Potentiale von selbstständigen Migrantinnen und. Migranten in Deutschland: Ein Überblick. Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut (HWWI)

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1 Potentiale von selbstständigen Migrantinnen und Migranten in Deutschland: Ein Überblick Ann-Julia Schaland Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) Forschungstag 2012 Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 29. Februar 2012 Nürnberg

2 Struktur des Diskussionsbeitrags 1. Einführung: Zahlen und Fakten über selbstständige Migranten in Deutschland 2. Welche Ressourcen bringen Migranten für die Selbstständigkeit mit? 3. Welche ökonomischen, sozialen und stadträumlichen Effekte gehen von selbstständiger Migranten aus? 4. Ausblick: Wie könnte das Potential von Migranten besser in Wert gesetzt werden? Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) Seite 2

3 Entwicklung der Anzahl selbstständiger Migranten Ausländer Deutsche mit Migrationshintergrund Quelle: Zahlen von 1976 bis 2000 (vgl. Özcan 2004, 138); Zahlen für das Jahr 2005, 2009, 2010 (vgl. Statistisches Bundesamt, Bevölkerung und Erwerbstätigkeit, Ergebnisse des Mikrozensus 2005, 2009, 2010 Fachserie 1 Reihe 2.2 ) eigene Darstellung Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) Seite 3

4 Zur Herkunft/zum Migrationshintergrund der Selbstständigen Migrationshintergrund Absolute Anzahl Anteil an allen selbstständigen Migranten % Türkei Polen Ex-Jugoslawien Italien Griechenland Russische Förderation Rumänien kein Migrationshintergrund Mit Migrationshintergrund Europa EU Naher und Mittlerer Osten Süd-/Südostasien Nordamerika Südamerika Afrika % der selbstständigen Ausländer hat eine Staatsangehörigkeit aus einem ehemaligen Anwerbeland (2004: 46%) Zuwanderungsgeschichte der Gastarbeiteranwerbephase verliert an Bedeutung bei der Zusammensetzung Migrantenökonomie seit der EU-Osterweiterung starke Zuwächse von selbstständigen Migranten aus osteuropäischen Ländern (Polen, Rumänien, Bulgarien) Ca. die Hälfte der Ausländer (47%) haben keine Staatsangehörigkeit aus einem EU-Land Quelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus Quelle: Mikrozensus 2010,Statistisches Bundesamt, Fachserie 1 Reihe 2.2 eigene Berechnung und Darstellung Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) Seite 4

5 Zur Branchenverteilung Migranten gründen häufiger als Personen ohne Migrationshintergrund: Handel und Verkehr (25% vs 21%) Gastgewerbe (15% vs 4%) Nichtwissensintensiver DL (20% vs 18%) 60% gründen in diesen Branchen Migranten gründen seltener als Personen ohne Migrationshintergrund Land- und Forstwirtschaft, Fischerei (1% vs 6%) Verarbeitendes Gewerbe (5% vs 8%) Wissensintensiven DL (23% vs 31% Tendenz steigend 2003: 15%; 2008: 17%) Migranten gründen genauso häufig im Baugewerbe (11%) Quelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus 2009 Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) Seite 5

6 Zu den Selbstständigenquoten Migrationshintergrund absolut Selbstständigenquote Türkei Polen Ex-Jugoslawien Italien Griechenland Russische Förderation Rumänien kein Migrationshintergrund Mit Migrationshintergrund Europa EU Naher und Mittlerer Osten Süd-/Südostasien Nordamerika Südamerika Afrika % Ausländer haben eine höhere Selbstständigenquote als Deutsche mit und ohne Migrationshintergrund (12,5% vs 10% und 11%, Mikrozensus 2010) extrem hohe Quoten haben polnische, bulgarische und rumänische Staatsbürger (über 25%) Hochqualifizierte Migranten machen sich häufiger selbstständig als hochqualifizierte Deutsche ohne Migrationshintergrund (19% vs 17%, Mikrozensus 2008) Quelle: Mikrozensus 2010,Statistisches Bundesamt, Fachserie 1 Reihe 2.2 eigene Berechnung und Darstellung Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) Seite 6

7 Erklärungsfaktoren: Ressourcen und Opportunitäten Quelle: Pütz, Robert (2000) Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) Seite 7

8 Zu den migrationsinduzierten Ressourcen Mehrsprachigkeit, flexibler Umgang mit kulturellen Codes (Pütz 2004, Pécoud 2005) Hochqualifizierte in kultursensiblen Branchen (Gesundheitswesen, Rechtsberatung) bewerten diese Kompetenzen als Vorteil für ihre Selbstständigkeit (Schaland 2010) Transnationale heterogene Netzwerke Zugang zu Wissen und Vermittlung von Geschäftspartnern im Herkunfts und Zielland (Audretsch/Dohse/Niebuhr 2009): In Regionen, in denen ein hoher Anteil von Migranten lebt, werden mehr innovative Unternehmen gegründet Annahme: ein unterschiedlicher Blickwinkel auf neu gewonnenes Wissen fördert die Umsetzung von Ideen in Unternehmensgründungen Sozialpsychologische Forschung: Migrationserfahrung fördert Kreativität (Maddux 2009) Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) Seite 8

9 Ökonomische, soziale und stadträumliche Effekte Migranten beschäftigen 5% aller Erwerbstätigen in Deutschland (2-2,5 Mio.; Beauftrage der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge, Integration 2010) Niedriger Beschäftigungseffekt (2/3 gründen Kleinbetriebe 4 Angestellte) Integrative Wirkung: Migranten stellen häufiger Personen mit Migrationshintergrund ein Besondere Bedeutung für die Stadt (70% der Migrantenunternehmer sind hier lokalisiert) Sicherung der Nahversorgung in benachteiligten Quartieren (Tante Emma zu Onkel Ali; Schuleri-Hartje et al. 2005) Verhinderung von Leerstand; Aufwertung von Stadtteilen durch die Diversität der angebotenen Waren und Dienstleistungen als Erlebnisräume Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) Seite 9

10 Die Bedeutung von selbstständigen Migranten für die Stadt Selbstständige Migranten Migranten Städte absolut Selbstständigenquote Anteil an allen Selbstständigen Bevölkerungsanteil % % % Berlin Hamburg München Köln Frankfurt am Main Stuttgart Dortmund Düsseldorf Bremen Hannover Nürnberg Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder Bevölkerung nach Migrationsstatus regional. Ergebnisse des Mikrozensus 2008, , eigene Berechnungen Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) Seite 10

11 Vorschläge zur bessern Nutzung der Potentiale von Migranten Angepasste Finanzierungsmöglichkeiten für angehende Gründer (z.b. Ausbau von Mikrokreditangeboten, vgl. Jung et al. 2011) Anerkennung im Ausland erworbener Qualifikationen ( hard skills ) Anerkennung von soft skills (Mehrsprachigkeit, Kultursensibilität) als Ressource Interkulturelle Öffnung der Mehrheitsgesellschaft entscheidet über die Inwertsetzung der Potentiale von Migranten (Beispiel Hamburg Ottensen vs Hamburg Wilhelmsburg, vgl. Schuleri-Hartje 2005) Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) Seite 11

12 VIELEN DANK FÜR IHRE AUFMERSAMKEIT! Schaland, A. (2012): Selbstständige Migrantinnen und Migranten in deutschen Städten, in: Kraas, F. /Bork, T. (Hrsg.), Urbanisierung und Migration, Migrantenökonomien und Migrationspolitik in Städten. Baden-Baden Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) Seite 12

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