Englischunterricht an der Primarschule

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Transkript:

Anna von Ow Vera Husfeldt Ursula Bader Lehmann Pädagogische Hochschule FHNW Institut Forschung und Entwicklung, Zentrum Bildungsorganisation und Schulqualität Professur Englischdidaktik und ihre Disziplinen

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Fragestellung Wie beeinflussen zeitliche Vorgaben und lehrpersonenbe zogene Variablen neben und durch individuelle Schüler variablen den Lernerfolg in Englisch nach 2 Schuljahren?

Erhebung und Stichprobe Erhebungszeitpunkt Nach 2 Jahren Englischunterricht Erhebungszeitraum schriftlich: Okt./Nov. 2010 Folgeerhebung im FL Sept. 2011 mündlich: April 2011 FL Stichprobe Lese- und Hörverstehen 1538 Primarschülerinnen und Primarschüler, davon: 1243 Kinder der 5. Klassen aus 5 Schweizer Kantonen (AI, AR, SG, SH, ZG) 295 Kinder aus den 4. Klassen des Fürstentums Liechtenstein 93 aktuelle Lehrpersonen dieser Klassen

Erhebungsinstrumente Schriftliche Erhebungen standardisierte Tests fürs Lese- und fürs Hörverstehen (im Schweizer Kanton Aargau erprobte Tests aus der Nordrhein- Westfälischen EVENING-Studie) standardisierte Fragebogen für die Schülerinnen und Schüler (abgekürzte Variante für die 1 Jahr jüngeren SuS aus dem FL) standardisierter Fragebogen für die Lehrpersonen Mündliche Erhebungen standardisierte Sprechtests

Untersuchte Einflussfaktoren Zeitliche Vorgaben / Lehrperson Schülerinnen und Schüler soziodemographische Faktoren zeitliche Vorgaben Motivation Selbstbild Strategien Lernerfolg lehrpersonenbezogene Faktoren

Lernerfolg Skala Hörverstehen lehrpersonenbezogene Faktoren Zeitliche Vorgaben / Lehrperson zeitliche Vorgaben Schülerinnen und Schüler Skala Leseverstehen Motivation Selbstbild Strategien Skala Sprechen Lernerfolg soziodemographische Faktoren

Untersuchte Einflussfaktoren (1) Zeitliche Vorgaben / Lehrperson Anzahl Wochenlektionen lehrpersonenbezogene Faktoren zeitliche Vorgaben Anfangsalter/Klassenstufe Unterrichtsstart Motivation Selbstbild Strategien Schülerinnen und Schüler Lernerfolg soziodemographische Faktoren

Untersuchte Einflussfaktoren (2) lehrpersonenbezogene Faktoren Zeitliche Vorgaben / Lehrperson zeitliche Vorgaben Unterrichtserfahrung und Ausbildung der Lehrperson Status Fach- vs. Klassenlehrperson Motivation Selbstbild Strategien Schülerinnen und Schüler Unterrichtsgestaltung der Lehrperson (Skalen) Lernerfolg soziodemographische Faktoren

Untersuchte Einflussfaktoren (3b) Skala zum englischspezifischen Selbstkonzept lehrpersonenbezogene Faktoren Zeitliche Vorgaben / Lehrperson zeitliche Vorgaben Selbsteinschätzung 'gut sein in der Schule' Motivation Selbstbild Strategien Schülerinnen und Schüler Lernerfolg soziodemographische Faktoren

Untersuchte Einflussfaktoren (4) Geschlecht Alter lehrpersonenbezogene Faktoren Zeitliche Vorgaben / Lehrperson zeitliche Vorgaben Sprachlicher Hintergrund (Zwei- oder Mehrsprachigkeit, Fremdsprachigkeit) Motivation Selbstbild Strategien Schülerinnen und Schüler Sozioökonomischer Hintergrund (Wohnverhältnisse und Bildungsaktivitäten) Lernerfolg soziodemographische Faktoren

Methode Skalenbildung auf Basis IRT Indizes (MW) Mittelwertsvergleiche Multivariate lineare Regressionsmodelle

Ergebnisse Hörverstehen (MW=542) Aufgabenschwierigkeit bzw. Schülerfähigkeit

Ergebnisse aus Mittelwertsvergleichen Zwischen den Leistungen der Schülerinnen und Schülern unterschiedlicher Schweizer Kantone im Leseund Hörverstehen lässt sich kein signifikanter Unterschied feststellen. Die durchschnittlich 1 Jahr jüngeren Kinder des Fürstentums Liechtenstein schneiden schlechter ab. Mädchen schneiden im Schnitt überzufällig besser ab als Jungen. Nach Kontrolle auf den sozioökonomischen Hintergrund verlieren sowohl Mehr- wie auch Fremdsprachigkeit ihre Wirkung auf den Erfolg in den schulischen Englischleistungen.

Leistungsmittelwerte nach Altergruppen Alter MW Hörverstehen N s Leseverstehen MW N s 9-jährig oder jünger 504 115 100 501 115 95 10-jährig 542 472 92 535 472 90 11-jährig 550 749 90 543 749 90 12-jährig oder älter 508 107 87 499 107 90 Insgesamt 540 1443 93 534 1443 92 N = 1443, fehlend = 30 (1%)

Leistungsmittelwert nach Geschlecht Geschlecht MW Hörverstehen N s Leseverstehen MW N s Mädchen 553 726 90 551 726 86 Junge 527 719 93 516 719 94 Insgesamt 540 1445 93 534 1445 92 N=1445, fehlend = 28 (1%)

Leistungsmittelwerte nach Sprache (1) Hörverstehen Leseverstehen Zwei- oder Mehrsprachigkeit MW N s MW N s Einsprachig, D oder CHD 545 984 92 538 984 92 von Haus aus zweisprachig, eins davon D oder CHD 536 257 96 527 257 92 von Haus aus mindestens zweisprachig, nicht D/CHD 520 232 93 515 232 94 Insgesamt 539 1473 93 533 1473 93 N=1473

Leistungsmittelwerte nach Sprache (2) Fremdsprachigkeit Hörverstehen MW N s Leseverstehen MW N s nicht fremdsprachig 543 1246 93 536 1246 92 fremdsprachig 520 227 94 515 227 94 Insgesamt 539 1473 93 533 1473 93 N = 1473

Ergebnisse: Hörverstehen (1) Schülerindividuelle Faktoren B Beta Sig (Konstante) 3.823.938 Mädchen 18.982.102.000 Selbstkonzept (Englisch) 2.688.287.000 allgemeine Schulleistung 13.562.136.000 Mehrsprachigkeit Dummy -3.917 -.020.423 Bildungsaktivitäten 27.661.143.000 Zusätzlich im Modell: Dummies für Altersgruppen (>= 12 jährig s., -), Keine Sprechhemmung (n.s., +), Langeweile aufgrund Unterforderung (Gesamt-STP: s., +; CH-STp nur für HV s., +), Wohnverhältnisse (s., +)

Ergebnisse: Hörverstehen (2) Zeitliche und LP-Faktoren B Beta Sig Anfangsalter/Start Klassenstufe 62.141.261.000 Unterrichterfahrung als Primarlehrperson.343.035.156 Wortschatzausrichtung -.478 -.051.051 Bewertung des Mündlichen.592.063.039 Selbstständiger Sprachzugang.605.065.043 Zusätzlich im Modell: Anzahl Wochenlektionen (ns., +), Status Fachlehrperson (n.s., +), Keine Differenzierungsschwierigkeiten (Gesamt-STP: n.s., +), Mündlichkeitsausrichtung (n.s., +), Alltagsbezug (HV: n.s.; LV: s., -), Individualisierte Arbeitsformen (HV: s., -)

Modellinformationen Hörverstehen: Korrigiertes R-Quadrat = 0.323 N=1303

Rückblick Die Lernenden erbringen sehr gute Leistungen und eine hohe Motivation beim frühen Fremdsprachenlernen. Es konnten Einflussfaktoren auf allen drei Ebenen - zeitliche Vorgaben, schülerindividuelle und lehrpersonenbezogene Grössen - ausgemacht werden. Die Mehr- und Fremdsprachigkeit wirkt nicht überzufällig - weder positiv noch negativ - auf die schulischen Leistungen im Englisch (HV und LV) aus. Das Erfassen der komplexen Sprachrealität der Kinder stellt sich als äusserst schwierig heraus, v.a. auch in dieser Form der standardisierten schriftlichen Befragung

Ausblick Zur Analyse der Sprachrealität der Lernenden bedarf es weiterer Untersuchungen, allenfalls auch noch anderer Instrumente. Vielversprechend werden die Analysen von Interaktionen zwischen SuS- und LPn-Variablen, dabei insbesondere auch mit der Mehr- bzw. Zweisprachigkeit erachtet. In einem nächsten Schritt wird die Klassenebene miteinbezogen.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit