Liste der fremdsprachendidaktischen Fachbegriffe Böttger Idiomatik. -Imitation

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1 Liste der fremdsprachendidaktischen Fachbegriffe Böttger Audiolingual -Audiovisuell -Authentizität -Behaviorism -Bilingual -Binnendifferenzierung -Caretaker speech -Classroom discourse -Classroom management -Cloze-Test -Cultural awareness -Deduktives Vorgehen -Drill -Empathie -Europäischer Referenzrahmen -Evaluation -Extensive reading -Feedback -Fehlertoleranz -Fertigkeiten -Förderkonzept -Fossilization -Fringe methods -Handlungsorientierung -Hidden curriculum -Idiomatik -Imitation -Immersion -Individualisierung -Induktives Vorgehen -Instruktivismus -Interferenzen -Interlanguage -Interpreting -Intonation -Kognition, kognitiv -Kompetenzstufen -Konstruktivismus -Kontext -Kontrastieren -Kursorisches Lesen -Landeskunde -Language awareness -Lernerorientierung -Lernertyp -Lern- und Arbeitstechniken -Lernmittel -Lernzielkontrolle -Lingua franca -Mediation 1

2 -Memorieren -Mikromethoden -Multilingual -Multisensorik -Portfolio -Positive mindset -Progression -Projektarbeit -Prozessorientierung -Realia -Reflexion -Reliabilität -Silent period -Speed reading -Spiralcurricular -Spracherwerbsdisposition -Statarisches Lesen -Stereotyp -Total physical response -Transfer -Transitional competence -Validität -Vermeidungsstrategie -Visualisierung 2

3 Audiolingual Audiolingual Imitieren der gehörten fremdsprachlichen Äußerung, Auswendiglernen von Dialogen; Übungsform: Pattern Drill= Satzmuster durch den Austausch bestimmter Einzelteile einschleifen anstatt Grammatik als Erklärungsmuster zu verwenden. Beispiel: The man is at home. The boy Audiovisuell Integration visueller Elemente in Hörtexte; z.b.: Bild plus CD; Bild hat die Aufgabe, den Sinn der dazugehörigen sprachlichen Äußerung zu stützen Differenzierungsinstrument (Unterstützung beim Hörverstehen durch Bilder oder Text) Authentizität Übernahme authentischen Sprachmaterials der Zielsprache (z.b. Äußerungen, Handlungen, Kommunikation, Medien, Situationen und Kontexte) Wird nicht eigens für Unterricht entworfen oder modifiziert Material soll als lebensecht akzeptiert werden und dadurch affektiv Kopfgefühl und Sinne ansprechen (Ganzheitlichkeit) Behaviorismus (= Theorie der Wissenschaft vom Verhalten) In der Didaktik: Sprachlerntheorie, die für die vollständige Spracherwerbung heute nicht mehr relevant ist der Behaviorismus geht vom Kind als tabula rasa aus, sprachliche Reaktionen werden durch einen Konditionierungsprozess erlernt, also durch die Herstellung eines Zusammenhangs zwischen äußerem Reiz (Stimulus) und einer Reaktion (Response) so funktioniert der muttersprachliche Lernprozess: über die Imitation der sprachlichen Äußerungen in der Umgebung für Teile des Spracherwerbs, wie das Lernen von Automatismen, ist dieser Ansatz aber immer noch sinnvoll 3

4 (Sprachlabore: Sprachstrukturen durch wiederholen einstudiert, auch heute noch sinnvoll) Bilingualer Sachfachunterricht Der bilinguale Sachfachunterricht, d.h. der Fachunterricht in einer Fremdsprache wurde seit 1996/97 an Gymnasien für Lehrer mit Englisch bzw. Französisch und eines der Fächer Biologie, Chemie, Erdkunde, Geschichte, Kunsterziehung, Physik, Religionslehre, Sozialkunde, Sport oder Wirtschaft eingeführt. Er beginnt in der Regel in der Jahrgangsstufe 7 bis 9, wobei je nach Eignung des Lehrstoffs ein Drittel bzw. die Hälfte der Gesamtstudienzeit in der Fremdsprache erteilt wird. Leistungserhebungen erfolgen nach Entscheidung des Schülers in Deutsch oder in der Fremdsprache. Binnendifferenzierung Variierende Vorgehen der Darbietung und Bearbeitung von Lerninhalten, Einteilung und Zugehörigkeit von Lernenden zu Lerngruppen nach bestimmten Kriterien, jedem Schüler optimale Lernchancen bieten Bsp: Unterscheidung von Binnendifferenzierung nach Medien, Sozialformen, Unterrichtsform, Übungstyp, Übungsanzahl, Arbeitsmenge, Stoffumfang Caretaker speech (motherese) die übertrieben deutliche Sprache, die Erwachsene Kleinkindern gegenüber gebrauchen und die wichtige Erkenntnisse über den Erstsprachenerwerb liefert, die auch für den Englischunterricht an Grundschulen von Relevanz sind. Definierende Merkmale: Überwiegender Gebrauch von Parataxen, begrenztes Vokabular sowie einen engen Bereich von Themen, die sich auf das here and now beschränken. Es handelt sich um inhaltsbezogene, nicht sprachbezogene Kommunikation. Es werden Langformen statt Kurzformen (Kontraktionen) verwendet. Beispiel: Daddy is not (anstatt: isn t) in the garden. Classroom discourse Unter classroom discourse versteht man die Sprache des Unterrichts, die Sprache des Lehrens und Lernens auf Englisch, damit wird das Prinzip einer angemessenen Einsprachigkeit 4

5 unterstützt. Die dabei verwendeten Äußerungen für z. B. Lob, Tadel, Korrektur, etc. bezeichnet man als classroom phrases. Classroom management Unter classroom management versteht man allgemein gesehen und für alle Unterrichtsfächer gültig, die Fähigkeit einer Lehrkraft, den Lernraum Klassenzimmer mit allen darin befindlichen Dingen und Menschen so zu organisieren, dass möglichst effizient in ihm gelernt werden kann. Dazu gehören u.a. die o Ausstattung des Klassenzimmers, o das Zeitmanagement, o die Didaktik und Methodik, o die Wahl der Sozialformen, o das Lernklima und o der soziale Umgang miteinander. Für das Unterrichtsfach Englisch: o Lernumgebung muss so vorbereitet werden, dass effizient Englisch gelernt werden kann, o z. B. Nachschlagemöglichkeiten, Karteien, geeignete Medien, (Wandbilder, Computer, CD-Player etc.) Cloze-Test Beim Cloze-Test werden in Abständen, die frei wählbar sind, Wörter durch Lücken ersetzt, und der Schüler muss die richtigen Wörter an der entsprechenden Stelle wieder einsetzen, z.b. bei Grammatikübungen und bei Wortschatzübungen. Cultural awareness Interkulturelles Lernen und der Aufbau von cultural awareness, eines Bewusstseins, Interesses und Verständnisses für kulturelles Anderssein, bilden einen Schwerpunkt für den Fremdsprachenunterricht. Authentizität im Englischunterricht sichert den Einblick in die (Kinder-) Kultur englischsprachiger Länder, gibt Einblick in englischsprachige Lebenswirklichkeiten und dient so dem Aufbau von cultural awareness. 5

6 Beispiel: Britische Höflichkeit schwingt in Sprachwendungen mit: Would you please listen? Thank you, but I`m afraid it`s not quite right. Deduktives Vorgehen (grammatische) Regeln werden vom Lehrer vorgegeben und von den Schülern angewandt, nachvollziehendes Lernen Drill Eine der audio-lingualen Methode zugeordnete, heute noch teilweise relevante, Übungsform, die das Imitieren fremdsprachlicher Äußerungen und das Auswendiglernen von Dialogen betont. Durch pattern drills sollen Sprachgewohnheiten automatisiert ( eingeschliffen ) werden. Lerntheoretischer Hintergrund ist der Behaviorismus. Das Lernen durch intensives Üben und Analogiebildung soll grammatische Erklärungen überflüssig machen, d.h. dies soll zum Sprachkönnen führen ohne das dabei ein ausgeprägtes, theoretisches Sprachwissen vorausgesetzt wird. Derartige Konzepte finden ihre Umsetzung u.a. im Sprachlabor. Kritik: Überbewertung der Satzstrukturen, wodurch sich Defizite im Wortschatz ergeben können. Empathie Fähigkeit eines Menschen, sich kognitiv in einen anderen Menschen hineinzuversetzen, seine Gefühle zu teilen und sich damit über sein Verstehen und Handeln klar zu werden (Einfühlungsvermögen). Fähigkeit des mitfühlenden Verstehens Technik der Perspektivenübernahme: Versuch, sich in die Rolle eines anderen hineinzuversetzen und die Welt aus seiner Sicht zu sehen. Europäischer Referenzrahmen European Framework of Reference vom Europarat erstellt Ziel: Sprachkenntnisse zwischen verschiedenen Ländern transparent und vergleichbar machen Unterschiede zwischen verschiedenen Ländern sollen ausgeglichen werden um gemeinsame Basis zu schaffen 6

7 verschiedene Kompetenzstufen Schulabschlüsse in Beziehung zueinander gesetzt Evaluation Die Funktion der Evaluation ist eine kontinuierliche Information über die Effizienz des Unterrichts, d.h. sie dient der Einschätzung des englischsprachigen Wissens- und Könnensstandes, bestehender Schwierigkeiten und Wissenslücken sowie fehlerhafter Regelmaßnahmen eines Schülers für ihn selbst, für die Lehrkraft und für die Erziehungsberechtigten. (Erst nach der Leistungskontrolle können entsprechende Förderungsmaßnahmen eingeleitet werden, wobei die Anforderungen der Leistungskontrolle immer realitätsnah sein sollen und einen authentischen Verwendungskontext simulieren sollen, d.h. Unterrichtsverfahren und Formen der Leistungsmessung sollen aufeinander abgestimmt sein. Man kann immer nur einen Teil der Schülerleistung erfassen, die mündliche Kommunikation wird im Unterricht am meisten vernachlässigt, da sich schriftliche Förderungen und Leistungsüberprüfungen leichter durchführen lassen, wobei die Prüfungen so anzulegen sind, dass die Sprachbeherrschung nicht in Einzelteile sondern möglichst ganzheitlich erfasst wird). Extensives Lesen Orientierung an außerschulischen Verwendungssituationen, für die das informationsentnehmende kursorische (=extensive) Lesen einen hohen Gebrauchswert hat. ständiger Wechsel zwischen kursorischen (extensiven), intensiven und statuarischen Phasen der Lektürearbeit Feedback: Feedback dient als Instrument der Kommunikation zwischen Lehrer und Schüler. Es handelt sich dabei um positive wie auch negative Rückmeldungen auf Lernleistungen, die der Lehrer anhand der Leistungsergebnisse seiner Schüler erhält bzw. die Schüler anhand verbaler bzw. nonverbaler Rückmeldungen durch den Lehrer. Fehlertoleranz Bei einer verstärkten Betonung des kommunikativen Aspekts im Fremdsprachenunterricht besteht höhere Fehlertoleranz als im herkömmlichen grammatischen Fremdsprachenunterricht 7

8 Die Fehler dürfen die Kommunikation allerdings nicht beeinträchtigen. Heutzutage geht man sogar von einer Notwendigkeit des Fehlers im Sprachlernprozeß aus da von den Schülern Sprache produziert werden soll, werden Fehler mit einkalkuliert. Fertigkeiten: Es gibt produktive und rezeptive Fertigkeiten. (= 4 skills of language acquisition) Die rezeptiven Fähigkeiten (Hör- und Leseverstehen) werden leichter erworben und werden länger behalten als die produktiven (Sprechen und Schreiben).Der Erwerb von produktiven Fertigkeiten ist ohne rezeptive nicht möglich. Förderkonzept Ein Förderkonzept ist eine geplante strukturierte Aufbauhilfe der fremdsprachlichen Teilfertigkeiten. Beispiel Ausspracheschulung: Das sinnvolle Üben eines schwierigen Lautes (z.b. w ) erfolgt nach einer durchdachten methodischen Übungsfolge. Fossilization Verfestigung und Einschleifen von falscher Aussprache und falschen Hypothesen bei Strukturen, nachhaltig falsche und außerordentlich schwer umlernbare fehlerhafte Einprägung und Internalisierung einer Wortaussprache Möglichkeiten der Vermeidung: früh auf Fehler eingehen, Hinweise auf eigene Korrekturmöglichkeiten Bsp: But (gelernt im Unterricht) butcher (selbst gelernt, mit falscher Annahme, dass Aussprache beider u gleich Fringe methods Die sogenannten fringe methods sind alternative Lernmethoden wie z.b. the silent way oder Suggestopädie, das auch oft als Superlearning bezeichnet wird. Dabei kommen verschiedene Elemente wie z.b. Musik, Raumgestaltung, künstlerische Elemente und auch Abwechslung von Phasen großer Konzentration und aktivem Spielen zum Tragen, die helfen sollen, Anspannun- 8

9 gen zu vermeiden. The silent way bedeutet, dass sich die Lehrer möglichst zurück nehmen und hauptsächlich mit Zeigestäben und Bildern als Hauptmedien arbeiten. Handlungsorientierung: Fokussierung auf den Fremdsprachenlerner und seine Lernprozesse. Handlungskompetenz soll durch learning by doing (Pestalozzi: Kopf, Hand und Herz) im Umgang mit möglichst authentischen Situationen und Materialien angegangen werden. Kopf- und Handarbeit soll in ein ausgewogenes Verhältnis zueinander gebracht werden. Der EU wird ganzheitlich und schüleraktiv gestaltet. Hidden curriculum Dieser seit den 1960er Jahren bekannte Begriff beinhaltet unausgesprochene und ungewollte Lerneffekte im Unterricht und in der Schule, die im offiziellen Lehrplan nicht vorkommen und oft auch mit ihm in Widerspruch stehen. Diese entstehen z.b. unter- und unbewusst, durch einseitige Auswahl der Inhalte, durch Aufgreifen und Abbilden sozialer Strukturen in Lehrbüchern (Lebensentwürfe, Handlungsverteilung), sowie das Verhalten der Pädagogen. So entwickeln SchülerInnen z.b. Strategien und Taktiken wie man bei Mitschülern und Lehrern Erfolg hat ( schleimen ), Unwissen verheimlicht, sich vor unangenehmen Arbeiten drückt und im Unterricht unbemerkt Nebentätigkeiten durchführt. Idiomatik Die Idiomatik ist Teilgebiet der Lexikologie, das sich mit Idiomen befasst. Sie ist die Lehre von den einer Sprache eigentümlichen Redewendungen. Nur idiomatische Sprache ist auch authentische Sprache. Es ist somit im ursächlichen Interesse des Englischunterrichts idiomatischen Sprachgebrauch zu vermitteln. Beispiele für idiomatischen Gebrauch des Englischen: o Kurzformen ( I m Jack.) o Phrasal / Prepositional Verbs (He gave him al call.) o Idiome (Don t beat about the bush.) o Kollokationen (He is a handsome man.) 9

10 Imitation: Imitation bzw. Nachahmung ist die elementarste Form des Sprechens. Im Englischunterricht ist die Imitation grundlegend für den Aufbau von aktivem Wortschatz und elementarsten Spracherwerb. Immersion Immersion besagt, dass Spracherwerb durch die Teilhabe am Leben der Gemeinschaft, in der die Sprache das natürliche Verständigungsmittel ist, geschieht. Es zählt nur die totale Spracherfahrung. Besondere Übungsarrangements und Einsicht in den Sprachbau sind somit überflüssig. Individualisierung Förderung des einzelnen Fremdsprachenlerners mit dem Ziel des autonomen Lernens. Individuellen Unterschieden soll adäquat und kindgerecht begegnet werden, indem individualisierende didaktisch-methodische und organisatorische Maßnahmen ergriffen werden. Ein individuelles Aneignen der englischen Sprache durch individualisierte Sprachlernwege soll somit ermöglicht werden. Falls die Individualisierung vernachlässigt wird, könnten einige Schüler entweder unteroder überfordert werden. Demnach soll auf einzelne Schüler gezielt eingegangen werden, beispielsweise indem sich die gesamte Klasse mit einer Gruppenarbeit beschäftigt, jedoch mit einem bestimmten Schüler ein spezielles Gebiet bzw. dessen Problemgebiet bearbeitet wird (z. B. Leseübung). Induktives Vorgehen: grammatische Regeln nicht vom Lehrer vorgegeben, sondern Einsicht durch Schüler selbst erarbeitet, sprachliche Gesetzmäßigkeiten abgeleitet, also forschendes Lernen Hinweis: zeitintensiv 10

11 Instruktivismus Instruktivismus sieht in der externen Heteronomie die Steuerungskraft des Lernens. Er vertritt explizit oder implizit, dass eine gezielte Maßnahme der Außenkraft einen Organismus zu bestimmtem Verhalten steuert. Diese Ansicht teilen z.b. das Sophistische Instruktionskonzept, der Behaviorismus, der Neodarwinistische Determinismus und der Ontologische Realismus. Im Englischunterricht: Der Input wird vom Lehrer gegeben und beruht nicht auf selbstständiger Arbeit des Schülers. Interferenz Ein fehlerhafter Transfer, der unbewusst durch die Kontrastierung zweier Sprachen entsteht. Strukturen einer Sprache werden fälschlicherweise in eine andere übertragen (z.b. Aussprache, Satzbau). Interpreting: Interpreting ist sinn- und funktionsgemäßes Dolmetschen; kein wörtliches Übersetzen; wichtig ist die sprachliche Richtigkeit und kommunikative Effizienz; Möglichkeit des Einsatzes: Schüler 2 Dolmetscher D E E D Schüler 1 spricht Deutsch Keine direkte Kommunikation Schüler 3 spricht Englisch 11

12 Intonation: Betonungsmuster von Wörtern und Sätzen. Übertragen die Schüler die muttersprachliche Intonation auf das Englische wirkt die Sprache für den native speaker schwer verständlich, monoton oder gar unhöflich. Die englische Intonation kann durch reine Imitation eines Modellsprechers erreicht werden (zusätzliche Unterstützung durch Handbewegungen oder Wellenlinien an der Tafel möglich). Beispiel: falling and rising tune bei Fragen: Where`s the station? bzw. Is this the station? Kognition, kognitiv Kognition", Bewusstmachung, bezeichnet alle im Gehirn ablaufenden Prozesse und alle Strukturen, die mit dem Wahrnehmen und Erkennen von Informationen zusammenhängen. Im Englischunterricht wird Bewusstmachung durch Lehrererklärungen, Definitionen oder dem Einsatz explikatorischer Medien (z.b.: Grammatiken, Dictionaries) erreicht. Kompetenzstufen Kompetenzstufen sind strukturierte Einteilungen der Sprachkompetenz, die Auskunft darüber geben sollen, wie gut die Sprachkenntnisse einer bestimmten Person sind, bzw. wie viel an Sprachkompetenz ein bestimmter Kurs vermitteln kann. Hiermit sollen Sprachkenntnisse dokumentiert werden, damit sie vergleichbar und transparent gemacht werden. In solche Kompetenzstufen ist z.b. der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen eingeteilt (A Basic User, B Independent User, C Proficient User), um Schulabschlüsse, berufliche Anforderungen, Eingangsvoraussetzungen und Zertifikate miteinander vergleichen zu können. Konstruktivismus Johannes-PeterTimm (Englisch-Didaktik): "Konstruktivismus ist ein Begriff der Erkenntnistheorie. Es geht dabei um die Frage, wie wir die Erscheinungen der uns umgebenden Welt wahrnehmen und für uns strukturieren. [...] Konstruktion von Wissen als methodisches Grundprinzip der Gewinnung von Erkenntnissen heißt: "selbst erfahren, ausprobieren, experimentieren, immer in eigene Konstruktionen ideeller oder materiel- 12

13 ler Art überführen und in den Bedeutungen für die individuellen Interessen-, Motivations- und Gefühlslagen thematisieren" (Reich 1996, 119)" (Timm 1996, 268). Unter Bezug auf konstruktivistische Lerntheorien sind Lernen und Wissenserwerb zu verstehen als o aktiver Prozess o selbstgesteuerter Prozess o konstruktiver Prozess o situativer Prozess o sozialer Prozess Kontext Kontext kann sich auf drei Dimensionen beziehen. Situativer Kontext: Realien, Poster im Klassenzimmer, schaffen einen Kontext für die Interaktion im Klassenzimmer. Dadurch wird der Unterricht realer. Kontext als Satz, in den ein Wort eingebettet ist. Die genaue Wortbedeutung kann oft nur durch den Kontext verstanden werden. (z.b. brush) Kontext als größere textliche Einheit, in den ein Satz eingebettet ist. Bedeutung eines realistischen Kontexts bei Übungen: Im Gegensatz zum pattern drill (bei dem Satzreihen mit beliebigen Inhalt geübt werden), hat sich inzwischen die Ansicht durchgesetzt, dass in Übungen solche Sätze verwendet werden sollen, für die sich ein realistischer Kontext denken lässt. Auch Übungsformen, bei denen Lernende miteinander kommunizieren sind in einen realistischen Kontext eingebettet. Hörverstehen: Bei Hörübungen bietet der Kontext, Gestik und Mimik der sprechenden Personen Hilfen zum Verständnis Kontrastieren Besonders in der Landeskunde ist Kontrastieren, im Sinne des Gegenüberstellens verschiedener Vorstellungen und Konzepte, wichtig. Hier geht es um interkulturelle Kompetenz. Toleranz für Kontraste, Ambiguität, Flexibilität, Geduld, Empathie, Einfühlungsvermögen, Offenheit für fremde Gefühle und fremde Menschen sind Ziele der Kontrastierung. 13

14 Auch beim Spracherwerb ist Kontrastieren wichtig. Hier geht es um das Gegenüberstellen von Konzepten der L1 mit Konzepten der L2. Kursorisches Lesen Das kursorische Lesen ist zwar ein genaues, aber dennoch relativ zügiges Lesen. Hierbei wird also Seite für Seite wirklich gelesen, man versucht aber nur einen ersten Überblick vom Gesamtgedankengang des Textes zu erhalten. Um bestimmte Zusammenhänge genauer zu verstehen reicht diese Form des Lesens aber nicht aus. Im Englischunterricht ist dies z.b. anwendbar, wenn nach geeignetem Material für ein Referat in höheren Klassenstufen gesucht wird, oder wenn Lektionstexte in der Klasse gelesen werden (Überblickslesen). Landeskunde Kulturelle Aspekte des Landes Bewusstsein über Unterschiede zum eigenen Land Ziele: Kommunikationsfähigkeit, Kenntnis von und für den anderen, Erzeugung bestimmter Haltungen gegenüber der fremden Kultur und den Menschen Durch Beschäftigung mit der Fremdsprache die Kultur des jeweiligen Landes kennenlernen. Bsp: Höflichkeitsfloskeln im Engl angehängt (please, queuing) Language awareness: Bewusster Einsatz von Sprache im menschlichen Umgang miteinander und das Bewusstsein über die Rolle einer Sprache im menschlichen Leben. Bewusstsein über Unterschiede zwischen Muttersprache und Fremdsprache in Bezug auf Formen, Strukturen und Funktionen, sowie ihren Gebrauch. Bsp.: false friends Lernertyp: Jeder Mensch lernt auf eine bestimmte Weise (Lernstil) besonders gut. Häufig treten hier Mischformen auf. visuell auditiv 14

15 verbal- abstrakt kinästhetisch (motorisch und haptisch) Lernerorientierung: Der Fremdsprachenlerner soll als Subjekt im Unterricht betrachtet werden. Seine Verstehens- und Mitteilungsbedürfnisse in der Fremdsprache sollen gefördert werden. Schülerzentrierung Lern- und Arbeitstechniken: Verfahren, die von Lernenden absichtlich und planvoll angewandt werden, um ihr fremdsprachliches Lernen vorzubereiten, zu steuern und zu kontrollieren. Eine Lerntechnik ist eine Einzelmaßnahme (z.b. Nachschlagen im Wörterbuch), eine Lernstrategie ist eine systematische Bündelung verschiedener Einzelverfahren. Lernmittel/Lern- und Lehrmaterial Alle Materialien, mit denen Schüler lernen. Diese sind häufig auch unter dem Begriff Unterrichtsmedien zusammengefasst. Zu unterscheiden sind dabei technische (z. B. CD) und nichttechnische Medien (z. B. Schulbuch). Daneben kann zwischen visuellen (z. B. Comic), audio-visuellen (z. B. DVD) und auditiven Medien (z. B. CD) unterschieden werden. Das so genannte authentische Material gliedert sich in Bücher/Zeitschriften (z. B. Bilderbuch, Comic, Übungsbuch, etc.) Texte (z. B. Rezept, Speisekarte) Musisches (z. B. Reim, Lied) Mitgebrachtes (z. B. Werbeprospekt, Stadtplan, Besucherinformation) Außerdem kann man innerhalb der selbst produzierten Materialien noch zwischen denen von der Lehrkraft (selbst geführte Interviews, aufgenommene Geschichten) und denen von den Schülern (Videos, Powerpoint-Präsentationen) produzierten Materialien unterscheiden. 15

16 Lernzielkontrolle: dient der Einschätzung des (englischsprachigen) Wissens- und Könnensstandes; abzugrenzen von der bewertenden Leistungskontrolle. 3 Formen: (gruppen-)normorientiert, kriteriumsorientiert, individuell 3 Aufgabentypen: geschlossen (z.b. Lückentext); halboffen (z.b. gelenkter Dialog); offen (z.b. freier Text schreiben) Lingua franca Als Lingua franca bezeichnet man eine Sprache, die zwischen den Sprechern unterschiedlicher Sprachgemeinschaften als Verkehrssprache genutzt wird. Oft wird die Sprache in diesem Zusammenhang leicht verändert und vereinfacht, da sie für beide Sprecher eine Fremdsprache ist und sich so möglicherweise Fehler einschleichen. Heute hat vor allem das Englische als Lingua franca weltweit eine sehr große Bedeutung. Mediation (= Sprachmittlung) Aufgrund einer inhaltlichen, schriftlichen oder mündlichen Vorgabe (z.b. Begrüße dein Gegenüber ) erfolgt eine Sprachproduktion je nach Könnenstand des Sprechers (Anfänger sagen hello, etwas weiter Fortgeschrittene sagen good morning, Sir ). Diese Vorgabe kann englisch bzw. deutsch abgefasst sein. Mediation wird sowohl bei der Dialogisierung eingesetzt oder auch bei Abschlusstests diverser Schularten. Diese Technik ist dem Dolmetschen verwandt. Memorieren Memorieren ist eine Lern- und Arbeitstechnik (Mikromethode), die darin besteht, den Lernstoff auswendig zu lernen und möglichst genauso wiederzugeben wie er vorher, in welcher Form auch immer, präsentiert wurde. Im Englischunterricht spielt dies vor allem beim Wortschatzerwerb eine Rolle. Auch Class-Room Phrases werden so eingeübt. Der Schüler kennt vielleicht bestimmte grammatikalische Strukturen noch nicht, kennt aber den Phrase und versteht daher die Anweisung des Lehrers. 16

17 Mikromethoden Um in der Schule bestimmte Unterrichtsmethoden wie z.b. Projektarbeit durchführen zu können, muss der Lehrer sicherstellen, dass die Schüler über sogenannte Mikrokompetenzen aus den Bereichen Methoden-, Kommunikations- und Teamfähigkeit verfügen. Dass heißt, die Schüler müssen erstmal befähigt werden, miteinander zu kommunizieren und zu kooperieren. Manchmal muss z.b. in einem Crashkurs am Schuljahresanfang versucht werden, diese Kompetenzen spezielle anzutrainieren. Aber auch später müssen diese Mikrokompetenzen immer wieder und in allen Unterrichtsfächern permanent mit den Schülern geübt werden. Multilingual Prinzipiell gleichbedeutend mit dem Begriff Mehrsprachigkeit, d.h. der Fähigkeit einer Person mehrere Sprachen zu sprechen. Multilingualität ist ein zukünftiges Ziel des Fremdsprachenunterrichts, eigentlich aller Schulformen. Im Englischunterricht ist dieses Phänomen insofern von Bedeutung, da vor dem Hintergrund von Europäisierung, Globalisierung, etc. immer mehr Schüler mit mehreren Sprachen aufwachsen und somit einen ganz anderen Bezug zum Sprachenlernen haben. So werden sich beispielsweise Kinder deutscher Eltern (z. B. Siemens Mitarbeiter), die in den USA aufgewachsen sind, nun aber in Deutschland leben, im Fach Englisch natürlich leichter tun bzw. es wird ihnen auch leichter fallen weitere Fremdsprachen zu lernen. Multisensorik Beinhaltet die Einbeziehung aller Sinne (Sehen, Fühlen, Riechen, Schmecken, Hören) in den Englischunterricht. Dadurch können die Schüler die Thematik mit allen Sinnen aufnehmen und somit die Informationen auch mehrfach kodieren und speichern. Ideales Beispiel wäre die Zubereitung eines typisch britischen Frühstücks im Englischunterricht. 17

18 Portfolio Vom Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen empfohlene Form des schulischen Leistungsnachweises. Bestehend aus 3 Teilen: 1. Sprachbiographischer Teil: Beschreibung der Dauer und des Leistungsstandes 2. Leistungsbeschreibender Teil: Selbst- und Fremdeinschätzung 3. Dossier: alle Leistungsnachweise und Materialien zur Einschätzung der Sprachbeherrschung, möglichst fehlerfrei Dokumentation der eigenen Leistungen Lehrer als Berater Ziele: - Selbstbewertung - Hilfestellung für weiterführende Schulen - Entwicklung der Selbstkompetenz Positive mindset: Unter positive mindset versteht man die Stärkung des Selbstkonzepts in Bezug auf das Fremdsprachenlernen. Daran ist verstärkt zu denken, wenn es um den Stil der Fehlerkorrektur geht, um die Schüler auch zukünftig zum Sprechen der Fremdsprache zu motivieren. Instrumente des positive mindset sind das Lob und die positive Verstärkung. Progression Verteilung der Sprachmittel / Stoffverteilungsplan und somit Steuerung des Lernprozesses grammatische / strukturelle Progression / Wortschatzprogression: traditioneller Weg der aufeinander aufbauenden, linearen Stoffverteilung Vorteil: Vernetzung des Lernstoffs nach sprachsystematischen Gesichtspunkten; Sprachkompetenz wird flexibel und ausbaufähig entwickelt Nachteil: unnatürliche Sprache in Texten und Übungen durch gehäuftes Auftreten der einzuübenden Strukturen kommunikative Progression: was man gelernt hat, kann man sofort im Alltag umsetzen; Stufungsprinzipien sind hier die sprachliche Komplexität 18

19 Projektarbeit: Projektunterricht bezeichnet eine offene und themenzentrierte Unterrichtsform, die ein hohes Maß an Selbstverantwortung und Mitbestimmung der Schüler erlaubt. Der Projektplan wird gemeinsam ausgearbeitet. Merkmale: Forschungsorientierung, Produktorientierung, Prozessorientierung. Typen: Begegnungsprojekte, Korrespondenzprojekte und Textprojekte Prozessorientierung: Obwohl die Initiative zur Auseinandersetzung der Schüler mit sprachlichem Material nach wie vor größtenteils von den Lehrern ausgeht und diese vielfältige Hilfestellung anbieten: Entscheidend für den Lernprozess sind die rezeptiven und produktiven bzw. interaktiven Tätigkeiten der Schüler selbst (Prozessorientierung). In den letzten Jahren sind dabei gerade die rezeptiven Aktivitäten des Hör- und Leseverstehens erheblich aufgewertet worden. Realia: Realia sind Gegenstände oder Fotos aus englischsprachigen Ländern. Sie dienen der Lernerleichterung und sollen Interesse an landeskundlichen Informationen erhöhen. Man kann sie gut als Übungsgrundlage verwenden. Ihr Einsatz rechtfertigt sich auch für einen fächerübergreifenden Unterricht. Reflexion (Rückschau): 1. Das Sprachbewusstsein umfasst die Reflexion von Merkmalen, Gemeinsamkeiten und Unterschieden der eigenen wie der englischen Sprache. Diese Befähigung zum Vergleich ist eine wesentliche Strategie des Englischlernens und soll helfen Transferleistungen zu erbringen. Beispiel: bewusstes Sprachhandeln in soziokulturellen Kontexten (z.b. sprachliche adäquate Begrüßung, Vorstellung, Bitten, Nachfragen.) 2. Der geplante Stundenentwurf bildet hauptsächlich in der Ausbildung bei einer Nachbesprechung den Ausgangspunkt zu kritischer Reflexion und Erprobung von Alter- 19

20 nativen. Unvorhersehbare Situationen bieten daher die Möglichkeit aus Fehlern und Pannen zu lernen. 3. Arbeitsrückschau: Eine Lern- und Arbeitstechnik zur Selbstevaluation von Schülern. Reliabilität Reliabilität bezeichnet die Exaktheit/ Zuverlässigkeit mit der eine Leistung gemessen wird. Methoden zur Feststellung der Reliabilität: 1. Wiederholungsmethode: Bei Wiederholung eines Tests werden unter gleichen Bedingungen gleiche Ergebnisse erreicht. 2. Paralleltestmethode: Zwei ähnliche Hälften eines Tests führen unter gleichen Bedingungen zu ähnlichen Ergebnissen. Silent period Phase zwischen sprachlichem Input und Output bzw. zwischen dem ersten Hören und dem ersten Gebrauch einer Sprache. Die Dauer ist bei jedem Kind unterschiedlich, sie kann mehrere Monate betragen. Speed reading (entwickelt in den 70er Jahren von Tony Buzan) beruht auf der Erkenntnis, dass das Auge Text nicht nur mit hoher Geschwindigkeit aufnehmen kann, sondern das Gehirn den aufgenommenen Text bei höherer Geschwindigkeit (ab 400 Wörter pro Minute) wesentlich besser verarbeiten kann als bei normaler Lesegeschwindigkeit (ca. 200 Wörter pro Minute) trainiert die Augenbewegung der Schüler: sie müssen einen Text lesen ohne dabei mit dem Auge zu bereits gelesenen Wörtern oder Absätzen zurückzukehren Hilfsmittel für die Schüler sind hierbei Stifte oder Essstäbchen, die sie während des Lesens auf der Zeile, die sie gerade lesen, leicht mitführen. Dadurch wird das Auge unterstützt, gleichmäßig und geradlinig dem Text zu folgen. Außerdem wird die Konzentration verbessert und die Aufmerksamkeit erhalten. 20

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