11. Stoffausbreitung
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- Berthold Schwarz
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1 11. Stoffausbreitung Gegenstand: Stoffausbreitung und deren Folgeerscheinungen, mittelbare Massenwirkung und kolligative Effekte wie Osmose, Dampfdruckerniedrigung usw Vorüberlegung isher hatten wir uns bei der etrachtung des chemischen Potenzials im Wesentlichen auf chemische Umsetzungen und Phasenumwandlungen konzentriert; daneben ist jedoch eine weitere Eigenschaft der Stoffe fast ebenso bedeutsam: die Neigung, sich im Raum auszubreiten, sei er leer oder materieerfüllt. uch diese Erscheinung kann man sich leicht an alltäglichen Vorgängen verdeutlichen. Die Stoffe wandern zwar meist äußerst langsam in winzigsten Mengen und dadurch sehr unauffällig, aber es gibt durchaus zahlreiche eispiele, wo die usbreitung bemerkbar wird. Wenn die romastoffe aus frisch gemahlenem, unverpacktem Kaffee in Tagen entweichen, wenn Pfützen nach einem Regen in Stunden verdunsten, die Klebstofflösung aus der Tube in Minuten erstarrt und die aus dem Filzschreiber ausfließende Tinte in ugenblicken eintrocknet, dann zeigt das, wie beweglich und flüchtig manche Stoffe sein können. Dass die Stoffe nicht einfach verschwinden, sondern sich nur umverteilen, wird an anderen eispielen deutlich. Ein Stück Zwieback, das man zwei, drei Tage im Kasten oder Frischhaltebeutel zusammen mit frischem rot aufbewahrt, wird durch Wasseraufnahme ganz weich und biegsam, während eine Scheibe rot in der Zwiebacktüte hart und brüchig wird, weil sie ihre Feuchte an den trockenen Zwieback verliert. Versuch: Zwiebackstück, mit rot gelagert, wird weich und biegsam, rotscheibe, mit Zwieback gelagert, wird hart und brüchig ei farbigen und stark riechenden Stoffen ist die usbreitung leicht verfolgbar. Der Duft eines Fliederstraußes, einer geschälten pfelsine oder eines Harzer Käses erfüllt schnell das ganze Zimmer. Die usbreitung farbiger, niedermolekularer Stoffe wie z.. Kaliumpermanganat in einer Flüssigkeit oder besser in einem Gel, um die Konvektion zu unterbinden, läuft so schnell, dass man bequem zuschauen kann. Gibt man einen Tropfen rom in einen Standzylinder, so breitet sich der romdampf rasch im ganzen Zylinder aus. Versuch: usbreitung von KMnO 4 Versuch: usbreitung von r 2 in Luft 189
2 Selbst kristallisierte, kompakte Körper sind nicht undurchdringlich. So wird Eisen, wenn man es in Holzkohlenpulver glüht, aufgekohlt, d.h., Kohlenstoffatome wandern hinein. Durch Erhitzen in einer oxidierenden Flamme kann das Eisen wieder entkohlt werden. Diese eispiele mögen genügen, um zu zeigen, dass die Stoffausbreitung eine sehr allgemeine Eigenschaft stofflichen Verhaltens darstellt. Da man die Wanderung eines Stoffes von einem Ort an einen anderen als Umbildung auffassen kann, Startort Zielort, ist es einleuchtend, dass das chemische Potenzial auch diese Vorgänge beherrscht. Der Stofftransport erfolgt damit stets in Richtung eines Potenzialgefälles, d.h., ein Stoff wandert freiwillig nur in eine Richtung, in welcher der μ-wert am Startort größer ist als am Zielort. Hierbei spielt eine Eigenschaft der Größe μ eine entscheidende Rolle, die wir bereits kennen gelernt haben, nämlich ihre Konzentrationsabhängigkeit (vgl. bschnitt 5.2): Mit wachsender Verdünnung eines Stoffes fällt sein chemisches Potenzial, und zwar bei hinreichend hoher Verdünnung beliebig tief. Mit der nwendung dieser ussage auf die Stoffausbreitung und andere damit zusammenhängende Erscheinungen wollen wir uns im Folgenden beschäftigen. Mit den esonderheiten, die sich ergeben, wenn obige Regel bei höheren Gehalten verletzt wird, befasst sich hingegen Kapitel Diffusion Ein Stoff, sofern er hinreichend beweglich ist, muss sich in einem sonst homogenen Materieoder Raumbereich am Ende gleichförmig über den gesamten ereich verteilen. Denn an Stellen mit geringem Gehalt ist auch sein chemisches Potenzial kleiner, so dass der Stoff aus Gebieten höherer Konzentration dorthin abwandert. Wenn mehrere Stoffe in einem Raumgebiet gleichzeitig wandern, gilt für jeden von ihnen dasselbe. Die Materie strebt also von selbst homogene Verteilungen an. Diese rt der Stoffausbreitung bezeichnet man als Diffusion. Wenn auch ein Konzentrationsunterschied die weitaus wichtigste Ursache für die Diffusion darstellt, so ist es jedoch nicht die einzige. uch andere Einflüsse des Umfeldes auf das chemische Potenzial können eine Rolle spielen. So kann es in inhomogenen ereichen durchaus vorkommen, dass ein Stoff sich auf Kosten der benachbarten Gebiete an gewissen Stellen anreichert. Diese Eigenschaft nutzt man beispielsweise in der Mikroskopie aus, um ereiche anzufärben, die einen gewissen Farbstoff bevorzugt aufnehmen. Obwohl der Farbstoff anfangs mehr oder weniger gleichmäßig aufgetragen wird, verteilt er sich dennoch ohne äußere Einwirkung ungleichmäßig. 190
3 Den Stofftransport wollen wir uns noch etwas genauer anschauen. Die entscheidende Größe ist, wie wir gesehen haben, das chemische Potenzial. Der Stoff wandert freiwillig nur in Richtung fallenden Potenzials. Formuliert man den Übergang eines Stoffes vom Ort x 1 zum Ort x 2 als Reaktion, so gilt: x x läuft freiwillig ab, wenn μ x ) > μ ( x ). 1 2 Der ntrieb dieses Vorgangs ist die entsprechende Potenzialdifferenz, = μ ( x = Δμ, x1 ) μ ( 2 ) ( 1 2 der Umsatz Δξ die vom Ort x 1 zum Ort x 2 beförderte Stoffmenge n. Das Potenzialgefälle verursacht eine Kraft F, die den Stoff in Richtung sinkenden Potenzials drängt. F lässt sich unschwer berechnen, wenn man die rbeit zur Überführung einer kleinen Stoffmenge n vom Ort x 1 zum Ort x 2 einmal als Reaktionsarbeit und zum anderen als Verschiebungsarbeit gegen die Kraft F ausdrückt. Wir denken uns hierzu das Potenzial μ in x-richtung zunehmend und den Stoff dem Potenzialgefälle entgegen, gleichsam bergauf befördert. Dann ist die rbeit W > 0, während der ntrieb negativ ist. Die Kraft F zählt ebenfalls als negativ, da sie der x-chse entgegen gerichtet ist. F wird im allgemeinen vom Ort x abhängen. Wenn man jedoch die Strecke Δx = x 2 x 1 klein genug wählt, kann man F dort als konstant betrachten. Wir erhalten folglich: W = Δξ = Δμ n bzw. W = F Δx für kleine Δx. Fassen wir die beiden Gleichungen zusammen, so finden wir oder genauer Δμ F = n Δx dμ F = n. dx Es bietet sich an, F als Diffusionskraft zu bezeichnen, weil F die treibende Kraft für die als Diffusion bezeichnete Stoffausbreitung darstellt. Mit der Geschwindigkeit des Stofftransports und den zugehörigen Gesetzmäßigkeiten beschäftigt sich bschnitt ei molekularkinetischen etrachtungen pflegt man die Diffusion als Folge der zufälligen ewegung der Molekeln aufzufassen und nicht als Wirkung einer gerichteten Kraft. Wenn zwei ereiche verschiedener Konzentration eines Stoffes aneinander grenzen, dann treten bei völlig regelloser Wanderung der Molekeln im Mittel mehr Teilchen aus dem konzentrierteren in den verdünnteren ereich über als umgekehrt. Der Zufall alleine genügt, um zu erklären, dass allmählich aus höher- in niederkonzentrierte Gebiete abwandert und sich schließlich gleichmäßig verteilt. Eine besondere treibende Kraft ist hierzu nicht nötig. Tatsächlich besteht jedoch zwischen beiden eschreibungsweisen kein Gegensatz. Die größere Zahl mo- 191
4 lekularer Stöße, die der diffundierende Stoff bei höherer Konzentration ausübt, führt am Übergang zum niederkonzentrierten ereich zwangsläufig zu einer gerichteten Kraft, eben der oben berechneten Diffusionskraft F. ber auch weitere, bereits bekannte Erscheinungen gehören zum Themenbereich der Stoffausbreitung. So verdunsten Wasser (bschnitt 5.1), aber auch lkohol, Ether etc. an Zimmerluft, gehen also in den Gaszustand über, obwohl das chemische Potenzial der jeweiligen Flüssigkeit unterhalb ihres Siedepunktes kleiner ist als das des reinen Dampfes. Dass der Vorgang dennoch möglich ist, liegt daran, dass der Dampf eben nicht rein vorliegt, sondern mit Luft so weit verdünnt ist, dass μ g < μ l wird. uch löst sich jeder Stoff in einem beliebigen anderen in endlicher, wenn vielleicht auch unmessbar kleiner Menge, denn bei hinreichender Verdünnung unterschreitet das chemische Potenzial des gelösten Stoffes irgendwann den festen μ-wert, den im odenkörper hat, so dass von dorther abzuwandern beginnt (bschnitt 5.6). Letztendlich kann auch das für die Chemie so wichtige Massenwirkungsgesetz in diesem Zusammenhang angeführt werden, sofern ein Stoffaustausch zwischen räumlich getrennten ereichen betroffen ist. Der NERNSTsche Verteilungssatz, das HENRYsche Gesetz über die Gaslöslichkeit, ja selbst die Dampfdruckformel reiner Stoffe sind eispiele hierfür Mittelbare Massenwirkung Doch wollen wir uns nun, wie in bschnitt 5.5 angekündigt, nochmals den Massenwirkungsgleichungen zuwenden, in denen der Stoffmengenanteil im rgument der Logarithmusfunktion auftaucht. Hier trat die esonderheit auf, dass die Gleichung x μ= μ0 + RT ln x 0 nicht nur für den Fall gilt, dass x und x 0 klein sind (Massenwirkungsgleichung 3), sondern auch für den Fall, dass x und x 0 nahe bei 1 liegen (Massenwirkungsgleichung 4), d.h. wenn das Gemisch praktisch nur noch aus dem betrachteten Stoff besteht. Der Stoff, der in diesem Zusammenhang auch Lösemittel L genannt wird, kann gasig, flüssig oder auch fest sein. nhand einer Energiebilanz bei der Zu- und bfuhr der einzelnen Lösungsbestandteile kann man die Fassung 4 aus der Fassung 3 herleiten. Wir wollen das Ergebnis jedoch, ohne es herzuleiten, gleichsam als selbständige Erfahrungstatsache in unsere Überlegungen einbeziehen. Wählen wir nun als nfangswert x 0 = x = 1, d.h., der Stoff liegt im nfangszustand in reiner Form vor, dann erhalten wir μ = μ + RT ln x für x 1 (Massenwirkungsgleichung 4 ). Der Grundwert entspricht hier dem chemischen Potenzial des reinen Stoffes (bei gegebenem T und p), ist also real. Ist x F der Stoffmengenanteil aller im Lösemittel enthaltenen Fremdstoffe, dann gilt x = 1 x F, d.h. 192
5 μ = μ+ RT ln(1 x ) F für x F 1. Mit der für kleine x geltenden Näherungsformel ln(1 x) x erhalten wir μ = μ RT x F für x F 1 ( mittelbare Massenwirkungsgleichung ). Die Gleichung beschreibt den Potenzialabfall einer reinen Substanz (Lösemittel) beim Zumischen einer kleinen Menge x F an Fremdstoffen. Diese universelle, d.h. von der rt der Stoffe unabhängige Gesetzmäßigkeit ist eine mittelbare Folge der Massenwirkung der gelösten Stoffe, die ja ebenfalls für alle Stoffe dem gleichen Gesetz gehorcht, nämlich μ = μ + RT ln cr bzw. den weiteren in Kapitel 5 besprochenen Spielarten. (Die angegebene Näherungsformel ist die nach dem linearen Glied abgebrochene Potenzreihenentwicklung ln(1 x) = x [ x 2 /2 x 3 /3...], eine Vorgehensweise, die für kleine x-werte Ergebnisse mit ausreichender Genauigkeit liefert. So ist beispielsweise ln(1 0,01) = ln(0,99) = 0,01005, was sehr nahe bei 0,01 liegt.) Die nebenstehende bbildung zeigt das chemische Potenzial in bhängigkeit von x. Die durchgezogene Kurve verdeutlicht dabei den idealtypischen logarithmischen Zusammenhang. Wird der Stoffmengenanteil hier um jeweils eine Zehnerpotenz erniedrigt, so sinkt auch das chemische Potenzial stets um den gleichen etrag, das Dekapotenzial μ d von 5,7 kg. Wir wollen uns jedoch auf den Kurvenverlauf in der Nähe der Punktes x = 1 konzentrieren. Wie gemäß der mittelbaren Massenwirkungsgleichung zu erwarten, weisen alle μ(x)-kurven für x 1 bzw. x F 0 die gleiche Steigung RT auf. Dies gilt also nicht nur für den Idealfall des Potenzialverlaufs, sondern auch für davon abweichende reale Verhältnisse. Doch werden wir uns mit dieser Thematik noch näher in bschnitt 12.2 auseinandersetzen. uf der mittelbaren Massenwirkung beruht nun eine Reihe experimentell beobachtbarer Effekte, mit denen wir uns im Folgenden auseinandersetzen werden: die usbildung eines osmotischen Druckes, die Verringerung des Dampfdrucks einer Lösung (verglichen mit dem des reinen Lösemittels), die Erhöhung ihres Siedepunktes und die Erniedrigung ihres Gefrierpunktes. Da diese Effekte nur vom Stoffmengenanteil der Fremdstoffe, d.h. der nzahl der gelösten Teilchen bestimmt werden und nicht von deren chemischer Natur abhängen, spricht man auch von kolligativen Eigenschaften (von lat. colligare zusammenfügen ). Eine wässrige Lösung mit einem Stoffmengenanteil an Glucose von 0,01 stimmt folglich in allen genannten Eigenschaften (osmotischer Druck, Dampfdruck, Gefrierpunkt und Siedepunkt) mit einer Harnstofflösung gleichen Gehaltes überein. Da jedoch jede Teilchensorte, die in der Lösung vorliegt, als eigener Stoff berücksichtigt werden muss, sind in einer Elektrolytlösung Kationen und nionen getrennt zu zählen. Für eine Kochsalzlösung mit x NaCl = 0,01 ist etwa x F = x Na + + xcl = 2 xnacl = 0,02, weil NaCl vollständig in Na + - und Cl -Ionen dissoziiert; für eine Calciumchloridlösung gilt entsprechend sogar x F = x 2+ + x = x + x = 0,03. Ca Cl CaCl 2 2 CaCl2 193
6 11.4 Osmose Sind zwei verschieden konzentrierte Lösungen eines Stoffes durch eine nur für das Lösemittel durchlässige dünne Wand, eine sog. semipermeable (halbdurchlässige) Membran, voneinander getrennt, dann wandert dieses von der dünneren in die konzentriertere Lösung. Dabei kann eine der Lösungen auch aus dem reinen Lösemittel bestehen, für das ja c = 0 gilt. In der bezüglich konzentrierteren Lösung liegt der Stoff durch seinen Lösungspartner stärker verdünnt vor, d.h., der Gehalt des Lösemittels ist geringer und damit auch das chemische Potenzial µ. ntrieb für den Vorgang, der als Osmose bezeichnet wird, ist mithin der Potenzialunterschied, hervorgerufen durch unterschiedliche Fremdstoffgehalte (Die Moleküle des gelösten Stoffes sind in nebenstehender bbildung als Punkte dargestellt, das Lösemittel wird hingegen der Übersichtlichkeit halber als Kontinuum wiedergegeben, wobei die etwas unterschiedlichen Grautöne auf die Konzentrationsdifferenz hinweisen sollen. Im usschnitt werden sowohl die Moleküle des gelösten Stoffes (dunkel) als auch des Lösemittels (hell) durch Kugeln symbolisiert; beim dargestellten einfachen Membranmodell basiert die selektive Durchlässigkeit auf der maximalen Porenweite: Nur die kleineren Lösemittelmoleküle vermögen durch die Membran zu gelangen. Die Semipermeabilität kann aber auch auf anderen Mechanismen beruhen.) uch die lebende Zellen umhüllenden biologischen Membranen sind semipermeabel. Sie sind durchlässig für Wasser und Moleküle vergleichbarer Größe, halten jedoch Enzyme und Proteine im Innern der Zelle zurück. Der osmotische Wasseraustausch stellt im biologischen Geschehen eine allgegenwärtige Erscheinung dar. Er ist dafür verantwortlich, dass gezuckerte Früchte Saft ziehen oder Kirschen bei anhaltendem Regenwetter so stark quellen können, dass sie platzen. Im ersten Falle wandert das Wasser durch die Fruchtschale in die konzentrierte und damit wasserärmere Zuckerlösung nach außen, im zweiten Falle gerade umgekehrt nach innen, weil jetzt dort das Wasser stärker verdünnt vorliegt. Versuch: Saftziehen gezuckerter Früchte Statt an Früchten kann man den ersten Effekt auch gut an gesalzenen Rettichscheiben, den zweiten an einem in Wasser liegenden, entkalkten rohen Ei demonstrieren. 194
7 Versuch: Saftziehen gesalzener Rettichscheiben Versuch: ufquellen eines entkalkten Eies in Wasser Infolge des Zuflusses des Lösemittels kann in der konzentrierten Lösung allmählich ein Überdruck entstehen, durch den das chemische Potenzial μ dort langsam angehoben wird, so dass das Potenzialgefälle abnimmt. Der Vorgang kommt zum Stillstand, wenn μ links und rechts der Wand gleich geworden ist (oder wenn der Stoff auf der einen Seite ganz verschwunden ist). Den dann herrschenden Überdruck bezeichnet man als osmotischen Druck. Die Osmose wollen wir uns nun noch etwas genauer anschauen: Wir betrachten ein Gefäß, das die Menge n einer Flüssigkeit enthält. Wenn man eine geringe Menge n eines Fremdstoffes darin auflöst, sinkt das chemisches Potenzial μ des Lösemittels ( mittelbare Massenwirkungsgleichung aus bschnitt 11.3), μ = μ RT x für x 1, wobei x den Stoffmengenanteil des gelösten Stoffes darstellt. Der Grundwert bezieht sich, wie erwähnt, auf das Lösemittel im reinen Zustand ( x = 1). Denken wir uns jetzt das Gefäß durch eine nur für das Lösemittel durchlässige Wand mit einem weiteren ehälter verbunden, in dem die Flüssigkeit rein vorliegt. Dann dringt diese wegen des Potenzialgefälles durch die Wand in die Lösung. Der Zustrom kann unterdrückt werden, wenn man durch Erhöhung des Druckes auf die Lösung den Potenzialverlust wieder ausgleicht. Mit steigendem Druck wächst ja auch das chemische Potenzial (vgl. bschnitt 4.3), μ = μ RT x + β Δp, wobei der Druckkoeffizient β dem molaren Volumen V m des reinen Lösemittels entspricht (vgl. bschnitt 8.3). Im osmotischen Gleichgewicht gilt demnach bzw. μ RT x + V Δp = μ m, RT x + V Δp = 0, m, d.h., das chemische Potenzial der Lösung entspricht wieder dem des reinen Lösemittels. Der zur Einstellung des Gleichgewichts erforderliche Überdruck Δp gilt als Maß für den osmotischen Druck p osm in der Lösung., 195
8 Mit Hilfe einer Mohrrübe und eines Steigrohres mit trichterförmigem Ende lässt sich auf einfache Weise eine experimentelle nordnung zum Nachweis des osmotischen Drucks realisieren. Dazu wird die Rübe zylinderförmig ausgehöhlt, mit einer angefärbten gesättigten Calciumchlorid-Lösung gefüllt und das Steigrohr aufgesetzt. ls semipermeable Wand fungieren dabei die Zellmembranen in der Mohrrübe. Versuch: Experimenteller Nachweis des osmotischen Druckes In der einfachen nordnung gemäß nebenstehender bbildung rührt der dem Lösemittelfluss in die Lösung entgegenwirkende Druck vom Schweredruck der aus Lösung bestehenden Flüssigkeitssäule im linken Steigrohr her. Dieser Druck wird durch die Osmose selbst erzeugt: das reine Lösemittel wandert durch die halbdurchlässige Wand in die Lösung hinein, wodurch der Niveauunterschied zwischen den beiden Steigrohren allmählich immer größer wird, bis schließlich der Schweredruck die Wirkung des osmotischen Druckes kompensiert, d.h. bis das osmotische Gleichgewicht erreicht wird. us der resultierenden Steighöhe h, der Dichte ρ der Lösung und der Erdbeschleunigung g lässt sich dann der osmotische Druck leicht berechnen: p osm = ρgh. Nach kurzer Zeit beobachtet man ein stetiges nsteigen der Lösung im Steigrohr. Für eine verdünnte Lösung gilt x = n /(n +n ) n /n, denn die Menge n des Fremdstoffes ist gegenüber der Menge n des Lösemittels vernachlässigbar klein. Multiplikation mit n ergibt: RT n + nvm, posm = 0. Für den osmotischen Druck p osm folgt, falls V = n V m, das Volumen der Flüssigkeit bedeutet den winzigen eitrag n V m, des Fremdstoffes vernachlässigen wir RT = VN T HOFFsche Gleichung. posm n V Der osmotische Druck einer stark verdünnten Lösung ist der Stoffmenge des gelösten Stoffes proportional. Die Formel weist eine große Ähnlichkeit mit dem allgemeinen Gasgesetz auf. Für die Lösung eines beliebigen Nichtelektrolyten mit einer Konzentration von 0,01 kmol/m 3 ergibt sich aus obiger Gleichung bei Raumtemperatur (T = 298 K) ein osmotischer Druck von 25 kpa (= 0,25 bar). Dadurch könnte die Flüssigkeitssäule um mehr als 2 m hoch gedrückt werden. Der osmotische Druck nimmt also bereits bei geringen Konzentrationen beträchtliche Werte an, so dass sich Messungen mit ausreichender Empfindlichkeit leicht durchführen lassen. 196
9 Enthält die verdünnte Lösung mehrere Teilchensorten, für welche die Membran undurchlässig ist, so gilt entsprechend RT posm = nf = cfrt, V wobei n F bzw. c F die Summe der Stoffmengen bzw. Konzentrationen aller Teilchensorten bedeutet. Man bezeichnet c F auch als Osmolarität der Lösung. Da es bei der erechnung der Osmolarität auf die Gesamtzahl der gelösten Teilchen ankommt, muss bei ionischen Substanzen zusätzlich die nzahl der Ionen, die die betreffende Substanz bildet, berücksichtigt werden. So ist z.. die Osmolarität einer wässrigen Lösung des Salzes CaCl 2 mit der Stoffmengenkonzentration c dreimal so groß wie diese Konzentration. Entsprechend zeigt der osmotische Druck der Salzlösung den dreifachen Wert verglichen mit der gleichkonzentrierten Lösung eines Nichtelektrolyten. Wie bereits eingangs erwähnt, spielen osmotische Erscheinungen bei biologischen Prozessen eine ganz wesentliche Rolle. Sie sind für den Wasserhaushalt in lebenden Organismen von großer edeutung und beeinflussen so auch die Form biologischer Zellen. In menschlichen roten lutkörperchen beispielsweise beträgt die Osmolarität c F der Zellflüssigkeit ungefähr 300 mol/m 3. uf Grund der relativ hohen Konzentration dürfen wir das VN T HOFFsche Gesetz zwar nur mit Vorbehalt anwenden, doch lässt sich ein osmotischer Druck von p osm = 300 mol/m 3 8,3 J/mol K 310 K = 770 kpa bei Körpertemperatur zumindest abschätzen. Würde man die roten lutkörperchen nun in reinem Wasser aufschwemmen, so müssten sie diesem Druck, rund dem 8-fachen des tmosphärendrucks, standhalten. Tatsächlich schwellen sie jedoch und platzen schließlich längst vorher. ringt man die roten lutkörperchen hingegen z.. mit einer wässrigen Kochsalzlösung in erührung, die einen weit höheren osmotischen Druck als 770 kpa aufweist, so strömt Wasser aus ihnen heraus, und die Zellen schrumpfen zusammen (die Membranen der roten lutkörperchen sind für Na + nahezu undurchlässig). Nur, wenn in den roten lutkörperchen und der umgebenden Lösung, wie es beim lutplasma der Fall ist, der gleiche osmotische Druck herrscht, behalten die Zellen ihre Gestalt bei. Eine solche Lösung, in welcher der Wassergehalt der Zelle konstant bleibt, wird als isotonisch bezeichnet. ei intravenösen Infusionen ist darauf zu achten, dass nur eine dem lut isotonische Lösung (physiologische Kochsalzlösung mit einer Konzentration von 150 mol/m 3 und daher Osmolarität von 300 mol/m 3 ) eingesetzt werden darf, um die lutzellen nicht zu schädigen. Umgekehrt kann die zellschädigende Wirkung konzentrierter Salzlösungen aber auch genutzt werden, um Lebensmittel, insbesondere Fleisch, durch Einsalzen (Pökeln) haltbar zu machen. Gesundheitlich bedenklichen Mikroorganismen wie akterien wird dabei durch Osmose Wasser entzogen, was ihre Zellfunktionen und Vermehrung stark beeinträchtigt. ei der Umkehrosmose wird auf der Seite der konzentrierteren Lösung ein äußerer Überdruck angelegt, der höher als der osmotische Druck p osm dieser Lösung sein muss. Dadurch werden die Moleküle des Lösemittels entgegen ihrer osmotischen usbreitungsrichtung durch die 197
10 halbdurchlässige Membran hindurch in die dünnere Lösung gepresst und dort angereichert. Das Verfahren wird zur Meerwasserentsalzung, aber auch zur Weinveredelung eingesetzt Dampfdruckerniedrigung Eine reine Flüssigkeit soll mit ihrem Dampf beim Druck p lg im Gleichgewicht stehen (μ 0, l = μ 0, g ). Der Dampfdruck von sinkt, wenn man darin einen schwerflüchtigen Fremdstoff auflöst. Die Zugabe von verdünnt die Flüssigkeit und erniedrigt damit ihr chemisches Potenzial; da der gelöste Stoff schwerflüchtig sein soll, leistet er jedoch keinen eitrag zum Dampf. Das Gleichgewicht wird also gestört, und der Dampf muss wegen seines zu hohen Potenzials an der Lösungsoberfläche kondensieren, wodurch der Druck sinkt. Der Vorgang läuft solange, bis wieder Potenzialgleichheit erreicht ist. Das Gleichgewicht kann durch Druckminderung um Δp wiederhergestellt werden, weil das Potenzial μ g des Dampfes wegen des weit größeren Druckkoeffizienten schneller absinkt als das der Flüssigkeit. Doch schauen wir uns zur Verdeutlichung die nachfolgende bbildung an: eim Dampfdruck p lg, der durch den Schnittpunkt der Potenzialkurven für das reine Lösemittel und den reinen Dampf festgelegt wird, besteht ein Gleichgewicht zwischen Flüssigkeit und zugehöriger Dampfphase. Ein gelöster schwerflüchtiger Stoff setzt das chemische Potenzial des Lösemittels herab, lässt jedoch das des Dampfes unverändert. Dadurch wird der Schnittpunkt der Kurven (p lg ) nach links verschoben, das heißt, der Dampfdruck wird um den etrag Δp erniedrigt (Δp < 0!). 198 Im wieder hergestellten Gleichgewicht muss gelten: μ = μ. Nehmen wir nun eine lineare bhängigkeit des chemischen Potenzials vom Druck an, ein nsatz, der in kleineren Druckbereichen näherungsweise auch für Gase gültig ist, so erhalten wir bei konstanter Temperatur unter erücksichtigung der mittelbaren Massenwirkung: μ RT x + β Δp = μ + β Δp. l l 0,g g Der nfangswert μ 0, l der reinen Flüssigkeit entspricht dem Grundwert l, der sich ja auf den Normwert x = 1 bezieht. usgangspunkt unserer etrachtung war ein Gleichgewicht zwischen dem reinem Lösemittel und seinem Dampf, d.h., μ 0, l (= μ l) und μ 0, g sind gleich und fallen damit heraus. Weiterhin ist das Glied β l Δp gegen β g Δp vernachlässigbar klein, so dass folgt: RT x = β Δp. g Der Druckkoeffizient entspricht, wie wir gesehen haben, dem molaren Volumen des betrachteten Stoffes, im vorliegenden Fall eines Gases (vgl. bschnitt 8.3). Das molare Volumen eines (idealen) Gases kann nun durch das allgemeine Gasgesetz beschrieben werden, und wir erhalten die bereits in bschnitt 9.2 vorgestellte eziehung l μ g
11 β g RT = V =. m,g p lg, Einsetzen ergibt: Δp RT x = RT. p lg, Für die Dampfdruckerniedrigung gilt also: Δp = x p ROULTsches Gesetz. lg, Sie ist somit direkt proportional zum Stoffmengenanteil des gelösten Stoffes. Proportionalitätskonstante ist der Dampfdruck des reinen Lösemittels. Dieses Gesetz wurde bereits 1890 empirisch von François Marie ROULT gefunden. ls Schauversuch eignet sich die folgende einfache nordnung. Versuch: Dampfdruckvergleich von Ether und einer Ether- Ölsäure-Mischung In der Waschflasche mit Ölsäurezusatz sinkt der Dampfdruck des Ethers, was durch den Flüssigkeitsstand im Manometer angezeigt wird Gefrierpunktserniedrigung und Siedepunktserhöhung Eine gefrorene Flüssigkeit schmilzt leichter, wenn man einen in der Flüssigkeit, nicht aber im Feststoff löslichen Stoff zugibt. m normalen Gefrierpunkt T sl von sind die chemischen Potenziale im festen und flüssigen Zustand gerade gleich (μ 0, s = μ 0, l ). Die uflösung eines Fremdstoffes in der flüssigen Phase verringert deren chemisches Potenzial, so dass es unter das der festen Phase sinkt, die sich daher umzuwandeln, d.h. zu schmelzen beginnt. Dadurch kühlt sich das ganze Gemenge ab, und die chemischen Potenziale steigen wegen ihrer negativen Temperaturkoeffizienten an. Da aber der Temperaturkoeffizient für eine Flüssigkeit kleiner als für einen Feststoff ist (α l < α s < 0), wächst μ l mit sinkender Temperatur schneller als μ s, so dass das Potenzialgefälle bei einer gewissen Temperaturerniedrigung wieder verschwindet und der Schmelzvorgang aufhört. uch dieses Phänomen soll wieder anhand einer bbildung verdeutlicht werden: Trägt man den Verlauf des chemischen Potenzials sowohl des reinen 199
12 Lösemittels als auch des reinen Feststoffs in bhängigkeit von der Temperatur auf, so gibt der Schnittpunkt der beiden Kurven den Gefrierpunkt der Flüssigkeit an. Der gelöste Stoff erniedrigt das chemische Potenzial der Flüssigkeit, beeinflusst aber nicht das der festen Phase. Der Schnittpunkt der Graphen (T sl ) wird damit nach links verschoben, d.h., der Gefrierpunkt wird um den etrag ΔT sl erniedrigt (ΔT sl < 0). uch bei der folgenden erechnung gehen wir von einem wieder hergestellten Gleichgewicht aus, diesmal jedoch zwischen flüssiger und fester Phase: μ = μ. l Nimmt man vereinfachend eine lineare bhängigkeit des chemischen Potenzials von der Temperatur an, so ergibt sich bei konstantem Druck: s Unter erücksichtigung von μ 0, l (= μ RT x + α ΔT = μ + α ΔT. l sl l 0,s s μ l ) = μ 0, s erhalten wir: RT x α ΔT = α ΔT. sl l s Durch Umformung ergibt sich die Gefrierpunktserniedrigung zu ΔT sl RTsl x = α α s Der Temperaturkoeffizient entspricht nun der negativen molaren Entropie des entsprechenden Stoffes (vgl. bschnitt 8.3). Die Differenz (S m, l S m. s ) kann anschließend zur molaren Schmelzentropie Δ sl S des reinen Lösemittels zusammengefasst werden: l. ΔT sl RT x Δ S sl =. sl uch die Gefrierpunktserniedrigung ist somit direkt proportional zum Stoffmengenanteil des gelösten Stoffes. Für die wässrige Lösung eines Nichtelektrolyten mit einem Stoffmengenanteil von beispielsweise x = 0,01 beträgt ΔT sl circa 1 K. Das Musterbeispiel für diesen Effekt ist die Tauwirkung von Streusalz. Ein anderes aus dem lltagsoder Feiertagsleben bekanntes eispiel zeigt folgender Versuch: Versuch: Whisky mit Eis Eis, mit Rum, Korn oder Whisky übergossen, wird deutlich kälter als 0 C. 200
13 nders als der Gefrierpunkt wird der Siedepunkt einer Lösung erhöht. So siedet zum eispiel eine gesättigte Kochsalzlösung bei einer merklich höheren Temperatur als entionisiertes Wasser. Versuch: Siedepunktserhöhung einer gesättigten Kochsalzlösung Im obigen Diagram ist entsprechend die Lage des Gleichgewichts zwischen Flüssigkeit und Dampf zu einer höheren Temperatur hin verschoben. llerdings fällt diese Siedepunktserhöhung deutlich geringfügiger aus, was auf die unterschiedlichen Steigungen der Potenzialkurven zurückzuführen ist. Diese werden wiederum von den molaren Entropien bestimmt, was naturgemäß zum steilsten bfall für den gasigen Zustand des Lösemittels führt. Durch eine ähnliche Überlegung wie im Fall der Gefrierpunktserniedrigung erhält man für die Siedepunktserhöhung bzw. ΔT sl RTsl x = α α g l ΔT lg RT lg =, Δ lg x S wobei jetzt Δ lg S die molare Verdampfungsentropie (S m, g S m, l ) bedeutet. Für eine wässrige Lösung mit einem Stoffmengenanteil von x = 0,01 beträgt ΔT lg nur etwa 0,3 K. Löst man einen schwerflüchtigen Fremdstoff in einer Flüssigkeit auf, so kann das gegenüber der Lösung jetzt zu hohe Potenzial des reinen Dampfes also auf zweierlei Weise vermindert werden, zum einen durch eine Erniedrigung des Druckes (bschnitt 11.4), zum anderen durch eine Erhöhung der Temperatur nwendung kolligativer Eigenschaften Das Gemeinsame der vier zuletzt besprochenen Erscheinungen, Osmose, Dampfdruckerniedrigung, Gefrierpunktserniedrigung und Siedepunktserhöhung, ist, dass sie auf der mittelbaren Massenwirkung gelöster Stoffe beruhen, d.h. auf der Herabsetzung des chemischen Potenzials durch Zumischen einer kleinen Menge an Fremdstoffen. Die auch kolligativ genannten Eigenschaften hängen daher nur vom Stoffmengenanteil dieser Fremdstoffe ab und damit von der nzahl der gelösten Teilchen, sie sind jedoch unabhängig von deren rt. Wegen der bhängigkeit vom Stoffmengenanteil kann man die kolligativen Eigenschaften prinzipiell auch zur estimmung der Molmasse einer Substanz nutzen. Schauen wir uns dies am eispiel der Gefrierpunktserniedrigung kurz an. ei hoher Verdünnung gilt ja x 201
14 n /n. In der Praxis ist es günstiger, statt des Stoffmengenanteils die Molalität b = x /M zu verwenden: ΔT RT M b sl sl =. ΔslS Die spezifischen Größen des Lösemittels (Gefrierpunkt T sl, molare Masse M und molare Schmelzentropie Δ sl S ) fasst man mit der Gaskonstanten zur (negativen) kryoskopischen Konstanten k k zusammen. Sie entspricht der Gefrierpunktserniedrigung, die sich für eine Konzentration von 1 mol gelöster Substanz in 1 kg Lösemittel ergibt. Zur Ermittlung der gesuchten Molmasse M muss man die Gleichung ΔT = k b = k sl k k m/ M m noch umformen M k m = k ΔT sl m. Dabei ist m die Masse des gelösten Stoffes, m die Masse des Lösemittels. Die Molmassenbestimmung ist um so genauer, je größer die kryoskopische Konstante des verwendeten Lösemittels ist, denn umso größer ist dann die messbare Gefrierpunktserniedrigung. Lösemittel ϑ sl k k ϑ lg C K kg mol 1 C k e K kg mol 1 Wasser 0 1, ,51 enzol 5,5 5,07 80,2 2,64 Cyclohexan 6,4 20,8 80,7 2,92 Cyclohexanol 25 42, ,5 Campfer ,8 - - naloge eziehungen ergeben sich für die Siedepunktserhöhung. Der Faktor vor b enthält dann die Siedetemperatur T lg und die Verdampfungsentropie Δ lg S. Die entsprechend k k gebildete ebullioskopische Konstante k e ist positiv und hat auf Grund des größeren Nenners (Δ lg S > Δ sl S ) meist einen kleineren etrag als k k. Die beobachtete Temperaturänderung ist daher, wie bereit erwähnt, kleiner als im Fall der Gefrierpunktserniedrigung und damit schlechter messbar. Die usbildung eines osmotischen Drucks kann ebenfalls zur Molmassenbestimmung herangezogen werden. Die auch als Osmometrie bezeichnete Methode besteht im Prinzip darin, dass der osmotische Druck einer Lösung mit bekannter Molalität gemessen wird. Der Vorteil gegenüber den anderen auf kolligativen Eigenschaften beruhenden Verfahren besteht in einer weitaus höheren Empfindlichkeit. So zeigt eine wässrige Rohrzuckerlösung mit einer Konzentration von 0,01 mol/kg eine Siedepunktserhöhung von 0,005 K und eine Gefrierpunktserniedrigung von 0,02 K, der osmotische Druck beträgt jedoch 25 kpa (0,25 bar), was sich leicht und genau messen lässt. Wegen dieser Empfindlichkeit eignet sich die Osmometrie besonders für die Untersuchung von makromokularen Stoffen (Molmassen zwischen 10 4 und 10 6 g/mol) wie synthetischen Polymeren, Proteinen und Enzymen. Die Gefrierpunktserniedri- 202
15 gung wird hingegen meist im medizinischen ereich zur estimmung der Gesamtosmolalität wässriger Lösungen wie z.. des lutserums oder des Urins eingesetzt. 203
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