Inhalt. Einführung in das Erbrecht
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- Stanislaus Pohl
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1 Inhalt Einführung in das Erbrecht Lektion 1: Der Erbfall 7 I. Die Gesamtrechtsnachfolge 7 1. Abgrenzung Erbeinsetzung-Vermächtnis 7 2. Annahme und Ausschlagung der Erbschaft 8 a) Ausschlagung der Erbschaft 9 b) Annahme der Erbschaft 9 c) Anfechtung von Annahme bzw. Ausschlagung Die Erbengemeinschaft 12 a) Verfügungsrecht des Miterben 12 b) Verwaltung des Nachlasses 14 c) Auseinandersetzung 17 II. Die Haftung des Erben Nachlassverbindlichkeiten 18 a) Erlasserschulden 18 b) Erbfallschulden 19 c) Erbschaftsverwaltungsschulden 19 d) Nachlasserbenschulden Die Beschränkung der Erbenhaftung 20 a) Nachlassverwaltung 20 b) Dürftigkeitseinrede 21 III. Ansprüche des Erben gegen den unrechtmäßigen Besitzer Einzelansprüche Der Erbschaftsanspruch gemäß Lektion 2: Verfügungen von Todes wegen 25 I. Das Testament Voraussetzungen der Wirksamkeit 25 a) Testierfähigkeit 25 b) Höchstpersönlichkeit 26 c) Testierwille 29 d) Form 29 aa) Eigenhändiges Testament 29 bb) Öffentliches Testament 32 cc) Außerordentliche Testamente 32 e) Keine Sittenwidrigkeit 32 f) Kein Widerruf 33
2 g) Keine Anfechtung 35 aa) Anfechtungsgrund 36 bb) Anfechtungsberechtigter 38 cc) Anfechtungserklärung 38 dd) Anfechtungsfrist 39 ee) Kein Ausschluss des Anfechtungsrechts Die Auslegung des Testaments 41 a) Hypothetischer Wille des Erblassers 41 b) Auslegungsregeln 43 II. Besondere Anordnungen des Erblassers 44 III. Das gemeinschaftliche Testament Wirksamkeit 50 a) Inhalt 50 b) Form Besonderheiten bei wechselbezügl. Verfügungen 51 a) Vorliegen wechselbezüglicher Verfügungen 51 b) Gegenseitige Abhängigkeit Das Berliner Testament 54 IV. Der Erbvertrag 59 Lektion 3: Die gesetzliche Erbfolge, 1924 ff. 65 I. Der Eintritt der gesetzlichen Erbfolge 65 II. Das gesetzliche Erbrecht der Verwandten 66 III. Das Erbrecht des nichtehelichen Kindes 71 IV. Das Erbrecht des Staates, Lektion 4: Der Erbschein, 2353 ff. 72 I. Die Bedeutung im Rechtsverkehr 72 II. Das Verfahren (FGG) 77 Lektion 5: Das Pflichtteilsrecht, 2303 ff. 78 I. Der Pflichtteilsanspruch Der Pflichtteilsanspruch aus Der Pflichtteilsrestanspruch aus Der Pflichtteilsergänzungsanspruch aus II. Das Erbrecht des Ehegatten Die erbrechtliche Lösung Die güterrechtliche Lösung 86 Lektion 6: Rechtsgeschäfte unter Lebenden v. Todes wg. 90 I. Die Schenkung unter Lebenden, II. Die Schenkung auf den Todesfall, III. Der echte Vertrag zu Gunsten Dritter, 328,
3 Lektion 1: Der Erbfall I. Die Gesamtrechtsnachfolge, 1922 Mit dem Tode einer Person tritt die sog. Gesamtrechtsnachfolge gem ein. Das Vermögen des Erblassers geht als Ganzes auf den oder die Erben über, sog. Universalsukzesssion. Nur in wenigen Ausnahmefällen (insbesondere beim erbrechtlichen Übergang von Gesellschaftsanteilen) gibt es eine Singularsukzession, d. h. eine Rechtsnachfolge in einzelne Vermögensstücke. Höchstpersönliche Rechte sind nur in Ausnahmefällen vererblich. Für bestimmte, an sich höchstpersönliche Rechtspositionen ist eine Vererblichkeit ausdrücklich vorgesehen, z. B. für Urheberrechte in 28, 64 UrhG. Ausdrücklich nicht vererblich ist der Nießbrauch gem S. 1. Der Vermögenserwerb gem vollzieht sich gesetzlich, ohne dass es dabei auf Kenntnis oder Willen des Erben ankäme. Gemäß 857 erwirbt der Erbe auch den sog. Erbenbesitz. 1. Abgrenzung Erbeinsetzung Vermächtnis Wendet der Erblasser einer Person bestimmte Vermögensgegenstände zu, stellt sich die Frage, ob der Begünstigte Erbe oder Vermächtnisnehmer im Sinne der 2147 ff. sein soll. Dabei handelt es sich um ein klassisches Auslegungsproblem. Ein Vermächtnis unterscheidet sich von der Erbeinsetzung dadurch, dass es dem Vermächtnisnehmer nur einen schuldrechtlichen Anspruch gegen den oder die Erben als Beschwerte gewährt, Anders als der Erbe ist der Vermächtnisnehmer nicht dinglich am Nachlass beteiligt. Zunächst kommt es bei der Abgrenzung auf den Willen des Erblassers an, welche Konstruktion er bevorzugt hat. Die verwendete Formulierung dürfte dabei keine Rolle spielen, da juristische Laien die Begriffe erben und vermachen in der Regel untechnisch verwenden. Im Zweifel hilft die Auslegungsregel des 2087 weiter. Gemäß 2087 I ist von einer Erbeinsetzung auszugehen, wenn der Erblasser dem Bedachten
4 sein Vermögen oder einen Bruchteil seines Vermögens zugewendet hat. Die Zuwendung einzelner Gegenstände spricht dagegen für ein Vermächtnis (vgl II). Erbringt der Verpflichtete die geschuldete Leistung nicht ordnungsgemäß, ergeben sich die Rechtsfolgen konsequenterweise aus dem allgemeinen Schuldrecht, insbesondere den 275, 280, 283, 286. Für die Gewährleistung wegen Mängeln des vermachten Gegenstandes treffen die 2182 f. Sonderregelungen. Beispiel 1: Vater V trifft folgende testamentarische Verfügung: Hiermit setze ich meinen Sohn S als Erben ein. Mein Neffe N soll mein Motorrad erhalten. Mit dem Tod des V wird S gem automatisch Eigentümer des gesamten Vermögens des V. Dafür, dass V eine dingliche Berechtigung des N am Nachlass wollte, ist nichts ersichtlich. Die Zuwendung des Motorrades an N als einzelner Gegenstand stellt daher ein Vermächtnis dar (vgl II). N kann von S gem Übereignung des Motorrades verlangen. Abwandlung: Das Motorrad wird nach dem Tod des V in der Garage des S durch dessen Verschulden zerstört. Ansprüche des N? Lösung: N kann unter den Voraussetzungen der 280 I, III, 283 Schadensersatz statt der Leistung verlangen. Da die Übereignung des Motorrades dem S unmöglich ist, braucht dieser die ursprünglich geschuldete Leistung gem. 275 I nicht mehr zu erbringen. S hat die Zerstörung des Motorrades auch gemäß 280 I 2 verschuldet, so dass er dem N gem. 280 III, 283 zum Schadensersatz statt der Leistung verpflichtet ist. 2. Annahme und Ausschlagung der Erbschaft Der Anfall einer Erbschaft bringt für den Bedachten nicht nur Vorteile mit sich: Da er im Wege der Gesamtrechtsfolge vollständig in die Stellung des Erblassers einrückt, haftet er nunmehr auch für dessen Verbindlichkeiten (wie 1967 zusätzlich klarstellt). Insbesondere bei einer Überschuldung des Nachlasses kommt dem Erben die Tatsache zugute, dass seine kraft Gesetzes erlangte Stellung zunächst nur vorläufig ist.
5 a) Ausschlagung der Erbschaft Gem I hat der Erbe die Möglichkeit, die kraft Gesetzes auf ihn übergegangene Erbschaft auszuschlagen. Binnen sechs Wochen ( 1944 I) kann er erklären, dass er die Erbschaft nicht antreten will. Die Erklärung ist gem gegenüber dem Nachlassgericht (vgl. 72 FGG) formgerecht abzugeben. Mit der wirksamen Ausschlagung verliert der Erbe rückwirkend die durch den Erbfall eingetretene vorläufige Rechtsstellung ( 1953 I). In diese Stellung rückt gem II derjenige ein, der zum Erben berufen sein würde, wenn der Ausschlagende zur Zeit des Erbfalls nicht gelebt hätte. Die Ausschlagung ist gemäß 1943 ausgeschlossen, sobald der Erbe die Erbschaft angenommen hat. b) Annahme der Erbschaft Da sich der Rechtsübergang bei der Erbschaft im Wege des gesetzlichen Vonselbsterwerbs vollzieht, ist eine Annahme der Erbschaft grundsätzlich entbehrlich. Gleichwohl ist eine Annahme sowohl ausdrücklich als auch konkludent denkbar und hat durchaus auch rechtliche Bedeutung: Wie bereits festgestellt, hat sie den Verlust des Ausschlagungsrechts zur Folge. Dadurch beendet sie gleichzeitig den Schwebezustand vom Anfall der Erbschaft bis zum Ablauf der Ausschlagungsfrist. Für die Annahme einer Erbschaft gibt es kein Formerfordernis. Sie kann auch durch schlüssiges Verhalten erfolgen und ist nicht empfangsbedürftig. Auch das Verstreichenlassen der Ausschlagungsfrist gilt gem als Annahme. Ob ein bestimmtes Verhalten als Annahme der Erbschaft zu werten ist, bedarf der Auslegung im Einzelfall.
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