BWA, G+V und Bilanzen richtig lesen. Osnabrücker Baubetriebstage Dr. Jörg Stalf Steuerberater und Wirtschaftsprüfer

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1 Fachhochschule Osnabrück University of Applied Sciences BWA, G+V und Bilanzen richtig lesen Dr. Jörg Stalf Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Duske, Becker & Sozien, Berlin Osnabrücker Baubetriebstage 2010 Die Seminarunterlagen sind urheberrechtlich geschützt. Vervielfältigung auch von Teilen ist ohne Genehmigung des Verfassers nicht zulässig.

2 FACHHOCHSCHULE OSNABRÜCK Osnabrücker Baubetriebstage 2010 "CONTROLLING IN DER BAUPRAXIS" BWA, G+V und Bilanzen richtig lesen Vortrag StB WP Dr. Jörg Stalf DUSKE, BECKER & SOZIEN 1

3 A. Auswertungen des Rechnungswesens B. Jahresabschluss hl und Jahresabschlussanalyse hl l 1. Erläuterung des Aufbaus einer Bilanz und der einzelnen Bilanzposten 2. Aufbau und Posten der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) 3. Anhang und ggf. Lagebericht C. Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) 1. Abgrenzung zur GuV 2. Zahlenfriedhof oder Grundlage der Unternehmenssteuerung? Für jeden Zweck die passende BWA 3. Typische Problemposten einer BWA 4. Anforderungen der Banken an eine gute BWA D. Exkurs: Unternehmensregister Diese Darstellung beinhaltet keinen rechtlichen Rat bzw. keine rechtliche Auskunft. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ist keinesfalls geeignet, die individuelle Beratung zu ersetzen. Wegen der Komplexität des Themas und des ständigen Wandels der Rechtsmaterie t ist jede Haftung und Gewähr ausgeschlossen. 2

4 Auswertungen des Rechnungswesens 3

5 Rechnungswesen Finanzbuchhaltung Betriebsbuchhaltung/ Kostenrechnung Lohnabrechnung Planrechnung Summen-und Saldenliste Chefübersicht Plan-BWA Kontennachweis ggf. Konsolidierung Liquiditätsplanung BWA Kostenträger/Kostenstellen Ertragsplanung 4

6 Jahresabschluss und Jahresabschlussanalyse hl l 5

7 Bilanz der Muster-GmbH zum Aktiva Passiva Anlagevermögen 100 Eigenkapital 150 Umlaufvermögen 1. Vorräte Forderungen und sonst. Rückstellungen 50 Vermögensgegenstände g g Kasse, Bank Verbindlichkeiten 1. Bank 100 (davon 1Jahr:50) 2. Übrige Verb. 200 Rechnungsabgrenzungsposten 10 (davon 1 Jahr: 200) 300 Bilanzsumme === === 6

8 GuV der Muster-GmbH für die Zeit vom 1.1. bis zum Umsatzerlöse Erhöhung des Bestands an unfertigen Erzeugnissen 70 Gesamtleistung sonstige betr. Erträge 50 Materialaufwand Personalaufwand Abschreibungen -100 übrige Aufwendungen (davon Zuführung Rückstellung: 50) Zinsaufwand -10 Ertragsteuern -20 Jahresüberschuss 30 ===== 7

9 Eigenkapit alquote = Eigenkapital Gesamtkapital x 100 Beispiel zur Musterbilanz : Eigenkapitalquote alquote der Muster - GmbH = 150 x 100 = 30 % 500 Mittelständische Unternehmen liegen bei einer durchschnittl. Eigenkapitalquote von 24,6%, kleinere Unternehmen ( 10 AK) bei durchschnittl. 17,9%. (Stand : 2007; Quelle: KfW - Mittelstandspanel ) 8

10 Anlagendeckung (%) = wirtschaftl. Eigenkapital + lang - /mittelfristiges Fremdkapital Anlagevermögen x 100 Beispiel zur Musterbilanz : Al Anlagendec kung der Muster - GmbH = x 100 = 200 % 100 Die Anlagendeckung g der Muster - GmbH beträgt 200%. Dies bedeutet, dass das lang - / mittelfristig gebundene Kapital das Anlagevermögen vollständig abdeckt und darüber hinaus auch noch teilweise zur Finanzierung des (kurzfristigen) Umlaufvermögens zur Verfü - gung steht. 9

11 Wirtschaftliches Eigenkapital I. Gezeichnetes Kapital*./. nicht eingeforderte ausstehende Einlagen II. Kapitalrücklage III. Gewinnrücklagen 1. gesetzliche Rücklagen 2. satzungsmäßige Rücklagen 3. andere Gewinnrücklagen IV. Gewinnvortrag/Verlustvortrag V. Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag = Bilanzielles Eigenkapital + Forderungen gegen Gesellschafter (soweit werthaltig)./. Verbindlichkeiten gegen Gesellschafter = Wirtschaftliches Eigenkapital * Mindern eigene Anteile das wirtschaftliche Eigenkapital? 10

12 Working Capital = Umlaufvermögen./. kurzfristige Verbindlichkeiten Beispiel zur Musterbilanz : Working Capital der Muster - GmbH = 390./. ( ) = 90 Ein positives Working Capital (W.C.) zeigt, dass ein Teil des "kurz - fristigen" Umlaufvermögens"langfristig" langfristig finanziert ist. Ein negatives W.C. bedeutet einen Verstoß gegen die allgemeine Finan - zierungsregel, langfristiges Vermögen nicht kurzfristig zu finanzieren. 11

13 Jahresüberschuss + / - Ab - /Zuschreibungen des Geschäftsjahres + / - Zuführung zu/auflösung von Rückstellungen = Cash - Flow I (Praktikerformel) + / außerordentliche Aufw./ao. Erträge - sonstige betriebliche Erträge = Cash - Flow II Beispiel zur Muster - GuV : Cash - Flow I = Cash - Flow II = = = 130 Der (erfolgswirtschaftliche) Cash - Flow II zeigt die Ertragskraft des Unternehmens. 12

14 (Dynamisch er) Verschuldungsgrad = Fremdkapital Cash - Flow II Beispiel zum Muster - Jahresabschluss : Verschuldu ngsgrad der Muster - GmbH = ( ) 130 = 2,7 Jahre Die Et Entschuldungsdauer hld d des Ut Unternehmens btät beträgt (ordentliche) h) 2,7 Jahre. 13

15 Umsatzrent abilität = EBIT Umsatzerlöse x 100 Beispiel zur Muster - GuV : Umsatzrentabilität der Muster - GmbH = ( ) x 100 = 5,8 % EBIT = Ergebnis vor Ertragsteuern und Zinsaufwand nd 14

16 Gesamtkapi talrentabilität = EBIT Gesamtkapital x 100 Beispiel zur Muster - GuV : Gesamtkapitalrentabilität der Muster - GmbH = ( ) 500 x 100 = 12 % EBIT = Ergebnis vor Ertragsteuern und Zinsaufwand 15

17 Personalau fwandsquote = Personalau Gesamtleistung fwand tung x 100 Beispiel zur Muster - GuV : Personalaufwandsquote der Muster - GmbH = x 100 = 36,4 % Die Ermittlung der Personalaufwandsquote ist nur dann sinnvoll, wenn sie im Rahmen eines brancheninternen Betriebsvergleichs bzw.in Relation zur Personalaufwandsquote des Vorjahres verwendet wird. 16

18 Materialau fwandsquote = Materialau Gesamtleistung fwand tung x 100 Beispiel zur Muster - GuV : Materialaufwandsquote der Muster - GmbH = x 100 = 33,6 % Die Ermittlung der Materialaufwandsquote ist nur dann sinnvoll, wenn sie im Rahmen eines brancheninternen Betriebsvergleichs bzw.in Relation zur Materialaufwandsquote des Vorjahres verwendet wird. 17

19 Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) als Grundlage für die Unternehmenssteuerung t 18

20 Eine BWA ist eine betriebsindividuelle Auswertung, die aus der Finanzbuchhaltung abgeleitet wird dem Unternehmer die Entwicklung sowie Zusammensetzung von Erträgen und Aufwendungen in den einzelnen Posten der unterjährigen Erfolgsrechnung g aufzeigt Kennzahlen zur wirtschaftlichen Lage des Unternehmens enthalten kann 19

21 Eine BWA dient als Instrument zur Überwachung Ihrer Unternehmenskosten ermöglicht die Teilnahme an Betriebsvergleichen ist Ausgangspunkt einer fundierten Liquiditäts- und Investitionsplanung ist eine Grundlage für das Bankgespräch und die Kreditbegleitung unterstützt den Anpassungsantrag beim Finanzamt 20

22 Muss eine BWA wirklich so aussehen? Kanzlei-Rechnungswesen V RW / Dres. Mustermann - [BWA-Nr. 1 - Kurzfristige Erfolgsrechnung g Dezember 2004] Zeile Bezeichnung Monatswert % vom Umsatz % Ges.-Kosten % Pers.-Kosten Kumulierter Wert % vom Umsatz % Ges.-Kosten % Pers.-Kosten Saldo Kl. 8/Erlöse ,17 100,00 530, , ,60 100,00 261,64 449, Mat./Warenverbr ,81 1,99 10,56 24, ,18 4,18 10,93 18, Zwischensaldo ,36 98,01 520, , ,42 95,82 250,72 430, Kostenarten: Personalkosten ,48 8,25 43,77 100, ,06 22,26 58,25 100, Raumkosten 8.536,47 2,55 13,55 30, ,07 5,28 13,81 23, Beitr./Versich ,92 1,80 9,57 21, ,75 1,85 4,84 8, Instandh./AfA 8.580,07 2,57 13,62 31, ,62 6,11 16,00 27, Versch. Kosten ,13 3,67 19,49 44, ,66 2,72 7,11 12, Gesamtkosten ,07 18,84 100,00 228, ,16 38,22 100,00 171, Zwischensaldo ,29 79, ,26 57, Neutraler Aufwand 176,20 0,05 265,89 0, Neutraler Ertrag ,10 7, ,28 1, Zw.Saldo 3/vorl.Erg ,19 86, ,65 59,34 21

23 Kanzlei-Rechnungswesen V RW /1/2004 / Gründaumen GmbH - [BWA-Nr. 5 - Kurzfristige Erfolgsrechnung Dezember 2006] Zeile Bezeichnung Monatswert % % % % Kumulierter Wert % % Erl. Baumaßnahmen ,06 100, ,24 100, Erl. Unterhaltspfl ==================== Materialeinsatz , , Subunter/Kippgeb , , Großger./Inc.Ka.Af -66, Bruttolo./Gehalt Ba 4.001,18 100, ,68 100, Deckungsbeitrag 4.016, , Ges.Geschäfts. Geh ,92 157, ,56 53, LFZ Gesamtbetrieb 5.083,92 2, Ges.sozialer Aufwand 9.948,70 248, ,20 48, Tarif. soz. Aufwand 1130 Freiw. soz. Aufwand ,00-69, ,48 3, Lohn/Gehalt nichtba 1.158,78 28, ,34 40, Hilfs-und Nebenkost ,40 735, ,08 25, Verw.und Werbekosten 4.390,22 109, ,58 14, Raum-und Platzkosten 1.623,22 40, ,36 11, Gemeinkostengeräte 1190 Fixe Gemeink.Fuhrp 2.162,46 54, ,32 22, Var. Gemeink. Fuhrp , , ,88 15, GWG u. Kleinwerkzeug 174,64 4, ,90 1, Betr.Steuern u. Abg ,24 34, ,58 3, Summe betr. Kosten , , ,20 243, Skonti/Zins/Finanzw 1.451,58 36, ,64 1, Haus u. Grundstück 1280 Sonst. a.o. Aufwand 591,76 14,79 591,76 0, Skonti u. Zinsertr Haus u. Grundst. Ert 1310 Sonst. a.o. Erträge 844,72 21, ,62 6, Sonstige Erlöse 615,86 15, ,36 4, Summe neutr.kost/ert -582,76-14, ,58 9,

24 Kanzlei-Rechnungswesen V RW /1/2004 / Gründaumen GmbH - [BWA-Nr. 5 - Kurzfristige Erfolgsrechnung Dezember 2006] Zeile Bezeichnung Monatswert % % % % Kumulierter Wert % % 1350 Kalk. AfA linear 1360 Kalk.Unternehmerlohn 1370 Kalk. Zinsen/Miete Summe kalk. Kosten Summe Gemeinkosten , , ,62 234, ==================== Summe der Erlöse , , Abzügl. Einzelkosten , , Abzügl. Gemeinkosten , , Vorl. betr. Ergebnis ,34-212, ,34-9, ==================== Bisher aufgelaufene 368, , Baustellenstunden 23

25 Anforderungen der Banken an eine gute BWA: Handelsrechtliche Abschreibungen monatlich gebucht? Schuldzinsen monatlich gebucht? Bestandsveränderungen halbfertige und fertige Arbeiten erfasst? Bestandsveränderungen für Material erfasst? Weihnachtsgeld abgegrenzt? Urlaubsgeld abgegrenzt? Einmalzahlungen periodengerecht abgegrenzt?* Bruttolohnverbuchung? Wertberichtigungen auf Forderungen verbucht? kalkulatorische Lohnkosten verbucht? anderen kalkulatorische Kosten gebucht? Steuern (GewSt, evtl. KSt) abgegrenzt? usw. * wird regelmäßig g verlangt, ist aber in der Sparkassenvorlage nicht enthalten. 24

26 Der Weg zu einer guten BWA 1. Schritt: Planung Welche Informationen verlangen Sie von einer Auswertung? Haben Sie ein geeignetes Programm? Eine oder mehrere Auswertungen? Wer soll die Auswertungen erstellen? 2. Schritt: Umsetzung Zeitgerechte Erfassung Richtige Erfassung Vollständige Erfassung 25

27 Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Rechtsanwälte Sponholzstr. 7, Berlin-Friedenau PF: , Berlin Telefon: Fax: Web-Site: 26

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