Recht der Personengesellschaften Dr. Sebastian Mock, LL.M.(NYU) Attorney-at-Law (New York) dienstags, 12.15 13.45, Phil B
I. Gegenstand Recht der privaten Zweckverbände = Abgrenzung von: Recht der privatrechtlichen Personenvereinigungen zur Verfolgung gemeinsamer Zwecke - Körperschaften und Organisationsformen des öffentlichen Rechts (z.bsp. Gemeinden, Universität oder Berufskammern) o kein freiwilliger Zusammenschluss Privater - familienrechtlichen Gemeinschaften o keine Begründung durch Rechtsgeschäft oder Verfolgung eines bestimmten Zwecks - erbrechtliche Gemeinschaften o keine Begründung durch Rechtsgeschäft, sondern von Todes wegen - Rechtsgemeinschaften o gemeinsames Recht ohne Verbindung zu einem gemeinsamen Zweck o z. Bsp. Bruchteilsgemeinschaft, Wohnungseigentümergemeinschaft, Miturheberschaft + Anwendung gesellschaftsrechtlicher Grundsätze möglich und oftmals notwendig + Abgrenzung von Gesellschaften unter Beteiligung dieser Personen
II. Historische Entwicklung universitas und societas im römischen Recht Weiterentwicklung vor allem im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit Bedeutungszuwachs durch rechtliche Selbständigkeit des Gesellschaftsvermögens große Kodifizierungen im Zusammenhang mit der Nationalstaatenentwicklung o Code de Commerce (1807) bzw. Code Civil (1804) in Frankreich o ADHGB (1861) und HGB (1897) in Deutschland zunehmender Rückzug staatlicher Kontrolle durch Liberalismus und Stärkung der Privatperson spätere Trennung in Einzelgesetze sowie Spezialisierung und Entstehung neuer Teilrechtsgebiete Vereinheitlichung des Gesellschaftsrechts im Rahmen des europäisches Einigungsprozesses neue Herausforderungen im Rahmen der Globalisierung o Idee der Welt-AG, Regulierungsflucht, Hedge Fonds
III. Wirtschaftliche Bedeutung (Kapital-)Gesellschaften als zentrale Kapitalsammelstelle Dominanz des Kapitalgesellschaftsrechts (Aktiengesellschaft und GmbH) und Bedeutungsverlust des Personengesellschaftsrecht o Bedeutung für mittlere und kleinere Unternehmen o zunehmende Erleichterungen für die Gründung einer GmbH Bedeutung des Personengesellschaftsrechts vor allem für: o zeitlich beschränkte Kooperationen (ARGE) o Freie Berufe o grauen Kapitalmarkt o Abschreibungsgesellschaften Überlagerung des Kapitalgesellschaftsrechts durch das Personengesellschaftsrecht
IV. Abgrenzung zu anderen Rechtsgebieten Kapitalmarktrecht o ursprünglich Teil des Gesellschaftsrechts o Bedeutungszuwachs als eigenständige Rechtsmaterie (WpHG) Rechnungslegungs- bzw. Bilanzrecht o Grundlage des Gesellschaftsrechts Tatbestandsfunktion o selbständige Entwicklung in den letzten Jahren (IAS/IFRS) Kartell- und Wettbewerbsrecht o Regulierung der Kooperationen von Unternehmen o Beeinträchtigung des Marktes als Maßstab Arbeitsrecht o Bedeutung des Arbeitsrechts für die Unternehmensverfassung Insolvenzrecht o unfreiwillige Beendigung der Gesellschaft o Verwirklichung der Haftungsverfassung und Gläubigerschutz
V. Einteilung der Personenvereinigungen unterschiedliches Ausmaß der Selbständigkeit der Personenvereinigung o Mitglieder als Rechtsträger (Innengesellschaft) o rechtsfähige Personengesellschaften o juristische Personen Gesellschaft (Personengesellschaften) Körperschaft (Kapitalgesellschaften) + Selbstorganschaft + unbeschränkte Haftung + Abhängigkeit vom Personenbestand + Einstimmigkeitserfordernis + Gesellschafter als Steuersubjekte + Fremdorganschaft + beschränkte Haftung + Unabhängigkeit vom Personenbestand + Mehrheitsprinzip + Gesellschaft als Steuersubjekt vielfältige Vermischungen aufgrund vertraglicher Gestaltungen
VI. Steuerrecht Gewinn von 100.000 Verlust von 100.000 A-oHG A-GmbH A-oHG A-GmbH B C B C B C B C keine Besteuerung der A Gewinnbesteuerung von je 50.000 bei B und C unabhängig von Ausschüttung Gewinnbesteuerung von 100.000 bei der A Besteuerung bei B und C nur bei Ausschüttung Problem der Doppelbesteuerung Halbeinkünfteverfahren bzw. Abgeltungssteuer (ab 2009) Verlustzurechnung von je 50.000 bei B und C Grundsatz der steuerlichen Transparenz im Personengesellschaftsrecht ( 15 Abs. 1 Nr. 2 EStG) keine Besteuerung bei der A Besteuerung bei B und C nur bei Ausschüttung
VII. Kernfragen Verbandsorganisation - Willensbildung - Ausscheiden von Gesellschaftern Verbände als Rechts- und Vermögensträger - Vermögenszuordnung - Haftung für Verbindlichkeiten - Kapitalausstattung und Gewinnverteilung Verbände als Unternehmensträger - Geschäftsführung und Vertretung - Mitbestimmung - Rechnungslegung
B. Rechtsquellen des Gesellschaftsrechts Deutsches Recht - Bürgerliches Gesetzbuch ( 705 ff. BGB) - Handelsgesetzbuch ( 105-237 ff., 489-510 HGB) - Partnerschaftsgesellschaftsgesetz (PartG) - Aktiengesetz (AktG) - GmbH-Gesetz (GmbHG) - Genossenschaftsgesetz (GenG) - Vereinsrecht ( 21 ff. BGB) - Kapitalmarktrecht (WpHG, WpÜG) - Grundgesetz (folgende Grundrechte) + Vereinigungsfreiheit (Art. 9 Abs. 1 GG) + Berufsfreiheit (Art. 12 Abs. 1 GG) + Eigentumsgarantie (Art. 14 GG) Europäisches Recht - Grundfreiheiten des EU-Vertrages - EWIV-VO, SE-VO, SCE-VO - EG-Richtlinien
C. Arten von Personengesellschaften - BGB-Gesellschaft ( 705 ff. BGB) - Offene Handelsgesellschaft ( 105 ff. HGB) - Kommanditgesellschaft ( 161 ff. HGB) - stille Gesellschaft ( 230 ff. HGB) - Partnerschaftsgesellschaft (PartG) - Europäische Wirtschaftliche Interessenvereinigung (EWIV-VO) - Partenreederei ( 489 ff. HGB)