Mangel im Überfluss: Ernährungsepidemiologische Daten zu Übergewicht und Nährstoffmangel

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1 Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund Mangel im Überfluss: Ernährungsepidemiologische Daten zu Übergewicht und Nährstoffmangel PD Dr. med. Anja Kroke, MPH Dipl. oec. troph. Anke Günther Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund

2 Überblick Einleitung Themen 1. Adipositas und Mikronährstoffmangel 2. Reduktionsdiäten und Versorgung mit Mikronährstoffen 3. Normalgewicht und Mikronährstoffversorgung Zusammenfassung und Schlussfolgerung

3 Trends der Adipositas (BMI 30 kg/m 2 ) unter Erwachsenen in den USA Behavioural Risk Factor Surveillance System, CDC 1985 No Data <10% 10% 14% 15% 19% 20-24% 25%

4 1987 No Data <10% 10% 14% 15% 19% 20-24% 25%

5 1989 No Data <10% 10% 14% 15% 19% 20-24% 25%

6 1991 No Data <10% 10% 14% 15% 19% 20-24% 25%

7 1993 No Data <10% 10% 14% 15% 19% 20-24% 25%

8 1995 No Data <10% 10% 14% 15% 19% 20-24% 25%

9 1997 No Data <10% 10% 14% 15% 19% 20-24% 25%

10 1999 No Data <10% 10% 14% 15% 19% 20-24% 25%

11 2001 No Data <10% 10% 14% 15% 19% 20-24% 25%

12 Adipositas unter Erwachsenen in den USA 2003 <10% 10% 14% 15% 19% 20% 24% 25%

13 Haushalte mit übergewichtigen und untergewichtigen Personen % der Haushalte Vietnam China Kyrgystan Indonesien Russland Brasilien USA Adaptiert von Caballero et al.; NEJM 2005

14 Thema 1: Adipositas und Mikronährstoffmangel Das Ernährungsprofil von Personen, die Adipositas entwickeln bzw. aufweisen, ist häufig durch eine hohe Energiedichte und eine geringe Nährstoffdichte gekennzeichnet. Mangelerscheinungen beispielsweise in der Eisenversorgung wurden beobachtet.

15 Eisenmangel in verschiedenen Gewichtsgruppen bei 12-16jährigen Kindern (USA) Prävalenz Eisenmangel (%) Normalgewichtig BMI >85. Perzentile BMI >95. Perzentile N=9698 Gesamt Jungen Mädchen Eisenmangel definiert anhand von Serumferritin, Transferrinsättigung, freiem Erythorzyten-Protoporphyrin (mind. 2 von 3 Werten abnormal für Alter und Geschlecht) Adaptiert von Nead et al.; Pediatrics 2004

16 Eisenstatus und BMI bei Erwachsenen in Deutschland Bundes-Gesundheitssurvey 98 N=6600 (3400 Frauen, 3200 Männer), Jahre Nach Adjustierung für Alter und SES: kein Zusammenhang zwischen BMI und - Eisen im Serum - Transferrin - Ferritin [unpublizierte Daten, vorläufige Auswertungen - persönliche Mitteilung M. Thamm, rki]

17 Thema 2: Reduktionsdiäten und Versorgung mit Mikronährstoffen Diäthalten und gezügeltes Essen sind häufig auftretende Phänomene. Diäten zur Gewichtsreduktion und gezügeltes Essverhalten können sich auf die Versorgung mit Mikronährstoffen auswirken.

18 Prävalenz des Diäthaltens (dieting/slimming) UK [Lattimore, 2003] jährige Mädchen: 35-60% zum Zeitpunkt der Erhebung auf Diät USA [Neumark-Sztainer, 2000] jährige Jugendliche: 45% der Mädchen, 20% der Jungen hielten schon einmal Diät Niederlande [Brugman, 1997] jährige Jugendliche: 13% der Mädchen, 5% der Jungen zum Erhebungszeitpunkt auf Diät

19 Jugendliche in Deutschland mit Gewichtskontrollverhalten zum Zeitpunkt der Erhebung (2001/2002) (Diät und/oder andere Maßnahmen) % 25 N= Jahre 13 Jahre 15 Jahre Jungen Mädchen Health Behaviour in Schoolaged Children (HBSC) Study; 2004

20 Spezielle Diätprogramme: Lebensmittelauswahl und Nährstoffaufnahme Lebensmittelauswahl [Anderson, 2000] Atkins Diät: Obst, Getreide, Milch ; Fleisch, Fett The Zone Diät (proteinreich, Kohlenhydrate moderat begrenzt): Gemüse, Getreide ; Fleisch, Fett Sugar Busters Diät (niedriger glykämischer Index): Getreide ; Fleisch, Fett Nährstoffaufnahme [adaptiert von Fisher, 1985] Atkins Diät: Vitamin C, Calcium, Magnesium Beverly Hills Diät (proteinarm, fettarm, sehr kohlenhydratreich): Vitamin B12, Calcium, Zink

21 Diäthalten und Nährstoffversorgung UK [Crawley et al., 1995] jährige Mädchen auf Diät = 2mal häufiger wurden Mikronährstoffaufnahme-Empfehlungen nicht erreicht (z.b. Folat, Zink, Thiamin, Riboflavin, Eisen) USA [Neumark-Sztainer et al., 2004] jährige Mädchen mit ungünstigem Diätverhalten nahmen signifikant weniger Zink, Folat, Vit. B6, Vit. A, Eisen und Calcium auf als solche mit günstigem Diätverhalten

22 Thema 3: Normalgewicht und Mikronährstoffversorgung Inaktive, aber Normalgewichtige nehmen wenig Energie auf. Bei fehlender Erhöhung der Nährstoffdichte könnte es zu einer zu geringen absoluten Mikronährstoffaufnahme kommen. Leichtes Übergewicht körperlich Aktiver könnte mit einer besseren (absoluten) Mikronährstoffversorgung einhergehen und somit möglicherweise vor Folgeerkrankungen schützen.

23 BMI und Gesundheitslevel bei Nichtrauchern (USA) Männer % Adipositas Übergewicht Gesundheitslevel 0: Nichtraucher Gesundheitslevel 5: Frauen % + selbst gute Gesundheitseinschätzung + chron. Erkrankungen + Blutdruck <135mmHg + <85 mmhg + Chol. <200mg/dl, hohes HDL, niedr. LDL + Triglyceride <150 mg/dl + HbA1c <6%, Glucosestoffwechsel ok Flegal et al.; Int J Obes 2006

24 BMI und Aktivität USA [Behavioral Risk Factor Surveillance System, CDC 2000] 2/3 aller Übergewichtigen nutzen körperliche Aktivität zur Gewichtskontrolle 1/5 erreicht dabei empfohlene Aktivitätslevel Deutschland [Forsa-Umfrage, 2005] Übergewichtige Männer treiben häufiger Sport als normalgewichtige

25 BMI und gesundheitsrelevante Grenzwerte Änderungen über die Zeit? 1,80 Relatives Risiko innerhalb von 20 Jahren nach Untersuchung zu versterben 1,60 1,40 1,20 1,00 0,80 Früher Heute 0,60 0,40 0,20 0,00 BMI<20 20<=BMI<25 25<=BMI<30 30<=BMI<35 BMI >=35 BMI Klassen Früher = Civil War Soldaten, Jahre, gemessen nach 1865 Heute = NHANES I, Männer, Jahre, gemessen Henderson, 2005

26 Zusammenfassung und Schlussfolgerung Einerseits Übergewicht geht ursächlich und in seiner Folge mit ungünstigem Ernährungsverhalten einher - kalorische Überversorgung und Mikronährstoffunterversorgung können gemeinsam auftreten. Die hohe und derzeit weiter ansteigende Prävalenz von erhöhter Körpermasse könnte mit einer hohen und ansteigenden Prävalenz von Versorgungsproblemen einhergehen. Andererseits Vermeidung von Übergewicht (Normalgewichtigkeit bei geringer Aktivität) könnten bei zu geringer Nährstoffdichte mit erhöhtem Unterversorgungsrisiko einhergehen. Leichtes Übergewicht (bei ausreichender Aktivität) könnte eine bessere Mikronährstoffversorgung bedeuten.

27 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

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