Autismus und Pubertät

Ähnliche Dokumente
Autismus, Herausforderndes Verhalten und der TEACCH Ansatz. Das Eisbergmodell. Das Eisbergmodell. Mögliche Ursachen Autismus: Sozialverhalten

Autismustherapie in der Praxis

Inhaltsverzeichnis Vorwort Zum Geleit Wie sind Hand- und Arbeitsbuch aufgebaut? Das Arbeitsbuch Das Handbuch...

Fortbildungskalender. -Autismus- -ADHS-

Sexualpädagogisches Handeln

Häufige Begleiterkrankungen: Körperliche Erkrankungen Epilepsie Sonstige körperliche Erkrankungen

Menschen mit hohem Hilfebedarf

Häufige Begleiterkrankungen: Körperliche Erkrankungen Epilepsie Sonstige körperliche Erkrankungen

Emotionale Entwicklung

Themen-Quiz: Was weißt Du schon? 54 Einleitung 55 Körperliche Veränderungen 55 Hilfe, ich verändere mich! 58 Bezeichnungen für Körperteile 58

Das Alter der Gefühle Der entwicklungspsychologische Ansatz als alltagstaugliches Konzept in der Behindertenhilfe

1. Hilfreiche Broschüren aus dem Kirja-Verlag (bestellbar unter (Online- Shop) oder via

Förderung sozialer Kompetenzen bei Menschen mit Autismus- Spektrum-Störungen

Überblick über den Vortrag

Wer bin ich? Wer will ich sein?

ein IchbinIch begreifen Wie viel Andersartigkeit verträgt eine Gesellschaft?

Chronisch kranke Kinder und Jugendliche Bedürfnisse und Krankheitsbewältigung

Themenabend am : Aggression was tun? Referentin: A. Sewing. Definition Ursachen/ Auslöser Vorbeugung Deeskalation

Fachtagung: Präventive Unterstützung von Heimbewohnern mit auffälligen Verhaltensweisen. Das Interventionskonzept: Was hat sich verändert?

Gelingensbedingungen schulischer Förderung bei Autismus-Spektrum-Störungen

Vortragsreihe 2017 / 2018 Kinder- und Jugendpsychologie

Kinder mit Autismus Spektrum in der heilpädagogischen Früherziehung. Autismus Spektrum Störung. Erstellen der Diagnose

Das jugendliche Hirn als Baustelle

Sexualpädagogik im Klassenzimmer

Wir verstehen uns! Praxisideen zur Förderung Kommunikativer & sozialer Kompetenzen Menschen aus dem Autismus-Spektrum. Claudio Castaneda präsentiert

Informationen zu Hauptreferaten und den Workshops

Praxismaterialien (Stand: ) Modul 1, Baustein 1.4, Anlage 1 A. Busch, W. Dehler, S. Wiesenberg

Psychisch kranke Kinder und Jugendliche. Wie erkennen? Was tun?

Nationaler Autismus Kongress Schweiz November 2018, Zürich Lambert Schonewille

Lebenskompetenz entwickeln: Einige bekannte Ansatzpunkte Lebenskompetenz entwickeln

1. Besondere Herausforderung?

Autismus-Spektrum- Störung. von Dennis Domke & Franziska Richter

THEORY OF MIND TEIL 2

Therapiebedürftige Kinder und Jugendliche im Schulalter. Erfahrungen aus psychotherapeutischer Sicht und präventive Ansätze

Transition in der Kinder- und Jugendmedizin Eine multiprofessionelle Aufgabe

Ehe und Partnerschaft als Quelle der seelischen Gesundheit?!

Fachtag für Autismus Spektrum Störungen in Thüringen

Hartmut Kasten. 4-6 Jahre. Entwicklungspsychologische Grundlagen

Aspekte psychosexueller Entwicklung bei Jugendlichen mit Behinderungen: Chancen und Risiken. Simone Hartmann pro familia Nürnberg

Ehrlich gesagt... Hautnah aus dem Familienleben erleben Sie, wie ein Sechzehnjähriger sich seinem Vater erklärt.

Arbeitsplan Sachunterricht Klasse 1. Fächerübergreifende Aspekte Kunst: Das bin ich Deutsch: Erzählen zum Thema Familie und Zusammenleben

Wirkung und Nebenwirkung der Diagnose Autismus-Spektrum Störung

Führerschein für Manager

Was ist Autismus und wie kann mit den Besonderheiten von Menschen mit Autismus umgegangen werden?

So kann ich lernen! Möglichkeiten des Nachteilsausgleichs bei Schülern mit ASS. Susanne Schirmer und Katharina Kayser

Autismus Individuelle Unterstützung für individuelle Menschen. Fachtagung Herzlich Willkommen

Die Begleitung von Menschen mit Autismus und herausforderndem Verhalten. Lambert Schonewille 19. Mai 2016 Bern

Begrüßungsworte Fachtagung Autismus NRW - Therapie Vielfalt vernetzen 5. April 2016, 10 Uhr, Plenarsaal des Landtags

Verdachtsdiagnostik Wirkung und Nebenwirkung der Diagnose

Liebe Teilnehmerin, lieber Teilnehmer!

Der TEACCH-Ansatz. in der Begleitung von Menschen mit Autismus. Bielefeld, Thomas Feilbach

TEACCH EIN SCHULENTWI C KLUN GS P R O JE KT:

Ein Auflistung der verschiedenen Probleme, die es mit Sprache mit weitesten Sinne zu beobachten gibt:

1 Einleitung 3. 4 Umgang mit autismusspezifischen herausfordernden Verhaltensweisen 17

Übersicht Sitzung 2: Psychoedukation

Weiterbildungsreihe: Förderung von Menschen mit hochfunktionalem Autismus/Asperger Syndrom auf der Basis des TEACCH -Ansatzes

Evangelisches Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge ggmbh Akademisches Lehrkrankenhaus der Charite` Die Bedeutung der emotionalen Entwicklung

SYTEMISCHE SELBST-INTEGRATION. Dr. med. Ero Langlotz. Psychiater, Systemtherapeut

Wohnbegleitung und Wohnangebote autismusgerecht gestalten. Traversa 7 Juni 2018 Luzern Lambert Schonewille

Spontane Nutzung sozialer Signale bei autistischen Erwachsenen

Adaptive Lernsysteme für soziale Kognition: Ein emotionaler Dreisprung

Pädagogisches Leitbild der Kita Kinderwerkstatt

Grundlagen der Sportpädagogik (WS 2004/05) Dietrich Kurz Universität Bielefeld Abteilung Sportwissenschaft

Auf in eine neue Welt wenn Migration von Angst & Depression begleitet wird. Dr. med. Janis Brakowski Psychiatrische Universitätsklinik Zürich

Dr.-Elisabeth-Bamberger-Schule Förderzentrum, Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung Ohmstraße 12, Karlsfeld

Lassen sich Lebensqualität und Behinderung überhaupt miteinander vereinbaren?

Jenseits des Denkens in Täter- und Opferprofilen

Spielend lernen. lernend spielen

Konzentrationsprobleme bei Schülern mit ASS

Das Asperger Syndrom Erfolgreiche Integration in die Regelschule! Tagung Lerncaoching im Unterricht Workshop 09 Irène Baeriswyl-Rouiller

Essstörungen LSSH. Vortragsveranstaltung Dr. Regina Kostrzewa

Wer sind die Täter? Welche Täterstrategien gibt es?

Unterrichtseinheit 9

Inhaltsübersicht. Vorwort 12

Vielfältige Lebenswelten in Institutionen: Migration und Behinderung Herbsttagung 2014 SOCIALBERN

Projekt ADHS im Klassenzimmer Martina Dort & Anna Enrica Strelow

Berner Gesundheit Prävention und sexuelle Gesundheit

Entwicklung autistischer Störungen

Magie der Aufmerksamkeit

1 Einleitung: Emotionen und emotionsbezogene Psychotherapie 3

Gemeinsam mit Menschen mit einer ASS leben und dabei flexibel bleiben

Kontakt zu anderen aufnehmen, sich mit anderen verständigen wollen, mit- und gegeneinander spielen, Regeln vereinbaren. (soziale Funktion)

Sterbebegleitung bei Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung. Lazarus Hospiz-Forum 11. Februar 2013 Prof. Dr. Jeanne Nicklas-Faust

Fragebogen zu Kindern mit Autismus-Spektrum Störung und ihren möglichen Inselbegabungen

Inadäquates und herausforderndes Verhalten bei Kindern im Autismus- Spektrum: vom Reagieren zum Agieren

Das Asperger Syndrom Erfolgreiche Integration in die Regelschule!

Marianne Frostig. Bewegungserziehung. Neue Wege der Heilpädagogik. 6., neugestaltete Auflage 43 Abbildungen. Ernst Reinhardt Verlag München Basel

Let s talk about sex - Sexualpädagogische Konzepte in Einrichtungen der Behindertenhilfe

Diabetes und weibliche Sexualität

Emotionale Entwicklung I: Emotionsverständnis. Die Entwicklung von Emotionsverständnis und sein Einfluss auf die soziale Kompetenz

Sexuelle Intelligenz

Newsletter - Ausgabe Juni 2017

Spielplatzrahmenplan Offenbach 2. Teil

Ich bin stark, wenn. Resilienz. Stefanie Schopp

Burnout Prophylaxe: Wie entgehe ich der Burnout-Falle?

Wie erleben Kinder Sterben und Tod?

Durchhänger von Lernenden besser verstehen

Transkript:

Autismus und Pubertät 3. Mönchengladbacher Fachtagung Autismus Spektrum Störung 30.05.2015 Susanne Wagener-Jarusch Autismus und Pubertät - Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Pubertät - Ideen zum Umgang mit möglicherweise aufkommenden Problemen

Pubertät biologische Faktoren Entwicklung analog neurotypischer Pubertät (Körperbehaarung, Wachstum, Geschlechtsmerkmale) Mehr Selbstsorge in Bezug auf sensorische Fragen, Bewertung, feinmotorischen Fähigkeiten Hunger Verbesserte Motorische Fähigkeiten und körperliche Kraft Größeres Schlafbedürfnis Pubertät und Autismus - biologisch Epilepsien können erstmalig auftreten und konstante wie auch episodische Verschlechterungen zur Folge haben Das Verstehen und die Kommunikation über körperliche Veränderungen und Ereignisse, wie Menstruation, nächtlicher Samenerguss ist erschwert. Neue körperliche Sensationen (Haare, Brüste, erigierter Penis, Körpergeruch, Blut, Samenerguss) Körperliche Veränderungen können verspätet oder frühzeitig einsetzten Wirkt nicht mehr süß wie ein kleines Kind Körperliche Bedürfnisse ändern sich (Hunger, Müdigkeit) Unterstützungsbedarf in Bezug auf neue Hygienetätigkeiten

Strategien, die die biologischen Faktoren berücksichtigen Aufklärung über körperliche Veränderungen Nutzen von Bildern und Beispielen aus der Familie, um körperliche Veränderungen bei anderen zu zeigen visuellen Checkliste für die Körperpflege nutzen; wenn angemessen: Hinzufügen von Rasieren, Binde benutzen. Strukturierungshilfen einsetzen zur Kompensation von Problemen mit der Bewertung Körperschema erlernen, Körperteile benennen und zeigen wo etwas weh tut Überprüfung des Schlafbedürfnis Körperliche Betätigung, Sport Pubertät - psychologisch Gesteigerte Bedürfnis nach Autonomie und Unabhängigkeit Bedürfnis nach Mitbestimmung bei Entscheidungen über alltägliche Aktivitäten (Kleidung, Essen, Freizeit ) Wunsch nach Erweiterung des Horizonts, Risiken eingehen Gesteigertes Interesse an neuen Erfahrungen bezogen auf Wachstum und Erweiterung des Umfelds Wunsch nach eigenem, privatem Bereich

Pubertät und Autismus-psychologisch Schwierigkeiten mit Unvorhergesehenem umzugehen Altersangemessene Fähigkeiten bedürfen Beurteilungsfähigkeit und Sequenzierung Probleme mit der Generalisierung von Fertigkeiten Aktivitäten haben oft kein klares Ende Schlechtes Konzept von Zeit Schwierigkeiten Bedürfnisse auszudrücken Schwierigkeiten zu verstehen, was andere sagen Strategien, die die psychologischen Faktoren berücksichtigen Anbieten von visuellen Hilfsmitteln um die Auswahl zu erleichtern Bereitstellen von visuellen Hilfen um Vorhersehbarkeit zu ermöglichen Größere Vielfalt, mehr Abwechslung von Aktivitäten, Menschen und Orten anbieten Strategien zur Bewertung einüben Bereitstellen von Rückzugsmöglichkeiten

Pubertät - emotional Rigidität Launisch Beunruhigt Sexuelle Anspannung, Hormone Pubertät und Autismus - emotional Schwierigkeiten Gefühle auszudrücken und mit ihnen umzugehen

Strategien, die die emotionalen Faktoren berücksichtigen Angebote zum Spannungsabbau im Laufe des Tages Negative Gefühle kontrollieren lernen Warnsignale im Verhalten erkennen lernen und Rückzugsmöglichkeiten anbieten Entspannungstechniken einüben Pubertät- sozial Möchte dazu gehören Möchte Freunde außerhalb der Familie Gesteigertes Bewusstsein für und Interesse an Anderen

Pubertät und Autismus - sozial Peer Group hat weniger Bedeutung Jugendsprache und Feinheiten in der Sprache werden nicht verstanden Die vertrauten Kontaktrituale funktionieren häufig nicht mehr Neue altersgemäße Erwartungen und Regeln werden nicht erkannt (auf dem Schoß sitzen ) Unterscheidung öffentlich - privat intim Ablösung schwierig Entwicklung einer neuen Rolle schwierig Situative Anpassung des Verhaltens schwierig (sensorische Sensationen. Geruch, Interesse am Körper) Fehlende Empathie für Beziehungsgestaltung Sexuelles Verhalten Strategien, die die sozialen Faktoren berücksichtigen Mehr soziale Möglichkeiten anbieten: Sozialgruppe Kontaktmöglichkeiten schaffen Soziale Regeln erklären und visualisieren Nein-Sagen Möglichkeit zur Sexualität

Zitate Die Partys habe ich nie begriffen, da hockt man schon den ganzen Tag in der Schule zusammen und dann will man am Abend noch freiwillig zusammen abhängen. Wenn man den Eindruck erweckt, seinen Arsch nicht von seinem Ellenbogen unterscheiden zu können, muss man ganz schön aufpassen, dass man nicht völlig untergebuttert wird. Darum wurde ich zuerst Grufti, da war ich knapp 14, denn schwarze Sachen muss man nicht kombinieren können.. Pubertät - kognitiv Schwarz-weiß denken Intoleranz, Probleme Kompromisse einzugehen Komplexeres, abstraktes Denken Größere Perspektivübernahme

Pubertät und Autismus - kognitiv Gründe und Ursachen für die Intoleranz können verschieden sein Schwierigkeiten mit Abstraktem Denken Generalisierungsschwierigkeiten Probleme Sachverhalte zu durchdenken und Verbindungen herzustellen Strategien, die die kognitiven Faktoren berücksichtigen Vermeiden von Machtspielen, Versuch der Umlenkung, Unterbrechung oder weggehen und später neu beginnen (Low Arrousal) Auswahl und Anweisungen visualisieren Sozialgeschichten und Comic Strip Conversation

Autismus und Pubertät Zusammenfassung Es gibt keine Rezepte für die Unterstützung autistischer Menschen in der Pubertät! Notwendig ist es, die vielfältigen Aspekte dieser Phase und das Fähigkeitsprofil der Person zu kennen. Auf dieser Grundlage sollte ein Unterstützungssystem aufgebaut werden, das auf die Person, seine Bezugspersonen und die Rahmenbedingungen zugeschnitten ist. Autismus und Pubertät Zusammenfassung An Interessen und Fähigkeiten orientiert Orientiert an den persönlichen Zielen Einbeziehung der Angehörigen Förderung sollte frühzeitig vor Beginn der Pubertät beginnen Plan B und C

Literatur Autism in Adolescents and Adults, Schopler und Mesibov Sexual Behavior in Adults with Autism, van Bourgondien, Reichle, Palmer in The Journal of Autism and Developmental Disorders Social Stories, Carol Gray Pederson und Haracopos, Dänische Studie, 1993 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Dipl. Soz.-Päd. Susanne Wagener-Jarusch TEACCH Certified Advanced Consultant Telefon +49 (0)201-61726240 Email wagener-jarusch@autismus-essen.de