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1 Internet & New Economy E 12. April 2001 Nr. 13 Internet-Revolution und New Economy e-banking: Konkurrenz durch Non- und Near-Banks e-banking: Konkurrenz durch Non- und Near-Banks ist eine Sonderausgabe von Aktuelle Themen Editor: Antje Stobbe Publikationsassistenz: Diane Häge Internet: Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland Fax: Managing Directors Axel Siedenberg Norbert Walter Die zunehmende Konkurrenz durch Non -und Nearbanks im Internetgeschäft wird für die Banken gravierende Konsequenzen haben. Einerseits betreten neue Akteure den Markt, v.a. Versicherungen, etablierte Hauptportale und Startups, und machen Banken Teile ihres Geschäftsbereiches streitig. Andererseits eröffnet die Präsenz von Non- und Nearbanks auf dem Web den Banken aber auch neue Absatzkanäle. Sich wandelnde Kundenwünsche, d.h. neue Maßstäbe mit Blick auf Bequemlichkeit und die Möglichkeit des Marktvergleichs im Netz sind eine wichtige Triebkraft für das Entstehen von Finanzportalen. Diese ermöglichen es dem Kunden auch im Fall einer komplexen Bedürfnislage alle relevanten Leistungen bei einem Marktpartner zu beschaffen (One-Stop-Shopping). E-Konvergenz: Die e-konvergenz von Institutionen, d.h. von Banken und Nichtbanken, wird weiter zunehmen. Deutlich ist der Trend zur Allfinanz. Erreicht wird ein erweitertes Webangebot oftmals durch Kooperationen, z.b. zwischen Versicherern und Banken oder zwischen anderen branchenfremden Portalanbietern und den Anbietern von Finanzdienstleistungen. Trend zur Dekonstruktion der Wertschöpfungskette bei Finanzdienstleistungen: Hauptbetreiber der Dekonstruktion auf dem Netz sind allgemeine Portale und Start-ups. Attraktoren, wie z.b. Hauptportale, dürften sich als Vertriebspartner von Banken etablieren. Dabei wird bei der Wahl des Attraktors für den Produzenten von Finanzdienstleistungen entscheidend sein, auf welchem Portal als meistgenutzte Einstiegsseite der jeweiligen Zielgruppe die eigenen Produkte am besten abgesetzt werden können. Open-Finance Portale: Die Entwicklung hin zu Open Finance ist erkennbar, aber in den wenigsten Fällen vollständig realisiert. Dies gilt insbesondere für Versicherungen. Die Dynamik des Webs dürfte allerdings dazu beitragen, dass sich die Trends der Dekonstruktion und Konvergenz sowie die Entwicklung hin zu Open Finance in hoher Geschwindigkeit fortsetzen. Margenentwicklung: Die höhere Transparenz bzgl. des Angebots von Finanzund Versicherungsdienstleistungen, das steigende Preisbewußtsein beim Kunden und die z.t. aggressiven Preissetzungsstrategien der Akteure auf dem Netz im Kampf um Marktanteile dürften sich negativ auf die Margenentwicklung der Banken auswirken. Kundenbindung: Die traditionelle Kundenbindung wird an Bedeutung verlieren. Strategische Ansatzpunkte zur Bindung von Kunden aus Sicht der Banken sind die Pflege des Markennamens, die Stärkung des Kundenvertrauens sowie eine hohe Qualität des Angebots. Antje Stobbe,

2 Deutsche Bank Research Banken sehen sich auch im Internetgeschäft zunehmender Konkurrenz durch Non- und Nearbanks 1 gegenüber. Neue Akteure betreten den Markt und machen Banken Teile ihres Geschäftsbereiches streitig. Die Präsenz von Non- und Nearbanks auf dem Web eröffnet den Banken aber auch neue Absatzkanäle. Zu den wichtigsten Akteuren im Umfeld der Banken gehören zum Beispiel Mobilfunkunternehmen, Hauptportale und Versicherungen. Der Aktionsradius dieser Unternehmen auf dem Web im Bereich des Bankgeschäftes für Privatkunden ist sehr unterschiedlich. Während das Telekomunternehmen Mobilcom Finanzdienstleistungen (Kontoführung, Brokerage, Zahlungsverkehr) mobil über das Handy anbieten will, sind Portale wie z.b. FinanzScout24.de auf den Vergleich von Finanzdienstleistungen und deren Vermittlung spezialisiert. Versicherungen weiten hingegen ihr Leistungsspektrum aus und integrieren Asset-Management-Produkte in das Webangebot. Grundsätzlich forciert das Internet, das Transaktionskosten und Markteintrittsbarrieren senkt, die Trends der Dekonstruktion und Konvergenz im Finanzsektor. E-Banking Strategien reichen von Spezialisierung (E-Brokerage) bis zu Portalen, die eine breite Produktpalette im Bereich Bankdienstleistungen und Versicherungen auf einer Site anbieten. Im Extremfall werden neben Eigenprodukten auch Konkurrenzprodukte angeboten (Konzept des Open-Finance). Der Schwerpunkt dieser Analyse liegt auf Finanzportalen wie sie zunehmend von Non- und Nearbanks auf dem Netz angeboten werden. Dabei wird unter einem Finanzportal eine spezifische Ausprägung einer Kundenschnittstelle im elektronischen Markt verstanden, in der themenbezogene Inhalte, Dienste und Produkte unterschiedlicher Unternehmen zusammengeführt und dem Kunden in integrierter Form präsentiert werden. Typischerweise handelt es sich bei Finanzportalen um vertikale Portale, die inhaltlich auf einen Themenkomplex konzentriert sind und dazu ein umfassendes Angebot an Informationen und Services präsentieren. Veränderte Kundenwünsche als Triebkraft Die spezifischen Charakteristika des Internets sind Triebkräfte für den Markteintritt neuer Anbieter und für das veränderte Produktangebot z.b. von Versicherern. Der wohl bedeutendste Faktor sind sich wandelnde Kundenwünsche. Die Eigenschaft des Internets, Transaktionskosten zu reduzieren, hat auf der Seite der Kunden neue Maßstäbe mit Blick auf Bequemlichkeit, Übersichtlichkeit und die Möglichkeit des Marktvergleichs entstehen lassen. Auf Seiten der Anbieter mündet dieser Kundenwunsch in eine Portalstrategie. Portale ermöglichen es dem Kunden, auch im Fall einer komplexen Bedürfnislage alle relevanten Leistungen bei einem Marktpartner zu beschaffen und somit Transaktionskosten zu sparen (One-Stop-Shopping). Das Portal generiert einen Nutzenvorteil für den Kunden, indem es Informationen und Produktangebote bündelt und Funktionen (z.b. Finanzanalysetools) integriert. Ziel aus Sicht des Anbieters von Finanzportalen ist es, eine hohe Kundenbindung durch ein umfassendes und qualitativ hochwertiges Angebot zu erzielen. Die generell breite Informationsbereitstellung im Internet ermöglicht es dem Kunden darüber hinaus, Cherry Picking bei Finanzdienstleistungen vorzunehmen. Dies fördert den Trend zur Herausbildung von Finanzportalen, die Fremdprodukte anbieten. Welche Arten von Portalen existieren? Hauptportale, die einen generellen Einstiegspunkt in das Web darstellen, wie z. B. yahoo.de und aol.de. Spezifische vertikale Portale für Finanzdienstleistungen, zumeist von Start-Ups initiiert, z.b. Infomediäre (gatrixx.de) oder Intermediäre (finanzscout24.de). Proprietäre Portale von Banken oder Versicherern, die ausschließlich eigene Produkte anbieten. Open-Finance Portale, über die sowohl eigene als auch Fremdprodukte vertrieben werden. Finanzportale sind vertikale Portale Neue Maßstäbe der Kunden mit Blick auf Bequemlichkeit und Marktvergleich Kunden betreiben Cherry Picking 1 Als Nicht-Banken werden auch z.b. Institutionen verstanden, die ursprünglich von Branchenfremden gegründet worden sind, so z.b. reine Internetbanken wie First-e (Mitgründer: Metro). 2 E

3 Deutsche Bank Research Vertriebs-Produkt-Netzwerke: Vorteile für Branchenfremde Auf der Angebotsseite ist vor allem von Bedeutung, dass das Internet die Kosten des Vertriebs von Finanz- und Versicherungsprodukten im Vergleich zu konventionellen Vertriebsstrukturen senkt. Dies gilt sowohl für die Markteintritts- als auch für die laufenden Kosten. Die geringeren Vertriebskosten erleichtern es Non- und Nearbanks, wie z.b. Hauptportalanbietern oder Versicherern, in bisher von Banken dominierte Märkte vorzustoßen. Auch der Umstand, dass im Internet leicht Vertriebs-Produkt-Netzwerke geschaffen werden können, ermöglicht den Markteintritt branchenfremder Akteure. Unter Ausnutzung von Vertriebs-Produkt-Netzwerken können Hauptportale ein den Kundenbedürfnissen entsprechendes Leistungsangebot offerieren, ohne dabei alle Leistungen in eigener Regie erstellen zu müssen. Sie fungieren dabei lediglich als Attraktor, d.h. als Vertriebsschnittstelle zwischen Kunden und Produzenten von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (s. Kasten). Die Motivation, Bankprodukte in das Webangebot aufzunehmen, ist bei den Anbietern in der Regel in dem Ziel begründet, Startseite für ein One-Stop-Shopping zu werden. Die Voraussetzungen, die verschiedene Anbieter mit Blick auf dieses Ziel mitbringen, sind jedoch sehr unterschiedlich. Allgemeine Portale und Communities im Internet verfügen bereits über genügend Kunden für ein erfolgreiches Mengengeschäft. Für sie ist es also unter Ausnutzung eines bereits bekannten Webmarkennamens (Yahoo!, AOL) relativ leicht, Startpunkt eines Vertriebs-Produkt-Netzwerkes zu werden. Die Integration von Finanzdienstleistungen macht das Angebot für den Portalnutzer noch attraktiver und hilft damit wiederum, die für Portale entscheidenden Netzwerkeffekte zu verstärken. Aus Sicht von Portalen kann das Angebot einer Bankdienstleistung außerdem einen Beitrag zur Kundenbindung leisten. Allgemeine Portale können so zu Distributoren von Finanzdienstleistungen werden und zur Dekonstruktion des Bankgeschäftes beitragen, insofern sie einen direkten Abschluß einer Transaktion auf der Site ermöglichen. Versicherungen: Attraktiveres Angebot schaffen Aus Sicht von Versicherungen dominiert hingegen das Bestreben, meist im Rahmen einer Multikanalstrategie ein attraktives Webangebot zu schaffen und die Nutzerzahlen erst zu erhöhen. Der Kundenwunsch, ein leicht zu vergleichendes Angebot auf dem Web vorzufinden und den Kauf von Finanz- und Versicherungsprodukten im One- Stop-Shopping zu erledigen, veranlasst Versicherer, ihr Angebot über Versicherungen hinaus zu erweitern. Die Erhöhung der Attraktivität von Versicherungssites dürfte für Versicherungen auch derzeit deshalb noch von besonderer Bedeutung sein, weil die Möglichkeit eines reinen Online-Abschlusses von Versicherungen bisher noch begrenzt ist. Der Bruch in der e-distributionskette ist also ein Hindernis für das Internetgeschäft von Versicherern. Auch die Steigerung der Profitabilität des Vertriebsweges Internet, z.b. über Zusatzerträge aus Bannerwerbung und Pro- Internetanbieter für Finanzdienstleistungen Attraktoren: Finanzunternehmen mit speziellem Fokus auf Kundenbeziehungen und den Vertrieb von Produkten, nicht aber auf die Herstellung von Produkten. Matchmaker: suchen im Web nach Finanzprodukten und ihren Anbietern. Treten in Vermittlung zwischen Anbieter und Kunden mit Hilfe von Such- und Vergleichsmaschinen. Transformer (Produzenten): spezialisiert auf die effiziente Bereitstellung hochwertiger Finanzprodukte. Quelle: Forrester, 2000 Strategische Ziele im Online- Versicherungsgeschäft Kundenzufriedenheit erhöhen Umsatz steigern Kosten reduzieren Prozesse verschlanken -Niedrigere Preise, höhere Qualität -Verkürzte Antwortzeiten -24-Stunden-Service -Neue Produkte -Neue Arbeitsmärkte -Kundenloyalität -niedrigere Transaktionskosten -geringere Fixkosten -Neue, bedarfsgerechtere Produkte -Besseres Wissen über Kunden -Beschleunigte Produktentwicklung Quelle: International Data Corporation, 2000 E 3

4 Deutsche Bank Research visionseinnahmen aus Verkäufen von Kooperationspartnern (Cross-Selling), dürfte eine wichtige Motivation sowohl für Hauptportale als auch für Versicherer sein, weitere Produkte zu integrieren. Zahlreiche Geschäftsmodelle Es existieren ganz verschiedene Geschäftsmodelle im Bereich der (Finanz-)Portale, so z.b: 1. reine Infomediäre, die einen Vergleich verschiedener Produkte ermöglichen (Anbieter sind vor allem Nichtbanken), 2. Intermediäre, die Produkte verschiedener (fremder) Anbieter vergleichen und über Links vermitteln bzw. selbst verkaufen (Anbieter sind vor allem Nichtbanken), 3. proprietäre Portale, d.h. Sites die ausschließlich eigene Produkte vertreiben (Anbieter sind Banken und Versicherungen), 4. Open-Finance-Portale, die eigene und fremde Produkte vermitteln (Anbieter sind Nichtbanken und Banken). Von diesen vier Gruppen haben Intermediäre, proprietäre und Open- Finance Portale die Funktion eines Attraktors. Lediglich bei proprietären Portalen fallen die Funktion des Attraktors und des Produzenten zusammen, während bei Open-Finance Portalen zwar eine enge Beziehung zwischen dem Attraktor und einem der Transformer besteht, aber auch andere Produzenten von Finanzdienstleistungen Geschäftsbeziehungen mit dem Finanzportal eingehen. Intermediäre, die ausschließlich Fremdprodukte vermitteln, sind typischerweise Branchenfremde, so z.b. Hauptportale oder Internet Service Provider. Hauptportale gehen Kooperationen ein Reine Infomediäre, die ausschließlich Finanzmarktinformation bereitstellen (Gruppe 1) und einen Preis- und Produktvergleich für Finanzund Versicherungsprodukte auf dem Internet ermöglichen, sind eher selten (z.b. gatrixx.de). In Bezug auf das Bankgeschäft sind sie nur insofern relevant, als sie die Markttransparenz für den Kunden erhöhen und Transaktionskosten senken. Sie dürften allerdings aufgrund ihrer Transparenz fördernden Funktion signifikante Auswirkungen auf die Preisgestaltung von Produkten und die Margenentwicklung der Banken haben. Interessanter aus Kunden- und Bankensicht sind Intermediäre, die nicht nur Produkte vergleichen, sondern den Kunden über Links bspw. zu Internetbrokern oder direkt auf dem Portal platzierten Produkten Transaktionen ermöglichen (Gruppe 2). Derartige Portale übernehmen eine echte Attraktorfunktion und generieren durch Kooperationen mit Produzenten Vertriebs-Produkt-Netzwerke, die für den Kunden einen Mehrwert schaffen. Hierzu zählen Finanzportale, die in allgemeine Portale integriert sind, z.b. moneycentral.msn.com. Die Site ist ein Infomediär: mit einer Vergleichsmaschine (Match-Maker) können die Konditionen für Versicherungen oder Girokonten bei verschiedenen Banken verglichen werden. Eigene Finanzprodukte werden nicht vertrieben, es bestehen aber Links zu Online-Anbietern. Das Geschäftsmodell basiert auf Einnahmen aus Werbung und Gebühren, die die Anbieter für eine Platzierung zahlen müssen. Ein ähnliches, aber leicht eingeschränktes Modell gibt es für den deutschen Markt. Auch FinanzScout24.de (zugehörig zur Metro- Gruppe) gehört zu dieser Gruppe. FinanzScout24 ermöglicht den di- Dekonstruktion im Internet Attraktor: Finanzportal A A Transformer: z.b. Versicherungsgesellschaft, Bank Matchmaker: Suchmaschine Reine Infomediäre sind eher selten Intermediäre: Funktion eines Attraktors Finanzportale: neuer Vertriebskanal für Banken T T T 4 E

5 Deutsche Bank Research rekten Vergleich von Produkten verschiedener Anbieter, z.b. Fonds, Termingelder, Tagesgelder, Versicherungen, Baufinanzierungen. Die Website übernimmt gleichzeitig Vermittlungsfunktion und finanziert sich über Provisionen. Sie hat damit die Funktion eines Infomediärs und eines elektronischen Maklers (Intermediär). Sowohl etablierte Hauptportale (AOL, Yahoo!Finanzen, MSN, T-Online) als auch von branchenfremden Unternehmen initiierte Intermediäre (FinanzScout24.de) versuchen also, ihre Marktposition durch Hinzufügen von Content sowie Kooperationen mit Finanzdienstleistern, Versicheren und Vergleichsmaschinen (Vertriebs-Produkt-Netzwerk!) zu stärken. Das Eigenangebot ist bei Branchenfremden bisher noch sehr beschränkt. Insofern treten sie zu Banken nicht in Produktkonkurrenz, sondern eröffnen aus Bankensicht einen neuen Vertriebskanal. Versicherer betreiben Portalstrategien Bei Versicherern ist zwischen reinen Internetstrategien und Allfinanzstrategien zu unterscheiden. Einige Versicherer haben eigene Internetversicherer gegründet, die teilweise besondere Produkte anbieten. Bei diesen reinen Internetversicherern werden in der Regel keine Bankprodukte aufgenommen. Einzelne Beispiele deuten allerdings auch auf eine Konvergenz des Produktangebotes von Banken bzw. Brokern und Versicherern im Dotcom-Bereich hin (z.b. Consors, s.u.). Im Rahmen von Allfinanzstrategien haben Versicherer meist proprietäre Kundenportale aufgebaut (Gruppe 3). Ansatzpunkte zur Erweiterung der Produktpalette bestehen z.b. im Angebot eigener Bankdienstleistungen (Produzent). Es dominiert derzeit das begrenzte Angebot von Sparplänen und Fonds, aber auch Kredite oder Immobilienfinanzierungen werden offeriert. Andere Sites haben zwar keine konkurrierenden Versicherungsfremdprodukte aufgenommen, versuchen aber durch aber komplementäre (Bank-)Fremdprodukte meist eines einzelnen Anbieters ihr Webangebot attraktiver zu gestalten (proprietär-komplementäres Kundenportal). Ein Versicherer präsentiert auf seiner Site bspw. die Brokerage-Funktion eines (fremden) Anbieters. Ein anderer hat Bankprodukte (Fonds) auf der Website integriert und beabsichtigt, künftig seinen Privatkunden exklusiv das Internet-Banking eines fremden Bankhauses zu offerieren. Versicherer werden damit auch zu Distributoren von Finanzdienstleistungen. Nur wenige Anbieter haben angekündigt, miteinander konkurrierende Produkte in ihr Angebot integrieren zu wollen. Dabei sind zwei unterschiedliche Strategien zu unterscheiden: entweder werden analog zum Open-Finance Konzept Versicherungsprodukte von Konkurrenten offeriert 2 oder das Online-Angebot umfasst miteinander konkurrierende Bank- und Versicherungsprodukte verschiedener Kooperationspartner (Open-Finance Modelle, Gruppe 4). Die Motivation, eine Portalstrategie nach dem Open-Finance Konzept zu verfolgen, ist dabei ähnlich wie bei Banken (s. Grafik). Bisher sind solche Modelle nur vereinzelt realisiert worden. Consors bietet konkurrierende Bank- und Versicherungsdienstleistungen an. Zu diesem Zweck hat Consors jüngst seine Beteiligung an e-insurance erhöht. Neben der Auswahl aus einem umfangreichen Fondsangebot können Kunden online Versicherungen vergleichen und Angebote zum Abschluss von Versicherungsver- Versicherer bauen proprietäre Portale auf......und integrieren auch komplementäre Produkte Open Finance: Treibende Kräfte Kundenforderung Konkurrenzdruck Internetaffine Kundschaft Sinkende Gewinnmargen Verbesserte Technologie Euro Besserer Vergleich möglich Wachstumsdruck % Open-insurance-Portale sind aber derzeit am Markt noch nicht entstanden. Quelle: Forrester, 2000 E 5

6 Deutsche Bank Research trägen abgeben. Darüber hinaus gibt es einige Ankündigungen zum Aufbau von Open-Finance Portalen, die aber bisher nicht realisiert worden sind. Es wird deutlich, dass Versicherer unterschiedliche Strategien zur Aufnahme von Bankprodukten verfolgen. Die im allgemeinen bei den Versicherungsgesellschaften zu beobachtenden Aktivitäten im Bereich Asset-Management werden von einem Teil der Versicherer aus eigener Kraft bestritten. Eine zweite Gruppe geht Kooperationen mit Banken ein, um Bankprodukte in das Angebot auf dem Netz zu integrieren. Eine dritte Gruppe von Versicherern ist zum Teil seit drei bis vier Jahren im Online-Bankgeschäft aktiv und hat dazu Banken gekauft oder gegründet. Dies geschieht entweder weitgehend losgelöst vom Versicherungsgeschäft oder mit der Absicht, Finanz- und Versicherungsdienstleistungen auf einem Portal anbieten zu können. Konvergenz und Dekonstruktion in hoher Geschwindigkeit Die Konkurrenz im Bankgeschäft hat sich durch den Markteintritt von Non- und Nearbanks auf dem Netz verschärft. Gerade Hauptportale, die Finanzdienstleistungsmarktplätze aufgebaut haben, erhöhen stark die Transparenz und damit die Vergleichbarkeit der Finanzdienstleistungen. Es sind folgende Trends zu erkennen: 1. Deutlich ist die Entwicklung hin zur Allfinanz, sowohl im Onlineals auch im Offline-Geschäft. Erreicht wird dies oftmals durch Kooperationen, z.b. zwischen Versicherern und Banken oder zwischen anderen branchenfremden Portalanbietern und den Anbietern von Finanz- und/oder Versicherungsdienstleistungen. Finanzportale werden nicht nur von Banken initiiert, sondern auch z.b. von Versicherern oder allgemeinen Portalen angeboten. Die e-konvergenz von Institutionen, d.h. von Banken und Nichtbanken, wird weiter zunehmen. Deren Produktangebot auf dem Netz wird dementsprechend immer ähnlicher. 2. Klar sichtbar ist auch der Trend zur Dekonstruktion der Wertschöpfungskette bei Finanzdienstleistungen. Versicherer sind hier weniger stark involviert, da sie oft aus eigenen Kräften oder durch Gründung oder Akquisition von Banken ein Allfinanzangebot schaffen. Hauptportale und Start-ups sind hingegen die Hauptbetreiber der Dekonstruktion auf dem Netz. So dürften e-distributoren wie das Finanzportal moneycentral/msn.com sich aufgrund ihrer Integration in herkömmliche Portale als eine wichtige Schnittstelle zwischen Kunden und Bankgeschäft erweisen. Ihr Vorteil liegt vor allem in der umfassenden Information des Kunden im Rahmen eines allgemeinen Portals und der Vermittlungsfunktion zu verschiedenen Banken und Versicherungen. Diese Vermittlungsfunktion kann allerdings verschiedene Dimensionen annehmen: sie reicht von der einfachen Weiterleitung des Kunden auf die Websites von Finanzdienstleistern (Links) über den Verweis an Vergleichsmaschinen (Match Maker) zur Suche des günstigsten Produktes bis hin zur Integration einer ganzen Palette von Produkten auf der Site des Portals, die der Kunde online kaufen kann. Nur im letzten Fall tritt tatsächlich Dekonstruktion auf, während bei den ersten beiden Formen die Vertriebsfunktion bei der Bank verbleibt. 3. Der Trend zu Open-Finance Portalen ist erkennbar, aber in den wenigsten Fällen vollständig realisiert. Dies gilt insbesondere für Versicherungen. Hauptportale und Start-ups dienen derzeit meist Kooperationen oder Kauf von Banken Allfinanz: sowohl online als auch offline Hauptportale und Start-ups sind die Hauptbetreiber der Dekonstruktion auf dem Netz Open-Finance Portale: nur selten realisiert 6 E

7 Deutsche Bank Research als Vertriebskanal für miteinander konkurrierende Fremdprodukte. Diese Attraktoren bieten nur in seltenen Fällen eigene Produkte an und sind daher nicht als Open-Finance Portale zu klassifizieren. 4. Der Grad der Bequemlichkeit des Online-Abschlusses und die Breite des Produktangebots, die die Site bietet, dürfte ihren Erfolg entscheidend mitbestimmen. In Deutschland ist aber oft nur ein Online-Vergleich mit Hilfe eines Matchmakers möglich, der Abschluß muß hingegen vom Kunden konventionell vorgenommen werden. Damit wird zwar der direkte Wettbewerb zwischen den Anbietern verschärft, der Kunde kann jedoch nicht die Vorteile eines Onlineabschlusses wahrnehmen. Dies dürfte sich als nachteilig für den Erfolg eines Anbieters erweisen. 5. Die Dynamik des Webs hat allerdings dazu beitragen, dass sich die Trends der Dekonstruktion und Konvergenz und die Entwicklung hin zu Open Finance in hoher Geschwindigkeit fortsetzen. Das Supermarkt-Portal neuermarkt.de ermöglicht z.b. über Links den direkten Zugang zu verschiedenen Finanzportalen und Brokern, deren Angebote somit für den Kunden noch leichter vergleichbar sind. Das Beispiel zeigt, dass durch ein derartiges Superportal letztendlich faktisch ein Open-Finance Modell entsteht. Proprietäre Portale könnten damit aus Sicht des Anbieters von Finanzdienstleistungen nur zur Zwischenlösung werden. Auswirkungen auf das Bankgeschäft 1. Attraktoren, wie z.b. Hauptportale, dürften sich als Vertriebspartner von Banken etablieren. Dabei wird bei der Wahl des Attraktors für den Produzenten von Finanzdienstleistungen entscheidend sein, auf welchem Portal als meistgenutzte Einstiegsseite der jeweiligen Zielgruppe die eigenen Produkte am besten abgesetzt werden können. Nur die Sites, die ein umfangreiches und diversifiziertes Angebot zur Verfügung stellen, dürften mittelfristig einen attraktiven Vertriebskanal für Banken darstellen. 2. Der Marktanteil von Nicht-Banken ist derzeit noch eher klein. Der Anteil von Online-Abschlüssen an den gesamten Versicherungsabschlüssen in Europa wurde von IDC im Jahr 2000 auf deutlich weniger als 1% geschätzt. Entscheidender als der Anteil der Online-Abschlüsse dürften allerdings die vom Webangebot angestoßenen Strukturveränderungen für das Bankgeschäft sein. Dazu zählt einerseits die zunehmende Konkurrenz von Versicherungen im Bereich der Bankprodukte, andererseits die steigende Transparenz durch Finanzportale und Vergleichsmaschinen (Match Maker). 3. Die Transparenz bzgl. des Angebots von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, das steigende Preisbewußtsein beim Kunden und die z.t. aggressiven Preissetzungsstrategien im Kampf um Marktanteile dürften sich negativ auf die Margenentwicklung der Banken auswirken. Dies gilt, obwohl das Internet nicht nur die Preise, sondern auch die Kosten pro Transaktion senkt. 4. Die Zahl der Intermediäre auf dem Web hat gegenüber dem traditionellen Vertrieb von Finanzdienstleistungen zugenommen. Dem Vertriebskosten sparenden Effekt des Internets stehen damit die Provisionen, die die Intermediäre erhalten, gegenüber. Auch diese dürften zu Lasten der Margen des Anbieters der Leistungen gehen, nicht zu Lasten der Kunden. Bequemlichkeit entscheidend Schneller Wandel Hauptportale als Vertriebspartner Online-Versicherungsabschlüsse in Westeuropa 5.0 % des gesamten Versicherungsgeschäftes Quelle: IDC E 7

8 Deutsche Bank Research 5. Mit dem Margenverfall dürfte ein Konsolidierungsprozess mit M&A einsetzen. Der e-banking-markt dürfte unter wenigen großen Anbietern von Finanzportalen aufgeteilt werden, da Portale auf eine hohe Nutzerdichte (Traffic) angewiesen sind. Vor dem Hintergrund des Trends zum One-Stop-Shopping ist zu vermuten, dass ein umfassendes Informations- und Produktangebot für eine Site zum Erfolgsfaktor werden dürfte. 6. Jüngste Entwicklungen zeigen, dass auch im e-business Beratung weiterhin von großer Bedeutung ist. Banken, die über ein Filialnetz oder Shops als Anknüpfungspunkt zum Kunden verfügen und durch das Internet ihre Vertriebskanäle lediglich erweitern, dürften daher signifikante Vorteile gegenüber rein virtuellen Portalen haben. Dies ist auch insofern von Bedeutung, als die Kunden der sog. zweiten Welle, d.h. die Gruppe, die nicht zu den sog. Heavy User des Internets zählt und mehr Beratung bei ihren Internettransaktionen benötigt, ein wichtiges Kundenpotenzial im Kampf um Marktanteile darstellten. 7. Durch das Internet haben Kunden erheblich leichteren Zugriff auf die Angebote anderer Finanzdienstleister und können diese in kurzer Zeit vergleichen. Damit wächst tendenziell die Bereitschaft, die Bank zu wechseln. Die traditionelle Kundenbindung verliert an Bedeutung, so dass aus Bankensicht bei zunehmender Homogenität und Austauschbarkeit von Bankprodukten noch stärker die Frage in den Vordergrund rückt, wie Kunden dauerhaft an die Bank gebunden werden können. Strategische Ansatzpunkte zur Bindung von Kunden sind die Pflege des Markennamens, die Stärkung des Kundenvertrauens, sowie eine hohe Qualität des Angebots, das sowohl Eigen- als auch Fremdprodukte enthalten muß. Fremdprodukte müssen vor allem einbezogen werden, um anspruchsvolle Kunden zu binden. Konsolidierungsprozess zu erwarten Multikanalstrategie vorteilhaft Wie können Kunden dauerhaft gebunden werden? Antje Stobbe, Alle Deutsche Bank Research-Produkte sind auch via erhältlich. Sie erhalten die elektronische Ausgabe im Durchschnitt vier Tage früher als die gedruckte Veröffentlichung. Wenn Sie Interesse am -Bezug haben, wenden Sie sich bitte an Ihren Kundenberater oder an das DB Research Marketing-Team: Deutsche Bank AG, DB Research, D Frankfurt am Main, Bundesrepublik Deutschland (Selbstverlag). Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe Deutsche Bank Research gebeten. Die in dieser Veröffentlichung enthaltenen Informationen beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen, die wir für zuverlässig halten. Eine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Angaben können wir nicht übernehmen, und keine Aussage in diesem Bericht ist als solche Garantie zu verstehen. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Verfassers/der Verfasser wieder und stellen nicht notwendigerweise die Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen dar. Die in dieser Publikation zum Ausdruck gebrachten Meinungen können sich ohne vorherige Ankündigung ändern. Weder die Deutsche Bank AG noch ihre assoziierten Unternehmen übernehmen irgendeine Art von Haftung für die Verwendung dieser Publikation oder deren Inhalt. Die Deutsche Bank Securities Inc. hat unter Anwendung der gültigen Vorschriften die Verantwortung für die Verteilung dieses Berichts in den Vereinigten Staaten übernommen. Die Deutsche Bank AG London, die der Securities and Futures Authority untersteht, hat unter Anwendung der gültigen Vorschriften die Verantwortung für die Verteilung dieses Berichts im Vereinigten Königreich übernommen. Die Deutsche Bank AG (ARBN ) hat unter Anwendung der gültigen Vorschriften die Verantwortung für die Verteilung dieses Berichts in Australien übernommen. Druck: HST Offsetdruck GmbH, Dieburg. Print: ISSN / Internet: ISSN E

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