menschen mit einer psychischen Erkrankung ziemlich schnell in die Psychiatrie zu verlegen, denn im Akutspital sind sie mit der psychischen Krankheit überfordert. Somatische Krankheiten von psychisch kranken Menschen werden oft nicht erkannt, weil die Person nicht ernst genommen wird. Es wird alles auf die psychische Krankheit zurückgeführt. [ ] Umgekehrt erhalten auch somatisch kranke Menschen, die ein psychisches Leiden entwickeln, zu wenig Aufmerksamkeit. Bessere Zusammenarbeit zwischen Somatik, Palliative Care und Psychiatrie, damit die Menschen nicht nur am Lebensende in ihrer Gesamtheit betreut werden können. 4

6 Palliative Care in der Psychiatrie Psychische Krankheiten führen kaum direkt zum Tod Palliative Care wird als wenig relevant erachtet Palliative Care als Gefahr angesehen (als Ersatz sinnvoller kurativer Massnahmen) Neuere Definitionen von Palliative Care (WHO 2002; SAMW 2012, Lynn/Adamson 2003) - frühzeitiger und vorausschauender Einbezug von Palliative Care, - parallel zu kurativen und rehabilitativen Massnahmen, - richtet sich auch an chronisch kranke Menschen mit komplexen und unvorhersehbaren Krankheitsverläufen Psychische Leiden verlaufen oft chronisch und unvorhersehbar Gerade im Bereich Psychiatrie muss Palliative Care viel mehr umfassen als nur die Versorgung am Lebensende 5

7 Leitlinien der Palliative Care in der Psychiatrie In der Psychiatrie wird zu einem grossen Teil bereits Palliative Care gemacht auch wenn man es nicht so nennt. Das Konzept der Palliative Care wird in der Psychiatrie nicht verwendet. Trotzdem, meiner Ansicht nach macht man in der Psychiatrie bereits Palliative Care in dem Sinne, dass weniger eine Heilung, sondern vielmehr eine Reduktion der Symptome angestrebt wird. Eine Ausrichtung der psychiatrischen Versorgung an der Palliative Care Philosophie und Haltung macht Sinn. Ich finde, Palliative Care könnte in der Psychiatrie auch eine präventive Rolle spielen. Ich sehe die Rolle der Palliative Care im Sinne von Lebensqualität. Palliative Care könnte in der Psychiatrie sinnvoll sein z.b. bei akuter Suizidgefahr. Palliative Care kann da helfen und würde gleichzeitig das Suizidrisiko vermindern. Kann man da von Palliative Care sprechen? 6

8 Fazit: Handlungsbedarf auf 2 Ebenen Besten Dank 1. adäquate Palliative Care Angebote für psychisch kranke Menschen am Lebensende mehr Austausch und Zusammenarbeit zwischen Psychiatrie, Palliative Care und Akutsomatik 2. Integration der Palliative Care Philosophie in die gesamte (psychiatrische) Gesundheitsversorgung Klärung der Definition von Palliative Care und der Rolle, welche sie in der psychiatrischen Versorgung spielen kann 8

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