Innateness and Domain Specificity. Muhammad Ali Khalidi (2000)

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1 Innateness and Domain Specificity Muhammad Ali Khalidi (2000)

2 Kernproblem There is a widespread assumption in the cognitive sciences that there is an intrinsic link between the phenomena of innateness and domain specificity. By an intrinsic link, I mean one that follows directly from the properties of the phenomena involved, or follows from them when supplemented with a few uncontroversial assumptions, say concerning the capacities of the human mind, its adaptive character, or the nature of belief fixation. [...] My aim in this paper is to argue that there are no such convincing grounds for asserting either of these claims and that no good evidence has been presented for them. 1/32

3 Überblick 1. Einführung 2. Angeborensein und Domänenspezifität 3. Einfachere Argumente 4. Anspruchsvollere Argumente 5. Eine alternative Sichtweise 2/32

4 Einführung Hinweise in der Literatur Although all domains may not be innate, these combined chapters strongly argue that some, perhaps much, of domain knowledge must be. (Hirschfeld & Gelman, 1994) [DS -> A] Similarly, Barbara Landau indicates that there are three empirical hallmarks of the innate cognitive endowment, one of which is the domain-specific nature of this competence... (1998, p. 576). [A -> DS] The human psychological architecture contains many evolved [hence innate] mechanisms that are specialized for solving evolutionary long-enduring adaptive problems and [...] these mechanisms have content-specialized representational formats, procedures, cues, and so on. (Tooby & Cosmides, 1992) [A/DS] While modules are innate, not all innate structures are modular. (Gopnik & Meltzoff, 1997) [M -> A] 3/32

5 Einführung Modularität Domänenspezifität und Modularität sind nicht identisch Domänenspezifität ist Kerneigenschaft von Modulen: alle Module sind domänenspezifisch, aber nicht alle domänenspezifischen Fertigkeiten sind modular organisiert Argumente, die aus Domänenspezifität Angeborensein begründen, beziehen sich somit auch auf Modularität 4/32

6 Angeborensein und Domänenspezifität Angeborensein Unangemessene Charakterisierungen: angeborene mentale Zustände existieren von Geburt an angeborene mentale Zustände sind aus Genen ablesbar angeborene mentale Zustände sind interne Zustände 5/32

7 Angeborensein und Domänenspezifität Angeborensein Das poverty-of-stimulus Argument: mentale Zustände sind in soweit angeboren, wie sie durch unterbestimmte Reize getriggert werden; das Ausmaß der Unterbestimmtheit gibt den Grad der Angeborenheit an Grundlage: mentale Zustände besitzen drei Quellen direkte Instruktion (aktueller Reiz) individuelle Lerngeschichte (vorherige Reize) angeborenes Wissen Problem: Messung des Informationsgehaltes von Reizen und Reaktion 6/32

8 Angeborensein und Domänenspezifität Domänen... To say that a cognitive capacity or set of beliefs or collection of ideas is domain-specific is to say that it is dedicated to solving a restricted class of problems relating to a certain field of inquiry or range of phenomena. Sprache soziale Beziehungen intuitive Biologie Empathie (theory of mind) Werkzeuge Musik... 7/32

9 Angeborensein und Domänenspezifität...spezifität... ist weniger eine Eigenschaft von einzelnen als von Clustern von Zuständen, Konzepten, Überzeugungen oder Fertigkeiten... muss darüber hinaus eine gewisse psychologische Realität aufweisen; die entsprechenden Konzepte müssen eine funktionale Einheit bilden, eine gewisse Kohärenz aufweisen... impliziert eine gewisse Abgeschlossenheit einer Domäne gegenüber einer anderen, domänenspezifische Fertigkeiten können nicht einfach auf andere Domänen generalisiert werden 8/32

10 Angeborensein und Domänenspezifität Abgrenzung Module... (Fodor, 1983) 1. sind domänenspezifisch 2. verarbeiten Informationen automatisch und zwingend 3. sind nicht bewusst zugänglich 4. arbeiten schnell 5. sind kognitiv undurchdringlich 6. verarbeiten flache oder hochgradig saliente Informationen 7. haben eine feste neuronale Architektur 8. weisen spezifische Ausfallerscheinungen auf 9. entwickeln sich nach einer festen Ontogenese 9/32

11 Einfachere Argumente A. Constraints Argument: eine angeborene kognitive Ausstattung schränkt die kognitiven Kompetenzen auf verschiedene Weise ein diese Einschränkungen richten die Kompetenzen auf gewisse klar abgegrenzte Domänen aus denn diese Einschränkungen wären sinnlos, wenn sie unsere Kompetenzen nicht so festlegten, dass sie sich mit bestimmten Problemen befassen und nicht mit anderen angeborene Constraints -> Domänenspezifität 10/32

12 Einfachere Argumente A. Constraints Gegenargumente: kognitive Kompetenzen könnten über Domänen hinweg eingeschränkt sein: bspw. Dispositionen für bestimmte Arten des logischen Schlussfolgerns kognitive Kompetenzen könnten auch innerhalb einer Domäne eingeschränkt sein, die nicht (oder nicht vollständig) angeboren ist: bspw. Schach 11/32

13 Einfachere Argumente B. Konzeptlernen Argument: Konzepte (sowie Überzeugungen, Fertigkeiten etc.) werden holistisch, d.h. in Clustern gelernt diese Cluster entsprechen Domänen die dem Lernprozess zugrunde liegenden Konzeptstrukturen sind angeboren angeborenen Konzeptstrukturen -> Domänen sind zu einem Teil angeboren 12/32

14 Einfachere Argumente B. Konzeptlernen Gegenargumente: Konzeptcluster, die gemeinsam gelernt werden, könnten auch domänenübergreifend sein solche Konzeptcluster müssen keine funktionale Einheit bilden oder einen Mangel an Generalisierbarkeit aufweisen 13/32

15 Einfachere Argumente C. Subdoxastische Zustände Charakterisierung: (Stich, 1978) sie sind angeboren sie spielen eine Rolle in der Entstehung bewusster Überzeugungen ( proximate causal history of beliefs ) sie sind selbst nicht bewusst sie sind inferentiell nicht integriert, d.h. unterliegen ihrerseits nicht dem Einfluss bewusster Überzeugungen Beispiel: grammatische Intuitionen 14/32

16 Einfachere Argumente C. Subdoxastische Zustände Argument: angeborene mentale Zustände werden durch Umgebungsreize getriggert, sie werden nicht durch andere mentale Zustände verursacht (vgl. subdoxast. Zustände) sie sind folglich inferentiell nicht integriert sie weisen daher einen Mangel an Generalisierbarkeit auf Angeborensein -> Domänenspezifität 15/32

17 Einfachere Argumente C. Subdoxastische Zustände Gegenargumente: (Fodor, 1983) es gibt angeborene mentale Zustände, die inferentiell durchaus integriert sind: bspw. unsere subdoxastische Verwendung des modus ponens Prämisse 1: A -> B Prämisse 2: A Schluss: B modus tollens: Prämissen 1+2: A -> B, B; Schluss: A 16/32

18 Anspruchsvollere Argumente D. Sparsamkeit Argument: (Cowie, 1999) poverty-of-stimulus : Lücke zwischen Informationsgehalt von Reizen und unserem resultierenden Wissen ein extrem mächtiger allgemeiner Induktionsmechanismus ist nicht die sparsamste Variante (wenn überhaupt möglich) die Ressourcen des Organismus so weit wie nötig zu erhöhen, führt automatisch zu domänenspezifischer Informationsverarbeitung Angeborensein -> Domänenspezifität 17/32

19 Anspruchsvollere Argumente D. Sparsamkeit Gegenargumente: angeborene Dispositionen, bestimmte Konzepte zu erwerben (z.b. Gott ), implizieren nicht zwangsläufig eine entsprechende Domäne (Religion/religiöse Konzepte) keine der aufgrund von unterbestimmten Reizen erworbenen Konzepte müssen in Domänen organisiert sein 18/32

20 Anspruchsvollere Argumente E. Plausibilität Argument: (Botterill & Carruthers, 1999) eine bis ins Detail identische modulare Organisation existiert bei mehreren Exemplaren einer Spezies es ist unplausibel, dass diese bei individuellen Lerngeschichten aufgrund eines allgemeinen Lernmechanismus entsteht daher ist modulare Organisation als angeboren anzunehmen Modularität -> Angeborensein 19/32

21 Anspruchsvollere Argumente E. Plausibilität Gegenargumente: identische (modulare) Organisation in einigen Organismen kann Resultat gemeinsamer Lerngeschichte sein: bspw. Schach nur unter der Annahme einer speziesspezifischen Universalität hat das Argument Gültigkeit 20/32

22 Anspruchsvollere Argumente F. Adaptivität Argument: (Botterill & Carruthers, 1999) es ist adaptiv, Kognition modular zu organisieren diese Adaptation muss genetisch vererbt werden es ist also vorteilhaft, wenn angeborene kognitive Fertigkeiten modular organisiert sind Angeborensein -> Modularität 21/32

23 Anspruchsvollere Argumente F. Adaptivität Gegenargumente: die beste Organisationsweise für alle kognitive Fertigkeiten muss Modularität sein (dies ist nicht der Fall, da wir ansonsten nur Modularität finden sollten) nicht alles, was adaptiv ist, ist im Organismus realisiert (genau so wenig gilt das Gegenteil) 22/32

24 Eine alternative Sichtweise Informationsgehalt Messung des Informationsgehalts von Input und Output ist hochgradig problematisch indirekte Erfassung ist jedoch u.u. möglich: teilweise ist ein Vergleich des Informationsgehalts von Input und Output möglich zusätzlich können verschiedene mentale Fertigkeiten in Hinblick auf ihren angeborenen Anteil verglichen werden 23/32

25 Eine alternative Sichtweise Erkennbarkeit I would diagnose it as follows: for a given specific domain, it is easier to rule out explicit instruction or extensive experience, and consequently, easier to say that there is a decisive contribution from the mind. What forges a connection between domain specificity and innateness is the fact that with domainspecific beliefs, it is easier to determine whether or not they are innate. [ ] This is why domain specificity is sometimes taken as a sign of innateness: explicit teaching is easier to gauge [determine] in these cases 24/32

26 Eine alternative Sichtweise Erkennbarkeit This conjecture can be supported by reflecting on the difficulties [ ] to ascertain whether certain domain-general abilities are innate, for example creativity, inductive inference, abduction, and the like. Given that exposure to an instruction in such tasks is likely to come from various different quarters in a plethora of different guises, it will be relatively difficult to determine the degree of innateness, if any, of such capacities. 25/32

27 Eine alternative Sichtweise Fallunterscheidung Zwei Fälle für domänenspezifische Fähigkeiten: a) Domänen, für welche ein konstanter Strom von Informationen aus der Umwelt besteht b) Domänen, in welchen die Umweltbeiträge in diskreten Informationspaketen eintreffen und aus spezifischen Quellen stammen 26/32

28 Eine alternative Sichtweise a) Konstanter Strom Intuitive Physik bei Kindern: (Spelke, 1991) Kinder sind den grundlegenden Aspekten der Physik permanent ausgesetzt es zeigen sich jedoch Unterschiede im Entwicklungsalter verschiedener physikalischer Konzepte: Kontinuität und Festigkeit von Objekte: 2½ Monate Gravitation und Trägheit: 6 Monate der Umwelteinfluss kürzt sich raus, es bleiben die angeborenen Unterschiede 27/32

29 Eine alternative Sichtweise b) Diskrete Pakete Sprachentwicklung bei Gehörlosen: gehörlose Kinder entwickeln syntaktisch konsistente Zeichensprachen, ohne zuvor einer ebenso elaborierten ausgesetzt gewesen zu sein (z.b. über die Eltern) in diesen Fällen können auch andere Spracheinflüsse relativ leicht ausgeschlossen werden somit ist ein substantieller Anteil des Sprachverständnisses als angeboren zu betrachten 28/32

30 Eine alternative Sichtweise Schlussfolgerung In the absence of a precise and direct way of measuring the relative informational content in the trigger (input) and the cognitive competence (output), we must rely on indirect and comparative measures. This is more readily done for welldefined domain-specific abilities (e.g. language) than it is for generalized cognitive capacities (e.g. abduction), since we can more easily gauge the amount of explicit learning or relevant experience in the former case than the latter. It is also more feasible within specific domains (within the physical domain), where the extent of environmental contribution cancels out, enabling us to make a comparative estimate of the degree of innateness. 29/32

31 Eine alternative Sichtweise Fazit However, that does not mean that what is innate is always specific to certain domains or that domain-specific capacities are always innate, just that it is easier to determine the degree of innateness when it comes to domain-specific capacities. Bearing in mind, that the poverty of the stimulus is the dominant argument for innateness, we can say that the reason the innateness thesis is often closely associated with that of domain specificity is that there is an evidential or epistemic connection between them. 30/32

32 Danke

33 Diskussion 1. Wie zufrieden seid ihr mit dem Ergebnis? 2. Welches Argument findet ihr am Überzeugendsten? 3. Ist denn nun überhaupt irgendetwas sicher? 4. Und wenn ja, was ist mit dem Rest? A. Constraints B. Konzeptlernen C. Subdoxastische Zustände D. Sparsamkeit E. Plausibilität F. Adaptivität G. Erkennbarkeit 32/32

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