Change Management an Hochschulen: Nichts ist so konstant wie der Wandel

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1 Change Management an Hochschulen: Nichts ist so konstant wie der Wandel Dr. Christian Berthold CHE-Hochschulkurs, Tagungshotel Lindenhof, Bielefeld

2 Begriff Change Management Veränderung : nicht gezielt, zu unscharf Entwicklung : Naturmetapher der zentrale Konflikt zwischen gesteuerter / ungesteuert wird nicht erfasst Dynamik : Grad der Energie, muss nicht gerichtet sein (cf. hektischer Stillstand ) Wachstum : auch Naturmetapher, cf. Entwicklung Fortschritt : höherer Entwicklungsstand (woher kommen die Kriterien dafür?) Transformation, Wandel engl. Change grundlegend, bedeutend, umfassend kann man ihn managen? HSK "Change Management" Christian Berthold Januar

3 Mode Change Management Ökonomische Begründungen für Change Management, für die Notwendigkeit zu umfassenden, gerichteten, gesteuerten Veränderungen die Anforderungen des Umfeldes verändern sich so schnell einzelne Veränderungen / Anpassungen / Innovationen reichen da nicht mehr aus umfassender Wandel in der Organisation nötig Lernende Organisation? HSK "Change Management" Christian Berthold Januar

4 Lernende Organisation Begriff wurde von Peter Senge geprägt (The Fifth Discipline, 1990, MIT) Personal Mastery - individuelle Reife Mental Models mentale Modelle Shared Visioning Gemeinsame Vision Team Learning - Lernen im Team Systems Thinking - Denken in Systemen Es bedarf aller fünf Vorgehensweisen, um eine lernende Organisation aufzubauen. Elemente der Systemtheorie und Kybernetik einer der einflussreichsten neueren Managementansätze transformatorische Management-Theorien HSK "Change Management" Christian Berthold Januar

5 Gründe für Wandel an Hochschulen Hochschulreform weitreichende Orientierung am NSM Ergebnisorientierung (Output) Gewährung dezentraler Autonomie Steuerung über Ziele in allen Ländern Hintergrund Finanzknappheit Konflikt zwischen Massification und Ressourceneinsatz Hoffnung auf Effiizienzgewinne durch NSM Gebühren oder Steuern Bologna fundamentale Veränderung des deutschen Lehrkonzeptes: outcome, employability, Prüfbarkeit, Kompetenzorientierung Demographischer Wandel traditional student mimmt ab 2014 dauerhaft ab neue Zielgruppen Verkäufermarkt => Käufermarkt Marketing diversity management HSK "Change Management" Christian Berthold Januar

6 Exkurs Demographischer Wandel in Mio. 1, , ,0 Jahrgangsstärke 20- < 25-Jährige Jahrgangsstärke 60- < 65-Jährige Jahrgangsstärke Junge (20-25) und Alte (60-65) Quelle StBA koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung, Variante 5 HSK "Change Management" Christian Berthold Januar

7 Exkurs Diversity Management Beispiel beruflich Qualifizierte Beispiel Migranten 1) Beispiel Lehrer 1) In 2006 wurden nur beruflich Qualifizierte an dt. Hochschulen zugelassen (< 1%); in anderen Ländern hatten bereits bis zu 1/3 der Studierenden keine allgemeine oder fachbezogene Hochschulreife Mit steigender Qualifikation sank der Anteil an Migranten im deutschen Bildungssystem: -Schule: ca % -Abitur: ca. 10% -Studium: ca. 5% Zu wenige Lehrer haben selbst Migrationshintergrund: negative Spirale: wegen fehlender Vorbilder in der Schule geringere Studierneigung von Migranten, Die USA hatten bereits 2008 nur noch 27% Normalstudenten, 73% waren älter als 25, studierten Teilzeit oder per Fernstudium 1) Aufgrund fehlender Daten in Deutschland zum Migrationshintergrund sind nur grobe Schätzungen möglich. HSK "Change Management" Christian Berthold Januar

8 Wandel. erster und zweiter Ordnung Wandel erster Ordnung quantitative Veränderung Ver (bzw. Nach-) besserung im herkömmlichen Rahmen Änderung bestehender Verfahren und Abläufe durch Organisationsentwicklung kleine Schritte, um die Organisation nicht zu überfordern Personal will den Wandel Wandel zweiter Ordnung qualitative Veränderung Veränderung des Rahmens Paradigmenwechsel: grundsätzlich neue Denkweisen, Strukturumbau, neue Führungsleitsätze durch Organisationstransformation Überlebenssicherung durch harte Brüche, beseitigen von Wandlungsbarrieren schmerzlicher Umbruch, eher top down je weiter gehend der Wandel, desto weniger planbar HSK "Change Management" Christian Berthold Januar

9 Wandel von was? Vielfältige Begriffe zur Beschreibung von Hochschulen Organisationen meist verstanden als zielgerichtet Hochschulen: lose gekoppelte Organisationen Systembegriff einfache Systeme: Maschinen komplexe Systeme: soziale Systeme soziale Systeme: in Kontexten vernetzt selbstreferentiell, autopoietisch Nachteil von Luhmanns Systembegriff: Menschen gehören bei ihm zur Systemumwelt, also nicht zum sozialen System Hochschule soziale Systeme lassen sich nicht beherrschen, steuern alles andere sind Verzweiflungskonzepte HSK "Change Management" Christian Berthold Januar

10 Organisationskultur wird gelebt, als selbstverständlich hingenommen gemeinsame Orientierungen, Werte etc. Ergebnis eines Lernprozesses mit der externen und internen Umwelt (erfolgreiche Problemlösungen) wird in einem Sozialisationsprozess vermittelt, nicht erlernt die generative Grammatik des sozialen Handelns Der Kulturbegriff stärkt die Hoffnungen auf den Wandel in Organisationen und darauf, dass dieser sich gezielt beeinflussen lässt. HSK "Change Management" Christian Berthold Januar

11 Widersprüche in der Organisation Hochschule Luhmann: HS = Teil des sozialen Systems Erziehung (Code: gut / schlecht) Luhmann: HS = Teil des sozialen Systems Wissenschaft (Code: wahr / falsch) HSK "Change Management" Christian Berthold Januar

12 Hochschulen in Deutschland als Gelehrtenrepublik nachgeordnete Behörde als Gremienhochschule oder als Dienstleistungsunternehmen HSK "Change Management" Christian Berthold Januar

13 Vier Wege der Kulturänderung aggressiv Macht ausübend konfliktzentriert, unkooperativ gewinnen oder verlieren angeordnet, von oben unilateral partizipatorisch Problemlösung durch Gruppen gewinnen oder gewinnen kooperativ, integrativ der gemeinsame Weg über informelle Netze politisch, koalitionär in Netzen arbeitend evolutionär, ungeplant der informelle Weg über Umerziehung normativ-umerziehend Weg der Ausbildung Glaubenssätze knüpft an lernende Organisation an Nach Bate, P: Cultural Change, 1997 HSK "Change Management" Christian Berthold Januar

14 Kritische Erfolgsfaktoren Capgemini Studie zum Change Management Unternehmen im deutschsprachigen Raum Folgestudie (2003 und 2005) Die vier wichtigsten Erfolgsfaktoren in gelungen Change Prozessen: 1. Mobilisierung und commitment 2. Organisation und Prozesse erfassen und gestalten 3. Situation und Umfeld analysieren und verstehen 4. Führung fördern HSK "Change Management" Christian Berthold Januar

15 Instrumente Training, Schulung Interviews Personalentwicklung Train-the-Trainer Führungskräfte Workshops Mitarbeiter-Mobilisierung Kommunikation persönlich Balanced Scorecard Kommunikation Intranet Rollen-/Auftragsklärung Projektmanagement Wissensmanagement Befragungen, Surveys Information Fair / Roadshow Führungsgrundsätze Projektbeurteilung Konfliktmanagement Qualitätszirkel Veranstaltungen / Events Umfeld- / Statusanalyse Anreizsysteme / Motivation Kompetenzmanagement Coaching lernende Organisation Organisationsentwicklung Change Agents Teambuilding-Aktivitäten Transformations-Fahrplan Visionsentwickung Projektmarketing Assessmentcenter / Audits Change Controlling Kommunikation Print- Medien Stakeholder Management HSK "Change Management" Christian Berthold Januar

16 Instrumente Kreativitätstechniken Change Readiness Assessment Kulturanalyse Lernlandkarten Open Space analoge Intervention Change Story Resistance Radar Retention Management Konsequenzmanagement/ Sanktionen Zukunftskonferenz Kulturmanagement Unternehmenstheater Systemische Aufstellung Kräftefeldanalyse storytelling Kulturforen World Cafe Change Impact-Analysen Unterstrichen: setzen 50 % oder mehr der befragten Unternehmen regelmäßig ein CapGemini 2008 HSK "Change Management" Christian Berthold Januar

17 Moden im Change Management vor allem Reduktion auf zwei Ansätze: systemische Beratung: partizipativ, mitarbeiterorientiert Fachberatung: blendet den Firlefanz aus, berät allein inhaltlich gerade sind die systemischen Berater wieder in der Defensive Versuche, beide Seiten zusammen zu denken im Vormarsch HSK "Change Management" Christian Berthold Januar

18 Woran scheitern Change Prozesse? zu viele Aktivitäten ohne Priorisierung Interessen-/Zielkonflikte der Beteiligten Lähmung der Organisation durch andauernde Reorganisationen fehlende oder mangelnde Unterstützung aus dem Linienmanagement fehlende Verknüpfung top down und bottom up kein echtes und nachhaltiges Monitoring/ langfristige Maßnahmen werden für kurzfristige Ergebnisverbesserung geopfert keine klare Zielsetzung Ressourcen? HSK "Change Management" Christian Berthold Januar

19 Und was ist zu tun? Qualifizierung & Entwicklung zielgruppengerecht durchführen Erfolge identifizieren und verankern Situation und Umfeld - analysieren und verstehen Ausrichtung und Alignment forcieren Strukturen und Monitoring entwickeln und aufbauen Kultur weiterentwickekn Mobilisierung und commitment sicherstellen Führung fördern Konflikte und Widerstände identifizieren und vermeiden Organisation und Prozesse erfassen und designen HSK "Change Management" Christian Berthold Januar

20 Und die Hochschulen? Brauchen die das? Bisher kamen sie weitgehend ohne Wandel 2. Ordnung aus. Das wird sich aber ändern, denn die Anforderungen steigen cf. demographische Entwicklung Neue / Alte Länder Einige Hochschulen haben einen Wandel vollzogen das war meist von außen getrieben große Einsparungen (Berlin!) z. T. IT-getrieben (Campus-Management-Systeme) Aber auch Management-getrieben Uni Bremen FU (mit Einschränkungen) Bisher aber kaum von innen heraus weil Hochschulen kein Überlebensrisiko haben weil Hochschullehrer/innen sich einrichten / können Ausnahmen: einzelne Fakultäten HSK "Change Management" Christian Berthold Januar

21 Grundkonflikt zu viele Aufgaben Hochschulen sind auf Sachdiskurs eingestellt das Ziel ist doch längst klar keine Ressourcen für CM ohne die Menschen keine Wirkung ohne Kommunikation Menschen nicht erreichbar keine weitreichende Änderung HSK "Change Management" Christian Berthold Januar

22 Schlussfolgerung 1. Gelassenheit keine hektische Betriebsamkeit klare Zielperspektive Wandel braucht Zeit mittelfristige Wirkung ist mehr wert als die quick wins 3. Professionalität Change Manage ment 2. Führung das zentrale Defizit an den deutschen Hochschulen viel Kommunikation Vorbild sein Glaubwürdigkeit bewahren Konsequenz zeigen ein gewisses Maß an Projektmanagement an Zuverlässigkeit Klarheit, Berechenbarkeit Strukturiertheit zugegeben: kein Patentrezept! HSK "Change Management" Christian Berthold Januar

23 Projektmanagement ermüdet deshalb schließen wir hier HSK "Change Management" Christian Berthold Januar

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