E-Business-Seminar im SS 2005: Beschreibung von Interorganisationalen Informationssystemen (IOIS) und Industriestrukturen

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1 E-Business-Seminar im SS 2005: Beschreibung von Interorganisationalen Informationssystemen (IOIS) und Industriestrukturen Thema: Inter-Organization Information Sharing Systems vorgetragen von Patrick Mackenstein

2 Gliederung des Vortrages I. Einleitung II. Wirtschaftliche Anreize III. Klassifizierungsschema IV. Implikationen für Organisationen V. Ausblick 2

3 I. Einleitung Definition: IS IS = Inter-Organizational Information Sharing Systems Austausch von Informationen über Unternehmensgrenzen hinweg zum Nutzen aller Beteiligten Nutzung von Ressourcen durch zwei oder mehr Organisationen 3

4 I. Einleitung Ausgangspunkt Der Austausch von Informationen bildet die Basis für alle Aktivitäten einer Organisation Beim Einsatz von Informationstechnologie aber hauptsächlich Konzentration auf die Überführung manueller Informationssystemen (Bsp. Karteikarten) in computergestützte Varianten Fokus auf interne Informationssysteme 4

5 I. Einleitung Ursachen & Lösungsansätze Gründe für internen Fokus Daten, Transaktionen und Nachrichten waren auf die eigenen Bedürfnisse abgestimmt Keine Übereinstimmung mit Datenformaten externer Quellen oder Organisationen Schnittstellen und Kommunikationsmittel waren durch die verfügbare Technik eingeschränkt Verbreitung von Netzwerktechnologie und Systementwicklungen als Designen schaffen neue Möglichkeiten 5

6 Gliederung des Vortrages I. Einleitung II. Wirtschaftliche Anreize - Kosteneinsparungen - Produktivitätsverbesserungen III. Klassifizierungsschema IV. Implikationen für Organisationen V. Ausblick 6

7 II. Wirtschaftliche Anreize Kosteneinsparungen Teilnahme an IS ist eine wirtschaftliche Kosten-Nutzen-Entscheidung, basierend auf: Volumen Häufigkeit und Inhalt der ausgetauschten Informationen Zeiteinsparung Reduzierung der Fehlerquote 7

8 II. Wirtschaftliche Anreize Produktivitätsverbesserungen Reduzierung der Fehlerrate Einsparung von Verwaltungs-/Überwachungskosten und effizienteres Arbeiten möglich Reduzierung von Dateneingaben Teilung von Entwicklungs- und Wartungskosten des IS Effektivere Ressourcenallokation Effektivere Ressourcenausnutzung 8

9 Gliederung des Vortrages I. Einleitung II. Wirtschaftliche Anreize III. Klassifizierungsschema - Einteilungskriterien - Level 1 bis Level 5 IV. Implikationen für Organisationen V. Ausblick 9

10 III. Klassifizierungs-Schema - Übersicht (nach Barrett & Konsynski) Einteilung der einzelnen Teilnehmer in 5 participation level (Beteiligungsstufen) Level 1: Remote I/O Node Level 2: Application/Processing Node Level 3: Multi-participant Exchange Node Level 4: Network Control Node Level 5: Integrating Network Node (L1, L2, L3, L4 und L5 werden im weiteren als Abkürzungen verwendet!) 10

11 III. Klassifizierungsschema - Einteilungskriterien Untersuchte Aspekte der IS-Level Merkmale / Beispiel Verantwortung / Autorität Kosten / Erträge Bedrohung durch Wettbewerber Einteilung in Level erfolgt abhängig vom Zweck des Systems abhängig von verfolgten Zielen der Organisation unabhängig von der eingesetzten Technologie 11

12 III. Klassifizierungsschema Level 1: Remote I/O Node Merkmale einfachste Verbindung in Form eines Input/Output-Knotens keine Anwendung zur Datenverarbeitung Beispiel Level 1 Jedes Level Webbrowser zur Dateneingabe oder zum abruf Verantwortung / Autorität begrenzt auf Interaktion im Rahmen der vorgegebenen Protokolle 12

13 III. Klassifizierungsschema Level 1: Remote I/O Node Kosten technisch günstigste Variante aber: indirekte organisatorische Kosten Erträge schnellere Datenweiterleitung und weniger Fehler geringere Stück-/Produktionskosten besserer Informationsstand Bedrohung durch Wettbewerber gering, da bilaterale Vereinbarungen über IS 13

14 III. Klassifizierungsschema Level 2 Application/Processing Node Merkmale Level 1 Einzelne IS Anwendung eindeutig bestimmte Schnittstelle zwischen der Anwendung und allen angeschlossenen Level 1 Teilnehmern Beispiel Lagerhaltung & -disposition Level 1: Verkäufe Level 1 Level 2 IS Level 1 Level 2: Auskunft über sich ergebende Lagerbestände 14

15 III. Klassifizierungsschema Level 2 Application/Processing Node Verantwortung / Autorität Design Entwicklung Wartung / Instandhaltung Vollständige Autorität über Anwendungsmodifikationen Anwendungserweiterungen 15

16 III. Klassifizierungsschema Level 2 Application/Processing Node Kosten abhängig vom Funktionsumfang der Anwendung Beteiligungsniveau / kritische Masse Marktforschung (siehe Implikationen zu Entscheidungen über die IS-Teilnahme) Erträge Optimierung einiger interner Funktionsabläufe Aufbau von Wechselkosten für L1-Teilnehmer Verhandlungsmacht gegenüber L1-Teilnehmern 16

17 III. Klassifizierungsschema Level 2 Application/Processing Node Bedrohung durch Wettbewerber L1-Seite passt sich aufgrund der Abhängigkeit von der L2-Seite dieser an geringere Imitierbarkeit proprietärer Systeme Implikationen für L2-Entscheidungen detaillierte Analyse des Potentials von IS und des möglichen Teilnehmerumfeldes nötig Datenerhebungsproblem (Unterstützung durch Branchenverband / neutrale Forschungsgruppe) 17

18 III. Klassifizierungsschema Level 3 - Multi-participant Exchange Node Merkmale Level 1 Echtzeitkommunikation Voraussetzung ist eine bestehende Geschäftsverbindung Netzwerkverbindungen beträchtliche Komplexitätszunahme Beispiel Distributionssystem (Lieferkette) oder Level 2 Level 3 IS Reparaturdienst jeweils mit Real-Time-Status Level 2 18

19 III. Klassifizierungsschema Level 3 - Multi-participant Exchange Node Verantwortung / Autorität Design, Entwicklung, Wartung und Instandhaltung evt. eingeschränkt durch Notwendigkeit zur gemeinsamen Entwicklungsarbeit Kosten Proportional steigend mit der Anzahl unterstützter Anwendungen und Teilnehmer Verhandlungskosten während des Entwicklungsprozesses 19

20 III. Klassifizierungsschema Level 3 - Multi-participant Exchange Node Erträge Echtzeitinformationen unterstützen Entscheidungsfindung Informationen über Verfügbarkeiten innerhalb der gesamten Lieferkette reduzieren Bullwhip-Effekt Bedrohung durch Wettbewerber geringer als bei Level 2, da schwerer zu imitieren (bilaterale/multilaterale IS-Vereinbarung) 20

21 III. Klassifizierungsschema Level 4 Network Control Node Merkmale Netzwerk mit diversen Anwendungen Produkt-/Marktbeziehung zu niedrigeren Leveln ist keine zwingende Voraussetzung Beispiel Level 1 SCHUFA-Anfragen und Auskünfte Level 2 Level 4 IS Level 3 21

22 III. Klassifizierungsschema Level 4 Network Control Node Verantwortung / Autorität Design, Entwicklung, Wartung / Instandhaltung Kosten Entwicklung, Wartung und Instandhaltung Wechselkosten für Teilnehmer sehr gering Erträge IS als Produkt oder Service gegen Entgelt Entgelte abhängig von der Art der Teilnehmer und den verschiedenen angebotenen Anwendungen 22

23 III. Klassifizierungsschema Level 4 Network Control Node Bedrohung durch Wettbewerber Hoch wegen ähnlicher Netzwerkdienste, die von Wettbewerbern imitiert und angeboten werden Vorstöße in diese profitablen Geschäftsfelder Verbesserung des angebotenen IS bessere Sicherheitsfunktionen kürzere Antwort-/Reaktionszeiten höhere Anwenderfreundlichkeit 23

24 III. Klassifizierungsschema Level 5 Integrating Network Node Merkmale Level 1 Datenkommunikation und verarbeitung mit Teilnehmern auf allen niedrigeren Leveln Echtzeit-Anwendungen Höchste Komplexität: Anwendungen werden gleichzeitig bei mehreren Teilnehmern ausgeführt Level 2 Level 5 IS Level 3 Level 4 24

25 III. Klassifizierungsschema Level 5 Integrating Network Node Beispiel Kreditkartenzahlung In Abhängigkeit von der vorgelegten Kreditkarte erfolgt die Bonitätsprüfung beim jeweiligen Emittenten IS zu verschiedenen Emittenten wird unterhalten Abgrenzung zu L4 durch mögliche Einschränkungen des IS spezialisierter Funktionsumfang/Anwendungstyp bestimmtes Wettbewerbs-/Konkurrenzumfeld 25

26 III. Klassifizierungsschema Level 5 Integrating Network Node Verantwortung / Autorität Design, Entwicklung, Wartung / Instandhaltung Kosten Entwicklung, Wartung und Instandhaltung Um vollständige Dienstleistungsanwendung bieten zu können, auch Bereitstellung unrentabler Services. Wechselkosten für Teilnehmer gering 26

27 V. Klassifizierungsschema Level 5 Integrating Network Node Erträge gestaffelte Entgelte bei Nutzung des IS spezialisierte Anwendungen mit höheren Entgelten Bedrohung durch Wettbewerber hoch (analog zu L4) wegen Imitierbarkeit und Vorstoßversuchen in profitable Geschäftsfelder 27

28 III. Klassifizierungsschema Zusammenfassung Mit zunehmendem Level steigt die Verantwortlichkeit an der IS-Beteiligung die Kostenverpflichtung die Komplexität des betriebenen Systems Verantwortung / Kosten / Komplexität Level 1 Level 5 28

29 Gliederung des Vortrages I. Einleitung II. Wirtschaftliche Anreize III. Klassifizierungsschema IV. Implikationen für Organisationen - Produkt- und Marktstrategie - Organisationsstrukturen - Interne IS-Abteilung V. Ausblick 29

30 IV. Implikationen für Organisationen Produkt- und Marktstrategie Potentielle strategische Unternehmensziele Wettbewerbsvorteile Marktführerschaft neue Produkt- und Absatzmärkte Starke Berücksichtigung dieser Ziele auf den Leveln 3 bis 5, wo die mit der Entscheidung zur IS-Teilnahme oder Entwicklung verbundenen Kosten am höchsten sind. 30

31 IV. Implikationen für Organisationen Produkt- und Marktstrategie Entscheidungsfindung (Top-Level- Management) Abwägung von Konflikten zwischen bisheriger und neu entstehender IS-Strategie Beteiligungsstufe / Level Ausmaß an Verantwortung und Autorität Kritische strategische Sachverhalte ab L2. Hier wird aus dem IS ein Produkt entwickelt. 31

32 IV. Implikationen für Organisationen Organisationsstrukturen strukturelle Veränderungen IS-Anwendungen werden einer eigenen Abteilung zugeordnet Häufig anzutreffen bei Level 3 bis 5 Neue Abteilungen erfordern die Überprüfung von Personalanforderungen und strukturellen Beziehungen innerhalb der Organisation immaterielle/nicht greifbare Auswirkungen 32

33 IV. Implikationen für Organisationen IS-Abteilung Größte Gefahr bei der IS-Teilnahme besteht im möglichen Auseinanderbrechen von bisherigen internen Informationskanälen Koordinationsaufwand steigt massiv Schlüsselaufgabe von IS-Entwicklern ist die Koordination von Informationskanälen Zentrale Abteilung für IS-Design und -Entwicklung sinnvoll 33

34 Gliederung des Vortrages I. Einleitung II. III. IV. Wirtschaftliche Anreize Klassifizierungsschema Implikationen für Organisationen V. Ausblick 34

35 V. Ausblick weitergehende Untersuchungen Zeitrahmen bei IS-Einführung Effekte von IS auf bisherige Hauptgeschäftsfelder eines Unternehmens Langzeitstudien zu Veränderungen der Unternehmens-/Industriestruktur Interner automatisierter Datenaustausch Externe Einflüsse durch Gesetzgebung 35

36 Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit!

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