Umweltfreundliche Nahverkehrslösungen bei steigendem Mobilitätsbedarf

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1 14. Wahlperiode Antrag der Abg. Katrin Schütz u. a. CDU und Stellungnahme des Innenministeriums Umweltfreundliche Nahverkehrslösungen bei steigendem Mobilitätsbedarf Antrag Der Landtag wolle beschließen, die Landesregierung zu ersuchen zu berichten, 1. in welchen Bereichen des öffentlichen Nahverkehrs sie den Einsatz von Hybridbussen für sinnvoll hält; 2. welche Vorteile der Einsatz von Hybridbussen mit sich bringt; 3. welche Erfahrungen zum Einsatz von Hybridbussen vorliegen; 4. welche Förderungsmöglichkeiten bestehen, um umweltfreundliche Nahverkehrslösungen mit Hybridbussen zu etablieren; 5. wie im Rahmen von Neuanschaffungen der Anteil von Hybridmodellen gesteigert werden kann Schütz, Pfisterer, Locherer, Pauli, Dr. Schüle, Scheuermann CDU Eingegangen: / Ausgegeben: Drucksachen und Plenarprotokolle sind im Internet abrufbar unter:

2 Begründung In der EU wuchs die Anzahl der Pkw in den letzten 10 Jahren zehnmal schneller als die Einwohnerzahl. Städtische Verkehrsexperten fordern daher einen verstärkten Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und reduzierte Inves - titionen in den Ausbau der Infrastruktur für den Individualverkehr. Die Hauptursache für die Verkehrsprobleme sind vor allem begrenzte Kapazitäten beim Individualverkehr. Durch die Bevölkerungsentwicklung in den Metropolen wird der Mobilitätsbedarf ständig zunehmen. Das Verkehrswesen gilt als mit Abstand wichtigste Infrastrukturaufgabe, da es alle gesellschaftlichen Ebenen betrifft. Mobilität muss nachhaltig sein und sich an Umweltqualitätszielen orientieren. Luftverschmutzung und Staus sind die beiden größten ökologischen Herausforderungen, welche nur mit einem verstärkten Einsatz öffentlicher Nahverkehrslösungen beherrscht werden können. Die Funktionsfähigkeit des Verkehrs wird ein zentraler Standortfaktor im Städtewettbewerb und ist Schlüsselfaktor für die Wettbewerbsfähigkeit. Sie basiert auf einem attraktiven, umweltfreundlichen und effizienten ÖPNV. Durch den Hybridantrieb sollen 20 Prozent und mehr des Kraftstoffes eingespart werden können. Außerdem soll die Umwelt bei der Feinstaubbelastung um bis zu 90 Prozent, bei der CO 2 -Belastung um bis zu 30 Prozent und bei den Stickoxiden um bis zu 39 Prozent entlastet werden. Gerade Linienbusse eignen sich wegen ihres häufigen Bremsens und Anfahrens für die Hybrid- Technologie, weil Bremsenergie zurück gewonnen wird und für den Betrieb eines Elektromotors zur Verfügung steht. Der Einsatz von Hybrid-Bussen kann so einen Beitrag zum Klimaschutz liefern. Stellungnahme Mit Schreiben vom 19. Januar 2010 Nr /292 nimmt das Innenminis - terium im Einvernehmen mit dem Umweltministerium zu dem Antrag wie folgt Stellung: Der Landtag wolle beschließen, die Landesregierung zu ersuchen zu berichten, 1. in welchen Bereichen des öffentlichen Nahverkehrs sie den Einsatz von Hybridbussen für sinnvoll hält; Zu 1.: Der Elektroantrieb hat eine höhere Effizienz als vergleichbare konventionelle Antriebe basierend auf Verbrennungsmotoren. Im Zeichen knapper werdender fossiler Energien besteht zurzeit eine Tendenz zu verbrauchsoptimierten konventionellen Fahrzeugen. Andererseits beobachtet man bei den führenden Automobilherstellern gerade in letzter Zeit Entwicklungslinien, die eine Elektrifizierung des Antriebsstranges zum Ziel haben. Auf dem Weg hin zu emissionsfreien, vom Einsatz fossiler Kraftstoffe als Energiequelle unabhängigen Fahrzeugen sieht die Landesregierung in den unterschiedlich ausgestalteten Hybridkonzepten wichtige Schritte hin zu einer auf effizienten Elektrofahrzeugen basierenden Mobilität. 2

3 Gerade auch im Hinblick auf die Weiterentwicklung der elektrischen Komponenten wie Elektromotoren, Leistungselektronik oder Energiespeicher fungieren Hybridfahrzeuge als eine wichtige Brücke auf dem Weg zu reinen Elektrofahrzeugen. Mit Elektroantrieben können auch anspruchsvolle Ziele hinsichtlich lokaler Immissionsbelastungen (aus Abgasemissionen, Lärmemissionen) aber auch die Verminderung von CO 2 -Emissionen sowohl für den Individualverkehr als auch bei Bussen erreicht werden. Auch eine effektive Rückgewinnung der Bremsenergie (Rekuperation) zur Verbrauchsoptimierung lässt sich über ein Hybridsystem oder ein reines Elektrofahrzeug realisieren. Eine interessante Alternative zu dieselelektrischen Bussen sind Brennstoffzellen-Hybridbusse. Diese Fahrzeuge werden mit Elektromotoren angetrieben und erzeugen den dazu notwendigen Strom selbst aus Wasserstoff über eine Brennstoffzelle. Dabei entsteht als Abgas nur Wasserdampf. Wenn der benötigte Wasserstoff aus regenerativen Energiequellen gewonnen wird, sind Brennstoffzellen-Hybridbusse emissionsfrei. Hybridbusse finden ihre Berechtigung vor allem im Innerortsverkehr bei Strecken mit vielen Stop-and-Go-Anteilen (Haltestellen, Ampeln etc.) und bei einem höheren Anteil an Gefällstrecken. Dort sind insbesondere durch die Rückgewinnung der Bremsenergie und die Vorteile eines Elektromotors (güns tiger Drehmomentverlauf) deutliche Effizienzgewinne zu erreichen. Es können Kraftstoffeinsparungen gegenüber konventionellen Dieselbussen trotz höherem Fahrzeuggewicht von bis zu 20 % realisiert werden. Damit einher geht dann auch eine Verminderung der klimaschädlichen Kohlendioxidemissionen. Auch die Lärmemissionen eines Hybridbusses sind geringer, was sich vor allem innerorts an Steigungstrecken oder an Haltestellen im Anfahrbetrieb bemerkbar macht. Um die Vorteile der beiden Antriebe optimal auszunützen und die Nachteile zu kompensieren, wird permanent der optimale Betriebsmodus automatisch ausgewählt. Im Überlandreiseverkehr treten die Vorteile des Hybridkonzepts bei Bussen weniger in Erscheinung. 2. welche Vorteile der Einsatz von Hybridbussen mit sich bringt; Zu 2.: Bei Hybridbussen auf Basis von Parallelhybridfahrzeugen werden bevorzugt Bauformen mit vergleichsweise kleiner Batteriegröße und geringer elektrischer Antriebsleistung (z. B. Mild-Hybrid) eingesetzt. Der Grundgedanke dieser Hybridfahrzeuge ist, den Verbrennungsmotor nur dann einzusetzen, wenn er mit gutem Wirkungsgrad arbeitet. Der Elektromotor wird für die Anfahrvorgänge genutzt, der Dieselmotor für die längeren Strecken mit konstanter Fahrweise, bei Bedarf kann das Fahrzeug auch durch beide Motoren angetrieben werden. An den Haltestellen ist der Dieselmotor abgeschaltet, der Bus startet nur mit dem leisen Elektromotor. Überschüssige Leistung des Verbrennungsmotors wird in elektrische Energie umgewandelt und in einer Batterie zwischengespeichert; letztere wiederum speist bei Bedarf den Elektromotor. Beim seriellen Hybridantrieb erfolgt der Antrieb nur über Elektromotoren. Der notwendige Strom wird durch vergleichsweise kleine Dieselmotoren gewonnen, die permanent in ihrem optimalen Betriebszustand laufen und über einen Generator die Batterien laden. Zusätzlich kann bei beiden Systemen die beim Bremsen frei werdende kinetische Energie in der Batterie gespeichert und für den Vortrieb genutzt werden. 3

4 4 Dies kann je nach Einsatzbereich der Busse zu einer Kraftstoffeinsparung von bis zu 20 % führen und damit auch zu einer Verminderung der CO 2 -Emissionen aus dem Verkehr. Die Hybridbusse sind im Vergleich zu reinen Dieselbussen auch leiser vor allem an Steigungsstrecken und im Anfahrtbetrieb. Darüber hinaus zeigt der Diesel-Hybridbus auch bei den Stickstoffoxid- und bei den Partikelemissionen günstigere Werte. 3. welche Erfahrungen zum Einsatz von Hybridbussen vorliegen; Zu 3.: Hybridbusse werden bereits verschiedentlich mit unterschiedlichen Entwick - lungsstufen und technischen Auslegungen betrieben. Die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) hat sich an verschiedenen Forschungs- und Demonstrationsvorhaben zur Weiterentwicklung von Linienbussen beteiligt. Beispiele sind die dieselelektrischen Busse (1997, erste Erprobung von Radnabenmotoren) oder die Brennstoffzellenbusse (2003 bis 2005). Im Rahmen der Modellregion Elektromobilität Region Stuttgart will die SSB bis Mitte 2011 den Einsatz von fünf Diesel-Hybrid-Gelenkbussen im Raum Stuttgart erproben. In einem Vorversuch hat die SSB vom 14. bis 18. Dezember 2009 auf der Innenstadtbuslinie 42 in Stuttgart erstmals einen neuen Hybridbus des Typs Mercedes Benz Citaro G BlueTec Hybrid eingesetzt. Damit ist Stuttgart europaweit die erste Stadt, in der sich dieser in Baden-Württemberg (Mannheim) produzierte Bus von Mercedes Benz im Linieneinsatz behaupten muss. Eine wichtige Frage war, welchen Einfluss die Topographie auf den Kraftstoffverbrauch hat. Bei einer Gesamtfahrstrecke von 500 km konnte in einer ersten Auswertung 18 % Kraftstoff-Einsparung gegenüber einem konventionellen Diesel-Gelenkbus erreicht werden. Weitere Schlüsse können erst nach den gewonnenen Erfahrungen aus der Nutzung der fünf Hybridbusse im Alltagsbetrieb gezogen werden. 4. welche Fördermöglichkeiten bestehen, um umweltfreundliche Nahverkehrslösungen mit Hybridbussen zu etablieren; Zu 4.: Die Test- und Einführungsphase von Hybrid- und Elektrobussen bedarf einer öffentlichen Ergänzungsfinanzierung. Die Kosten für Forschung und Entwikklung sind sehr hoch und damit auch die Investitionskosten. Skaleneffekte machen sich erst bei größeren Losen bemerkbar. Der Kostenwettbewerb im Nahverkehrssektor bremst damit auch die Bereitschaft, offensiver in diese neue Technik zu investieren. Die etablierten Instandhaltungsstrukturen und -prozesse bei den Busbetreibern müssen an die Hybrid- und Elektrobusse angepasst werden. Auch das Personal muss mit der neuen Technik (insbesondere Hochvoltsysteme) geschult werden. Spezialwerkzeuge und Diagnosesysteme sowie Anpassungsbedarf bei den Wartungszyklen sind ebenfalls zu berück - sichtigen. Im Rahmen des Bundesprojektes Elektromobilitätsregion Stuttgart will die SSB wie oben dargestellt bis Mitte 2011 den Einsatz von fünf Diesel- Hybrid-Gelenkbussen im Raum Stuttgart erproben. Der Bund fördert diesen Versuch mit Mitteln des Konjunkturpakets II. 5. wie im Rahmen von Neuanschaffungen der Anteil von Hybridmodellen gesteigert werden kann. Zu 5.: Für Neu- bzw. Ersatzbeschaffungen von Omnibussen, welche überwiegend im öffentlichen Personennahverkehr eingesetzt werden, ist im Busprogramm

5 2010 des Landes eine Grundförderung von je Buseinheit (Standardlinienbus) wahlweise als Zuwendung oder Zinsverbilligungszuschuss vorgesehen. Für Fahrzeuge, welche die Emissionsstandards EURO 5/EEV unterschreiten z. B. Hybridbusse,wird ein Zuschlag von je Buseinheit gewährt. Erst nach Abschluss der Erprobungsphase (s. zu 3.) kann entschieden werden, ob diese Fahrzeuge für den dauerhaften Einsatz im ÖPNV geeignet sind. Rech Innenminister 5

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