8 Operationsverstärker
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- Elmar Klein
- vor 9 Jahren
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1 Die bisher diskutierten Schaltungen mit Transistoren sind relativ beschränkt in ihrem Anwendungsbereich, da sie miest nur für einen relativ engen Bereich von Parametern befriedigend funktionieren Dies macht es unmöglich, mehrere wünschenswerte Parameter wir hohe Eingangsimpedanz, niedrige Ausgangsimpedanz und hohe Verstärkung gleichzeitig zu erreichen Die für die meisten Anwendungen notwendige Rückkopplung macht zudem die Anwendung im Bereich niedriger Frequenzen (DC) schwierig Wie wir gesehen hatten, ist es deshalb häufig sinnvoll, zu kaskadierten Verstärkern überzugehen, bei denen die positiven Eigenschaften der unterschiedlichen Schaltungen kombiniert werden Hier beschäftigen wir uns mit einer Alternative, welche grundsätzlich als konsequente Weiterführung der Kaskadierung vestanden werden kann: man kombiniert mehrere Transistorstufen plus eine entsprechende Beschaltung zu einem Operationsverstärker (=OpAmp) Diese können sehr vielseitig verwendet werden 81 Aufbau und Grundschaltung 811 Aufbau Ein Operationsverstäker ist ein integrierter Schaltkreis, der als Differenzverstärker aufgebaut ist Die erste Stufe (links in Abb 81) ist ein Differenzverstärker mit aktiver Last und hoher Eingangsimpedanz Es folgt ein DC-gekoppelter Zwischenverstärker (meist mehrstufig) und eine Gegentakt-Endstufe Indem die Ausgangsspannung an den Emittern abgegriffen wird, stellt man sicher, dass der Ausgangswiderstand möglichst klein ist, dass der Verstärker somit praktisch unabhängig von der Last arbeitet Einer der Gründe für diesen Aufbau ist die Notwendigkeit, Drift der Eingangsspannung zu eliminieren Ein solcher Drift kann bei Transistoren (mono- Abbildung 81: Prinzipieller Aufbau eines Operationsverstärker, ähnlich zu µa741 oder bipolar) aus physikalischen Gründen nicht vermieden werden Bei einem OP wird er sehr stark reduziert, indem man den Verstärker symmetrisch auslegt, dh es werden 2 thermisch eng gekoppelte Verstärker parallel geführt und die Signale am Schluss subtrahiert, so dass die Drift-Effekte der beiden Kanäle subtrahiert werden Es existiert eine große Zahl von Operationserstärkern Sie besitzen normalerweise einen positiven und einen negativen Eingang, den Ausgang, sowie die positive und die negative Versorgungsspannung (meist ±15 V) 812 Funktionsweise und Rückkopplung Abbildung 82: Operationsverstärker als Differenzverstärker Abb 82 zeigt das einfachste Ersatzschaltbild: der Operationsverstärker besitzt einen invertierenden und einen nicht-invertierenden Eingang Die Aus- 87
2 gangsspannung ist proportional zu deren Differenz, multipliziert mit dem Verstärkungsfaktor Seine Leerlaufverstärkung v 0 ist sehr hoch (zb ) Allerdings wird er in der Praxis meist mit einer Rückkopplung verwendet, welche die Verstärkung reduziert Der unbeschaltete Operationsverstärker ist meist sehr nichtlinear und nicht immer stabil Erst die externe Beschaltung bestimmt die Eigenschaften und macht ihn wirklich nützlich v 0 Abbildung 84: Beschaltung eines Operationsverstärkers für Gegenkopplung κ Ausgangssignal, U d = U e κu a und das Ausgangssignal Abbildung 83: Beschaltung eines Operationsverstärkers für Gegenkopplung (oben) und Mitkopplung (unten) Die Rückkopplung kann über den invertierenden oder den nicht-invertierenden Eingang erfolgen Verwendet man den invertierenden Eingang, so spricht man von Gegenkopplung In diesem Fall ist das Ausgangssignal gegenüber dem Eingangssignal in Gegenphase (ϕ a ϕ e = π) Verwendet man den nichtinvertierenden Eingang, so spricht man von Mitkopplung In diesem Fall sind Eingangs- und Ausgangssignal in Phase (ϕ a ϕ e = 0) Dies kann jedoch zu Instabilitäten führen, wie zb unerwünschten Schwingungen 82 Gegengekoppelter Verstärker 821 Prinzip In der Rückkopplungsschleife wird das Signal um den Faktor κ verstärkt (dh abgeschwächt) und in den invertierenden Eingang des Operationsverstärkers eingespeist κ wird als Kopplungsfaktor bezeichnet und is ia komplex Im Gleichgewicht, dh im eingeschwungenen Zustand, ist das Differenzsignal, dh die Differenz zwischen Eingangssignal und dem rückgekoppelten U a = v 0 U d Hier stellt v 0 den open-loop gain des OPs dar Der closed-loop gain, also die Gesamtverstärkung des Systems mit Rückkopplung, ist v = U a v 0 U d = U e U d + κ(v 0 U d ) = v κv 0 κ Die Näherung gilt für hohen open-loop gain, v 0 Bei genügend hohem v 0 wird somit die Verstärkung nur durch die Rückkopplung definiert, die Details der Eigenschaften des OPs sind nicht mehr wichtig Dies ist die wesentliche Motivation dafür, OPs mit möglichst hoher Verstärkung auszustatten Im Limit hoher interner Verstärkung verschwindet das Fehlersignal U d = U a v Definition des idealen OPs CMRR = : U a = 0 falls U d = 0 v 0 = U d = 0 folgt aus obigen Punkten Eingangswiderstand unendlich, r e =, dh es fließt kein Strom in den OP, I e = 0 Ausgangswiderstand verschwindet, r a = 0 Hohe Bandbreite, dh VBP = 88
3 Die Verstärkung ist somit v = U a U e = 1 + R 2 > 0, dh nicht invertierend Abbildung 85: Anschlüsse eines Operationsverstärkers (links) und Kennlinie eines realen Operationsverstärkers (rechts) Die meisten Schaltungen kann man gut verstehen, wenn man die beiden goldenen Regeln beachtet: 1 Ein OP versucht, U a so einzuregeln, dass U dif f = 0 2 In die Eingänge fließt kein Strom, dh I e = 0 Wir beginnen mit den beiden Grundschaltungen 823 Nichtinvertierender Verstärker Wir beginnen mit dem nichtinvertierenden Verstärker 824 Anwendungsbeispiel: Elektrometerverstärker Ein idealer Elektrometerverstärker hat r e = r a = 0 Der erste Punkt ist für OPs mit einer FET- Eingangsstufe in guter Näherung erfüllt Reale OPs haben jedoch Ausgangsimpedanzen im Bereich von kω Dies kann durch eine geeignete Rückkopplung kompensiert werden: Wir setzen =, R 2 = 0, dh wir koppeln den Ausgang direkt zurück auf den invertierenden Eingang (κ = 1) Damit wird die Verstärkung v = 1, wir erhalten also einen Spannungsfolger Wir berechnen die effektive Ausgangsimpedanz aus r a = du a di a du a = v 0 du d + r a di a und du d = κdu a Abbildung 86: Aufbau eines nichtinvertierenden Verstärkers mit Hilfe eines Operationsverstärkers Hier wird das Eingangssignal mit dem positiven Eingang verbunden, die Rückkopplung wird auf den negativen Eingang gelegt Die Widerstände,R 2 können auch komplex sein Unter Benutzung der goldenen Regeln (U d = 0) setzen wir U e = U + = U = + R 2 U a erhalten wir und du a (1 + κv 0 )=r a di a r a,eff = r a 1 + κv 0 Da v 0 sehr groß ist, liegt der effektive Ausgangswiderstand typischerweise im Bereich von mω und wir kommen dem idealen Elektrometerverstärker sehr nahe 89
4 U En U E3 U E2 U E1 Abbildung 87: Invertierender Verstärker 825 Invertierender Verstärker Beim invertierenden Verstärker ist das Eingangssignal auf den negativen Eingang gelegt, der positive Eingang auf Masse Wegen U d = 0 ist somit auch U + =0, dh das Eingangssignal liegt auf einer virtuellen Masse Die beiden Ströme I 1 und I 2 müssen somit gegengleich sein: I 1 = U 1 = I 2 = U a R 2 Die Verstärkung ist somit v = U a = R 2 < 0, U 1 dh wir haben einen invertierenden Verstärker Der effektive Eingangswiderstand ist r e,eff =, denn der negative Eingang ist eine virutelle Masse Die Ausgangsimpedanz ist die gleiche wie beim nichtinvertierenden Verstärker, da die Rückkopplung die gleiche ist Eine mögliche Anwendung davon ist ein Addierer Der negative Eingang des OPs stellt einen Masseknoten dar Da kein Strom in den Verstärker fließt gilt I 2 = I ei i Wenn wir die Ströme durch Spannungen ausdrücken folgt daraus U a = 1 R 2 U ei i Einen reinen (Umkehr-)Addieren, ohne Verstärkung, erhält man somit für = R Subtrahierer Abbildung 88: Addierer Ein Subtrahierer wird in vielen Experimenten für den Nullabgleich benötigt Man kann dafür im Addierer die entsprechenden Signale zuerst invertieren Andererseits ist es auch möglich, den zweiten Eingang des Operationsverstärkers zu verwenden Abbildung 89: Änderung für direkten Subtrahierer Die Beschaltung des invertierenden Eingangs bleibt gleich Der positive Eingang wird hier nicht auf Masse gelegt, sondern erhält das zweite Eingangssignal Um die wohldefiniert Verstärkung beizubehalten, wird dabei das gleiche Paar,R 2 von Widerständen verwendet Wir erhalten die folgenden Eingangsströme: und Aus I 2 = U a U R 2 = I 1 = U U 1 U a = U ( + R 2 ) U 1 R 2 U = U + = R 2 + R 2 U 2 90
5 folgt U a = R 2 (U 2 U 1 ) Die Nachteile dieser Schaltung sind Sie ist sehr empfindlich auf Unterschiede der,r 2 -Paare Aufgrund der Spannungsteiler ist r e niedrig relativ Um diese Probleme zu beheben verwendet man integrierte Instrumentenverstärker wie zb INA111 Die Subtrahierstufe ist als reiner Subtrahierer geschaltet, v OV 3 = 1 Somit wird das Ausgangssignal U a = (U a1 U a2 )= + R 2 (U e1 U e2 ) 827 Instrumentenverstärker Abbildung 811: Ausschnitt aus dem Datenblatt des INA111 Solche integrierte Instrumentenverstärker haben vielfältige Einsatzmöglichkeiten, zb zum Nullabgleich bei Messaufgaben nichtinvertierende Verstärker mit Subtrahierstufe 828 Logarithmierer, Multiplizierer Abbildung 810: Instrumentenverstärker, bestehend aus einer nichtinvertierenden Verstärkerstufe und einer Subtrahierstufe Gemäß den goldenen Regeln sind die Potenziale der beiden invertierenden Eingänge gleich den Potenzialen der entsprechenden nicht-invertierenden Eingänge Somit liegt über dem Widerstand die Spannung U e1 U e2 und über den Widerstand fließt ein Strom U e1 U e2 = I Da kein Strom in die OPs hineinfließt muss der gleiche Strom durch alle 3 Widerstände fließen und U a1 U a2 = I( + 2R 2 ) Prinzip eines analogen Multiplizierers Abbildung 812: Prinzip eines analogen Multiplizierers Ein analoger Multiplizierer kann aufgebaut werden, indem wir die beiden Eingänge logarithmieren, sie addieren und anschließend die Exponentialfunktion erzeugen Für den Logaritmierer verwenden wir die Tatsache, dass der Diodenstrom (über einen bestimmten Bereich) exponentiell von der Spannung abhängt, dh umgekehrt U ln(i) Für die praktische Ausführung verwendet man einen Transistor 91
6 ~ 4 Größenordnungen Abbildung 813: Prinzip eines analogen Logarithmierers Gemäß Shockley ist I C = I C0 e U BE/U T Gleichzeitig ist für die gezeigte Schaltung I C = U 1 R Somit wird U BE = U T ln U 1 RI 0 = U a, wie gewünscht Voraussetzungen für das Funktionieren dieser Schaltung sind T 1 muss im Bereich der Verstärkung betrieben werden Ein zusätzlicher Kondensator parallel zum Transistor T 1 unterdrückt die Tendenz zu Schwingungen Abbildung 815: Kennlinie eines analogen Exponentierers Da dieser Strom nicht in den OP fließt, gilt UBE U a = R 2 I Cs exp, wie gewünscht U T 829 Integrierer und Differenzierer Abbildung 816: Kapazitive Rückkopplung ergibt einen Integrierer Ue Koppelt man den Ausgang über einen Kondensator auf den invertierenden Eingangs zurück, so fließt der Eingangsstrom I e über den Kondensator: I C = iωcu a = I e Abbildung 814: Prinzip eines analogen Exponentierers Das gleiche Prinzip wird auch für die Erzeugung der e-funktion verwendet Der Kollektorstrom des Transistors T ist UBE I C = I Cs exp U T Somit ist die Ausgangsspannung U a = 1 iωc I e Über die Laplacetransformation erhält man das Signal im Zeitbereich, als Funktion der Eingangsspannung U e = RI e : U a = 1 U e dt RC 92
7 Die Schaltung entwpricht somit einem Integrierer Abbildung 817: Differenzierer Koppelt man stattdessen resistiv zurück, aber das Signal über einen Kondensator ein, so ist die Ausgangsspannung und somit r e = U e = R 2, I e v 0 was einen sehr geringen Eingangswiderstand ergibt Dies ist wichtig bei der Verwendung von Photodioden als Licht-Sensoren: der Photostrom ist proportional zum Lichtstrom aber auf Grund ihres endlichen Innenwiderstandes können sie nur eine niederohmige Last treiben 83 Realer OP 831 Ersatzschaltbild U a = RI = RU e iωc Über die Laplace Transformation erhält man somit U a = RC du e dt, dh einen Differenzierer 8210 Transimpedanzverstärker Wir betrachten einen Transimpedanzverstärker wie die Schaltung in Abb 818 I e R 2 U a Abbildung 818: Einfacher Transimpedanzverstärker Ein Transimpedanzverstärker wandelt einen Eingangsstrom in eine Ausgangsspannung um Typische Anwendungen sind zb Verstärker für Photodioden (=lichtgesteuerte Stromquelle) Für die Schaltung in Abb 818 gilt I e = U a R 2 = v 0U e R 2 Abbildung 819: Ersatzschaltbild für einen realen Operationsverstärker Zu den wichtigsten Abweichungen eines realen OPs von einem idealen gehören: Ein endlicher Eingangsruhestrom I B = I e1+i e2 2 Eine endliche Leerlaufverstärkung (open loop gain) v U,o = U a /U diff Beim idealen OP ist v U unabhängig von der Frequenz Reale OPs zeigen einen Frequenzund Phasengang Die Gleichtaktunterdrückung (common mode rejection ratio) is in realen OPs endlich und frequenzabhängig Sie bezeichnet das Verhältnis zwischen der Verstärkung des Differenzsignals zur Verstärkung des Gleichtaktsignals und ist in der Größenordnung von db Die Ausgangsspannung verschwindet nicht exakt, U a = 0 für U diff = 0 Dies kann meist durch eine Offsetspannung am Eingang korrigiert werden 93
8 Reale OPs benötigen eine endliche Zeit, um den stationären Wert der Ausgangsspannung einzuregeln Dies wird quantifiziert über die maximale Änderungsgeschwindigkeit (slew rate) du a dt = I 1max C k Der Ausgangswiderstand ist endlich, r a = Bandbreite Zu den wichtigsten Unterschieden zwischen realen und idealen OPs gehört die Bandbreite: Reale OPs reagieren nicht instantan Abbildung 820: Frequenzgang eines OPs und wichtige Größen Bei Frequenzen unterhalb der niedrigsten Grenzfrequenz ist die Verstärkung konstant Für Frequenzen oberhalb ω 3dB nimmt sie ω 1 ab, dh um 6dB pro Oktave oder 20 db pro Dekade Die 3dB Frequenz wird durch die interne Kapazität bestimmt Durch die externe Beschaltung mit Koppelfaktor κ sinkt die Verstärkung im Niederfrequenzbereich von v 0 auf v = v 0 = v 0 v κv v S v S Logarithmiert: logv + logv S = logv 0 Die Bandbreite ω Gr entspricht derjenigen Frequenz, bei der die Verstärkung um 3dB gesunken ist Aufgrund der Steigung v eff ω 1 wächst die Bandbreite ω Gr durch die externe Gegenkopplung indirekt proportional zur Gesamtverstärkung v Damit bleibt das Verstärkungs-Bandbreite Produkt ω T = vω Gr = const = v 0 ω 3dB ω T wird auch als Transitfrequenz bezeichnet: bei dieser Frequenz sinkt die Verstärkung von >1 auf <1 Die Verstärkung v(ω) verhält sich analog zur Übertragungsfunktion eines Tiefpass-Filters 833 Stabilität Jeder Verstärker hat eine endliche Bandbreite, dh die Verstärkung geht mit zunehmender Frequenz zurück Gleichzeitig ändert sich die Phase mit der Frequenz Häufig entspricht das Verhalten dem eines linearen Tiefpasses Wie wir gesehen haben, nimmt bei einem Tiefpass die Phase von 0 über π/4 bei der Grenzfrequenz (-3 db Verstärkung) auf π/2 ab Bei einem Tiefpass n-ter Ordnung multiplizieen sich die Verstärkungsfaktoren und die Phasenverschiebungen addierem sich Damit wächst die Phase ϕ auf bis zu n( 90 ) Ein Problem entsteht, wenn diese Phasenverschiebung größer wird als ϕ = 180 : dann wird aus der Gegen- eine Mitkopplung und das System wird instabil Dies wird ersichtlich aus v = v κv 0 : Die rechte Seite divergiert für κv 0 = v S = 1 Ein stabilier, schwingungsfreier Betrieb ist nur möglich wenn die Phase kleiner als π bleibt so lange v S > 1 Instabilitäten können aber auch für kleinere Phasenverschiebungen auftreten, sofern die Verstärkung hoch genug ist Die Phase muss genügend weit von 180 Grad entfernt sein; man spricht von der Phasenreserve ϕ res = 180 ϕ Da ia κ komplex ist, kann Instabilität auch für ϕ < 180 auftreten, falls v s 1 Aus Stabilitätsgründen haben sie eine eingebaute Begrenzung, welche durch die künstliche Miller- Kapazität im Zwischenverstärker bestimmt wird Dieser künstliche Tiefpass wird so eingestellt, dass er über die anderen Tiefpässe dominiert Damit ähnelt das Verhalten des Gesamt-Verstärkers dem eines einstufigen Verstärkers: dort ist die Phasenverzögerung 90 und damit immer stabil 94
9 3dB Bandbreite bei f 3dB A D = v U = Spannungsverstärkung f 1,2,3 Grenzfrequenzen der Einzelstufen v U,0 v U Abbildung 821: Miller-Kapazität im Zwischenverstärker v U /db f 3dB Frequenzgangkorrektur Abbildung 823: Bode-Diagramm mit und ohne Frequenzgang-Korrektur f T ϕ U Abbildung 824: Einfluss der Phasenreserve auf das zeitliche Verhalten (links) und den Frequenzgang (rechts) Abbildung 822: Frequenzgang nach Korrektur durch Miller-Kapzität Um diese Stabilitätsbedingung einzuhalten wird die künstliche Miller-Kapazität in den Zwischenverstärker eingebaut Er sorgt für ein Tiefpassverhalten 1 Ordnung, v U f 1 und damit für Stabilität bis f f T Die Transitfrequenz f T ergibt sich aus dem Verstärkung-Bandbreitenprodukt, f T = v U,0 f 3dB Abb 823 vergleicht den Frequenz- und Phasengang mit und ohne Korrektur Beim korrigierten System sinkt die Verstärkung unter 1 bevor die Phase den Wert von -180 Grad erreicht Abb 824 zeigt den Einfluss der Phasenreserve auf das Einschwingverhalten (links) und auf den Frequenzgang (rechts) Bei einer Phasenreserve von 0 erhält man eine ungedämpfte Schwingung Für Phasenreserven < 65 resultiert eine gedämpfte Schwingung 65 entspricht der optimalen Phasenreserve, wo das System am schnellsten den stationären Zustand erreicht Bei 90 kriecht das System 834 Korrektur des Eingangsruhestroms Die Eingangsströme I + und I von realen OPs sind zwar sehr klein, aber = 0 Diesen Fehler kann man korrigieren, indem man die Schaltung durch 2 Widerstände und R 3 erweitert, wie in Abb 825 gezeigt Bisher hatten wir R 3 = 0 und damit U 3 = 0 angenommen Berücksichtigen wir jetzt die Eingangsströme I ±, so gilt am Knoten vor dem negativen Eingang I 1 + I 2 + I = 0, 95
10 Abbildung 825: Korrektur für endliche Eingangsströme dh oder U e U 3 + U a U 3 R 2 + I = 0 U a = R 2 U e +U 3 (1 + R 2 ) I R 2 Abbildung 826: Invertierender Komparator: Schaltung (links) und Ausgangsspannung als Funktion der Eingangsspannung (rechts) Hier erzeugt der OP jeweils das maixmale oder minimale Ausgangssignal, je nachdem ob das Eingangssignal größer oder kleiner ist als ein eingestellter Vergleichswert Wird das Eingangssignal auf den invertierenden Eingang gelegt, so erhält man einen invertierenden Komparator und umgekehrt Der erste Term ist unbhängig von den Eingangsströmen und entspricht der gewünschten Größe Die Summe aus dem zweiten und dem dritten Term sollte verschwinden Mit U 3 = I + R 3 lautet die Bedingung I + R 3 (1 + R 2 ) I R 2 = 0 U 3 entspricht dem Potenzial des nicht-invertierenden Eingangs, welcher durch den nicht verschwindenden Strom I + über dem Widerstand R 3 entsteht Wir setzen hier voraus, dass die beiden Eingangsströme gleich sind, I + = I (Abweichungen davon führen zu weiteren Fehlern) Dann muss R 3 = R 2 + R 2 = R 2 dh der Widerstand R 3 muss gleich dem Widerstand der parallel geschalteten Widerstände und R 2 sein, damit der Einfluss des Eingangsstroms verschwindet 84 Weitere Anwendungen 841 Komparator Der Komparator ist einer der wenigen Anwendungen, bei dem ein OP keine Rückkopplung benötigt Abbildung 827: Nichtinvertierender Komparator: Analoges Eingangssignal (oben) vs binäres Ausgangssignal (unten) Dadurch wird ein analoges Eingangssignal in ein digitales umgewandelt Die Referenzspannung U re f kann zb über ein Potenziometer eingestellt werden 842 Schmitt-Trigger Der Schmitt-Trigger wurde von Otto H Schmitt 1938 entwickelt und entspricht einem Komparator mit Hysterese Beim invertierenden Schmitt-Trigger wird das Eingangssignal auf den invertierenden Eingang des OPs gelegt und eine positive Rückkopplung (=Mitkopplung) geschaltet, so dass der Ausgang immer auf positiver oder negativer Maximalspannung liegt Durch 96
11 Abbildung 828: Invertierender Schmitt-Trigger: Schaltung (links) und Ausgangsspannung als Funktion der Eingangsspannung (rechts) die Mitkopplung erhält man Abbildung 830: Nichtinvertierender Trigger Schmitt- Beim nichtinvertierenden Schmitt-Trigger wird das Eingangssignal, zusätzlich zur Rückkopplung, auf den positiven Eingang gelegt, während der negative Eingang auf Masse gelegt wird U re f = U a + R 2 Ist U a =+U a,max und liegt das Eingangssignal unterhalb dieser Referenzspannung, so bleibt die Ausgangsspannung stabil Steigt die Eingangsspanung über die Referenzspannung, so schaltet der Ausgang auf U a,min Dies geschieht bei der Ausschaltschwelle U e,aus = U a,max + R 2 Bei höheren Eingangsspannungen bleibt das System stabil Danach muss die Eingangsspannung unterhalb der Einschaltschwelle U e,ein = U a,min + R 2 absinken, damit der Ausgang wieder auf die positive Maximalspannung springt Abbildung 831: Signal-Digitalisierung mit Schmitt- Trigger (oben) und Komparator (unten) 843 Spitzenwertdetektor Abbildung 832: Prinzip eines Spitzenwertdetektors Abbildung 829: Invertierender Schmitt-Trigger: Sinusförmiges Eingangssignal und rechteckförmiges Ausgangssignal Voraussetzung für ein sauberes Umschalten ist eine genügend hohe Schleifen-Verstärkung v S = κv 0 = v 0 + R 2 1 Ein Spitzenwertdetektor kann prinzipiell aus einer Diode und einem Kondensator gebaut werden: Sofern U e > 0 lädt der Strom den Kondensator auf Der Strom hört auf zu fließen wenn die Spannung unter die Spannung am Kondensator fällt Allerdings fällt über der Diode auch eine Spannung U D 0,60,7 V ab; dies reduziert die Anwendungsmöglichkeiten drastisch Dies kann korrigiert werden, wenn wir einen Operationsverstärker verwenden In diesem Fall wird die 97
12 S s&h Abbildung 833: Version eines Spitzendetektors auf der Basis eines Operationsverstärkers S = zb MOSFET geschlossen: sample offen: hold Kondensatorspannung auf den invertierenden Eingang des OPs gelegt Ist U e > U C, so ist die Ausgangsspannung des OPs positiv (im Idealfall gleich der Maximalspannung) und die Diode leitet Der Kondensator wird somit aufgeladen, bis die Eingangsspannung U e erreicht wird Sinkt die Eingangsspannung unter die gespeicherte Maximalspannung, so wird der Ausgang des OPs negativ, aber jetzt sperrt die Diode, die Spannung bleibt auf dem Kondensator erhalten Abbildung 835: Spitzendetektors ohne Diode, mit Komparator und Schalter ein Komparator das Eingangssignal mit dem gespeicherten Maximalsignal vergleicht und je nach Resultat des Vergleichs den Schalter freigibt, welcher die Aufladung kontrolliert 844 Idealer Einweg-Gleichrichter OV1 großer Ausgangsstrom: Aufladung von C sehr schnell T OV2 großer Eingangswiderstand: kaum Entladung von C Auf der gleichen Basis kann man auch einen Gleichrichter bauen, der beim Nulldurchgang keine Artefakte aufweist: die Ausgangsspannung des OPs liegt weit oberhalb der Dioden-Spannungen Diode leitet (= fungiert als geschlossener Schalter) Abbildung 834: Realistische Version eines Spitzendetektors incl Taster zur Entladung / Zurücksetzung Bei einer praktischen Implementation (siehe Abb 834) fügt man noch einen Widerstand zur Strombegrenzung hinzu, sowie einen Taster, der das Entladen und Zurücksetzen des Kondensators gestattet Der zweite OP dient als Spannungsfolger: Er verhindert, dass der Kondensator durch die Messung der Spannung entladen wird Man kann auf die Diode auch verzichten, zb indem Abbildung 836: Gleichrichter ohne Artefakte beim Nulldurchgang Wir diskutieren hier den Fall = R 2 : damit erhält man einen invertierenden Einweg-Gleichrichter 98
13 Liegt ein positives Eingangssignal am invertierenden Eingang an, so geht der Ausgangs negativ bis U 0 = U D wird: ab hier leitet die untere Diode, so dass die Spannung am OP auf 0 fällt Die obere Diode ist dann in Sperrichtung geschaltet, und die Ausgangsspannung der Schaltung ist U a = 0, wobei R 2 eine Ausgangsimpedanz darstellt Liegt eine negative Eingangsspannung an, so geht der Ausgang des OPs positiv Der OP erreicht ein Gleichgewicht wenn die Spannung am invertierenden Eingang verschwindet, dh wenn U a = U e R 2 = U e Die Ausgangsspannung des OPs ist dann um U D höher, dh um die Diodenspannung, welche über D 1 abfällt Somit ist die Eingangsimpedanz Z e = U e I e = Z 1Z 3 Z 2 Für Z 2 = Z 3 = R und Z 1 = 1 iωc erhalten wir 1 Z e = Z 1 = i ωc Dies entspricht einer Induktivität Für die Stabilität ist zu beachten, dass die Schaltung eine Gegen- und eine Mitkoppluing enthält Sie ist dann stabil, wenn die Gegenkopplung stärker ist Für Z 2 = Z 3 muss der Innenwiderstand der Quelle < Z 1 sein Die Phasendrehung ist die gleiche wie bei einer Spule, aber der Frequenzgang nicht (ω erscheint im Nenner von Z e ) Der Frequenzgang kann ebenfalls dem einer Spule angeglichen werden, indem ein zweiter OP verwendet wird Man erhält den Gyrator 845 Negative Impedanzkonverter Diese Schaltungen können zb eingesetzt werden, um in aktiven Filtern Spulen zu ersetzen, welche für niedrige Frequenzen sehr groß werden können Die Idee ist hier, die Impedanz zu invertieren, Z Z, dh zb Kondensatoren in effektive Induktivitäten umzuwandeln und umgekehrt 846 Gyrator Der Gyrator ist eine Phasendreh-Schaltung Abbildung 837: Negativer Impedanzkonverter Für einen idealen OP ist U e = U + = U = Z 1 Z 1 + Z 2 U a, wie beim nicht-invertierenden Verstärker Der Strom durch Z 3 ist I e = U e U a Z 3 = 1 Z 3 U e (1 Z 1 + Z 2 Z 1 )= U e Z 2 Z 1 Z 3 Abbildung 838: Gyrator Er besteht aus 2 OPs und 5 Impedanzen Z i Für dieale OPs ist I 2 = I 3 I 4 = I 5 I 1 = I e Im Gleichgewicht müssen die Spannungsdifferenzen an den Eingängen verschwinden: U d1 = U 1+ U = 0 I 1 Z 1 + I 2 Z 2 = 0 99
14 U d2 = U 12+ U = 0 I 4 Z 4 + I 3 Z 3 = 0 Wir dividieren I 4 I 1 = I 3 I 2 Z 3 Z 1 Z 2 Z 4 = Z 3Z 1 Z 2 Z 4 Auf Grund der verschwindenden Spannungsdifferenzen an den OPs gilt U e = U 1+ = U = U 2+ = I 5 Z 5 Damit wird die Eingangsimpedanz Z e = U e I e = I 4Z 5 I 1 = Z 1Z 3 Z 5 Z 2 Z 4 Wir wählen Z 1 = Z 2 = Z 3 = Z 5 = R g, Z 4 = 1 iωc und erhalten Z e = R2 g Z 4 = iωcr 2 g = iωl g Die synthetische Induktivität L g = CR 2 g kann zb 1 µf(10kω) 2 = 100 H sein Dies wäre nur mit sehr langen Drähten und entsprechend hohen Verlusten erreichbar Alternativ können wir Z 1 = Z 2 = Z 3 =,Z 4 = nr, Z 5 = 1 iωc wählen und erhalten Z e = 1 iωnc eine künstlich vergrößerte Kapazität nc Dies ist zb nützlich in aktiven Filtern Weitere Anwendungen sind zb in Tietze-Schenk, Kap beschrieben 100
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