Beispielberechnung Vertrauensintervall

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Transkript:

Beispielberechnung Vertrauensintervall Auszug Kursunterlagen MAS ZFH in Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung Prof. Dr. Marc Schreiber, Dezember 2016

Beispielberechnung Vertrauensintervall Statistische Kennwerte zur Beschreibung der Verteilung von Stichprobendaten Mittelwert Standardabweichung Messgenauigkeit eines Fragebogens (Reliabilität) Berechnung des Vertrauensintervalls am Beispiel IPIP-240 2

Statistische Kennwerte zur Beschreibung der Verteilung von Stichprobendaten Mittelwert Standardabweichung 3

Beschreibung von Stichprobendaten: Mittelwert und Standardabweichung M s = Mittelwert = Standardabweichung 4

Beschreibung von Stichprobendaten: Mittelwert Mittelwert «Welchen Wert erreichen die Personen im Durchschnitt?» Mittelwert (M) eines Items, einer Unterskala oder einer Dimension M n å i= = 1 n x i x i = Messwert einer Person (i) auf einem Item, einer Unterskala oder einer Dimension n = Anzahl der Personen 5

Beschreibung von Stichprobendaten: Standardabweichung Standardabweichung «Wie stark verteilen sich die einzelnen Personen um den Mittelwert herum?» Standardabweichung (s) eines Items, einer Unterskala oder einer Dimension s = n å i=1 (x i - M) 2 n x i = Messwert einer Person (i) auf einem Item, einer Unterskala oder einer Dimension n = Anzahl der Personen M = Mittelwert eines Items, einer Unterskala oder einer Dimension 6

Beschreibung von Stichprobendaten: Beispiel IPIP-240 Beispiel Dimension Verträglichkeit aus dem Fragebogen zur Erfassung der Persönlichkeit (IPIP-240) Verträglichkeit beinhaltet die Unterskalen Vertrauen, Freimütigkeit, Altruismus, Entgegenkommen, Bescheidenheit und Gutherzigkeit und wird mit insgesamt 48 Items gemessen Beispiel Mittelwert und Standardabweichung: Mittelwert = 3.72 Std.-Abw. = 0.38 N = 1 527 7

Messgenauigkeit eines Fragebogens (Reliabilität) 8

Messgenauigkeit eines Fragebogens (Reliabilität) Reliabilität (r tt oder r tt ) = Messgenauigkeit eines Tests oder Fragebogens Unterschiede in den Messwerten sind idealerweise auf die «tatsächlichen» Ausprägungen (wahre Werte) verschiedener Personen in der erfassten Dimension (z.b. Extraversion) zurückzuführen Aber: Unsystematischen Fehler (Messfehler) «verfälschen» die Messwerte Messfehler entstehen beispielsweise weil eine Frage falsch verstanden wird Für die Berechnung des Vertrauensintervalls eignet sich Cronbach s alpha als Wert für die Reliabilität 9

Messgenauigkeit eines Fragebogens (Reliabilität): Beispiel IPIP-240 Reliabilitäten IPIP-240 (Cronbach s alpha), n=1 527 Neurotizismus: a =.94 Extraversion: a =.92 Offenheit: a =.87 Verträglichkeit: a =.90 Gewissenhaftigkeit: a =.93 Beispiel Extraversion: Der Cronbach s alpha Wert von α =.92 bedeutet, dass die Items bei der Dimension Extraversion zu 92% etwas Gemeinsames (Extraversion) messen und nur gerade zu 8% etwas Zufälliges (Messfehler). Wenn Cronbach s alpha über einem Wert von 0.7 liegt, so geht man von einer zufriedenstellenden Messgenauigkeit (Reliabilität) aus. 10

Berechnung des Vertrauensintervalls am Beispiel IPIP-240 11

Vertrauensintervalle Hintergrund Vertrauensintervall Je genauer ein Fragebogen eine Dimension oder Unterskala misst, desto näher liegt der wahre Wert der Person um den im Fragebogen erreichten Wert Mangelnde Messgenauigkeit muss bei der Interpretation von Fragebogenwerten berücksichtigt werden Deswegen sollte bei der Interpretation immer ein Vertrauensintervall einbezogen werden Vertrauensintervall = Bereich, der den wahren Wert mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit (Sicherheitswahrscheinlichkeit) überdeckt. Interpretation des Vertrauensintervalls stellt ein konkretes Mass für die Schätzpräzision eines psychologischen Fragebogens dar 12

Vertrauensintervalle Beispielprofil 13

Vertrauensintervalle Beispiel IPIP-240: Berechnung in 3 Schritten Das Vertrauensintervall einer Unterskala oder Dimension wird in 3 Schritten berechnet 1. Berechnung der Standardabweichung der Unterskala oder Dimension 2. Berechnung des Standardmessfehlers der Unterskala oder Dimension 3. Berechnung des Vertrauensintervalls der Unterskala oder Dimension 14

1. Schritt: Standardabweichung Mittelwerte und Standardabweichung IPIP-240 15

2. Schritt: Standardmessfehler Der Standardmessfehler wird aus der Reliabilität und der Standardabweichung berechnet Standardmessfehler (Formel) Standardmessfehler (IPIP-240) s = s * 1- E a Beispiel Verträglichkeit: σ E = 0.38*WURZEL(1-0.90) = 0.12 Dabei ist: s E s a = Standardmessfehler der Dimension = Standardabweichung der Dimension (siehe Folie 16) = Reliabilität des Dimension (Cronbach s alpha, siehe Folie 11) Standardmessfehler Verträglichkeit 0.12 Gewissenhaftigkeit 0.12 Extraversion 0.14 Neurotizismus 0.13 Offenheit 0.15 16

3. Schritt: Vertrauensintervall Das Vertrauensintervall wird aus Standardmessfehler und z-wert berechnet Formel VIu, o = xi ± s E * z Vertrauensintervall IPIP-240 (5% Fehlerwahrscheinlichkeit, 2-seitig) Beispiel Verträglichkeit: Erreichter Wert einer Person: 3.1 Dabei ist: VI u,o x i s E z = Vertrauensintervall der Dimension (untere, obere Grenze) = Erreichter Wert einer Person i = Standardmessfehler der Dimension = kritischer z-wert für eine bestimmte Fehlerwahrscheinlichkeit (z = 2 à Fehlerwahrscheinlichkeit 5%, 2-seitig) VI u,o = 3.1 ± 0.12 * 2 = 3.1 ± 0.24 Der wahre Wert der Person liegt zwischen 2.86 3.34 (mit einer Sicherheitswahrscheinlichkeit von 95%) Standardmessfehler Vertrauensinterv. (5%, 2-seitig) Verträglichkeit 0.12 0.24 Gewissenhaftigkeit 0.12 0.24 Extraversion 0.14 0.28 Neurotizismus 0.13 0.26 Offenheit 0.15 0.30 17

Übersicht Stichprobenkennwerte M = Mittelwert s = Standardabweichung x i = Erreichter Wert der Person i VI u,o = Vertrauensintervall der Dimension (untere, obere Grenze) Optional Fusszeilentext hier 18

Hilfreiche Literatur Bühner, M. (2011). Einführung in die Test- und Fragebogenkonstruktion (3., aktualisierte Auflage). München: Pearson Studium. Bühner, M. & Ziegler, M. (2009). Statistik für Psychologen und Sozialwissenschaftler. München: Pearson Studium. 19