Bevor ich reagieren konnte, bohrten sich gelbe Zähne in meine Hüfte. Der Schmerz raubte mir die Luft zum Schreien. Mein Herzschlag dröhnte in den

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2 Bevor ich reagieren konnte, bohrten sich gelbe Zähne in meine Hüfte. Der Schmerz raubte mir die Luft zum Schreien. Mein Herzschlag dröhnte in den Ohren, als ob er meinen Schädel sprengen wollte. Ich brachte nur ein verzerrtes Wimmern zustande. Es war vorbei. Nach all den Monaten des Kampfes und der Qual. Ich fühlte mich ausgelaugt und leer, beinahe glücklich, dass es endlich ein Ende hatte. Nur dumpf nahm ich noch meine Umgebung wahr, sah, wie Nick einem der Wesen ein Messer in den Hinterkopf rammte. Taubheit erfüllte mich. Ich wollte nur noch schlafen. Ich spürte kaum, wie die Jäger meinen Bauch aufschlitzten und ihren Hunger an meinen Eingeweiden stillten. Ich schreckte hoch und starrte mit aufgerissenen Augen in die Dunkelheit. Keuchend stieß ich den Atem aus. Wie von selbst tasteten meine Hände über meinen

3 Bauch, um zu prüfen, ob noch alle inneren Organe an ihrem richtigen Platz waren. Es dauerte eine ganze Weile, bis ich begriff, dass ich nicht durch den Wald rannte, sondern in meinem Bett lag. Spärliches Mondlicht bahnte sich seinen Weg vorbei an der Jalousie und ließ nur die Umrisse des Schlafsaals erkennen. Von der hinteren Ecke drang ein wohliges Schnarchen an mein Ohr ein Laut, der mich sonst störte, nun aber irgendwie beruhigte. Es war ein Zeichen von Leben. Neben mir knurrte Nick etwas Unverständliches in sein Kopfkissen. Noch im Halbschlaf drehte er sich zu mir um, schlang den Arm um meinen Bauch und zog mich zu sich. Wie von selbst fanden seine Lippen meine Schulter. Sein warmer Atem auf meiner Haut blies die Angst fort und hinterließ einen angenehmen Schauer.»Wieder so ein Traum?«,

4 nuschelte er und gähnte ausgiebig. Ich fuhr mir erschöpft über die Augen und merkte, dass meine Haare an der Stirn klebten. Als Antwort seufzte ich nur und schlug die Decke beiseite. Ich musste mich bewegen, irgendwie ablenken. Nick wollte mich wieder zu sich ziehen, aber ich streifte vorsichtig seinen Arm ab.»ich geh eben was trinken«, erklärte ich leise.»kann jetzt eh nicht einschlafen.mir würde da was anderes einfallen«, erwiderte mein Freund und ich konnte mir sein anzügliches Grinsen bildlich vorstellen. Stumm rollte ich mit den Augen, boxte ihm sacht gegen die Schulter und schlich so leise wie möglich aus dem Zimmer. Das Schnarchen kam kurz ins Stocken, als ich die knarrende Tür aufzog, intonierte dann aber gleichmäßig weiter. Wahrscheinlich war auch Nick wieder eingeschlafen, noch bevor ich die Tür hinter

5 mir geschlossen hatte. Der Flur wurde dämmrig erhellt vom Licht, das aus der unteren Etage kam. Ich hatte nicht darauf geachtet, ob alle Betten belegt waren, aber scheinbar war ich nicht die Einzige mit einem Schlafproblem. Vielleicht war es auch die Nachtwache, die sich bei einem Kaffee aufwärmte. Ich ging die Treppe hinunter und folgte dem goldenen Lichtschein. Als ich den Spiegel im Flur passierte, legte ich meine Hand auf der Höhe meines Gesichts auf das Glas. Ich wollte mich nicht sehen müssen. Schon tagsüber war ich nur noch ein Schatten von mir selbst. Ich wollte gar nicht wissen, wie ich nachts nach einem Albtraum aussah. Vorsichtig schob ich die Tür zum Wohnzimmer einen Spalt weiter auf und steckte den Kopf hinein. Gwen saß mit einem Buch in der Hand auf

6 dem Sofa und war ganz in den Roman vertieft. Sie hatte diese verträumte Eigenart, auf der Lippe herumzukauen, wenn sie sich auf den Text konzentrierte. Für sie war Lesen Flucht und Therapie zugleich. Auf ihrem Schoß lag ein Kissen, auf dem wiederum Phils Kopf ruhte. Der junge Mann schlief ein seltener Anblick, der mich zum Lächeln brachte. Phil hatten die ganzen Gefahren vielleicht am meisten verändert. Er schien fast nie zu schlafen, war unruhig und gereizt. Da tat es mir gut, ihn einmal so entspannt zu sehen. Wenn seine Miene nicht so grimmig war, konnte ich tatsächlich den alten Freund darin erkennen, mit dem ich vor Jahren zur Schule gegangen war. Zögernd trat ich ins Wohnzimmer. Ich wollte die ruhige Atmosphäre nicht zerstören, doch als eine alte Diele unter meinen Füßen knarrte, schaute Gwen überrascht auf. Sie legte den

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