Asset-Liability-Management

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1 Asset-Liability-Management

2 Was ist Asset-Liability-Management? Der Begriff Asset-Liability-Management (ALM) steht für eine Vielzahl von Techniken und Ansätzen zur Koordination von Entscheidungen bezüglich der Aktiv-(Asset) und Passivseite (Liability) der Bilanz eines Versicherungsunternehmens. ALM ist eine Praxis, die es einem Unternehmen erlaubt, Entscheidungen über die Aktiva und Passiva zu koordinieren; sie kann definiert werden als ein fortwährender Prozess des Formulierens, Ausführens, Überwachens und Revidierens von Strategien im Bereich von Aktiv- und Passivwerten. Dabei steht der Versuch im Mittelpunkt, finanzielle Ziele für gegebene Risikotoleranzwerte und Risikobeschränkungen zu erreichen. (SwissRe) Ursprung: in den 70er Jahren in den USA für Bankensektor zur Bewältigung von Zinsrisiken entwickelt => dann Ausweitung auf Nicht-Zinsrisiken Ziele: Finanzielle Stabilität Profitabilität Information und Entscheidungsunterstützung des Managements

3 Was ist Asset-Liability-Management? Asset- Portfolio Kapitalanlage Versicherung Kuppelproduktion Liability- Portfolio Kapitalanlage- risiken versicherungstechnische Risiken Asset-Liability-Management

4 Hintergründe und Rahmenbedingungen Kapitalmarkt und Wettbewerbsbedingungen: Historisch niedrige Zinsen für festverzinsliche Anleihen in den Jahren um den Jahrtausendwechsel Hohe Volatilitäten auf Aktienmärkten Neue Anlageformen Ansprüche der Versicherungsnehmer und Anforderungen der Kapitalgeber Höhere Markttransparenz Deregulierung der Versicherungsmärkte => verschärfter Preiswettbewerb Gesetzliche und aufsichtsrechtliche Bedingungen: Keine neue Erkenntnis: 54 VAG (Anlagegrundsätze für das gebundene Vermögen) Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG) Solvabilitätsvorschriften

5 Einsatzbereiche des ALM Quantitative Analysen: Ergebnisse sollten konsequent und systematisch im Rahmen eines Management- Informations-Systems berücksichtigt werden. Abweichungsanalysen: Soll-Ist-Vergleich Frühwarnung bei erkennbaren, negativen Abweichungen von der Planung Risikobericht: Identifizierung, Analyse und Messung der zentralen Risiken eines Unternehmens Vorschläge zum Umgang mit den vorhandenen Risiken

6 Ausprägungen des ALM ALM auf Mikroebene versus Makroebene: Makroebene: ein Asset-Portfolio und ein Liability-Portfolio Mikroebene: Segmentierung des Liability-Portfolios nach bestimmten Kriterien (z.b. Produktarten oder Geschäftsfelder) sukzessives versus simultanes / integriertes ALM: sukzessives ALM: Fixierung des Liability-Portfolio und entsprechende Abstimmung des Asset-Portfolio (Assets werden gemäß der Liabilities gemanaged) simultanes / sequentielles ALM: Wechselwirkungen zwischen Kapitalanlagenseite und Verpflichtungsseite werden berücksichtigt (wechselseitige Abstimmung)

7 ALM als kontinuierlicher Prozess Asset-Liability-Modelling: Modellierung der Assets und Liabilities sowie ihrer möglichen Entwicklungen im Rahmen verschiedener Szenarien Asset-Liability-Measurement: Messung und Bewertung der Cash-Flows Berechnung des Mismatch (= Risiko, das durch eine nicht aufeinander abgestimmte Asset- und Liability-Struktur hinweist) Asset-Liability-Matching: Feinabstimmung der Kapitalanlagen auf die Versicherungsverpflichtungen Steuerung v.a. über das Asset-Portfolio, Liability-Portfolio wird stationär vorgegeben Asset-Liability-Management: Berücksichtigung der Risiken aus Asset- und Liability-Portfolio in den Steuerungsprozess Geeigneter Mix zur vollständigen Erfüllung der gestellten Zielvorgaben

8 Techniken des ALM Cashflow-Testing: Ziel: Asset-Portfolio, dessen Rückflüsse mit den Auszahlungsströmen des Liability-Portfolio exakt übereinstimmen (kein Zinsänderungsrisiko) CF Asset- Portfolio Liability- Portfolio Replikationsportfolio t Aber: Höchste Bonität der Titel, da Buy-and-hold-Strategie Künftige Cash-Flows sind unbekannt Keine perfekten Kapitalmärkte: nicht jeder Zahlungsstrom ist exakt replizierbar

9 Techniken des ALM Duration-Matching: Ziel: Immunisierung gegen zinsbedingte Verluste Wert +i FV -i +i PV -i D 3 t T D 0 = 1 t * e t P t=1 0 (1+i) t Aber: Sehr aufwendig, da sich die Durationen der Assets und Liabilities im Zeitablauf ändern und deshalb das Asset-Portfolio häufig restrukturiert werden muss

10 Techniken des ALM Dynamische Finanzanalyse: Simulationstechnik zur Analyse der gesamten Finanzlage eines Versicherungsunternehmens im Zeitablauf, wobei Stochastizität und gegenseitige Abhängigkeiten zwischen Asset-Portfolio und Liability-Portfolio berücksichtigt werden. Szenariogenerator erzeugt zufällige Realisationen von zuvor identifizierten und festgelegten Risikofaktoren der beiden Portfolios. Durch die Simulation von einigen tausend Szenarien erhält man für jeden Betrachtungszeitpunkt eine statistische Verteilung der CF. Ergebnisse werden in Planbilanzen erfasst => Bilanzkennziffern Sehr flexibel hinsichtlich der einzubeziehenden Sachverhalte und Zielgrößen Aber: Hohe Komplexität und Vielzahl von Daten

11 Schlussbemerkung Wünschenswert: Einheitliche Vorgehensweise bei der Entwicklung der Modelle und der Berechnungen innerhalb eines Unternehmens bzw. Konzerns, wodurch die Vergleichbarkeit der Ergebnisse gewährleistet wird. ( = wichtig für Vorstand) Aber nicht immer realisierbar ALM stellt lediglich ein Management-Tool dar, d.h. die Basis für eine fundierte Entscheidungsfindung. => Es führt aber nicht zu einer Automatisierung von Entscheidungen. Abwägung zwischen Informationsgehalt und Aufwand

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