No Blame Approach - Methode Farsta - Methode LIS Bremen / 11.02. und 12.02.2011 1
Kennzeichen von Mobbing Negative Handlungen eines einzelnen oder (häufiger) einer kleinen Gruppe gegen eine Einzelperson mit dem Ziel, diese aus der Gesamtgruppe hinauszudrängen. über einen längeren Zeitraum hinweg ständige Wiederholungen dauerhafte Täter-Opfer-Beziehung mit eindeutigem Machtgefälle Verlauf des Mobbingprozesses Explorationsstadium o Der oder die Täter suchen durch Attacken gegen viele verschiedene Kinder geeignete Opfer. o Die Reaktion der Mitschüler konzentriert sich auf das Verhalten der Täter. Konsolidierungsstadium o Hier werden durch systematische aggressive Attacken des Täters gegenüber einem ausgewählten Opfer die sozialen Normen der Klasse ausgetestet. o Haltung und Verhalten der Mitschüler gegenüber Täter und Opfer tragen entscheidend dazu bei, ob der Prozess unterbrochen wird. Manifestationsstadium o Die Opferrolle ist irreversibel festgelegt. Im Wesentlichen liegt die Definitionsmacht über die sozialen Normen der Klasse beim Täter. o Dessen aggressive Attacken gegen das Opfer erfahren Anerkennung und aktive Unterstützung. (Die Aggressionen sind gerechtfertigt) o Hingegen wird das Opfer von den Mitschülern abgelehnt und wird innerhalb der Klasse isoliert. 2
no blame approach Beteiligte am Mobbingprozess Eine Untersuchung an der Ludwig-Maximilian Universität München in 138 Schulklassen 5. - 8. Jhrg. Beim No Blame Approach - Ansatz wird versucht, systematisch den Einfluss der nicht mobbenden Schüler zu stärken! 3
Die No Blame Approach - Methode und die Farsta - Methode haben eine Gemeinsamkeit die Opfer sind in die direkten Interventionen nicht involviert! Die größte Gefahren bei der Besprechung von Mobbingvorfällen in Anwesenheit des Opfers sind die erneuter Verletzungen und Beschimpfungen 4
No Blame Approach Evaluation durch den Bund für Soziale Verteidigung, Minden 2008 (220 ausgewertete Interventionen) Die Mobbingbetroffenen waren in der Studie zwischen 9 und 17 Jahren. Die Methode wurde an allen Schulformen (Berufsschule bis erstes Berufsschuljahr) eingesetzt. Die Erfolgsquote des No Blame Approach liegt nach den ausgewerteten Daten bei 87,3 %. D.h. nur 12,7 % der Mobbing-Fälle konnten nicht zufrieden stellend beendet werden. Die Studie ist auf der Seite http://www.no-blame-approach.de zu finden No Blame Approach Grundsätze Freiwilliges Mitwirken aller Beteiligten Völliger Verzicht auf Schuldzuweisung und Bestrafung Ansprache der Schüler/innen als Helfer und nicht als Schuldige 1. Schritte o Einverständnis der Eltern holen o Vorgehen im Kollegium transparent machen o es schadet nicht, wenn die Schulleitung informiert ist! 2. Schritt: Gespräch mit dem Opfer o mit dem Kind über seine Gefühle sprechen o herausfinden wer beteiligt ist aber nicht detailliert was passiert ist o herausfinden, wen das Opfer als Unterstützer für sich sieht 5
o Interventionserlaubnis einholen Eine Möglichkeit dem Mobbingopfer die Methode zu erklären wäre z.b.: "Ich werde mich mit einigen Mitschülern von dir zusammensetzen. Mit ihnen werde ich überlegen, wie sich die Situation für dich und die Klasse verbessern lässt. Dabei sein werden einige, die du gut findest und einige, die dazu beitragen, dass es dir nicht so gut geht." Was ist im Gespräch mit dem Opfer hilfreich? Sicherheit geben die Teilnehmer der Unterstützergruppe kriegen keine Schwierigkeiten Angebot, dass Schüler/in Sie im Schulalltag jederzeit ansprechen kann das hat anderen auch schon geholfen! Vertrauen schaffen/herstellen du hast keine Schuld! aktives Zuhören geschützter Raum für das Gespräch ausreichend Zeit ggf. Bedenkzeit anbieten das eigene Engagement deutlich machen eigenen Wunsch nach Veränderung verdeutlichen konkrete Unterstützung anbieten Wertschätzung das Opfer entlasten Du musst nicht in der Unterstützergruppe dabei sein! Du musst nichts selbst tun Du hast keine direkte Konfrontation mit deinem Peiniger Du musst nur darauf achten, ob sich was verbessert Entscheidungsfreiraum geben wenn du jetzt nein sagst ist Stopp, aber wenn du sagst wir probieren es aus, dann probieren wir es. Wenn das Opfer immer noch nicht überzeugt ist: Aufzeigen, dass es eigentlich nicht mehr schlimmer werden kann Frage, was schlimmstenfalls passieren könnte Entscheidungsfreiraum geben! 6
3. Schritt Treffen einer Unterstützergruppe organisieren o Täter/innen o Mitläufer/innen o unbeteiligte konstruktive Kräfte der Klasse Wer gehört in die Unterstützergruppe Schüler/innen, die eine starke Stellung/ hohe Anerkennung und Einfluss in der Klassehaben und deren Meinung in der Klasse zählt die als sozial kompetent eingeschätzt werden deren Sozialkompetenz zwar als nicht so hoch eingeschätzt wird, die aber von sich aus eine Veränderung der Situation einfordern die Sympathie gegenüber dem von Mobbing-Betroffenen zeigen die Standfestigkeit, Standvermögen und Mut zeigen Die Unterstützergruppe muss eingeladen werden mündlich einzelne persönliche Ansprache freundliche Ankündigung in der Klasse, wer wann zu einem Gespräch zur Lösung eines Problems in Raum XY kommen soll oder schriftlich Brief persönlich übergeben durch die Unterrichtenden übergeben lassen 7
Gespräch Unterstützergruppe Die Lehrkraft / Sozialarbeiterin bittet um Unterstützung bei der Lösung eines Problems o Wertschätzung der Kompetenzen, Stärken und positiven Eigenschaften der Einzelnen o Problem klären o die Lehrkraft beschreibt die Situation, beschreibt wie sich der/die Gemobbte fühlt aber keine Details, o keine Schuldzuweisungen an Gruppe o auf Verantwortung der Gruppe für das Geschehen hinweisen Überzeugung zum Ausdruck bringen, dass die Gruppe Verantwortung tragen kann und etwas verändern kann o Ziel festlegen (das Opfer soll sich wieder besser fühlen!) o Gruppe nach Ideen fragen o jeder soll konkrete Vorschläge äußern o Lehrkraft verstärkt Antworten positiv o kein Versuch Versprechen für verbessertes Verhalten abzuringen o Klare Formulierung nach dem Wunsch nach Veränderung o Blick nach vorne auf eine positive Veränderung o nicht auf Schuldzuweisung und Vorwürfe eingehen o Verantwortung für die Verbesserung der Situation des Opfers an die Gruppe geben o aber den Prozess verantwortlich begleiten o nächstes Treffen vereinbaren 8
5. Nachbereitung o Nach ca. einer Woche mit allen Beteiligten im Einzelgespräch klären, wie sich die Situation entwickelt hat. o Ggf. Nachfolgetreffen vereinbaren Während der gesamten Intervention Kontakt zu Opfer halten!!! 9 Farsta Methode Die Schule bildet ein Aktionsteam Mobbing, das aus 3-6 Personen besteht. 1. Die Schule erfährt, dass ein gewisser Schüler gemobbt wird. Im Aktionsteam (AG Mobbing) der Schule wird besprochen, wie man einschreiten kann. Liegt Mobbing vor und wer ist der Täter, gibt es mehrere Opfer? 2. Vorsichtige Gespräche mit dem Opfer. Was ist eigentlich vorgefallen? Wer sind Opfer oder Täter? Interventionsberechtigung vom Opfer einholen! 3. Unterstützung organisieren Zeit freihalten Raum für ungestörte Gespräche organisieren Kollegen informieren, dass die mobbenden Schüler der Reihe nach aus dem Unterricht geholt werden 4. Die Mobber werden einer nach dem anderen zum Gespräch gerufen. Ihnen wird gesagt, dass man weiß, dass sie mobben, dass man dies als ernsthaftes Problem sieht und dass das Mobben unmittelbar aufhören muss. Nicht moralisieren, nicht nachfragen warum! Ankündigen, dass das Gespräch am folgenden Tage fortgesetzt wird. 5. Diese Gespräche von nur fünf bis zehn Minuten werden fortgesetzt. Allmählich handeln sie davon, wie sich die Situation des Gemobbten ändern kann, damit sich dessen soziale Situation verbessert.
Wichtig: Die Intervention hört also nicht schon beim Ende des Drangsalierens auf, sondern erst, wenn die Mobber gelernt haben, mit ihrem Opfer zusammenzuarbeiten! 6. Parallel dazu Gespräche mit dem Gemobbten 7. Ist die Situation zufrieden stellend gelöst, gibt es ein Abschlussgespräch! Täter / Opfer Die Täter haben verschiedene Formen der Benachteiligung erfahren begegnen ihrem Umfeld mit wachsender Abwehrhaltung und Feindseligkeit ihre Illusion mit Gewalt Probleme lösen zu können, wird vor allem von der Reaktion der Opfer und der scheinbar Unbeteiligten gespeist sind vom persönlichen Selbstverständnis her Opfer und haben ein dementsprechend niedriges Selbstwertgefühl genehmigen sich durch die Unterwerfung des Opfers eine Erhöhung des Selbstwertgefühls attestieren sich damit ein gutes Durchsetzungsvermögen und Erfolg (empfindet sich aber gleichzeitig weiter als Verlierer und Versager) lieben und benötigen Rechtfertigungsstrategien sind Experten in der Vermeidung von Schuldgefühlen 10
Die Opfer tragen häufig zur Entstehung und Verschärfung der Ereignisse bei, weil sie bestimmte Verhaltensmuster in der Klasse nicht durchschauen über keinen ausreichenden Selbstschutz verfügen nicht in der Lage sind, in Konfliktsituationen eigene Drehbücher zu schreiben sich durch Körpersprache immer wieder ins Spiel bringen Verantwortlich ist aber immer der Täter! 11