Grundlagen der BWL für Ingenieure I WS 2015/16. JProf. Dr. Katrin Haußmann, StB Fachgebiet für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre

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1 Grundlagen der BWL für Ingenieure I WS 2015/16 JProf. Dr. Katrin Haußmann, StB Fachgebiet für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre Grundlagen der BWL I

2 Gliederung Einleitung I. Unternehmen und Unternehmertum 1. Grundlagen 2. Marktformen 3. Rechtsformen 4. Standortwahl II. Betriebliche Grundfunktionen 1. Aufbau eines Unternehmens 2. Beschaffungsmanagement 3. Produktionsmanagement 4. Marketingmanagement 5. Rechnungswesen 6. Investition und Finanzierung 7. Personalmanagement Grundlagen der BWL I 2

3 Literatur Literaturempfehlungen Hutzschenreuter, Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 5. Auflage, Wiesbaden Wöhe/Döring, Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 25. Auflage, München Wöhe/Kaiser/Döring, Übungsbuch zur Allgemeinen Betriebswirtschaftslehre, 14. Auflage, München Ergänzende Materialien auf der Homepage des Fachgebiets: Grundlagen der BWL I 3

4 Warum Betriebswirtschaftslehre für Ingenieure? Quelle: Grundlagen der BWL I 4

5 Warum Betriebswirtschaftslehre für Ingenieure? Strategie, Organisation Finanzen Rechnungswesen Marketingmanagement Beschaffungsmanagement Personalmanagement Produktionsmanagement Vorlesung Grundlagen der BWL I 5

6 Inhalt Kapitel I.1 Grundlagen I.1 Grundlagen Überblick 1.1 Bedürfnisse als Motor der Wirtschaft 1.2 Unternehmen 1.3 Wirtschaften und Entscheiden Grundlagen der BWL I 6

7 Überblick Unter dem Begriff Wirtschaft bzw. Ökonomie versteht man alle wirtschaftlichen Einrichtungen und Prozesse, die der Befriedigung bestimmter menschlicher Bedürfnisse nach knappen Gütern dienen Unternehmen als zentrale Akteure des Wirtschaftssystems zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse Bedürfnis = Antrieb und Bestreben des Menschen, der aus einem Mangel entsteht und darauf gerichtet ist, dieses Empfinden zu befriedigen Bedürfnisse des Menschen als Motor der Wirtschaft Grundlagen der BWL I 7

8 Überblick Was sind Bedürfnisse? Was sind Unternehmen? Was bedeutet wirtschaften? Grundlagen der BWL I 8

9 1. Bedürfnisse als Motor der Wirtschaft Maslowsche Bedürfnispyramide Selbstverwirklichung Individualbedürfnisse Soziale Bedürfnisse Sicherheitsbedürfnisse Physiologische Bedürfnisse Grundlagen der BWL I 9

10 1. Bedürfnisse als Motor der Wirtschaft Bedürfnisse in der Betriebswirtschaftslehre und Aufgabe der Wirtschaft Relevant: Die Bedürfnisse, die von der Wirtschaft als Anbieter von Gütern und Dienstleistungen befriedigt werden können Von der Kaufkraft unterstützte Bedürfnisse führen zur gesamtwirtschaftlichen Nachfrage Aufgabe der Wirtschaft: Befriedigung bestimmter Bedürfnisse der Menschen durch Bereitstellung eines entsprechenden Angebots Grundproblem: Knappheit der Güter Grundlagen der BWL I 10

11 2. Unternehmen Was ist ein Unternehmen? Menschen interagieren miteinander Wirtschaftlichkeitsprinzip Unternehmen = sozio-ökonomisches System, das als Geordnete Gesamtheit von Elementen, zwischen denen Beziehungen bestehen planvoll organisierte Wirtschaftseinheit Güter und Etablierung von Entscheidungs- und Weisungsrechten Aufgabe: Bedürfnisbefriedigung Dienstleistungen zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse erstellt. Grundlagen der BWL I 11

12 2. Unternehmen Was ist ein Unternehmen? OUTPUT Strategie, Organisation Finanzen Personalmanagement Rechnungswesen Unterstützende Funktionen Beschaffungsmanagement Produktionsmanagement Marketingmanagement Primäre Funktionen INPUT Grundlagen der BWL I 12

13 2. Unternehmen Übersicht Wirtschaftsgüter Wirtschaftsgüter (Input/Output) Materielle Güter Immaterielle Güter Produktionsgüter Konsumgüter Dienstleistungen Rechte Investitionsgüter Gebrauchsgüter Vorleistungsgüter Verbrauchsgüter Grundlagen der BWL I 13

14 Differenzierung nach: Art der Eigentümer (privat, öffentlich) Rechtsstellung (mit oder ohne eigene Rechtspersönlichkeit) Geographisches Ausmaß der Unternehmenstätigkeit Art der Führung (eigentümergeführt, fremdgeführt) Unternehmensgröße (KMU) I.1 Grundlagen 2. Unternehmen Arten von Unternehmen / Typologisierung Grundlagen der BWL I 14

15 2. Unternehmen Größenklassen nach 267 und 267a HGB Bilanzsumme in Mio Euro Umsatzerlöse in Mio Euro Arbeitnehmer Kleinst- Unternehmen Kleine Unternehmen Mittlere Unternehmen Große Unternehmen 10 0,35 0, > 250 > 20 > 40 Es dürfen mindestens zwei der drei Merkmale nicht überschritten sein. Grundlagen der BWL I 15

16 2. Unternehmen Bedeutung des Mittelstands Grundlagen der BWL I 16

17 2. Unternehmen Bedeutung des Mittelstands Grundlagen der BWL I 17

18 2. Unternehmen Begriffsabgrenzungen: Unternehmen, Firma & Co. Unternehmen Betrieb im marktwirtschaftlichen Wirtschaftssystem Gesellschaft Begriff aus der Rechtswissenschaft, Rechtsform Firma Name, unter dem ein Kaufmann seine Geschäfte betreibt Fabrik Produktionsstätte, Ort der Erstellung von Sachgütern Geschäft Einzeltransaktion bzw. Ort der Abwicklung von Einzeltransaktionen Grundlagen der BWL I 18

19 2. Unternehmen Unternehmensumfeld Unterschiedliche Interessengruppen mit unterschiedlichen Interessen: Lohn/ Gehalt Dividenden Abnehmer Kapitalgeber Zinsen Gewinn Produktsicherheit Bezugsquellen Bezahlung von Lieferungen Arbeitsplätze Recht Steuern Öffentlichkeit Umweltschutz Preis Grundlagen der BWL I 19

20 1. Shareholder: Person, die am Unternehmen beteiligt ist, Anteilseigner (=Eigenkapitalgeber) Shareholder-Value-Ansatz: Maximierung des Marktwerts des Eigenkapitals 2. Stakeholder: Alle internen oder externen Personen(gruppen), die direkt oder indirekt vom Unternehmenshandeln betroffen sein können, z.b. Anteilseigner, Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten, Kapitalmärkte, Öffentlichkeit I.1 Grundlagen 2. Unternehmen Unternehmensumfeld Stakeholder-Ansatz: Die Interessen aller Anspruchsgruppen sollen berücksichtigt werden Grundlagen der BWL I 20

21 3. Wirtschaften und Entscheiden Grundproblem: Knappheit an Ressourcen/Gütern bestmöglicher Einsatz der Produktionsfaktoren Was ist bestmöglich? Individuelle Präferenzen und Ziele Beschränkte Information Prozess des wirtschaftlichen Handelns Wirtschaften als Suche und Vergleich von Alternativen bei begrenzt vorhandenen Ressourcen und Auswahl der besten Alternative (in Abhängigkeit von individuellen Zielen) unter Berücksichtigung von beschränkter Information und beschränktem Wissen. Grundlagen der BWL I 21

22 Zielformulierung I.1 Grundlagen 3. Wirtschaften und Entscheiden Prozess des wirtschaftlichen Handelns Alternativen suchen Alternativen bewerten Vergleichen/ Entscheiden Umsetzen Kontrolle Grundlagen der BWL I 22

23 Wozu braucht man Unternehmensziele? Orientierung darauf, was erreicht werden soll Entscheidungshilfe bei Auswahl von Handlungsalternativen Motivation für die Betroffenen und Beteiligten Koordinationshilfe, wenn mehrere Personen/Prozesse gleichzeitig von den Zielvorgaben betroffen sind (z.b. Abstimmung Verkauf und Lagerhaltung bei Umsatzerhöhung) Vergleichs-/Bewertungsmaßstab und damit Steuerungs- und Kontrollmöglichkeit I.1 Grundlagen 3. Wirtschaften und Entscheiden Information über beabsichtigte Maßnahmen in der Zukunft Zielvorgaben als Steuerungsfunktion Grundlagen der BWL I 23

24 3. Wirtschaften und Entscheiden Merkmale und Arten von Unternehmenszielen Zielinhalt Zielausmaß Zeitbezug Zielträger Formalziele Sachziele Humanziele Extremalziele Satifizierungsziele Zeitraumziele Zeitpunktziele Individualziele Kollektivziele z.b. Kostenminimierung z.b. Verringerung des Anteils fehlerhafter Erzeugnisse um 5 % z.b. Förderung von Drittmittelprojekten an Universitäten z.b. Umsatzmaximierung z.b. Errichtung fünf neuer Filialen z.b. 25 % Eigenkapitalrendite im Geschäftsjahr 2016 z.b. Filiale ist am 1. Oktober 2017 fertig z.b. Überstundenabbau von Mitarbeiter X bis zum April 2016 z.b. Umsatzsteigerung der Abteilung Y um 10 % Grundlagen der BWL I 24

25 Maximum-Prinzip: Maximierung des Outputs bei gegebenem Input Beispiel: Mit einem vorgegebenem Budget (Input) soll eine Bahnstrecke so ausgebaut werden, dass die Reisegeschwindigkeit möglichst hoch (Output) sein kann. Minimum-Prinzip: Minimierung des Inputs bei gegebenem Output Beispiel: Die Bahnstrecke soll zu möglichst geringen Kosten (Input) so ausgebaut werden, dass sie mit 300 km/h befahrbar ist. Optimum-Prinzip: Maximierung der Differenz von Input und Output Beispiel: Die Bahnstrecke soll mit möglichst geringen Kosten (Input) so ausgebaut werden, dass man mit einer möglichst hohen Geschwindigkeit (Output) darauf fahren kann. I.1 Grundlagen 3. Wirtschaften und Entscheiden Ausprägungen des Ökonomischen Prinzips Grundlagen der BWL I 25

26 Ziel 1 Ziel 2 I.1 Grundlagen 3. Wirtschaften und Entscheiden Zielbeziehungen Komplementäre Ziele: Zielverfolgung von Ziel 1 trägt bei zur Zielerreichung von Ziel 2 Beispiel: Kostensenkung führt auch zu Gewinnerhöhung Ziel 1 Ziel 1 Ziel 2 Ziel 2 Konkurrierende Ziele: Zielerreichung von Ziel 1 geht zu Lasten der Zielerreichung von Ziel 2 Beispiel: Qualitätsverbesserung vs. Kostenminimierung Indifferente Ziele: Zielerreichung von Ziel 1 steht in keinem Zusammenhang zur Zielerreichung von Ziel 2 Beispiel: Senkung der Kantinenpreise und Senkung der Fertigungskosten Grundlagen der BWL I 26

27 3. Wirtschaften und Entscheiden Entscheidungsregeln Vollkommene Information Entscheidung bei sicheren Erwartungen Konsequenzen des Handels sind vollständig bekannt Unvollkommene Information Entscheidung unter Risiko Konsequenzen unbestimmt Eintrittswahrscheinlichkeiten bekannt Entscheidung bei unsicheren Erwartungen Konsequenzen unbestimmt Eintrittswahrscheinlichkeiten unbekannt Quelle: Wöhe, Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 24. Auflage, S. 93 Regeln: µ-regel, Bernoulli-Prinzip, Minimax-Regel, Maximax-Regel, Hurwicz-Regel Grundlagen der BWL I 27

28 3. Wirtschaften und Entscheiden Fallbeispiel Entscheidungsregeln Beispiel 1: Einem Erdbeerbauer stehen drei unterschiedliche Anbautechniken zur Verfügung (A1, A2, A3), die je nach Witterung (S1: trockenes Wetter, S2: gemäßigtes Wetter, S3: feuchtes Wetter) unterschiedliche Ernteergebnisse liefern. Anhand der Wetteraufzeichnungen aus der Vergangenheit können Sie den drei Witterungsbedingungen Eintrittswahrscheinlichkeiten zuordnen. In Abhängigkeit vom Wetter und der Anbautechnik haben Sie hinsichtlich der zu erwartenden Gewinne unterschiedliche Einschätzungen, die Sie der nachfolgenden Tabelle entnehmen können. Welche Anbautechnik sollten Sie wählen, wenn Sie risikoneutral eingestellt sind? Grundlagen der BWL I 28

29 3. Wirtschaften und Entscheiden Bei Risikoneutralität sollte man sich für den maximalen Gesamterwartungswert entscheiden. Witterung Wahrscheinlichkeit Gewinne der Alternativen A1 A2 A3 S1 60 % S2 10 % S3 30 % µ-regel 0,6* ,1* ,3*3.000 = ,6* ,1* ,3*6.000 = ,6* ,1* ,3*5.000 = Grundlagen der BWL I 29

30 3. Wirtschaften und Entscheiden Fallbeispiel Entscheidungsregeln Beispiel 2: Einem Erdbeerbauer stehen drei unterschiedliche Anbautechniken zur Verfügung (A1, A2, A3), die je nach Witterung (S1: trockenes Wetter, S2: gemäßigtes Wetter, S3: feuchtes Wetter) unterschiedliche Ernteergebnisse liefern. Den Wetteraufzeichnungen aus der Vergangenheit trauen Sie nicht, so dass Sie keine Eintrittswahrscheinlichkeiten zuordnen können. In Abhängigkeit vom Wetter und der Anbautechnik haben Sie hinsichtlich der zu erwartenden Gewinne unterschiedliche Einschätzungen. Welche Anbautechnik sollten Sie wählen, wenn Sie (a) risikoavers und (b) risikofreudig eingestellt sind? Welche sollten Sie wählen, wenn Sie davon ausgehen, dass mit 30%iger Wahrscheinlichkeit jeweils das beste Ergebnis erzielt wird? Grundlagen der BWL I 30

31 3. Wirtschaften und Entscheiden Witterung Wahrscheinlichkeit Gewinne der Alternativen A1 A2 A3 S S S Mini-Max Maxi-Max Hurwicz 0,3* ,7*3.000 = ,3* ,7*5.000 = ,3* ,7*4.000 = Grundlagen der BWL I 31

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