Energieeffizienz im Einzelhandel. Analyse des Gebäudebestands und seiner energetischen Situation.

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1 Energieeffizienz im Einzelhandel. Analyse des Gebäudebestands und seiner energetischen Situation.

2 Impressum Impressum Herausgeber Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena) Energieeffiziente Gebäude Chausseestraße 128 a Berlin Tel: +49 (0) Fax: +49 (0) Internet: Autoren Marco Atzberger, EHI Retail Institute Simone Sauerwein, EHI Retail Institute Benjamin Chini, EHI Retail Institute Lena Stähler, EHI Retail Institute Auftraggeber Andreas Tiemann, dena Anne Schenker, dena Stand: 06/2015 Alle Rechte sind vorbehalten. Die Nutzung steht unter dem Zustimmungsvorbehalt der dena. Berlin, Juni

3 Inhalt Inhalt Vorbemerkung... 5 Zusammenfassung Einleitung Ziele Aufgabenstellung und Methodik Definition und Abgrenzung des Einzelhandels Der deutsche Einzelhandel Umsatzentwicklung Verkaufsflächen Trend zur Unternehmenskonzentration Betriebstypen des Einzelhandels Erweiterung des Einzelhandelsbegriffs Handel mit Kraftfahrzeugen Bäckereien Metzgereien Friseurhandwerk Bestand der Verkaufsstellen in Deutschland Datenbasis der Verkaufsstellen in Deutschland Berechnung der Anzahl der Verkaufsstellen in Deutschland Unternehmensregister Top-Down-Methode Kommunale Einzelhandelskonzepte Bottom-Up-Methode Anwendung der Methoden im Vergleich Top-Down-Methode dena-studie Energieeffizienz im Einzelhandel 3

4 Inhalt Bottom-Up-Methode Vergleich der beiden Methoden Bestand der Handelsgebäude in Deutschland Problemdefinition Datenbasis der Handelsgebäude in Deutschland Berechnung der Anzahl der Handelsgebäude in Deutschland Struktur der Handelsgebäude Baujahresklassen Eigentumsstruktur der Handelsgebäude Energieeffizienz im Einzelhandel Energieverbrauch und Energiekosten im Einzelhandel Energieverbrauch Verbrauchsträger Energiekosten Energieeffizienzmaßnahmen in den Handelsgebäuden Fazit Handelsgebäude Energieeffizienz im Einzelhandel Clusterung Abbildungsverzeichnis Tabellenverzeichnis Literaturverzeichnis Quellenverzeichnis Fotos Anhang

5 Vorbemerkung Vorbemerkung Nichtwohngebäude (NWGs) haben einen Anteil von fast 40 Prozent am Endenergieverbrauch aller Gebäude in Deutschland, obwohl sie nur etwa ein Siebtel des Gebäudebestands ausmachen. Die Steigerung der Energieeffizienz in NWGs spielt daher für die Erreichung der Klimaschutzziele der Bundesregierung eine wichtige Rolle. Im Gegensatz zu seiner hohen Bedeutung sind die vorliegenden Daten und Informationen zum NWG- Bestand in Deutschland etwa zur Zahl der NWGs, ihrer Alters-, Besitz- oder Nutzungsstruktur sowie ihres baulichen Zustands sehr unzureichend. Während entsprechende Daten für den Wohngebäudebereich zuletzt durch die Zensusumfrage im Mai 2011 erfasst wurden, liegen hierzu für reine Nichtwohngebäude und mischgenutzte Gebäude bisher kaum gesicherte Erkenntnisse vor. Dies gilt insbesondere auch für den Einzelhandel, der im Bereich der gewerblich genutzten Nichtwohngebäude eine der wichtigsten Verbrauchsgruppen darstellt. Die vorliegende Studie will einen Beitrag zur Verbesserung der Datenlage zum Gebäudebestand des Einzelhandels und dessen energetischer Situation leisten. Denn nur eine gesicherte Datenbasis ermöglicht die Ableitung geeigneter strategischer Maßnahmen, um die Energieeffizienz im Handel weiter zu steigern. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem Wärmesektor, der bisher vernachlässigt wurde. Um das Verständnis im Folgenden zu erleichtern, sollen an dieser Stelle einige Begriffe geklärt werden, deren Abgrenzung im Kontext der Studie von Bedeutung ist: Als mischgenutzte Gebäude werden in dieser Studie Gebäude bezeichnet, die sowohl gewerblich genutzte Einheiten als auch Wohnraum bereitstellen, z. B. Gebäude, in deren Erdgeschoss sich eine Verkaufsstelle befindet, während in darüber liegenden Etagen Wohnungen zu finden sind, z. B. in innerstädtischen Einkaufsstraßen oder Fußgängerzonen. Nichtwohngebäude (NWGs) werden durch eine oder mehrere Parteien ausschließlich gewerblich genutzt und bieten keinerlei Wohnmöglichkeiten. Hierzu zählen unter anderem Supermärkte oder Möbelhäuser. Ein Handelsunternehmen (Unternehmen, Unternehmung) ist eine wirtschaftlich und rechtlich selbstständige Einheit, deren Tätigkeit ausschließlich oder überwiegend dem Handel zugeordnet wird. Unternehmen oder Unternehmung werden häufig synonym verwendet. Im Rahmen dieser Studie wird Handelsunternehmen als einheitlicher Terminus definiert. Ein Handelsunternehmen kann eine oder mehrere Verkaufsstellen (Arbeitsstätte, Betrieb, Betriebsstätte, Filiale, Geschäft, Laden, örtliche Einheit) betreiben. Als Verkaufsstelle definiert man den Ort, an dem Handel betrieben wird, also den Ort der Leistungserbringung. Synonyme sind die Begriffe Arbeitsstätte, Betrieb, Betriebsstätte, Filiale, Geschäft sowie Laden oder örtliche Einheit. Dabei wird vor allem der Betrieb im allgemeinen Sprachgebrauch häufig mit dem Unternehmen gleichgesetzt. In der Studie wird Verkaufsstelle als einheitlicher Begriff verwendet. Die Begriffe Gebäude und Immobilien werden in dieser Untersuchung bedeutungsgleich verwendet. Es wird einheitlich von Gebäuden und Handelsgebäuden gesprochen. dena-studie Energieeffizienz im Einzelhandel 5

6 0 Zusammenfassung Zusammenfassung Gegenstand dieser Studie ist die Auswertung und Zusammenführung von Daten zum Bestand von Gebäuden in Deutschland, die vom Einzelhandel genutzt werden. Da weder die Zahl der Handelsgebäude und Verkaufsstellen noch Daten zu ihrem Alter oder baulichen Zustand bisher einheitlich erfasst wurden, kommt der Studie besondere Bedeutung zu. Auf Basis der bisher verfügbaren Datenbestände und Studien kommt sie zu folgenden Ergebnissen: Durch eine Auswertung des Bestandes an Verkaufsstellen des erweiterten Einzelhandels in 15 deutschen Städten konnte über eine Hochrechnung ein Gesamtbestand von bis Verkaufsstellen in ganz Deutschland errechnet werden. Auf Basis dieser Daten wurde eine Gesamtzahl von ca bis Handelsgebäuden in Deutschland berechnet. Grundlage hierfür ist eine gewichtete, durchschnittliche Anzahl von 1,31 Verkaufsstellen pro Handelsgebäude, die in der Auswertung von 15 deutschen Städten ermittelt wurde. Während ca. 18 Prozent der Gebäude reine NWG sind, handelt es sich bei ca. 82 Prozent um mischgenutzte Gebäude, d.h. solche, in denen sich gewerbliche Einheiten und Wohneinheiten befinden. Fast 81 Prozent der vom Handel genutzten Gebäude wurden vor 1978 erbaut, das heißt bevor die Vorgaben der 1. Wärmeschutzverordnung, die am 1. November 1977 in Kraft trat, wirksam wurden. Während bereits ca. 38 Prozent der NWG nach den Vorgaben der 1. Wärmeschutzverordnung errichtet wurden, trifft dies bei den mischgenutzten Gebäuden nur bei 15 Prozent zu. Nur wenige gesicherte Aussagen lassen sich bisher über die Eigentumsstrukturen der Gebäude treffen: Lediglich knapp 9 Prozent der vom Handel genutzten Nichtwohngebäude können aufgrund der Datenlage einem Handelsunternehmen eindeutig als Eigentümer (0,1 Prozent) oder als Mieter (8,7 Prozent) zugeordnet werden. Bei über 91 Prozent der Nichtwohngebäude ist die Zusammensetzung der Eigentümer- und Mieterstrukturen nicht bekannt. Bei den mischgenutzten Gebäuden sind Handelsunternehmen den vorliegenden Daten zufolge bei 3,8 Prozent der genutzten Gebäude Eigentümer und bei 19,7 Prozent Mieter. Hier sind bei 76,5 Prozent die Eigentümer- und Mieterstrukturen nicht bekannt. Da den Gebäudeeigentümern als Adressaten für Strategien zur Verbesserung der Energieeffizienz vor allem im Wärmesektor eine entscheidende Rolle zukommt, sind an dieser Stelle weitere Analysen dringend erforderlich. Am geeignetsten erscheint eine Primäranalyse in zwei Schritten: Zunächst sollte eine Befragung der Handelsunternehmen erfolgen, anschließend eine daran anknüpfende Befragung relevanter Eigentümergruppen, die Flächen an den Einzelhandel vermieten. 6

7 Zusammenfassung Energieeffizientes Handeln 2013 lagen die Energiekosten der 250 umsatzstärksten Vertriebslinien des Handels (TOP 250) durchschnittlich zwischen 1,3 und 1,7 Prozent des Nettojahresumsatzes. Bei einer durchschnittlichen Gewinnmarge von 1,5 Prozent entsprechen die Jahresenergiekosten damit in dieser Gruppe in etwa 100 Prozent des Gewinns. Marktstudien zum Energiemanagement im Einzelhandel zeigen, dass die Unternehmen dem Thema Energieeffizienz bereits eine hohe Relevanz einräumen. Die heterogene Struktur des Handels vom umsatzstarken Filialisten bis hin zur einzelnen, inhabergeführten Verkaufsstelle führt aber zu einer großen Bandbreite von Betriebs- und Instandhaltungsstrategien. Während in den 250 umsatzstärksten Vertriebslinien zum Teil eigene Stabsstellen dieses Thema betreuen, verfügt die Mehrzahl der selbstständigen, nicht filialisierten Einzelhändler in der Regel nicht über strategische Energieziele. Die bereits realisierten Energieeffizienzmaßnahmen zielen derzeit überdies schwerpunktmäßig auf die produktbezogenen Anlagentechniken ab und lassen die Gebäude, deren Hülle sowie die Wärmeversorgung zumeist unberücksichtigt. Aufgrund dieser strukturellen Unterschiede werden die verschiedenen Segmente des Handels in drei Gruppen unterteilt: TOP 250: Der umsatzstarke (mindestens 100 Mio. Euro Jahresumsatz) filialisierte Einzelhandel, der gleichzeitig über eine hohe Anzahl von Verkaufsstellen pro Unternehmen verfügt, NEXT 650: Der Einzelhandel, der über mehrere Verkaufsstellen verfügt und mehr als 10 Mio. Euro Jahresumsatz erzielt, ÜBRIGE: Handel, der nur über eine Verkaufsstelle pro Handelsunternehmen verfügt. Eine solche Clusterung wird auch für Folgestudien als sinnvoll erachtet. Insbesondere die TOP 250 und die ÜBRIGEN bieten sich als Gegenstand für weitere Untersuchungen an, da beide Gruppen zusammen über 93 Prozent der Verkaufsflächen verfügen. Vor allem im Bereich der Gebäude der ÜBRIGEN ist die Datenlage bis dato überdies besonders verbesserungsbedürftig. Auf Basis des vorliegenden Datenmaterials konnten dennoch erste Erkenntnisse über die Charakteristika des Energieverbrauchs gewonnen werden. Differenziert nach den Unternehmensgrößen TOP 250 und ÜBRIGE, stellt sich das Verhältnis von Strom- zu Wärmeverbrauch jeweils wie folgt dar: Bei den TOP 250 der umsatzstärksten Vertriebslinien verbraucht der kühlintensive Food-Handel im Schnitt zu 74 Prozent Strom und zu 26 Prozent Wärme. Im Food-Handel der ÜBRIGEN Vertriebslinien macht der Wärmeverbrauch mit 46 Prozent im Verhältnis zum Stromverbrauch (54 Prozent) einen größeren Anteil aus. Die Divergenz der Gruppen TOP 250 und ÜBRIGE zeigt sich ebenso deutlich im Non-Food-Handel: Bei den TOP 250 setzt sich der Energieverbrauch zu 67 Prozent aus Strom und zu 33 Prozent aus Wärme zusammen. In der Gruppe der ÜBRIGEN ist das Verhältnis dagegen mit 35 Prozent Stromverbrauch zu 65 Prozent Wärmeverbrauch umgekehrt. Aufgrund der sehr unterschiedlichen Qualität der vorliegenden Daten ist es jedoch erforderlich, genauere Erhebungen vorzunehmen. Zur Hochrechnung von Energieverbräuchen und Energiekosten dena-studie Energieeffizienz im Einzelhandel 7

8 0 Zusammenfassung auf den gesamten deutschen Einzelhandel ist dabei eine differenziertere Clusterung notwendig. Hierfür bietet sich eine Systematik nach den Kriterien Sortiment, Gebäudearten und Unternehmensgrößen an (s. Tab 1). Empfehlungen zu Themen und Leitfragen für Folgestudien werden im Fazit näher erörtert. Lebensmitteleinzelhandel Fachmärkte Fachgeschäfte Sonstige TOP 250 SB-Warenhaus/ Fachmarkt (großflächiger, Verbrauchermarkt Möbelhaus Filialisiertes Kauf- und Warenhaus filialisierter) großer Supermarkt Filialisierter Fachgeschäft Shopping-Center Einzelhandel Discounter Baumarkt NEXT 650 Supermarkt Autohaus Fachgeschäft kleiner Supermarkt/ ÜBRIGE (kleinflächiger, selbstständiger Einzelhandel) Kleinstsupermarkt SB-Geschäft Getränkemarkt Convenience Store Bäckereien selbstständiger Baumarkt Apotheke Friseurgeschäft Tankstellen Metzgereien Tabelle 1: Clusterung auf Basis der Gruppeneinteilung. Quelle (EHI, 2015) 8

9 Einleitung 1 Einleitung Im Bereich der gewerblich genutzten Nichtwohngebäude ist der Einzelhandel eine der wichtigsten Verbrauchsgruppen für Gebäudeenergie. Mit ca. 53 TWh bildet er nach den büroähnlichen Betrieben die zweitgrößte Gruppe beim Endenergieverbrauch (Heizen, Kühlen, Lüften und Beleuchten) im Sektor Gewerbe, Handel und Dienstleistungen (Abb. 1). Zudem bildet er die drittgrößte Wirtschaftsbranche nach Industrie und Handwerk. Landwirtschaft und Gartenbau: 19 TWh/7 % Herstellungsbetriebe: 10 TWh/4 % Baugewerbe: 13 TWh/5 % Gesundheit: 13 TWh/5 % Sonstige: 17 TWh/6 % Öffentliche Hand: 37 TWh/14 % Büroähnliche Betriebe: 62 TWh/23 % Handel: 53 TWh/20 % Beherbergung und Gaststätten: 44 TWh/16 % Σ = rd. 268 TWh Abbildung 1: Endenergieverbrauch für Gebäudeenergie im Sektor Gewerbe, Handel, Dienstleistung (GHD). Quelle: (BMWI/Fraunhofer, 2014) Typisch für den Einzelhandel ist eine grobe Unterteilung der Unternehmen in die Bereiche Food und Non-Food. Während in den Gebäuden des Food-Bereichs derzeit meist ein hoher Stromverbrauch im Vordergrund steht, z. B. für die Beleuchtung und die Kühlung, ist im Non-Food-Bereich auch für den Wärmebereich eine hohe Relevanz zu erkennen (BMWi/Fraunhofer, 2014). Infolge des insgesamt hohen spezifischen Energieverbrauchs (z. B. im Vergleich zu Bürogebäuden) ist zu erwarten, dass der Einzelhandel eine wichtige Rolle bei der Erreichung der Energieziele im Gebäudebereich übernehmen und zugleich mit steigender Energieeffizienz seine Wirtschaftlichkeit erhöhen kann. dena-studie Energieeffizienz im Einzelhandel 9

10 1 Einleitung Für die systematische Erschließung der vorhandenen Einsparpotenziale bedarf es jedoch zunächst einer detaillierteren Untersuchung der vorhandenen Gebäude sowie der relevanten Ziel- bzw. Entscheidergruppen. Denn über die grundsätzliche Aufteilung in den Food- und den Non-Food-Bereich hinaus ist die Struktur des Einzelhandels sehr heterogen. Dies betrifft z. B. Betriebs- und Gebäudegrößen, Baualter und technischen Zustand der Gebäude, regionale Verteilung sowie auch Unterschiede in den Unternehmensstrukturen und den damit verbundenen Entscheidungsstrukturen und Verantwortlichkeiten. Systematische Untersuchungen zu den Gebäuden und Unternehmensstrukturen liegen noch nicht vor, obwohl sie für Investitions- und Modernisierungsentscheidungen im Bereich der Energieeffizienz von hoher Relevanz sind und damit auch wichtige Impulse für Handlungsansätze im Bereich Ordnungsrecht, Förderung und Markinstrumente geben können. Der vergleichsweise starke Wandel, dem die Verkaufs- bzw. Gebäudeflächen aufgrund der beständigen Anpassung an die Kundenbedürfnisse unterliegen, ist für das Thema Energieeffizienz dabei Herausforderung und Chance zugleich. Initiator der Studie ist die Deutsche Energie-Agentur (dena). Die dena ist das Kompetenzzentrum für Energieeffizienz, erneuerbare Energien und intelligente Energiesysteme. Das Leitbild der dena ist es, Wirtschaftswachstum zu schaffen und Wohlstand zu sichern mit immer geringerem Energieeinsatz. Dazu muss Energie so effizient, sicher, preiswert und klimaschonend wie möglich erzeugt und verwendet werden national und international. Dafür initiiert, koordiniert und realisiert die dena innovative Projekte und Kampagnen auf nationaler und internationaler Ebene. Sie informiert Endverbraucher, kooperiert mit allen gesellschaftlichen Kräften in Politik und Wirtschaft und entwickelt Strategien für die zukünftige Energieversorgung. Mit dem Projekt Netzwerk Nichtwohngebäude setzt sich die Deutsche Energie-Agentur (dena) für die stärkere Umsetzung von Energieeffizienz in Nichtwohngebäuden ein. Ziel ist die Erarbeitung von Lösungsansätzen in der Frage, wie das vorhandene Einsparpotenzial in Nichtwohngebäuden besser gehoben werden kann. Die dena wird dabei vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert. Für relevante Gebäudekulissen, im vorliegenden Fall dem Einzelhandel, sollen zunächst die Energieeffizienzpotenziale untersucht werden, um daraus strategische und zielgruppengerechte Angebote für die Steigerung der Energieeffizienz zu entwickeln. Mit dem EHI Retail Institute e.v. steht als Partner das wissenschaftliche Institut für den Handel zur Verfügung, das bereits über einen hohen Datenbestand zu verschiedenen Themen im Bereich des Handels verfügt. Mit seinen 730 Mitgliedern bildet es das Wissensnetzwerk der gesamten deutschsprachigen Einzelhandelsbranche. Im EHI Retail Institute e.v. werden Forschungsarbeiten zu wichtigen Zukunftsthemen des Einzelhandels in enger Zusammenarbeit mit Vertretern der Mitgliedsunternehmen erstellt. Einzelne Themen und Bereiche hinsichtlich der Energieeffizienz im Einzelhandel sind bereits erforscht worden. Es fehlt jedoch noch eine systematische Untersuchung und strukturierte Gesamtdarstellung, insbesondere der Gebäude- und Eigentümerstruktur des Bereichs, um Potenziale bewerten und Maßnahmen mit den höchsten Effekten ableiten zu können. 10

11 Einleitung 1.1 Ziele Das Ziel der Studie ist die Verbesserung der Datenlage zum Gebäudebestand im Einzelhandel und dessen energetischer Situation. Die Ergebnisse sollen die Daten zur Energieeffizienz im Einzelhandel anschaulich darstellen. Sie bilden die Grundlage zur weiteren Informationsgewinnung hinsichtlich Eigentumsstrukturen, Entscheidungsstrukturen, handlungsleitenden Grundsätzen und Motivation. Die Studie soll die Ableitung strategischer Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz im Einzelhandel ermöglichen und so geeignete Ansatzpunkte für Informations- und Motivationsmaßnahmen generieren, die Nutzern und Eigentümern zukünftig passgenauere Lösungen und Unterstützungsmaßnahmen bieten können. 1.2 Aufgabenstellung und Methodik Im Fokus der Studie steht der Einzelhandel mit seinen Gebäuden und deren Altersstruktur. Einzelhandel wird hier in einem erweiterten Sinne verstanden, so dass auch z. B. Apotheken, Tankstellen und das Lebensmittelhandwerk Berücksichtigung finden. 1 Für die Untersuchung werden primär verfügbare Datenbestände ausgewertet. Gebäude - Anzahl der Gebäude des Einzelhandels - Alter der Gebäude - Gebäudestruktur - Ggf. Nutzeinheit je Gebäude - Ggf. Anwendung der Energieeinsparverordnung (EnEV) Flächen - Flächenverteilung im Einzelhandel - Zuordnung der Gebäude- bzw. Verkaufsflächen auf große, mittlere, kleine Verkaufsstellen, ggf. auch Kleingewerbe (Handwerker, Friseure etc.) Grundsätzlich finden wir im Einzelhandel 3 Arten von Geschäftsgebäuden: - Verkaufsstellen, - Logistiklager und - Verwaltungsgebäude. In dieser Studie werden ausschließlich die Verkaufsstellen berücksichtigt. Verwaltung und Lagerflächen werden miteinbezogen, wenn sie räumlich direkt mit dem Laden verbunden sind. Die Laden- 1 Der Großhandel betreibt in der Regel keine einzelhandelsrelevanten Flächen. Er befindet sich mit seiner Verwaltung in gewerblichen Bürogebäuden, die logistische Leistungserstellung erfolgt in Logistikgebäuden (Lager). dena-studie Energieeffizienz im Einzelhandel 11

12 1 Einleitung geschäfte machen mehr als 99,5 Prozent der Standorte im Einzelhandel aus; sie stellen die typische Besonderheit des Einzelhandels dar. Für eine Beurteilung der Situation sowie möglicher Maßnahmen zur Steuerung und Verringerung des Verbrauches in Verwaltungsgebäuden und an Logistikstandorten wird angeregt, auf dezidierte Untersuchungen zu Bürogebäuden oder Logistik zurückzugreifen, da es sich hier vorrangig nicht um einzelhandelsbranchentypische Fragestellungen handelt. Daten zu Energieeffizienz und -kosten - Anteil der Energiekosten an den Gesamtkosten - Aufteilung der Kosten auf Strom- und Wärmeenergie Daten zu Trends und Veränderungsprozessen, die eine Relevanz für die zukünftige Entwicklung der Handelsgebäude haben Zur Bestimmung der Anzahl der Handelsgebäude in Deutschland wird zunächst die Zahl der Verkaufsstellen des erweiterten Einzelhandels ermittelt. Dabei werden 2 wesentliche Datenquellen zur Berechnung genutzt: einerseits das staatliche Unternehmensregister von Bund und Ländern, andererseits 124 kommunale Einzelhandelskonzepte. Die Datenbestände sind allerdings von ihrer Herangehensweise so unterschiedlich, dass sie je eine eigene Methode der Hochrechnung erfordern. Um auf die Anzahl der Handelsgebäude schließen zu können, erfolgt im nächsten Schritt die Bestimmung der durchschnittlichen Anzahl von Verkaufsstellen in einem Handelsgebäude. Zur Ermittlung eines Umrechnungsfaktors wird dabei der vollständige Gebäudebestand von 15 Städten (Fallstudien) ausgewertet. Anhand der ermittelten Werte werden die Untergrenzen und die Obergrenze des Bestands an Handelsgebäuden auf Gesamtdeutschland hochgerechnet. Ausgehend von der Auswertung der 15 Fallstudien werden Rückschlüsse auf die Gebäudestruktur (Nichtwohngebäude oder mischgenutztes Gebäude), das Gebäudealter und, wenn möglich, auf die Eigentumsstruktur gezogen. Das nachfolgende Kapitel befasst sich mit den Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz, die der Handel derzeit bereits ergriffen hat Es basiert auf primären EHI-Erhebungen aus den Jahren 2013 und 2014, in denen Handelsunternehmen aus der Gruppe der 250 umsatzstärksten Vertriebslinien (TOP 250) zu ihren Energieverbräuchen sowie zu Energieeffizienzmaßnahmen befragt wurden. Im Verlauf des Kapitels wird auch auf Sekundärmaterial eingegangen, insbesondere auf die Studie des Fraunhofer-Instituts zum Sektor Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD), die zunächst ein anderes Bild speziell in dem Verhältnis von Strom- und Wärmeenergie aufzeigt. Im Rahmen der Studie wird die heterogene Struktur der Unternehmen des Einzelhandels verdeutlicht sowohl im Food- als auch im Non-Food-Bereich,und es wird eine Systematik zur Bildung einer überschaubaren Anzahl von Clustern entwickelt, die Gemeinsamkeiten im Hinblick auf strategische Entscheidungsmöglichkeiten für das Thema Energieeffizienz erkennen lassen. 12

13 Definition und Abgrenzung des Einzelhandels 2 Definition und Abgrenzung des Einzelhandels In diesem Kapitel werden der Einzelhandel in Deutschland und dessen Besonderheiten näher betrachtet. 2.1 Der deutsche Einzelhandel Im Jahr 2012 beliefen sich die Handelsumsätze (Großhandel, Einzelhandel und Kfz-Handel) auf eine Höhe von 1,9 Billionen Euro (ohne Umsatzsteuer); damit betrugen sie 8,9 Prozent des deutschen Bruttoinlandsproduktes (Destatis, 2012a). Nach der letzten Repräsentativerhebung des Statistischen Bundesamtes wurden diese Umsätze von insgesamt Handelsunternehmen mit etwa örtlichen Einheiten 2 bzw. Niederlassungen erwirtschaftet. Während Unternehmen dem Großhandel einschließlich Handelsvermittlungen zugeordnet werden, umfassen der Einzelhandel ( Unternehmen) und der komplette Wirtschaftszweig (WZ 45) des Handels mit Kraftfahrzeugen ( Unternehmen, davon ca Autohäuser (IFA, 2012)), gemeinsam Unternehmen (Destatis, 2012a). In Abgrenzung zum Großhandel werden die Waren und Güter, die durch den Einzelhändler nicht selbst be- oder verarbeitet werden direkt an den privaten Endverbraucher vertrieben (s. Ausschuss für Definitionen zu Handel und Distribution, 2006, S. 46). In der 2008 novellierten Wirtschaftszweigklassifikation subsumiert das Statistische Bundesamt unter WZ 47 Einzelhandel (ohne Handel mit Kraftfahrzeugen) folgende Unterklassen: WZ 2008 Kode WZ 2008 Bezeichnung Tätige Personen 47.1 Einzelhandel mit Waren verschiedener Art (in Verkaufsräumen), darunter fallen Waren mit der Hauptrichtung Nahrungs- und Genussmittel, Getränke und Tabakwaren sowie Waren verschiedener Art und Nicht- Nahrungsmittel 47.2 Einzelhandel mit Nahrungs- und Genussmitteln, Getränke und Tabakwaren (in Verkaufsräumen), dazu zählt der Handel mit Obst, Gemüse, Kartoffeln, Fleisch und Fleischwaren, Fisch, Meeresfrüchten und Fischereierzeugnissen, Back- und Süßwaren, Getränken, Tabakwaren sowie sonstigen Nahrungs- und Genussmitteln (33 %) (7 %) 47.3 Einzelhandel mit Motorenkraftstoffen (Tankstellen) (3 %) 2 Örtliche Einheiten sind rechtlich unselbstständige Zweigniederlassungen, Verkaufsstellen, Betriebe oder Arbeitsstätten einschließlich der Hauptniederlassung. dena-studie Energieeffizienz im Einzelhandel 13

14 2 Definition und Abgrenzung des Einzelhandels 47.4 Einzelhandel mit Geräten der Informations- und Kommunikationstechnik (in Verkaufsräumen), z. B. Datenverarbeitungsgeräte, periphere Geräte und Software, Telekommunikationsgeräte sowie Unterhaltungselektronik 47.5 Einzelhandel mit sonstigen Haushaltsgeräten, Textilien, Heimwerkerund Einrichtungsbedarf (in Verkaufsräumen), z. B. Textilien, Metallwaren, Anstrichmittel, Bau und Heimwerkerbedarf, Vorhänge, Teppiche, Fußbodenbeläge und Tapeten, elektronische Haushaltsgeräte; Möbel, Einrichtungsgegenstände und sonstiger Hausrat; Wohnmöbel; keramische Erzeugnisse und Glaswaren, Musikinstrumente und Musikalien sowie Haushaltsgegenstände 47.6 Einzelhandel mit Verlagsprodukten, Sportausrüstungen und Spielwaren (in Verkaufsräumen), z. B. Bücher; Zeitschriften, Zeitungen, Schreibwaren und Bürobedarf; bespielte Ton- und Bildträger; Fahrräder, Sport- und Campingartikel sowie Spielwaren 47.7 Einzelhandel mit sonstigen Gütern (in Verkaufsräumen), z. B. Bekleidung; Schuhe und Lederwaren; Apothekenwaren; medizinische und orthopädische Artikel; kosmetische Erzeugnisse und Körperpflegemittel; Blumen, Pflanzen, Sämereien, Düngemittel, zoologischer Bedarf und lebende Tiere; Augenoptikerartikel; Fotoerzeugnisse, Kunstgegenstände, Briefmarken, Münzen und Geschenkartikel; Antiquitäten sowie Gebrauchtwaren (4 %) (12 %) (4 %) (31 %) 47.8 Einzelhandel an Verkaufsständen und auf Märkten (1 %) 47.9 Einzelhandel, nicht in Verkaufsräumen, an Verkaufsständen oder auf SUMME Märkten, z. B. Versand- und Internet-Einzelhandel (5 %) (100 %) Tabelle 2: Überblick über die im WZ 47 verorteten Wirtschaftsbetriebe gemäß WZ Quelle: (Destatis, 2008) Umsatzentwicklung Seit Mitte der 1990er Jahre verzeichnet der deutsche Einzelhandel ein schwaches Umsatzwachstum. Preisbereinigt fiel der Umsatz von 460 Milliarden Euro im Jahr 2003 auf 421 Milliarden Euro im Jahr 2013 (BVL, 2014). Dabei erwirtschaften die 250 umsatzstärksten Unternehmen mehr als 58 Prozent des Umsatzes. 14

15 Definition und Abgrenzung des Einzelhandels Gesamt davon TOP 250 Umsatz des gesamten stationären Einzelhandels ,5 davon Lebensmittel und Drogeriewaren ,4 davon Non-Food-Handel ,1 Tabelle 3: Umsatz des Einzelhandels in Deutschland 2013 (in Mrd. Euro). Quellen: (BVL, 2014); (EHI/Statista, 2014a) Auf Basis der EHI-Studie zum stationären Einzelhandel lässt sich dabei die stark heterogene Struktur des deutschen Einzelhandels verdeutlichen. Abbildung 2 weist die Umsätze der größten Einzelhändler auf. So liegt der Jahresumsatz der EDEKA-Gruppe 3 derzeit bei 40 Milliarden Euro, während der tausendste Einzelhändler einen Umsatz von weniger als 10 Millionen Euro aufweist. Die Höhe des Jahresumsatzes der Einzelhändler nimmt im weiteren Verlauf schnell ab und liegt in der Mehrheit der Fälle bei unter Euro (EHI/Statista, 2014a). Dies hat enorme Auswirkungen auf die Erhebungsmethodik, da sich bei einer Clusterung des gesamten Einzelhandels nach Größenklassen und Branchen die zahlenmäßige Verteilung der Verkaufsstellen als sehr ungleichmäßig erweisen wird. Abbildung 2: Umsatzanteile der TOP Einzelhandelsvertriebslinien (stationär). Quelle: (EHI/Statista, 2014a) 3 Die EDEKA-Gruppe steht u.a. für EDEKA, Netto-Marken-Discount, Marktkauf und weitere Vertriebslinien. dena-studie Energieeffizienz im Einzelhandel 15

16 2 Definition und Abgrenzung des Einzelhandels Während die TOP 250 der Unternehmen ihren Umsatz mit nur 15 Prozent der Verkaufsstellen des deutschen Einzelhandels erwirtschaften, stellen die nachfolgenden 650 Unternehmen, die NEXT 650, nur 5 Prozent der Verkaufsstellen. Den mit 80 Prozent größten Anteil der Verkaufsstellen betreiben die umsatzschwächeren, kleinflächigen Einzelhandelsunternehmen, die ÜBRIGEN (Abb. 3). Abbildung 3: Anteil der großen Einzelhändler an den Verkaufsstellen in Deutschland. Quelle: (EHI/Statista, 2014a) Mit der flächendeckenden Nutzung des Internets durch die Privathaushalte konnte der Marktanteil des Online-Shoppings in den letzten Jahren deutlich zunehmen. In einzelnen Branchen wie dem Buchoder Elektronikhandel liegt dieser Anteil bereits bei über 20 Prozent, so dass eine Verschiebung der Absatzkanäle zu verzeichnen ist Verkaufsflächen Dem gegenüber stehen stetig wachsende Verkaufsflächen 4 im stationären Handel wie in Shopping- Centern oder in Fachmarktlagen. So ist beispielsweise zwischen den Jahren 2000 und 2010 die Verkaufsfläche des gesamten deutschen Einzelhandels um 12,5 Prozent gestiegen (s. Abb. 4). Der Lebensmitteleinzelhandel konnte dabei sogar einen Flächenzuwachs von ca. 27 Prozent verbuchen. 4 Die Verkaufsfläche bezeichnet die Fläche, auf der der Verkauf abgewickelt wird. Hierbei wird unterschieden zwischen der Nettoverkaufsfläche, die nur die tatsächlich durch Ware belegte Fläche umfasst, und der Bruttoverkaufsfläche, zu der neben der Nettoverkaufsfläche und der angrenzenden Gangfläche auch Funktionsflächen wie Kassenzone, Einkaufswagenzone, Leergutannahme und Windfanganlage gehören. 16

17 Definition und Abgrenzung des Einzelhandels ,5 122,4 122,1 123, , (1) 2012 (2) 2013 Deutschland Alte Bundesländer Neue Bundesländer (1) Die Daten für alte und neue Bundesländer werden seit 2011 nicht mehr differenziert ermittelt. (2) Flächenwachstum bereinigt um Schlecker-Filialschließungen. Abbildung 4: Verkaufsfläche im Einzelhandel in Deutschland nach Ost und West von 1980 bis 2013 in Mio. m². Quelle: (EHI/Statista, 2014b nach Statistischem Bundesamt, HDE, 2014) Da innerhalb der Stadt- und Ortszentren häufig keine zusätzlichen Flächen zur Verfügung stehen, vollzieht sich der Flächenzuwachs primär außerhalb der Stadt- und Ortszentren auf der grünen Wiese Trend zur Unternehmenskonzentration Infolge des zunehmenden Wettbewerbsdrucks wird die deutsche Einzelhandelslandschaft bereits seit Jahrzehnten durch starke Strukturveränderungen geprägt. Neben der anhaltenden Erosion vieler tausender kleinflächiger und meist inhabergeführter Einzelhandelsgeschäfte schlägt sich dies nieder in Form von Fusionen und auch Insolvenzen alteingesessener, etablierter Unternehmen wie Hertie, Neckermann, Quelle, Schlecker, der Praktiker-Gruppe sowie Karstadt. Mit der Anzahl der Unternehmen nimmt gleichzeitig auch die Anzahl der Verkaufsstellen ab, der sogenannten örtlichen Einheiten. Im Verlauf der letzten 10 Jahre ging die Zahl der Verkaufsstellen um über 20 Prozent zurück. Es ist damit zu rechnen, dass weiterhin vor allem unrentable Betriebe in ungünstigen Standortlagen aus dem Markt ausscheiden werden. dena-studie Energieeffizienz im Einzelhandel 17

18 2 Definition und Abgrenzung des Einzelhandels Betriebstypen des Einzelhandels Gleichzeitig finden Zuwächse im verfügbaren Einkommen nicht notwendigerweise ihren Niederschlag im Einzelhandelsumsatz. Die zunehmenden Einkommensschere und der damit einhergehende Verlust der Mitte führen im Handel zur Entwicklung spezifischer Angebote im Discount- oder Premiumsegment, die besonders von filialisierten Großunternehmen des Handels erfolgreich betrieben werden können. Dabei haben sich Gruppen von Handelsbetrieben mit gleichen oder ähnlichen Merkmalsausprägungen gebildet, sogenannten Betriebstypen (s. Abb. 5; Ausschuss für Definitionen zu Handel und Distribution, 2006, S. 22). Einzelhandel Stationärer Handel mit starker Betonung auf Ohne Verkaufsraum Ambulanter Handel z. B. Food-Trucks Einkaufsbequemlichkeit z. B. Convenience Stores Versandhandel Sortiment z. B. Fachgeschäfte Sammelbesteller Preispolitik z. B. Discounter Automatenverkauf Sonstige Vorteile z. B. Reformhäuser Teleselling E-Commerce Abbildung 5: Betriebstypen des deutschen Einzelhandels. (EHI, 2015: In Anlehnung an Müller-Hagedorn et al., 2012, S. 62) Die Betriebstypen des Einzelhandels werden weiter untergliedert in: Fachhandel Ein Fachgeschäft ist eine branchengebundene Verkaufsstelle, die ein tiefes Sortiment führt und Beratung sowie Service bietet. 18

19 Definition und Abgrenzung des Einzelhandels Fachhandel (nicht filialisiert) Nicht filialisierte Einzelhändler sind selbstständige Fachhändler mit bis zu 4 Verkaufsstellen unter einheitlicher Leitung. Sie bilden in der Studie die Gruppe der als ÜBRIGE benannten Händler. Filialisten des Fachhandels Ein Filialsystem verfügt über mindestens 5 Verkaufsstellen unter einheitlicher Leitung. Fachmärkte Fachmarkt Ein Fachmarkt ist eine großflächige Verkaufsstelle, die ein branchenbestimmtes breites und tiefes Angebot weitestgehend in Selbstbedienung führt, dem Kunden jedoch auch Beratung und Service anbietet. Um ihre Zugehörigkeit zu einer bestimmten Branche erkennbar zu machen, bezeichnen sich die Fachmärkte als Drogeriemarkt, Baumarkt, Tapetenmarkt etc. Fachmarktzentrum Ein Fachmarktzentrum ist eine Sonderform des Einkaufszentrums. Es besteht aus einer Ansammlung von mindestens 4 mittel- bis großflächigen Fachmarkt- oder fachmarktähnlichen Verkaufsstellen aus verschiedenen Einzelhandelsbranchen. Neben typischen Fachmärkten mit bedarfsorientierten Gütern sind in der Regel auch große Supermärkte oder SB- Warenhäuser in einem Fachmarktzentrum untergebracht, um auch die Nachfrage nach Gütern des täglichen Bedarfs abzudecken. dena-studie Energieeffizienz im Einzelhandel 19

20 2 Definition und Abgrenzung des Einzelhandels Kauf- und Warenhäuser Ein Warenhaus ist eine Verkaufsstelle in zentraler Lage mit breitem Sortiment, vor allem in den Bereichen Bekleidung, Textilien, Haushaltswaren und Lebensmittel einschließlich Gastronomie. Das Angebot wird überwiegend in Kundenvorwahl verkauft. Der Begriff Kaufhaus hebt die branchenbetonte Orientierung hervor. SB-Warenhäuser/Verbrauchermärkte Ein SB-Warenhaus/ Verbrauchermarkt ist eine Verkaufsstelle mit einer Verkaufsfläche von mindestens Quadratmetern, die ein Lebensmittelvollsortiment und Non-Food-I- Artikel sowie ein umfangreiches Non-Food-II-Angebot führt. Discounter Lebensmitteldiscounter Ein Lebensmitteldiscounter ist eine Verkaufsstelle mit einer üblichen Verkaufsfläche von weniger als Quadratmetern, die ausschließlich in Selbstbedienung ein begrenztes, auf umschlagstarke Artikel konzentriertes Lebensmittelangebot und Non-Food-I-Sortiment sowie regelmäßig wechselnde Aktionsangebote mit Schwerpunkt Non-Food II führt. Non-Food-Discounter Ein Non-Food-Discounter ist eine SB-Verkaufsstelle, die ein auf umschlagstarke Artikel aus dem Hartwaren- und/oder Textilbereich konzentriertes Angebot führt und den Verbraucher insbesondere über ihre Niedrigpreispolitik anspricht. 20

21 Definition und Abgrenzung des Einzelhandels Supermärkte/ traditioneller Lebensmitteleinzelhandel (LEH) Supermarkt Ein Supermarkt ist eine Verkaufsstelle mit einer Verkaufsfläche zwischen 400 und Quadratmetern, die ein Lebensmittelvollsortiment sowie Non-Food-I-Artikel führt und einen geringen Verkaufsflächenanteil an Non-Food II aufweist. Großer Supermarkt Ein großer Supermarkt ist eine Verkaufsstelle mit einer Verkaufsfläche zwischen und Quadratmetern, die ein Lebensmittelvollsortiment sowie Non-Food-I- und Non-Food- II-Artikel führt. Lebensmitteleinzelhandel (LEH)-Fachgeschäft Ein LEH-Fachgeschäft ist eine Verkaufsstelle, die auf eine Warengruppe spezialisiert ist und ein tiefes Sortiment führt. Dazu zählen u.a. Spezialitätenfachgeschäfte, Getränkeabholmärkte, Obst- und Gemüse-, Süßwarenläden sowie handwerklich orientierte Einzelhandelsgeschäfte wie Feinkostgeschäfte, Bäckereien und Fleischereien. Kleines Lebensmittelgeschäft Ein kleines Lebensmittelgeschäft ist eine Verkaufsstelle mit weniger als 400 Quadratmetern Verkaufsfläche, die ein begrenztes Lebensmittel- und Non-Food-I-Sortiment anbietet. Convenience Store Ein Convenience Store ist eine Verkaufsstelle mit einer Verkaufsfläche unter 400 Quadratmetern, die ein begrenztes Sortiment aus den Bereichen Tabakwaren, Süßwaren, Getränke, Presseartikel sowie frische Snacks und Fertiggerichte anbietet. Ein Convenience Store zeichnet sich durch seine bequeme Erreichbarkeit und übliche Sonntagsöffnung aus. Zu den Convenience Stores gehören Kioske und Tankstellenshops. dena-studie Energieeffizienz im Einzelhandel 21

22 Marktanteil in % 2 Definition und Abgrenzung des Einzelhandels Sonstige Im Betriebstyp Sonstige sind die Einzelhändler zusammengefasst, die über keinerlei Verkaufsräume verfügen und damit nicht zum stationären Handel zählen. Da nur der stationäre Einzelhandel über Verkaufsstellen in Gebäuden verfügt, werden die Gruppen Sonstige bzw. Ohne Verkaufsraum sowie Ambulanter Handel (s. Abb. 5) im Rahmen dieser Studie nicht weiter berücksichtigt (EHI/Statista, 2014b). Die folgende Abbildung 6 zeigt die Entwicklung der Betriebstypen im Zeitverlauf. Wie in den vorherigen Abschnitten beschrieben, zeigt sich zum einen eine Verringerung des Marktanteils des nicht filialisierten Fachhandels, der Kauf- und Warenhäuser und der Convenience Stores, und das bei einem gleichzeitigen Wachstum der Supermärkte, der Fachmärkte, der Filialisten des Fachhandels, der Discounter und der sonstigen Betriebstypen. 29,7 28,0 26,0 26,7 26,5 25,5 25,4 24,4 22,0 21,6 21,3 20,6 Fachhandel (nicht filialisiert) Filialisten des Fachhandels 12,5 13,5 14,1 14,2 12,1 11,5 11,4 11,7 11,7 11,7 12,1 12,3 15,8 14,2 14,3 14,4 14,7 14,8 15,1 15,8 15,7 15,7 13,5 13,3 3,9 3,7 3,6 3,4 3,3 3,2 2,9 2,9 2,8 2,7 4,0 4,2 11,8 12,4 12,5 12,3 12,4 12,7 12,7 13,2 12,7 12,7 12,5 11,1 10,5 11,7 12,6 12,9 13,4 13,9 14,1 15,1 15,3 15,1 14,9 15,1 10,1 9,5 9,4 9,1 8,9 8,8 8,9 8,7 8,9 9,0 9,1 9,4 2,3 2,5 2,6 2,6 2,7 2,3 2,2 2,2 2,2 2,2 2,3 2,3 6,5 6,9 6,8 6,7 6,8 7,3 6,9 6,9 7,2 7,2 7,1 7, Fachmärkte Kauf- und Warenhäuser SB-Warenhäuser/ Verbrauchermärkte Discounter Supermärkte/ trad. LEH Convenience- Verkaufsformen Sonstiges (Versand- & Onlinehandel, Handwerk) Abbildung 6: Entwicklung der Betriebstypen des deutschen Einzelhandels von 2001 bis Quelle: (EHI/Statista, 2014b) 22

23 Definition und Abgrenzung des Einzelhandels 2.2 Erweiterung des Einzelhandelsbegriffs Um die energetische Bedeutung der Einzelhandelsgebäude näher zu beleuchten, ist es notwendig, die im WZ 47 sehr eng gefasste Definition des Einzelhandels zu erweitern. Dazu ist es notwendig, den Handel mit Kraftfahrzeugen sowie weitere, besonders energieintensive Gruppen des handelsnahen Handwerks in die Betrachtung des Gebäudebestandes und dessen energetischer Situation miteinzubeziehen Handel mit Kraftfahrzeugen Der Handel mit Kraftfahrzeugen ist im WZ 45 definiert. Er umfasst alle Tätigkeiten, die sich auf Kraftfahrzeuge einschließlich Lastkraftwagen, Anhänger und Krafträder beziehen. Während dabei die Handelsvermittlung, der Versandhandel sowie der Handel über das Internet mit Kraftfahrzeugen, Kraftfahrzeugteilen und -zubehör inkludiert sind, sind die Herstellung und die Vermietung von Kraftfahrzeugen nicht im WZ 45 verortet. WZ 2008 Kode WZ 2008 Bezeichnung Tätige Personen 45.1 Handel mit Kraftwagen, dazu zählen der Groß- und Einzelhandel mit sowie die Handelsvermittlung von Neu- und Gebrauchtfahrzeugen, wie Personenkraftwagen, Kleinbusse, Lastkraftwagen und Anhänger, Wohnwagen und Wohnmobile 45.2 Instandhaltung und Reparatur von Kraftwagen, das schließt neben der Reparatur, Instandhaltung und dem Lackieren von Kraftwagen den Betrieb von Autowaschanlagen mit ein 45.3 Handel mit Kraftwagenteilen und -zubehör, hier sind Groß- und Einzelhandel mit sowie die Handelsvermittlung von Teilen, Bauelementen, Material, Werkzeugen und Zubehör für Kraftfahrzeuge, z. B. Räder- und Reifenhandel, Zündkerzen, Batterien und elektrische Teile, verortet 45.4 Handel mit Krafträdern, Kraftradteilen und -zubehör; Instandhaltung und Reparatur von Krafträdern, das umfasst den Groß- und Einzelhandel mit sowie die Handelsvermittlung von (Klein-)Krafträdern und deren Teilen und Zubehör sowie die Instandhaltung und Reparatur von Krafträdern Summe (48 %) (34 %) (16 %) (2 %) (100 %) Tabelle 4: WZ 45 Handel mit Kraftwagen. Quelle: (Destatis, 2008) dena-studie Energieeffizienz im Einzelhandel 23

24 2 Definition und Abgrenzung des Einzelhandels In dieser Erhebung werden nicht alle der im WZ 45 aufgeführten Klassen im Detail berücksichtigt. Die Instandhaltungs- und Reparaturwerkstätten werden zum Handwerk gerechnet und fallen somit nicht in den Einzelhandel. Auch der Handel mit Gebrauchtwagen wird nicht näher betrachtet, da die Warenpräsentation hier zumeist auf großen Freiflächen ohne eigene Verkaufsräume stattfindet. Im Fokus der Betrachtung steht primär der Einzelhandel mit Neufahrzeugen, der in Autohäusern stattfindet, die sich durch besondere Charakteristika wie freistehende Solitärstandorte mit großen Ausstellungsräumen und Glasfronten auszeichnen und die für Betrieb sowie Beheizung einen hohen Energiebedarf haben. Nach Angaben des Instituts für Automobilwirtschaft (IFA) waren im Jahr 2012 ca selbstständige Automobilhändler vorhanden Bäckereien Während der Verkauf von Back- und Süßwaren in einer Unterklasse des WZ 47.2 eingeordnet wird und somit dem Einzelhandel zugehörig ist, bleibt die energieintensive Herstellung der Back- und Teigwaren in der Backstube (WZ 10.7) bisher unberücksichtigt. Laut Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks belief sich die Anzahl der Unternehmen im Jahr 2012 auf mit rund weiteren Verkaufsstellen, die neben dem Stammgeschäft als Filiale betrieben werden Metzgereien Die Verarbeitung von Fleisch sowie die Herstellung und die kühlintensive Lagerung von Fleischwaren im Metzgereibetrieb erfordern einen höheren Energieeinsatz, als dies im reinen Einzelhandel mit Fleisch und Fleischwaren (WZ 47.2) der Fall ist. In Deutschland waren im Jahr 2012 insgesamt Meisterbetriebe ansässig, die zusätzlich weitere Verkaufsstellen bewirtschafteten Friseurhandwerk Auch das Friseurhandwerk zeichnet sich durch einen hohen Energiebedarf aus, z. B. durch den Einsatz stromintensiver Föhn- und Trockentechnologien bei gleichzeitiger Kühlung der Raumtemperatur. Laut Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks belief sich die Anzahl der Friseursalons im Jahr 2012 auf Betriebe. Im Fortverlauf dieser Studie wird der im WZ 47 abgebildete Einzelhandelsbegriff um diese 4 Gruppen erweitert und als erweiterter Einzelhandel definiert. 24

25 Bestand der Verkaufsstellen in Deutschland 3 Bestand der Verkaufsstellen in Deutschland 3.1 Datenbasis der Verkaufsstellen in Deutschland In der vorliegenden Untersuchung werden Anzahl und Verteilung der Verkaufsstellen bzw. darauf aufbauend der Handelsgebäude ermittelt. Zu Rate gezogen werden dafür Daten aus dem Unternehmensregister des Statistischen Bundesamtes und der Statistischen Landesämter auf verschiedenen administrativen Ebenen, aus kommunalen Einzelhandelsgutachten, sowie eigene Datenbestände. Für die Bestimmung der Anzahl der Handelsgebäude in Deutschland muss zunächst die Anzahl der Verkaufsstellen im Sinne des hier verwendeten Verständnisses von Einzelhandel im erweiterten Sinne bekannt sein. Bei der Berechnung dieser Zahl können 2 wesentliche Datenquellen genutzt werden: einerseits das Unternehmensregister, andererseits kommunale Einzelhandelskonzepte. Die Datenbestände sind allerdings von ihrer Herangehensweise her so unterschiedlich, dass sie je eine eigene Methode der Hochrechnung erfordern (vgl. Kap. 3.2). Zur Vergleichbarkeit und zur methodischen Absicherung beziehen sich, soweit möglich, alle Daten und Berechnungen auf das Basisjahr Lediglich die kommunalen Einzelhandelskonzepte bilden eine Ausnahme, da diese Daten von den Städten in unterschiedlichen Abständen in der Regel alle 5 bis 10 Jahre aktualisiert werden. Es wird jeweils das aktuellste vorliegende Konzept genutzt. 3.2 Berechnung der Anzahl der Verkaufsstellen in Deutschland Die Berechnung der Anzahl der Verkaufsstellen in Deutschland ist ein zentraler methodischer Baustein, um darauf aufbauend die Anzahl der Handelsgebäude in Deutschland zu bestimmen. Mit Verkaufsstellen sind hier Arbeitsstätten, also örtliche Einheiten gemeint. Ein Unternehmen kann daher über mehrere Verkaufsstellen verfügen Unternehmensregister Top-Down-Methode Eine Quelle für diesen Datensatz ist das Unternehmensregister des Statistischen Bundesamtes und der Statistischen Landesämter. Das Unternehmensregister ist eine regelmäßig aktualisierte Datenbank mit Unternehmen und Verkaufsstellen aus nahezu allen Wirtschaftsbereichen mit steuerbarem Umsatz aus Lieferungen und Leistungen und/oder sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (vgl. Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2014, S. 1f.). Darin bleiben Unternehmen ohne Umsatzsteuerpflicht und ohne sozialversicherungspflichtig Beschäftigte unberücksichtigt. Quellen für das Unternehmensregister sind Dateien aus Verwaltungsbereichen, wie der Bundesagentur für Arbeit oder den Finanzbehörden, und Angaben aus einzelnen Bereichsstatistiken. Das Unternehmensregister ermöglicht eigenständige Auswertungen und dient als wichtiges Instrument zur rationellen Unterstützung statistischer Erhebungen. Ein großer Vorteil ist die Verfügbarkeit der aktuellen Daten aus dem Unternehmensregister. So liegen dieser Auswertung die gesamtdeutschen Werte sowie die Werte i. d. R. auf Kreisebene in folgenden Bundesländern vor: dena-studie Energieeffizienz im Einzelhandel 25

26 3 Bestand der Verkaufsstellen in Deutschland Baden-Württemberg Bayern Hamburg Hessen (Gemeindeebene) Niedersachsen Rheinland-Pfalz Saarland Sachsen (Gemeindeebene) Sachsen-Anhalt Schleswig-Holstein Thüringen Allerdings bildet das Unternehmensregister neben der Nichtberücksichtigung von Unternehmen ohne Umsatzsteuerpflicht und ohne sozialversicherungspflichtig Beschäftigte weitere Ungenauigkeiten ab. Zur Auswertung herangezogen wird hier der Wirtschaftszweig 47 Einzelhandel (ohne Handel mit Kraftfahrzeugen), der wie in Abbildung 7 dargestellt um den WZ 47.8 Einzelhandel an Verkaufsständen und auf Märkten und den WZ 47.9 Einzelhandel nicht in Verkaufsräumen, an Verkaufsständen oder auf Märkten bereinigt wird. Wie in Kapitel 2.1 beschrieben sind im WZ 47 die Verkaufsstellen des Ladenhandwerks wie Bäcker und Metzger sowie die Autohäuser und das Friseurhandwerk nicht enthalten. Daher müssen sie gesondert addiert werden auf der Grundlage von Zahlen der Branchenverbände (Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks e. V., Deutscher Fleischer-Verband e. V., Institut für Automobilwirtschaft und Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks). 26

27 Bestand der Verkaufsstellen in Deutschland Abbildung 7: Schema der Top-Down-Methode. Quelle: (EHI, 2015) Eine weitere statistische Lücke ergibt sich durch das Vorhandensein von Masterbetrieben in den Dateien der Bundesagentur für Arbeit eine wichtige Quelle des Unternehmensregisters. Das bedeutet, dass Verkaufsstellen eines Unternehmens mit derselben wirtschaftlichen Tätigkeit und in derselben Gemeinde in dem Material zu einem Masterbetrieb zusammengefasst werden können. Auch daher ist die tatsächliche Anzahl der Verkaufsstellen hier unterrepräsentiert, was beim Vergleich mit anderen Datenquellen zu berücksichtigen ist Kommunale Einzelhandelskonzepte Bottom-Up-Methode Die zweite wichtige Quelle für die Bestimmung der Anzahl der Verkaufsstellen in Deutschland bilden kommunale Einzelhandelskonzepte. Das Ziel kommunaler Einzelhandelskonzepte ist es vorrangig, Leitlinien für die zukünftige Entwicklung in der jeweiligen Stadt zu formulieren. Dabei erfolgt notwendigerweise immer eine Ist-Analyse der Angebotssituation, u.a. durch eine flächendeckende Begehung des gesamten Stadtgebietes mit Bestandserhebung aller Verkaufsstellen. Das Ladenhandwerk (Bäcker und Metzger) sowie die Autohäuser werden in den meisten Fällen durch den Gutachter miterfasst, nur in Einzelfällen müssen diese Nutzungen nachjustiert werden. Einzig die Friseure sind nicht in den Einzelhandelskonzepten enthalten und werden gemäß einem Einwohnerschlüssel dazugerechnet. dena-studie Energieeffizienz im Einzelhandel 27

28 3 Bestand der Verkaufsstellen in Deutschland Die Bottom-Up-Methode geht von einer Stichprobe von 124 Städten aus und vollzieht eine Hochrechnung auf ganz Deutschland (vgl. Abb. 8). Dabei wird die Anzahl der Verkaufsstellen je Einwohner einer Stadt als Umrechnungseinheit verwendet. Abbildung 8: Schema der Bottom-Up-Methode. Quelle: (EHI, 2015) Die Berücksichtigung der unterschiedlichen Charakteristika von Städten ist dabei ein zentraler methodischer Baustein. Im Bezugsjahr 2012 lebten in Deutschland Einwohner in Gemeinden. Die Städte verteilten sich dabei nicht nur geographisch differenziert, sie unterschieden sich auch in mehreren Punkten, z. B. hinsichtlich ihrer Einwohnerzahl und ihrer Bedeutung für das Umland. Entsprechend unterschiedlich gestaltete sich die Ausstattung mit Einzelhandels- und Dienstleistungsangeboten. 28

29 Bestand der Verkaufsstellen in Deutschland Abbildung 9: Systematisierungsmodelle von Städten in Deutschland. Quelle: (EHI, 2015) Um von einer Stichprobe aus Rückschlüsse auf ganz Deutschland ziehen zu können, ist eine Differenzierung notwendig. Im Folgenden werden zwei Modelle der Systematisierung von Städten vorgestellt: nach dem Stadt- und Gemeindetyp sowie nach der zentralörtlichen Funktion. Gemäß den Stadt- und Gemeindetypen des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) können die Städte und Gemeinden in Deutschland je nach ihrer Einwohnerzahl in verschiedene Kategorien eingeteilt werden. So lassen sich Landgemeinden, Klein-, Mittel- und Großstädte unterscheiden, und es lassen sich kleine und große Klein-, Mittel- und Großstädte differenzieren. Der Stadtund Gemeindetyp eignet sich zu analytischen, vergleichenden Zwecken. Für die vorliegende Untersuchung wird die Klassifizierung in Tabelle 5 aufgezeigt, die sich an den Stadt- und Gemeindetypen des BBSR orientiert. Dabei werden 6 Stadt- und Gemeindetypen nach ihrer Einwohnerzahl unterschieden. Stadt- und Gemeindetyp Einwohner Anzahl der Orte in Deutschland (2012) Landgemeinden und kleine Kleinstädte unter Große Kleinstädte bis unter Kleine Mittelstädte bis unter Große Mittelstädte bis unter Kleine Großstädte bis unter Große Großstädte ab Tabelle 5: Stadt- und Gemeindetypen in Deutschland. Quelle: (EHI, 2015: Darstellung in Anlehnung an das BBSR) dena-studie Energieeffizienz im Einzelhandel 29

30 3 Bestand der Verkaufsstellen in Deutschland Gemessen an der Anzahl der Orte gibt es in Deutschland besonders viele Orte, die zu den kleinen Stadtund Gemeindetypen mit weniger als Einwohnern gehören. Die Einwohnerverteilung auf die Stadt- und Gemeindetypen hingegen ist etwas ausgeglichener (vgl. Abb. 10). Von den Kommunen in Deutschland handelt es sich bei ca. 94 Prozent um Kleinstädte und Landgemeinden; dort leben ca. 42 Prozent der Bevölkerung Deutschlands. 27 Prozent wohnen in Mittelstädten und 31 Prozent in Großstädten. 21,0 26,6 Landgemeinden und kleine Kleinstädte Große Kleinstädte Kleine Mittelstädte 9,8 Große Mittelstädte 9,0 15,2 Kleine Großstädte 18,3 Große Großstädte Abbildung 10: Stadt- und Gemeindetypen in Deutschland Anzahl der Einwohner in Prozent. Quelle: (EHI, 2015: Datengrundlage: Statistisches Bundesamt, 2014) Weiterhin unterscheiden sich Städte und Gemeinden hinsichtlich der Ausstattung mit Handels-, Dienstleistungs- und Kulturfunktionen nach ihrer zentralörtlichen Funktion. Die zentralörtliche Gliederung ist ein wichtiges Instrument der Landes- und Regionalplanung, wobei das System der zentralen Orte auf die Theorie Walter Christallers (1933) zurückgeht. Ziel ist in erster Linie die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Gütern und Dienstleistungen in zumutbaren Entfernungen (Wagener/Uhlenbrock, 2012). Zentrale Orte übernehmen neben der Versorgung ihrer Einwohner auch Versorgungs- und Entwicklungsfunktionen für die Bevölkerung ihres Verflechtungsbereiches (vgl. gif, 2014, S. 194). Da sich in zentralen Orten bestimmte Ausstattungen und Angebote konzentrieren, spricht man auch von einem Bedeutungsüberschuss gegenüber dem Umland. 30

31 Bestand der Verkaufsstellen in Deutschland Abbildung 11: Modell der zentralen Orte nach der Theorie Christallers. Quelle: (Verändert nach Wagener/Uhlenbrock, 2012) In den Raumordnungsplänen werden den Orten die landesplanerischen Funktionen zugewiesen. Das zentralörtliche System ist grundsätzlich gegliedert in Grundzentren (auch Unterzentren), Mittelzentren und Oberzentren, wobei es in einigen Bundesländern noch Zwischenebenen gibt. Es ergibt sich eine hierarchische Stufung verschiedener Zentren nach der Häufigkeit der Nachfrage an bestimmten Angeboten und der Reichweite dieser Angebote (vgl. Wagener/Uhlenbrock, 2012). Grundzentren Decken den (täglichen) Grundbedarf der Bevölkerung im Nahbereich Bieten ein Mindestmaß an öffentlicher und privater Infrastruktur: Geschäfte zur Grundversorgung wie Supermärkte, Drogerien und Tankstellen, Friseure, Grund-/Hauptschulen, Allgemein- und Zahnärzte, Apotheken, Post, Banken, Handwerksbetriebe etc. Mittelzentren Decken den gehobenen periodischen Bedarf der Bevölkerung im Mittelbereich Vielfältige Einkaufsmöglichkeiten, weiterführende Schulen, Krankenhäuser, Notare, Rechtsanwälte, Schwimmbäder etc. Oberzentren Decken den höheren, spezialisierten Bedarf der Bevölkerung im Oberbereich Vielfältige Einkaufsmöglichkeiten, Spezialgeschäfte, Warenhäuser, Universitäten, Spezialkliniken, regionale Behörden, Theater, Museen etc. dena-studie Energieeffizienz im Einzelhandel 31

32 3 Bestand der Verkaufsstellen in Deutschland Aufgrund der Hierarchisierung des Zentrale-Orte-Systems gehört 1 Prozent der Städte in Deutschland zu den Oberzentren, 8 Prozent sind als Mittelzentren und 91 Prozent als Orte geringerer Zentralität eingestuft (vgl. Abb. 12). 1 8 Oberzentren Mittelzentren 91 Sonstige Orte geringerer Zentralität Abbildung 12: Zentrenstruktur in Deutschland. Anzahl der Zentren in Prozent. Quelle: (EHI, 2015: Eigene Auswertung aus verschiedenen Quellen) Die Wohnbevölkerung hingegen verteilt sich annähernd gleichmäßig auf die Zentrentypen in Deutschland (vgl. Abb. 13). Demnach leben 36 Prozent der Menschen in Oberzentren, 30 Prozent in Mittelzentren und 34 Prozent in sonstigen Orten Oberzentren Mittelzentren Sonstige Orte geringerer Zentralität 30 Abbildung 13: Zentrenstruktur in Deutschland. Anzahl der Einwohner in Prozent. Quelle: (EHI, 2015: Eigene Auswertung aus verschiedenen Quellen) 32

33 Bestand der Verkaufsstellen in Deutschland Diese Strukturierung der Städte in Deutschland ist also sehr wichtig für die Anwendung der Bottom- Up-Methode. So können Mittelwerte für bestimmte Typen von Städten berechnet werden entweder über die zentralörtliche Funktion oder den Stadt- und Gemeindetyp und über die Einwohnerzahlen auf Deutschland insgesamt hochgerechnet werden. Ein großer Vorteil der Bottom-Up-Methode liegt darin begründet, dass es sich hier um vor Ort erhobene Daten (Echtdaten) handelt. Man kann davon ausgehen, dass die Qualität der Daten sehr hoch ist und die Daten der kommunalen Einzelhandelskonzepte die Situation vor Ort deutlich besser beschreiben, als es die Zahlen des Unternehmensregisters können. Dem EHI liegt zum Zwecke der Hochrechnung eine Stichprobe von 124 kommunalen Einzelhandelskonzepten vor. In diesen 124 Städten leben ca. 17 Millionen Menschen, das ist gut ein Fünftel der Einwohner Deutschlands. 3.3 Anwendung der Methoden im Vergleich Zusammengefasst lassen sich die beiden Berechnungswege wie in Abbildung 14 darstellen. In den folgenden Unterkapiteln kommen beide Methoden zur Anwendung, und die Ergebnisse werden zur Überprüfung verglichen. Abbildung 14: Berechnungsmethoden der Verkaufsstellen in Deutschland. Quelle: (EHI, 2015) dena-studie Energieeffizienz im Einzelhandel 33

34 3 Bestand der Verkaufsstellen in Deutschland Top-Down-Methode Im WZ 47 Einzelhandel (ohne Handel mit Kraftfahrzeugen) gibt das Unternehmensregister in Deutschland die Zahl von Verkaufsstellen aus. Hiervon müssen WZ 47.8 und WZ 47.9 abgezogen werden, da es sich dabei nicht um stationären Ladeneinzelhandel handelt und diese Verkaufsstellen dadurch für die vorliegende Untersuchung nicht relevant sind. Da die Anzahl der Verkaufsstellen in den WZ 47.8 und 47.9 deutschlandweit nicht ausgewiesen wird, aber für 9 Bundesländer vorliegt, wird anhand der Länderdaten ein Faktor ermittelt. Demnach sind 1,5 Prozent der Verkaufsstellen im WZ 47 dem Unterzweig 47.8 und 7 Prozent dem Unterzweig 47.9 angehörig und müssen hier abgezogen werden. Die Anzahl der Bäckereibetriebe, der Metzgereibetriebe, der Autohäuser und der Friseursalons muss jeweils addiert werden, da sie nicht dem WZ 47 angehören. So ergibt sich nach der Top- Down-Methode für Deutschland zunächst eine Gesamtzahl von Verkaufsstellen (vgl. Abb. 15). Abbildung 15: Berechnung der Verkaufsstellen in Deutschland nach der Top-Down-Methode. Quelle: (EHI, 2015) Bottom-Up-Methode Der Bottom-Up-Methode liegt eine Stichprobe von 124 Städten mit insgesamt ca. 17 Millionen Einwohnern zugrunde. Für jede Stadt wird das aktuelle Einzelhandelskonzept hinsichtlich der Anzahl der Verkaufsstellen ausgewertet. Die Verkaufsstellen werden gemäß einem Einwohnerschlüssel um die Anzahl der Friseursalons erweitert. Zur Vorbereitung einer Hochrechnung auf ganz Deutschland wird für jede Stadt die Anzahl der Verkaufsstellen auf Einwohner bezogen. Die Werte in den analysierten Städten liegen zwischen 5,4 Verkaufsstellen je Einwohner im Minimum und 15,3 Verkaufsstellen je Einwohner im Maximum, wobei mehr als 80 Prozent der Städte Werte zwischen 6 und 10 Verkaufsstellen je Einwohner aufweisen (vgl. Abb. 16). 34

35 Bestand der Verkaufsstellen in Deutschland 33,1 24,2 11,3 14,5 0,8 6,5 4,0 1,6 4,0 Unter 6,0 6,0 bis unter 7,0 7,0 bis unter 8,0 8,0 bis unter 9,0 9,0 bis unter 10,0 10,0 bis unter 11,0 11,0 bis unter 12,0 12,0 bis unter 13,0 Über 13,0 Abbildung 16: Verkaufsstellen je Einwohner in den Städten mit kommunalen Einzelhandelskonzepten. Anzahl der Städte in Prozent. Quelle: (EHI, 2015: Darstellung nach kommunalen Einzelhandelsgutachten) Da die Faktorisierung über lediglich einen Mittelwert für ganz Deutschland nicht genau genug ist, werden die Städte gemäß den zwei vorgestellten Modellen systematisiert: über den Stadt- und Gemeindetyp sowie über die zentralörtliche Funktion. Die jeweils berechneten Mittelwerte sind in den Abbildungen 17 und 18 dargestellt. Große Großstädte 7,9 Kleine Großstädte 8,4 Große Mittelstädte 8,6 Kleine Mittelstädte 9,9 Große Kleinstädte 8,4 Landgemeinden und kleine Kleinstädte 7,0* * Wert geschätzt Abbildung 17: Verkaufsstellen je Einwohner. Mittelwerte je Stadt- und Gemeindetyp. Quelle: (EHI, 2015) dena-studie Energieeffizienz im Einzelhandel 35

36 3 Bestand der Verkaufsstellen in Deutschland Oberzentren 8,7 Mittelzentren 8,9 Grundzentren/sonstige Orte 7,2 Abbildung 18: Verkaufsstellen je Einwohner. Mittelwerte je Zentrentyp. Quelle: (EHI, 2015) Anhand der ermittelten Einzelhandelsausstattung der verschiedenen Stadt- und Zentrentypen können über den Einwohnerschlüssel die Werte deutschlandweit hochgerechnet werden (vgl. Tab. 6 und Tab. 7). Stadt- und Gemeindetyp Anzahl der Einwohner Mittelwert Verkaufsstellen Verkaufsstel- Orte je Einwohner len insg. Landgemeinden und kleine Kleinstädte ,0* Große Kleinstädte , Kleine Mittelstädte , Große Mittelstädte , Kleine Großstädte , Große Großstädte , Total * Wert geschätzt. Tabelle 6: Berechnung der Anzahl der Verkaufsstellen in Deutschland nach der Bottom-Up-Methode sowie nach Stadt- und Gemeindetyp. Quelle: (EHI, 2015) Zentralörtliche Funktion Anzahl der Einwohner Mittelwert Verkaufsstellen Verkaufsstel- Orte je Einwohner len insg. Oberzentren , Mittelzentren , Grundzentren/sonstige Orte , Total Tabelle 7: Berechnung der Anzahl der Verkaufsstellen in Deutschland nach der Bottom-Up-Methode sowie nach zentralörtlicher Funktion. Quelle: (EHI, 2015) 36

37 Bestand der Verkaufsstellen in Deutschland Vergleich der beiden Methoden Mit der Top-Down-Methode kann ein Ergebnis von Verkaufsstellen in Deutschland ermittelt werden. Die Bottom-Up-Methode liefert über die Faktorisierung nach Stadt- und Gemeindetyp ein Ergebnis von Verkaufsstellen und kommt über die Faktorisierung nach zentralörtlicher Funktion auf ein Ergebnis von Verkaufsstellen. Wie bereits erläutert, weisen die Werte aus dem Unternehmensregister durchaus Unschärfen und Lücken auf, deren Bereinigung nicht möglich ist. Daher und resultierend aus dem Vergleich mit dem Ergebnis der Bottom-Up-Methode wird das Ergebnis der Top-Down-Methode als zu gering eingeschätzt. Für neun Bundesländer liegen die Daten des Unternehmensregisters auf Ebene der Kreise und für zwei Bundesländer auf Ebene der Gemeinden vor. Daraus lassen sich 40 (kreisfreie) Städte identifizieren, für die sowohl Daten aus dem Unternehmensregister als auch Daten aus Einzelhandelskonzepten vorliegen, womit ein Vergleich der beiden Datenquellen unmittelbar möglich ist. Der Vergleich für diese 40 Städte zeigt, dass die Echtdaten der Einzelhandelsgutachten im Mittel um ca. 20 Prozent höher liegen als die Zahlen des Unternehmensregisters. Auf Deutschland angewendet ergibt sich ein angepasstes Ergebnis der Top-Down-Methode von rund Verkaufsstellen. Grundsätzlich sind die Echtdaten der Stichprobe der Bottom-Up-Methode von höherer Qualität als die Daten aus dem Unternehmensregister, da es sich bei Ersteren um vor Ort erhobene Echtdaten handelt. Zwar liegt die Erhebung der Einzelhandelsgutachten in manchen Fällen bereits ein paar Jahre zurück (durchschnittliches Erhebungsjahr der Gutachten: 2009), was eine leichte Unschärfe hervorrufen kann. Andererseits kann man nur eine geringe Dynamik der Anzahl der Verkaufsstellen im WZ 47 im Unternehmensregister von 2009 zu 2012 beobachten (Abnahme um Verkaufsstellen bzw. um 0,4 Prozent), was nahelegt, dass auch die Gutachterzahlen über einige Jahre hinweg relativ stabil bleiben. Weiterhin ist zu beachten, dass es für kleine Kleinstädte und Landgemeinden kaum verwertbares Datenmaterial aus Einzelhandelskonzepten gibt. Unterhalb einer gewissen Größe bzw. zentralörtlichen Funktion lassen die Gemeinden in der Regel wegen geringer Kosten-Nutzen-Relation kein Einzelhandelskonzept anfertigen. Dieser Wert ist daher in Anlehnung an die vorhandenen Daten der Grundzentren und großen Kleinstädte geschätzt. Je geringer die Größe bzw. zentralörtliche Funktion eines Ortes, desto mehr beschränkt sich das Einzelhandelsangebot auf den täglichen Grundbedarf, vor allem Nahrungs- und Genussmittel, Zeitschriften und Zeitungen sowie auf Apotheken, Drogerien und Friseursalons. Diese Nahversorger orientieren sich stark an der Anzahl der Einwohner im unmittelbaren Nahbereich und bilden somit einen Sockelbedarf an Verkaufsstellen je Einwohner im Ort. Durch Vergleich beider Ergebnisse und Relativierung der Ungenauigkeiten liegt die Schätzung der Anzahl der Verkaufsstellen in Deutschland insgesamt zwischen Verkaufsstellen (untere Variante) und Verkaufsstellen (obere Variante). dena-studie Energieeffizienz im Einzelhandel 37

38 4 Bestand der Handelsgebäude in Deutschland 4 Bestand der Handelsgebäude in Deutschland Der Begriff Gebäude umfasst Hoch- und Tiefbauten sowie Grundstücke, die bebaut sind oder bebaut werden sollen. Gebäude sind langlebige Gebrauchsgüter, die standortgebunden sind. Sie lassen sich unter zwei wesentlichen Gesichtspunkten betrachten: der Gebäudenutzung (z. B. als Wohnraum oder als Ressource im Produktionsprozess) und als Kapitalanlage (z. B. zur Altersvorsorge). (Definitionen in Anlehnung an: Statistisches Bundesamt: Immobilienwirtschaft in Deutschland 2006, Entwicklungen und Ergebnisse, Wiesbaden 2007) Unter dem Aspekt der Gebäudenutzung differenziert man den Gebäudebestand zwischen Wohngebäuden, die ganzheitlich Wohnraum zu Verfügung stellen, mischgenutzten Gebäuden, die neben Wohnraum auch gewerblich genutzte oder Lagerflächen bereitstellen, und den Nichtwohngebäuden (NWG), die ausschließlich gewerblich genutzt werden und keinerlei Wohnraum zur Verfügung stellen, z. B. Bürogebäude, Produktionsbetriebe oder auch Beherbergungsbetriebe. Als Handelsgebäude werden im Rahmen dieser Studie mischgenutzte Gebäude und Nichtwohngebäude definiert, in denen sich mindestens eine Verkaufsstelle befindet und in denen Einzelhandel der Verkauf an private Endverbraucher betrieben wird. 4.1 Problemdefinition Im Rahmen des Zensus wurde 2011 in Deutschland eine umfangreiche Gebäude- und Wohnungszählung durchgeführt. Ziel der Erhebung war die vollständige Erfassung von Gebäuden mit Wohnraum, bewohnten Unterkünften sowie Wohnraum. Von der Erhebung ausgeschlossen waren u. a. noch nicht bezugsfertige Neubauten, Gebäude im Eigentum ausländischer Staaten, ausschließlich gewerblich genutzte Wochenend- und Ferienhäuser sowie zum Stichtag der Erhebung unbewohnte Unterkünfte. 5 Im Ergebnis konnten deutschlandweit Gebäude mit Wohnraum erfasst werden. Lediglich 3,5 Prozent (Statistische Ämter des Bundes und der Länder, 2015, S. 36) der Gebäude werden dabei den sonstigen Gebäuden mit Wohnraum zugeordnet, d.h., es handelt sich um Gebäude, in denen weniger als die Hälfte der Gesamtnutzfläche für Wohnzwecke genutzt wird, z. B. weil sich im Gebäude überwiegend Läden oder Büros befinden (Destatis, 2013a, S. 18). Im Gegensatz zu Gebäuden, in denen Wohnmöglichkeiten vorhanden sind, ist der derzeitige Bestand der Handelsgebäude in Deutschland nur unzureichend erfasst. Die amtliche Handels- und Gaststättenzählung, die zuletzt im Jahr 1993 durchgeführt wurde, erfasste die Anzahl der Verkaufsstellen und deren Geschäfts- und Verkaufsflächen, jedoch nicht die Anzahl der Handelsgebäude. Eine ergänzende Fortschreibung der Daten über die Bautätigkeitstatistik wird dadurch limitiert, dass Handels- und Lagergebäude aggregiert dort ausgewiesen werden (Destatis, 2013b, S. 26). 5 Statistisches Quartalsheft Saarland III. 2010, S. 3 ff. 38

39 Bestand der Handelsgebäude in Deutschland Um die energetische Situation der Handelsgebäude zu analysieren, ist es zwingend erforderlich, deren ungefähren Bestand zu kennen. In diesem Kapitel wird anhand einer Hochrechnung auf Basis der verbreiteten Verkaufsstellen die Anzahl der Handelsgebäude in Deutschland errechnet. 4.2 Datenbasis der Handelsgebäude in Deutschland Eine der zentralen Größen für die Berechnung der Handelsgebäude ist die Anzahl der Verkaufsstellen. Wie in Kapitel 4 dargestellt, gibt es in Deutschland (untere Variante) bis (obere Variante) Verkaufsstellen. Um auf die Anzahl der Handelsgebäude schließen zu können, muss die durchschnittliche Anzahl der Verkaufsstellen in einem Handelsgebäude bekannt sein, denn insbesondere in Mietobjekten teilen sich mitunter mehrere Händler ein Gebäude. Für die Bestimmung des Umrechnungsfaktors auf Gesamtdeutschland werden die vollständigen Gebäudebestände der folgenden 15 Städte in Deutschland genutzt, die als Fallstudien dienen: Stadt Zentralörtliche Funktion Einwohner (2012) Stadt- und Gemeindetyp Aschaffenburg Mittelzentrum mit Teilfunktionen eines Oberzentrums Große Mittelstadt Augsburg Oberzentrum Große Großstadt Erlangen Oberzentrum im zentralen Städteverbund Kleine Großstadt Jena Oberzentrum Kleine Großstadt Kempten im Allgäu Oberzentrum Große Mittelstadt Kiel Oberzentrum Kleine Großstadt Landau in der Pfalz Mittelzentrum mit Teilfunktionen eines Oberzentrums Kleine Mittelstadt Neumünster Oberzentrum Große Mittelstadt Neustadt an der Weinstraße Mittelzentrum im zentralen Städteverbund Große Mittelstadt Nürnberg Oberzentrum im zentralen Städteverbund Große Großstadt Rosenheim Oberzentrum Große Mittelstadt Speyer Mittelzentrum Kleine Mittelstadt dena-studie Energieeffizienz im Einzelhandel 39

40 4 Bestand der Handelsgebäude in Deutschland Trier Oberzentrum Kleine Großstadt Weimar Mittelzentrum mit Teilfunktionen eines Oberzentrums Große Mittelstadt Zweibrücken Mittelzentrum Kleine Mittelstadt Tabelle 8: Klassifizierung der Fallstudien nach zentralörtlicher Funktion, Einwohnerzahl sowie Stadt- und Gemeindetyp. Quelle: (EHI, 2015) Die Datensätze sind Echtdaten, die im Rahmen einer Ortsbegehung und einer Befragung erhoben wurden, und stammen aus dem Datenkatalog LOCAL Haus der Firma Nexiga. 4.3 Berechnung der Anzahl der Handelsgebäude in Deutschland Anhand der Fallstudien der 15 Städte wird jeweils die Anzahl der Gebäude pro Stadt ermittelt, in denen sich Verkaufsstellen befinden. Auch Gebäude mit aktuell leerstehenden Nutzungseinheiten, die zuvor erkennbar für den Einzelhandel oder ladenähnliche Dienstleistungen genutzt wurden, sind darin enthalten. Durch die Einzelhandelsgutachten sind für diese Städte auch die Zahlen der Verkaufsstellen bekannt. Da es sich bei beiden Datenquellen um vor Ort erhobene Echtdaten handelt, lassen sie sich zueinander in Beziehung setzen. Zwar muss beachtet werden, dass sich die LOCAL Haus -Daten auf das Jahr 2012 beziehen und die Einzelhandelsgutachten in manchen Fällen etwas älter sind. Wie aber in Kapitel gezeigt, ist davon auszugehen, dass die Zahlen der Verkaufsstellen im Regelfall keine allzu hohen Schwankungen über wenige Jahre aufweisen (vgl. Abb. 19). *) Erweitert um die Anzahl der Autohäuser, der Bäckereibetriebe, der Metzgereibetriebe und der Friseurbetriebe. Basisjahr: **) Ein Vorkassenbäcker ist ein selbstständiger Backwarenanbieter, der sich außerhalb des eigentlichen Lebensmitteleinzelhandelsgeschäfts in der Vorkassenzone befindet. Abbildung 19: Herleitungsprozess der Anzahl der Handelsgebäude. Quelle: (EHI, 2015) 40

41 Bestand der Handelsgebäude in Deutschland Mit einem Vergleich der Daten lässt sich die durchschnittliche Anzahl der Verkaufsstellen pro Handelsgebäude berechnen, wodurch eine Hochrechnung auf Deutschland möglich ist. Bezieht man die Anzahl der Verkaufsstellen auf die Anzahl der durch Handel genutzten Gebäude, ergibt sich insgesamt der Faktor 1,25. Um an dieser Stelle noch genauer zu rechnen, werden die Gruppen der Shopping-Center und der Supermärkte mit Vorkassenbäcker gesondert betrachtet, da hier der Faktor nicht greifen kann (vgl. Tab. 9). Untere Variante ( Verkaufsstellen) Obere Variante ( Verkaufsstellen) A B Korrektur um die Gruppe der Mieter in Shopping-Centern Verkaufsstellen in 506 Gebäuden (43,09 Verkaufsstellen pro Gebäude) = 506 Gebäude Korrektur um die Gruppe der Supermärkte und Vorkassenbäcker Verkaufsstellen in Gebäuden (2,00 Verkaufsstellen pro Gebäude) = Gebäude C Saldierte Gruppe der sonstigen Verkaufsstellen Verkaufsstellen 1,25 Verkaufsstellen pro Gebäude) = Gebäude Verkaufsstellen (1,25 Verkaufsstellen pro Gebäude) = Gebäude TOTAL Handelsgebäude Handelsgebäude Tabelle 9: Berechnung der Handelsgebäude in Deutschland. Quelle: (EHI, 2015) Die Gruppe der 506 Shopping-Center umfasst in diesem Falle auch Handelsagglomerationen in Bahnhöfen oder Flughäfen. Zusammen verfügen sie über Verkaufsstellen, wodurch sich ein Faktor von 43,09 Betrieben pro Gebäude ergibt. Zudem gibt es in Deutschland Supermärkte, große Supermärkte und SB-Warenhäuser, die sich die Gebäude mit Vorkassenbäckern teilen; der Faktor für diese Gruppe muss folglich 2,0 betragen. Die saldierten sonstigen Verkaufsstellen werden schließlich über den allgemeinen Faktor zu Handelsgebäuden umgerechnet. In Kapitel wurden eine untere und eine obere Variante der Hochrechnung der Verkaufsstellen in Deutschland ausgearbeitet. Auf dieser Grundlage kann die Anzahl der Handelsgebäude in Deutschland insgesamt auf (untere Variante) bis (obere Variante) beziffert werden. Aus den Ergebnissen ergibt sich für Deutschland insgesamt ein gewichteter Faktor von 1,31 Verkaufsstellen pro Handelsgebäude. 4.4 Struktur der Handelsgebäude Die Fallstudien liefern ebenfalls Erkenntnisse über die Struktur der Handelsgebäude. So handelt es sich bei 18,3 Prozent der Handelsgebäude um Nichtwohngebäude (vgl. Abb. 20). Bei einer deutlichen dena-studie Energieeffizienz im Einzelhandel 41

42 4 Bestand der Handelsgebäude in Deutschland Mehrheit der Handelsgebäude handelt es sich jedoch mit 81,7 Prozent um mischgenutzte Gebäude, also um Gebäude, in denen sich auch Wohneinheiten befinden. 18,3 Reine Nichtwohngebäude Mischgenutzte Gebäude 81,7 Abbildung 20: Anteil der Nutzungsarten an den Handelsgebäuden insgesamt. Durchschnittliche Anteile in Prozent. Quelle: (EHI,2015: Auswertung von Fallstudien auf Basis von Nexiga, 2014) 4.5 Baujahresklassen Für die 15 Städte der Fallstudien können die Baujahresklassen der Handelsgebäude insgesamt bestimmt werden, und es kann eine Aufteilung je nach Gebäudenutzungsart vorgenommen werden. Ende 1977 trat erstmals die Verordnung über einen energiesparenden Wärmeschutz bei Gebäuden (Wärmeschutzverordnung) in Kraft. Allerdings sind fast 81 Prozent des heutigen Bestandes der Handelsgebäude den Altersklassen 1, 2 und 3 zuzuordnen, da sie vor dem Inkrafttreten der Wärmeschutzverordnung gebaut wurden. Der Altersklasse 4 gehören 5,7 Prozent der Gebäude an, während 6,2 Prozent der Altersklasse 5 (Novellierung: 2. Wärmeschutzverordnung) und 3,4 Prozent der Altersklasse 6 (3. Wärmeschutzverordnung) zuzuordnen sind. Die Energieeinsparverordnung löste die Wärmeschutzverordnung ab 2002 ab. 4,1 Prozent des heutigen Gebäudebestandes sind der jüngsten Altersklasse 7 zuzuschreiben. Altersklasse Zeitraum Anteil am Gebäudebestand 2012 Besonderheit 1 und 2 bis ,7 % bis ,9 % bis ,7 % 1. Wärmeschutzverordnung (WSchutzVO) bis ,2 % 2. WSchutzVO bis ,4 % 3. WSchutzVO 42

43 Bestand der Handelsgebäude in Deutschland 7 ab ,1 % Energieeinsparverordnung (EnEV) Tabelle 10: Baujahresklassen von Handelsgebäuden. Quelle: (EHI, 2015: Auswertung von Fallstudien auf Basis von Nexiga, 2014) Bei Betrachtung der Baujahresklassen der Handelsgebäude hinsichtlich der Nutzungsart wird deutlich, dass der Anteil der Nichtwohngebäude in Richtung der jüngeren Baujahresklassen an Bedeutung gewinnt (vgl. Abb. 21 und Abb. 22). Der Gebäudebestand der reinen Nichtwohngebäude wird zu fast 62 Prozent den Altersklassen 1 und 2 (15,4 %) sowie 3 (46,5 %) zugerechnet und wurde somit vor dem Erlass der Wärmeschutzverordnungen erbaut. 10 Prozent der Nichtwohngebäude wurden nach den Vorgaben der 1. Wärmeschutzverordnung errichtet (Altersklasse 4). Mehr als 11 Prozent der Gebäude gehören zur Altersklasse 5 und entsprechen damit den Vorgaben der 2. Wärmeschutzverordnung. Nur knapp 8 Prozent der Nichtwohngebäude sind der Altersklasse 6 zuzuordnen und unterliegen damit den Auflagen der 3. Wärmeschutzverordnung. Der Anteil der Nichtwohngebäude, die nach Inkrafttreten der Energieeinsparverordnung im Jahr 2002 (Altersklasse 7) konstruiert wurden, beläuft sich derzeit auf nur 9 Prozent (Abb. 21). Gebäudebestand Nichtwohngebäude 7,7 9,0 15,4 Altersklasse 1 und 2 vor 1900 bis 1945 Altersklasse bis ,4 Altersklasse bis ,0 46,5 Altersklasse bis 1994 Altersklasse bis 2001 Altersklasse 7 ab 2002 Abbildung 21: Baujahresklassen von Handelsgebäuden nach Nutzungsart: Nichtwohngebäude in Prozent. Quelle: (EHI,2015: Auswertung von Fallstudien auf Basis von Nexiga, 2014) Bei den mischgenutzten Gebäuden entsprechen zusammengenommen nur 15 Prozent (knapp 5 % in den Altersklasse 4 und 5; mehr als 2 Prozent in der Altersklasse 6 und beinah 3 Prozent in der Altersklasse 7) einer Wärmeschutzverordnung oder der Energieeinsparverordnung. Fast 41 Prozent der mischgenutzten Gebäude werden den Altersklassen 1 und 2 und mehr als 44 Prozent der Altersklasse 3 dena-studie Energieeffizienz im Einzelhandel 43

44 4 Bestand der Handelsgebäude in Deutschland zugeordnet. Dies entspricht einem Anteil von 85 Prozent der Gebäude, die vor 1977 errichtet wurden (Abb. 22). 4,7 5,0 44,4 Gebäudebestand mischgenutzte Gebäude 2,4 2,9 40,6 Altersklasse 1 und 2 vor 1900 bis 1945 Altersklasse bis 1977 Altersklasse bis 1983 Altersklasse bis 1994 Altersklasse bis 2001 Altersklasse 7 ab 2002 Abbildung 22: Baujahresklassen von Handelsgebäuden nach Nutzungsart: mischgenutzte Gebäude in Prozent. Quelle: (EHI, 2015: Auswertung von Fallstudien auf Basis von Nexiga, 2014) 4.6 Eigentumsstruktur der Handelsgebäude Nur knapp 20,5 Prozent der Handelsgebäude können einer eindeutigen Nutzung durch den Handel als Eigentümer oder als Mieter zugeordnet werden. Reine Eigentumsgebäude sind mit 3 Prozent bei den Handelsgebäuden relativ selten. Um Mietgebäude handelt es sich bei mehr als 17 Prozent der Handelsgebäude, während die Eigentümer- und Mieterstrukturen und deren Zusammensetzung bei fast 80 Prozent der Handelsgebäude nicht bekannt sind (vgl. Abb. 23). 44

45 Bestand der Handelsgebäude in Deutschland 3,1 17,4 Eigentum Miete Unbekannt 79,5 Abbildung 23: Eigentumsverhältnisse der Handelsgebäude insgesamt. Durchschnittliche Anteile in Prozent. Quelle: (EHI,2015: Auswertung von Fallstudien auf Basis von Nexiga, 2014) Bei einer Aufteilung der Handelsgebäude nach den Nutzungsarten (Abb. 24) zeigen sich Unterschiede der Eigentumsstrukturen zwischen Nichtwohngebäuden und mischgenutzten Gebäuden. Reine Eigentumsgebäude sind bei beiden Arten sehr selten, wobei sie bei Nichtwohngebäuden so gut wie gar nicht vorkommen. Nur knapp 9 Prozent der Nichtwohngebäude sind reine Mietgebäude, während unter den mischgenutzten Gebäuden der Mietanteil von fast 20 Prozent mehr als doppelt so hoch ist. 91 Prozent der Nichtwohngebäude sind gemischte Formen aus Eigentums- und Mieteinheiten, deren genaue Zusammensetzung unbekannt ist. Bei den mischgenutzten Gebäuden sind es beinahe 77 Prozent , ,5 19,7 8,7 0,1 3,8 Eigentum Miete Unbekannt Handelsgebäude Nichtwohngebäude Handelsgebäude mischgenutzte Gebäude Abbildung 24: Eigentumsverhältnisse der Handelsgebäude nach Nutzungsart. Durchschnittliche Anteile in Prozent. Quelle: (EHI, 2015: Auswertung von Fallstudien auf Basis von Nexiga, 2014) dena-studie Energieeffizienz im Einzelhandel 45

46 4 Bestand der Handelsgebäude in Deutschland Obwohl die Eigentümerstruktur bei der Maßnahmenplanung zur Optimierung der energetischen Situation eines Handelsgebäudes eine wichtige Rolle spielt, sind die Eigentümer- und Mieterstrukturen bisher nur unzureichend erfasst. Im Hinblick auf die Entwicklung geeigneter Strategien zur Steigerung der Energieeffizienz der Gebäude ist es daher unabdingbar, die Eigentumsverhältnisse näher zu beleuchten. Nur so können passgenaue Maßnahmenpakete und Anreize für die unterschiedlichen Anspruchsgruppen geschaffen werden. Dabei ist z. B. zu unterscheiden, ob der Einzelhändler Gebäudeeigner oder Gebäudemieter ist und ob es sich beim Vermieter um eine Privatperson oder z.b. um einen Investmentfonds handelt. 46

47 Energieeffizienz im Einzelhandel 5 Energieeffizienz im Einzelhandel Im bisherigen Verlauf dieser Studie wurden für Deutschland ein Bestand von bis Handelsgebäuden sowie dessen Altersstruktur ermittelt. Dieses Kapitel befasst sich mit den Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz, die bereits durch den Handel ergriffen werden. Die Angaben basieren auf primären EHI-Erhebungen aus den Jahren 2013 und 2014, in denen Handelsunternehmen aus der Gruppe der TOP 250 zu ihren Energieverbräuchen und Energieeffizienzmaßnahmen befragt wurden. Es wird im Verlauf des Kapitels auch auf Sekundärmaterial referenziert, insbesondere auf die Studie des Fraunhofer-Instituts zum Sektor Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD), das zunächst ein anderes Bild speziell in dem Verhältnis von Strom- und Wärmeenergie aufzeigt. Die beiden Studien verfolgen unterschiedliche Aspekte und Ansätze (vgl. Tabelle 11). So ist die Studie Energieverbrauch des Sektors Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD) für die Jahre 2007 bis 2010 auf den gesamten Dienstleistungssektor ausgerichtet. Sie betrachtet eine kleinteiligere Stichprobe und rechnet den Energieverbrauch des Gesamtmarkts zum Teil über den Pro-Kopf-Verbrauch einer Verkaufsstelle hoch. Energiemanagement im Einzelhandel 2014 (EHI) Energieverbrauch des Sektors Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD) für die Jahre 2007 bis 2010 (Fraunhofer et al.) Studienobjekt Einzelhandel Gaststätten, Handel und Gewerbe Methodik Befragung Befragung Stichprobe Bezugseinheit Exemplarische Gegenüberstellung am Beispiel des Heizenergiebedarfs im Non-Food- Handel Filialen, vorwiegend größere Filialketten Energieverbrauch pro m² VKF Filialisiertes Unternehmen, 10 Mitarbeiter pro Verkaufsstelle, professionelles Energiemanagement Heizenergie: Abwärmenutzung von Klima- bzw. Lüftungsanlagen, stromgeführte Temperaturregelung geringer Heizenergiebedarf 308 Einzelhandelsbetriebe, viele kleinere Händler, u.a. der Bereiche Tabakwaren, Schreibwaren, Uhren, Schmuck, Obst und Gemüse, Brot- u. Konditoreiwaren Energieverbrauch pro Erwerbstätiger (Non-Food- Handel) bzw. pro m² bebauter Betriebsfläche (Food- Handel) Selbstständiger Fachhändler, 3 Mitarbeiter pro Verkaufsstelle, kein professionelles Energiemanagement Heizenergie: Gas oder Öl hoher Heizenergiebedarf Fazit Faktoren wie die Größe der Verkaufsfläche, die Anzahl der Mitarbeiter sowie unterschiedliche Organisationsformen wie der Einsatz eines professionellen Energiema- dena-studie Energieeffizienz im Einzelhandel 47

48 5 Energieeffizienz im Einzelhandel nagements führen im Falle einer Hochrechnung zu erheblichen Abweichungen. Die unterschiedlichen Ziel- und Anspruchsgruppen erfordern die Bildung geeigneter Cluster. Tabelle 11: Gegenüberstellung existierender Marktstudien. Quelle: (EHI, 2015) Im Fokus des folgenden Abschnitts steht das Energiemanagement der 250 umsatzstärksten Vertriebslinien (TOP 250) im Einzelhandel. 5.1 Energieverbrauch und Energiekosten im Einzelhandel Dieses Kapitel bearbeitet die Themen Energieverbrauch und Energiekosten in Einzelhandelsunternehmen und zeigt auf, in welchen Bereichen bereits Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz ergriffen werden. Datengrundlage ist die EHI-Studie Energiemanagement im Einzelhandel An der Befragung haben sich 29 marktführende Handelsunternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz beteiligt. Bei den befragten Unternehmen handelt es sich vorwiegend um größere Filialketten, die vorrangig zu den TOP 250 der umsatzstärksten Vertriebslinien gehören. Sie stehen repräsentativ für Verkaufsstellen bzw. etwa 22 Millionen Quadratmeter Verkaufsfläche. Damit weicht die Studie in der Auswahl der Stichprobe und auch in ihren Ergebnissen sehr stark von der im Jahr 2013 durch das Fraunhofer-Institut veröffentlichten Studie Energieverbrauch des Sektors Gewerbe, Handel, Dienstleistungen (GHD) für die Jahre 2007 bis 2010 ab. Da die Energiemanagement-Studie sich an Adressaten aus der Handelsbranche richtete, zeichnet sie sich durch einen starken Fokus auf die strombetriebene Anlagentechnik aus. Aus Sicht des Einzelhandels liegen hier die am einfachsten zu realisierenden Einsparpotenziale, da man in den meisten Fällen weitgehend losgelöst von den Eigentumsverhältnissen der jeweiligen Handelsgebäude agieren kann und z. B. im Vergleich zu einer umfassenden energetischen Gebäudesanierung mit relativ kurzen Amortisationszeiträumen planen kann. Da die Anlagentechnik, die im Lebensmittelhandel zum Einsatz kommt, deutlich energieintensiver ist als im Non-Food-Handel, wurden die entscheidenden energierelevanten Daten wie Energiekosten, Energieverbräuche und Angaben zu umgesetzten sowie geplanten Energieeffizienzmaßnahmen jeweils getrennt nach Food- und Non-Food-Handel ausgewertet Energieverbrauch Im Folgenden wird gezeigt, was im Food- und im Non-Food-Handel die Hauptverbrauchsträger sind bzw. wie sich der Energieverbrauch auf alle Energieverbraucher eines Handelsunternehmens verteilt. Dadurch lässt sich verdeutlichen, bei welchen technischen Anlagen eine Energieoptimierung im Hinblick auf das Kostensenkungspotenzial besonders lohnenswert sein kann. Da sowohl im Food- als auch im Non-Food-Handel etwa 90 Prozent des Energieverbrauches auf die Verkaufsstellen entfällt, wird hier von einer näheren Betrachtung anderer Unternehmensbereiche, 48

49 Energieeffizienz im Einzelhandel wie z. B. Verwaltung und Logistik, abgesehen. Die im Folgenden dargestellten Energieverbräuche beziehen sich ausschließlich auf die Verkaufsfläche (VKF) in den Verkaufsstellen. Abbildung 25 zeigt den durchschnittlichen Strom- bzw. Heizenergieverbrauch von Food- und Non- Food-Händlern. Die Ergebnisse der Befragungen basieren auf den Verbrauchszahlen von Aufgrund der unterschiedlichen Erfassungssysteme von Energieverbräuchen bei den Händlern konnten nicht alle Befragten Angaben zu den Verbräuchen in Kilowattstunden (kwh) pro Quadratmeter Verkaufsfläche (m² VKF) machen. Stromverbrauch Wärmeverbrauch Food Non-Food Ergebnisse, basierend auf einer Befragung der TOP 250. ¹) Wie hoch war Ihr Stromverbrauch durchschnittlich in kwh pro m² VKF in 2013? ²) Wie hoch war Ihr Heizenergieverbrauch (z. B. Gas, Heizöl etc.) durchschnittlich pro m² Verkaufsfläche in 2013? Angaben waren in kwh, cbm oder Liter pro m² VKF möglich. Alle Teilnehmer beantworteten die Frage mit kwh. Abbildung 25: Strom- bzw. Heizenergieverbrauch in kwh pro m² VKF pro Jahr in Food- und Non-Food- Handel. Quelle: (EHI, 2014) Der durchschnittliche Stromverbrauch in einem Lebensmittelmarkt der TOP 250 beträgt 358 Kilowattstunden pro Quadratmeter Verkaufsfläche pro Jahr (kwh/m² VKF*a). Im Non-Food-Handel liegt der entsprechende Durchschnittswert bei 123 kwh/m² VKF*a. Der durchschnittliche Heizenergieverbrauch liegt in einem Lebensmittelmarkt bei 158 kwh/m² VKF*a, im Non-Food-Handel sind es 77 kwh/m² VKF*a. Hier zeigen sich die deutlichen Energieverbrauchsunterschiede zwischen Food- und Non-Food- Handel, die sich letztendlich auch in den Energiekosten niederschlagen (s. Kap ). Die eingangs dargestellten Unterschiede der verfügbaren Studien zum Energieverbrauch im Einzelhandel bzw. Dienstleistungssektor treten an dieser Stelle besonders prägnant hervor (Abb. 26). Die gegenläufigen Aussagen zur Bedeutung des Strom- bzw. Heizenergieverbrauches lassen sich im Wesentlichen durch die unterschiedlichen Stichproben der Studien erklären. Denn die Möglichkeiten, die z. B. ein filialisierter Supermarkt mit spezialisiertem Energiemanagement hat, weichen stark von dena-studie Energieeffizienz im Einzelhandel 49

50 5 Energieeffizienz im Einzelhandel denen eines inhabergeführten Schreibwarenfachgeschäfts ab. Zur Auflösung der Diskrepanz zwischen den Studien ist es daher empfehlenswert, in einer nachfolgenden detaillierten Untersuchung einen integrativen Ansatz zu wählen. Abbildung 26: Verhältnis von Strom- und Heizenergieverbrauch in Food- und Non-Food-Handel. Quellen: (EHI, 2014); (Fraunhofer et al., 2013) Dies spricht dafür, Cluster von Handelsunternehmen zu bilden, die in ihren Merkmalsausprägungen bezüglich des Energieverbrauches und ihrer Maßnahmen vergleichbar sind, und bereits in der Erhebungsmethodik differenzierter auf die unterschiedlichen Cluster einzugehen. Nur so ist sicherzustellen, dass die Situation des so vielfältig ausgestalteten Einzelhandels angemessen erfasst und analysiert werden kann und dass damit auch wirkungsvolle Steuerungsinstrumente und Anreizsysteme identifiziert werden können Verbrauchsträger Der entscheidende Unterschied zwischen der Anlagentechnik in einer Food- und einer Non-Food- Verkaufsstelle ist der energieintensive Betrieb von Kühlmöbeln bzw. kältetechnischen Anlagen, die im Food-Handel unverzichtbar sind. Die folgenden Ausführungen zeigen die Aufteilung des Energieverbrauchs auf die unterschiedlichen technischen Anlagen in Food- und Non-Food-Verkaufsstellen. Die Ergebnisse beruhen auf Befragungen. In den Befragungen zeigt sich, dass die Kühlung mit 45 Prozent den größten Energieverbraucher im Food-Bereich darstellt. Gefolgt wird sie von der Beleuchtung mit 22 Prozent, der Klimatisierung mit 12 Prozent sowie der Heizung mit 8 Prozent. Unter Sonstiges sind Türen, Kassensysteme, Waagen, Produktion, Informationstechnik, Fahrtreppen bzw. Fahrsteige und sonstige Kleinstgeräte zusammengefasst. Hierauf entfällt ein Verbrauchsanteil von insgesamt 13 Prozent. 50

51 Energieeffizienz im Einzelhandel Beleuchtung Klima/Lüftung Heizung Kältetechnik Sonstiges Ergebnisse, basierend auf einer Befragung der TOP 250. Wie hoch war Ihr durchschnittlicher Energieverbrauch in den Filialen für die folgenden Verbrauchsträger in 2013? (Angaben in % des Energieverbrauchs): Beleuchtung; Klimatisierung/Lüftung; Heizung; Kältetechnik; Sonstiges. Abbildung 27: Energieverbrauch nach Verbrauchsträgern im Food-Einzelhandel. Angaben in Prozent. Quelle: (EHI, 2014) Im Non-Food-Bereich erweist sich die Beleuchtung mit einem Anteil von 53 Prozent als größter Energieverbraucher, gefolgt von der Klimatisierung mit 17 Prozent und der Heizung mit 17 Prozent. Unter Sonstiges sind Türen, Fahrtreppen bzw. Fahrsteige, Aufzüge, Kassensysteme, Informationstechnik und sonstige Kleinstgeräte etc. mit einem Gesamtanteil von 13 Prozent zusammengefasst Beleuchtung Klima/Lüftung Heizung Sonstiges Ergebnisse, basierend auf einer Befragung der TOP 250. Wie hoch war Ihr durchschnittlicher Energieverbrauch in den Filialen für die folgenden Verbrauchsträger in 2013? (Angaben in % des Energieverbrauchs): Beleuchtung; Klimatisierung/Lüftung; Heizung; Sonstiges. Abbildung 28: Energieverbrauch nach Verbrauchsträgern im Non-Food-Einzelhandel. Angaben in Prozent. Quelle: (EHI, 2014) dena-studie Energieeffizienz im Einzelhandel 51

52 5 Energieeffizienz im Einzelhandel Die Abbildungen 27 und 28 zeigen deutlich die Energieverbrauchsschwerpunkte von Food- und Non- Food-Händlern. Während im Food-Handel die Kältetechnik den Hauptverbrauchsträger darstellt, steht im Non-Food-Handel die Beleuchtung an vorderster Stelle. Vor allem in den Bereichen Beleuchtung und Kältetechnik, jedoch auch in anderen Bereichen hat der Einzelhandel in den vergangenen Jahren bereits zahlreiche Energieoptimierungsprojekte in seinen Handelsgebäuden erfolgreich umgesetzt. Dennoch schätzen die Händler das Potenzial zur Steigerung der Energieeffizienz weiterhin als sehr hoch ein. Möchte man Strom- und Wärmeanteile zueinander ins Verhältnis setzen und daraus vergleichende Aussagen zu möglichen Energieeinsparpotenzialen im Strom- und Wärmebereich ableiten, so empfiehlt sich eine noch detailliertere Herangehensweise, die sich bei den Befragten vor allem auch mit Erfassungsproblemen im Bereich der Heizenergie auseinandersetzen muss. Die Erfassung und das Management des Heizenergieverbrauchs wurden im Handel bislang noch nicht in dem Maße professionalisiert, wie dies beim Stromverbrauch der Fall ist. Einige Händler sind jedoch derzeit dabei, ihre Systeme zur Erfassung des Heizenergieverbrauchs zu modernisieren. Für die gesamte Branche ist es auf Grundlage der bislang vorliegenden Daten und des zurzeit noch eindeutigen Schwerpunkts auf der strombetriebenen Anlagentechnik dennoch schwierig, allgemeingültige Aussagen zum Stellenwert der Heizenergie zu treffen. Hier ist es sicherlich sinnvoll, genauer zu erheben, ob bzw. unter welchen Voraussetzungen Einzelhändler die Heizenergie als zukünftig relevantes Thema für das Energiemanagement in ihrem Unternehmen einstufen. Das nachfolgende Kapitel gibt einen Kurzüberblick über die Energiekosten im Einzelhandel Energiekosten Durch die in den letzten Jahren aufgrund von Steuern und Abgaben stark gestiegenen Energiekosten ist der effiziente Einsatz von Energie in vielen Unternehmen zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor geworden. Der Einzelhandel ist von dieser Entwicklung in besonderem Maße betroffen, da sich Kostenerhöhungen wegen der für den Handel typischen geringen Margen unmittelbar auf den Unternehmenserfolg auswirken. Trotz dieser weiter steigenden Belastungen zeigt das Ergebnis der EHI-Studie eine bemerkenswerte Entwicklung. Die Energiekosten sind im Einzelhandel im Jahr 2014 im Vergleich zu 2013 um 6,4 Prozent gesunken. Die Energiekosten pro Quadratmeter Verkaufsfläche im Food-Handel belaufen sich im Jahr 2014 auf durchschnittlich 58,97 Euro, während sie im Vorjahr noch bei 62,95 Euro lagen (s. Abbildung 29). 52

53 Energieeffizienz im Einzelhandel 54,35 55,45 56,25 62,95 58, Abbildung 29: Höhe der Energiekosten (Strom, Gas, Heizöl etc.) in Euro je m² VKF im Food-Handel. Quelle: (EHI, 2014) Im Non-Food-Handel liegen die Energiekosten im Jahr 2014 bei 33,94 Euro pro Quadratmeter Verkaufsfläche im Vergleich zu 36,25 Euro im Jahr 2013 (s. Abb. 30). 30,88 32,10 32,95 36,25 33, Abbildung 30: Höhe der Energiekosten (Strom, Gas, Heizöl etc.) in Euro je m² VKF im Non-Food-Handel. Quelle: (EHI, 2014) Der direkte Vergleich der Kostenhöhe in Food- und Non-Food-Handel verdeutlicht die unmittelbaren Auswirkungen der energieintensiveren Anlagentechnik auf die Energiekosten im Food-Handel. dena-studie Energieeffizienz im Einzelhandel 53

54 5 Energieeffizienz im Einzelhandel Die Tatsache, dass die Energiekosten von 2013 auf 2014 sowohl im Food- als auch im Non-Food-Handel gesunken sind, wird von 56 Prozent der befragten Händler bestätigt und das trotz der im Vergleich zu 2013 insgesamt gestiegenen Energiepreise. Als Gründe für diese Entwicklung gaben die Händler vor allem präventive Maßnahmen bei der Beleuchtung (insbesondere Umstellung auf LED-Technik), bei der Verglasung von Kühlmöbeln sowie beim Einsatz energieeffizienterer Kältetechnik an. Jedoch auch Projekte im Bereich der Lüftung mit Wärmerückgewinnung, der Einsatz von CO 2 -Kälteanlagen und der weitere Ausbau von Energiemanagementsystemen wurden als Gründe für eine Senkung des Energieverbrauchs und somit der Energiekosten genannt. Zusätzlich zu den präventiven Maßnahmen hat bei knapp 27 Prozent der Händler ein günstigerer Energieeinkauf zur Vermeidung eines weiteren Energiekostenanstiegs beigetragen. Als weitere Gründe für das Ausbleiben eines unternehmensweiten Energiekostenanstiegs gaben einige Händler z. B. gesunkene Verkaufsflächen, niedrigere Energiepreise und Eigenstromerzeugung an (s. Abb. 31). Präventive Maßnahmen 100 Günstiger Einkauf/ Anbieterwechsel 27 Sonstiges 20 Niedrige Energiekosten 13 Geringere Verkaufsfläche 13 Eigenstromerzeugung 7 Abbildung 31: Gründe für das Ausbleiben eines Anstiegs der Energiekosten im Jahr Anzahl der Antworten in Prozent, Mehrfachnennungen möglich. Quelle: (EHI, 2014) Die Befragten, die von einem Anstieg ihrer Energiekosten berichteten, führten dies insbesondere auf die hohen staatlichen Abgaben zurück, allen voran die EEG-Umlage. Trotz der Kostensenkung um 6,4 Prozent im Jahr 2014 ist bei den Ausgaben für Energie im Vergleich zu den Jahren 2010 bis 2013 insgesamt ein ansteigender Kostenverlauf zu erkennen. Zudem rechnet der überwiegende Teil der Händler in den kommenden 3 Jahren mit einem weiteren Anstieg der Energiepreise. 54

55 Energieeffizienz im Einzelhandel Die obigen Ausführungen zeigen, dass in einigen Handelsunternehmen Energieeffizienzpotenziale erfolgreich genutzt werden konnten, um den Energieverbrauch und somit die Energiekosten zu senken. Solange es im Einzelhandel noch nennenswerte Potenziale zur Energieeinsparung gibt, haben Händler die Möglichkeit, ihre Energiekosten über eine Senkung des Energieverbrauches zu beeinflussen. 5.2 Energieeffizienzmaßnahmen in den Handelsgebäuden Die nachfolgend aufgeführten Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz in den Verkaufsstellen haben genau wie die vorangegangenen Ausführungen einen starken Fokus auf die Betriebssicht der Händler, die die Gebäude zu einem überwiegenden Teil als Mieter nutzen. Derzeit ist davon auszugehen, dass die meisten Händler umfassende energetische Gebäudesanierungsmaßnahmen im Verantwortungsbereich des jeweiligen Gebäudeeigentümers ansiedeln und sich daher zunächst einmal mit ihrer eigenen Anlagentechnik befassen, in deren Optimierung sie noch immer große Energieeinsparpotenziale sehen. Die Studienteilnehmer wurden nach der Einsparwirkung bereits umgesetzter Energieeffizienzmaßnahmen gefragt. Dabei überwiegen die Bereiche Beleuchtung und Kältetechnik (im Lebensmitteleinzelhandel) im Hinblick auf den Umsetzungsgrad und die Einsparwirkung. Die durchschnittliche Energieverbrauchsreduzierung bzw. Energieeffizienzsteigerung innerhalb aller Maßnahmen der letzten 5 Jahre beträgt etwa 15 Prozent. Maßnahmen, die im Bereich Beleuchtung sowohl im Food- als auch im Non-Food-Handel bereits auf sehr breiter Basis umgesetzt wurden, betreffen die Anpassung der Beleuchtung an das jeweilige Bedarfsniveau, wie z. B. eine bedarfsorientierte Schaltung in Abhängigkeit davon, ob es sich um reguläre Öffnungszeiten oder um Zeiten der Reinigung, Warenanlieferung und -verräumung handelt. So ist es vielfach üblich, dass die Beleuchtung bei Arbeitsbeginn der Mitarbeiter zentral gesteuert nur zu einem Drittel angeschaltet und erst bei Ladenöffnung vollständig hochgefahren wird. Dazu gehört ebenso eine Zeit-, Helligkeits- und/oder bedarfsabhängig gesteuerte Außen-, Parkplatz- und Werbebeleuchtung. Über diese Bedarfsanpassungen hinaus, die in der Regel Teil einer Gesamtoptimierungsstrategie des Energieverbrauchs über die Gebäudeleittechnik sind, setzt sich in den letzten Jahren in vielen Bereichen eine Umstellung der Beleuchtung auf die LED-Technik durch. In der Kältetechnik gibt es im Lebensmitteleinzelhandel zahlreiche Maßnahmen zur Erhöhung der Energieeffizienz, die teilweise schon einen sehr hohen Umsetzungsgrad aufweisen. Das reicht von der Verglasung der Kühlmöbel über den Austausch veralteter steckerfertiger Kühlmöbel bis hin zum Einsatz energieeffizienterer kältetechnischer Anlagen. In der Tiefkühlung hat mittlerweile nahezu jeder Lebensmittelhändler (98 %) die Truhen und Kühlregale mit Glasabdeckungen versehen. Daher gibt es bei Betrachtung der gesamten Branche für derartige Maßnahmen kaum noch Potenzial für eine weitere Effizienzsteigerung. Im Bereich der Normalkühlung besteht jedoch weiterhin ein vergleichsweise großes Optimierungspotenzial. Bisher ist mit 45 Prozent erst weniger als die Hälfte der Normalkühlmöbel abgedeckt. Über die bloße Abdeckung der Kühlmöbel hinaus bestehen jedoch sowohl in der Tief- als auch in der Normalkühlung weiterhin große Potenziale zur Energieeffizienzsteigerung. dena-studie Energieeffizienz im Einzelhandel 55

56 5 Energieeffizienz im Einzelhandel Um die zukünftige Relevanz von Energieeffizienzmaßnahmen im Handel besser einschätzen zu können, wurden die Händler nach den aus ihrer Sicht wichtigsten 3 Energieeffizienzmaßnahmen sowie deren möglicher Einsparwirkung für die kommenden 3 Jahre befragt. Die offenen Antworten zu den Effizienztechnologien wurden in Kategorien eingeordnet und nach Anzahl der Nennungen in eine Prioritätsreihenfolge gebracht. Zu jeder Kategorie wurde aus den Antworten der Händler jeweils eine Bandbreite zur möglichen Einsparwirkung erstellt. Diese Bandbreite gibt lediglich die Einschätzung der befragten Händler und keine rechnerisch ermittelten Einsparpotenziale wieder. Im Food-Handel werden den Bereichen Beleuchtung und Kühlung die höchste Relevanz und das höchste Energiesparpotenzial beigemessen. Zwar macht die Kühlung im Food-Handel einen weitaus höheren Anteil am Energieverbrauch aus, doch wird die Beleuchtung häufiger als die Kühlung genannt (s. Tab. 12). Ein möglicher Grund ist, dass kältetechnische Maßnahmen i.d.r. höhere Investitionen erfordern bzw. längere Amortisationszeiträume aufweisen. Priorität Kategorie Bandbreite Einsparpotenzial 1 Beleuchtung 10 bis 50 % 2 Kühlung (LEH) 10 bis 50 % 3 Lüftung/Klima/Wärmerückgewinnung/Regeltechnik 5 bis 25 % 4 Energiecontrolling/-management 1 bis 10 % 5 Mitarbeitersensibilität 3 bis 5 % Tabelle 12: Priorisierung zukünftiger Energieeffizienzmaßnahmen im Food-Handel. Quelle: (EHI, 2014) Im Non-Food-Bereich hat die Beleuchtung ebenfalls die höchste Priorität. Von den hier befragten Händlern werden die in den kommenden 3 Jahren möglichen Einsparpotenziale jedoch nicht ganz so hoch eingeschätzt wie im Food-Handel (s. Tab. 13). Priorität Kategorie Bandbreite Einsparpotenzial 1 Beleuchtung 10 bis 30 % 2 Lüftung/Klima/Wärmerückgewinnung/Regeltechnik 5 bis 30 % 3 Energiecontrolling/-management 1 bis 15 % 4 Mitarbeitersensibilität 3 bis 10 % Tabelle 13: Priorisierung zukünftiger Energieeffizienzmaßnahmen im Non-Food-Handel. Quelle: (EHI, 2014) In der Kategorie Lüftung/Klima/Wärmerückgewinnung/Regeltechnik werden sowohl im Food- als auch im Non-Food-Handel große Potenziale gesehen. Vermehrt wird der Einsatz von Gas oder anderen Brennstoffen durch andere Formen der Wärmeerzeugung ersetzt, wie z. B. die Wärmerückgewinnung aus der Abluft von Klima- bzw. Lüftungsanlagen oder die Abwärme von Kälteanlagen. Vereinzelt nen- 56

57 Energieeffizienz im Einzelhandel nen Händler jedoch z. B. auch den Austausch von Brennwertkesseln als zukünftig wichtige Energieeffizienzmaßnahme. Ein Ausbau des Energiecontrollings sowie eine Erhöhung der Mitarbeitersensibilität für das Energiesparen werden ebenfalls von einigen Händlern als zukünftig relevante Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz angesehen. Sowohl im Food- als auch im Non-Food-Handel gab es in den letzten Jahren eine sehr hohe Investitionsbereitschaft in Energieeffizienzmaßnahmen. 56 Prozent der befragten Unternehmen haben in den letzten fünf Jahren immerhin bis zu 5 Millionen Euro in Energieprojekte und -technik investiert. Bei 36 Prozent der Unternehmen liegen die Investitionen der letzten 5 Jahre in der Größenordnung zwischen 5 und 25 Millionen Euro, und 8 Prozent haben sogar 25 bis 50 Millionen Euro investiert. Die Befragungsergebnisse zeigen, dass auch zukünftig umfangreiche Investitionen in Energieeffizienzmaßnahmen zu erwarten sind. Bereits mehr als 60 Prozent der befragten Energieverantwortlichen steht in ihrem Unternehmen ein festes Investitionsbudget zur Verfügung, das sich bei den hier befragten Händlern zwischen Euro und 10 Millionen Euro jährlich bewegt. Die hier erhobenen Daten geben einen Überblick darüber, wie viel die Handelsbranche im Vergleich zu anderen Branchen in Energieeffizienzmaßnahmen investiert hat. Sie zeigen die steigende Bedeutung von Energieeffizienz im Einzelhandel, z. B. durch die Einplanung fester Investitionsbudgets. Um das Investitionsverhalten im Hinblick auf mögliche staatliche Anreize und eventuelle Investitionshemmnisse zu untersuchen, empfiehlt sich eine eingehendere Analyse der Investitionstätigkeit im Handel, bei der die einzelne Verkaufsstelle als Investitionsobjekt zugrunde gelegt wird und die dabei auch zwischen Neubau und Bestandsgebäude differenziert. Darüber hinaus könnte in Abhängigkeit von der Qualität der von den Händlern zur Verfügung gestellten Daten auch zwischen Erhaltungs- und Instandsetzungsinvestitionen sowie tatsächlichen Investitionen in energieeffizientere Anlagen und ggf. Baumaterialien unterschieden werden. Passend zu den Energieverbrauchsschwerpunkten und den Einschätzungen bezüglich der größten Einsparpotenziale ist in den Bereichen Beleuchtung und Kältetechnik auch die Investitionsbereitschaft derzeit am höchsten. Im Bereich der Beleuchtung besteht bei mehr als 90 Prozent der Befragten über beide Branchen hinweg die höchste Investitionsbereitschaft. Der Bereich Kältetechnik stellt mit 45 Prozent den größten Energieverbraucher im Lebensmitteleinzelhandel dar. Daher planen knapp 88 Prozent der befragten Händler in Tiefkühlung und 75 Prozent in Normalkühlung zu investieren. Da sich alle erhobenen Daten ausschließlich auf die Verkaufsfläche beziehen, war eine konkrete Erfassung des Alters, der Eigentumsverhältnisse und der energetischen Situation der jeweiligen Gesamtgebäude bisher nicht Gegenstand der Befragung. Die Ergebnisse bestätigen jedoch, dass der Einzelhandel für das Thema Energieeffizienz bereits sensibilisiert ist. Die Befragten wissen, welche Energieeffizienzmaßnahmen auf den Verkaufsflächen der Verkaufsstellen bereits umgesetzt wurden, und zeigen, wie hoch die Motivation zur Umsetzung weiterer Energieeffizienzmaßnahmen ist. dena-studie Energieeffizienz im Einzelhandel 57

58 6 Fazit 6 Fazit Der Gebäudesektor ist eines der wichtigsten Handlungsfelder zur Steigerung der Energieeffizienz. Fast 40 Prozent des Endenergieverbrauchs in Deutschland entfallen auf die Beheizung, Warmwasserversorgung, Beleuchtung und Klimatisierung von Gebäuden. Die Bundesregierung hat mit ihrem Energiekonzept eine langfristige Strategie mit klima-und energiepolitischen Zielsetzungen und ambitionierten Energiesparvorgaben beschlossen. Demnach soll der Wärmebedarf in Gebäuden bis 2020 um 20 Prozent sinken, der Primärenergiebedarf bis 2050 sogar um 80 Prozent. Ziel ist ein nahezu klimaneutraler Gebäudebestand. Obwohl die rund drei Millionen Nichtwohngebäude (NWGs) in Deutschland nur etwa 15 Prozent des Gesamtbestands ausmachen, entfällt auf sie etwa ein Drittel des gebäudebezogenen Endenergieverbrauchs. Noch findet der NWG-Sektor in der Öffentlichkeit und auf politischer Ebene im Vergleich zu den Wohngebäuden zu wenig Beachtung. Die Erschließung der vorhandenen Effizienzpotenziale ist aber nicht nur wichtig, um die Ziele im Rahmen der Energiewende zu erreichen, sondern eröffnet auch neue Möglichkeiten zur Senkung der Energiekosten für Nutzer und Eigentümer der NWG. In ihrem im Dezember 2014 verabschiedeten Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) betont die Bundesregierung das Ziel, die bisher vernachlässigten Effizienzpotenziale in NWGs künftig stärker zu erschließen. Hierfür bedarf es neben der gezielten Information der Akteure eines weiteren Ausbaus verlässlicher ordnungsrechtlicher Rahmenbedingungen und geeigneter Marktanreize. Um gezielt handeln zu können, ist eine zuverlässige Datenbasis zum Status Quo erforderlich, etwa zur Zahl der NWGs, ihrer Alters-, Besitz- oder Nutzungsstrukturen oder ihres baulichen Zustands. Diese Studie leistet hierzu einen ersten Beitrag, indem sie die verfügbaren Fakten für den Einzelhandel als einem der bedeutendsten Verbrauchssektoren im Bereich der gewerblich genutzten NWGs zusammenführt und auswertet. Sie liefert zudem Anknüpfungspunkte für weiterführende Analysen und ermöglicht die Ableitung geeigneter strategischer Maßnahmen, um die Energieeffizienz im Handel weiter zu steigern, insbesondere mit Blick auf den Wärmesektor. Die Studie zeigt, dass die Akteure im Bereich Einzelhandel das Thema Energieeffizienz bereits als relevant erkannt haben. Es ist davon auszugehen, dass die Bedeutung dieses Themas und das Bewusstsein dafür in Zukunft weiter wachsen werden. Zunehmender Wettbewerb und steigender Kostendruck innerhalb des Handels führen dazu, dass brachliegende Einsparpotenziale identifiziert und nutzbar gemacht werden. 6.1 Handelsgebäude Auf Basis von 124 Einzelhandelsgutachten sowie Statistiken von Bund und Ländern konnte die Anzahl der Verkaufsstellen in Deutschland ermittelt werden. Die Auswertung des vollständigen Gebäudebestandes von 15 deutschen Städten ergab gewichtet eine durchschnittliche Anzahl von 1,31 Verkaufsstellen pro Gebäude, wobei sich deutliche Unterschiede zwischen Nichtwohngebäuden (Durchschnitt: 1,7 Verkaufsstellen pro Gebäude) und mischgenutzten Gebäuden (Durchschnitt: 1,2 Verkaufsstellen pro Gebäude) abzeichneten. Anhand dieser Werte konnte der Bestand an Handelsgebäuden hochgerechnet und auf bis Gebäude beziffert werden. 58

59 Fazit Die vorangegangenen Kapitel belegen, dass die unterschiedlichen Nutzungsarten der Gebäude mit unterschiedlichen Alters- und Eigentümerstrukturen einhergehen. Altersstruktur der Handelsgebäude Die Analyse der Altersstruktur der Handelsgebäude zeigt, dass Nichtwohngebäude deutlich jünger sind als mischgenutzte Gebäude. Während ca. 62 Prozent der reinen Nichtwohngebäude vor Inkrafttreten der 1. Wärmeschutzverordnung erbaut wurden, beträgt der Anteil der mischgenutzten Gebäude in dieser Kategorie 85 Prozent. Eigentumsstrukturen Die vorherrschenden Eigentümerstrukturen der untersuchten Handelsgebäude sind weitgehend unbekannt. Ob ein Gebäude durch den Eigentümer selbst oder durch Mieter genutzt wird, kann derzeit nur für 9 Prozent der Nichtwohngebäude und für knapp 24 Prozent der mischgenutzten Gebäude ermittelt werden. Mit einem Anteil von fast 20 Prozent kommen dabei reine Mietimmobilien bei mischgenutzten Gebäuden mehr als doppelt so häufig vor wie in Nichtwohngebäuden (8,7 %). Von den Eigentümern selbst genutzte Immobilien sind bei Nichtwohngebäuden so gut wie gar nicht vorhanden und bei mischgenutzten Handelsgebäuden sehr selten. Der hohe Mietanteil bei den vom Einzelhandel genutzten Gebäuden spiegelt sich in den bisherigen Effizienzmaßnahmen bzw. Energiemanagementstrategien des Handels wider, die weniger auf das Gebäude, dessen äußere Hülle und die Wärmetechnik abzielen, sondern schwerpunktmäßig auf die strombetriebene Anlagentechnik fokussieren. Die hohe Unsicherheit in Bezug auf die tatsächlichen Eigentumsverhältnisse erschwert derzeit die Identifikation geeigneter Steuerungs- und Anreizsysteme für ein effizientes Energiemanagement, da noch nicht ausreichend geklärt ist, welche Stakeholder-Gruppen im Einzelnen angesprochen werden müssen. Es ist daher geboten, weitere Daten zu erheben und in einer Befragung der Einzelhändler für mehr Klarheit in Bezug auf die Eigentümersituation zu sorgen. So können passgenaue Maßnahmenpakete und Anreize für unterschiedliche Eigentümer- und Nutzergruppen wie den Einzelhandel als Mieter, Privatpersonen als Gebäudeeigner und Vermieter oder kommerzielle Anbieter, z. B. Investmentfonds als Gebäudeeigner und Vermieter, geschaffen werden. 6.2 Energieeffizienz im Einzelhandel Die heterogene Struktur des deutschen Einzelhandels hat eine große Bandbreite im Umgang mit dem Thema Energieeffizienz zur Folge. Die Betriebs- und Instandhaltungsstrategien reichen von eigenen Stabsstellen bis zum Nichtvorhandensein von Energiezielen. So spielen nicht nur der Zustand des Gebäudes, das Gebäudealter sowie die Eigentümerstruktur eine Rolle, sondern auch viele weitere Faktoren. Wie in Kapitel beschrieben, ist es daher sinnvoll, die Einzelhandelsbetriebe auf Basis ihrer umsatzstärksten Vertriebslinien in drei Gruppen zu unterteilen: die TOP 250: der umsatzstarke (mindestens 100 Mio. Euro Jahresumsatz) filialisierte Einzelhandel, der gleichzeitig über eine hohe Anzahl von Verkaufsstellen pro Unternehmen verfügt, dena-studie Energieeffizienz im Einzelhandel 59

60 6 Fazit die NEXT 650: der Einzelhandel, der über mehrere Verkaufsstellen verfügt und mehr als 10 Mio. Euro Jahresumsatz erzielt, die ÜBRIGEN: der selbstständige, nicht filialisierte Einzelhandel, der in der Regel über eine Verkaufsstelle pro Handelsunternehmen verfügt. Die TOP 250 stehen dabei für 49 Prozent der Fläche (vgl. Abb. 32). Die nach Umsatz folgenden NEXT 650 Vertriebslinien haben hingegen nur 7 Prozent der Verkaufsfläche, während die ÜBRIGEN für 44 Prozent der Verkaufsfläche stehen. 100 % 80 % % TOP 250 NEXT % ÜBRIGE 20 % 44 0 % Anteil der Verkaufsstellen Anteil der Verkaufsfläche Anteil der Gebäude Abbildung 32: Zuordnung von Verkaufsstellen, Gebäuden und Verkaufsfläche zu den Gruppen TOP 250, NEXT 650 und ÜBRIGE in Prozent. Quelle: (EHI, 2015: Darstellung basierend auf EHI/Statista, 2014a) Die vergleichende Untersuchung der drei Gruppen TOP 250, NEXT 650 und ÜBRIGE verdeutlicht, dass die NEXT 650 einen relativ kleinen Anteil am Gesamtmarkt abdecken (etwa 7 % der Gesamtfläche und 3 % Anteil an den Gebäuden), während die Gruppe ÜBRIGE die meisten Verkaufsstellen (ca. 80 %) und Gebäude (86 %) stellt, jedoch nur 44 Prozent der Verkaufsfläche. 6.3 Clusterung Die vorliegende Studie bildet die Basis zu weiteren Analysen der energetischen Situation der Handelsgebäude. Mit Blick auf das Energiemanagement oder den Einsatz von Maßnahmen zur Energieeffi- 60

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