5. Vorlesung: Normalformen



Ähnliche Dokumente
Technische Grundlagen der Informatik

6. Vorlesung: Minimalformen

03 Boolesche Algebra. Technische Grundlagen der Informatik

Teil 1: Digitale Logik

Schaltfunktion, Definition

DuE-Tutorien 17 und 18

Rechnerstrukturen, Teil 1. Vorlesung 4 SWS WS 14/15

f ist sowohl injektiv als auch surjektiv.

Technische Informatik I

Normalformen boolescher Funktionen

DuE-Tutorien 4 und 6. Tutorien zur Vorlesung Digitaltechnik und Entwurfsverfahren Christian A. Mandery. WOCHE 4 AM

Eingebettete Systeme

Normalformen von Schaltfunktionen

a. Welche der folgenden Terme können als Minterm, Maxterm, beides oder keines von beidem dargestellt werden:

Allgemeingültige Aussagen

Teil 1: Digitale Logik

Was bisher geschah: klassische Aussagenlogik

Boolesche Algebra (1)

Informationsverarbeitung auf Bitebene

Rechnerstrukturen, Teil 1. Vorlesung 4 SWS WS 15/16

Rechnerstrukturen. Michael Engel und Peter Marwedel WS 2013/14. TU Dortmund, Fakultät für Informatik

Grundlagen der Informationsverarbeitung:

Systemorientierte Informatik 1

2.1 Boole sche Funktionen

Grundlagen der Technischen Informatik. 6. Übung. Christian Knell Keine Garantie für Korrekt-/Vollständigkeit

Konjunktive und disjunktive Normalformen

Grundlagen der Informationverarbeitung

Kapitel 1.3. Normalformen aussagenlogischer Formeln. Mathematische Logik (WS 2010/11) Kapitel 1.3: Normalformen 1 / 1

Aussagenlogik. Formale Methoden der Informatik WiSe 2012/2013 teil 6, folie 1

Digitaltechnik FHDW 1.Q 2007

Technische Informatik I, SS03. Boole sche Algebra, Kombinatorische Logik

GETE DIGITAL TECHNIK CODIERUNG BCD: BINARY CODED DIGITAL. Hr. Houska

Darstellung von negativen binären Zahlen

Signalverarbeitung 1

Boolesche (Schalt-) Algebra (1)

Übungen zur Vorlesung Grundlagen der Rechnerarchitektur

Grundlagen der Technischen Informatik. 7. Übung

Satz von De Morgan A B A + B A + B A B A. Transistoren: A B U a A 0 0 Vcc Vcc Vcc V 0

DuE-Tutorien 16 und 17

Kapitel 6 Programmierbare Logik. Literatur: Kapitel 6 aus Oberschelp/Vossen, Rechneraufbau und Rechnerstrukturen, 9. Auflage

Logik (Teschl/Teschl 1.1 und 1.3)

Logik für Informatiker

II. Grundlagen der Programmierung

N Bit binäre Zahlen (signed)

Einführung in die technische Informatik

2.3 Logikoptimierung. Überblick digitale Synthese. Logikoptimierung

Einführung in. Logische Schaltungen

Grundlagen der Technischen Informatik. 5. Übung

Arbeitsblatt Logische Verknüpfungen Schaltnetzsynthese

Electronic Design Automation (EDA) Logikoptimierung

Computersysteme. 2. Grundlagen Digitaler Schaltungen 2.10 Minimierung Boole scher Funktionen 2.11 CMOS Komplexgatter

Einführung in die Theoretische Informatik

GTI ÜBUNG 8 FRIEDRICH-ALEXANDER UNIVERSITÄT ERLANGEN-NÜRNBERG JAN SPIECK 1

Verwendung eines KV-Diagramms

kanonische disjunktive Normalform (KDNF, DKF) Disjunktion einer Menge von Mintermen mit gleichen Variablen

C.34 C Normalformen (4) 5.7 Hauptsatz der Schaltalgebra. 5.7 Hauptsatz der Schaltalgebra (2) 5.7 Hauptsatz der Schaltalgebra (3)

Auswertung. Hinweise. Einführung in die Technische Informatik WS 2006/2007 Probeklausur. Aachen, 02. November 2006 SWS: V2/Ü2, ECTS: 4

DIGITALTECHNIK 06 SCHALTUNGS- SYNTHESE UND ANALYSE

Minimierung von logischen Schaltungen

Boolesche Funktionen und Schaltkreise

Algorithmus von McClusky: Der Algorithmus von McCluskey liefert durch wiederholte Anwendung der ersten und zweiten Vereinfachungsregel:

Rechnerstrukturen WS 2012/13

Rechnerstrukturen WS 2012/13


Stichwortverzeichnis. Gerd Wöstenkühler. Grundlagen der Digitaltechnik. Elementare Komponenten, Funktionen und Steuerungen ISBN:

Logische Äquivalenz. Definition Beispiel 2.23

Einführung in Computer Microsystems Sommersemester Vorlesung Dr.-Ing. Wolfgang Heenes

Algorithmen & Programmierung. Logik

Digitaltechnik Grundlagen 4. Schaltalgebra

2. Funktionen und Entwurf digitaler Grundschaltungen

, SS2012 Übungsgruppen: Do., Mi.,

TU5 Aussagenlogik II

Rechnerstrukturen. Michael Engel und Peter Marwedel SS TU Dortmund, Fakultät für Informatik

Digital Design. Digital Design SS Prof. Dr. Richard Roth. 6 SWS SU und Übungen

Mathematische Grundlagen I Logik und Algebra

Einführung in die Boolesche Algebra

Digitalelektronik - Inhalt

8. Tutorium Digitaltechnik und Entwurfsverfahren

Inhaltsverzeichnis Teil I Digitaltechnik Grundlagen: Zahlensysteme, Dualzahlen und Codes Logische Funktionen und Boolesche Algebra

1. Boolesche Algebra und Schaltalgebra

4^ Springer Vi eweg. SPS-Programmierung. nach IEC in Anweisungsliste. und handlungsorientierte Einführung. Hans-Joachim Adam Mathias Adam

Grundlagen der Rechnerarchitektur

Inhaltsverzeichnis Teil I Digitaltechnik Grundlagen: Zahlensysteme, Dualzahlen und Codes Logische Funktionen und Boolesche Algebra

2. Schaltfunktionen und ihre Darstellung

2. Schaltfunktionen und ihre Darstellung

1 Aussagenlogischer Kalkül

Aussagenlogik. Formale Methoden der Informatik WiSe 2010/2011 teil 7, folie 1 (von 50)

Übungen zu Informatik 1

8 Boolesche Algebra. 8.1 Grundlegende Operationen und Gesetze

Grundlagen der Technischen Informatik

A.1 Schaltfunktionen und Schaltnetze

1 Analogtechnik und Digitaltechnik. C Schaltalgebra und kombinatorische Logik. 2 Digitale elektrische Schaltungen

Digitale Elektronik. Vom Transistor zum Speicher

Design und Implementierung eines Tools zur Visualisierung der Schaltfunktionsminimierung

Informatik III. Christian Schindelhauer Wintersemester 2006/ Vorlesung

Transkript:

5. Vorlesung: Normalformen Wiederholung Vollständige Systeme Minterme Maxterme Disjunktive Normalform (DNF) Konjunktive Normalform (KNF) 1

XOR (Antivalenz) X X X X X X ( X X ) ( X X ) 1 2 1 2 1 2 1 2 1 2 0 0 0 1 1 0 1 1 X X X X X X ( X X ) ( X X ) 1 2 1 2 1 2 1 2 1 2 0 0 0 0 0 0 1 0 1 1 1 0 1 0 1 1 1 0 0 0 2

XOR, 3

XNOR (Äquivalenz) X X X X X X ( X X ) ( X X ) 1 2 1 2 1 2 1 2 1 2 0 0 0 1 1 0 1 1 X X X X X X ( X X ) ( X X ) 1 2 1 2 1 2 1 2 1 2 0 0 0 1 1 0 1 0 0 0 1 0 0 0 0 1 1 1 0 1 4

XNOR, 5

Vollständige Systeme 6

Vollständiges System aus UND, ODER und NICHT Die drei Grundverknüpfungen der Booleschen Algebra bilden ein vollständiges System. Dies bedeutet, dass mit diesen drei Verknüpfungen eine beliebige Schaltung aufgebaut werden kann. Für den Schaltungsentwurf müssen demnach nur drei Verknüpfungen zur Verfügung stehen. 7

Vollständiges System aus NAND I Bildet die NAND Verknüpfung ebenfalls ein vollständiges System? Es ist zu überprüfen ob UND,ODER und NICHT ausschließlich mit NAND Gattern realisiert werden können. 8

Vollständiges System aus NAND II NICHT Y = X X = X 1 X = X X Schaltungsaufbau? 9

Vollständiges System aus NAND III UND Y = ( X X ) 1 2 ( X X ) = ( X X ) = ( X X ) ( X X ) 1 2 1 2 1 2 1 2 Schaltungsaufbau? 10

Vollständiges System aus NAND IV ODER Y = ( X X ) 1 2 ( X X ) = ( X X ) = ( X X ) = ( X X ) ( X X ) 1 2 1 2 1 2 1 1 2 2 Schaltungsaufbau? 11

Vollständiges System aus NOR I Bildet die NOR Verknüpfung ebenfalls ein vollständiges System? Es ist zu überprüfen ob UND,ODER und NICHT ausschließlich mit NOR Gattern realisiert werden können. 12

Vollständiges System aus NOR II NICHT Y = X X = X 0 X = X X Schaltungsaufbau? 13

Vollständiges System aus NOR III UND Y = ( X X ) 1 2 ( X X ) = ( X X ) = ( X X ) = ( X X ) ( X X ) 1 2 1 2 1 2 1 1 2 2 Schaltungsaufbau? 14

Vollständiges System aus NOR IV ODER Y = ( X X ) 1 2 ( X X ) = ( X X ) = ( X X ) ( X X ) 1 2 1 2 1 2 1 2 Schaltungsaufbau? 15

Laufzeit von Schaltungen Zur Lösung anspruchsvoller Aufgaben werden mehrstufige Schaltungen benötigt. Gemäß der Anzahl der Ebenen, wobei Negationen an Ein- und Ausgang nicht berücksichtigt werden, wird eine Schaltung als n-stufige Logik bezeichnet. Die Laufzeit der Schaltung ergibt sich als Summe der Laufzeiten aller Ebenen. 16

Komplexität von Schaltungen Die Komplexität bzw. der Aufwand von Schaltungen wird durch die Anzahl der Gattereingänge abgeschätzt. Zur Berechnung werden alle Eingänge aller Ebenen berücksichtigt. 17

Normalformen Normalformen dienen der Darstellung Boolescher Funktionen in einheitlicher Form. Jeder Term der Darstellung enthält alle Eingangsvariablen. Für die Boolesche Algebra ist die konjunktive und die disjunktive Normalform von Interesse. 18

Minterm (Vollkonjunktion) Ein Minterm ist eine Konjunktion, die alle Eingangsvariablen, nicht negiert oder negiert, enthält. Für eine Boolesche Funktion mit n Eingangsvariablen existieren daher genau 2 n Minterme. Für exakt eine Kombination der Zustände der Eingangsvariablen nimmt ein Minterm den Zustand wahr bzw. 1 an. Für alle anderen Kombinationen liefert der Minterm 0. 19

Minterme für zwei Eingänge X X m m m m 1 2 0 1 2 3 0 0 1 0 0 0 0 1 0 1 0 0 1 0 0 0 1 0 1 1 0 0 0 1 Bitte notieren Sie die algebraische Darstellung für alle vier Minterme. X X m m m m 1 2 0 1 2 3 0 0 1 0 0 0 0 1 0 1 0 0 1 0 0 0 1 0 1 1 0 0 0 1 X X X X X X X X 1 2 1 2 1 2 1 2 20

Maxterm (Volldisjunktion) Ein Maxterm ist eine Disjunktion, die alle Eingangsvariablen, nicht negiert oder negiert, enthält. Für eine Boolesche Funktion mit n Eingangsvariablen existieren daher genau 2 n Maxterme. Für exakt eine Kombination der Zustände der Eingangsvariablen nimmt ein Maxterm den Zustand falsch bzw. 0 an. Für alle anderen Kombinationen liefert der Maxterm 1. 21

Maxterme für zwei Eingänge X X M M M M 1 2 0 1 2 3 0 0 0 1 1 1 0 1 1 0 1 1 1 0 1 1 0 1 1 1 1 1 1 0 Bitte notieren Sie die algebraische Darstellung für alle vier Maxterme. X X M M M M 1 2 0 1 2 3 0 0 0 1 1 1 0 1 1 0 1 1 1 0 1 1 0 1 1 1 1 1 1 0 X X X X X X X X 1 2 1 2 1 2 1 2 22

Konvention Für die Indizierung der Min- bzw. Maxterme ist die Anwendung einer Konvention üblich. Die Zustände der Eingangsvariablen werden als Binärdarstellung einer Dezimalzahl interpretiert. Beispiel: X = 1, X = 1, X = 0 (110) (6) 1 2 3 2 10 23

Übung Bitte notieren Sie die algebraische Darstellung für den Term M 3 und die Darstellung für den Term m 7 einer Booleschen Funktion mit drei Eingangsvariablen. M (0,1,1) = X X X 3 1 2 3 m (1,1,1) = X X X 7 1 2 3 24

Disjunktive Normalform X1 X2 Y Wie kann die XOR-Funktion mit 0 0 0 Mintermen dargestellt werden? 0 1 1 m1 = X1 X2 1 0 1 1 1 0 m2 = X1 X2 Y = ( X X ) ( X X ) 1 2 1 2 25

Disjunktive Normalform (DNF) Eine beliebige Boolesche Funktion Y kann durch eine disjunktive Verknüpfung der Minterme realisiert werden, die für die Kombinationen der Eingangsvariablen eine 1 erzeugen, für welche Y = 1 gilt. Diese Beschreibung einer Booleschen Funktion wird als DNF bezeichnet. 26

Übung X1 X2 X3 Y 0 0 0 1 0 0 1 0 0 1 0 0 0 1 1 1 1 0 0 0 1 0 1 1 1 1 0 1 1 1 1 0 Bitte bilden Sie die DNF für Y und zeichnen Sie den Schaltungsaufbau. Y = m0 m3 m5 m6 = ( X X X ) ( X X X ) 1 2 3 1 2 3 ( X X X ) ( X X X ) 1 2 3 1 2 3 27

Übung (Fortsetzung) X1 X2 X3 Y 0 0 0 1 0 0 1 0 0 1 0 0 0 1 1 1 1 0 0 0 1 0 1 1 1 1 0 1 1 1 1 0 Y = ( X X X ) ( X X X ) 1 2 3 1 2 3 ( X X X ) ( X X X ) 1 2 3 1 2 3 28

Konjunktive Normalform X1 X2 Y Wie kann die XOR-Funktion mit 0 0 0 Maxtermen dargestellt werden? 0 1 1 M 0 = X1 X2 1 0 1 1 1 0 M 3 = X1 X2 Y = ( X X ) ( X X ) 1 2 1 2 29

Konjunktive Normalform (KNF) Eine beliebige Boolesche Funktion Y kann durch eine konjunktive Verknüpfung der Maxterme realisiert werden, die für die Kombinationen der Eingangsvariablen eine 0 erzeugen, für welche Y = 0 gilt. Diese Beschreibung einer Booleschen Funktion wird als KNF bezeichnet. 30

Übung X1 X2 X3 Y 0 0 0 1 0 0 1 0 0 1 0 0 0 1 1 1 1 0 0 0 1 0 1 1 1 1 0 1 1 1 1 0 Bitte bilden Sie die KNF für Y und zeichnen Sie den Schaltungsaufbau. Y = M1 M2 M4 M7 = ( X X X ) ( X X X ) 1 2 3 1 2 3 ( X X X ) ( X X X ) 1 2 3 1 2 3 31

Übung (Fortsetzung) X1 X2 X3 Y 0 0 0 1 0 0 1 0 0 1 0 0 0 1 1 1 1 0 0 0 1 0 1 1 1 1 0 1 1 1 1 0 Y = ( X X X ) ( X X X ) 1 2 3 1 2 3 ( X X X ) ( X X X ) 1 2 3 1 2 3 32

Minimierungsverfahren Jede Boolesche Funktion kann wahlweise in disjunktiver oder konjunktiver Normalform dargestellt werden (DNF bzw. KNF). Diese Darstellungen können so vereinfacht werden, dass man die disjunktive bzw. konjunktive Minimalform erhält (DMF bzw. KMF). Zur Minimierung können drei verschiedene Verfahren zur Anwendung kommen: Boolesche Algebra, Algorithmische Verfahren, Graphische Verfahren. 33