Universität Bayreuth 19.07.2010 Lehrstuhl Deutschdidaktik Examensvorbereitung Didaktik Dozentin: Claudia Wührl Referentinnen: Julia Erkens, Tanja Perl Neue Medien / Symmedium / Netzcomputer 1. Einzelmedien Brief, Buch, Computer, Fernsehen, Film, Foto, Internet, Video, Tonträger, Schallplatte, Kassette, CD, Zeitschrift, Zeitung 2. Mediengeschichte Es gibt auf der einen Seite eine ganze Reihe von Einzelmediengeschichten, beispielsweise eine Geschichte des Films oder der Fotographie, und auf der anderen Seite Versuche einer allgemeinen Kommunikationsgeschichte als Teil von Gesellschaftsgeschichte, aber noch kein Mittleres - keine Mediengeschichte im Gesamtüberblick. Folgende Ansätze existieren: - Mediengeschichte als Annalistik: Einzelne Daten werden medienspezifisch ausgewählt und aneinandergereiht - Mediengeschichte als Sozialgeschichte - Mediengeschichte als Systemgeschichte - Mediengeschichte als Technikgeschichte: Technische Entwicklungen und Entdeckungen werden als Schlüsselereignisse für Entwicklungen und Veränderungen von Mediengeschichte betrachtet; Bsp.: Erfindung der Schnellpresse (1812) - Mediengeschichte als Produktgeschichte: Geschichte wird als Abfolge von Werken oder Produkten abgefasst - Mediengeschichte als Herrschaftsgeschichte: NS-Zeit - Mediengeschichte als Erfolgsgeschichte: z.b. Bestseller, - Mediengeschichte als Personengeschichte: z.b. von Schauspielern, Stars,
3. Neue Medien: - einige Autoren sprechen von weiterentwickelten alten Medien, andere wiederum grenzen sie als absolut neuartig ab - der Begriff neue Medien wird oft nur als Synonym für Internet und Computer genutzt - nach Barzel (2004) gehören aber auch Taschenrechner und kleine, tragbare Organizer, so genannte Handhelds, dazu, letztendlich also alle digitalen Medien - den meistens Autoren geht es aber meist um digitale Medien sowie digitale Kommunikation, also letztendlich hauptsächlich um Computer, ihre Programme und um die verschiedenen Informationsnetze wie z. B. Internet oder Intranet - gerade das Internet ist für Schule und Unterricht mittlerweile mit großer Notwendigkeit verbunden (schnelle Kommunikation durch Email, Lernprogramme etc.) 4. Medienkritik im Deutschunterricht (nach Matthis Kepser): Medienkritik im gesamtgesellschaftlichen Diskurs Gegenstandsbereich, den Medienkritik berührt oder berühren sollte - Medienkritik in öffentlichen Diskursen: fast nur Print- und AV-Medien - Sprachkritik muss auch Teil der Medienkritik sein - massenmediale Erscheinungsformen (gesamtgesellschaftliche Verständigungsprozesse) fallen der Medienkritik anheim - eigentlich keine Trennung zwischen Literaturkritik und Medienkritik, denn Literaturkritik ist eine Untermenge der Medienkritik überhaupt - Medienkritik kann sich beschäftigen mit Kommunikationsmitteln, Techniken zur Herstellung und Verbreitung derselben, sowie Institutionen, die mit der Herstellung und Verbreitung der Medien beschäftigt sind (Schmidt, 1994) Prozesse des medialen Wandels - neues Medium: vom Taschenbuch, über Film, Radio, Fernseher, Video zum Computer/Internet - Sprachverfall, Trivialisierung, Kommerzialisierung...
Verhältnis von Wirklichkeit und ihrer medialen Konstruktion - Misstrauen an geschriebene Sprache - Manipulation von Fotos etc. - Realität und Fiktion schwer trennbar mögliche Medienwirkung - Computerspiele lösen Aggressionen aus durch Computerspiele können aggressive Impulse abreagiert werden Medienkritik als Diskurs der Deutschdidaktik (Welche Medienangebote einschließlich der Literatur sollen für den Deutschunterricht ausgewählt werden - Medienkritik als Zieldimension des Deutschunterrichts) bis Anfang der 70er Jahre - Schundliteratur vs. Kanon die 70er Jahre - Studentenrevolte 1968 die 80er Jahre - Begriff Medienkompetenz entwickelt sich die 90er Jahre - Medienkritik übernimmt in Schule und Unterricht einen höheren Stellenwert Gegenwärtige Aporien der Medienkritik im Deutschunterricht Medienkritik ist ohne ein Ringen um das Gewollte, ohne das Setzen von Standpunkten, ohne politische Stellungnahme, ohne pädagogische Absichtserklärung nicht möglich, auch und gerade nicht im Deutschunterricht 5. Allgemeines zu Medien im Deutschunterricht: Deutschunterricht bietet vielfältige Möglichkeiten, Kompetenzen im Bereich Computer und Internet auszubauen, da sich das Medium in alle Lernbereiche hervorragend integrieren lässt: Angebote von Lernsoftware, richtiger Umgang mit Textverarbeitungsprogrammen, zahlreiche Möglichkeiten der Gestaltung von eigenen Texten, Veröffentlichung von Texten, Internetrecherche ABER: Computer ersetzt nicht den Lehrer Computer ist nicht zu pädagogischen und sozialen Handeln fähig Problem: Computerkids bringen sich meistens selbst Kompetenzen bei, Lehrer und Eltern sind oft überfordert
Problem an Schulen: Ausstattung meistens veraltet zu hohe Geschwindigkeit in der technischen Entwicklung Früher: Medienerziehung im tabuisierenden, kritischen Blickwinkel (Kinder sollten vor schädlichen Einflüssen der Massenmedien bewahrt werden Konzept der 70er Jahre) Früher: Medien lediglich Lehr- und Lernmittel; wurden nur als Hilfsmittel verstanden, die Lernprozess unterstützen und bereichern sollten (kein eigenständiger Unterrichtsinhalt) Heute: Computerarbeit und Internetnutzung aus Gesellschaft nicht mehr wegzudenken: Arbeitsplatz, in der Schule (Medien als Gegenstand des DU), in der Freizeit sind Computer und Internet ständige Begleiter für die Jugendlichen vor allem im Freizeitbereich (Computerspiele, Chat, Email, Musikdownload, Internetrecherche usw.) PISA 2003: Deutschland bei Computernutzung in der Schule auf den letzten Plätzen Schüler wachsen mit Computer und Internet auf, große Zukunftsbedeutung ohne Internet und Computer geht heute fast nichts mehr DESWEGEN: Schüler müssen lernen, wie sie mit diesem Medium umgehen müssen und welche Gefahren die Nutzung des Internets mit sich bringt um der Gefahr der Informationsüberflutung entgegenzuwirken ist es besonders im Fach Deutsch wichtig, dass Schüler Medienkompetenz erlangen (gezielte, strukturierte Informationsbeschaffung und Verarbeitung) 5. Didaktische Relevanz der Medien Computer und Internet Begriffsbestimmung und Bedeutung der Medien Computer und Internet Internet und Computer als Symmedien Mit der Bezeichnung Symmedium wird auf den Sachverhalt abgehoben, dass der Computer wie das Internet nicht nur ein Simulationsmedium [ist], sondern auch ein Integrationsmedium, das alle medialen Optionen Text, Bild, Ton, Film etc. in sich vereint (Frederking). - Computer als das meist genutzte Medium in der Lebenswirklichkeit der Schüler; großen Einfluss auf die Entwicklungs- und Sozialisationsprozesse
- Bildungsinstitutionen können nicht ignorieren, dass wir in einer von Medien geprägten Welt leben - Medienkompetenz ist sowohl für die Vorbereitung für den Beruf, als auch für die Freizeit ein wichtiger Faktor - Mit dem Medieneinsatz kann ebenso der Lehr- und Lernprozess der Schüler besser organisiert werden - durch Computereinsatz wird die Motivation der Schüler erhöht 6 mögliche Funktionen der neuen digitalen Symmedien Computer und Internet im Deutschunterricht: Lernmedium - fachspezifische Lern- bzw. Übungssoftware für den Deutschunterricht (z.b. gezielte Arbeit an Problembereichen der deutschen Rechtschreibung und Grammatik) - Vorteil: Ergebnisse werden sofort bewertet, Fehler angezeigt usw.; Somit werden Lernfortschritte oder Lücken sichtbar gemacht Schreibmedium - Offline oder Online Modus - Offline bieten Textverarbeitungsprogramme interessante Anwendungsmöglichkeiten (z.b. Überarbeiten und Verbessern von selbst geschriebenen Texten) - Online Modus, z.b. Homepages Informationsmedium Als Informationsmedien dienen Computer oder Internet, wo beispielsweise Bücher oder Texte in digitaler Form gelesen werden Kooperationsmedium - Als Kooperationsmedien können Computer und Internet über entsprechende Tools genutzt werden, um innerhalb einer Lerngruppe zeitunabhängige Arbeitsprozesse oder virtuelle Kooperationen zwischen 2 lokal getrennten Lerngruppen organisieren und durchführen zu können - Als technische Grundlage bieten sich zum einen E-mail oder auch der Chat - Eine Zusatzoption bei virtuellen Kooperationen ist die Kommunikation über Videokonferenzen (mündlich)
Synästhetisches Handlungsmedium - Computer und Internet kommen als synästhetische Handlungsmedien zum Einsatz - D.h. es kann produktiv-kreativ gearbeitet werden, z.b. kann ein literarischer Text mit Ton, Bild, Film gestaltet werden - z.b. können auch unterschiedliche Verfilmungen eines literarischen Textes auf einer Rezeptions und Handlungsfläche einander vergleichend gegenüber gestellt und kommentierend verarbeitet werden Literatur: Diskussionsforum Deutsch. Hrsg. von Günter Lange und Werner Ziesenis. Band 14. Medienkritik im Deutschunterricht. Hrsg. von Matthis Kepser und Irmgard Nickel-Bacon. Schneider Verla Hohengehren GmbH. 2004. Deutschdidaktik und Medienerziehung. Kulturtechnik Medienkompetenz in Unterricht und Studium.Hrsg. von Hans Dieter Erlinger / Gudrun Marci-Boehncke. KoPäd Verlag. München. 1999. Faulstich, Werner (Hg.) (1995): Grundwissen Medien. München. Frederking, V.: Schreiben und literarische Texte am Bildschirm. In: Abraham, U., Kupfer-Schreiner, C., Maiwald, K. (Hg.): Schreibförderung und Schreiberziehung. Eine Einführung für Schule und Hochschule. Auer: Donauwörth 2005.