7.3 Lorentz Transformation

Ähnliche Dokumente
3D-Transformationen. Kapitel Translation Skalierung

Kapitel 3. Minkowski-Raum. 3.1 Raumzeitlicher Abstand

ART 5. Kontravarianter und kovarianter Vierervektor

7.4 Einige Konsequenzen aus der Lorentz Transformation

3 Koordinatentransformationen

3D-Transformationen. Kapitel Translation Skalierung

Computergrafik Sommersemester 2004 Übungen

Lorentz-Transformation

14 MATHEMATISCHE GRUNDLAGEN DER COMPUTERGEOMETRIE. x y

1.3 Transformation der Geschwindigkeit

5.3.3 Die Lorentz-Transformationen

Ferienkurs Elektrodynamik WS11/12 - Elektrodynamik und spezielle Relativitätstheorie

09. Lineare Abbildungen und Koordinatentransformationen

0 1 0 b Die inverse Funktion muss die Translation um b sein und hat daher die homogene Matrix b b 1

Lineare Transformationen, Teil 1 Lösungen zu den Aufgaben. 1 E1 Ma 1 Lubov Vassilevskaya

Brückenkurs Mathematik. Mittwoch Freitag

Einleitung 2. 1 Koordinatensysteme 2. 2 Lineare Abbildungen 4. 3 Literaturverzeichnis 7

Übung 8 : Spezielle Relativitätstheorie

Eigenwerte und Eigenvektoren

Viele wichtige Operationen können als lineare Abbildungen interpretiert werden. Beispielsweise beschreibt die lineare Abbildung

2.3.1 Rechtshändiges und linkshändiges Koordinatensystem

Analytische Geometrie, Vektorund Matrixrechnung

Lineare Algebra. Mathematik II für Chemiker. Daniel Gerth

Eigenwerte und Eigenvektoren

Lineare (affine) Abbildung

Tutorium Mathematik II, M Lösungen

Transformation Allgemeines Die Lage eines Punktes kann durch einen Ortsvektor (ausgehend vom Ursprung des Koordinatensystems

Vorlesungsskript Integrierter Kurs III - spezielle Relativitätstheorie. Marcel Indlekofer, Thomas Lauermann, Vincent Peikert und Raphael Straub

Ferienkurs der Experimentalphysik II Teil IV Spezielle Relativitätstheorie

Geometrie in der Ebene und im Raum

24 Minkowskis vierdimensionale Raumzeit

Klausurenkurs zum Staatsexamen (SS 2015): Lineare Algebra und analytische Geometrie 8

Mathematik II Frühjahrssemester 2013

Kapitel 15 Lineare Gleichungssysteme

I.2.3 Minkowski-Raum. ~r x 3 benutzt.

03. Vektoren im R 2, R 3 und R n

Computergrafik 1 Übung

3 Matrizenrechnung. 3. November

Übungsaufgaben zu Kapitel 1 und 2

Klein-Gordon-Gleichung

03. Vektoren im R 2, R 3 und R n

entspricht der Länge des Vektorpfeils. Im R 2 : x =

35 Matrixschreibweise für lineare Abbildungen

Tensoren. Duale Basis ermitteln Zusammenhänge

Kapitel 3. Vektorräume. Josef Leydold Mathematik für VW WS 2017/18 3 Vektorräume 1 / 41. : x i R, 1 i n x n

Kapitel 3. Vektorräume. Josef Leydold Mathematik für VW WS 2017/18 3 Vektorräume 1 / 41

Transformationen. 09-Transformationen

Geometrie. Bei der Addition von Vektoren erhält man einen Repräsentanten des Summenvektors +, indem man die Repräsentanten von aneinanderfügt:

Aufgabe 1. Die Determinante ist eine lineare Abbildung von C n n nach C? Nein (außer für n = 1). Es gilt det(λa) = (λ) n det(a).

Brückenkurs Mathematik

Mathematische Grundlagen

Vektoren. Kapitel 13 Vektoren. Mathematischer Vorkurs TU Dortmund Seite 114 / 1

Jede symmetrische Bilinearform b definiert eine quadratische Form q durch. q(x) := b(x, x).

Mathematik für Naturwissenschaftler, Pruscha & Rost Kap 7 Lösungen

KORREKTURANLEITUNGEN zum Testheft A1

Kreis - Tangente. 2. Vorbemerkung: Satz des Thales Eine Möglichkeit zur Bestimmung der Tangente benutzt den Satz des Thales.

D-MAVT/D-MATL FS 2017 Dr. Andreas Steiger Analysis IILösung - Serie18

2.9 Gedämpfter Harmonischer Oszillator

Grundsätzliches Rechnen mit Matrizen Anwendungen. Matrizenrechnung. Fakultät Grundlagen. Juli 2015

Musterlösungen Blatt Mathematischer Vorkurs. Sommersemester Dr. O. Zobay. Matrizen

12. Flächenmomente. Umwelt-Campus Birkenfeld Technische Mechanik II

Universität Stuttgart Physik und ihre Didaktik PD Dr. Holger Cartarius. Matrizen. a 1,1 a 1,2 a 1,n a 2,1 a 2,2 a 2,n A = a m,1 a m,2 a m,n

Darstellungstheorie. Vortag von Heiko Fischer - Proseminar QM

Relativistische Punktmechanik

Räumliche Bereichsintegrale mit Koordinatentransformation

Vorkurs Mathematik B

Lorentz-Transformationen und Invarianz

EINFÜHRUNG IN DIE TENSORRECHNUNG

Grundlagen der Vektorrechnung

Matrizen. Spezialfälle. Eine m nmatrix ist ein rechteckiges Zahlenschema mit. m Zeilen und n Spalten der Form. A = (a ij ) =

6.6. Abstandsbestimmungen

7 Lineare Gleichungssysteme

Theoretischen Physik II SS 2007 Klausur II - Aufgaben und Lösungen

Vorlesung Mathematik 2 für Informatik

MATRIZEN. Eine Matrix ist eine rechteckige Anordnung von Zahlen, als ein Schema betrachtet. a 11 a a 1n a 21. a a 2n A = a m1 a m2...

Mathematik II Frühlingsemester 2015 Kapitel 8: Lineare Algebra 8.5 Eigenwerte und Eigenvektoren

Vektorrechnung. 10. August Inhaltsverzeichnis. 1 Vektoren 2. 2 Grundlegende Rechenoperationen mit Vektoren 3. 3 Geometrie der Vektoren 5

4. Verzerrungen. Der Abstand von zwei Punkten ändert sich. Der Winkel zwischen drei Punkten ändert sich

4 Lineare Abbildungen und Matrizen

Übungsblatt

Transkript:

26 KAPITEL 7. SPEZIELLE RELATIVITÄTSTHEORIE 7.3 Lorent Transformation In diesem Abschnitt sollen die Transformationen im 4-dimensionalen Minkowski Raum betrachtet werden. Dabei wollen wir uns auf solche Transformationen des Koordinatensstems K K beschränken, bei denen der Koordinatenursprung, das heisst der Raumeitpunkt r = und t =, beibehalten wird. Außerdem soll bei der Transformation der Koordinaten der Betrag des Vektors gemäß der Minkowski Norm konstant gehalten werden. Im einfachen 3-dimensionalen Raum entsprechen solche Transformationen.B. den Drehungen des Koordinatensstems. In diesem Fall bleibt der Koordinatenursprung identisch, die Länge der räumlichen Vektoren bleibt erhalten. Ein Beispiel für eine Koordinatentransformation, die über eine einfache Drehung hinausgeht und die Transformation der Koordinate Zeit mit einbeieht, ist die Transformation auf ein Koordinatensstem K, das sich aus der Sicht des Koordinatensstems K mit einer Geschwindigkeit v = vê, also parallel ur -Achse bewegt. Dabei soll unächst einmal angenommen werden, dass die Achsen des raumartigen Koordinatensstems K parallel u denen des Sstems K stehen, wie das auch in Abb. 7.7 skiiert ist. Diese Transformation ist ein Speialfall der allgemeinen Lorent Transformation, den wir in den folgenden Diskussionen häufig als Beispiel heraniehen werden. Abbildung 7.7: Standard Beispiel für eine Lorent Transformation Ein Raumeitpunkt werde im Koordinatensstem K durch die Koordinaten des ugehörigen kontravarianten Vektors µ definiert. Die Koordinaten des gleichen Raumeitpunktes im Koordinatensstem K ergeben sich durch die lineare Transformationsgleichung = = a ct + a 1 + a 2 + a 3 1 = = a 1 ct + a 1 1 + a 1 2 + a 1 3 2 = = a 2 ct + a 2 1 + a 2 2 + a 2 3 3 = = a 3 ct + a 3 1 + a 3 2 + a 3 3 (7.23) In der kompakten Schreibweise, die wir im vorigen Abschnitt eingeführt haben, reduieren sich diese Gleichungen auf ν = a ν µ µ. (7.24)

7.3. LORENTZ TRANSFORMATION 261 Natürlich kann man die Koeffiienten a ν µ auch als Elemente einer 4 4 Matri A auffassen, wobei der erste Inde ν sich auf die Zeile und der weite Inde µ auf die Spalte beieht, womit die Transformation (7.23) sich als Multiplikation einer Matri mit einem Spaltenvektor schreiben lässt = A. (7.25) Die Lorent Transformation für das Standardbeispiel eines Boostes des Koordinatensstem K in -Richtung mit einer Geschwindigeit v (siehe auch Abb. 7.7) wird durch die Transformationsmatri 1 β 2 A = β 1 2 1 mit β = v c, (7.26) 1 beschrieben. Dies bedeutet, dass ein Ereignispunkt, der im Koordinatensstwm K durch die Koordinaten µ = (ct,,, ) dargestellt ist im geboosteten Koordinatenstem K die Koordinaten besitt. 1 β β 1 2 1 1 ct ct β βct+, (7.27) Zum Nachweis, dass diese Transformation (7.26) die richtige Lorent Transformation ist, machen wir die folgenden Bemerkungen: Bei der Koordinatentransformation (7.27) bleibt der Betrag des Vektors im Sinne der Metrik des Minkowski Raumes erhalten. Es gilt nämlich c 2 t 2 2 2 2 1 [ = (ct β) 2 ( βct) 2] 2 2 1 β 2 = c 2 t 2 2 2 2. Im Koordinatensstem K werden die Ereignispunkte, die die aktuelle Position des räumlichen Koordinatenursprungs des geboosteten Sstems beschreiben durch die Koordinaten = ct und 1 = =, 2 = =, 3 = = erfasst. Mit der Transformation (7.27) ergibt sich für diese Ereignispunkte im geboosteten Sstem ct β βct+ ct 1 β 2, was natürlich genau dem räumlichen Koordinatenursprung entspricht. Die Zeit t = t 1 β 2 ist die Zeit, die von einem Messknecht gemessen wird, der sich mit dem Koordinatenursprung von K mitbewegt.

262 KAPITEL 7. SPEZIELLE RELATIVITÄTSTHEORIE Für Geschwindigkeiten des Boostes v, die sehr klein sind verglichen mit der Lichtgeschwindigkeit c sollte die Lorent Transformation (7.27) natürlich die Ergebnisse der entsprechenden nicht-relativistischen Galilei Transformation liefern. In diesem Fall ist β = v/c sehr klein verglichen mit 1 und wir können berechnen = 1 β 2 [ = ( ) 1 + 1 2 β2 + 3 ] 8 β4 + ( ). Beim Übergang ur weiten Zeile wurde die Talorentwicklung benutt, die für sehr kleine Werte von β natürlich sehr rasch konvergiert, so dass im nicht-relativistischen Grenfall β der Übergang ur dritten Zeile und damit um Ergebnis der Galilei Transformation legitimiert ist. Die Umkehrtansformation u (7.27) lautet ct 1 β 2 β 1 2 1 1 +β β +. (7.28) Dies kann man durch Ausrechnen betstätigen oder durch die Überlegung, dass ja das Koordinatensstem K aus der Sicht von K mit der Geschwindigkeit v in Richtung geboostet wird. Die Umkehrtransformation ergibt sich also aus (7.27) einfach dadurch, dass v v bw. β β gesett wird. Mit (7.27) haben wir die Lorent Transformation für den einfachen Boost in -Richtung kennen gelernt. Als nächstes Beispiel wollen wir nun die Transformation betrachten, die in Abb. 7.8 skiiert ist. Das Sstem K bewegt sich auch in diesem Beispiel mit einer Geschwindigkeit v in Richtung der -Achse von K ist aber außerdem noch um einen Winkel φ gedreht. Diese Koordinatentransformation behandeln wir in wei Schritten: 1. Im ersten Schritt transformieren wir auf das Koordinatensstem K, was durch die Boost-Transformation (7.24) geschieht α = a α µ µ, (7.29) wobei die Koeffiienten a α µ durch die Elemente der Matri A in (7.26) definiert sind. 2. Im weiten Schritt berechnen wir die Koordinaten eines Ereignispunktes aus den Koordinaten des Sstems K in die des Sstems K um. Bei dieser Transformation ruht der Koordinatenursprung, es erfolgt ledigleich eine Drehung um die Achse mit dem Winkel φ. Diese Transformation berechnet sich gemäß ν = b ν α α, (7.3)

7.3. LORENTZ TRANSFORMATION 263 φ Abbildung 7.8: Beispiel für eine Lorent Transformation mit Drehung. Die -Achsen sind hier nicht dargestellt um die Abbildung übersichtlicher u gestalten. mit b ν α B = 1 cosφ sin φ sin φ cosφ 1 (7.31) Insgesamt ergibt sich also die Transformation u mit ν = b ν αa α µ µ = c ν µ µ (7.32) c ν µ = b ν αa α µ, was auch bedeutet, dass sich die Transformationmatric C c ν µ als Produkt der Matrien A mit B ergibt (Achtung: das Ergebnis hängt von der Reihenfolge der Faktoren A und B ab). Ein weiteres Beispiel ist in Abb. 7.9 skiiert. In diesem Fall wird das Koordinatensstem K in eine beliebige Richtung (nicht parallel ur -Achse) geboostet. Die ugehörige Transformation kann in 3 Schritte erlegt werden: 1. Transformation K K was einer Drehung um die -Achse um den Winkel φ entspricht, in Matrischreibweise: = B 1

264 KAPITEL 7. SPEZIELLE RELATIVITÄTSTHEORIE φ Abbildung 7.9: Boost in beliebige Richtung 2. Boost eines Koordinatensstems K in Richtung der -Achse des Koordinatensstems K (dieses Sstem ist in Abb. 7.9 nicht dargestellt). Dies entspricht der einfachen Boost Transformation von (7.25) also = A 3. Das Koordinatensstem K ergibt sich aus K durch Drehung um die -Achse um den Winkel φ, also = B = B A = B A B 1 Allgemeine Lorent Transformationen können nun nach dem Schema dieser Beispiele durch Drehungen und Boost Transformationen generiert werden.