RISIKOPRÄMIEN AUF MARKTBASIS

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1 BANK-FORUM Juni 2 No 2 RISIKOPRÄMIEN AUF MARKTBASIS Risikogerechte Preisgestaltung im Kreditgeschäft Über Kreditrisikomessung wird viel diskutiert, seltener über die Konsequenzen in der Preisgestaltung Der folgende Artikel fordert, die Risikoprämien im Kreditgeschäft an der Referenz des Marktes auszurichten und so das Opportunitätsprinzip der Marktzinsmethode konsequent fortzuführen Von Wolfgang Wainig Bereits bisher hat wohl kaum eine Bank all ihren Kreditnehmern die gleiche Marge abverlangt Differenzierungen nach Bonität, manchmal auch nach Laufzeit und meistens nach Produkt finden sich in den Kalkulationen heimischer Institute Spätestens dann jedoch, wenn man die für alle Kreditnehmer gleichen Eigenkapitalkosten hinzunimmt, ist unschwer erkennbar, dass eine wenig differenzierte Konditionsgestaltung die guten Bonitäten benachteiligt und schlechte Bonitäten subventioniert (siehe Grafik 1) Grafik 1: Durch wenig differenzierte Konditionsgestaltung subventionieren gute Kreditnehmer die schlechten Bonitäten Risiko % 1,,5 Unterdeckung Marge (einschließlich ) (regulativ),2,5 AAA CCC Bonität Mit Hilfe eines state-of-the-art Kreditrisikomanagements lassen sich Risikoprämien risikoadäquat ermitteln Und zwar für alle Kreditpositionen nach Risikoklassen und Laufzeiten differenziert Um die Konzepte, Methoden und Daten mit den Anforderungen der Praxis zu verbinden, sind folgende Brückenschläge notwendig: 1) Die interne Bonitätseinstufung muss in Standardratings übersetzt werden, um die Nutzung externer statistischer Daten und Berechnungen zu ermöglichen 2) Aus den Marktdaten müssen Referenzpreise und Standardrisikokosten für die Kalkulation und Ergebnisrechnung der Bank abgeleitet werden 1) Übersetzung der Bonitätsklassen Das Grundprinzip dabei ist denkbar einfach: Die internen Bonitätsstufen sollen zu Standardratings (zb von S&P oder Moody s) idente Ausfallsrisiken aufweisen Selbstverständlich gilt das nicht für einen einzelnen (oft kleinen) Kreditnehmer, sondern für die ganze Klasse: 1 Kredite der Stufe 2 der Bank entsprechen dem Ausfallsrisiko von beispielsweise einem BBB Auch wenn keiner dieser Kredite für sich allein Aussicht auf ein solches Rating einer renommierten Agentur hätte, entspricht der Durchschnitt der Ausfälle dieser internen Klasse jenem, den die Statistiken der Ratingagenturen für eine BBB-geratete Position ausweisen In der Praxis ist für eine solche Übersetzung eine Analyse der internen Ausfallswahrscheinlichkeiten notwendig Risikoprämien auf Marktbasis Copyright Finance Trainer Seite 1

2 BANK-FORUM Juni 2 No 2 2) Ermittlung von Standardrisikokosten Schritt 1: Unterscheidung zwischen erwarteten und unerwarteten Verlusten Erwartete Verluste einer Kreditposition sind die durchschnittlichen Ausfälle, mit denen man bei einem Engagement in einer bestimmten Bonitätsklasse statistisch rechnen muss, zb Ausfälle von,3% des Kreditvolumens Als Kreditrisiko wird die mögliche Abweichung von den erwarteten Verlusten angesehen, dh das Risiko statt erwarteter 3 BP Ausfälle im Portfolio Wertverschlechterungen in Höhe einiger Prozent hinnehmen zu müssen (vgl Bank Forum Artikel von 4/98 und 1/99) Erwartete Verluste sind als Kosten anzusehen, die verdient werden müssen, um eine interne Kreditversicherung bedienen zu können (Standardrisikokosten) Unerwartete Verluste sind Risiken und durch Eigenmittel zu unterlegen In einer risikoadäquaten Kalkulation würden letztere als ökonomische Eigenkapital angesetzt und die jetzt übliche Berechnung von Risikoaktiva (8% der Bemessungsgrundlage) ersetzen Bei der Preisgestaltung sind daher beide Komponenten zu berücksichtigen: In Risikoprämien bzw Credit Spreads sind sowohl Standardrisikokosten zur Abdeckung der erwarteten Ausfälle (Defaults) als auch eine Rendite auf das zu unterlegende Eigenkapital enthalten Schritt 2: Festlegen der Basisdaten für Standardrisikokosten Für die Herleitung der Standardrisikokosten gibt es grundsätzlich folgende drei Möglichkeiten: 1) Historische Ausfallsdaten der Bank: Aus den Kreditausfällen der letzten Jahre können je Bonitätsklasse Ausfallsraten, bezogen auf das Volumen der Klasse, ermittelt werden In der Praxis zeigt sich dabei neben den Schwierigkeiten der Datenerhebung, fehlender Dokumentationen und Ursprungsratings vor allem auch ein Problem der statistischen Signifikanz: Die Anzahl der Fälle ist oft viel zu gering, um aussagekräftige, auf ein oder sogar zwei Kommastellen genaue Werte zu generieren Zudem bieten interne Daten keine Sicht von Alternativen und Marktopportunitäten und sind rein historische Betrachtungen 2) Defaultstatisitken und schätzungen von Ratingagenturen oder Ausfallswahrscheinlichkeiten (EDFs) von Optionsmodellen: Ratingagenturen bieten gut fundierte Defaultstatistiken an, die aus großen Samples über einen langen Zeitraum erhoben wurden Aus diesen Statistiken lassen sich Loss-rates errechnen, indem man die Default-rates mit Recoveries (Rückflussquote bei Kreditausfall) multipliziert Auch die Recoveries werden für verschiedene Sicherheitsklassen und Ränge angegeben Kritisch anzumerken ist dabei, dass erstens die Definition von Default einer Ratingagentur und von Kreditausfall einer heimischen Bank sehr unterschiedlich sind, zweitens Recoveries auf Basis interner Bankerfahrungen geschätzt werden müssen und drittens, dass auch diese Methode keine Rückschlüsse auf Alternativen für die Bank zulässt 3) Herleitung aus Credit Spreads des Marktes (Opportunitätsprinzip): Den Ansätzen, Risikoprämien auf Basis Ausfallsdaten zu ermitteln, wollen wir das Prinzip Opportunität entgegenstellen Analog zur Marktzinsmethode, wo Referenz- / Kalkulationssätze auf den Marktzinsen basieren, können Risikoprämien auch aus den Credit Spreads des Marktes (=Opportunität) abgeleitet werden Da die Alternative zu einem Kreditengagement für eine Bank der Kauf eines Corporate Bonds mit gleicher Bonität (Kreditrisiko) darstellt, sollte die Risikoprämie für dieses Engagement auch dem Credit Spread des Bonds entsprechen Wenn ich am Markt eine Unternehmensanleihe mit Rating A zu einem Spread von 3 BP kaufen kann, ist das auch als Opportunität und Referenzprämie für einen Kredit mit vergleichbarer Bonität anzusetzen Sind am Kreditmarkt nur geringere Aufschläge zu erzielen, kauft die Bank Kreditrisiko besser über die Bond Märkte, wo zusätzlich noch der Effekt der Fungibilität die Attraktivität der Anlage erhöht (siehe Grafik 2) Risikoprämien auf Marktbasis Copyright Finance Trainer Seite 2

3 BANK-FORUM Juni 2 No 2 Grafik 2: Bonitätsklasse der Bank Standard Rating BLANKO BESICHERT (sicher muss sicher sein) A B C D AA BBB+ BB CCC AAA A BBB 1,5 5,1 1,15 Credit Spread je Laufzeit = Opportunität eines alternativen Engagements in Corporate Bonds Durch die Verwendung von Credit Spreads als Referenzgröße setzt die Bank das Prinzip Opportunität der Marktzinsmethode und Mark-to-market-Bewertung konsequent im Kreditgeschäft fort Bei der konkreten Umsetzung sind dabei aber einige Aspekte zu beachten: Credit Spreads werden meist über Bund (oder US-Treasury) angegeben Für eine Bank ist aber der Referenzzins die Swap-Kurve, mit der sie ihre Zinsposition steuern kann Credit Spread-Daten müssen entsprechend um die Differenz Swap zu Bund korrigiert werden Auch Credit Spreads des US-Marktes stellen für eine europäische Bank eine Referenz dar, da über Cross-Currency- und Interest-rate-Swaps die Veranlagung zum Spread nach Swap auch in Euro ohne Devisenkursrisiken realisiert werden kann (Interessanterweise sind nach Abzug der Differenz Swap Treasury die amerikanischen Credit Spreads nicht höher als vergleichbare europäische Werte) Für die Risikoprämie wird nur das Blankoexposure der Position, also nach Abzug der Sicherheiten, herangezogen Somit werden nur für den risikobehafteten Teil eines Engagements Risikoprämien kalkuliert Beispiel: Kredit 1 Mio zu 4% besichert, Risikoprämie 3 BP wird für 6 Mio kalkuliert - das sind 18 Tsd oder 18 BP auf das Gesamtvolumen (siehe Grafik 3) Grafik 3: Anleihe, Rating A Zinsen 86 BP über Bund 5,81% 54 BP über Swap 5,27% SWAP BUND 4,95% (Quelle: DG-Bank / FAZ, 242) Laufzeit Risikoprämien auf Marktbasis Copyright Finance Trainer Seite 3

4 BANK-FORUM Juni 2 No 2 Schritt 3: Die Umsetzung des Opportunitätsprinzips Durch das Prinzip Opportunität wird ein Risikoprämiengebäude aufgebaut, analog einem Referenzsatzgebäude bei Zinsen Wie bei der Weitergabe von Zinspositionen an das APM oder das Treasury kann mit diesem Verrechnungspreis jede Kreditposition an eine zentrale Stelle abgegeben werden Mit dem Credit Spread müsste dieses zentrale Kreditportfoliomanagement dann erwartete wie unerwartete Verluste / Risiken abdecken können und dazu das Portfolio aktiv managen Praktisch sind noch wenige Banken dazu technisch in der Lage und bereit, ein solches zentrales KRM zu installieren Als Zwischenschritt bietet sich die Ableitung der Standardrisikokosten aus dem Risikoprämiengebäude der Credit Spreads als Kalkulationsgrundlage an Die Aufgabe, durch Portfoliomanagement Risiko / Ertrag zu optimieren, verbleibt dann aber bei den jeweiligen Geschäftsbereichen der Bank Will man aus den Credit Spreads nun Standardrisikokosten ableiten, muss aus den Marktsätzen ein gewisser Anteil für risikoadäquate Eigenkapitalkosten herausgerechnet werden Um hier einen schlüssigen Ansatz zu wählen, errechnen wir das Kreditrisiko jeder Bonitätsstufe nach Laufzeit und setzen dafür einen bestimmten RORAC für die Eigenkapitalkosten an Der verbleibende Teil des Credit Spreads stellt dann den marktgerechten Satz für Standardrisikokosten dar Liquiditäts- und Stückkosten werden dabei nicht berücksichtigt Sie sind auch nicht in den Credit Spreads enthalten Vergleicht man die so ermittelten Werte mit anderen, oben dargestellten Ansätze, zeigen sich folgende Aspekte: Die Werte ähneln in ihrer Ausprägung und mit dem starken Anstieg bei schlechteren Bonitäten auch den Erfahrungswerten historischer Ausfälle der Banken Sie sind vergleichbar mit Werten aus Default rates Sie sind aber im Gegensatz zu den Ausfallsraten zukunfts- und marktorientiert, dh sie spiegeln die Einschätzung und Alternativen des Marktes wider (siehe Grafik 4) Grafik 4: Aufschlag auf Referenzsatz % 6 Marge Bsp Laufzeit 3 Jahre Standard- Risikokosten ökonomische Standard- Risiko- Kosten Stückkosten 1 AA A BBB BB B CCC regulative Rating Referenz- Zins Risikoprämien auf Marktbasis Copyright Finance Trainer Seite 4

5 BANK-FORUM Juni 2 No 2 Konsequenzen für das Kreditgeschäft Die Kalkulationsbausteine für eine risikogerechte Preisgestaltung sind Referenzzins, Standardrisikound Eigenkapitalkosten Entsprechende Stück- und Liquiditätskosten müssen je nach Bank hinzugefügt werden Dadurch wird stark nach Bonität differenziert: gute Bonitäten weisen deutlich niedere Risikoprämien (SRK und ) aus, für schlechte Bonitäten werden Risikoprämien in Prozentgröße angesetzt Die sich ergebenden Steuerungseffekte im Kreditgeschäft sind für die Gesamtbank durchwegs zielführend: Bei guten Bonitäten ist in der Marge noch etwas Spielraum Schlechte Bonitäten können nur bei entsprechenden Sicherheiten finanziert werden (Risikoprämien werden nur für Blankovolumen ermittelt) Dadurch wird die Geschäftstätigkeit in denjenigen Bereichen, die erfahrungsgemäß für hohe Ausfälle verantwortlich zeichnen, restriktiver gehandhabt Über das einheitliche Risikoprämiengebäude ergibt sich ein Maßstab für alle Kreditrisikopositionen der Bank, also auch für zb Wertpapiere des Nostros oder Counterparty-Risiken im Treasury und Handel Die Alternativen der Bank auf der Aktivseite werden durch diesen einheitlichen, am Markt ausgerichteten, Bewertungsmaßstab für Kreditrisiken deutlich sichtbar Dieser Artikel beruht auf einen gemeinsamen Vortrag (und einem Beratungsprojekt) von Investkredit AG und Finance Trainer bei der Konferenz Credit Risk 2 in Wien Risikoprämien auf Marktbasis Copyright Finance Trainer Seite 5

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