ZEITABGR-WG-LVF.doc Staatliches Seminar für Didaktik und Lehrerbildung Weingarten Fachseminar BWL / Kaier

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1 ZEITABGR-WG-LVF.doc Staatliches Seminar für Didaktik und Lehrerbildung Weingarten Fachseminar BWL / Kaier Lehrvorführung des Fachleiters Thema: Zeitliche Abgrenzung: Antizipative Erträge/Sonstige Forderungen Klasse: WG E Zeit: 45 Min. 1 Bedingungsanalyse 1.1 Rahmenbedingungen Die Eingangsklasse des Wirtschaftsgymnasium umfasst 15 Schülerinnen und 13 Schüler und besteht in der gegenwärtigen Form seit etwas mehr als 8 Monaten. Das Durchschnittsalter liegt bei 17 Jahren. Es handelt sich ausschließlich um Absolventen verschiedener Real- und Werkrealschulen des Einzugs-gebiets der Constantin-Vanotti-Schule. Das Klassenzimmer ist mit beweglichen Tischen, einer Klapptafel und einem Beamer mit Visualizer ausgestattet. 1.2 Lernvoraussetzungen Die zeitliche Abgrenzung ist eines der letzten Buchführungsthemen in diesem Schuljahr. Dennoch haben einige Schüler immer noch Schwierigkeiten mit dem System der Doppik. Insgesamt ist das Begabungsniveau der Klasse nach Auskunft der Fachlehrerin durchschnittlich bis gut. 1.3 Konsequenzen für die Stundenplanung und -durchführung Im fortgeschrittenen Buchführungsunterricht gibt es viele Möglichkeiten der stoffimmanenten Wieder-holung (Kontoarten, Buchungsregeln), die zur Verbesserung des Zusamenhangswissens genutzt werden können. Die Vorkenntnisse ermöglichen eine weitgehend entdecken-lassende Vorgehensweise. Die schülerzentrierten Arbeitsphasen geben dem Lehrer Gelegenheit zu individueller Förderung einzelner Schülerinnen und Schüler. 2. Didaktische Analyse 2.1 Analyse der Stoffstruktur Fachwissenschaftliche Strukturbegriffe Vorstruktur: Rechtsnormen GoB des HGB und EStG Periodengerechte Gewinnermittlung Hauptstruktur: Abschreibungen Zeitliche Sachliche Abgrenzungen Abgrenzungen Antizipative Posten - sonstige Forderungen - sonstige Verbindlichkeiten Folgestruktur: Transitorische Posten Rückstellungen

2 Ganzheitliche Betrachtung des Unterrichtsstoffes Der Lehrstoff umfasst folgende Sinn- und Bedeutungsaspekte: - betriebswirtschaftliche Aspekte: Zweck der Finanzbuchhaltung ist es, den Unternehmenserfolg richtig darzustellen. Dazu gehört auch die periodengerechte Ermittlung der Aufwendungen und Erträge. - juristische Aspekte: Anwendung von HGB und EStG - ethische Aspekte: Ordnungsmäßigkeit der Buchführung als Vertrauensbasis zwischen Finanzamt und Unternehmung - mathematische Aspekte: Berechnung der periodenbezogenen Beträge - buchhalterische Aspekte: Kontoführung und Gewinnermittlung durch Abschluss der Konten; Buchung von Geschäftsfällen, die zwei Perioden berühren. 2.2 Stoffauswahl Erkenntnisleitende Fragestellungen Folgende erkenntnisleitende Fragestellungen sind geeignet, die Probleme einer Antizipation von Erträgen zu erschließen: - In welchem Geschäftsjahr muss der Ertrag, in welchem die Einnahme gebucht werden? - Wann entstehen dabei sonstige Forderungen? - Welche Buchungen sind für einen korrekten Jahresabschluss erforderlich? - Welche Auswirkungen auf die Gewinn- und Verlustrechnung hat die zeitliche Abgrenzung? - Wie ist die Einnahme im folgenden Geschäftsjahr zu buchen? - Wie muss bei periodenübergreifenden Erträgen zeitlich abgegrenzt werden? Stoffabgrenzung Für die Einführung in das externe Rechnungswesen sieht der Lehrplan für das Wirtschaftsgymnasium insgesamt nur 46 Stunden vor. Die Behandlung der zeitlichen Abgrenzung (sonstige Forderungen, sonstige Verbindlichkeiten, aktive und passive Rechnungsabgrenzungsposten) kann deshalb maximal 4 Unterrichtsstunden beanspruchen. Laut Lehrplan geht es um die Begründung der Erfordernis einer zeitlichen Abgrenzung vor dem Hintergrund der Zielsetzung einer periodengerechten Ergebnisermittlung. Die Einführungsstunde beschränkt sich auf die Behandlung der sonstigen Forderungen. Die Abgrenzung der auf das laufende Geschäftsjahr zurechenbaren Erträge ist sowohl in vollen Beträgen als auch in Teilbeträgen vorgesehen. Ferner ist zwischen umsatzsteuerfreien und umsatzsteuerpflichtigen Erträgen zu unterscheiden. Die Übertragung der Erkenntnisse auf die dem Geschäftsjahr zurechenbaren Aufwendungen in der Folgestunde benötigt deutlich weniger Zeit, sodass dort noch genügend Zeit für eine Übungsphase bleibt. 2.3 Geplanter Kompetenzerwerb Teilziele zur Verbesserung der fachlichen Kompetenz Die Schülerinnen und Schüler - erkennen am Beispiel des nachträglichen Zahlungseingangs von Erträgen die Notwendigkeit der zeitlichen Abgrenzung und leiten die Auswirkungen auf den Periodengewinn ab (Reorganisation). - ermitteln, zu welchem Geschäftsjahr der Erfolgsvorgang bzw. der Zahlungsvorgang zeitlich gehört (Reorganisation). - buchen den am Jahresende zu berücksichtigenden Ertrag und schließen die Konten ab, indem sie die Technik des Jahresabschlusses auf die zeitliche Abgrenzung übertragen (Reorganisation/Transfer). - buchen den Zahlungsvorgang im neuen Jahr (Reorganisation / Transfer).

3 3 - teilen Beträge hinsichtlich der betroffenen Geschäftsjahre auf und buchen diese (Transfer/ Problemlösendes Denken). - erkennen, dass umsatzsteuerpflichtige Erträge bei der Jahresabgrenzung entsprechend zu buchen sind (Reorganisation / Transfer) Förderung der überfachlichen Kompetenzen Die Schülerinnen und Schüler - verbessern ihr schlussfolgerndes Denken durch die der Buchhaltung innewohnende Logik und Systematik. - verstehen durch die Lösung praxisgerechter Geschäftsfälle und die dabei einzuhaltenden Gesetzesvorschriften die wirtschaftlichen Interessen der Betroffenen (Staat, Kapitalgeber...). - bauen Strukturwissen auf, indem sie die fachspezifischen Begriffe mit Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung in den Beziehungszusammenhang bringen. - erkennen die Notwendigkeit des genauen Arbeitens. 3. Methodisch-mediale Analyse 3.1 Motivationsanalyse Als Einstiegsmotivation für diese Unterrichtsstunde dient ein vorläufiger Jahresabschluss mit Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung, der durch einen Dialog zwischen Buchhalter und Chef über die noch nicht eingegangene Dezember-Miete in Frage gestellt wird. Das Interesse an einer Lösung des Sachverhaltes durch Ermittlung des korrekten Gewinnes dürfte von der Motivation her das Erreichen der ersten drei fachlichen Lernziele erleichtern. Verlaufsmotivationen sind von den weiteren Geschäftsfällen zu erwarten. 3.2 Unterrichtsmethoden Im ersten Teil der Unterrichtsstunde steht die fragend-entwickelnde, teilweise auch die darstellende Aktionsform im Vordergrund. Schülerzentrierte Phasen mit Partnerarbeit sind bei der Erarbeitung der Buchungssätze für einen Geschäftsfall mit Teilbeträgen und bei den Teilzielwiederholungen und der zusammenfassenden Übung vorgesehen. Das Unterrichtsverfahren ist, abgesehen von der Begründung der zeitlichen Abgrenzung, hauptsächlich erklärend-induktiv. 3.3 Unterrichtsmedien Die Einstiegsmotivation und die Gruppenarbeit erfolgt auf der Grundlage eines Arbeitsblattes. Die Arbeitsergebnisse werden mit dem Visualizer/Beamer projiziert. Ansonsten ist die Tafel das beherrschende Medium, da sie die wesentlichen Erkenntnisse der Stunde wiedergibt. Zur Erfolgssicherung wird das eingeführte Schulbuch (Volks- und Betriebswirtschaftslehre für das berufliche Gymnasium (WG), S. 418 f.) eingesetzt.

4 4. Methodisch-didaktische Verlaufsplanung 4 Lehrerverhalten (geplant) Schülerverhalten (geplant) Method.-didakt. Hinweise Zeit 4.1 Problemstellung Einstieg: Vorlage des Arbeitsblattes mit einem Dialog zwischen dem Chef eines Großhandels und seinem Buchhalter. Bitte versetzt euch in die Lage des Buchhalters. Muss die Lagermiete noch berücksichtigt werden? Zwei Schüler lesen den Dialog laut vor.?? Sf: Frontalunterricht Af: fragend-entwickelnd Uv: erklärend-induktiv Me: Arbeitsblatt/Folie Erarbeitung der Lernziele (1) Die Schüler erkennen am Beispiel des nachträglichen Zahlungseingangs von Erträgen die Notwendigkeit der zeitlichen Abgrenzung und leiten die Auswirkungen auf den Periodengewinn ab (Reorganisation). (2) Die Schüler ermitteln, zu welchem Geschäftsjahr der Erfolgsvorgang bzw. der Zahlungsvorgang zeitlich gehört (Reorganisation). Wie würde die Lagerhallenmiete das Jahresergebnis verändern? In welchem Jahr wird der Ertrag erwirtschaftet? Wann erhalten wir das Geld? Welche Rechte haben wir also am 31.Dez. gegenüber dem Hallenmieter? Welche Auswirkungen hat die Berücksichtigung dieses noch nicht realisierten Ertrags? Was erreichen wir also mit der zeitlichen Abgrenzung? Gewinn würde steigen, da Ertrag Im alten Jahr Im neuen Jahr Eine (sonstige) Forderung höherer Gewinn periodengerechte Erfolgsermittlung Me: Tafel (Zeitstrahl) Me: Tafel (Thema) Me: Tafel (Merksätze) 8 4' (3) Die Schüler buchen den am Jahresende zu berücksichtigenden Ertrag und schließen die Konten ab, indem sie die Technik des Jahresabschlusses auf die zeitliche Abgrenzung übertragen (Reorganisation/Transfer). Wie lautet der Buchungssatz für die Berücksichtigung des Ertrags am 31. Dezember? Bitte die T-Konten auf dem Arbeitsblatt benennen und einbuchen! Nun wollen wir gemeinsam die Korrektur des Jahresabschlusses vornehmen. Wie lauten die Buchungssätze? Bitte alle Konten abschließen! sonst. Ford. an Mieterträge Sch. buchen auf T-Konten Mieterträge an GuV usw. Sch. schließen ab. Me: Tafel links (BS) Me: AB (T-Konten) Me: Tafel links (BS) Me: AB (Kontenabschl.) 12 (4) Die Schüler buchen den Zahlungsvorgang im neuen Jahr (Reorganisation / Transfer). Verlaufsmotivation: Lehrer zeigt Gutschriftbeleg über Me: Beleg/Visualizer 5.000,00 Wie ist diese Gutschrift am 10. Jan. zu buchen? Bank an Sonst. Ford. Me: Tafel rechts (BS) Lernzielwiederholung: Löst bitte jetzt möglichst allein im Sch. bearbeiten die Sf: Einzelarbeit 4 5

5 Buch die Aufgabe 136/1. 5 Aufgabe und präsentieren das Ergebnis Af: entdecken-lassend Uv: induktiv Me: Buch/Visualizer (5) Die Schüler teilen Beträge hinsichtlich der betroffenen Geschäftsjahre auf und buchen diese (Transfer/Problemlösendes Denken). Bei der nächsten Aufgabe (137/1.) ist ein zusätzliches Problem zu lösen. Ich bin gespannt, ob ihr das selbst lösen könnt. Ihr dürft dazu Vierergruppen bilden. Falls ihr nicht weiterkommt, helfe ich natürlich. (mögliche Hilfe: Musterbeispiel im Buch, S. 416, rechte Spalte) Sch. suchen in Gruppen nach Lösungen Sf: Gruppenarbeit Af: entdecken-lassend Uv: induktiv M: Buch/Tafel (Uv: deduktiv) 5 (6) Die Schüler erkennen, dass umsatzsteuerpflichtige Erträge bei der Jahresabgrenzung entsprechend zu buchen sind (Reorganisation / Transfer). Vertiefung: Löst jetzt bitte mit dem Nachbarn zusammen im Buch die Aufgabe 137/3. (möglicher Hinweis auf das Kapitel Umsatzsteuer, Buch, S. 363 f.) Sch. bearbeiten die Aufgabe und präsentieren das Ergebnis Sf: Partnerarbeit Af: entdecken-lassend Uv: induktiv M: Buch/Tafel Ergebnissicherung Zur Anwendung der neuen Kenntnisse bearbeiten wir einige Aufgaben im Buch, S. 418 (evtl. als Hausaufgabe) Bearbeitung der Aufgaben Sf: Einzel-/Partnerarbeit Af: fragend-entwickelnd Uv: erklärend-induktiv Me: Schulbuch 2 45 Literatur: LS (Hrsg.): Lehrplan für das berufliche Gymnasium der sechs- und dreijährigen Aufbauform, Wirtschaftswissenschaftliche Richtung (WG), Volks- und Betriebswirtschaftslehre, Stand: Speth/Kaier/Waltermann/Hartmann/Härter: Volks- und Betriebswirtschaftslehre für das berufliche Gymnasium (WG) - Ausgabe für Baden-Württemberg -, Bd. 1: Eingangsklasse, 13. Auflage, Rinteln 2012, S. 414 ff.

6 6 5. Anlagen 5.1 Arbeitsblatt/Folie 1 mit Lösungen Sonstige Forderungen Dialog zwischen dem Chef eines Großhandels und seinem Buchhalter am 31. Dez.: H. Meier (Chef): Na, Herr Bucher, wie weit sind Sie mit dem Jahresabschluss? H. Bucher (Buchhalter): Wir sind fast fertig. Wollen Sie mal einen Blick auf unsere vorläufige Gewinn- und Verlustrechnung werfen? Der diesjährige Gewinn beträgt nach unseren Berechnungen ,00. S 8020 G+V (vorläufig) H 6080 Aufw.f.Waren , Umsatzerl , Gehälter , Zinsertr , Büromat , Gewinn , , ,00 H. Meier (Chef): Ich hatte eigentlich mit etwas mehr Gewinn gerechnet. Haben Sie die Dezembermiete für die von uns vermietete Lagerhalle in Höhe von 5.000,00 berücksichtigt? H. Bucher (Buchhalter): Aber Chef, die erhalten wir doch erst am 10. Januar des nächsten Jahres auf unser Bankkonto überwiesen! H. Meier (Chef): Ich weiß nur, dass das HGB für jedes Geschäftsjahr die vollständige Erfassung aller Aufwendungen und Erträge verlangt. Klären Sie bitte, wie die Lagerhallenmiete zu behandeln ist! Buchungen am 31. Dez. (altes Jahr): S 2690 Sonstige Forderungen H S 5400 Mieterträge H , SBK 5.000, GuV 5.000, ,00 S 8020 G+V (korrigiert) H 6080 Aufw.f.Waren , Umsatzerl , Gehälter , Zinsertr , Büromat , Mietertr , Gewinn , , ,00 Buchung am 10. Jan. (neues Jahr): S 8010 Schlussbilanzkonto H So.Ford ,00. S 2800 Bank H S 2690 Sonst. Ford. H AB ,00 AB 5.000, , ,00

7 7 5.2 Tafelbild Mitteltafel Die zeitliche Abgrenzung 1. Sonstige Forderungen 1. Dez. 31. Dez. 10. Jan. Dezember-Miete erfolgswirksam (Mietertrag) Gutschrift erfolgsunwirksam (Ausgleich der Ford.) Merke: 1. Die zeitliche Abgrenzung dient der periodengerechten Erfolgsermittlung. 2. Erträge, die im alten Jahr erwirtschaftet werden, sind im alten Jahr zu buchen, wobei eine sonst. Forderung entsteht. Linke Tafel: Buchungen am 31. Dez. (altes Jahr) Konten Soll Haben 2690 Sonst. Ford. 5000,00 an 5400 Mietertr 5000,00 Abschluss: 5400 Mietertr. 5000,00 an 8020 GuV 5000, SBK 5000,00 an 2690 Sonst. Ford. 5000,00 Rechte Tafel: Buchungen am 10. Jan. (neues Jahr) Konten Soll Haben 2800 Bank 5000,00 an 2690 Sonst. Ford. 5000,00

8 8 5.3 Folie 2 Kontoauszug vom 10. Jan. (neues Jahr)

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