Diabetes mellitus Typ 2 und Sport am Beispiel Nordic Walking. Teil 2 - Sporttherapie

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1 Diabetes mellitus Typ 2 und Sport am Beispiel Nordic Walking Teil 2 - Sporttherapie Fachliche Bearbeitung: A. Bachmann, Diabetes Zentrum Klinikum Innenstadt, München A. Wörle, Berufskolleg Waldenburg, DSV Bundeslehrteam Nordic

2 Therapie Typ II (3 Säulen) Medikamente Orale Antidiabetika Alpha-Glukosidase-Hemmer Biguanide Sulfonylharnstoffe/Glinide Glitazone Ernährung KH in BE berechnen Einfach- und Zweifachzucker (Mono- und Disaccaride) verringern Fettarme Ernährung zur Gewichtsreduzierung Bewegung Ausdauersport (mit hohem Anteil an Kraftausdauer wie z.b. Nordic Walking) Krafttraining Diabetiker-Sportgruppe Insulin 2-Spritzen Schema Mischinsulin

3 Notwendige Untersuchungen vor Aufnahme eines sportlichen Trainings: Ärztliche Untersuchung (Diabetologe und Augenarzt) Körperliche Untersuchung, Abklärung evtl. Kontraindikationen Belastungs-EKG HbA1c-Wert Blutglukose Tagebuch (siehe Anhang) Abklärung evtl. diabetischer Folgeerkrankungen (Neuropathien / Durchblutungsstörungen etc ) Abklärung evtl. Unterzuckerungswahrnehmungsstörungen Gesundheits-Check durch Trainer / Therapeuten (siehe Anhang)

4 Kontraindikationen für Nordic Walking am Beispiel Diabetes mellitus Typ 2: Häufige Begleiterkrankungen / Folgeschäden: Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Bluthochdruck, Herzinsuffizienz, Arteriosklerose, Durchblutungsstörungen) Fettstoffwechselstörungen (erhöhter Cholesterinspiegel, Adipositas) Neurologische Folgeschäden Wundheilungsstörung etc

5 Kontraindikationen für eine Teilnahme: Proliferative Retinopathie Charcot-Fuß Offener Ulkus (evtl. auch geschlossener) Blutglukosewahrnehmungsstörungen Entgleisung des Glukosestoffwechsels Herzrhythmusstörungen (Vorhofkammerflimmern) Evtl. degenerative Gelenkserkrankungen und Einschränkungen des Bewegungsapparates Entzündliche Erkrankungen Fieber / Infekte

6 Kontraindikationen für eine Teilnahme: Proliferative Retinopathie Einlagerung von Fett- und Eiweißstoffen in die Gefäßwände (Mikroangiopathie) Verdickungen Brüchige Gefäßwände Evtl. feine Ausbuchtungen: Mikroaneurysmen. Mikroaneurysmen platzen auf : punktförmige Einblutungen auf Netzhaut. Nicht proliferative Retinopathie: Die kleinen Blutgefäße wachsen nicht. Oft keine oder nur leichte Sehstörungen, die gut behandelt werden können. Proliferative Retinopathie: Prozess schreitet fort. Unterversorgung mit Sauerstoff Wachstum neuer Blutgefäße, die auch in den Glaskörper und in die Netzhaut hineinwachsen / einbluten können. In schweren Fällen: Erblindung

7 Kontraindikationen für eine Teilnahme: Proliferative Retinopathie Beginnende Retinopathia diabetica Mikroaneurysmen der Netzhautkapillaren Blutungen Lipideinlagerungen ("harte Exsudate") Glaskörperblutung bei proliferativer diabetischer Retinopathie Sehvermögen: Lichtscheinwahrnehmung Dasselbe Auge nach Glaskörperoperation (Vitrektomie). Narben nach Laserbehandlung. Reste von fibrosierten Proliferationen ohne Blutungsneigung.

8 Kontraindikationen für eine Teilnahme: Charcot-Fuß (- diabetische neuropathische Osteoarthropathie - diabetisches Fußsyndrom - DNOAP) : Namensgeber: der französische Neurologe Jean Martin Charcot Knochenbrüche / Knochenuntergang im Bereich der Füße (meist Fußwurzelaber auch Mittelfußbereich). Fußskelett bricht ein. Stark deformierende Veränderungen des Fußes mit eingeschränkter Belastbarkeit. Groteske Fehlstellungen des Fußes. Im Rahmen einer Neuropathie: Nervendegeneration Ausgedehnte Druckschäden der Haut und Infektionen Amputation droht Nicht schmerzhaft - deshalb besonders gefährlich!

9 Kontraindikationen für eine Teilnahme: Charcot-Fuß:

10 Kontraindikationen für eine Teilnahme: Charcot-Fuß (mit Ulcus):

11 Kontraindikationen für eine Teilnahme: Ulcus: Der Diabetes mellitus ist in 40-70% die häufigste Ursache einer Amputation der unteren Extremität. Ein Fußulcus ist die auslösende Ursache bei 85% aller dieser Amputationen. Prof. Dr. U. Wollina, Dr. K. Liebold, Dr. A. Looks, Klinik für Hautkrankheiten, Uni Jena

12 Kontraindikationen für eine Teilnahme: Ulcus:

13 Kontraindikationen für eine Teilnahme: Ulcus: Madenbehandlung beim chronischen Ulcus cruris. Hauptindikation: Diabetischer Fuß-Ulkus

14 Kontraindikationen für eine Teilnahme: Blutglukosewahrnehmungsstörung Der Teilnehmer spürt Hyper- und/oder Hypoglykämien nicht bzw. kann die Symptome nicht richtig einschätzen. Häufig bei langjährig schlecht eingestelltem Diabetes ( Gewöhnung an schlechte Werte) Gefahr: Starke Hypoglykämie ohne rechtzeitige Gegenmaßnahmen Starke Hyperglykämie ohne rechtzeitige Gegenmaßnahmen

15 Kontraindikationen für eine Teilnahme: Entgleisung des Glukosestoffwechsels Gefahr bei starker Hyperglykämie: Ketoazidose Diabetisches Koma Entsteht durch starken bzw. absoluten Insulinmangel (Spritzen vergessen) Energiebereitstellung durch Fettstoffwechsel Abbauprodukt Saure Ketonkörper starke Übersäuerung des Blutes und extremer Flüssigkeitsverlust Koma nach mehreren Stunden bis Tagen lebensbedrohliche Situation Bei Typ 1 Diabetiker: ab ca. 300 mg/dl Bei Typ 2 Diabetikern meist erst bei noch höheren Werten

16 Kontraindikationen für eine Teilnahme: Entgleisung des Glukosestoffwechsels Gefahr bei starker Hypoglykämie: Gangunsicherheiten / Gleichgewichtsstörungen Verletzungsgefahr Durch Bewegung weiterer sehr schneller Abfall der Blutglukosewerte Bewusstlosigkeit bei Blutglukose unter ca. 40 mg/dl Wichtig: Nur Diabetiker, die Insulin spritzen oder blutzuckersenkende Tabletten (Sulfonylharnstoffe, Glinide und Substanzen mit ähnlicher Wirkung) einnehmen, können eine lebensbedrohliche Hypoglykämie entwickeln!

17 Weitere Kontraindikationen für eine Teilnahme: Herzrhythmusstörungen (Vorhofkammerflimmern) Evtl. degenerative Gelenkserkrankungen und Einschränkungen des Bewegungsapparates Entzündliche Erkrankungen Fieber / Infekte Wichtig: Gesundheits-Check / Anamnese vor Beginn des Trainings!

18 Blutglukosewerte vor dem Training bei blutglukosesenkenden Tabletten (nur Anhaltswerte): Ketone SH-Stoffe Glinide Glinide messen vormittags 2 Std.pp 3 Std.pp SH-Stoffe nachmittags > 240mg 200mg 180mg 160mg 140mg 120mg 100mg

19 Blutglukosewerte vor dem Training bei Mischinsulinen (nur Anhaltswerte): Ketone messen Mischinsulin vormittags Mischinsulin nachmittags > 240mg 200mg 180mg 160mg 140mg 120mg 100mg

20 Blutglukosewerte vor dem Training bei Normalinsulin zum Essen (nur Anhaltswerte): Ketone messen Normalinsulin vor- und nachmittags 2 Std.pp > 240mg 200mg 180mg 160mg 140mg 120mg 100mg

21 Blutglukosewerte vor dem Training bei Basis-Bolus-Spritzschema (nur Anhaltswerte): Ketone messen Normal- und Basalinsulin vormittags 2 Std.pp Normal- und Basalinsulin nachmittags 2 Std.pp > 240mg 200mg 180mg 160mg 140mg 120mg 100mg

22 Unterzucker (Hypogkykämie beim Sport): Beginn der Unterzuckerung: < mg/dl Mit blutglukosesenkenden Medikamenten: < 60 mg/dl Bei Nordic Walking (und vergleichbaren Ausdauersportarten) wird bei Blutglukosewerten unter 120 mg/dl mit einer Einnahme von mindestens 1 KE reagiert (je nach blutglukosesenkendem Medikament).

23 Anzeichen einer Hypoglykämie Hormonelle Gegenregulation (<60 mg/dl) Zuckermangel Gehirn (<40 mg/dl) Schweißausbruch Zittern (der Hände) Angst Herzklopfen Heißhunger Kribbeln an der Lippe Allgemeine Schwäche Plötzliche Müdigkeit Gefühlsstörungen Konzentrationsschwäche Wahrnehmungsstörungen (v.a. Sehstörungen) Gleichgewichtsstörungen Verwirrtheitszustände

24 Gegenmaßnahmen bei einer Hypoglykämie: Blutglukosewert mg/dl mg/dl mg/dl Unterzuckerungsstufe Leichter Unterzucker Mittlerer Unterzucker Schwerer Unterzucker Gegenmaßnahmen 1 schnelle KE 1 langsame KE 2 schnelle KE 1 langsame KE 2 schnelle KE 2 langsame KE Achtung: Keine körperliche Belastung bis Symptome wieder abgeklungen sind und die Blutglukosewerte über 120 mg/dl liegen!

25 Gegenmaßnahmen bei einer Hypoglykämie: Leichter Unterzucker 1 schnelle KE immer zuerst: Traubenzucker 12 g = 2 Täfelchen Dextro-Energen = 5 Stück Traubenzucker (Drops) 15 g Gummibärchen = 6 Stück 120 ml Saft = halbes Glas 1 langsame KE im Anschluss: 1 Hanuta 1 kleiner Müsliriegel 3 Butterkekse

26 Gegenmaßnahmen bei einer Hypoglykämie: Mittlerer Unterzucker 2 schnelle KE immer zuerst: Traubenzucker 24 g = 4 Täfelchen Dextro-Energen = 10 Stück Traubenzucker (Drops) 30 g Gummibärchen = 12 Stück 220 ml Saft = ein Glas 1 langsame KE im Anschluss: 1 Hanuta 1 kleiner Müsliriegel 3 Butterkekse

27 Gegenmaßnahmen bei einer Hypoglykämie: Schwerer Unterzucker 2 schnelle KE immer zuerst: Traubenzucker 24 g = 4 Täfelchen Dextro-Energen = 10 Stück Traubenzucker (Drops) 30 g Gummibärchen = 12 Stück 220 ml Saft = ein Glas 2 langsame KE im Anschluss: 1 Doppelpack Balisto (2 Stück = 42 g) 2 kleine Müsliriegel 6 Butterkekse

28 Gegenmaßnahmen bei einer starken Hypoglykämie: Bei Bewußtlosigkeit: (Stabile) Seitenlage Kopf nach hinten überstrecken Notarzt rufen Evtl. Glukagonspritze (s.c. oder i.m.) verabreichen (Schulung notwendig!) Wenn Bewusstsein wiedererlangt wird: erst schnelle, dann langsame Kohlenhydrate zu sich nehmen

29 Positive Auswirkungen eines Gruppen - Ausdauertrainings für Typ 2 Diabetiker: Stabilisierung des Körpergewichts Verringerung Körperfettmasse, Steigerung der Muskelmasse (neben Ausdauer- ist dafür auch Krafttraining sinnvoll!) Senkung Gesamtcholesterin, Senkung LDL, Erhöhung HDL Senkung des Blutdrucks (systolisch ca. 15mmHg, diastolisch ca. 8mmHg Positive Beeinflussung der Insulinresistenz (Nüchternblutglukose -20 mg/dl) Förderung der Sozialkontakte Freude an der Bewegung Verbesserung der allgemeinen Leistungsfähigkeit und des allgemeinen Wohlbefindens

30 Ziele spezieller Sport - Angebote für Typ 2 Diabetiker: Erhöhung des Aktivitätsniveaus Gewichtsmanagement Freude an der Bewegung (mit anderen) Vermeidung von Risikosituationen???

31 Inhalt des Kursleitersets: Blutzuckermessgerät Klinikstechhilfe mit Lanzetten Blutglukose-Teststreifen Schnelle Kohlenhydrate (Traubenzucker / Glukose Gel / Weingummi) Langsame Kohlenhydrate (Getreideriegel / Kekse) Alternativ: Energieriegel mit Mischung aus schnellen und langsamen KH Wasserflasche Handy

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