Name des Referenten 1
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- Rudolph Vogel
- vor 9 Jahren
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1 1 Name des Referenten
2 Es gibt außer dem Wetter kein Thema, über das so uninformiert gesprochen wird wie über die Darmfunktion 2 W. Grant Thompson, 1984
3 1 2 3
4 4 1
5 Definition in Evolution: Manning Kruis Rome I Rome II Rome III 2006 Rome III: Recurrent abdominal pain or discomfort three days per month associated with two or more of 1. Improvement with defecation 2. Onset associated with a change in frequency of stool 3. Onset associated with a change in form of stool 5 ACG IBS Task Force, Am J Gastroenterol 2009
6 Bauchschmerzen + Stuhlveränderungen bei RDS! Diarrhoetyp (D)! Obstipationstyp (C)! Gemischter Typ (M)! Alternierend (A) Wechselnd Obstipation Weder-noch Diarrhoe 6 ACG IBS Task Force, Am J Gastroenterol 2009
7 Drei Kriterien müssen erfüllt sein:! Chronische Beschwerden (>3 Monate), die von Patient und Arzt auf den Darm bezogen werden und in der Regel mit Stuhlgangsveränderungen einhergehen.! Der Patient sucht wegen der Beschwerden Hilfe und wird durch die Beschwerden in seiner Lebensqualität relevant beeinträchtigt.! Es liegt keine andere Krankheit als Ursache der Beschwerden vor. 7 Hotz et al, Z Gastroenterol 1999 Layer et al, Z Gastroenterol 2011 (S3-Leitlinie)
8 Dyspepsie RDS Reflux 8
9 ! Konsequenzen der neuen Definition des RDS! Stuhlgangsveränderungen sind nicht (mehr) obligat! Koloskopie und gynäkologische Untersuchung sind zur Diagnosesicherung erforderlich 9 Layer et al, Z Gastroenterol 2011 (S3-Leitlinie)
10 ! Inzidenz und Prävalenz sind variabel, definitionsabhängig und werden von zahlreichen Faktoren beeinflusst.! Das RDS tritt häufiger bei Frauen auf.! Das RDS verursacht erhebliche direkte und indirekte Kosten (ca Euro/Jahr/Patient)! Das RDS ist gehäuft mit somatoformen und psychischen Störungen assoziiert 10 Müller-Lissner et al, Eur J Gastroenterol 2002 Layer et al, Z Gastroenterol 2011 (S3-Leitlinie)
11 Frauen Männer 11 Talley et al, 1992
12 ! Deutsche Bevölkerung:! Bauchschmerzen: 11% in letzter Woche! Blähungen: 13% in letzter Woche! 30-50% der Menschen mit anhaltenden Bauchbeschwerden suchen einen Arzt auf.! ca. 50% dieser Patienten haben eine funktionelle Störung. 12 Häuser et al, Dtsch Arztebl 2012
13 Angaben in % USA 1 Deutschland 2 (Essen) Dyspepsie 25,8 29,5 Reizdarmsyndrom 19,5 1 Talley et al, Gastroenterology Holtmann et al, Eur J Gastroenterol Hepatol 1994
14 14 2
15 ! Die Diagnostik und Therapie des RDS wird als schwierig und frustran angesehen.! Ängste, eine schwerwiegende, somatische Krankheit zu übersehen führen zu umfangreicher und wiederholter Ausschlussdiagnostik.! Oft werden Verlegenheitsdiagnosen gestellt (z.b. Colon elongatum, Candida-Hypersensitivitätssyndrom) 15 Häuser et al, Dtsch Arztebl 2012
16 Für die Diagnosesicherung sollten grundsätzlich zwei Komponenten erfüllt sein: 1. Anamnese, Muster und Ausmaß der Beschwerden sind mit einem RDS vereinbar. 2. Die Sicherung des RDS erfordert den (symptomabhängig gezielten) Ausschluss relevanter Differentialdiagnosen. 16 Layer et al, Z Gastroenterol 2011 (S3-Leitlinie)
17 ! Ausführliche Anamnese! Körperliche Untersuchung - inklusiver rektaler Untersuchung! Basislabor! Ultraschall des Abdomens! Gynäkologische Untersuchung bei Frauen! Psychosoziales Screening 17 Häuser et al, Dtsch Arztebl 2012
18 Generell empfohlen! Blutbild! BSG/CRP! Urinstatus 18
19 ! Serumelektrolyte, Nierenretentionswerte, Leber-, Pankreasenzyme, TSH basal, Blutzucker/HBA1c! Stuhl-Mikrobiologie (v.a. bei Diarrhoe)! Zöliakie-Antikörper (Transglutaminase-AK, Gesamt IgA)! Im Einzelfall: Calprotectin A/Lactoferrin im Stuhl 19 Layer et al, Z Gastroenterol 2011 (S3-Leitlinie) Häuser et al, Dtsch Arztebl 2012
20 Leitsymptom Diarrhoe:! Erweiterte Erregerdiagnostik im Stuhl (z.b. Lamblien, Wurmeier)! Ileokoloskopie mit Stufenbiopsien! ÖGD mit Duodenalbiopsien! Laktose-, Fruktose-, Sorbit-H 2 -Atemtest! Probatorische Therapie mit Cholestyramin bei Verdacht auf Gallensäureverlustsyndroms 20 Layer et al, Z Gastroenterol 2011 (S3-Leitlinie) Häuser et al, Dtsch Arztebl 2012
21 352 Patienten mit Diarrhoe Basis- und erweiterte Diagnostik Keine spezifische Diagnose bei 18% der Patienten Spezielle Diagnostik Kausale Therapie bei 96% der Patienten möglich Reizdarm bei 3,6% 21 Fernandez-Banares et al, Am J Gastroenterol 2007
22 ! Leitsymptom schwere Obstipation! Kolontransitzeitbestimmung, z.b. (modifizierter) HINTON-Test! Defäkographie (MR)! Anorektale Manometrie 22
23 ! Leitsymptom Blähungen! Glukose-H 2 -Atemtest! Laktose-, Fruktose-, Sorbit H 2 -Atemtest 23
24 ! IgG auf Nahrungsmittelallergene! Quantitative Parameter der Stuhlflora (z.b. Darm-Ökogramm )! Die humane Darmflora besteht zu >99% aus Anaerobiern, die nicht verlässlich erfasst werden können! Es gibt keine Daten, die belegen, dass das Spektrum der im Darm-Ökogramm gefundenen Aerobier die Symptome eines RDS bedingen. 24 Layer et al, Z Gastroenterol 2011 (S3-Leitlinie)
25 ! Patientencharakteristika: Leitsymptom Durchfall, Fieber, Blut im Stuhl, Gewichtsverlust, nächtliche Symptome, familiäre Dickdarmkrebsbelastung, Erstmanifestation nach dem 50. Lebensjahr, kurze Anamnese, progrediente Symptomatik! Laborcharakteristika: Anämie, Entzündungszeichen 25 Häuser et al, Dtsch Arztebl 2012
26 ! Eine möglichst frühe Sicherung der Diagnose bzw. ein möglichst verlässlicher Ausschluss relevanter Differentialdiagnosen sollte angestrebt werden.! Wenn nach sorgfältiger initialer Diagnosestellung im weiteren Verlauf keine neuen Aspekte auftreten, sollte eine erneute Diagnostik im weiteren Management vermieden werden. 26 Layer et al, Z Gastroenterol 2011 (S3-Leitlinie)
27 27 Diagnostischer Algorithmus
28 Chronische Symptome (>3 Mo.) Einzeln oder kombiniert: Schmerz Blähungen Obstipation - Diarrhoe Anamnese, klinische Untersuchung Labor, Abdomensonographie gyn. Untersuchung 28
29 Chronische Symptome (>3 Mo.) Einzeln oder kombiniert: Schmerz Blähungen Obstipation - Diarrhoe Anamnese, klinische Untersuchung Labor, Abdomensonographie gyn. Untersuchung Pathologischer Befund unauffällig Diarrhoe Keine Diarrhoe Umfassende Diagnostik inkl. Koloskopie 29
30 Chronische Symptome (>3 Mo.) Einzeln oder kombiniert: Schmerz Blähungen Obstipation - Diarrhoe Anamnese, klinische Untersuchung Labor, Abdomensonographie gyn. Untersuchung Pathologischer Befund unauffällig Diarrhoe Keine Diarrhoe Symptome: Schwere, Dauer, Dynamik Patient: Alter, Persönlichkeit, Besorgnisgrad Umfassende Diagnostik inkl. Koloskopie Diagnostik (einschl. Koloskopie) Symptomatische Therapie Keine pathologischen Befunde Endoskopisch-bioptisch normales Colon Versagen 30 beinhaltet auch Überweisung an andere Fachkollegen (z.b. Psychosomatiker)
31 31 Differentialdiagnosen
32 Ovarialkarzinom! Populationsbasierte Fallkontrollstudie: Ovarial-Ca n=212 vs gematchte Kontrollen! 80-90% der betroffenen Patientinnen haben typische Reizdarmsymptome vor Diagnosestellung 32 Zeit in Wochen Hamilton et al, BMJ 2009
33 Kolonkarzinom: Populationsbasierte Fallkontrollstudie: RDS (klinisch) n=2.956 vs. ~ Kontrollen Follow-up bis 5 Jahre 12 Monate Es zeigt sich ein signifikant erhöhtes kolorektales Karzinomrisiko innerhalb der ersten Jahres nach RDS-Diagnose 33 Garcia Rodriguez et al, Scand J Gastroenterol 2000
34 ! Kolonkarzinom! Dänische Populationsstudie ( ) Patienten mit Erstdiagnose RDS und Langzeit-Follow-up Darmkrebsrisiko global: Kolonkarzinome: SIR 1,14 (1,03-1,25) Rektumkarzinome: SIR 0,67 (0,52-0,85) In den ersten 3 Monaten: Kolonkarzinome: SIR 8,42 (6,48-10,75) Rektumkarzinome: SIR 4,81 (2,85-7,60) 34 SIR: Standardized Incidence Ratio Norgaard et al, Br J Cancer 2011
35 Morbus Crohn Populationsbasierte Fallkontrollstudie: RDS (Neudiagnose) n=2.956 vs. ~ Kontrollen (matched controls) Follow-up bis 5 Jahre Patienten mit RDS haben im Vergleich zur Normalpopulation ein 20fach erhöhtes Risiko im Verlauf an Morbus Crohn zu erkranken 35 Garcia Rodriguez et al, Scand J Gastroenterol 2000
36 Zöliakie 36 Ford et al, Arch Int Med 2009 Verdu et al, Am J Gastroenterol 2009
37 ! Gallensäuremalabsorption (GSM)! Die idiopathische GSM ist eine Ursache der chronischen Diarrhoe.! 10% aller Patienten haben eine schwere GSM.! Die Ansprechraten auf Cholestyramin sind hoch (70-90%) und sind abhängig vom Grad der GSM.! Eine probatorische Therapie mit Gallensaeurebindner (z.b. Cholestyramin) bei RDS erscheint gerechtfertigt.! Ein promptes Therapieansprechen spricht für ein GSM. 37 Wedlake et al, Aliment Pharmacol Ther 2009
38 Bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarms (SIBO)! Ähnliche Symptome wie bei RDS:! Diarrhoe! Abdominelle Schmerzen! Blähungen! Flatulenz 38
39 Bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarms (SIBO)! Dünndarmstase! z.b. Motilitätsstörung (Sklerodermie, Diabetes mellitus), Dünndarmdivertikel, Stenosen! Operationsfolgen! z.b. BII-Resektion, Enteroanastomosen, Ileocoecalresektion! IgA-Mangel! Hypo- / Achlorhydrie (z.b. PPI-Therapie) 39
40 40
41 Nahrungsmittelunverträglichkeit 41 1% Histaminintoleranz
42 ! Pathomechanismus:! Laktasemangel führt zur verminderten Laktose-Spaltung. Milchzucker wird weniger resorbiert und gelangt in tiefere Darmabschnitte und führt zu Symptomen.! Ursachen:! Late onset: autosomal-rezessiv! Entwicklungsbedingt: Frühgeborene! Primär: angeboren, selten! Sekundär: Folge anderer Erkrankungen 42
43 Lactase-Mangel: 70% der Weltbevölkerung 43 Mißbichler & Pfisterer 2009
44 ! Laktose-Atemtest! Kontraindikation: Galaktosämie! Vorbereitung: keine Antibiose, keine Darmlavage, keine schwer resorbierbaren KH! Durchführung:! 50 G Laktose in 500 ml H 2 O! Messung alle 30 Min. über 3h (oder bis signifikanter Anstieg)! Beschwerden notieren! Anstieg >20 ppm + Symptome = Laktoseintoleranz 44 delta H 2, ppm" 100" 80" 60" 40" 20" 0" Blähungen, Schmerzen, Diarrhoe Oberer Normalwert 0" 60" 120" 180" Zeit, min" Keller et al, Z Gastroenterol 2005
45 ! Die Laktoseintoleranz ist ein reales und klinisch bedeutendes Syndrom, die wahre Prävalenz ist aber unbekannt.! Viele Patienten mit Laktosemalabsorption haben keine Laktoseintoleranz und vice versa.! Die meisten Patienten vertragen Gramm Laktose (1 Tasse Milch) pro Tag.! Alternative Therapieformen (z.b. Laktose-reduzierte Milch, Laktase-Präparate, Probiotika, Antibiotika) sind ohne gesicherte Wirkung. 45 Suchy et al, Ann Intern Med 2010 (NIH Consensus Conference) Shaucat et al, Ann Intern Med 2010 (NIH Consensus Conference)
46 ! Hereditäre Fructoseintoleranz (selten)! Genetischer Defekt: Aldolase-B-Mangel! Fructose-Unverträglichkeit (häufig)! Symptome: Diarrhoe, Schmerzen, Meteorismus nach Zufuhr von Obst und Säften! Ursache: relativer oder absoluter Mangel an Fructose- Transporterprotein (GLUT-5)! Prävalenz: unklar! Diagnostik: H 2 -Atemtest 46 Keller et al, Z Gastroenterol 2005
47 ! Symptome: Diarrhoe, Schmerzen, Meteorismus nach Zufuhr von Sorbit (z.b. getrocknetes Obst, Kaugummis, Diabetikernahrung)! Cave bei Patienten mit Fructose-Unverträglichkeit: Sorbit wird in Fructose umgewandelt! Ursache: Störung des Polyolweges der Dünndarmschleimhaut.! Prävalenz: unklar! Diagnostik: H 2 -Atemtest 47 Keller et al, Z Gastroenterol 2005
48 ! Ungleichgewicht zwischen anfallendem Histamin und Histaminabbau! durch Mangel oder Hemmung der Histamin abbauenden Enzyme (DAO = Diaminooxidase, Histamin-N-Methyltransferase)! Ursachen! verminderte Produktion der DAO durch Schädigung der Enterozyten! kompetitive Hemmung der DAO durch biogene Amine, Alkohol und Medikamente! Genpolymorphismen 48 Keller et al, Z Gastroenterol 2005
49 ! Anamnese Ernährung, Medikamente, Alkohol, Vorerkrankungen! Bluttest (vor und nach histaminfreier Diät)! Histaminspiegel! Diaminoxidase-Aktivität! Vitamin-B6-Spiegel! Therapie:! Histaminfreie Diät! Optional: Antihistaminika, Cromoglycinsäure 49 Keller et al, Z Gastroenterol 2005
50 ! Das RDS ist häufig und betrifft mehr als 10% der erwachsenen Bevölkerung.! Es sollte initial eine sichere Diagnose angestrebt werden.! Die Diagnostik erfolgt symptomabhängig nach einem klaren Algorithmus und schließt alle wichtigen Differentialdiagnosen mit ein.! Nach Diagnosesicherung sind weitere und wiederholte diagnostische Maßnahmen zu vermeiden. 50
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