Unternehmensfinanzierung. Dr. Christine Mitter Fachbereich Controlling und Finance

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1 Unternehmensfinanzierung Dr. Christine Mitter Fachbereich Controlling und Finance

2 Unternehmensfinanzierung beschäftigt sich überwiegend mit Geldströmen (Zahlungsströmen), die in das Unternehmen hineinfließen (Einzahlungen), und Geldströmen, die aus dem Unternehmen abfließen (Auszahlungen) 2

3 Ströme der liquiden Mittel im Unternehmen Laufende Auszahlungen zur Leistungserstellung (Miete, Personal, Rohstoffe, Büromaterial etc.) Einzahlungen aus der Leistungserstellung (Verkaufserlöse) Steuern Auszahlungen für Investitionen Unternehmen Subventionen Einzahlungen aus Desinvestitionen Gegenleistungen für Außenfinanzierung (Zinsen, Tilgungen, Gewinnausschüttungen) Außenfinanzierung (Kredit, Eigenkapital etc. 3

4 Stromgrößen und Teilbereiche des Rechnungswesens Rechengröße Bestandsgröße Teilbereich des Rechnungswesens Einzahlungen Auszahlungen Veränderung der liquiden Mittel Finanzrechnung Bilanz Einnahmen Ausgaben Veränderung des Geldvermögens Finanzierungsrechnung Bilanz Erträge Aufwendungen Leistungen Kosten Veränderung des Reinvermögens bzw. Eigenkapitals (Periodenerfolg) Veränderung des betriebsbedingten Reinvermögens (Betriebserfolg) Bilanz GuV kalkulatorische Vermögensrechnung Kosten- und Leistungsrechnung 4

5 Einzahlungen und Auszahlungen Zahlungsmittelbestand = liquide Mittel = Summe der Kassabestände und der jederzeit verfügbaren Bankguthaben Einzahlung: Jeder Vorgang, bei dem der Zahlungsmittelbestand zunimmt. Auszahlung: Jeder Vorgang, bei dem der Zahlungsmittelbestand abnimmt. Aktiva Bilanz Passiva Sachvermögen Eigenkapital Veränderung der liquiden Mittel Einzahlungen Auszahlungen Forderungen liquide Mittel Verbindlichkeiten 5

6 Grundlagen Finanzierung / Finanzwirtschaft Finanzierung: dem Unternehmen in Abhängigkeit von bestimmten Erfordernissen Kapital zuführen (Lechner/Egger/Schauer) Beschaffung von Kapital zum Erwerb und zur Erhaltung der betrieblichen Vermögenswerte sowie der Leistungsfähigkeit des Unternehmens, inkl. aller Maßnahmen zur Kapitalrückzahlung und -umschichtung (Jahrmann) Finanzwirtschaft: umfasst alle Aktivitäten und Maßnahmen, die mit der Gestion von Kapital zusammenhängen 6

7 Teilbereiche der Finanzwirtschaft - Kapitalbeschaffung Bereitstellung von Kapital (Finanzierung) - Kapitalverwendung Einsatz des bereitgestellten Kapitals zur Leistungserstellung im Unternehmen (Investition, Beschaffung) - Kapitaldisposition Planung, Steuerung, Kontrolle und Sicherung des Finanzverkehrs (Cash Management, Working Capital Management) 7

8 Aufgabe des Finanzmanagements Koordination der zuvor genannten Teilbereiche, d.h. - Balance zwischen Kapitalausstattung und Kapitalverwendung (langfristiges finanzielles Gleichgewicht, Kapitalstruktur, Finanzierungsregeln) - Abstimmung von Zahlungseingängen und Zahlungsausgängen (Zahlungsströme) (kurzfristiges finanzielles Gleichgewicht) - Schließung der Lücke (financing gap) im Fall eines Ungleichgewichts 8

9 Ziele des Finanzmanagements Optimale Gestaltung des Finanzierungsbereichs, um einen störungsfreien Leistungserstellungsprozess im Unternehmen zu ermöglichen - Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit/Liquidität Fähigkeit des Unternehmens, seine Zahlungsverpflichtungen (z.b. an Lieferanten, Arbeitnehmer, Banken) fristgerecht und in vollem Umfang, d.h. entsprechend den Vereinbarungen, zu erfüllen. Zahlungsunfähigkeit ist bei allen Unternehmen ein Insolvenzauslösetatbestand ( 66 KO) - Wertschaffung (Value Management) Steigerung des Unternehmenswertes bzw. Marktwertes des Eigenkapitals (Shareholder Value) Erzielung einer möglichst hohen Rendite auf das dem Unternehmen zur Verfügung gestellte Kapital Rentabilitäten (Eigenkapital-, Gesamtkapital-, Umsatzrentabilität) 9

10 Liquidität vs. Rentabilität - Das Ziel einer hohen Rendite auf das eingesetzte Kapital steht im Widerspruch zum Ziel der Liquiditätssicherung! - Hoher Bestand an liquiden Mitteln bedeutet eine niedrige Rendite, da die Mittel kurzfristig verfügbar sein müssen. - Hohe Rendite bedeutet, dass risikobereiter veranlagt wird und damit weniger liquide Mittel kurzfristig zur Verfügung stehen. - Dilemma! - "Cash is an asset only when it is in use, otherwise it is a liability." 10

11 Systematisierung der Finanzierungsformen Unterscheidungsmerkmale Herkunft des Kapitals Rechtsstellung der Kapitalgeber Dauer der Finanzmittelbereitstellung Anlass der Finanzierung Finanzierungsform - Innenfinanzierung - Außenfinanzierung - Beteiligungsfinanzierung (Eigenfinanzierung) - Fremdfinanzierung - unbefristete Finanzierung - befristete Finanzierung langfristig mittelfristig kurzfristig - Gründung - Kapitalerhöhung - Fusion - Erweiterung - Sanierung 11

12 Innenfinanzierung Finanzierung aus dem Unternehmen selbst - Finanzierung aus Abschreibungen - Finanzierung aus Rückstellungen - Selbstfinanzierung offene Selbstfinanzierung stille Selbstfinanzierung - Finanzierung aus Vermögensumschichtungen Kapitalfreisetzung im Anlagevermögen Kapitalfreisetzung im Umlaufvermögen 12

13 Finanzierung aus Abschreibungen I Abschreibung = Aufwand in der Finanzbuchhaltung - zeigt den Wertverlust eines Vermögensgegenstandes auf - nachperiodisierter Aufwand: Periodenaufwand, Auszahlung früher - Abschreibung in der Fibu steht kein Abfluss von finanziellen Mitteln gegenüber (Auszahlung erfolgte bereits bei Investition) Sind die Abschreibungen in die Preise der Produkte und Dienstleistungen einkalkuliert und können diese Preise auch am Markt erzielt werden, fließen die Abschreibungsbeträge dem Unternehmen in "cash" zu. Da ihnen keine Auszahlung gegenüber steht, bleiben die verdienten Abschreibungsbeträge so lange im Unternehmen, bis ein neuer Vermögensgegenstand angeschafft wird. = Innenfinanzierung aus Abschreibungen, Finanzierung über Umsatzerlöse 13

14 Finanzierung aus Abschreibungen II Kapazitätserweiterungseffekt (Lohmann-Ruchti-Effekt) - die verdienten Abschreibungsbeträge werden am Ende eines jeweiligen Jahres wieder in den Kauf neuer Vermögensgegenstände gesteckt - die durch freigesetzte Abschreibungen beschafften Anlagen setzen über die Abschreibungsverrechnungen in den Preisen selbst wieder Abschreibungen frei - Dadurch kommt es zu einem Erweiterungseffekt 14

15 Beispiel Lohmann-Ruchti-Effekt I In einem betrieblichen Teilbereich werden 10 Kleinmaschinen mit einem Anschaffungswert von gleichzeitig angeschafft und jeweils über fünf Jahre linear abgeschrieben. Welche Auswirkungen hat dies auf die Totalkapazität des Teibereichs, wenn die verdienten Abschreibungen zur Finanzierung neuer Kleinmaschinen verwendet werden? 15

16 Beispiel Lohmann-Ruchti-Effekt II Jahr Anzahl Maschinen Gesamtwert der Maschinen Summe der Abschreibungen Reinvestitionen am Beginn des folg. Jahres Liquide Mittel (Abschreibungsrest nach Reinvestitionen) ( ) ( ) ( )

17 Beispiel Lohmann-Ruchti-Effekt III Jahr Anzahl Maschinen Gesamtwert der Maschinen Summe der Abschreibungen Reinvestitionen am Beginn des folg. Jahres Liquide Mittel (Abschreibungsrest nach Reinvestitionen) ( ) ( )

18 Finanzierung aus Abschreibungen II Kapazitätserweiterungseffekt (Lohmann-Ruchti-Effekt) - die verdienten Abschreibungsbeträge werden am Ende eines jeweiligen Jahres wieder in den Kauf neuer Vermögensgegenstände gesteckt - die durch freigesetzte Abschreibungen beschafften Anlagen setzen über die Abschreibungsverrechnungen in den Preisen selbst wieder Abschreibungen frei - Dadurch kommt es zu einem Erweiterungseffekt - wenig realitätsnah: gleich bleibende Wiederbeschaffungskosten unterstellt, keine Absatzbeschränkungen, Vernachlässigung des Kapitalbedarfs für das durch die Kapazitätserweiterung ebenfalls höhere Umlaufvermögen, Abschreibungsdauer und Nutzungsdauer identisch, keine Berücksichtigung von Zinseffekten 18

19 Finanzierung aus Rückstellungen I Rückstellungen: Verpflichtungen, die bezüglich ihres Grundes, ihrer Höhe und/oder ihres Zeitpunktes ungewiss sind, deren Eintreten aber wahrscheinlich oder sicher erwartet wird. z.b. Rückstellung für Instandhaltungsaufwand, Abfertigungsrückstellung, Rückstellung für drohende Verluste, Garantierückstellung, Prozesskostenrückstellung - Die Bildung (Dotierung) von Rückstellungen stellt Aufwand dar. - Zum Zeitpunkt der Bildung müssen jedoch keine liquiden Mittel eingesetzt werden. - Erst wenn der Tatbestand der Rückstellung eintritt, kommt es zu einem Abfluss an liquiden Mitteln. 19

20 Finanzierung aus Rückstellungen II Beispiel Pensionsrückstellung: Gustav P. wurde eine Firmenpension zugesagt. Während seiner Tätigkeit im Unternehmen werden jede Periode Pensionsrückstellungen gebildet, mit Pensionsantritt folgt dann eine monatliche Auszahlung der zugesagten Pension. Pensionsantritt Gewinneinfluss Zahlungsströme 20

21 Finanzierung aus Rückstellungen III - Finanzierungseffekt umso stärker, je größer der zeitliche Abstand zwischen der Bildung der Rückstellung und deren Inanspruchnahme - besonders bedeutend sind daher die langfristigen Rückstellungen für Abfertigungen und Pensionen fallen kontinuierlich an, daher ist immer ein "Bodensatz" vorhanden, der dem Unternehmen für Finanzierungszwecke zur Verfügung steht (dauerhafter Finanzierungseffekt) - Vorhandensein eines Gewinns ist für die Wirksamkeit des Effektes Voraussetzung! (Rückstellungen können auch bei Verlust gebildet werden, doch lassen sich aus Verlusten keine Investitionen bezahlen!) 21

22 Finanzierung aus Rückstellungen IV - Rückstellungen sind bedingtes Fremdkapital bzw. bedingtes Eigenkapital - Tritt das Ereignis (Zahlungsvorgang) nicht od. nicht in voller Höhe ein, stellen die Rückstellungen im Ganzen od. in der Höhe des nicht benötigten Teils Eigenkapital dar (Rückstellung ist aufzulösen und nachzuversteuern). - Tritt das Ereignis ein und erfolgt eine Zahlung, dann war die Rückstellung in Höhe der Zahlung Fremdkapital. - Ob interne Eigen- od. Fremdfinanzierung vorliegt, ist erst klar, wenn das Ereignis eintritt. Voraussetzung für die Bildung von Rückstellungen ist aber idr ein ungewisser Anspruch eines Dritten (Ausnahme: Aufwandsrückstellungen) innerbetriebliche Fremdfinanzierung, interne Fremdfinanzierung 22

23 Selbstfinanzierung - Überschussfinanzierung - Rückbehalt des gesamten Gewinns oder von Teilen des Gewinns - Rückbehalt kann auf zwei Arten erfolgen ausgewiesene Gewinne werden nicht ausgeschüttet (offene Selbstfinanzierung) effektiv entstandene Gewinne kommen durch Unterbewertung von Vermögen und/oder Überbewertung von Schulden nicht zum Ausweis und werden auf diese Weise der Ausschüttung entzogen (stille Selbstfinanzierung) 23

24 Offene Selbstfinanzierung - Einbehaltung von Gewinnen (Thesaurierung) Frage der Ausschüttungs- und Dividendenpolitik - im Jahresabschluss erkennbar bei Einzelunternehmen u. Personengesellschaften: Aufstockung der Kapitalkonten bei Kapitalgesellschaften u. Genossenschaften: Rücklagenkonten (Nominalkapital vertraglich bzw. gesetzlich fixiert) - Aktiengesellschaften, große Gesellschaften mit beschränkter Haftung: gesetzlicher Zwang zur offenen Selbstfinanzierung ( 130 AktG): "In die gesetzliche Rücklage ist ein Betrag einzustellen, der mindestens dem zwanzigsten Teil des um einen Verlustvortrag geminderten Jahresüberschusses nach Berücksichtigung der Veränderung unversteuerter Rücklagen entspricht, bis der Betrag der gebundenen Rücklagen insgesamt den zehnten oder den in der Satzung bestimmten höheren Teil des Nennkapitals erreicht." 24

25 Stille Selbstfinanzierung - aus Jahresabschluss nicht ersichtlich (stille Reserven) - Finanzierung durch zwingende Bilanzierungs- und Bewertungsvorschriften (Zwangsreserven) - Finanzierung durch Ausnützung bilanzpolitischer Spielräume (Ermessensreserven) - Finanzierung durch Willkürreserven - Finanzierungseffekt: Gewinnminderung und Steuereffekt stille Reserven Zwangsreserven Ermessensreserven Willkürreserven 25

26 Bewertung der Selbstfinanzierung - Stärkere Unabhängigkeit (keine Kontrolle durch fremde Kreditgeber, Unabhängigkeit von den Bedingungen des Kreditsektors) - Keine Zins- und Tilgungszahlungen (Puffer in Krisenzeiten, jedoch steht das thesaurierte Geld auch nicht kostenlos zur Verfügung) - Für Management "bequem": Gefahr von Kapitalfehlleitungen, suboptimale Investitionen (Agency-Problematik!), keine disziplinierende Wirkung durch Kapitalmärkte 26

27 Finanzierung aus Vermögensumschichtungen - Verkauf nicht betriebsnotwendigen Vermögens - Verminderung des betriebsnotwendigen Vermögens durch Rationalisierung u. Beschleunigung des Kapitalumschlags Güterwirtschaftliche Rationalisierungsmaßnahmen: Verbesserungen in der Materialwirtschaft und im Produktionsbereich: bedarfsgerechte Lageroptimierung, Reduktion der Durchlaufzeiten etc. Finanzwirtschaftliche Rationalisierungsmaßnahmen: intensives Mahnwesen, Straffung der Zahlungsbedingungen gegenüber Kunden, Verlängerung der Zahlungsfristen gegenüber Lieferanten etc. Working Capital Management 27

28 Cash Flow I - Innenfinanzierung: Saldo von Ein- und Auszahlungen von bzw. an Nichtfinanzierungsmärkte abzüglich Steuerzahlungen und Zahlungen an Gläubiger Sind aus dem Umsatzprozess liquide Mittel vorhanden, denen kein liquiditätswirksamer Aufwand gegenübersteht? - Maßstab der Innenfinanzierungskraft: Cash Flow - Wichtige Kennzahl zur Beurteilung der Liquidität - Gibt jene innerhalb einer Periode erwirtschafteten finanziellen Mittel an, die für Investitionen, Ausschüttungen u. Schuldentilgung zur Verfügung standen bzw. stehen - Unabhängig von Rechnungslegungsnormen 28

29 Cash Flow II Aufstellungstechniken - originär (nur intern) Erstellung aus den Kontenbewegungen der Liquiditätsbestände (Finanzplan, Gegenüberstellung von Einzahlungen u. Auszahlungen) Vorteile unabhängig vom Jahresabschluss bessere Gliederung möglich Nachteil hoher Arbeitsaufwand - derivativ (auch extern) Ableitung aus dem Jahresabschluss Vorteile Praxismodell einfachere Ermittlung Nachteile Zurechnungsprobleme Korrekturbuchungen und Informationen notwendig 29

30 Cash Flow III Vereinfachte Ermittlung: Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag + nicht zahlungswirksame Aufwendungen - nicht zahlungswirksame Erträge = Cash Flow aus dem Ergebnis 30

31 Operativer Cash Flow Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag + nicht zahlungswirksame Aufwendungen - nicht zahlungswirksame Erträge = Cash Flow aus dem Ergebnis +/- Veränderung des sonstigen Netto-Umlaufvermögens (Vorräte, Forderungen aus L+L, Verbindlichkeiten aus L+L, Rechnungsabgrenzungsposten etc.) = Cash Flow aus dem operativen Bereich 31

32 Beispiel Berechnung Cash Flow - Jahresüberschuss Abschreibungen Bildung von langfristigen Rückstellungen Erhöhung der Vorräte Verminderung der Forderungen Erhöhung der Lieferantenverbindlichkeiten Auflösung kurzfristiger Rückstellungen Wie hoch ist der Cash Flow? 32

33 Geldflussrechnung / Cash Flow Statement (IAS 7) Cash Flow aus der laufenden Geschäftstätigkeit (operating activities) + / - Cash Flow aus der Investitionstätigkeit (investing activities) + / - Cash Flow aus der Finanzierungstätigkeit (financing activities) = Zu-/Abnahme der liquiden Mittel + Liquide Mittel zu Periodenbeginn = Liquide Mittel am Periodenende 33

34 Konzern-Kapitalflussrechnung Ottakringer in T in T Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit Abschreibungen auf das Anlagevermögen Verbrauch Investitionszuschuss Ergebnisübernahme assoziierte Unternehmen Veränderung langfristiger Rückstellungen Gewinne/Verluste aus Anlagenabgängen Cashflow aus dem Ergebnis Veränderung von Vorräten Veränderung von Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, Konzernforderungen aus Lieferungen und Leistungen sowie sonstigen Forderungen und Rechnungsabgrenzungsposten Veränderung von sonstigen Rückstellungen Veränderung von Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, Konzernverbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, sonstigen Verbindlichkeiten und Rechnungsabgrenzungsposten Nicht zahlungswirksame Veränderung latenter Steuern Steuerzahlungen Ergebnisneutrale Eigenkapitalveränderung Cashflow aus der Geschäftstätigkeit Einzahlungen aus Anlagenabgängen Einzahlungen aus Finanzanlagenabgängen Auszahlungen für Investitionen in das Sach- und immaterielle Anlagevermögen Neubewertung Finanzanlagen Auszahlungen für Investitionen in das Finanzanlagevermögen Cashflow aus der Investitionstätigkeit Aufnahme und Tilgung Finanzverbindlichkeiten Ausschüttungen an Gesellschafter Erhöhung/Senkung der Konzernforderungen, soweit nicht aus Lieferungen und Leistungen Erhöhung/Senkung der Konzernverbindlichkeiten, soweit nicht aus Lieferungen und Leistungen Cashflow aus der Finanzierungstätigkeit Finanzmittelbestand am Anfang der Periode Finanzmittelbestand am Ende der Periode Veränderung des Finanzmittelbestandes

35 Außenfinanzierung Untergliederung nach der Rechtsstellung der Kapitalgeber - Eigenfinanzierung - Fremdfinanzierung 35

36 Eigenfinanzierung Merkmale des Eigenkapitals - Risikotragung hinsichtlich Gewinn/Verlust - Anspruch auf Gewinnbeteiligung - Anspruch auf Anteil am Liquidationserlös - Einfluss auf die Geschäftsführung (je nach Rechtsform verschieden) - Haftung für Schulden des Unternehmens (je nach Rechtsform unterschiedlich) 36

37 Eigen-Außenfinanzierung ohne Kapitalmarktnutzung I - Einzelunternehmen unbeschränkte Haftung des Einzelunternehmers (keine scharfe Abgrenzung zwischen privater und unternehmerischer Sphäre!) begrenzte Selbstfinanzierungsmöglichkeit weitere Eigenkapitalbeschaffung von außen (fast) nur mit Rechtsformänderung variables Eigenkapitalkonto (Änderung durch Privateinlagen und Privatentnahmen sowie Gewinne und Verluste) 37

38 Eigen-Außenfinanzierung ohne Kapitalmarktnutzung II Personengesellschaften - Offene Handelsgesellschaft / Offene Gesellschaft (ab ) Zusammenschluss mehrerer Einzelunternehmer Gesellschafter haften unbeschränkt Gesellschafter sind zur Mitarbeit in der Geschäftsführung berechtigt und verpflichtet (persönliche Bindung) schwankende Eigenkapitalgrößen 38

39 Eigen-Außenfinanzierung ohne Kapitalmarktnutzung III Personengesellschaften - Kommanditgesellschaft Zwei Gruppen von Eigentümern Komplementäre: haften unbeschränkt, beteiligen sich idr an der Unternehmensführung Kommanditisten: Haftung auf ihre jeweilige Kapitaleinlage beschränkt, idr keine Mitarbeit in der Geschäftsführung Sonderform: GmbH & Co KG Komplementär ist eine GmbH Kommanditisten sind meist mit den Gesellschaftern der GmbH ident 39

40 Eigen-Außenfinanzierung ohne Kapitalmarktnutzung IV - Genossenschaft v.a. in den Bereichen Landwirtschaft, Kreditwesen, Wohnungsbau/ Immobilien "Vereine von nicht geschlossener Mitgliederzahl, die im wesentlichen der Förderung des Erwerbes oder der Wirtschaft ihrer Mitglieder dienen " ( 1 Abs. 1 GenG) Kernkapital (Gesamtnennkapital der Geschäftsanteile) schwankt (keine sehr hohen Einlagebeträge) Eigenkapitalbeschaffungsproblem (Vorteil aus der Mitgliedschaft und nicht ein hoher Gewinnanteil stehen im Vordergrund) verstärkte Innenfinanzierung (Thesaurierung) 40

41 Eigen-Außenfinanzierung ohne Kapitalmarktnutzung V - Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) Mindeststammkapital von Haftung auf jeweilige Einlage beschränkt Anteil des Gesellschafters am Unternehmen ergibt sich aus seinem Anteil am Stammkapital Klare Trennung von Kapitalhingabe und Management Gesellschafter entscheiden nicht laufend, sondern nur in der Generalversammlung (Gesellschafterversammlung), mind. 1x jährlich Management übernimmt ein oder mehrere von den Gesellschaftern bestellte Geschäftsführer ( Agency-Problem) Ab einer bestimmten Größe: Aufsichtsrat verpflichtend Anteile sind nicht handelbar, sondern nur mit Notariatsakt übertragbar 41

42 Venture Capital / Private Equity - Eigenkapitalgeber können natürliche oder juristische Personen sein - Sonderform: Venture Capital / Private Equity wenn Eigenkapitalgeber eine Beteiligungsgesellschaft - Private Equity: Oberbegriff umfasst auch die Finanzierung früher Unternehmensphasen (Venture Capital) ebenso Finanzierung von Expansionen, Management Buy Outs und Buy Ins, Turnarounds, Restrukturierungen und Sanierungen - Financiers: Österreich: inländ. Fonds (meist bankennah), ausländ. Private-Equity- Investoren (großteils Privatpersonen) USA: Pensionsfonds (40-50% des gesamten Finanzierungsvolumens), Stiftungen, Bank-Holdinggesellschaften, reiche Privatpersonen, Versicherungen, Investmentbanken 42

43 Bedeutung von Venture Capital / Private Equity in Österreich aufgebrachte / investierte Mittel (in Mio ) , , aufgebrachte Mittel investierte Mittel Quelle: 43

44 Bedeutung von Private Equity/Venture Capital im internationalen Vergleich OECD Economic Survey 2005 Kennzahl Venture-Capital-Investitionen (early/later stage) in Prozent des BIP Österreich: 0,045% (Schlusslicht der erfassten europäischen Länder, sogar Tschechien, Polen oder Ungarn weisen etwas höhere Werte auf) Durchschnitt der EU-Länder: 0,067% Großbritannien: 0,7% 44

45 45

46 Eigen-Außenfinanzierung mit Kapitalmarktnutzung - Nutzung des Kapitalmarktes zur Eigenfinanzierung - Liquide Mittel werden über den Marktmechanismus zur Verfügung gestellt - Dadurch können Personen zu Eigentümern werden, die mit dem Unternehmen keine nähere persönliche Berührung aufweisen und/oder geographisch weit entfernt wohnen 46

47 Kapitalmarkt Kurzkalkulationen Finanzmärkte Geldmarkt Kapitalmarkt Primärmarkt Sekundärmarkt börslich außerbörslich börslich außerbörslich 47

48 Börse I geregelter Markt, auf dem Wertpapiere, Optionen und Terminkontrakte gehandelt werden - Wertpapiere Aktien, Anleihen, Partizipationsscheine, Genussscheine - Optionen verbriefen das Recht, zu einem zukünftigen Zeitpunkt oder in einem zukünftigen Zeitraum zu bestimmten (vorher definierten) Konditionen Wertpapiere zu kaufen oder zu verkaufen - Terminkontrakte fixer Kauf bzw. Verkauf von Wertpapieren oder Ähnlichem in der Zukunft 48

49 Börse II Börsetypen - nach der Art der gehandelten Güter Wertpapierbörsen Devisenbörsen Warenbörsen - nach dem Erfüllungszeitpunkt Kassabörsen Terminbörsen - nach der Organisation des Handels Präsenzbörsen (Parketthandel) elektronische Börsen (Computerbörsen) 49

50 Börsehandel Verfahren der Kursbildung Auktionsprinzip (order driven market) Mischform (hybride Handelsform) Market-Maker-Prinzip (quote driven market) periodische Auktion kontinuierliche Auktion monopolistisches Market-Maker-System Multi-Market- Maker-System 50

51 US-Börsen I - New York Stock Exchange NYSE) (http://www.nyse.com) größte Börse der Welt 1792 gegründet Auktionshandel (continuous auction) Parketthandel, seit 2006 auch vollelektron. Abwicklung der Orders früher als Mitgliederverband organisiert, seit 2006 Publikumsgesellschaft (NYSE Group, Inc.) - American Stock Exchange (AMEX) (http://www.amex.com) hauptsächlich Aktienbörse für kleine u. junge Unternehmen (curb exchange) 1921 gegründet Auktionshandel als Mitgliederverband organisiert 51

52 US-Börsen II - National Association of Securities Dealers Automated Quotation (NASDAQ) 1971 gegründet weltgrößte Computerbörse für innovative Unternehmen Handel nach dem Multi-Market-Maker-Prinzip als Aktiengesellschaft organisiert (NASDAQ Stock Market, Inc., Börsegang in 2002, Secondary Offering 2005) 52

53 US-Aktienmärkte im Vergleich (Jahr 2007) Anzahl Listings Neuemissionen gehandelte Aktien (Mio.) Handelsvolumen (Umsatz) (Mio. USD) inländische Marktkapitalisierung (Mio. USD) NYSE NASDAQ AMEX Quelle: World Federation of Exchanges 53

54 Wiener Börse I gegründet - führte lange Zeit ein Schattendasein - Mitte der 1980er Jahre erste Aufschwungphase im Sog der Privatisierungswelle und aufgrund von Kaufempfehlungen in internationalen Publikationen - Initiative Finanzmarkt Österreich Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität der Wiener Börse Umwandlung der Rechtsform der Wiener Börse in eine Aktiengesellschaft 1997 Errichtung einer unabhängigen Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) Vernetzung mit dem Frankfurter Handelssystem Xetra Ernennung eines Regierungsbeauftragten für den österr. Kapitalmarkt Neue Zukunftsvorsorge (seit ) 54

55 Wiener Börse II Das Börsegesetz (BörseG) sieht drei Arten des Handels mit Wertpapieren vor: - Amtlicher Handel (höchste Anforderungen, 66 BörseG) - Geregelter Freiverkehr (weniger streng als im amtlichen Handel, 68 BörseG) - Dritter Markt (nur geringe Voraussetzungen, 69 BörseG) Hier werden Wertpapiere gehandelt, die weder die Zulassungsvoraussetzungen für den amtlichen Handel noch den geregelten Freiverkehr erfüllen. 55

56 Wiener Börse - Zulassungsvoraussetzungen Aktien mit Nominale Publikumsstreuung Nennwertlose Aktien voraussichtlicher Kurswert Publikumsstreuung Amtlicher Handel 66a BörseG mindestens 2,9 Mio. mindestens mindestens Stück mindestens mindestens Stück Geregelter Freiverkehr 68 BörseG mindestens mindestens mindestens Stück mindestens mindestens Stück Bestandsdauer des Unternehmens 3 Jahre 1 Jahr veröffentlichte Jahresabschlüsse der 3 vorangegangenen vollen Geschäftsjahre des vorangegangenen vollen Geschäftsjahres 56

57 Wiener Börse - Handelssegmente - Zusätzlich zu den gesetzlich vorgesehenen Handelsarten sieht die Wiener Börse auch noch eine Segmentierung nach der Liquidität des jeweiligen Teilbereichs vor Prime Market (höchste Liquidität, Zusatzanforderungen in Bezug auf Marktkapitalisierung, Streubesitz und Corporate Governance, fortlaufender Handel) Mid Market (Einhaltung erhöhter Transparenz-, Qualitäts- und Publizitätskriterien, einmal untertägige Auktion) Standard Market Continuous (fortlaufender Handel in Verbindungen mit mehreren untertägigen Auktionen) Standard Market Auction (einmal untertägige Auktion) - Zu den gesetzlichen Anforderungen (durch das BörseG) treten damit weitere Verpflichtungen für die Emittenten hinzu. 57

58 Wiener Börse - Marktsegmentierung 58

59 ATX im Zeitablauf Quelle: Wiener Börse 59

60 Wiener Börse im Vergleich zu den US-Börsen Jahr 2007 NYSE Nasdaq AMEX Wiener Börse Anzahl Listings Neuemissionen gehandelte Aktien (in Mio.) (+ 56,5%) Handelsvolumen (Umsatz) (in Mrd. USD) (+ 58,5%) inländ. Marktkapitalisierung (in Mrd. USD) (+ 18,7%) Quelle: World Federation of Exchanges 60

61 Eigen-Außenfinanzierung mit Kapitalmarktnutzung - Aktiengesellschaft (AG) Mindeststammkapital von Kapitalmarkt wird für die Eigenkapitalbeschaffung und den Handel der Anteile genutzt Ungeregelte / außerbörsliche Märkte (Privatplatzierung private equity) Geregelte Märkte (Börsen public equity) börsenotierte vs. nicht-börsenotierte Aktiengesellschaften Haftung des Aktionärs auf seine Einlage beschränkt Klare Trennung von Kapitalhingabe und Management Aktionäre entscheiden nicht laufend, sondern nur in der Hauptversammlung, mind. 1x jährlich Management übernimmt ein oder mehrere von den Gesellschaftern bestellte Geschäftsführer ( Agency-Problem) Aufsichtsrat als Kontrollorgan Zerlegung des Grundkapitals in Aktien 61

62 Arten von Aktien Unterscheidungsmerkmal Anteilsberechnung Art und Übertragbarkeit der Aktie (Aktionärsanonymität) Eingeräumte Rechte Aktientyp - Nennbetragsaktie - Stückaktie (Quotenaktie) - Inhaberaktie - Namensaktie Sonderform: vinkulierte Namensaktie - Stammaktie - Vorzugsaktie bevorrechteter Dividendenanspruch Überdividende limitierter Dividendenanspruch kumulative Vorzugsaktie 62

63 Gang an die Börse / Rückzug von der Börse - Going Public Initial Public Offering (IPO) bei erstmaligem Börsegang Sonderfall Privatisierung (falls es sich um ein bisher im direkten oder indirekten Besitz von Gebietskörperschaften stehendes Unternehmen handelt) - Secondary Offering - Going Private (Rückzug von der Börse) 63

64 Kapitalmaßnahmen einer AG - Ordentliche Kapitalerhöhung - Bedingte Kapitalerhöhung - Genehmigtes Kapital - Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln - Kapitalherabsetzung - Erwerb eigener Aktien 64

65 Ordentliche Kapitalerhöhung - Erfordert einen Beschluss der Hauptversammlung mit Drei-Viertel- Mehrheit - Erhöhung des Grundkapitals durch Ausgabe junger Aktien - Emissionskurs der jungen Aktien wird unter dem aktuellen Börsenkurs liegen, um einen entsprechenden Anreiz für die Zeichnung junger Aktien zu bieten - Bezugsrecht für Altaktionäre zur Vermeidung von Vermögensnachteilen zur Wahrung der Stimmrechtsverhältnisse Jeder Altaktionär bekommt zu seinen Aktien Bezugsrechte, mit denen er (im Verhältnis der Kapitalerhöhung) neue Aktien erwerben kann. 65

66 Bezugsrecht I Rechnerische Ermittlung: Bezugsrechtspreis = Kurs alte Aktie Preis junge Aktie Kapitalerhöhungsverhältnis + 1 Beispiel: Eine AG hat eine ordentliche Kapitalerhöhung durch die Ausgabe junger Aktien im Verhältnis 3:1 beschlossen. Die Aktien der AG notieren aktuell zu einem Kurs von 254. Die jungen Aktien werden zu einem Preis von 190 emittiert. Wert des Bezugsrechts = ( ) / (3 + 1) = 16 66

67 Bezugsrecht II Weiterführung des Beispiels: Der Aktionär Dagobert Duck besitzt 20 Aktien dieser AG. Wie wirkt sich die Kapitalerhöhung auf den Wert der Aktien von Dagobert Duck aus, wenn er a) an der Kapitalerhöhung teilnimmt b) nicht an der Kapitalerhöhung teilnimmt. Kurs der Aktie nach Kapitalerhöhung (Mischkurs) = Kurs alt x Zahl alter Aktien + Kurs jung x Zahl junger Aktien Anzahl der Aktien gesamt = (254 x x 1) / 4 =

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