Update Diabetestherapie

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Transkript:

Update Diabetestherapie Wiler Hausarztsymposium 26.11.2015

Inhalt Vorstellung der diversen Medikamentengruppen Neue Therapieempfehlungen Fallvorstellungen Ziele der Diabetestherapie

Medikamente 1. Biguanide (Metformin) 2. Sulfonylharnstoffe/Glinide 3. Glitazone 4. α-glukosidasehemmer 5. GLP-1-Rezeptor Analoga 6. DPP-4-Hemmer 7. SGLT-2-Hemmer 8. Insulin

Linagliptin (Trajenta) Dulaglutide (Trulicity) SGLT-2-Hemmer Canagliflozin, (Invokana), Dapagliflozin, Empagliflozi (Forxiga), Empagliflozin (Jardiance)

Neue Therapieleitlinien Behandlungsstrategie nicht mehr nach starren Stufenschema, sondern individuell auf Bedürfnisse des Patienten zugeschnitten Für jeden Patienten individuelles HbA1c-Ziel festgelegt Wechsel der klassischen Strategie: Junge, gesunde Patienten werden aggressiv behandelt und nicht ältere multimorbide Patienten mit hohen kardiovaskulären Risiko

Fall 1 61-jähriger Patient

Anamnese Diabetes mellitus Typ 2, ED 2009 FA: 1 Bruder mit Diabetes mellitus Typ 2 Sozial: geschieden, keine Kinder, aus Kroatien, arbeitsloser Kellner PA: Koronare 3-Gefässerkrankung mit St. nach STEMI 10/2013, PTCA und 2-fach Stenting RCA, distale Hauptstammstenose (50%), RIVA+ RCX mittelschwere Stenose - kvrf: persistierender Nikotinabusus (60 py), art. Hypertonie, Adipositas, DM2, Hypercholesterinämie JL: keine Beschwerden, Diagnose des Diabetes mellitus als Zufallsbefund, Therapie mit OAD eingeleitet, keine Ernährungsberatung, sporadische BZ-messungen um 8 mmol/l

Befunde Medikamente: ASS cardio 100mg/d, Bilol 2.5mg/d, Zestoretic 20/12.5mg/d, Norvasc 5mg/d, Atorvastatin 40mg/d, Diamicron MR 60mg 1-0-0, Glucophage 850 mg 1-1-1 Status: BMI 34 kg/m2, normotone Blutdruckwerte, ASR nicht auslösbar, Vibrationsinn Grosszehengrundgelenk 3/8 bds, Monofilament 0/5 bds. Labor: HbA1c 8.0%, keine Mikroalbuminurie

Beurteilung 61-jährigen Patienten mit/bei: Diabetes mellitus Typ 2, ED 2009 - positiver Familienanamnese (1 Bruder mit Typ 2) - Adipositas (BMI 34 kg/m2) - periphere Polyneuropathie (oligosymptomatisch) - Makroangiopathie (Koronare 3-Gefässerkrankung) - aktuelles HbA1c 8.0%

Was machen Sie um die Diabeteseinstellung zu verbessern? Aktuelle Therapie: Diamicron MR 60mg 1-0-0, Glucophage 3x 850mg Beschränkte Resourcen des Patienten: möchte nicht spritzen, Sprachverständigungsschwierigkeiten Gliptin? Diamicron auf 2Tbl.steigern? Pioglitazon? SGLT2-Hemmer?

Aktuelle Therapie: Verlauf Diamicron MR 60mg 1-0-0, Glucophage 3x 850mg Beschränkte Resourcen des Patienten: möchte nicht spritzen, Sprachverständigungsschwierigkeiten Ausbau mit einem Gliptin: Glucophage durch Janumet 50/1000 mg 1-0-1 ersetzt und Steigerung Lifestylemassnahmen (Ernährungsberatung)

Fall 2 64-jähriger Patient

Anamnese Diabetes mellitus Typ 2, ED 11/2012 (Zufallsbefund) FA: Eltern Diabetes mellitus Typ 2 Sozial: selbstständiger Architekt, verheiratet, 3 Kinder PA: konservative Therapie einer lumbalen Diskushernie, Dyslipidämie JL: Bei Diagnosestellung HbA1c von 10.1%, Behandlung mit Metformin vom Patienten abgelehnt. Mit Ernährungsumstellung (weniger Fett, weniger KH) und 3x1 h Joggen/ Wo bis 07/2013-14kg Gewichtsabnahme, HbA1c blieb bei 9.1% erhöht. Beginn mit Metformin, im Verlauf Janumet. Patient lehnt Blutzuckerselbstmessungen ab.

Befunde Medikamente: Janumet 50/1000 mg 1-0-1, Atorvastatin 40mg/d Status: BMI 26 kg/m2, normotone Blutdruckwerte, ASR symm. auslösbar, Vibrationsinn Grosszehengrundgelenk 7/8 bds., Monofilament 5/5 bds., Fusspulse symm. palpabel Labor: HbA1c 9.2%, keine Mikroalbuminurie HbA1c-vorwerte 8.0-9.6%

Beurteilung 64-jährigen Patienten mit/bei: Diabetes mellitus Typ 2, ED 11/2012 - positiver Familienanamnese (Eltern mit Typ 2) - Übergewicht (BMI 26 kg/m2) - keine Hinweise für mikroangiopathische Spätfolgen - aktuelles HbA1c 9.2%

Was machen Sie um die Diabeteseinstellung zu verbessern? Problem: Patient hat sich lange Zeit gegen Beginn einer medikamentösen Therapie gewehrt, lehnt jetzt Blutzuckerselbstmessungen ab (möchte sich nicht damit verrückt machen) Aktuelle Therapie: Janumet 50/1000 mg 1-0-1 Kombination mit SGLT2-Hemmer? Kombination mit Pioglitazon? Kombination mit einem Sulfonylharnstoff (Gliclazid)? Kombination mit einem GLP1-Analogum? Beginn mit Bedtime-Insulin? Basis-Bolus-Insulintherapie? Anderer Vorschlag?

Verlauf Überzeugte den Patienten mit Blutzuckerselbstmessungen zu beginnen, Durchführung eines Ernährungsprotokolls Verlaufskontrolle: va. erhöhte postprandiale BZ-Werte und grosse Kohlenhydratmengen, empfahl erneut Ernährungsberatung und zusätzlich einen SGLT2-Hemmer beginnen Patient wünschte nur Ernährungsberatung und Verlaufskontrolle 3 Monate später

Verlauf 3 Monate später

Verlauf 3 Monate später

Take home message Lifestylemassnahmen und Motivation des Patienten nicht vergessen Lifestylemassnahmen können effizient die Blutzuckerkontrolle verbessern Diabetesprävention möglich und Evidenz für Reduktion der Mortaliät Schrittweise vorgehen, aber dran bleiben

Fall 3 58-jährige Patientin

Anamnese Diabetes mellitus Typ 2, ED ca. 1990 Negative Familienanamnese Sozial: geschieden, lebt mit Lebenspartner zusammen, IV- Rente PA: Hypertensive und koronare Herzkrankheit mit St.n. inferiorer STEMI 07/2012; St.n. PTCA/Stent RCA-Stenose, EF 45%, PAVK II b re (St.n. femoropoplitealen Bypass, mehrmalige PTA A. iliaca communis und A.profunda femoris) - kvrf: art.hypertonie, Adipositas,DM2,Hypercholesterinämie - chronische Niereninsuffizienz, DD: diabetisch, hypertensiv -- schwere Proteinurie 2g/d, GFR errechnet 41 ml/min.

Anamnese JL: Seit 1994 intensivierte Insulintherapie nach Basis-Bolusschema, 3x Ernährungsberatung gehabt. Nie gute BZ-einstellung erreicht. Problem sei häufig Heisshungerattacken, esse dann mehrere Früchte, stabiles Gewicht. Gehstrecke 150 m, darum wenig Bewegung Hypoglykämien werden verneint anamnestisch Retinopathie mit St.n. Lasertherapie bds.

Befunde Medikamente: Lantus 80 E vor Bettruhe, Novorapid 24-36-36 E (Korrekturinsulin n.separatem Schema). Metformin 2000 mg/d gestoppt, Aspirin cardio 1/d, Candesartan 32mg/d, Amlodipin 10mg/d, Aldactone 25mg/d, Cardura 4mg/d, Bilol 5mg/d, Torem 10mg/d, Crestor 20mg/d Status: BMI 42 kg/m2, 150/90 mmhg, Puls 69/min., ASR nicht auslösbar, Vibrationsinn Grosszehengrundgelenk 2/8 bds., Monofilament 0/5 bds., fehlende Fusspulse bds. Labor: HbA1c 8.8%, vorhandene Mikroalbuminurie

Beurteilung 58-jährigen Patientin mit/bei: Diabetes mellitus Typ 2, ED ca. 1990 - seit 1994 insulinbedürftig - negative Familienanamnese - Adipositas Grad III (BMI 42 kg/m2) - periphere Polyneuropathie, Nephropathie (GFR 41ml/min), - anamnestisch Retinopathie mit St.n. Lasertherapie bds. - Makroangiopathie (KHK und PAVK) - aktuelles HbA1c 8.8%

Was machen Sie um die Diabeteseinstellung zu verbessern? Stopp Insulin, Umstellung nur auf OAD? Wiederbeginn mit Metformin? Kombination mit SGLT2-Hemmer? Kombination mit Glitazone? Wechsel auf ein 2-Spritzenschema mit Mischinsulin? Kombination mit einem GLP1-Analogum? Anderer Vorschlag?

Verlauf Beginn mit Victoza Innerhalb von 1 Monat: deutlich niedriger Insulinbedarf: - Lantus -30 E/d, Novorapid -54 E/d Gewichtsabnahme von 5 kg Nach 3 Monaten HbA1c 6.6% und weitere Gewichtsabnahme von 4 kg Nach 8 Monaten: HbA1c 5.7-6.6%, Insulin: Lantus -20 E/d, Novorapid -14 E/d Kostengutsprache wurde bewilligt

Take home message Gute Wirkung der GLP-1-Analoga auch bei jahrelangen insulinbedürftigen Diabetes mellitus Typ 2, va. wenn die Insulinresistenz und nicht die Insulinsekretionsstörung im Vordergrund steht Bei Patienten unter ausgebauter Insulintherapie versuchen