1.3. Wellenfunktionen

Ähnliche Dokumente
Experimentalphysik III Experimentelle Grundlagen der Quantenphysik

ν und λ ausgedrückt in Energie E und Impuls p

VL6. Elemente der Quantenmechanik I 6.1. Schrödingergleichung als Wellengleichung der Materie 6.2. Messungen in der Quantenmechanik

WKB-Methode. Jan Kirschbaum

VL6. Elemente der Quantenmechanik I 6.1. Schrödingergleichung als Wellengleichung der Materie 6.2. Messungen in der Quantenmechanik

8 Das Bohrsche Atommodell

Martinovsky Nicole. Schwarzmann Tobias. Thaler Michael

Die Wellenfunktion ψ(r,t) ist eine komplexe skalare Größe, da keine Polarisation wie bei elektromagnetischen Wellen beobachtet wurde.

Ferienkurs Quantenmechanik I WKB-Näherung und Störungstheorie

Der Tunneleffekt Jan Lukas Becker. Vorgetragen am im Rahmen der Veranstaltung Nanostrukturphysik I

1 Die Schrödinger Gleichung

Potentialtöpfe und Potentialbarrieren

Der harmonische Oszillator anhand eines Potentials

Elemente der Quantenmechanik III 9.1. Schrödingergleichung mit beliebigem Potential 9.2. Harmonischer Oszillator 9.3. Drehimpulsoperator

Die meisten Elemente liegen in gebundener Form als einzelne Moleküle, in Flüssigkeiten oder in Festkörpern vor.

Hauptseminar Quantenmechanisches Tunneln WS 2010/2011. Thema: Tunneln durch einfache Potentialbarrieren und Alphazerfall

Basiskenntnistest - Physik

Grundbausteine des Mikrokosmos (7) Wellen? Teilchen? Beides?

Das Elektron im Magnetfeld Teil 1. Fabian Gust 3. Februar 2014

9. Vorlesung Wintersemester

Eindimensionale Potentialprobleme

Kapitel 8: Gewöhnliche Differentialgleichungen 8.1 Definition, Existenz, Eindeutigkeit von Lösungen Motivation: z.b. Newton 2.

Ferienkurs Experimentalphysik 4

Das Unschärfeprodukt x p in der klassischen Mechanik Seminar zur Theorie der Atome, Kerne und kondensierten Materie. Jonas Lübke

7 Zwei- und Dreidimensionale Probleme in kartesischen Koordinaten

Vorlesung 21: Roter Faden: Das Elektron als Welle Heisenbergsche Unsicherheitsrelation. Versuch: Gasentladung

Theoretische Physik II: Quantenmechanik

9. Das Wasserstoff-Atom. 9.1 Das Spektrum des Wasserstoff-Atoms. im Bohr-Modell:

Der Welle-Teilchen-Dualismus

Rastertunnelmikroskopie

Vortragsthema: Die Unschärferelationen Ort/Impuls Energie/Zeit. An einigen Beispielen erläutern

2.6. Der endliche Potentialtopf

XII. Elektromagnetische Wellen in Materie

Auflösungsvermögen von Mikroskopen

10 Teilchen und Wellen Strahlung schwarzer Körper

Der Gesamtbahndrehimpuls ist eine Erhaltungsgrösse (genau wie in der klassischen Mechanik).

Quantenchemie WS 2008/2009 Zusammenfassung 1. Teil

Abb.15: Experiment zum Rutherford-Modell

Vorlesung 23: Roter Faden: Die Schrödingergleichung. (Bedeuting in der Quantenmechanik wie F=ma in der klassischen Mechanik)

D-MATH Numerische Methoden FS 2016 Dr. Vasile Gradinaru Alexander Dabrowski. Serie 9

3. N. I Einführung in die Mechanik. II Grundbegriffe der Elektrizitätslehre

8.6.1 Erwartungswert eines beliebigen Operators O Beispiel: Erwartungswert des Impulses eines freien Teilchens

Nachklausur zur Vorlesung Theoretische Physik in zwei Semestern II. Musterlösungen

Wiederholung der letzten Vorlesungsstunde:

Bohrsches Atommodell / Linienspektren. Experimentalphysik für Biologen und Chemiker, O. Benson & A. Peters, Humboldt-Universität zu Berlin

Das Rutherfordsche Atommodelle

Die Macht und Ohnmacht der Quantenwelt

7. Materiewellen und Energiequantisierung

8. Die Schrödinger-Gleichung und ein-dimensionale Potentiale

16 Elektromagnetische Wellen

Quantencomputer mit supraleitenden Systemen

Da Atome viele ununterscheidbare Elektronen besitzen, sind ihre Zustände durch interelektronische Coulomb- und Austausch-Wechselwirkungen bestimmt.

Klausur -Informationen

Übungen zur Theoretischen Physik 1. Übungsblatt

Hochschule Düsseldorf University of Applied Sciences. 22. Dezember 2016 HSD. Physik. Schwingungen

Zeichnen Sie qualitativ jeweils das dahinter und das seitlich aufgenommene Spektrum im Vergleich zum Spektrum der Quelle für die Fälle, dass i) die

7 Die Hamilton-Jacobi-Theorie

r r : Abstand der Kerne

I. Grundlagen der Quantenphysik I.1 Einleitung I.2 Historisches I.3 Die Schrödinger-Gleichung I.4 Die Wellenfunktion I.5 Das freie quantenmechanische

7. Elektronendynamik

Kapitel 3: Kernstruktur des Atoms. Kathodenstrahlrohr: 3.1 Durchgang von Elektronen durch Materie

Physik für Ingenieure

Aufgabe1 EStrich ist Lennard Jones Potential mit Exponentialfunktion

2. Elementare Stöchiometrie I Definition und Gesetze, Molbegriff, Konzentrationseinheiten

2.1. Das Wasserstoffatom Atommodelle (vor 1900)

2.4. Atome mit mehreren Elektronen

Fortgeschrittenenpraktikum: Ausarbeitung - Versuch 14 Optische Absorption Durchgeführt am 13. Juni 2002

10.7 Moderne Atommodelle

Elektromagnetische Felder und Wellen: Lösung zur Klausur

Rastersonden-Mikroskopie (SPM)

Gibt es myonische Atome?

Das quantenmechanische Atommodell

Quantenphysik. Teil 3: PRAKTISCHE AKTIVITÄTEN

Moderne Physik. von Paul A.Tipler und Ralph A. Liewellyn

Entwicklung der Atommodelle

= Dimension: = (Farad)

Elektronen in Metallen. Seminar: Nanostrukturphysik 1 Fakultät: 7 Dozent: Dr. M. Kobliscka Referent: Daniel Gillo Datum:

Atommodell führte Rutherford den nach ihm benannten Streuversuch durch. Dabei bestrahlte er eine dünne Goldfolie mit α Teilchen.

Atome - Moleküle - Kerne

Feynman Vorlesungen über Physik

11. Vorlesung Wintersemester

Einführung in die Physik II für Studierende der Naturwissenschaften und Zahnheilkunde. Sommersemester VL #42 am

Praktikumsversuch Rastertunnelmikroskopie. Institut für Festkörperphysik Abteilung ATMOS

[c] = 1 m s. Erfolgt die Bewegung der Teilchen senkrecht zur Ausbreitungsrichtung der Welle, dann liegt liegt Transversalwelle vor0.

Photonische Kristalle

Atomphysik. M. Jakob. 14. Januar Gymnasium Pegnitz

27. Vorlesung EP V. STRAHLUNG, ATOME, KERNE

Physik G8-Abitur 2011 Aufgabenteil Ph 11 LÖSUNG

Brewster-Winkel - Winkelabhängigkeit der Reflexion.

Einführung in die Physik

Fazit: Wellen haben Teilchencharakter

Lösungen zum 9. Übungsblatt zur Vorlesung Höhere Mathematik II für biw/ciw/mach/mage/vt

Formelsammlung. Lagrange-Gleichungen: q k. Zur Koordinate q k konjugierter Impuls: p k = L. Hamilton-Funktion: p k. Hamiltonsche Gleichungen: q k = H

Energie und Energieerhaltung

Theoretische Physik I: Weihnachtszettel Michael Czopnik

Kleinster Abstand d zweier Strukturen die noch als getrennt abgebildet werden können.

Probestudium der Physik 2011/12

Klassische Elektrodynamik

Vorlesung Physik für Pharmazeuten und Biologen

Experimentalphysik 2

Transkript:

1.3. Wellenfunktionen 1.3.1. Materiewellen Die Welleneigenschaften von Materie legen die Suche nach einer Wellengleichung nahe. Randbedingen für Wellen sind eine Ursache für das Auftreten der Quantisierung. Stehwellen Ein grundlegender Ausgangspunkt ist die Zuordnung der Energie E eines Teilchens zu einer Welle mit der Frequenz ω: Die allgemeine Form einer ebenen Welle ist: mit der Phasengeschwindigkeit: Die ebene Welle ist im Raum delokalisiert! 62

Lokalisierten Teilchen um einen Raumpunkt r entsprechen Wellenpakete. Wellenpaket Für Teilchen mit einem (in etwa) definierten Impuls ist die Verteilung f(k) nur um einen kleinen Bereich k=k 0 von Null verschieden Beispiel: Eindimensionales Wellenpaket Der Beitrag zum Wellenpaket von k-vektoren um einen Wert k=k 0 ist nur für einen Bereich Δk nennenswert: Änderung der Phase an k=k 0 Gangunterschied 63

Mit folgt: Das Wellenpaket ist um einen kleinen Bereich konzentriert. Das Wellenpaket bewegt sich mit einer Geschwindigkeit. v G ist die Gruppengeschwindigkeit Zusammenhang mit klassischer Teilchengeschwindigkeit Klassisch gilt: mit Es folgt somit die De Broglie-Beziehung! (möglich additive Konstante wird null gesetzt) Insgesamt: und 64

1.3.2 Die Schrödingergleichung Motivation Welcher Bewegungsgleichung genügt nun das Wellenpaket? Allgemeine Anforderungen an die Bewegungsgleichung: 1) Die Gleichung muss linear und homogen sein. Superpositionseigenschaft Falls λ 1 und λ 2 Lösungen sind, dann auch c 1 λ 1 +c 2 λ 2! 2) Die Gleichung muss erster Ordnung in der Zeit sein. Der Zustand des Systems ist durch vollständig (und für alle Zeiten) bestimmt. 3) Das Korrespondenzprinzip muss gelten. Die Struktur der Gleichungen muss für makroskopischere Systeme in die klassischen übergehen. E. Schrödinger (1926) 65

sei mit Es folgt (Zeitableitung): und (Gradientenbildung): somit Schrödingergleichung für ein freies Teilchen Formale Zuordnung: Zuordnung von Operatoren Formale Regeln für das Aufstellen der Schrödingergleichung (generalisierte Koordinaten und Impulse) werden in der Theorie gegeben. 66

Wie sieht die Schrödingergleichung für die Bewegung eines Teilchens in einem Potential V(r) aus? Postulat: Schrödingergleichung für ein Teilchen in einem Potential kinetische Energie potentielle Energie Diese Gleichung kann nicht hergeleitet werden, sondern wird postuliert. Ihre Gültigkeit muss experimentell überprüft werden! Tatsächlich ist das Postulat korrekt. Die Schrödingergleichung lautet also: mit H ist der Hamiltonoperator (engl. Hamiltonian). 67

Die zeitunabhängige Schrödingergleichung Hängt H nicht explizit von der Zeit ab (konservatives System), so ist die Gesamtenergie E eine Konstante der Bewegung. Mit muss also die folgende Form haben: Einsetzen liefert die zeitunabhängige Schrödingergleichung: heisst Eigenfunktion des Operators H. Zur vollständigen Lösung eines (zeitunabhängigen) physikalischen Problems muss die Regularitäts- und Randwertbedingungen erfüllen. Zunächst heisst dies: 1) muss stetig sein! 2) Die erste Ableitung von muss stetig sein! 68

1.3.3. Eindimensionale Quantensysteme Einleitung Betrachtung des speziellen Falles der eindimensionalen Bewegung eines Teilchens in einem allgemeinen Potential V(x): Stationäre Lösungen: Entsprechendes Eigenwertproblem: Im folgenden benutzte Abkürzung: und Somit: Allgemeines zu lösendes Eigenwertproblem 69

Man beschreibt eine beliebige Potentialform V(x) mit Hilfe der Zerlegung in Bereiche konstanten Potentials V ij (Rechteckpotential): V(x) V ij Man bestimmt dann die Lösungen für jeweils konstantes Potential unter der Berücksichtigung der Randbedingung: 0 x i x j x stetig für alle x. Allgemeine Lösungen für ein bestimmtes konstantes V i, bzw. U i : oszillatorische Lösung exponentielle Lösung 70

Die endliche Potentialstufe Man betrachtet folgende Potentialform: U(x) U 2 U(x)= U 1 x>0 U 2 x<0 I II U 1 x Fall i) Lösung im Bereich II Lösung im Bereich I oszillatorsch exponentiell abfallend 71

Die Stetigkeit der logarithmischen Ableitung bei x=0 liefert: somit Die Stetigkeit von : klassisch U 0 ε quantenmechanisch Interferenz von einlaufender und reflektierter Welle ψ(x) Klassisch verboten exponent. Dämpfung 0 x x 72

Fall ii) Oszillatorische Lösung im gesamten Raumbereich! Ansatz: Einlaufende Welle der Amplitude 1 Amplitudentransmissionskoeffizient (transmittierte Welle) Amplitudenreflexionskoeffizient (reflektierte Welle) Für die Reflexions- bzw. Transmissionskoeffizienten (r bzw. t) folgt aus den Stetigkeitsbedingungen: Analogie zur Reflexion und Transmission von Lichtwellen an dielektrischer Grenzfläche (Fresnelkoeffizienten)! 73

klassisch ε U 0 0 x quantenmechanisch ψ(x ) λ Interferenz von einlaufender und reflektierter Welle auslaufende Welle λ x Die Beschreibung der Bewegung eines räumlich lokalisierten Teilchens kann man mit Hilfe eines Wellenpaketes beschreiben: 74

Unterschiede zur klassischen Physik: a) Das Wellenpaket kann auch im Fall U 2 >ε>u 1 in den (klassisch verbotenen) Bereich II eindringen b) Das reflektierte Wellenpaket erfährt eine zeitliche Verzögerung (Phasenverschiebung im Fall einer ebenen Welle) c) Auch für den Fall ε>u 2 gibt es eine Reflexion. Die Reflexionswahrscheinlichkeit R und die Transmissionswahrscheinlichkeit T sind dabei: 75

Animationen für die Bewegung von Wellenpaketen: http://www.quantum-physics.polytechnique.fr/en/ 76

Der unendlich hohe Potentialtopf Man betrachtet folgende Potentialform: U(x) I II III Die Wellenfunktion verschwindet in den Bereichen I und III. Im Bereich II existieren oszillatorische Lösungen der Form: -L/2 L/2 x n ungerade n gerade Die Eigenfunktionen haben eine bestimmte Parität: (Invarianz von U(x) bei Spiegelung!) quadratische n-abhängigkeit! Die zugehörigen Eigenenergieen sind: bzw. 77

Eigenfunktionen und Eigenniveaus im unendlich hohen Potentialtopf quadratische n-abhängigkeit! 78

Der endlich tiefe Potentialtopf Eigenenergien und Eigenfunktionen des endlich tiefen Potentialtopfes. Da die Eigenfunktionen in den klassisch verbotenen Bereich eindringen, ergibt sich effektiv ein breiterer Potentialtopf und damit eine Absenkung der Eigenenergien im Vergleich zum unendlich hohen Potentialtopf. 79

Der harmonische Oszillator Das harmonische Potential hat die Form: E Die Eigenenergien des harmonischen Oszillators sind (Details in Theorie): E 3 E 2 Nullpunktsenergie lineare n-abhängigkeit E 1 Die Energieniveaus sind äquidistant! E 0 E = 0 0 x Die Eigenfunktionen sind Hermite-Polynome: 80

Experimentelle Realisierung von Potentialtöpfen, -wällen,... Niedrigdimensionale Quantensysteme sind keine rein akademischen Beispiele. 1) Reduktion der Dimensionalität durch Symmetrieeigenschaften (Separierung der Wellenfunktion) 2) Reale niedrigdimensionale Systeme in künstlichen Mikro- und Nanostrukturen Beispiele: Einschränkung der Bewegung von Elektronen auf Zwei Dimensionen Eine Dimension Null Dimensionen Quantenfilm (Quantum Well) Quantendraht (Quantum Wire) Quantenpunkt (Quantum Dot) a) Elektrostatische Quantenpunkte Prinzip: Herstellung einer dünnen leitenden Schicht (z.b. durch epitaktisches Wachstum), in der sich Ladungsträger (meist Elektronen) bewegen können Zweidimensionales Elektronengas (2DED) 81

Erzeugung von elektrostatisch definierten Quantenpunkten Elektroden Isolator -U electron confinement -U V y 2DEG e - Isolator V x y E 2 E 1 x 2 μm SEM-Bild einer Elektrodenstruktur auf einem 2DEG. Die Struktur erzeugt 5 gekoppelte Quantenpunkte. [R. Blick, homepage CENS, München] 82

b) Nanokristalle Quantenpunkte können auch chemisch (z.b. in Lösung) synthetisiert werden. Man bezeichnet sie dann meist als Nanokristalle. Durch Wahl des Materials (CdSe, CdTe, InP, etc.) und der Größe der Quantenpunkte (2-10 nm) kann ihr Fluoreszenzmaximum eingestellt werden. I II I Potentialtopf für Elektronen in einem Nanokristall Foto von [AG H. Weller, Univ. Hamburg] Anwendungen: z.b. als stabile Fluoreszenzmarker in der Mikroskopie 83

Die chemische Synthese von Quantenpunkten (Metall- oder Halbleiternanokristallen) wird seit Jahrhunderten bei der Produktion von Farbgläsern genutzt. Die verschiedenen Farben sind ein Quanteneffekt! Notre Dame, nördliches Rosenfenster, 1250-1260 84

1.3.3. Der Tunneleffekt Die Tunnelbarriere Ein sehr wichtiges Beispiel eines Rechteckpotentials ist der Potentialwall: U(x) U 0 III II I L x Für die beiden Fälle und lässt sich ein Transmissionskoeffizient T durch die Barriere angeben: 85

Wie in den anderen Beispielen für Rechteckpotentiale verhält sich die Wellenfunktion exponentiell oszillatorisch Im Gegensatz zum klassischen Fall ist auch wenn!! Das Teilchen kann durch die Barriere tunneln. Tunneleffekt U(x) Totalreflexion U 0 L x Quantenmechanik Frustrierte Totalreflexion 86

Die Tunnelionisation Atome (z.b. hochangeregte Rydberg-Atome) können leicht durch ein externes statisches elektrisches Feld ionisiert werden. Dabei tunnelt das Elektron durch die aus äußerem und innerem Feld entstehende Potentialbarriere. Sequentielles, zustandsselektives Ionisieren E r extern E Proton Elektron z 0 V Coulomb z Coulombfeld V extern = E extern z V tot E 2 E 1 E 0 e e Tunneln 87

Der α-zerfall Beim α-zerfalls ergibt sich das Gesamtpotential aus der sehr kurzreichweitigen attraktiven Kernkraft und der repulsiven Coulombkraft zwischen den positiv geladenen α-teilchen, d.h He-Kernen (Rutherford 1908). E V Coulomb r α Tunneleffekt starke Kernkraft Atomkern Ladung = +Z e 0 V Kern V tot r 88

Das Tunnelmikroskop Eine der wichtigsten direkten Anwendungen des Tunneleffektes ist das Tunnelmikroskop. Nobelpreis 1986 Prinzip: 1) Elektronen tunneln durch Vakuum zwischen kleiner Spitze und leitender Fläche 2) Hohe Sensitivität des Tunnelstroms auf den Abstand 3) Bildgebung durch Abrasterung einer Probe G. Binnig H. Rohrer Prinzipieller Aufbau eines STM (scanning tunneling microscope) [Interf. Phys. Group, Leiden Univ.] Energiebänder für Spitze und Probe ohne (links) und mit (rechts) angelegter Spannung [Interf. Phys. Group, Leiden Univ.] 89

Der Tunnelstrom folgt der Abhängigkeit: Bei einem typischen Wert von V=4eV folgt eine Erhöhung des Tunnelstroms um einen Faktor 1000 bei einer Abstandsänderung von nur 0.3 nm! Dies macht STM so empfindlich! Strom-Abstands-Kennlinie STM erfordert eine genaue Positionierung der STM-Spitze (Å-Präzision). Zu diesem Zweck werden piezoelektische Elemente eingesetzt. Feedback-Loop im STM Piezoelektrika: Prinzip und 3D-Scanner [alle Bilder: Interf. Phys. Group, Leiden Univ.] 90

Beispiel einiger STM Bilder: Atomic Corral [IBM Gallery] Linescan und Bild von Graphit [Interf. Phys. Group, Leiden Univ.] 91