9. Pulverdiffraktometrie II:

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Transkript:

9. Pulverdiffraktometrie II: Strukturverfeinerung mit der Rietveld-Methode Methoden und Konzepte Basiskurs: Kristallographie und Beugung WS 2011/2012, C.R.

Einleitung Güte der Verfeinerung Experimentelles Programme Verfeinerungsstrategien Beispiel Grenzen der Methode Zusammenfassung Literatur

Einleitung Einleitung Güte der Verfeinerung Experimentelles Programme Verfeinerungsstrategien Beispiel Grenzen der Methode Zusammenfassung Literatur

Einleitung Einleitung: Methoden und Anwendung der Pulverdiffraktometrie Methode 2θ I max I int Profilform Qualitative Phasenanalyse Indizierung Gitterkonstantenverfeinerung Quantitative Phasenanalyse Solid-Solution Analyse Kristallinität Streß (isotrop) Streß (anisotrop) Kristallitgröße Zwei-Schritt Strukturverfeinerung Rietveld-Strukturverfeinerung

Einleitung Historisches Rietveld-Methode, auch PFSR (Pattern-Fitting structure refinement) entwickelt 1967 und 1969 von Hugo Rietveld ( 1932) ab ca. 1980: ausreichend leistungsfähige Rechner div. Programmsysteme auf Basis der Quellen von H. Rietveld ab ca. 1990: Programmsysteme mit grafischen Front-Ends

Einleitung Prinzip der Methode Least-Squares-Verfeinerung freier Parameter eines theoretischen Pulverdiagramms gegen alle Meßpunkte des beobachteten Diagramms freie Parameter Strukturparameter (Gitterkonstanten, Atomkoordinaten usw.) Untergrund- und Profil-Parameter zur Beschreibung von Struktur (ggf. auch mehrerer Phasen) Probe: Kristallinität, Kristallitgröße, Streß usw. Geräte- und aufnahmespezifische Parameter

Einleitung Vergleich mit der Einkristall-Methode Vorteile gegenüber Einkristall-Methode pulverförmige Probe ausreichend (schnell) einfachere Druck/Temperatur-abhängige Messungen sehr genaue Bestimmung der Gitterparameter optisches Verfeinerungsverfahren quantitative Phasenanalyse...

Einleitung Vergleich mit der Einkristall-Methode Vorteile gegenüber Einkristall-Methode pulverförmige Probe ausreichend (schnell) einfachere Druck/Temperatur-abhängige Messungen sehr genaue Bestimmung der Gitterparameter optisches Verfeinerungsverfahren quantitative Phasenanalyse... Nachteile gegenüber Einkristall-Methode i.a. keine Strukturbestimmung viele Nicht-Struktur -Parameter Probleme bei sehr großen Zellen (Reflexüberlappung) Korrelationen...

Einleitung Voraussetzungen Probe möglichst einphasig, bzw. mit bekannten Fremdphasen ohne Vorzugsorientierung präpariert bzw. mit bekannter Vorzugsorientierung

Einleitung Voraussetzungen Probe möglichst einphasig, bzw. mit bekannten Fremdphasen ohne Vorzugsorientierung präpariert bzw. mit bekannter Vorzugsorientierung Messung Röntgen (Röhre, Synchrotron), Neutronen,... CW oder TOF

Einleitung Voraussetzungen Probe möglichst einphasig, bzw. mit bekannten Fremdphasen ohne Vorzugsorientierung präpariert bzw. mit bekannter Vorzugsorientierung Messung Röntgen (Röhre, Synchrotron), Neutronen,... CW oder TOF Struktur Kristallsystem, Gitterkonstanten, Raumgruppe bekannt ausreichende Zahl von Atomkoordinaten bekannt

Einleitung Güte der Verfeinerung Experimentelles Programme Verfeinerungsstrategien Beispiel Grenzen der Methode Zusammenfassung Literatur

der Rietveld-Methode Prinzip: Minimierung (per Least-Sqaures-Verfahren) der Differenz S S = P i wi yio yic 2 (1) i i-ter Schritt (θ) der Messung y ic berechnete Intensität am Ort i y i Intensität am Ort i w i Wichtungsfaktor: 1 w i = σ 2 i y io beobachtete Intensität am Ort i σ i Standardabweichung des Meßwertes y i zwischen den beobachteten Intensitäten y io an den Orten (θ oder Schritt) i und den berechneten Intensitäten y ic am Ort i (Summe aller Braggreflexe k an dieser Stelle und dem Untergrund y ib) y ic = s P k mklk Fk 2 G(2Θ i 2Θ k) + y ib (2) k Bragg-Reflex F k Strukturfak. F k = P N j=1 fje2πi( k x j ) s Skalierungsfaktor Θ k berechnete Position d. Reflexes k y ib Untergrundintensität am Ort i Θ ik m k Flächenhäufigkeit L k Lorentz-Polarisations-Faktor =2Θ i 2Θ k G( Θ ik) Profilfunktion des Refl. k

Reflex-Profile Breite und Form des Reflexes hängen ab von Θ und... gerätespezifischen Parametern Probe Strahlungsquelle Wellenlängenverteilung im Primärstrahl (Monochromatorkristall) Strahlcharakteristik (Kollimation: Blenden usw. zwischen Quelle, Monochromator, Probe und Detektor) Detektorsystem Kristallitgröße Kristallinität...

Profil-Funktionen Beschreibung der Profile verschiedene analytische Profilfunktionen G( Θ ik) G( Θ ik) am Ort 2Θ k zentriert jeweils mit X ik = Θ ik H k und H k volle Halbwertsbreite des Braggreflexes k y k=1 k=2 y ic H 1 H 2 G 1 G 2 2Θ 2Θ 1 2 0.5 0 0.5 y ib X i1 = H 1 i 2Θ Θ Θ i 1

Gebräuchliche Profil-Funktionen Gauß (G) 4 ln 2 πhk e 4 ln 2X2 ik (3) Lorentz (L) 4 1 πh k 1+4X ik 2 Voigt (V): Faltung von Gauß und Lorentz Pseudo-Voigt (pv) ««4 1 η πh k 1 + 4Xik 2 {z } Lorentz 0 η 1 Pearson VII (PVII) Γ(β) Γ(β 1 2 ) 2 1/β 1 π bei β = 1 Lorentz; bei β = Gauß «4ln 2 +(1 η) e πhk 4 ln 2X2 ik {z } Gauß (4) (5) β 2 H k 1 + 4(2 1/β 1)Xik 2 (6)

H bzw. L/G-Anteil als f(θ) Haupteinflüsse auf die Form des Reflexprofils Röntgenquelle ( Gauß-Verteilung) spektrale Dispersion ( Lorentz-Verteilung)

H bzw. L/G-Anteil als f(θ) Haupteinflüsse auf die Form des Reflexprofils Röntgenquelle ( Gauß-Verteilung) spektrale Dispersion ( Lorentz-Verteilung) Konsequenzen ➀ H steigt mit 2 θ ➁ Form der Reflexprofile: bei niedrigen Beugungswinkeln: Gauß-Verteilung bei größeren Beugungswinkeln: Lorentz-Verteilung

H bzw. L/G-Anteil als f(θ) Berücksichtigung ➀ H k wird mit Θ vergrößert, wobei für die Gaußkomponente für die Lorentzkomponente H Gauß k = U tan 2 Θ + V tanθ W (7) H Lorentz k = X tanθ + Y cos Θ (8) U, V und W bzw. X und Y: freie Parameter ➁ bei Wahl von PVII, V und pv durch θ-abhängigkeit des Mischungsparameters pv (Mischungsparameter η) PVII (Mischungsparameter β) η = NA + NB(2θ) (9) β = NA + NB 2θ + NC (2θ) 2 (10)

Asymmetrie von Reflexprofilen Berücksichtigung durch Split Profile Function z.b. Split-Pearson VII-Funktion: getrennte Verfeinerung von H l und H r bzw. β l und β r y H l H r 2Θ

Untergrundfunktionen Möglichkeiten zur Ermittlung der Untergrundfunktion y bi Entwicklung als Potenzreihe (wichtigstes Verfahren) y ib = P n bn(2θi)n (11) mit b n als freien Parametern u.u. mit der manueller Vorgabe von Stützstellen Untergrund komplett von Hand

Parameter Beobachtungen Parameter der LS-Verfeinerung Gesamtskalierungsfaktor (1) Strukturparameter (ca. 5-300 pro Phase) Gitterkonstanten Atomparameter Lageparameter (x,y,z) Temperaturfaktoren U Besetzungsfaktoren Vorzugsorientierung Parameter der Profilfunktion G( Θ ik) (ca. 2-20) Kristallgröße und Kristallinität (über Profil-Parameter) Asymmetrie Parameter der Untergrundfunktion y ib (ca. 2-20) Nullpunkt Absorption...

Parameter Beobachtungen Parameter der LS-Verfeinerung Gesamtskalierungsfaktor (1) Strukturparameter (ca. 5-300 pro Phase) Gitterkonstanten Atomparameter Lageparameter (x,y,z) Temperaturfaktoren U Besetzungsfaktoren Vorzugsorientierung Parameter der Profilfunktion G( Θ ik) (ca. 2-20) Kristallgröße und Kristallinität (über Profil-Parameter) Asymmetrie Parameter der Untergrundfunktion y ib (ca. 2-20) Nullpunkt Absorption... Beobachtungen y io (ca. 1000-50000)

Parameter Beobachtungen Beobachtungen y io (ca. 1000-50000) Problem Korrelationen Abhilfe Dämpfung Constraints oder Restraints ( Soft Constraints ) für Bindungslängen, Bindungswinkel usw. Block-Diagonal-Verfeinerung

Güte der Verfeinerung Einleitung Güte der Verfeinerung Experimentelles Programme Verfeinerungsstrategien Beispiel Grenzen der Methode Zusammenfassung Literatur

Güte der Verfeinerung Güte der Verfeinerung Parameter zur Beurteilung der Güte der Verfeinerung: Profil-R-Wert gewichteter Profil-R-Wert R p = R wp = P i y io y ic P i y io r P i w i(y io y ic ) 2 P i w iy 2 io (12) (13) Bragg-R-Wert Expected R-Wert R B = P i I ko I kc P i I ko (14) N: Zahl der Beobachtungen P: Zahl der freien Parameter Goodness of Fit GofF = R E = q (N P) P i w iy 2 io Pi w i(y io y ic ) 2 N P (15) = Rwp R E (16)

Güte der Verfeinerung Durbin-Watson Statistik Gefahr von Korrelationen Differenzen i = y io y ic sind korreliert Test auf das Ausmaß dieser Korrelation (Durbin-Watson d-statistik) d = P Ni=2 ( i i 1 ) 2 σ i σ i 1 P Ni=1 ( i σ i ) 2 (17)

Experimentelles Einleitung Güte der Verfeinerung Experimentelles Programme Verfeinerungsstrategien Beispiel Grenzen der Methode Zusammenfassung Literatur

Experimentelles Experimentelles I Diffraktometer Geometrie und Monochromator (α 1 bzw. α 1,2 ) Instrumenten-Funktion: g = g 1 g 2 g 3 g 4 g 5 g 6 g 1 g 2 g 3 g 4 g 5 g 6 Profil des Brennflecks Abstand der Probenbereiche vom Brennfleck (bei Flachproben) Axiale Divergenz des Primärstrahls (variierbar durch Soller-Blenden) Probentransparenz (Absorption) Detektor Schlitzblende Justagefehler g 1 g 2 g 3 Ergebnis: 2Θ 2Θ 2Θ g 4 g 5 g 6 2Θ 2Θ 2Θ

Experimentelles Experimentelles II Probenpräparation statistische Kristallitverteilung (keine Vorzugsorientierung) unimodale Kristallitgrößenverteilung (ca. 1 bis 10 µm) Kapillaren: passend zum Strahldurchmesser Messung Schrittweite: ca. 1 5 bis 1 der minimalen Halbwertsbreite eines gut 2 aufgelösten Reflexes maximale Intensität ca. 10 000 Counts Probenrotation

Programme Einleitung Güte der Verfeinerung Experimentelles Programme Verfeinerungsstrategien Beispiel Grenzen der Methode Zusammenfassung Literatur

Programme Programme GSAS (Generalized Structure Analysis System) 1981 Autoren: A. C. Larson und R. B. van Dreele (Los Alamos) keine Quellen, aber Binaries für viele Plattformen Neutronen, TOF usw. div. Restraints (z.b. für Proteine usw.) komfortables graphisches Frontend (expgui) von B. Toby brauchbare Dokumentation XRS-82 (X-ray Rietveld System) 1981 (baut auf X-RAY 72 (Stewart) auf) Autor: Ch. Baerlocher, Zürich Fortran-Quellen verfügbar gute Contraints/Restraints-Möglichkeit (auch Winkel, z.b. Zeolithe) Learned-Profile-Funktion DBWS + DBWSTOOL 1981 Autoren: D. B. Wiles, A. Sakthivel und R. A. Young (Atlanta) Quellen und Wintel-Versionen BGMN Autor: J. Bergmann (Freiberg) GPL (www.bgmn.de)

Programme Programme (Forts.) FullProf + WinPlotr-Interface Autor: J. Rodriguez-Carvajal RIETAN Autor: F. Izumi (Japan) in Japan sehr weit verbreitet optimierte auswählbare L.S.-Verfahren graphische Oberfläche simultane Verfeinerung von Röntgen- und Neutronen-Daten JANA2000/2006 Autoren: V. Petříček, M. Dušek, L. Palatinus auch für modulierte Strukturen SIMREF/SIMPRO Autor: J. Ihringer, H. Ritter (Tübingen) auch für modulierte Strukturen TOPAS kommerziell, Fa. Bruker SiroQuant, Quasar kommerziell vor allem für quantitative Phasenanalysen CCP14-Info-Seite

Verfeinerungsstrategien Einleitung Güte der Verfeinerung Experimentelles Programme Verfeinerungsstrategien Beispiel Grenzen der Methode Zusammenfassung Literatur

Verfeinerungsstrategien Verfeinerungsstrategie Reihenfolge der Freigabe der einzelnen Parameter 1. Gesamtskalierungsfaktor 2. einige Untergrundparameter 3. Gitterkonstanten 4. weitere Untergrundparameter 5. wenige Profilparameter (z.b. W) 6. Lageparameter der Atome 7. Temperaturfaktoren 8. weitere Profilparameter (z.b. U, V) 9. ev. Nullpunkt

Verfeinerungsstrategien Grafische Hinweise auf Parameterfehler y Profilfehler y Gitterkonstanten Profil zu breit a zu klein obs calc obs calc y 2Θ y 2Θ y Asymmetrie Profil zu schmal a zu groß 2Θ 2Θ 2Θ

Beispiel Einleitung Güte der Verfeinerung Experimentelles Programme Verfeinerungsstrategien Beispiel Grenzen der Methode Zusammenfassung Literatur

Beispiel Beispiel Messung: Diffraktometer Stoe Stadi-P, Mo k α1-strahlung, Ge-Monochromator, DS-Geometrie, Kapillare 0.3 mm Meßzeit: 20 h in 6 Ranges Meßbereich: 5-50 o 2θ Struktur: RbZn 13 (NaZn 13-Typ) kubisch, Raumgruppe Fm3c a=12.45 Å Rb: 1/4,1/4,1/4; Zn1: 0,0,0: Zn2: 0.11, 0.32, 0 Programm: GSAS/expgui

Grenzen der Methode Einleitung Güte der Verfeinerung Experimentelles Programme Verfeinerungsstrategien Beispiel Grenzen der Methode Zusammenfassung Literatur

Grenzen der Methode Grenzen der Methode Hauptproblem: Korrelationen bei schlechtem Verhältnis Beobachtungen i/parametern N, z.b. durch große Elementarzellen niedrige Symmetrie viele Strukturparameter komplexe Profile ungewöhnlicher Untergrund (nichtkristalline Probenanteile, usw.) starke Reflexüberlappungen

Zusammenfassung Einleitung Güte der Verfeinerung Experimentelles Programme Verfeinerungsstrategien Beispiel Grenzen der Methode Zusammenfassung Literatur

Zusammenfassung Zusammenfassung Strukturverfeinerung aus Pulverdaten, i.a. keine Strukturbestimmung Prinzip: LS-Verfeinerung div. Struktur-, Untergrund- und Profil- Parameter Diffraktometer/Messung unproblematisch Programme: für verschiedene Probleme/Plattformen jeweils verschiedene freie und bedienerfreundliche Programme zur Auswahl Vorteile: kein Einkristall erforderlich einfache T,P-abhängige Strukturanalyse über Profilfunktionen weitere Analysemöglichkeiten auch mehrphasige Proben Nachteile: i.a. keine Strukturbestimmung möglich Probleme mit Korrelationen Grenzen: sehr große Zellen bzw. stark überlappende Reflexe

Literatur Literatur H. M. Rietveld, Acta Crystallogr. 22, 151 (1967). H. M. Rietveld, J. Appl. Crystallogr. 2, 65 (1969). R. A. Young (Ed.) The Rietveld Method, Oxford University Press (2008). C. Giacovazzo (Ed.) Fundamentals of Crystallography, Oxford University Press (2002). A. C. Larson, R. B. Von Dreele: GSAS (Handbuch und Tutorial) Los Alamos National Laboratory (1985-2000). Schneider/Dinnebier/Kern: Kursunterlagen div. DGK-Workshops. http://ruby/vorlesung/seminare/m+k rietveld.pdf