Nachhaltiger Konsum Politik machen mit dem Einkaufskorb. Fairer Handel. von Norbert Pfütze (F.A.I.R.E. Warenhandels eg)

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1 Fairer Handel von Norbert Pfütze (F.A.I.R.E. Warenhandels eg) 1

2 Themen: Definition Fairer Handel (FINE-Grundsatzpapier) Geschichte in Etappen und Entwicklungsstufen Heutige Strukturen (FLO, IFAT, NEWS, EFTA = FINE) und deren Kriterien Beispiel für Fairen Handel anhand der Kaffeekooperative Soppexcca in Nicaragua Aktuelle Diskussionen 2

3 Definition Fairer Handel Fairer Handel ist... "... eine Handelspartnerschaft, die auf Dialog, Transparenz und Respekt beruht und nach mehr Gerechtigkeit im internationalen Handel strebt. Durch bessere Handelsbedingungen und die Sicherung sozialer Rechte für benachteiligte ProduzentInnen und ArbeiterInnen insbesondere in den Ländern des Südens leistet der Faire Handel einen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung. Fair Handels-Organisationen engagieren sich - gemeinsam mit VerbraucherInnen - für die Unterstützung der ProduzentInnen, die Bewusstseinsbildung sowie die Kampagnenarbeit zur Veränderung der Regeln und der Praxis des konventionellen Welthandels. 3

4 Geschichte des Fairen Handels 4

5 Auswirkungen des Kolonialismus - Raubbau an den natürlichen Ressourcen der Kolonien - Intensive Nutzung der Flächen und Arbeitskräfte für Versorgung der Kolonialmächte insbesondere mit Zuckerrohr, Kaffee, Tee, Kakao - Eigene Entwicklungsmöglichkeiten der Völker massiv behindert - Die Abhängigkeit insbesondere wirtschaftlicher Art, die zwischen Kolonie und Kolonialmacht bestand, ist auch heute noch vorhanden. 5

6 Entwicklungspolitik - Nach dem 2. Weltkrieg wurden viele Kolonialgebiete eigenständig - Viele entstehende Entwicklungsländer wurden aufgrund von außenpolitischen Zielen der Großmächte im Kalten Krieg wirtschaftlich gefördert - zu Beginn der 60er Jahre forcierten die USA die Entwicklungspolitik als Instrument der Sicherheitspolitik - Konzept Entwicklung durch Wachstum 6

7 1969 Pearson-Bericht - Lester Bowles Pearson leitete die Kommission für Internationale Entwicklung der Weltbank und veröffentliche im gleichen Jahr den sog. "Pearson-Bericht". Der von Wirtschaftsexperten mitverfasste Bericht bilanzierte die Resultate von 20 Jahren Entwicklungspolitik und folgerte aus ihnen Empfehlungen für die zweite Entwicklungsdekade, die Pearson 1970 beim 2. Weltkongress für Ernährung in Den Haag vorlegte. - Darin wurde zum ersten Mal Kritik an der in der Entwicklungspolitik vorherrschenden Modernisierungstheorie (Entwicklung durch Wachstum) geübt. Als Hauptkritik wurde angeführt, dass wirtschaftliches Wachstum nicht automatisch zu einer Entwicklung des jeweiligen Landes führen würde. 7

8 Kirchliche Bewegung von unten In Deutschland entstand die Fair Handels-Bewegung dezentral, von unten und aus Protestaktionen gegen wachsende Ungerechtigkeit im Welthandel. Es waren vor allem die konfessionellen Jugendverbände aej und BDKJ, die 1970 als politisches Signal in 70 Städten der Bundesrepublik Hungermärsche initiierten und dafür Teilnehmer mobilisierten. Aus Kritik an der offiziellen Entwicklungspolitik entstand daraus die Bewegung Aktion Dritte Welt Handel mit dem Motto Lernen durch Handel. 8

9 Strukturen entstehen wurde der Weltladen-Dachverband damals von sieben Weltläden unter dem Namen Arbeitsgemeinschaft 3. Welt Läden (AG3WL) - als Interessenvertretung der Weltläden und Aktionsgruppen in Deutschland gegründet. Raubbau an den natürlichen Ressourcen der Kolonien - Gründung von Fair Handels-Importorganisationen: 1972 El Puente; 1975 gepa Weltläden in den östlichen Bundesländern wurde die Siegelorganisation TransFair gegründet Forum Fairer Handel 9

10 Akteure im Fairen Handel Weltläden - In den rund 800 Weltläden in Deutschland gibt es ein breit gefächertes Sortiment fair gehandelter Waren. - Darüber hinaus leisten Weltläden und eine große Zahl von Aktionsgruppen Informations-, Bildungs- und Kampagnenarbeit zum Fairen Handel. - Weltläden bieten seit ihren Anfängen ein breites Bild und haben unterschiedliche Schwerpunkte - Fachgeschäfte/ Bildungsläden / Soliläden 10

11 Kriterien Weltläden - Die Konvention der Weltläden umfasst sieben Kriterien: Sozial- und Umweltverträglichkeit Transparenz demokratische Organisationsform Kontinuität not-for-profit-charakter Information und Bildungsarbeit Regeln für Ergänzungsprodukte 11

12 Weltladendachverband Zur Zeit sind ca. 480 Weltläden Mitglied im Weltladendachverband. Kampagnenarbeit und Lobbyvertretung Monitorung-System für Weltläden ATO-TÜV: Darstellung und Bewertung von Importeuren 12

13 Network of European Worldshops NEWS! ist das Netzwerk der europäischen Weltläden. Es vertritt ca Weltläden und rund Menschen, die zum großen Teil ehrenamtlich in den Weltläden arbeiten. NEWS! wurde 1994 mit dem Ziel gegründet, europaweite Kampagnen zu initiieren und öffentliches Bewußtsein für den Fairen Handel zu schaffen. 15 nationale Dachverbände aus 13 Ländern arbeiten in dieser Dachorganisation zusammen. 13

14 Akteure im Fairen Handel Importeure - Fair Handels-Importeure (im englischen auch als Alternative Trade Organisations bezeichnet, kurz ATOs) sind Unternehmen, die ausschließlich im Fairen Handel aktiv sind. - Bekannte Fair Handels-Organisationen in Deutschland sind z. B.: 14

15 The International Fair Trade Association - Die IFAT ist ein weltweiter Zusammenschluss von über 270 Fair Handels-Organisationen. Mitglieder sind: Produzentengruppen oder Händler aus dem Süden, Händler aus dem Norden und Hilfsorganisationen, deren Hauptaktivität mit dem Fairen Handel zu tun hat. - Ziele von IFAT sind die Verbesserung von Marktchancen für benachteiligte Produzenten, die politische Einflussnahme im Welthandel und die Sicherstellung der Glaubwürdigkeitvon Fair-Handels- Organisationen. 15

16 Kriterien IFAT - Standards für Fair Handels-Organisationen 1. Eine Chance für wirtschaftlich benachteiligte Produzentinnen und Produzenten 2. Transparenz und Verantwortlichkeit 3. Förderung der Fähigkeiten (capacity building) 4. Für den Fairen Handel werben 5. Einen fairen Preis zahlen 6. Geschlechtergerechtigkeit (gender) 7. Arbeitsbedingungen 8. Keine ausbeuterische Kinderarbeit 9. Die Umwelt 16

17 The European Fair Trade Association - Die EFTA ist ein Zusammenschluss von 11 großen europäischen Fair Handels-Organisationen. - Hauptziel der EFTA ist die Harmonisierung und Koordination von Fair Handels-Aktivitäten, um den Fairen Handel effizienter zu machen. 17

18 Akteure im Fairen Handel Transfair e.v. & FLO - FLO ist der internationale Zusammenschluss von nationalen Siegelinitiativen, darunter dem TransFair e.v. in Deutschland. - FLO ist der weltweit größte Dienstleister für Sozialzertifizierung und garantiert, dass Produkte mit dem Fairtrade-Siegel überall auf der Welt festgelegten Fair- Handels-Kriterien und -Standards entsprechen. 18

19 FLO & FLO Cert GmbH - In FLO sind weltweit 20 nationale Siegelinitiativen aus 21 Ländern und Produzenten-Netzwerke mit Vertretern von Fairtrade-zertifizierten Produzentenorganisationen aus Zentral- und Lateinamerika, Afrika und Asien zusammengeschlossen. - Bei FLO legen die Siegelinitiativen und die Produzentenvertreter gemeinsam die Strategien und Richtlinien für den Fairen Handel fest. - Das unabhängige Kontrollunternehmen FLO Cert GmbH ist für die Zertifizierung von Produzentenorganisationen, für eine regelmäßige Kontrolle der Einhaltung der FAIRTRADE Kriterien, die Lizenzierung von ImporteurInnen und HändlerInnen, und die Kontrolle des Warenflusses verantwortlich. 19

20 FLO-Kriterien für Produzenten - Es gibt allgemeine Standards für Handelspartner im Süden, die generic standards. Sie gelten für alle Produkte gleichermaßen. Sie sind aufgeteilt nach der Zielgruppe Kleinproduzenten und der Zielgruppe lohnabhängige Arbeiter in Plantagen und Fabriken. Sie umfassen Standards für: Soziale Entwicklung Wirtschaftliche Entwicklung Umweltentwicklung und Arbeitsbedingungen 20

21 FLO-Kriterien für Importeure - Die Standards für die Händler variieren von Produkt zu Produkt. Sie umfassen in der Regel: die Zahlung eines fairen Preises die Zahlung eines Mehrpreises für Entwicklungsmaßnahmen bei Bio-Produkten die Zahlung eines Bio-Aufpreises die Bereitstellung von Vorfinanzierungsmöglichkeiten langfristige Handelsbeziehungen 21

22 Kakao 22

23 FLO-Kriterien Kakao Produzenten Der Faire Handel mit Kakao fördert gezielt die Kleinbauern, die sich in Genossenschaften organisiert haben. Die Genossenschaften müssen politisch unabhängig sein und eine demokratische Struktur aufweisen. Bei den Genossenschaftsmitgliedern handelt es sich überwiegend um kleinbäuerliche Familienbetriebe. Die Kleinbauern sind an allen wichtigen Entscheidungen ihrer Genossenschaft direkt und demokratisch beteiligt. Dies gilt insbesondere für die Verwendung des Mehrerlöses aus dem Fairen Handel. Die Organisationen setzen sich für eine nachhaltige Entwicklung von Ökologie, Bildung und Frauenförderung ein. 23

24 FLO-Kriterien Kakao Importeure Kakao wird nur bei Produzentenorganisationen gekauft, die im Produzentenregister der Fairtrade Labelling Organization (FLO) verzeichnet sind. Kaufverträge werden zu den festgelegten Mindestpreisen abgeschlossen. Die Handelspartner sehen langfristige Beziehungen vor. Für Schokolade mit dem Fairtrade-Siegel müssen alle Zutaten, die mit Fairtrade-Siegel erhältlich sind, zu 100 Prozent fair gehandelt sein. Zutaten, für die FLO keine Kriterien entwickelt hat, dürfen nicht aus Quellen stammen, die mit dem Grundgedanken des Fairen Handels unvereinbar sind. 24

25 FINE - Die vier internationalen Dachorganisationen, FLO, IFAT, NEWS! und EFTA, arbeiten im Rahmen einer Kooperation zusammen. Diese wird entsprechend der Anfangsbuchstaben der Dachorganisationen auch als FINE bezeichnet. - Der Zusammenarbeit liegt eine gemeinsame Definition des Fairen Handels zu Grunde. - Die Dachorganisationen kooperieren insbesondere bei der politischen Arbeit und unterhalten ein gemeinsames Fair Trade Advocacy Office in Brüssel. 25

26 Kaffeegenossenschaft Soppexcca 26

27 Nicaragua 27

28 Soppexcca Soppexcca existiert seit 1997 und besteht aus 15 Basiskooperativen der umliegenden Gemeinden mit gesamt 650 Einzelmitgliedern, davon 35 % Frauen. Sitz ist Jinotega, die Hauptstadt des Kaffees; 60 % des gesamten Nica-Kaffees kommen aus dieser Region. Soppexcca übernimmt für ihre Produzenten die Vermarktung und vergibt Kredite. 28

29 Soppexcca - Bio-Anbau wird gefördert - Jeder Bauer entscheidet selbst, ob er seine Produktion auf biologisch umstellt oder nicht - Schwierigkeiten bei der Zertifizierung 29

30 Aktuelle Diskussionen im Fairen Handel - Professionalisierung der Weltläden - Ausweitung im Supermarktbereich & Discountern, erste Eigenmarken entstehen Fairglobe - Insgesamt eine Ausweitung an Anbietern, die nur einzelne Produkte mit FairTrade-Siegel vertreiben - Kriterien (Naturland hat als Biozertifizierer seit 2005 auch Sozialkriterien für die Zertifizierung) 30

31 - Quellen: - Hrsg. FINE Handeln als andere (2006) - Hrsg. Forum Fairer Handel Was ist ein fairer Preis Veranstaltungsdokumentation (Januar 2005) - Hrsg. Forum Fairer Handel Die Wirkungen des Fairen Handels Veranstaltungsdokumentation (November 2005) - Hrsg. Weltladendachverband e.v. Generation Weltladen (2005) - Hrsg. Verbraucher Initiative e.v. Verbraucher Konkret Themenheft Fairer Handel (2006) Bildnachweis: Norbert Pfütze 31

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