11. Quantenchemische Methoden

Ähnliche Dokumente
Quantenchemie WS 2008/2009 Zusammenfassung 1. Teil

Einführung in die Computerchemie

10. Innere Koordinaten/Kraftfelder

Ein Lehrbuch für Studierende der Chemie im 2. Studienabschnitt

Da Atome viele ununterscheidbare Elektronen besitzen, sind ihre Zustände durch interelektronische Coulomb- und Austausch-Wechselwirkungen bestimmt.

: Quantenmechanische Lösung H + 2. Molekülion und. Aufstellen der Schrödingergleichung für das H + 2

12. Potentialflächen und Optimierung

TC1 Grundlagen der Theoretischen Chemie

Das H + 2 -Molekülion

TC1 Grundlagen der Theoretischen Chemie

Chemische Bindung zweiatomiger Moleküle

VL 21 VL Periodensystem VL Röntgenstrahlung VL Homonukleare Moleküle VL Heteronukleare Moleküle

Theoretische Chemie / Computerchemie

Übungen zur Vorlesung Theoretische Chemie II Übungsblatt 1 SoSe 2015 Lösungen Ĥ Ψ = E Ψ (1) c b

In der Quantenchemie versteht man unter core oder deutsch Rumpf den Kern inklusive

Grundlagen der Theoretischen Chemie (TC 1)

Physikalische Chemie I SS 2018

Übungen zur Vorlesung Physikalische Chemie II Lösungsvorschlag zu Blatt 5

Theoretische Chemie (TC II) Computational Chemistry

Eine Basis dient der Darstellung eines komplizierten Sachverhaltes aufbauend auf einfacheren

ORGANISCHE CHEMIE 1. Stoff der 15. Vorlesung: Atommodell, Bindungsmodell...

Theoretische Chemie (TC II) Computational Chemistry

3.7. Coulomb-Loch und FERMI-Loch Eigenschaften der Slater-Determinante: antisymmetrisches Produkt von Einelektronenfunktionen ( )" 2.

Atom-, Molekül- und Festkörperphysik

Einführung in die numerische Quantenchemie

Einführung in das Molecular Modelling

Aufgabe 1: Wellenfunktion und Aufenthaltswahrscheinlichkeit

Lösung 14. Allgemeine Chemie II Frühjahrsemester 2013

Elektronenstrukturrechungen

Atome - Moleküle - Kerne

Vorlesung 20+21: Folien auf dem Web:

Molekülphysik und Quantenchemie

ν und λ ausgedrückt in Energie E und Impuls p

Theoretical Biophysics - Quantum Theory and Molecular Dynamics. 3. Vorlesung. Pawel Romanczuk WS 2017/18

Die Hartree-Fock-Methode

Wiederholung der letzten Vorlesungsstunde:

Inhalt der Vorlesung PC 1b/ PC 2

Ausarbeitung zum Theoretischen Seminar

Das Bohrsche Atommodell

Die Schrödingergleichung

9 WOODWARD-HOFFMANN-REGELN 92

Das Hartree-Fock-Verfahren

Festkörperelektronik 3. Übung

Molekülphysik und Quantenchemie

Protokoll Physikalisch-Chemisches Praktikum für Fortgeschrittene

7. Elektronendynamik

10. Das Wasserstoff-Atom Das Spektrum des Wasserstoff-Atoms. im Bohr-Modell:

Vertiefende Theoretische Chemie Übungen

2. Elementare Stöchiometrie I Definition und Gesetze, Molbegriff, Konzentrationseinheiten

Theoretische Physik 5: Quantenmechanik II

9. Moleküle. 9.1 Wasserstoff-Molekül Ion H Wasserstoff-Molekül H Schwerere Moleküle 9.4 Angeregte Moleküle. Physik IV SS

Theoretical Biophysics - Quantum Theory and Molecular Dynamics. 10. Vorlesung. Pawel Romanczuk WS 2016/17

Quasi-exakt lösbare quantenmechanische Potentiale

7.3 Der quantenmechanische Formalismus

Lösung der zeitunabhängigen Schrödingergleichung. Ansatz : Entwicklung in Basisfunktionen - Prinzip analog zur Taylor- oder Fourierreihe

TC1 Grundlagen der Theoretischen Chemie

Quantenmechanik. Walter Greiner. Teill. Theoretische Physik. Ein Lehr- und Übungsbuch. Verlag Harri Deutsch. Band 4

Elektronenstrukturrechnungen an Molekülen

Das quantenmechanische Atommodell

Übungen zur Vorlesung Physikalische Chemie 2 (B. Sc.) Lösungsvorschlag zu Blatt 12

Aufgabe 2: Quantenmechanisches Modell für pseudolineare Polyene

Theoretische Chemie (TC II) Computational Chemistry

2. Linear Combination of Atomic Orbitals

TC1 Grundlagen der Theoretischen Chemie

Die Gutzwiller sche Spurformel. Tobias Dollinger

Theoretische Chemie (TC II) Computational Chemistry

Hartree-Fock basierte Methoden

Dr. Jan Friedrich Nr

Moleküle. Zweiatomige Moleküle: H 2+

ORGANISCHE CHEMIE 1. Stoff der 16. Vorlesung: Hybridisierung, Hückel-MO...

Die Erwartungswerte von Operatoren sind gegeben durch. (x, t)a (x, t) =h A i

Was sind Quantenobjekte?

Atom-, Molekül- und Festkörperphysik

Wiederholung der letzten Vorlesungsstunde:

MOLECULAR MODELLING. c Michael Springborg, May 10, 2014 Physikalische und Theoretische Chemie Universität des Saarlandes Saarbrücken

Übungen zu Physik 2 für Maschinenwesen

Klausur zur Vorlesung Physikalische Chemie II: Aufbau der Materie / Kinetik

Organische Chemie. Kapitel 1. Organic Chemistry 4 th Edition Paula Yurkanis Bruice. Organische Verbindungen enthalten Kohlenstoff

Quantentheorie der Moleküle

Das H + 2 -Molekül. Das Wasserstoffmolekülion H + 2 ist das einfachste

3.1 Die Born-Oppenheimer-Näherung

Inhaltsverzeichnis. 0 Einleitung... 1

Transkript:

Computeranwendung in der Chemie Informatik für Chemiker(innen) 11. Quantenchemische Methoden Jens Döbler 2004 "Computer in der Chemie", WS 2003-04, Humboldt-Universität VL11 Folie 1

Grundlagen Moleküle können als System aus Atomkernen und Elektronen physikalisch exakt beschrieben werden Mikroskopische Teilchen haben nichtklassisches Verhalten Für korrekte Beschreibung quantenmechanische Behandlung notwendig Jens Döbler 2004 "Computer in der Chemie", WS 2003-04, Humboldt-Universität VL11 Folie 2

Schrödinger-Gleichung Quantenmechanische Effekte werden durch die Schrödingergleichung beschrieben H =E Stationäre (zeitunabhängige) Schrödingergleichung H : Hamilton Operator (potentielle und kinetische Energie) : Wellenfunktion Jens Döbler 2004 "Computer in der Chemie", WS 2003-04, Humboldt-Universität VL11 Folie 3

Schrödinger Gleichung Exakte Lösung nur für Wasserstoffatom möglich Näherungen Born-Oppenheimer-Näherung: Elektronenmasse viel kleiner als Kernmasse Abtrennung (Separation) der elektronischen Schrödingergleichung Jens Döbler 2004 "Computer in der Chemie", WS 2003-04, Humboldt-Universität VL11 Folie 4

Elektronische Schrödingergleichung N i=1 1 2 2 i N i=1 M A=1 Z A N r ia i=1 N i j 1 r ij =E Term für Elektron-Elektron-Wechselwirkung 1/r führt zu nicht lösbarer Gleichung Term fällt bei H-Atom weg, da nur ein Elektron Jens Döbler 2004 "Computer in der Chemie", WS 2003-04, Humboldt-Universität VL11 Folie 5

SCF Dr. Jens Döbler Hartree-Fock Methode Näherung für Elektron-Elektron-Wechselwirkung Jeweils Wechselwirkung von Elektron mit durchschnittlicher Elektronendichte der restlichen Elektronen Term 1/r wird durch Hartree-Fock Potential ersetzt Gleichung ist iterativ lösbar Methode ( self consistent field ) Jens Döbler 2004 "Computer in der Chemie", WS 2003-04, Humboldt-Universität VL11 Folie 6

Slater-Determinante LCAO Darstellung Dr. Jens Döbler Wellenfunktion Wellenfunktion wird als Kombination von Molekülorbitalen dargestellt Pauli-Prinzip Molekülorbitale werden als Linearkombinationen von Atomorbitalen berechenet Ansatz (linear combination of atomic orbitals) als lineares Gleichungssystem Jens Döbler 2004 "Computer in der Chemie", WS 2003-04, Humboldt-Universität VL11 Folie 7

Slater Gaussfunktionen GTO Radialteil Dr. Jens Döbler Orbitalbasis Atomorbitale bilden Basis für Molekülorbitale Exakte Berechnung möglich für Wasserstoffatom Übertragung auf andere Atome type orbitals (STO), Radialteil ~ e -x STO für Computerberechnungen ungünstig als Basis (Gaussian type orbitals) ~ e -x^2 Jens Döbler 2004 "Computer in der Chemie", WS 2003-04, Humboldt-Universität VL11 Folie 8

Roothan-Hall Gleichungen Formulierung der Näherung für Schrödingergleichung als lineares Gleichungssystem F: Fock-Matrix C: Molekülorbital-Koeffizenten (LCAO) S: Overlap-Matrix : Molekülorbitalenergien FC=SC Jens Döbler 2004 "Computer in der Chemie", WS 2003-04, Humboldt-Universität VL11 Folie 9

Fock Matrix F =H [ P 1 2 P ] : Zwei-Elektronen-Integrale = 1 1 1 r 2 2 d 1 d 2 0 0 12 Berechnung der Zwei-Elektronen-Integrale sehr rechenzeitintensiv Jens Döbler 2004 "Computer in der Chemie", WS 2003-04, Humboldt-Universität VL11 Folie 10

Nur Drei- Restliche Dr. Jens Döbler Semiempirische Methoden Elemente der Fock-Matrix werden nicht berechnet sondern durch Parameter angepaßt Beispiel: NDO Methoden (Neglect of differential Overlap) Berechnung von Valenzelektronen und Vierzentrenintegrale werden gleich Null gesetzt Integrale werden durch Parameter behandelt Jens Döbler 2004 "Computer in der Chemie", WS 2003-04, Humboldt-Universität VL11 Folie 11

Semiempirische Methoden Anpassung von Parametern an experimentelle Daten Spektroskopische Daten für Atome (Einzentren Integrale) Moleküleigenschaften z.b. Bildungswärmen Strukturen Schwingungsspektren Jens Döbler 2004 "Computer in der Chemie", WS 2003-04, Humboldt-Universität VL11 Folie 12

Semiempirische Methoden Beispiele: MNDO AM1 (Austin Model 1) PM3 (Parametric Model 3) Hohe Genauigkeit nur für Moleküle, die denen aus Parameteranpassung entsprechen Jens Döbler 2004 "Computer in der Chemie", WS 2003-04, Humboldt-Universität VL11 Folie 13

Konjugierte Schwingungsanalyse Dipol- Dr. Jens Döbler Vorteile quantenchemischer Methoden Berechnung von Wellenfunktion Elektronische Eigenschaften werden beschrieben, z. B. Reaktionen Doppelbindungen Moleküleigenschaften können als Erwartungswerte quantenmechanisch berechnet werden, z.b. (IR-Spektrum) bzw. Multipolmoment Jens Döbler 2004 "Computer in der Chemie", WS 2003-04, Humboldt-Universität VL11 Folie 14

Wechselwirkungen Wechselwirkungen Empirische Keine Dr. Jens Döbler Zusammenfassung Drei Klassen von Berechnungsmethoden: Empirische Methoden (Kraftfeld) zwischen Atomen empirisch Semiempirische Methoden zwischen Atomen quantenmechanisch Parameter für Integrale Ab initio Methoden Verwendung von empirischen Daten Jens Döbler 2004 "Computer in der Chemie", WS 2003-04, Humboldt-Universität VL11 Folie 15