Experimentalphysik I: Mechanik
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- Anna Huber
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1 Ferienkurs Experimentalphysik I: Mechanik Wintersemester 15/16 Übung 1 - Lösung Technische Universität München 1 Fakultät für Physik
2 1 Stein fällt in Brunnen Ein Stein fällt in einen Brunnen. Seine Anfangsgeschwindigkeit ist Null. Ein Zeitintervall t = 1s nach dem Beginn des freien Falls wird eine zweiter Stein mit der Anfangsgeschwindigkeit v z0 = 20 m s hinterhergeworfen. Der Luftwiderstand bleibt unberücksichtigt. (g = 10 m s 2 ) 1. Berechnen Sie die Zeit t 1, die nach Bewegungsbeginn des ersten Steines vergeht, bis dieser vom zweiten Stein überholt wird. 2. In welcher Tiefe z 1 findet der Überholvorgang statt? Lösung: 1. Beide Steine führen eine gleichmäßig beschleunigte Bewegung nach unten (in positive z-richtung) aus. Die Ort-Zeit-Funktion lautet für den ersten Stein: Für den zweiten Stein gilt z = 1 2 gt2 (1) z = 1 2 g(t t)2 + v z0 (t t) (2) wobei der spätere Start dadurch berücksichtigt ist, dass t > 0 von der Zeit abgezogen wurde. Beim Überholvorgang, der zur Zeit t 1 stattfindet, sind beide Steine am gleichen Ort: z 1 = z 1. Daraus folgt: Diese Gleichung muss nun nach t 1 aufgelöst werden. 1 2 gt2 1 = 1 2 g(t 1 t) 2 + v z0 (t 1 t) (3) 1 2 gt2 1 = 1 2 gt2 1 gt 1 t g( t)2 + v z0 t 1 v z0 t (4) t 1 (v z0 g t) = (v z0 1 g t) t (5) 2 t 1 = v z0 1 2 g t v z0 g t t = 1, 5s (6) Das Problem ist nur sinnvoll lösbar, wenn v z0 > g t, d. h., die Startgeschwindigkeit des zweiten Steins muss größer sein als die Geschwindigkeit, die der erste Stein bis dahin erreicht hat. 2. z 1 = 1 2 gt2 1 = 11m 2 Fliegender Pfeil Sie schießen vom Boden aus einen Pfeil in einem Winkel α zur Horizontalen mit einer Geschwindigkeit v 0 = 60 m/s ab. Technische Universität München 2 Fakultät für Physik
3 1. Wie weit und wie hoch fliegt der Pfeil, falls Sie ihn unter einem Winkel von α = 30 abschießen? 2. Unter welchem Winkel α 1 müssen Sie den Pfeil abschießen, damit seine Reichweite maximal wird? Wie weit fliegt er? 3. Unter welchem Winkel α 2 müssen Sie den Pfeil abschießen, damit seine vertikale Auftreffgeschwindigkeit maximal wird? Wie hoch fliegt er? Lösung Es gilt die allgemeine Bewegungsgleichung x(t) = x 0 + v x t a xt 2 y(t) = y 0 + v y t a yt 2 mit x 0 = y 0 = 0, v x = v 0 cos(α), v y = v 0 sin(α), a y = g und a x = 0 erhält man die speziellen Bewegungsgleichungen x(t) =v 0 cos(α)t y(t) =v 0 sin(α)t 1 2 gt2 1. Reichweite: Der Pfeil treffe zur Zeit t 1 auf dem Boden auf. Dann gilt y(t 1 ) = 0 (v 0 sin(α) 1 2 gt 1) t 1 = 0 t 1 = 2v 0 sin(α) g Setzt man dies nun in x(t) ein erhält man die Reichweite x(t 1 ) = 2v2 0 sin(α) cos(α) =: x max (α) g und damit x max (30 ) = 1247, 2m Höhe: Der Pfeil sei zur Zeit t 2 am höchsten Punkt. Dann gilt ẏ(t 2 ) = 0 v 0 sin(α) gt 2 = 0 t 2 = v 0 sin(α) g Setzt man dies nun in y(t) ein erhält man die Höhe y(t 2 ) = v2 0 sin2 (α) g und damit y max (30 ) = 45, 0m v2 0 sin2 (α) 2g = v2 0 sin2 (α) 2g =: y max (α) Technische Universität München 3 Fakultät für Physik
4 2. Um die Reichweite zu maximieren muss man die Gleichung für x max ableiten dx max (α) dα α=α1 = 0 2v2 0 g (cos2 (α 1 ) sin 2 (α 1 )) = 0 tan 2 (α 1 ) = 1 α 1 = 45 und die Reichweite aus x max (α 1 ) = 1440m 3. Die maximale vertikale Auftreffgeschwindigkeit erhält man natürlich bei einem Abschusswinkel von α 2 = 90 (da v x = const.). Man erhält damit für die Höhe y max (α 2 ) = 180m 3 Ellipsenbahn Betrachten Sie ein Punktteilchen, dessen Bahn durch r(t) = Acos(ωt)e x + Bsin(ωt)e y mit A > B > 0 gegeben ist. 1. Um was für eine Bewegung handelt es sich hierbei? 2. Berechnen Sie die Geschwindigkeit v = dr dt und die Beschleunigung a = dv dt des Teilchens. 3. Wo ist der Betrag der Geschwindigkeit bzw. der Beschleunigung maximal, wo minimal? 4. Können Sie einen einfachen Zusammenhang zwischen der Beschleunigung des Teilchens und seinem Ort erkennen? Formulieren Sie diesen Zusammenhang als Gleichung sowie als vollständigen Satz, der die Begriffe Richtung der Beschleunigung und Betrag der Beschleunigung enthält. Lösung 1. Es handelt sich um eine Bewegung auf einer elliptischen Bahn mit Mittelpunkt im Ursprung und großer Halbachse A entlang der x-richtung und kleiner Halbachse B entlang der y-richtung. Für A = B entartet die Ellipse zu einem Kreis; diesen Fall haben wir aber ausgeschlossen. 2. Die Geschwindigkeit: Die Beschleunigung: v(t) = dr dt = d dt Acos(ωt)e x + Bsin(ωt)e y = ωasin(ωt)e x + ωbcos(ωt)e y a(t) = dv dt = ω2 Acos(ωt)e x ω 2 Bsin(ωt)e y Technische Universität München 4 Fakultät für Physik
5 3. Es bietet sich an, nicht mit den Beträgen von Geschwindigkeit und Beschleunigung direkt zu rechnen, sondern mit ihren Quadraten, da man sich so die hässlichen Wurzeln spart. Das ist erlaubt, da die Beträge genau dort maximal/minimal sind, wo ihre Quadrate maximal/minimal sind. Aus 4.2) folgt für das Betragsquadrat: v 2 = v 22 = v 2 (t) = ω 2 A 2 sin 2 (ωt) + ω 2 B 2 cos 2 (ωt) v 2 (t) hat dort ein Extrem, wo die Zeitableitung verschwindet: Also: d dt v2 (t) = 2ω 3 A 2 sin(ωt)cos(ωt) 2ω 3 B 2 cos(ωt)sin(ωt)! = 0 (A 2 B 2 )sin(ωt)cos(ωt) = 0 Dies ist erfüllt, wenn entweder der sin oder der cos null ist, also wenn ωt = 0, π 2, π, 3π 2, also genau in den 4 Punkten der Ellipse, wo auch der Abstand vom Ursprung extremal wird. Die Werte von v sind in diesen Punkten: ωt = 0 v = ωb ωt = π 2 v = ωa ωt = π v = ωb ωt = 3π 2 v = ωa Wegen der Voraussetzung A > B erkennt man, dass die Geschwindigkeit dort maximal ist, wo der Abstand zum Mittelpunkt minimal ist und umgekehrt. Die Rechnung für die Beschleunigung erfolgt analog: a 2 (t) = ω 4 A 2 cos 2 (ωt) + ω 4 B 2 sin 2 (ωt) a 2 (t) wird extremal, wenn seine Zeitableitung verschwindet: Also d dt a2 (t) = 2ω 5 A 2 cos(ωt)sin(ωt) + 2ω 5 B 2 cos(ωt)sin(ωt)! = 0 (A 2 B 2 )sin(ωt)cos(ωt) = 0 Dies ist erfüllt, wenn entweder der sin oder der cos null ist, also wenn ωt = 0, π 2, π, 3π 2, also genau in den 4 Punkten der Ellipse, wo auch der Abstand vom Ursprung extremal wird. Die Werte von a sind in diesen Punkten: ωt = 0 a = ω 2 A ωt = π 2 a = ω2 B Technische Universität München 5 Fakultät für Physik
6 ωt = π a = ω 2 A ωt = 3π 2 a = ω2 B Wegen der Voraussetzung A > B erkennt man, dass die Beschleunigung dort maximal ist, wo der Abstand zum Mittelpunkt maximal ist und umgekehrt. 4. Betrachtet man die in b) berechnete Beschleunigung zur Zeit t a(t) = dv dt = ω2 Acos(ωt)e x ω 2 Bsin(ωt)e y und vergleicht diese mit dem Ort zur selben Zeit t: r(t) = Acos(ωt)e x + Bsin(ωt)e y, dann erkennt man den einfachen Zusammenhang: a(t) = ω 2 r(t) Auf der betrachteten Ellipsenbahn zeigt die Richtung der Beschleunigung also stets entgegen dem momentanen Ortsvektor, also auf den Ursprung hin, während der Betrag der Beschleunigung proportional zur Länge des Ortsvektors, also zum Abstand vom Ursprung ist. 4 Gravitationskraft Betrachten Sie eine Bleikugel der Masse 1000kg, die in der Mitte eines großen und im wesentlichen leeren Labors feststehend fixiert ist. In 1m Abstand (Abstand der Mittelpunkte) befindet sich eine zweite Bleikugel der Masse 0, 1kg, die sich entlang der horizontalen Verbindungslinie der Mittelpunkte beider Kugeln reibungsfrei bewegen kann. Würden im Labor ideale Bedingungen herrschen, dann würde man beobachten, dass eine halbe Stunde nachdem die kleine Kugel aus der Ruhe losgelassen wurde, sie sich der großen Kugel aufgrund ihrer Gravitationsanziehung um 10, 8cm genähert hat. 1. Bestimmen Sie aus diesen Angaben den Wert der Newtonschen Gravitationskonstanten G. Nehmen Sie dazu näherungsweise an, dass auf dem gesamten Weg der kleinen Kugel dieselbe Kraft wirkt wie am Anfangspunkt. 2. Bestimmen Sie die Masse und die mittlere Dichte der Erde. (Der Erdradius ist 6378km und die Gravitationsbeschleunigung an der Oberfläche 9.81 m s 2 ) Lösung Die Gravitationskraft ist allgemein definiert als F G = G Mm r e 2 r Technische Universität München 6 Fakultät für Physik
7 1. Die Kugel mit Masse m wird durch die Gravitationskraft F G beschleunigt, also gilt für die Beschleunigung a a = F G m = G M r 2 Diese Beschleunigung führt nach einer Zeit von t = 1800s zu einer zurückgelegten Strecke von s = 1 2 at2 = 0, 108m wir erhalten also für die Gravitationskonstante mit einem Abstand von r = 1m und M = 1000kg G = ar2 M = 2sr2 m3 = 6, 67 t M s 2 kg 2. Aus der Gravitationsbeschleunigung auf der Erde g = G M E R 2 E lässt sich mit der berechneten Gravitationskonstante aus a) und dem Erdradius R E = 6378km die Erdmasse berechnen M E = gr2 E G und damit die mittlere Dichte der Erde ρ = M V = 3M E 4πR 3 E = 5, kg = 5500 kg m 3 5 Kräftegleichgewicht Man berechne die notwendige horizontale Kraft, um jegliche relative Bewegung von m 1, m 2 und M (zu Abbildung 1) zu verhindern. Hierzu nehme man an, dass alle Bewegungen liefen reibungsfrei und die Trägheit von Seil und Rolle seien vernachlässigbar. Technische Universität München 7 Fakultät für Physik
8 Lösung In obiger Abbildung sind die Kräfte f 1, F und mg eingezeichnet. Wenn keine relative Bewegung zwischen m 1, m 2 und M stattfindet, sind die Beschleunigungen ebendieser gleich. Die folgende Gleichung beschreibt die Bewegung von m 1, m 2 und M entlang der x-achse: (M + m 1 + m 2 ) x = F m 1 x = f 1 Da insbesondere keine relative Bewegung von m 2 in y-richtung stattfindet, gilt f 1 = m 2 g In Kombination ergeben diese beiden Gleichungen 6 Kreisbeschleunigung F = m 2(M + m 1 + m 2 )g m 1 Ein Zug fährt mit konstanter Tangentialbeschleunigung auf einem Kreisbogen mit dem Radius r = 2 km. Dabei legt er die Strecke s = 1200 m zurück. Zu Beginn der betrachteten Bewegung hat er die Geschwindigkeit v 1 = 30 km/h und am Ende v 2 = 100 km/h. 1. Wie lange dauert der Beschleunigungsvorgang? 2. Wie groß ist die Tangentialbeschleunigung? 3. Berechnen Sie die Winkelbeschleunigung. 4. Wie groß ist die Zentripetalbeschleunigung zu Beginn und am Ende des Vorgangs? Lösung 1. x = s = v 1 t + a 2 t2 (7) v 2 = x t = v 1 + at a = v 2 v 1 t (8) Technische Universität München 8 Fakultät für Physik
9 (7) in (8) s = v 1 t + v 2 v 1 t 2 2t (9) = v 1 t + v 2 v 1 t 2 (10) t = 2 s = 2400m = 66, 5s v 1 + v km h (11) v 2 = v 1 + a t t a t = v 2 v 1 t ω = ω t = 0, 29 m s 2 (12) = v r t = a t r = 1, s 2 (13) a z = ω 2 r = v2 r (14) a z (v 1 ) = 0, 0347 m s 2 (15) a z (v 2 ) = 0, 386 m s 2 (16) 7 Gleichförmige Kreisbewegung Ein Auto fährt geradlinig mit der Geschwindigkeit v 0 = 96 km h auf der Autobahn. Die Räder haben den Durchmesser d = 2r 2 = 58cm 1. Welche Radialbeschleunigung a r hat die Ventilkappe das Rades, die sich im Abstand r 1 = 14, 5cm von der Achse befindet? 2. In welcher Zeit t 1 ändert sich die Richtung der Tangentialgeschwindigkeit dieser Kappe um den Winkel ϕ 1 = 60? (Hierbei soll die Drehung um die mitbewegte Achse des Rades betrachtet werden.) 3. Angenommen, die Ventilkappe löse sich gerade beim Durchgang im oberen Punkt. In welcher Richtung würde sie sich unmittelbar nach dem Lösen bewegen und wie groß wäre die Geschwindigkeit v K? Lösung: 1. Die Radialbeschleunigung der Ventilkappe ist also a r = a r = ω 2 r 1 mit ω = v 0 r 2 (17) ( v0 Das ist das 122-fache der Erdbeschleunigung g. r 2 ) 2 r 1 = 1, m s 2 (18) Technische Universität München 9 Fakultät für Physik
10 2. Der Zusammenhang zwischen Drehwinkel ϕ und Zeit t folgt aus der Winkelgeschwindigkeit dϕ dt = ω (19) die hier konstant ist. Diese Gleichung wird integriert: ϕ1 t1 dϕ = ω dt (20) 0 0 Als Grenzen wurden die zusammengehörigen Werte der Variablen eingesetzt. Damit ist ϕ 1 = ωt 1. Mit ω = v 0 r 2 erhalten wir weiter t 1 = r 2 ϕ 1 v 0 = 1, s (21) 3. Die Führung auf der Kreisbahn hört im oberen Punkt auf. Die Bahngeschwindigkeit der Kappe zeigt in diesem Punkt in Fahrtrichtung. In diese Richtung wird sie auch weggeschleudert. Um die Gesamtgeschwindigkeit der Kappe in diesem Punkt zu ermitteln, muss zur Fahrtgeschwindigkeit v 0 noch die Umlaufgeschwindigkeit v 1 = ωr 1 der Kappe addiert werden: v K = v 0 + r 1 ω, wobei ω = v 0 (22) r ( 2 v K = v r ) 1 = 1, 5v 0 = 143 km (23) r 2 h Technische Universität München 10 Fakultät für Physik
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