Internationale Ökonomie II Vorlesung 6: Fixierte Wechselkurse

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1 Internationale Ökonomie II Vorlesung 6: Fixierte Wechselkurse Prof. Dr. Dominik Maltritz

2 Gliederung der Vorlesung 1. Ein- und Überleitung: Die Zahlungsbilanz 2. Wechselkurse und Devisenmarkt 3. Geld, Zinsen und Wechselkurse 4. Die Kaufkraftparitätentheorie: Preisniveau und Wechselkurs 5. Der Wechselkurs und die reale Wirtschaft 6. Fixierte Wechselkurse 7. Übersicht: Das internationale Währungssystem 8. Feste versus flexible Wechselkurse 9. Optimale Währungsräume 10. Der internationale Finanzmarkt 11. Entwicklungsländer und ihre spezifischen Probleme

3 Relevanz des Themas Verständnis von Zentralbankinterventionen (auch bei nicht vollständig fixierten Wechselkursen, z.b. Crawling Peg) Währungsverbünde Probleme von Entwicklungs- und Transformationsländern Verständnis historischer Entwicklungen (und die Anwendung historischer Lehren

4 Zentralbankbilanz (einfaches Beispiel) Aktiva Passiva Auslandsaktiva 1000 Einlagen von Privatbanken 500 Inlandsaktiva 1500 Banknotenumlauf 2000 (Eigenkapital = 0)

5 Zentralbankbilanz und Devisenmarktintervention Aktiva Passiva Auslandsaktiva 900 Einlagen von Privatbanken 500 Inlandsaktiva 1500 Banknotenumlauf 1900 (Eigenkapital = 0)

6 Devisenmarktintervention und Neutralisation Aktiva Passiva Auslandsaktiva 900 Einlagen von Privatbanken 500 Inlandsaktiva 1600 Banknotenumlauf 2000 (Eigenkapital = 0)

7 Wechselkursfixierung Bei fixiertem Wechselkurs muss die Zentralbank jederzeit gewillt und in der Lage sein, zum fixierten Wechselkurs Devisen und inländische Währung zu tauschen und umgekehrt. Devisen- und Geldmarkt müssen im Gleichgewicht sein.

8 Wechselkursfixierung und Devisenmarktgleichgewicht Annahme: Fixierung des Wechselkurses auf den Wert W 0 Zinsparität: R = R * + (E[W 1 ]-W 0 )/W 0 mit: W = W $/ Wenn Wirtschaftssubjekte langfristige Fixierung erwarten, gilt: E[W 1 ] = W 0 (erw. Abwertungsrate = 0) -> R = R * Bedingung für Gleichgewicht: Inlandszins = Auslandszins NB: Wenn E[W 1 ] W 0 (Abwertungs-/Aufwertungserwartung), ergibt sich Differenz aus Abwertungsrate wie bisher

9 Wechselkursfixierung und Geldmarktgleichgewicht Gleichgewichtsbedingung: M s / P = L(R *,Y) Gegeben sind P, Y, R * (und die Geldnachfragefunktion L) Die Zentralbank muss die Geldmenge so anpassen, dass Gleichgewicht auf dem Geldmarkt herrscht. -> Bei fixiertem Wechselkurs ist keine unabhängige Geldpolitik möglich. -> Bei Devisenmarktinterventionen muss auch auf dem Geldmarkt interveniert werden, um die Geldmenge entsprechend der obigen Bedingung anzupassen.

10 Wechselkursfixierung und Geldmarktgleichgewicht 4

11 Wechselkursfixierung & Währungskrisen Definition des Begriffs der Währungskrise ist uneinheitlich. Verschiedene Kriterien müssen (simultan) erfüllt sein: 1) Abrupte Änderung des Wechselkurses (-> Meist Zusammenbruch eines festen Wechselkursregimes) Und 2) Starke Änderung der Währungsreserven Und/Oder 3) Deutliche Erhöhung der Zinssätze

12 Typen von Währungskrisen 1) Generation: Inkonsistente Wirtschaftspolitik -> Regierung fixiert die Währung und finanziert gleichzeitig ein permanentes Budgetdefizit durch eine Ausweitung der Geldmenge 2) Generation: Selbsterfüllende Erwartungen/Handlungen der Marktteilnehmer: -> Regierung entscheidet über Wechselkurssystem unter Abwägung von Kosten und Nutzen -> Spekulation gegen Peg verteuert dessen Aufrechterhaltung und führt zum Zusammenbruch der Währung 3) Generation: Twin Crisis -> Gemeinsame Krise im Bankensektor und des Währungssystems

13 1. Generation von Währungskrisen 2 Zentralbank finanziert ein permanentes Budgetdefizit durch eine Ausweitung der Geldmenge. Aber: Wechselkursfixierung impliziert simultanes Gleichgewicht auf Devisen- und Geldmarkt. Dies gestört durch Ausweitung der Geldmenge. -> Wechselkurs muss sinken.

14 Währungskrisen aufgrund von Abwertungserwartungen Wirtschaftssubjekte erwarten eine Abwertung (Anstieg des Wechselkurses). -> Wollen heute (schon) inländische Währung in ausländische umtauschen (Zinsparität). -> Verlust von Devisenreserven der Zentralbank bei gleichzeitiger Verringerung der Geldmenge. -> Möglicherweise werden jedoch die Devisenreserven aufgebraucht: Abwertung erforderlich

15 Währungskrisen aufgrund von Abwertungserwartungen Negative Konsequenzen von Abwertungserwartungen: 1) Verlust an Devisenreserven 2) Kontraktive Impulse auf Wirtschaft (vgl. IS-LM-Modell): Geldmengenkontraktion -> Realzins steigt -> Verringerung der Nachfrage -> Aus diesen Gründen folgt eine Verteuerung der Aufrechterhaltung des Peg: Entscheidung für Abwertung.

16 Spekulative Attacken Ziel: Erzielen von Gewinnen bzw. Vermeidung von Verlusten durch erwartete Abwertung Vorgehen: 0) Kreditaufnahme in inländischer Währung (Peso): 1 Mrd Peso 1) Umtausch in Devisen in T1: W = 1(Peso/Dollar) -> 1 Mrd USD 2) Rücktausch in T2: (i) bei Abwertung: auf 2 Peso/USD: 2 MRD Peso -> Gewinn 2 Mrd 1,1 MRD (10% Zinsen) = 900 Mio Pesp (oder 450 Mio USD) (ii) keine Abwertung: 1 Mrd Peso 1,1 Mrd Peso = -100 Mio Peso -> Asymmetrie zwischen Gewinn- und Verlustpotential -> Umtausch großer Mengen erhöht Abwertungswahrscheinlichkeit

17 Beispiele für Währungskrisen EWS-Krise 1992/93 Tequila-Krise in Mexiko 1994/95 Asienkrise 1997/98 Russlandkrise 1998 Brasilienkrise 1998/99 Argentinienkrise 2001/2002 Krise in Island 2008 Krise in Ungarn 2008

18 Beispiel: Tequlia-Krise und Währungsreserven J-94 J-94 M-94 A-94 M-94 J-94 J-94 A-94 S-94 O-94 N-94 D-94 J-95 F-95 Mexico's Foreign Exchange Reserves (Millions of US Dollar)

19 Beispiel: Tequlia-Krise und Wechselkurs Realignment to 4 Peso per USD 1-Nov Nov Dec Dec Dec Jan Jan Feb Mar Mar Mar Apr Apr-1995 Exchange Rate: Mexican Peso per US Dollar

20 Feste Wechselkurse bei Multiplen Währungen Bisher wurden immer nur zwei Länder / Währungen betrachtet, in der Realität gibt es jedoch viele. Bei Existenz einer Reservewährung genügt es, den Wechselkurs aller anderen Währungen zu dieser Währung festzulegen. Arbitragekräfte führen dazu, dass sich die anderen Wechselkurse entsprechend anpassen.

21 Sonderstellung des Reserve-Landes Keine Interventionen am Devisenmarkt zur Aufrechterhaltung der Fixierung nötig (da dies die anderen Länder tun). Trotz Fixierung ist eigenständige Geldpolitik zur Beeinflussung der inländischen Konjunktur möglich. Damit ergibt sich auch ein Einfluss auf die Konjunktur der anderen Länder (da diese ihre Geldpolitik entsprechend anpassen müssen). Beispiel: Kauf von Inlandsaktiva -> Geldmengenausweitung -> inl. Zins sinkt unter den der anderen Länder -> Reaktion der anderen Länder (Geldmengenausweitung)

22 Der Goldstandard Alle Länder fixieren den Wert der Währung gegenüber Gold (ursprüngliche Bedeutung von Banknoten: Anspruch auf Gold). -> Wert der Währungen untereinander ist fixiert (bei freier Edelmetallzirkulation). Kein Land wird bevorzugt.

23 Beispiel: Marktgleichgewicht bei Goldstandard Eine Zentralbank erhöht die Geldmenge durch Kauf von Inlandsaktiva. -> Inlandzins sinkt -> Anleger wollen lieber im Ausland anlegen. -> Wertverlust der inländischen Währung -> Wechselkurs sollte steigen, aber das geht nicht, weil er fixiert ist (im Verhältnis zu Gold) -> (i) Devisenmarkt-Gleichgewicht: Anleger tauschen Gold in ausländische Währung um ausländische Anlagen zu tätigen, damit Abfluss von Edelmetall ins Ausland. -> (ii) Geldmarkt-Gleichgewicht: Tausch von Noten in Gold bis Geldmenge auf altem Niveau -> Damit auch Zins wieder auf altem Niveau Ausland: Auch hier wachsen die Geldmengen (durch Ankauf der Devisenreserven) und sinken die Zinsen. Kauf von Inlandsaktiva erhöht Weltgeldmenge um diesen Betrag, nicht nur die inländische Geldmenge.

24 Vorteile des Goldstandard Vorteile: Ausgewogenheit (siehe oben) Geringe Inflationsgefahr, da Geldmengenausweitung sich an Fixierung zu Gold orientieren muss. Nachteile: Geldpolitik steht nicht (oder kaum) als Mittel zur Konjunktursteuerung zur Verfügung Goldwert kann Schwanken unterworfen sein, die sich auf die Konjunktur auswirken: -> Dämpfende Wirkung von Deflation, wenn Produktion schneller wächst als Goldmenge -> umgekehrt: Inflation bei Goldfunden Kampf um Reserven (vgl. auch Merkantilismus) Goldförderländer können Konjunktur steuern.

25 Andere edelmetall-basierte Systeme Silberstandard Bimetallstandard: Gold + Silber (in festem Verhältnis) Gold-Devisenstandard

26 Nachfrage nach Währungsreserven

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