Mathematik 2 für Wirtschaftsinformatik

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Transkript:

für Wirtschaftsinformatik Sommersemester 2012 Hochschule Augsburg

Ewige Renten Eine Rente heißt ewige Rente, wenn Anzahl n der Ratenzahlungen nicht begrenzt, n also beliebig groß wird (n ). Berechnung des Rentenendwertes dann nicht möglich Rentenbarwert R 0 existiert jedoch: R 0 = lim n = r lim n (r NRBF) = r lim ( ) 1 1 q n = r q 1 n 1 q n qn 1 q 1 1 q 1 = r i Damit: Rentenbarwert einer nachschüssigen ewigen Rente: 8.1. Renten 8.2. Unterjährige Renten 8.3. Ewige Renten 8.4. Ratentilgung 8.5. Annuitätentilgung R 0 = r i 148

Ewige Renten: Beispiel Beispiel Wie groß ist der Barwert einer ewigen nachschüssigen Rente von 40.000 pro Jahr, wenn der Zins bei 8% liegt? Lösung: R 0 = 40 000 0,08 = 500 000 Anmerkung: Geht man von einer vorschüssigen ewigen Rente aus, so ergibt sich für den Rentenbarwert: R 0 = r + r i 8.1. Renten 8.2. Unterjährige Renten 8.3. Ewige Renten 8.4. Ratentilgung 8.5. Annuitätentilgung 149

Tilgungsrechnung Rückzahlung oder Tilgung größerer Darlehen oft in mehreren Raten Hier betrachtet: Tilgung in mehreren Teilbeträgen, in konstanten Zeitabständen Jede zu bezahlende Rate beinhaltet Zinsen und Tilgung Verwendete Symbole: Symbol Bezeichnung S Darlehenssumme, Anfangsschuld R k Restschuld zu Beginn des k-ten Jahres n Tilgungsdauer ( N) Z k Zinsquote am Ende des k-ten Jahres T k Tilgungsquote am Ende des k-ten Jahres Annuität am Ende des k-ten Jahres A k Unterscheidung zwischen Ratentilgung und Annuitätentilgung 8.1. Renten 8.2. Unterjährige Renten 8.3. Ewige Renten 8.4. Ratentilgung 8.5. Annuitätentilgung 150

Ratentilgung Während Laufzeit sind Tilgungsquoten konstant. Daraus folgt: T k = T = S n und damit: R k = S (k 1) T Z k = R k i A k = Z k + T Restschuld zu Beginn des k-ten Jahres Zinsquote am Ende des k-ten Jahres Annuität am Ende des k-ten Jahres 8.1. Renten 8.2. Unterjährige Renten 8.3. Ewige Renten 8.4. Ratentilgung 8.5. Annuitätentilgung 151

Annuitätentilgung Problem der Ratentilgung: Belastung anfangs hoch, später geringer Ausweg: Konstanthalten der Annuitäten über Rentenformel Daraus ergibt sich: R k = S qn q k 1 q n 1 Z k = R k i = A (1 q k n 1) T k = A Z k = A q k n 1 A k = A = S qn (q 1) q n 1 Restsch. zu Beg. des k-ten J. Zinsen im k-ten Jahr Tilgung im k-ten Jahr 8.1. Renten 8.2. Unterjährige Renten 8.3. Ewige Renten 8.4. Ratentilgung 8.5. Annuitätentilgung 152

: Gliederung 1 Folgen und Reihen 2 Komplexe Zahlen 3 Reelle Funktionen 4 Differenzieren 1 5 Differenzieren 2 6 Integration 7 Zinsen 9 Kursrechnung Emissionskurs Duration 8 Renten und Tilgung 9 Kursrechnung 10 Lineare Algebra 11 Lineare

Kursrechnung Festverzinsliche Wertpapiere Wertpapier: Investor erwirbt für bestimmten Preis ein Recht auf Zahlungen Hier: Gesamtfällige festverzinsliche Wertpapiere Emission (Erstausgabe): Investor zahlt pro 100 Nennwert einen Preis C 0 (Emissionskurs) Emittend: Zahlt während Laufzeit Zinsen (Kuponszahlung) und (meist nach Ablauf ) Tilgung (Rücknahmekurs) Kuponzahlung: mittels nominellen Jahreszinses i (oder Jahreszinsfuß p ) auf den Nennwert an Investor, meist jährlich nachschüssig Falls i = 0: Null-Kupon-Anleihen oder Zerobonds Rücknahmekurs: Tilgung in einem Betrag am Ende der Laufzeit C n als Prozentsatz des Nennwertes Rendite: i eff Jährlicher Effektivzins, der Leistung des Investors und des Emittenden gleichwertig macht 9.1. Emissionskurs 9.2. Duration 154

Kursrechnung Äquivalenzgleichung für Emissionskurs Dabei: C 0 = p qn 1 q 1 q n + C n q n n : Laufzeit in Jahren C 0 : Emissionskurs p : Nominalzinsfuß, jährliche Zinszahlung pro 100 Nennwert C n : Rücknahmekurs am Ende der Laufzeut q = 1 + i eff : Effektiver Jahreszins bzw. Rendite des festverz. Wertpapiers Anmerkungen: Gleichung i.a. nicht elementar nach q auflösbar Deswegen oft: Näherung durch Iteration (z.b. regula falsi) Emissionskurs ^= mit Rendite abgezinster Kapitalwert sämtlicher zukünftiger Leistungen des Wertpapiers 9.1. Emissionskurs 9.2. Duration 155

Kursrechnung Ganzzahlige Restlaufzeiten Festverzinsliche Wertpapiere können meist jederzeit gehandelt werden Annahme zunächst: Handel nur unmittelbar nach Kuponzahlung möglich Gesucht: Kurs C t für eine Restlaufzeit von t Jahren Lösung: Preis eines Wertpapiers ist zu jedem Zeitpunkt der Kapitalwert aller in der Restlaufzeit noch ausstehenden Leistungen Abgezinst wird dabei mit dem Marktzins (auch: Umlaufrendite) 9.1. Emissionskurs 9.2. Duration C t = p qt 1 q 1 q t + C n q t 156

Kursrechnung Risikoanalyse Duration Änderung des Marktzinses: Abhängig von Zeitpunkt Auswirkung auf aktuellen Wert des Papiers Fall 1 (Zins steigt): C 0 ist niedriger, aber Wiederanlage der Kuponzahlungen erbringen mehr Rendite Fall 2 (Zins fällt): C 0 ist höher, aber Wiederanlage der Kuponzahlungen erbringen weniger Rendite Vermutung: An einem (Zeit-)Punkt heben sich diese beiden Effekte auf Dieser Zeitpunkt heißt Duration D. Aktueller Wert 190 180 170 160 150 140 130 0 1 2 3 D 5 i = 6 % i = 4 % i = 2 % Zeit t 9.1. Emissionskurs 9.2. Duration 157

Kursrechnung Risikoanalyse Duration Der aktuelle Wert eines Papiers C t (q) = q t C 0 (q) ändert sich also nicht bzgl. Änderungen von q, wenn t = D damit gilt für die Duration D C D (q) q = ( qd C 0 (q) ) = D q D 1 C 0 (q)+q D C 0(q) = 0 q q Da q D 1 immer positiv ist muss also für D gelten D C 0 (q) + q C 0(q) q = 0 und damit: D = C 0(q) q q C 0 (q) = q C 0 (q) C 0 (q) 9.1. Emissionskurs 9.2. Duration Weitere mögliche Interpretation der Duration als Bruttozinselastizität des Barwertes. 158

Kursrechnung Partielle Ableitung des Kapitalwertes Für die Berechnung von D ist C 0(q) zu bestimmen; bei einem festverzinslichen Wertpapier ergibt sich so C 0(q) = n q n+1 ( ) p qn 1 q 1 + Cn + p q n qn 1 (q 1) (q n 1) n (q 1) 2 Varianten der Duration Modifizierte Duration: MD = D q = C 0(q) C 0 (q) Elastizität (von i): ε C0,i = C 0(i) C 0 (i) i = i q D = MD i 9.1. Emissionskurs 9.2. Duration Auswirkungen von Zinsänderungen Bei bekanntem Emissionskurs: Auswirkungen kleiner Zinsänderungen über Duration C 0 (i + i) C 0 (i) (1 MD i) 159